Die meisten Wildkatzen sind
vertikal gestreift oder haben vertikal angeordnete Streifen oder auch
unterbrochene Streifen, die wie längliche Flecken aussehen. Der Tiger, der
Leopard, die Europäische Wildkatze, sie alle haben eine vertikale
Fleckenzeichnung. Auch bei der Falbkatze und der Rohrkatze, die beide nur ein
etwas verschwommenes Fleckenmuster haben, das kurz nach der Geburt noch gut zu
sehen ist, aber im Laufe der ersten Monate verschwindet, sieht man die
vertikalen Flecken. "Geisterzeichnung" nennt man diese Zeichnung bei den
Jungtieren, aber sie hat schon eine Funktion. Im Nest, dort wo die Jungen
aufwachsen, dient es vorzüglich zur Tarnung. Wenn die Jungen später auf die
offene meist sandige Fläche kommen, ist es überflüssig. Auch das Jugendfell der
Löwen ist mit vertikalen Flecken gezeichnet.
Andererseits haben Jaguar,
Ozelot, Margay und Oncilla deutlich horizontal angeordnete Flecken. Auch bei
unserer Kleinfleckkatze "Margaytje" waren die Flecken horizontal angeordnet.
Alle diese Wildkatzen leben in Südamerika. Aber wie steht es mit dem Nebelparder?
Er ist in Hinter-Indien, in Sumatra und auf Borneo zu Hause, so weit es ihn
noch gibt. Auch seine, allerdings sehr großen und "wie Nebelwolken" über den
Körper verteilten Flecken scheinen horizontal angeordnet zu sein. Und er ist es,
der noch eine andere Eigenschaft mit den Margays gemeinsam hat: er hat ebenso
wie diese ein bewegliches Gelenk an den Hinterpfoten, das es ihm möglich macht,
mit dem Kopf nach unten von Bäumen herabzuklettern. In "Das große Buch der
Wildkatzen" von Dr. Siegfried Seiffert und Peter Müller las ich, daß man den Nebelparder als eine Zwischenform der Großkatzen und der kleinen wilden Katzen
betrachtet. Wieder drängt sich die Frage nach den Zusammenhängen auf.
Im oben genannten Buch fand ich
auch einen Bericht über eine bisher unbekannte Wildkatze. der Iriomotekatze. Das
Buch stammt aus dem Jahre 1987 und es ist wohl eins der ersten, das überhaupt
diese seltene Katze wenn auch nur kurz beschreibt.
Die nachfolgenden Informationen
bekam ich, viele Jahre später, von Frau Barbara Leyhausen. Vor allem
Professor Leyhausen setzte sich sehr für eine wissenschaftliche Untersuchung und
auch für die Erhaltung ihres Lebensraumes (eine einzige Insel, auf der sich
immer mehr Tourismus gefördert und immer mehr Natur zerstört wird) ein.
Die Iriomotekatze wurde 1966 von Dr.Takara
von der Ryukyu-Universität zusammen mit einem
naturwissenschaftlichen Schriftsteller namens Togawa entdeckt. Das Material
wurde vom japanischen Biologen Dr. Y. Imaizumu
untersucht, der die Katze 1967 zuerst beschrieb. Er fand, sie sei
etwas Einmaliges und wies sie in eine eigene Gattung als "Mayailurus
iriomotensis" ein. Diese Einschätzung, daß die Katze etwas
Einmaliges war, wurde auch von Professor Leyhausen geteilt. Er
hielt die Möglichkeit offen, daß sie trotzdem zur Gattung Prionallutus gehören
könnte, aber seine bisherigen Schädeluntersuchungen sind nicht ganz schlüssig
Mehrere Wissenschaftler haben sich mit dem Problem der Verwandtschaft der
Iriomotekatze befaßt. Für die 1993 erschienene Veröffentlichung „Mammal
Species of the World“ der Smithsonian Institution, Washington D.C., schrieb nun der amerikanische Wissenschaftler Dr. W.C. Wozencraft eine neue Systematik der Feliden, in der er die Iriomotekatze zu einer
Unterart der Bengalkatze, Prionalilurus bengalensis degradiert.
Diese Veröffentlichung gilt als „officiell“ und wird allgemein
akzeptiert, so auch von IUCN, was leider Auswirkungen auf die Einschätzung des
Grads der Gefährdung der Iriomotekatze für die Belange des
Washingtoner Artenabkommen (Cite) hat: Als nur „Unterart“ der Bengalkatze genießt sie relativ wenig Schutz, weil die Bengalkatze nicht als
„vom Aussterben bedroht“ gilt.
Dr Y. Imaizumi
beschreibt die Katze als ein kleines, grau-braunes Tier, das horizontal
gestreifte, verschwommene Flecken hat. Es scheint sicher zu sein,
daß diese Katze mit Felis bengalensis verwandt ist. Für uns
ist interessant, daß Dr. Omaizumi auch eine gewisse Ähnlichkeit
mit südamerikanischen Katzen zu sehen meint, allerdings
nicht der Fellzeichnung, sondern gewissen Details des Schädels
wegen, die denen der Nachtkatze (Oncifelis guigna) und des Jaguarundi
zu ähneln scheinen.
Zur Zeit der Entdeckung (1967)
gab es nur etwa 300 Tiere und als oben genanntes Buch 1987 erschien, gab es nur
noch 50 dieser Katzen. Gegenwärtig schätzt das Iriomote Wildlife Center den
Bestand auf etwa 150 Exemplare. Trotzdem muss man befürchten, daß das Rätsel der
Verwandtschaft der Iriomotekatze wohl ungelöst bleiben wird. Allerdings soll
Dr. Imaizumi an einem Buch über die Iriomotekatze schreiben.
Das Rätsel der
Streifenzeichnung unserer Hybriden war nicht das einzige Rätsel, das unsere
Hybriden uns aufgaben, wie man noch sehen wird. Frau Dr. Wolff gab dem neuen
Fleckenmuster den Namen: "Forellentüpfellung", ein Name der sich inzwischen auch
international völlig eingebürgert hat.
Später, 1966, als ein Bericht
von Professor Leyhausen im "International Zoo Yearbook" (6:176-182) erschien,
wobei freundlicherweise mein Name als Mitautorin genannt wurde, obschon ich nur
die Daten und Beobachtungen beigetragen hatte, wurde gerade dieses
Fleckenmuster besonders hervorgehoben. Es wurde ein Vergleich zur
Kleinfleckkatze angestellt.
In der ersten Ausgabe von
Grzimeks "Tierleben, Enzyklopädie des Tierreichs" von 1970 wird über meine
Oncilla-Hybriden in demselben Sinn berichtet, ebenfalls mit dem Vergleich zur
Kleinfleckkatze und auch zur Nachtkatze (Leopardus guigna).
Gloria und ihre jungen
Halbschwestern hatten verschiedene Abessiniermütter aber denselben Vater. Das
ließ
vermuten, daß die
Fleckenzeichnung das Erbe des Vaters sein würde, dachten wir. Ich habe das
damals ohne weiteres hingenommen, aber heute habe ich so meine eigene Theorie
darüber. Später hat sich gezeigt, daß eine
Kleingefleckte (Forellen-)
Zeichnung auch bei anderen Hybriden aus Kreuzungen mit Abessiniern mit anderen,
nicht verwandten Katzen zum Vorschein gekommen ist, aber ausschließlich dann,
wenn ein Elternteil
Abessinier war. Darum gehe ich
persönlich davon aus, daß diese "Forellenflecken" auch im Hintergrund der
Abessinier zu suchen sind. Ich selbst hatte einmal Jungtiere von einem
Abessinierkater und der Katze Ruby, deren Vater ein Hauskater, die Mutter aber
eine sudanesische Wildkatze war. Auch bei dieser Paarung (also _ Abessinier _
Falbkatze _ Hauskatze) hatten die Jungen ein sehr kleines
Forellenfleckenmuster. Das Foto von einem der Jungen, das des Katers Caruso,
zeigt das deutlich.
Eine holländische Familie hatte
Rubys Mutter, die Falbkatze, von einer Reise durch den Sudan mitgebracht. Ein
Biologe bestimmte das Tier als eine "Felis silvestris rubida", eine der vielen
Unterarten aus der silvestris-Gruppe. Felis silvestris rubida wird als eine
braun-rötliche Katze mit mehr oder weniger schwacher Fleckenzeichnung
beschrieben. Bei der Wildkatze, die nach Holland mitgebracht wurde, waren
tatsächlich nur ganz schwache Flecken zu sehen, aber es stellte sich später
heraus, daß sie trotzdem fest im Erbbild verankert waren. Wieder in Holland
zurückgekommen, versuchten die Besitzer der Wildkatze, sie wie eine normale
Hauskatze zu halten. Das klappte auch insofern, als sie immer brav von ihren
langen Ausflügen in ihr neues Heim zurückkehrte. Leider stellte sich aber bald
heraus, daß ihre Ausflüge dem Zweck der Ausrottung des Hühnerbestandes auf den
umliegenden Bauernhöfen dienten. Das gab natürlich Schwierigkeiten, und als die
Sudanesin sich auch noch mit einem Nachbarkater eingelassen hatte, einem roten Tabbykater, und von ihm zwei Junge bekam, entschied man sie
Fortzugeben. Leider
hörte ich zu spät, daß für diese interessante Katze ein neues Heim gesucht
wurde. Sie landete erst bei jemandem, der einen kleinen Privatzoo hatte, und
später im Tiergarten "Artis" in Amsterdam. Die zwei Jungtiere allerdings, zwei
Weibchen, durfte ich haben. Sie waren lieb und zahm. Äußerlich konnte man sie
kaum von Hauskatzen unterscheiden. Nur hatten sie völlig andere Stimmen, rau
und durchdringend, fast kreischend, wenn sie etwas wollten. Außerdem hatten sie
bedeutend längere Eckzähne als unsere anderen Katzen. Aber das war auch schon
der einzige Unterschied. Wir mussten ihnen natürlich Namen geben und wollten gern
sowohl die Abstammung als die Stimmgewalt der beiden darin verarbeiten, und da
grade in der Zeit die beiden Sängerinnen Maria Callas und Renata Tibaldi bekannt
und berühmt waren, wurden die zwei Halb-Sudanesen "Sylvi M. Callas" und "Ruby
R. Tibaldi" genannt. Das „Sylvi“ stand für "silvestris" und das Ruby für "rubida".
Sylvi war schwarz-rot gefleckt
und hatte die Figur eines der ägyptischen Bilder im Louvre. Sie war bedeutend
hübscher als ihre Schwester Ruby, die kräftiger und weniger elegant war. Ruby
hatte eine sandfarbige Grundfarbe und ein schwarz-graues Streifenmuster, das
hier und da von ein paar roten Tüpfelchen unterbrochen wurde. Von Sylvi ist
leider nicht viel zu erzählen. Meine Tochter nahm sie mit nach Groningen und
dort ist Sylvi schon bald fortgelaufen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.
Ruby blieb bei uns und bekam
mehrere Würfe mit interessanten Jungtieren. Vom ersten Wurf war Sothis der
Vater. Darunter waren der bereits oben erwähnte Kater Caruso, sein roter Bruder
und zwei Schwestern. Caruso, der Forellengetüpfelte, kam zu einer Dame in
München, die eine Bekannte von Frau Dr. Wolff war. Mit ihm wurde gezüchtet. Eins
der Kätzchen, die schöne Columbine, fand später eine neues Heim bei einem
Ehepaar in Düsseldorf, bei Herrn und Frau Taubert. Herr Taubert ist ein sehr
bekannter Kunstmaler.
Ende der siebziger Jahre sprach
mich auf einer Ausstellung eine Dame an: "Ihre Abessinier gefallen mir gut."
sagte sie, "Aber die schönste Abessinierkatze habe ich bei einem fantastischen
Künstler in Düsseldorf gesehen. Sie ähnelte zwar ihren Katzen, aber sie war
wirklich noch schöner. Herr Taubert hat sie sogar porträtiert."
"Düsseldorf?" dachte ich und
fragte, "Wie hier denn der Maler des Katzengemäldes?"
"Sein Name ist Gerhard Taubert.
Er malt eigentlich Landschaften, aber von seiner Katze hat er wundervolle
Zeichnungen und das bewusste Gemälde gemalt." erzählte die Dame.
"Dann stammte die Katze, die
Sie so schön finden, aus meiner Zucht." sagte ich. Ich bin mir gar nicht sicher,
ob die Dame mir das geglaubt hat.
Herr Taubert hat mir
freundlicherweise ein Foto von Columbine für dieses Buch zur Verfügung gestellt.
Jedes Jahr zu Weihnachten bekam ich einen Bericht von Herrn und Frau Taubert,
in dem über das Wohlergehen von Columbine berichtet wurde, dreiundzwanzig Jahr
lang. Dann kam die Nachricht, daß die so geliebte Katze gestorben war. Nie
wieder hat eine meiner Katzen ein so hohes Alter erreicht. Rubys roter Sohn
wurde einundzwanzig Jahre alt. Ich denke, daß das frische, wilde Erbgut der
Grund für soviel Vitalität ist. Leider ist mir nicht bekannt, wie alt Caruso
geworden ist.
Gleich nach der Geburt hatten
Caruso und die beiden Töchter von Ruby fast schwarz ausgesehen. Später
entwickelten die beiden Kätzchen sich zu äußerlich wunderschönen Abessiniern.
Sie hatten zwar noch Streifen um die Pfoten, wie die ersten Abessinier sie auch
noch gehabt hatten, aber ihr "ticking" (also die kleinen Ringe, die jedes Haar
hat, auch „agouti" genannt) war dreifach und sehr deutlich, auf warm
orange-brauner Basis, der Wunschtraum des Abessinierzüchters.
Rubys Nachkommen bestätigten
die Theorie der afrikanischen Abstammung der Abessinier. Der erste Wurf von der
Sudanesen-Abessinierhybridin Ruby ließ eine deutliche Übereinstimmung im Erbgut
der beiden Elternteile vermuten. Der zweite dagegen war fast noch
erstaunlicher. Ruby war, zwar nicht geplant aber auch nicht verhindert, von
einem lilac-point siamesischen Kater gedeckt (die Anwesenheit der Siamesen muss
ich später noch ausführlicher beichten). Auf einmal hatten wir einen Wurf kleingefleckter Kätzchen, nicht forellengefleckt dieses Mal, sondern überdeckt
von kleinen, sehr gleichmäßigen Flecken. Es waren Prachttierchen, die vom Vater
auch noch einen Schatz von Farbgenen (Verdünnungsfaktoren) mitbekommen hatten.
In späteren Generationen erschienen nicht nur schwarzgefleckte sondern auch
chocolate-(braun)gefleckte, lilac- und blaugefleckte Kätzchen.
Mir kam der Gedanke, daß dies
die Lösung eines Problems war, das ich kannte, seit so viele Besucher die
Oncillas gesehen hatten. Es wollten so viele Leute gern wild aussehende,
gefleckte Katzen haben, die nicht erst gezähmt zu werden brauchten. Es war die
Idee! Ich muss wohl dabei sagen, daß die verschiedenen gefleckten Katzen, die es
gegenwärtig gibt, noch nicht bestanden.
Die Idee wurde ein Reinfall.
Ich stellte einen sehr schönen, braungefleckten Kater "Choco Spot" auf der
Internationalen Katzenausstellung in Amsterdam aus, aber er wurde von den
Besuchern kaum eines Blickes würdig gefunden. Der Richterbericht der englischen
Richterin war verheerend: "Dieses Tier gehört keiner mir bekannten Rasse an.
Wahrscheinlich ist es ein Mischling und hat auf einer Rassekatzenausstellung
nichts zu suchen."
Jemand mit mehr
Kampfbereitschaft hätte wahrscheinlich jetzt drei Generationen gezüchtet und
dann um die Anerkennung gekämpft, aber dazu hatte ich nun wirklich keine Lust.
Warum und für wen? Es kam noch dazu, daß in jener Zeit (es war die
"Hippie-Zeit") gerade die Pelzmäntel aus Katzenfellen modern wurden und ich
dachte mit Schreck an die Versuchung, die von gefleckten Katzenfellen ausgehen
würde. (Heutzutage bedroht, wie ich hörte, eine andere Gefahr alle freilaufenden
Katzen, nämlich die einer Katzenmafia, die die armen Tiere auf grausamste Weise
fängt und tötet, um ihre Felle zu Rheumadecken zu verarbeiten, die kein
anständiger Mensch kauft.)
Ich behielt also meine
gefleckten Katzen wieder einmal allein für mich, und als aus den Würfen auch
einfarbige Tiere geboren wurden, die den "guten" Typ des siamesischen Vorvaters
hatten, habe ich die als experimentelle Orientalen ausgestellt. Diese Katzen
wurden wohl gut beurteilt. Da gab es auf einmal verschiedene Farbschläge. Die
schwarzen wurden "Ebony" genannt, die schokoladebraunen "Havannas", die
schieferfarbigen hießen "blaue Orientalen" und eine Zwischenfarbe, die dann
entstand, als beide Eltern sowohl das blau als das braun im Erbgut hatten, hier
"lavendel"; und später tauchte auch noch, ausgerechnet in meiner Zucht, kurz
bevor sie auch in England auftauchten, milchschokoladebraune Orientalen auf,
die wir "cinnamon" (Englisch für Zimt) nannten. Eigentlich waren das alles
natürlich nur "Verdünnungen" der ursprünglich schwarzen Färbung des Felles
(Mutationen also).
Um die Anerkennung der Ebonys
hatte sich Frau Dagmar Thies aus Celle, die Autorin vieler Bücher über
Katzenzucht, verdient gemacht. Die schokoladefarbigen, blau- und lilafarbigen
wurden im Laufe der Zeit in England anerkannt, aber die cinnamonfarbigen waren
nun einmal bei mir aufgetaucht, noch ehe sie irgendwo anders in Erscheinung
getreten waren, also durfte ich - etwas später natürlich- die Lorbeeren für die
Präsentation eines neuen Farbschlages ernten. Von Zuchterfolg wurde gesprochen
und von einer völlig neuen Farbvariation. Immerhin gab es Richard Dawkins' Buch
von den unsterblichen, selbstsüchtigen Genen noch nicht und die Katzenzüchter
sind nicht die einzigen Menschen, die gern so tun, als ob sie die Wunder dieser
Erde erfunden haben.
Meine Orientalen sind für diese
Geschichte nicht weiter wichtig, obwohl sie auf Ausstellungen immer recht viel
Erfolg hatten. Es genügt zu melden, daß ich sehr liebe und schöne Tiere dieser
Art hatte, an die ich mich gern und dankbar erinnere. Die meisten von ihnen
konnten ihre gefleckten sudanesischen Vorfahren doch nicht verleugnen. Im
Sonnenlicht sah man, vor allem bei jüngeren Tieren, die "Geisterzeichnung",
das Erbe der gefleckten Vorfahren. So ab und zu tauchte bei dem einen oder
anderen Nachkommen noch einmal ein Tierchen auf, das ausgesprochene
Wildkatzenzüge hatte. Das gab schon einmal Komplikationen, aber niemals
ernsthafte.
Die Vererbung der Flecken ist
eine verzwickte Geschichte. Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß unsere
gegenwärtigen Hauskatzen ursprünglich von afrikanischen, mehr oder weniger
gefleckten Katzen abstammen. Darum ist es nicht so erstaunlich, daß bei
freilaufenden Katzen immer wieder gefleckte Exemplare auftauchen, das Erbe der
Vorfahren.... Unser gefleckter Jantje war keine Ausnahme; auf Bauernhöfen kann
man oft wundervoll gefleckte Katzen sehen. Auch in Tierheimen findet man sie.
Wer gern eine schöne, gefleckte Katze haben will, wird sie zweifellos mit etwas
Geduld im Tierheim finden. Derjenige hat dann mit ihr ein Ebenbild der Urkatze
und obendrein einen dankbaren Hausgenossen. Denn Katzen, die man aus dem
Tierheim holt, sind, insofern sie nicht schon vorher so misshandelt sind, daß ihr
Vertrauen zum Menschen zerstört ist, die besten und dankbarsten Freunde, die man
sich wünschen kann. Das haben wir an unserem Jantje gesehen, aber auch an Panda,
Romy, Vosje und Scampolo.
Zur Zeit hat auch die
Rassekatzenwelt den natürlichen Charme des Fleckenmusters bei Katzen entdeckt.
Heute würde selbst keine auch noch so konservative englische Richterin auf die
Idee kommen, in einer Katze mit perfektem Fleckenmuster einen Bastard zu sehen,
nur weil sie dafür keinen Standard kennt. Fast jede kurzhaarige Rasse kennt eine
Variation mit Fleckenmuster. Die Orientalen, die Europäer (die komischerweise
so heißen, weil die echten, ursprünglichen Hauskatzen mit Hilfe von den Persern
schwerer im auf Ausstellungen erwünschten Typ geworden sind) aber auch neue
Variationen wie die bezaubernden Ocicats, die als Hauptzutat Abessiniernblut
haben, die Leopardcats und schließlich die Bengalen. Die Bengalen sind
tatsächlich ein Versuch, ein wenig Wildkatzenblut in die Rassekatzen hinein zu
retten. Der Ursprung liegt in Amerika. Felis bengalensis ist eine asiatische
Wildkatze (am Ende des Buches gibt es ein Foto von einer bengalischen Wildkatze
aus dem Besitz von Herrn Heiko von Glovcewski). Kreuzungen mit Kurzhaarkatzen
ergaben Jungtiere mit mehr oder weniger gutem Fleckenmuster, die inzwischen
offiziell als Rassekatzen unter dem Namen "Bengalen" anerkannt sind. Es
stellte sich heraus, daß die Nachkommen von diesen Kreuzungen fruchtbare Jungen
hervor brachten. Das war auch zu erwarten, weil Felis bengalensis auch 19
Paar, also 38, Chromosomen hat. Es gab sogar einmal die Theorie, daß Felis
bengalensis der Vorfahre der Siamesen sein sollte. Diese Theorie hat man aber
später wieder fallen gelassen. Trotzdem ist die Zucht dieser
bengalensis-Hybriden nicht ohne Probleme. Manche Nachkommen dieser Kreuzungen
haben nämlich merkwürdigerweise nur 36 gepaarte (also 18 Paar) Chromosomen und
zwei einzelne Chromosomen, die nicht „gepaart“ sind. Die Nachkommen dieser
Hybriden sind zwar fruchtbar, aber die Kater, die aus dieser Verbindung geboren
werden, sind steril; nur die weiblichen Tiere sind fruchtbar. Man hat versucht,
die Nachkommen dieser und der folgenden Generationen zu Felis bengalensis zurück
zu kreuzen, aber das hat wenig Erfolg, weil das Problem der sterilen Kater sich
dadurch stets wiederholt. Trotzdem gibt es hier in Holland sehr ernst
zunehmende Versuche, auf diese Weise ein zahmes Haustier zu züchten, das uns die
Schönheit der Wildkatzen näher bringt und das wundervolle Fellmuster bewahrt.
Ich habe bei einer bekannten Züchterin hier Tiere gesehen, die mich sehr
begeistert haben. Die Züchterin war freundlichweise bereit, mir ein Foto von
dieser wunderschönen Katze für dieses Buch zur Verfügung zu stellen. Allerdings
muss ich bekennen, daß man auf Ausstellungen manchmal Katzen unter dem Titel „Bengalkatzen“
sehen kann, mit denen jede Hauskatze konkurrieren kann. Ich vermute, daß man
durch Ungeduld und verkehrte Zuchtwahl (z.B. das Einkreuzen von nicht geeigneten
Katzen anderer Rassen) sehr schnell am hochgesteckten Ziel der ernsthaften
Züchter vorbei schießen könnte. Da die „Bengalen“ genannte Katzenrasse jetzt
grade auch noch eine Modekatze geworden ist und zu unglaublich hohen Preise
verkauft wird, sollte man auch dringend vor Überproduktion warnen! Es täte mir
leid, wenn mangelnder Sachverstand mancher Züchter dem Projekt schaden würde,
einem Projekt, das ich wichtig finde, weil damit ein Fleckenmuster erhalten
bleiben könnte, das, wie so viele andere, in der Natur auszusterben droht.
Die Bengalen, die ich bisher
sah, sind teilweise recht zahm, sicher in der zweiten und dritten Generation.
Das schönste Exemplar, das ich sah, war eine Katze der ersten Generation der
Kreuzung von Wild- und Hauskatze. Sie war allerdings auch im Verhalten noch
eine wirkliche Wildkatze. Zweifellos werden auch in zukünftigen Generationen
Exemplare auftauchen, die den Charakter der wilden Vorfahren geerbt haben. Wer
einer solchen Möglichkeit nicht Rechnung tragen kann, sollte lieber vom Kauf
eines Bengalen absehen. Dem Tier und sich selbst zuliebe. Möglicherweise tritt
bei der neuen Rasse der Bengalen auch der erfreuliche Effekt ein, den ich bei
den Nachkommen der sudanesischen Falbkatze wahrnahm, nämlich daß das reine
Erbgut der ursprünglichen Wildkatzen die Vitalität der Rasse günstig beeinflusst
und so die Lebensdauer bei sachgemäßer Haltung länger sein dürfte als bei den
anderen Rassekatzen.
Es gibt unter den wilden
Bengalkatzen solche mit soliden, also geschlossenen Flecken und - allerdings
seltener - solche mit "offenen" Flecken, dem Rosettenmuster der Südamerikaner
ähnlich. Bis heute habe ich noch keine Exemplare der neuen Rasse, die „Bengale“
genannt wird, mit diesem offenen Muster zu sehen bekommen.
Ich habe darüber so meine
eigene Theorie, aber ich hoffe, daß sie falsch ist, weil damit die Hoffnung,
gerade diese wundervolle Wildkatzenzeichnung des Rosettenmusters über die
Rassekatzenzucht erhalten zu können, zunichte gemacht würde.
Das Rosettenmuster ist nämlich
das weitaus interessanteste von allen Fleckenmustern. Wie kein anderes ist es
Ausdruck des vollkommenen Mimikry im Dschungel: Licht und Schatten, die Kreise,
die die Sonne auf den Boden des Waldes wirft. Im Vererbungsbild der Rassekatzen
gibt (oder gab?) es bisher kein Rosettenmuster. Bei den wilden Katzen ist es
Kennzeichen der Panther, der Jaguars, der Ozelots, Margays und Oncillas. Auch
bei den Schleichkatzen, den allerältesten Vorfahren der Wildkatzen, gibt es
dieses Fleckenmuster. Ich bin fast überzeugt, daß dieses Kennzeichen der
pantherartigen Wildkatzen einen ganz eigenen genetischen Code hat. Es ist die
Frage ,ob er auch auf andere Katzen zu übertragen ist. Es wird verloren gehen,
wenn man die Wildkatzen verloren gehen lässt. Ein paar Pelzmäntel und ein paar
präparierte Felle im Museum werden dann die letzten Zeugen von diesem schönen
und eindrucksvollen Resultat der Evolution sein. Einmal ausgerottet sind sie
der Welt abhanden gekommen und keiner unserer schlauen Wissenschaftler, die
unserer Neuzeit soviel Fortschritte erdacht haben, ist im Stande, sie wieder zu
erschaffen. Das Wort von Arthur Beetle Hough hat sicher in nicht geringem Maße
seine Bedeutung in Bezug auf die gefleckten Wildkatzen, die ihrer schönen Felle
wegen durch die Jahrhunderte hin vom Menschen verfolgt und getötet werden.
Dass das Rosettenmuster seinen
eigenen genetischen Code hat, ist keineswegs unwahrscheinlich. Um nicht zu
technisch zu werden, kann ich das hier nur ganz kurz andeuten. Erfahrenen,
seriösen Katzenzüchtern erzähle ich nichts Neues, wenn ich daran erinnere, daß
auch die drei verschiedenen Fleckenmuster der gefleckten Haus- und Rassekatzen
jedes seinen eigenen Vererbungscode hat. Die „forellengetüpfelten“ sind mit den
„ticked Tabbys“ verwandt, also mit den Katzen, die wie die Abessinier ein Fell
haben, dessen Haarpunkte dunkler gefärbt sind. Die grobgefleckten Katzen
gehören zur Familie der „blotched Tabbys“, deren Fell ein Muster hat, das im
Nicht-Fachjargon „Marmor- oder Räderzeichnung“ genannt wird, und die etwa
dazwischen liegenden kleineren, aber nicht forellengetüpfelten Fleckenmuster
sind mit den schmaler gestreiften Tabbykatzen verwandt.
Dreißig Jahre lang habe ich in
engem Kontakt zur Katzenzucht gestanden. Ich kenne die Stammbaumprobleme, die
Diskussionen über die wohl oder nicht Anerkennung von neuen Rassen und das
Lieben und Leiden der Produkte all' dieser Aktivitäten: der Katzen. Ich kenne
den Ernst, mit dem das Spielchen des Wettstreits auf den Ausstellungen gespielt
wird. Trotz des zweifelhaften Nutzens des Ganzen war diese Periode für mich
keine völlig verlorene Zeit. Sie hat mir einige Erkenntnisse in die
Hintergründe der genetischen Gesetzmäßigkeit der Vererbung gegeben. Dieser
kleine Einblick in das Rezeptbüchlein der Natur war, abgesehen natürlich von der
Hauptsache, den Katzen selbst, mit Abstand das Beste an der ganzen Katzenzucht.
Der neue Trend zu gefleckten
Katzen, namentlich die - hoffentlich nicht vorübergehende - Begeisterung für die
Bengalen und andere gefleckte Rassekatzen, könnte das Interesse der
Katzenliebhaber wieder in eine natürlichere Richtung lenken. Weg von der
Industrialisierung der Katzenzucht, die den Käufer mit immer neuen, meist
unnatürlichen „Modellen“ locken will, die mit der wahren Katzenart fast nichts
mehr gemein haben, als die vier Pfoten, die bei manchen Rassen zum Laufen und
Springen nicht mehr taugen, einen Kopf, dessen Nase zu kurz zum Atmen ist, die
Schnauze, die nicht mehr zum Beißen und schon gar nicht zum Beutefang taucht
oder Ohren, die durch Erbfehler zu klein oder gar gefaltet sind. Dazu kommen
Fellkonstruktionen, die bei Regen zum Hindernis werden, statt zum Schutz, und
Fellfarben, die in der Natur nur als Defizit gelten könnten. Das alles soll dem
Käufer vorspiegeln, daß er etwas „Besonderes“ kauft.
Ich habe immer geglaubt, daß
unsere Hauskatzen sich im Notfall auch unsere Hilfe erhalten können sollten. Man
weiß ja, daß Notfälle, in denen Menschen mehr oder weniger durch menschliche
Schuld aus dem Alltag herausgerissen werden, in unserer „zivilisierten“ Welt
nicht auszuschlieβen sind. Eine gesunde, gefleckte Katze, sicher wenn sie wie
bei den Bengalen noch etwas „Naturblut“ in sich trägt, sollte einer solchen
Anforderung gewachsen sein. Obendrein lenkt das Bild der gefleckten Katzen den
Blick zurück zum Ursprung der Feliden. Eine gute Sache also für den Naturschutz.
Unsere drei neuen
Oncilla-Hybriden, schön und sehr urwüchsig aussehend, waren zwar äußerlich
völlig gleich, im Charakter aber gab es große Unterschiede. Jedes von ihnen
hatte seine Eigenheiten, seine Gewohnheiten, Anti- und Sympathien. Das stellte
sich schon bald heraus. Auch Aurelia schien zu fühlen, daß sie keine
"gewöhnlichen" Katzenkinder aufzog. Sie war unruhig, wahrscheinlich weil ihre
Babys ungewöhnlich lebendig waren. Immer wieder zog sie mit den Kleinen um, mal
auf einen Sessel, mal in ein Eckchen unter dem Tisch mitten im Zimmer, oder sie
zog ausgerechnet ein Weihnachtsdeckchen mitsamt den darauf stehenden
Weihnachtsplätzchen herunter und machte daraus einen Schlafplatz, eine neue
Version der Weihnachtsdekoration.
Als die Jungen anfingen, sich
selbstständig zu machen und das Haus zu erobern, war ihr Abenteuerdrang kaum zu
bändigen. Sie hatten niemals Angst vor den anderen Katzen und sogar Buena zog
sich auf ihren Korb oben auf dem Schrank zurück, wenn sie zu dritt angestürmt
kamen.
Ich hatte erwartet, daß die
drei Gloria als ihre Halbschwester erkennen würden, aber sie hatten genug
aneinander. Gloria ihrerseits suchte gern die Gesellschaft ihrer so schön
wilden, jungen Halbschwestern. Gloria war eben eine sehr gesellige Katze, sie
suchte immer Kontakt, zu den anderen Katzen und auch zu uns Menschen.
Gladys, die kleinste von
Aurelias Babys, hatte ebenfalls einen sehr anhänglichen, richtig
Abessinierhaften Charakter. Glamour war etwas kräftiger, etwas reservierter,
aber doch sehr umgänglich und zutraulich. Nur Glauca war eigentlich eine
richtige Wildkatze. Sie fauchte, sobald man sie anfasste, kratzte auch wenn ihr
das grade so auskam, kurzum bei ihr machte das wilde Erbe sich bemerkbar.
Natürlich wurden alle gleich behandelt, daran konnte es nicht liegen. Gerade
mit Glauca habe ich mich extra viel beschäftigt, um sie zu "zähmen", aber ich
kann nicht behaupten, daß ich damit viel Erfolg gehabt habe. Auch den anderen
Katzen gegenüber wurde sie im Laufe ihres Lebens immer schwieriger. Das gab erst
kleine, später ernsthafte Probleme. Heute würde ich kaum noch wagen, ein Tier
wie Milagro mit seinem wilden Erbgut mit einer Katze unserer domestizierten
Rassen zu kreuzen. Mir ist inzwischen deutlich geworden, daß jede Spezies oder
Subspezies ihren eigenen Entwicklungsweg hat, der an seine Lebensbedingungen
angepasst ist. Ein zahme Wildkatze oder ein zahmes Wildtier überhaupt, tarnt
ungewollt sein wildes Erbgut dem Menschen gegenüber. Zähmung ist nicht erblich.
Durch die Zusammenfügung des so sorgfältig selektierten Genmaterials entsteht
das Risiko eines Konfliktes der erblichen Eigenschaften, die entweder verdoppelt
werden können (z.B. normaler Verteidigungsdrang entartet in Aggression), oder
die einander aufheben. Im letzten Fall bekommt man dann ein ganz besonders
sanftes Tier.
Mir fiel wieder auf, daß es
eigentlich niemand richtig interessierte, wenn ich darüber sprach, wie
verschieden diese vier äußerlich so gleichen Oncilla-Hybriden waren. Ein
freundliches "Ja, ja", war die stärkste Reaktion. Dabei war gerade das so
aufschlussreich. Nur Professor Leyhausen zitierte philosophisch den Faust zu dem
Thema: "Es wohnen eben zwei Seelen in ihrer Brust." Er wußte um das Problem des
verschiedenen Erbgutes der Eltern. Mir war es schon recht, daß er das Wort Seele
im Zusammenhang mit den Katzen gebrauchte.
Das war für damalige Begriffe
sehr fortschrittlich. Eine oder gleich zwei, das war nicht so wichtig. Nach
meiner Meinung, - und das ist heute nicht mehr ungewöhnlich - hat jedes Tier eine
eigene Seele, aber die kann, genau wie bei den Menschen, ziemlich kompliziert
sein. Ob Mensch oder Tier, um die Eigenschaften dieses merkwürdigen Mechanismus,
den wir Seele nennen, kommen wir nicht umhin. Nur für Menschen gibt es zur
Behandlung von Komplikationen irgendwelche, wenn auch oft umstrittene
Seelenklempner. Die Tiere müssen allein mit ihren Problemen fertig werden.
Henri Milne Edwards schreibt:
"Die Wissenschaft zeigt zwischen dem Wirken der Intelligenz bei Menschen und bei
bestimmten Tieren keine Unterschiede auf, die radikal genug wären, um die
Behauptung zu erlauben, daß die Seele der Letzteren von anderer Natur wäre als
die menschliche Seele."
Mit Seele meine ich übrigens
nicht den mystischen Begriff, wie ihn die Religionen anbieten, sondern eher die
Interpretation des Wortes Seele der holländischen Anthropologin Barbara Noske,
die die Begriffe "die Innerlichkeit" oder "das Selbst" benutzt. Auch "das
Innerliche" der Tiere, um bei dem Terminus von Barbara
Noske zu bleiben, kann
kompliziert sein, genau wie das der Menschen. Bei Glamour, der schwierigsten
der Hybriden, ist mir das mehr als deutlich geworden.
Von meinen Tieren waren keine
zwei gleich. Jedes hatte seine Eigentümlichkeiten, seine Vorlieben und
Antipathien. Das zu beobachten hatte ich genügend Gelegenheit.
Man braucht sich sicher nicht
vorzustellen, daß es bei uns keine Langeweile gab. Da war Buena, da war der
Kinkajou, da war Milagro, den man je länger je mehr unter Kontrolle halten mußte,
erstens weil er den anderen Katzen gegenüber ziemlich herrschsüchtig geworden
war, zweitens, weil er nun wirklich nicht noch eins der Abessiniermädchen
erwischen sollte, wenn sie rollig war. Das wäre zuviel des Guten gewesen.
Da war Candy, die jetzt mit
ihren Kindern das Haus eroberte, oder Gloria, die ich immer wieder zu Anuschka
und deren Kindern zurückbringen mußte, weil sie am liebsten den ganzen Tag an
meinen Beinen hängen wollte. Das alles noch einmal abgesehen von den anderen
"pflegeleichteren" zwei- und vierbeinigen Hausinsassen.
Und jetzt war da wieder das
Trio von Aurelia. Schon weil man nicht wissen konnte, wie sie sich entwickeln
würden, mussten die drei viel Zuwendung haben.
Weihnachten-, Neujahr-, Karten
schreiben-, telefonieren-, Katzen füttern-, Menschen nicht vergessen-,
."Wer hat meinen linken
Handschuh gesehen?"-
"Der liegt unterm Schrank, mit
dem spielt Gloria!
Keine Zeit, keine Zeit zum
Nachdenken! - Nur ab und zu hatte ich das Gefühl, daß ich etwas vergessen hatte,
irgend etwas das ich hätte tun sollen....
Im Januar, als der
Weihnachtsrummel vorüber war, wußte ich, was ich verdrängt hatte: ich hätte
längst Herrn van der Hoest, dem Pressechef der Firma Verolme, von der Geburt der
jungen Oncillas berichten müssen. Es waren schließlich Candys Junge und ich
hatte sie im Grunde der Firma Verolme zu verdanken. Ich nahm mir vor, das
Versäumte nun bald nachzuholen.
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