PM-12
Zünden wir uns noch eine Zigarette an.
Wie ist das nun? Wird das Leben so weitergehen: bis zum Rand gefüllt mit dem zähen Ringen um nichtige Dinge? Genau wie bisher: ein Vegetieren von Wochenende zu Wochenende in dieser toten Stadt; und doch jetzt anders, nämlich ohne den Lichtstrahl aus der Zukunft, die erregende Hoffnung, dass bald - bald! - etwas anderes beginnt, ein Neues...? Wie soll das aussehen, bin denn solch einer Demut fähig?
Ach, großer Gott, die quälendste Strafe und die beglückendste Gnade gabst du uns: die Ungewissheit. Dass wir nie wissen, was sein wird. Nach vorn sind wir blind; unsere Augen hast du auf den Boden gerichtet. Wenn wir uns nicht mit geschärften Sinnen Schritt für Schritt vorwärts tasten, wenn wir anfangen zu rennen, laufen wir Gefahr zu stolpern oder Schlimmeres. Unsere Träume sollen uns dafür entschädigen, doch sie sind wie Rauschgifte: Der nächste Katzenjammer kommt bestimmt.
Ich erhalte also meinen Ausweis demnächst noch nicht zurück. Man hindert mich so zu fliehen. Wer ist Man? Ich erschlage ihn!
Was bleibt mir denn nun anderes übrig, als weiter Tag für Tag meine kostbare Zeit zwischen frommen Bücherregalen und verstaubtem Geschwätz zu verplempern, allmittwochs mit gelangweilter Miene die Wissenschaft des Tastenfelds über mich ergehen zu lassen, jedesmal von Neuem das so nützliche Briefeschreiben irgendwelcher schmutzigen Wäsche hintan zu stellen und zu hetzen, zu hetzen, zu hetzen - am Ende fällt mir ja doch die ganze Planung aus der Hand. Wo liegt der Sinn des Ganzen, ja, wo liegt er nur? Ich sehe keinen. Er liegt begraben.
Noch habe ich die Totenklage nicht angestimmt, noch weigere ich mich entschieden, sie zu singen. Einem großen Trotz mache ich jetzt Platz: Ich lasse mich nicht unterkriegen, und wenn ich dafür zur Gesetzlosen werden muss!