1978 - 1984
[ prosa ]
Die Last ist schwer, und der Weg ist weit, so weit. Traurig neigen sich die Bäume am Wege, schon hat der späte Wind ihnen die Blüte genommen, auch die Frucht hat er ihnen genommen, schon, schon. Ganz violett ist der Himmel vor Trauer, aber nun ist diese Trauer ruhig, fast keine Tränen hat sie mehr, diese Trauer, ja, auch die letzte Träne wird der Wind ihr nehmen. Leise seufzend neigt das hohe Gras sich unter dem tränenlosen Himmel - da ist keine Klage und auch keine Verzweiflung; einst war der Schmerz, aber nun ist nur Stille.
Einst war da auch Liebe, und sie war schön und jung, und sie war voll Eifer. Alle freuten sich an ihr, alle bewunderten sie, alle glaubten an sie: die Bäume, der Himmel, das hohe Gras. Sie war die Hoffnung aller, denn Frucht erhoffte sich von ihr die dürre Erde, Trost der gebeugte Strauch, eine Hütte der verlorene Weg.
Aber die Liebe ist müde geworden, denn jung war sie, und vielleicht ist sie auch ein wenig eitel geworden, denn sie war wohl sehr schön, und ihr Eifer ist zerbrochen. Zerbrochen ist der Krug, die Scherben hat der Wind verstreut. Der späte Wind hat sein Urteil gesprochen, höhnisch und laut hat er gesprochen: Ich bin es, der nie müde wird, ich bin es, auf den ihr hoffen sollt, denn ich allein bleibe, es bleibt nur der Wind.
Wo ist die Blüte, wo ist die Frucht, wo ist Trost, wo die Hütte? Es bleibt nur der Wind.
Und der Wind wird vergehen - wo bleiben dann wir? Im verwelkten Gras, im verdorrten Baum, im toten Himmel. Weit ist der Weg, und die Last ist schwer, so schwer. Noch weint der Himmel, noch trauern die Bäume, noch seufzt das Gras.