3. Glauben und Religion:
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Wiedergeburt
Alle Religionen wurden zum Seelenheil des Menschen gegründet. Dennoch hat nichts zu soviel Gewalt geführt, wie der Gedanke der Überlegenheit der eigenen Religion. Selbst heute noch sind viele Menschen davon überzeugt, der eigene Weg sei der einzig richtige. Dem Hinterfragen wird meist mit Zitaten begegnet. Und überhaupt sollen wir glauben wie ein Kind! Sind es aber nicht gerade die Kinder, die am meisten fragen?
Wer gutes tut, mit dem Hintergedanken, in den Himmel zu kommen und schlechtes nicht tut mit dem Hintergedanken, nicht in die Hölle zu kommen, der handelt viel eigennütziger als ein Atheist, der das selbe tut, oder nicht tut, und dabei nicht an einen richtenden Gott glaubt.
Diejenigen, die einen Glauben von Furcht und Verdammnis lehren, sollten sich mal fragen: Wo könnte grenzenlose Liebe eine Grenze haben? Wie könnte ein allmächtiger Gott eine Gegenmacht haben? Wieso brauchen wir für die Fehler, die wir begangen haben (sollen), einen Sündenbock, der an allen Sünden schuld ist? Wenn Liebe selbst die Hölle zum Himmel macht, wie könnte uns dann der Himmel verweigert werden? Sind wir denn nicht immer frei, zu lieben? Wo ist das "Getrennt von Gott", wenn Gott allgegenwärtig ist?
Vielleicht dort wo mit Furcht gelehrt wird: in den Köpfen von Menschen, die nicht auf ihr Herz hören. Als allermindestes sollte die Liebe zu Gott größer sein, als die Furcht vor dem Bösen.
Manch ein spirituell Suchender versucht in jeder Kleinigkeit einen Sinn zu finden. Hierbei befindet er sich auf dünnem Eis. Darunter lauert die Psychose, die diesem Zustand sehr ähnelt. Natürlich hat jedes Ereignis eine Bedeutung, sofern wir ihm Beachtung schenken. Es hat die Bedeutung, die wir ihm geben. Genauso hat auch unser Leben den Sinn, den wir ihm geben.
Eine wahre Religion baut keine Mauern, sondern Brücken.
Aus der Fülle Gottes kam die Fülle. Nehme die Fülle von der Fülle, so bleibt die Fülle.
Nur wer an Wunder glaubt, ist ein Realist.
Glauben wir an die eigene Begrenztheit, so wird es uns nicht gelingen, unsere Grenzen zu durchbrechen.
Die höchsten Einsichten eines Weisen müssen (und sollen) einem Dogmatiker, dem sie zu Ohren kommen, wie Torheiten, ja wie Verbrechen anmuten. Der Dogmatiker sieht die Dinge von unten herauf, denn er würde kein "Warum?" wagen. Der Weise sieht die Dinge von oben herab, denn er würde sich keinem "Das sollst Du gar nicht wissen!" beugen oder es gar selbst verbreiten.
Religion ist das Netz um einen Fisch zu fangen. Ist der Fisch gefangen, hat das Netz seinen Zweck erfüllt.
Wer glaubt, Gott könne nur auf eine bestimmte Weise gefunden werden, der nimmt die Weise und verfehlt Gott, der in der Weise verborgen ist.
Wir beten: "Gott, Dein Wille geschehe!", wenn er aber geschieht, dann klagen wir.
Willst Du einen Menschen wirklich kennen lernen, vertraue alleine auf Dein eigenes Erleben und nicht darauf, was Dir andere über ihn berichteten. Das Selbe gilt auch für Gott. Wenn Du glaubst bereits alles über Gott zu wissen und Dein Wissen auch noch auf das gründet, was andere sagten oder was geschrieben steht, dann kannst Du Gott nicht wirklich kennen lernen.
Alles Lebendige hat das Merkmal der Wandlung. Wandlungsfähigkeit macht auch den Glauben lebendig. Buchstabenfrommheit erstarrt einen Glauben. Ein Glauben ist Wandlungsfähig, wenn er neue Ansichten (fremde oder eigene) nicht grundsätzlich abweist und so seinen Horizont erweitert.
Eine Religion kann nur so heilsam sein, wie sie andere Religionen als gleichwertig achtet.
Wiedergeburt:
Wiedergeburt scheint mir als einzige logische Konsequenz aus Allgegenwart, Allmacht, Liebe und Gerechtigkeit Gottes und dem freien Willen des Menschen.
Die Überlegungen die mich zu diesem Glauben bringen, entstehen aus einigen Hinterfragungen. Hinterfragungen wurden und werden zum Teil auch heute noch von manchen Glaubensvertretern als blasphemisch bezeichnet. Stellen sie doch das infrage, was anderen feste Leitsätze sind. Jedoch sind nicht hinterfragende Menschen leichter lenkbar. Ein berühmtes Beispiel aus dem Mittelalter: Am Opferstock vieler Kirchen stand: "Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."
In allen Überlegungen gehe ich davon aus, dass wir eine Seele haben, die unseren Körper überdauert.

Erste Hinterfragung:
Wann beginnt im Glauben das Mensch-Sein?
Begänne es erst mit der Geburt, dann würde Abtreibung nicht als Sünde gelten. Das Ungeborene würde ja noch nicht Mensch sein und das siebte Gebot ("Du sollst nicht morden"), das ja (leider) auch bei Tieren nicht zur Anwendung kommt, würde auch hier nicht gelten.
Glauben wir, dass das Mensch-Sein bereits zuvor beginnt, also in der embryonalen oder fötalen Zeit, so hat auch ein Ungeborenes bereits eine Seele. Nun wissen wir aber aus der Forschung, dass nicht einmal 50% aller befruchteten Eizellen die ersten Wochen überstehen. Auch danach kann es noch zu Abgängen kommen. Ohne Reinkarnation wäre für diese Seelen das Mensch-Sein bereits unwiederbringlich vorbei.

Zweite Hinterfragung
Ich gehe nun von einem dualen Modell mit Himmel und Hölle, ohne Reinkarnation aus.
Was geschieht mit den Seelen die nie eine menschliche Geburt erreichen werden?
Kommen sie in die Hölle, denn sie konnten bislang keine guten Taten vollbringen und keinen Glauben annehmen? Das würde der Gerechtigkeit Gottes widersprechen.
Kommen sie aber in den Himmel, so hätten sie von vorne herein kein Risiko in die Hölle zu kommen. Schön für sie, aber ebenfalls ungerecht! Nebenbei würde das bedeuten, dass eine Abtreibung eine Seele vor der Möglichkeit der Hölle bewahrt.
Oder aber: Die Seele hat im Jenseits noch die Chance sich für ein bestimmtes Glaubenssystem zu entscheiden. Diese Entscheidung bestimmt über ihren weiteren Werdegang. Dann hätte ich die Frage: Auf welche Erfahrungen basiert diese Entscheidung?

Dritte Hinterfragung:
Die Hölle wird meist als ein von-Gott-getrennt-sein beschrieben. Da Gott jedoch zugleich als Allgegenwärtig gilt, kann es keinen Ort geben, an dem Gott nicht ist. Da es ein wirkliches Fernsein von Gott nicht geben kann, ist es die Freiheit unsere Denkens und Tuns, die uns die Allgegenwart Gottes vergessen lässt. Es ist eine Illusion, die wir zweifellos alle kennen, bis hin zu Glaubensbegründern ("Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"). Aber es ist unsere Illusion und nicht Gottes Illusion die uns das Getrenntsein erleben lässt. Also ist es auch alleine unser freies Denken, das uns diese Illusion wieder Überwinden lässt. Wie könnte Gott dann die Bösen in die Hölle schicken? Die Seele selbst tut das. Man könnte nun einwenden: Der Teufel holt die schlechten Seelen. Aber wie kann neben der Allmacht Gottes noch eine weitere Macht bestehen, die nicht Teil der Allmacht ist? Außerdem: Wenn auf wenige Jahre oder Jahrzehnte begrenzte schlechte Taten eine unendliche Bestrafung nach sich zeiht, widerspräche das der Gerechtigkeit Gottes.

Vierte Hinterfragung:
Wir haben einen freien Willen. (Deterministen verneinen das, aber dennoch ist es auch ihr erleben, auch sie treffen Entscheidungen.) Müssen wir diesen freien Willen mit dem Eintritt in den Himmel abgeben? Würde die Bitte einer Seele "Ich möchte nochmals Mensch sein!" auf Gottes taube Ohren stoßen. Was ist mit den Seelen, für die das Mensch-Sein bereits nach wenigen Minuten beendet war? Mensch-Sein hat doch auch einen Zweck! Oder gibt es keine weitere Chance, "weil es nicht geht.". Das wiederum widerspräche der Allmacht Gottes.

Ergänzende Betrachtungsweisen des Glaubens an Wiedergeburt:
Im Gegensatz zu einem Gottesbild mit einem Gott, der eine "schlechte Seele" in die Hölle schickt, ist hier alles ist die eigene Wahl, der eigene freie Wille. Es ist der eigene Wunsch der Seele, sich weiterzuentwickeln, es noch einmal zu versuchen. Oder aber der Selbstlose Wunsch einer hochentwickelten Seele aus Mitgefühl nochmals zu kommen.
Der Mensch steht nicht mehr auf einem hohen Podest über den Tieren. Er ist nicht von grundlegend anderer Daseinsform, als einziger "Seelenträger" unter lauter "Seelenlosen". Er ist lediglich ein Wesen mit einer höherentwickelten Seele (und das vielleicht auch nicht immer).

Es gibt keine Verdammnis. Wie könnte es auch? Nur das Wahre ist Ewig, das Wahre ist Liebe, das Wahre ist Gott und Gott ist Liebe. Am Ende ist die Liebe und nur die Liebe bleibt. Das sehe ich als die wichtigste Botschaft des Glaubens an die Wiedergeburt.

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