Das Abendmahl nach dem Letzten
('The Supper After the Last')
1
Die Wüste bewegt sich über die Hälfte des Horizonts hinaus,
bildet einen Rand für das Scheinwasser, das, unter Inseln,
den Himmel aufstützt. Das Meer zieht verschmierend
vom eignen unverletzlichen Rande unterm Himmel herein.
Eine Wasserjungfrau, sechsbeinig schwebend über dem Sand,
hebt ihren grüngelben Schwanz, senkt leicht ihre Schwingen,
schlägt sie leicht, und legt auf dem verblendeten Sand
den Schatten ihrer Schwingen. Neben dem Ufer,
durchwatet ein Schwimmer seinen Schatten im Wasser.
Er trampelt es, stoßt es mit den Füßen; es gestaltet sich neu.
2
Draußen vor der offenen Tür
des weißgetünchten Hauses,
von ihren Rändern eingerahmt, wartet
in der Sonne, unbesetzt, ein Stuhl.
Ein frischgefüllter Wasserkrug
steht innerhalb der Tür. In der Sonne wartet,
immer weniger unbesetzt, der Stuhl. Der Gastgeber gedenkt,
Wasser anzubieten, und sich dann abseits zu stellen.
3
Die essen Huhn und Rosé. Den Hühnerkopf
hat man unter den schonenden Flügel eingeschlüpft.
Unter dem Tisch, ein rotrückiger, leidenschaftlicher Hund
zersplittert Hühnerknochen auf dem blutigen Kiesboden.
Niemand außer dem Hund und der blinden
Katze, die ihn beobachtet, kennt den Wilden mit Bart,
der über ihnen säuft, der an Leidenschaft Verkommene,
der sich die Augen ausleert, der bisher nicht gelächelt,
der auf die Gesellschaft starrt, zu der er auch gehört,
macht aus ihnen Säcke von entsetzter, grinsender Haut,
holt mit der Gabel das Geflügelauge von unterm großen,
provisorischen, gekochten Deckel heraus, lässt den Wein verdunsten,
geliert den sonnebestrahlten Tisch und die
Löffel,
verschickt den Königsfraß über die Därme des Styx hinab,
verschlingt alles außer Katze und Hund, dem er heimlich Reste zuführt,
dem rotrückigen Mittäter, der eifrig Knorpel mahlt.
4
Als die Knochen des Gastgebers
im Kiefer des Hundes zersplittern,
steht der Wilde auf. Er schlägt
die Handflächen auf und gibt kund:
Ich bin nicht hierher gekommen um euch zu erstaunen,
sondern um euch zu vernichten. Euer
Krug voll kühles Wasser? Euer
Verlangen nach Flügeln? Euer
Geilen auf Transzendenz?
Ich bin hierher gekommen um zu beweisen,
daß ihr komplexe und einfache Dinge seid,
so wie ihr seid, im Vorbild
von Nichts erschaffen,
vom Schöpfer belehrt
durch eure Abbildungen in Erde --
wie die meinen auch, weswegen ihr
einen Stuhl in die Sonne gesetzt,
mich mit Wasser verhöhnt habt!
Als Bilder von Flügeln,
die nicht einmal schillern,
die sich am Sand festhalten
und die unsterblich seien, wollt ihr strengst behaupten,
dafür daß sie einmal hervorgerufen!
5
Die Zeugen entziehen sich; das Bild beginnt im Wasser zu schweben;
weit entfernt in jener Luftspiegelung, sitzt der Retter und flüstert der Welt
zu,
die zu einer Luftspiegelung wird. Der Hund verschmiert sich im Sand,
die Katze wächst immer höher als sie ins nichts flüchtet.
Vom heißen Glanz, wo er sitzt, treibt
sich sein Flüstern hierher:
Ihr erkämpft euch von Fleisch in Flügel; die Veränderung besteht.
Aber, Flügel die so leben, die sich an der Wölbung des Bodens festhalten,
sind auf einmal nichts, Fleisch und Licht werden aufgehoben.
Ihr seid das Fleisch; ich bin die
Auferstehung, denn ich bin das Licht.
Ich schneide euch das herankriechende Stück Dunkelheit zu,
die euch in der Erde heimsucht. Tretet ans Licht --
Ich schaffe euch neu. Ich erzeuge die Gestalt eures Grabes in der Erde.
Übersetzung © 1999 Maureen Holm
Sämtliche Rechte vorbehalten.
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