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Mein Freund Rudi
Freie Volksbühne, Berlin 1989
Regie:
James Lyons
Die 68er
Generation ist in die
Jahre gekommen, und
manch ein alter »Street-Fighting Man« sitzt heute in der Vorstandsetage
und erinnert sich mit verklärtem Blick und schwindendem Gedächtnis an
seine Zeit als jugendlicher Rebell, Ortrud Beginnen lädt sie alle ein zu
einem satirischen »Veteranen-Treff«, wo sich die kämpfenden Karrieristen
ihre alten Wunden lecken, ihre Narben zeigen und wo sie vor allem die
alten Lieder noch einmal anstimmen können. Und wenn
die Beginnen mit
ihrer schrägen Stimme ein Rolling-Stones
Lied wie
ein Händel
Oratorium
singt oder
Wolf
Biermanns
Ode an
»Commandante Che
Guevara«
zum Werbespot gerat,
dann ist das eine Metapher für die Verkitschung und Vermarktung der
Ideale
von damals.
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Umhüllt von schwarzem Tuch und dem Flair beherrschter
Hysterie, lässt sie die Altachtundsechziger nicht lange rätseln,
welches innere Feuer die Energie nährt, mit der sie zwei Bühnenstunden
lang so erstaunlich verschwenderisch umgeht. Nur eines treibt
sie: Rache. In Song, Parodie und Wort. Und Gnade gibt es keine.
Nicht für die Verräter an der sozialistischen ldee, die müden Opfer der
Anpassung, nicht für die einstigen Helden und nicht für die verquaste
Ethik und ihr enges Korsett an Verhaltens- mustern. Respektlos verzerrt
sie alles zum grell lächerlichen Revolutionspotpourri. Mit dem
Mut
und dem Können
zur Groteske stürzt sie sich in die
gnadenlose Parodie eines Ideals, das
auch ihr eigenes gewesen ist, karikiert hemmungslos, schleudert,
schlenkert Arme, Beine, Kopf, treibt kreischend und unnachgiebig
selbstbewusst die Stimme in grelle Höhen,
verzerrt schonungslos ihr Gesicht zu erstaunlichen Grimassen behält aber
jeden Misston und jede Fratze doch noch unter Kontrolle.
www.ortrudbeginnen.de

CD Lieder und Geschichten
aus dem Katastrophenkoffer www.roofmusic.de
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