Vorwort S. 1
1. Begriffsklärung: Erklärung von bei der Computernutzung relevanten Begriffen
1.1. Technik S. 1
1.1.1. offline S. 1
1.1.2. Links S. 2
1.1.3. Icon S. 2
1.1.4. Software S. 2
1.1.5. Hardware S. 2
1.1.6. CD-ROM S.
2
1.1.7. Multimedia S. 2
1.2. Rezeption S. 3
1.2.1. Literatur auf CDROM S. 3
1.2.2. Anklicken S. 3
1.2.3. Interaktion S. 3
1.2.4. Hypertext und Hyperfiction S.
4
1.3.1. Interaktivität S. 4
1.3.2. Intermedialität S. 5
2.1. Was bietet Literatur auf CD-ROM speziell? S. 5
2.2. Stellt Literatur auf CD-ROM eine eigene Kunstform dar? S. 7
2.3. Welche Vorteile kann Literatur auf CD-ROM haben? S. 7
3.1. Die Verwechslung von Medium und Produkt S. 7
3.2. Die befürchtete Konkurrenz S. 7
3.3. Buch und neues Medium - Freund oder Feind? S. 8
3.4. Wechselseitige Abhängigkeiten S. 9
3.5. Der Tod des Autors S. 11
4. Schlusswort S. 12
5. Literaturangaben S. 13
Diese Arbeit wird sich mit Literatur auf CD-ROM[1] befassen. Inwiefern unterscheiden sich die Medien Buch und CD-ROM voneinander, was verbindet sie und welche Tendenzen sind in der aktuellen Nutzung erkennbar? Was wurde von dieser Präsentationsform erwartet? Sind die Hoffnungen und Befürchtungen bezüglich dieses neuen Mediums berechtigt?
Meine Hauptquellen zu diesem Thema sind „Literatur.digital“ von Roberto Simanowski, die Internet-Quelle „Lesen am Bildschirm“ von Gesine Boesken und die Dissertation „What you click is what you get?“ von Anja Rau (siehe auch die Literaturangaben). Außerdem will ich der Frage nachgehen, wie verbreitet das Medium CD-ROM als Lektüre ist und welche spezifischen Vor- und Nachteile es besitzt. Insgesamt wird die Befassung mit diesen Fragen auf die theoretische Ebene beschränkt sein.
Der Gegenstand des elektronischen Buches soll dabei von digitaler Literatur im Netz sowie Hörbüchern, die ebenfalls auf CD erscheinen können, abgegrenzt bleiben, da zwar teilweise Gemeinsamkeiten bestehen, trotzdem aber jede Form der „Wissenspräsentation“ einzigartige Eigenschaften besitzt. Wenn einzelne Zitate sich auf Texte im Internet beziehen, die Kernaussage aber auch auf CD-ROM-Literatur anwendbar ist, wird dies gesondert erwähnt werden.
Zunächst werden einige der verwendeten Fachbegriffe erklärt, hierbei werden auch relativ verbreitete Begriffe erläutert. Diese Definitionen entstammen zum größten Teil dem Seminar „Medienwechsel“, welches im Wintersemester 2003/2004 an der Universität Kassel stattfand.
1. Begriffsklärung [zurück zum Inhalt]
Dieser Begriff bezeichnet alle PCs, die nicht mit dem Internet verbunden
sind; er steht im Gegensatz zu online.
Die Kurzform von Hyperlinks; dies sind Verknüpfungen, die von einem Programmteil zu einem anderen führen.
Ein graphisches Symbol, welches ähnlich dem Link eine Verknüpfung enthält; der Begriff Icon wird eher mit einem Bild als einem Text in Verbindung gebracht.
1.1.4. Software
Dieser Begriff steht im Gegensatz zur so genannten Hardware; umgangssprachlich ausgedrückt, bezeichnet er „all das, was man am Computer nicht anfassen kann“, also die Programmdaten, die verarbeitet werden. Er umfasst zum Beispiel die Benutzeroberfläche, Textverarbeitungsprogramme und Spiele.
1.1.5. Hardware
Das sind die technischen Komponenten, aus denen ein Computer besteht, zum Beispiel die Festplatte, das (CD-ROM-)Laufwerk, die Grafik- und Soundkarten oder der Prozessor. Die Hardware ist für dieses Thema insofern von Interesse, als bestimmte CD-ROMs Anforderungen an die Hardware stellen, denen diese genügen muss, etwa eine ausreichende Prozessorgeschwindigkeit.
1.1.6. CD-ROM
Die Kurzform des englischen „Compact Disc Read-Only Memory“, also im wörtlichen Sinne eine „kompakte Scheibe mit nur-lesbarem Speicher.” Im Gegensatz zur CD-RW ist die CD-ROM nicht wieder beschreibbar. Technisch verwandt ist die neuere DVD-ROM, die eine höhere Speicherkapazität bietet.
1.1.7. Multimedia
Dazu Roberto Simanowski[2], Gründer des Online-Journals »dichtung.digital.«:
„Multimedia zielt auf die mediale Mehrsprachigkeit der Präsentation: Text, Bild, Ton, Film. [...] Wird er mit Blick auf die digitalen Medien eingesetzt, bezeichnet er das additive Nebeneinander der Medien im Gegensatz zu ihrer integrativen Verlinkung, für die Hypermedia steht.“
1.2. Rezeption [zurück zum Inhalt]
In der Definition dieser Arbeit bedeutet der Begriff „Literatur auf CD-ROM“ die Präsentation von Text in Verbindung mit Bild und Ton auf dem Medium der CD-ROM. Die gespeicherten Daten sind unveränderlich (im Gegensatz zur Internet-Literatur) und offline. Es sollten Möglichkeiten zur Interaktion gegeben sein, etwa über Links, mit denen man zum Beispiel einzelne Kapitel durch Anklicken erreicht.
Auch sollte das Werk auf einem anderen Medium in dieser Form nicht erscheinen können, eine verlustfreie Übertragung unmöglich sein.
Synonym verwendet werden hier die Begriffe elektronische Literatur, Hypertext und Hyperfiction.
Das Bewegen des so genannten Mauszeigers, einer graphischen Projektion des Eingabegerätes, über ein Icon mit nachfolgender Betätigung der Maustaste.
1.2.3. Interaktion
Die Möglichkeit der Einflussnahme des Benutzers; auf seine Aktionen sollte das Programm „reagieren“ oder nach Möglichkeit sogar aus diesen dazulernen. Ein Beispiel dafür ist Lernsoftware (die, sofern auf CD-ROM erschienen, ebenfalls den Anforderungen des behandelten Begriffs entspricht). Diese kann etwa vom Benutzer erweiterbare Vokabeltrainer anbieten oder auf dessen Testergebnisse reagieren, indem sie bestimmte Wissensgebiete verstärkt behandelt.
1.2.4. Hypertext u Hyperfiction
Simanowski (ebd., S. 13) zitiert zu diesem Begriff Rainer Kuhlen[3]: „Hypertext ist ein Medium der nicht-linearen Organisation von Informationseinheiten.“ Im folgenden Simanowski: „In den digitalen Medien [...] ist [...] die netzartige Anordnung der Textsegmente und die Alternative der Navigation üblich. Macht man daraus Literatur, heißt dies Hyperfiction.“
Die wichtigste Eigenschaft des Hypertextes ist somit die Nicht-Linearität; Textsegmente laufen nicht festgelegt hintereinander ab, sondern der Benutzer bestimmt deren Abfolge. Dazu Anja Rau[4]:
„Hypertext ist nicht-linear, multivokal, verbindet fiktionale mit nicht-fiktionalen Elementen, er ist in der Vernetzung intertextuell und es scheint, als nähme er, bis zu einem gewissen Grad zumindest, den Autor als Sinngeber zurück und überließe es dem Leser/Anwender, eigene Pfade durch den Text zu bahnen.“
1.3. Die
wesentlichen Merkmale digitaler Medien [zurück zum Inhalt]
Simanowski (ebd., S. 17f) nennt drei Eigenschaften, die digitale Medien aufweisen müssen:
1.3.1. Interaktivität
Die Teilhabe des Rezipienten an der Konstruktion des Werkes in Reaktion auf die Eigenschaften des Werkes, die programmierte Mensch-Software-Interaktivität im Gegensatz zur netzgebundenen Interaktivität zwischen Mensch und Mensch. Letztere ist bei diesem Thema nicht von Belang, da die CD-ROM, wie eingangs erwähnt, offline ist. Beispiele für die Interaktivität sind schon die Klicks der Leser auf die Links.
1.3.2. Intermedialität
Simanowski (ebd.): „die Allianz traditioneller Medien [...], also Text-Bild-Konstellationen, die tendenziell auf eine neue Art Gesamtkunstwerk hinsteuern“. Intermedialität in Verbindung mit Interaktivität und Inszenierung ziele auch auf andere Formen als die Text-Grafik-Verbindung im Printbereich; deswegen sei der treffende Begriff Intermedialität und nicht Multimedialität.
1.3.3. Inszenierung
Dies ist laut Simanowski (ebd.) die „Programmierung einer werkimmanenten bzw. rezeptionsabhängigen Performance: dem digitalen Werk können auf seinen unsichtbaren Textebenen [...] Aspekte der Aufführung eingeschrieben werden, so dass die Worte und Bilder ihren »Auftritt« haben, dessen Stichwort vom Programm oder vom Rezipienten ausgeht.“ Im Gegensatz zur Interaktivität gehe es hier aber nicht um die persönliche Zusammenstellung des Werks, sondern um die Auslösung seiner Präsentation.
Bei der CD-ROM kann der Leser durch ihre Inszenierung eine Art von Bevormundung erfahren, da er nur diejenigen Elemente zusätzlich zum ursprünglichen Werk erhält, die vom Herausgeber ausgewählt wurden – Einflussmöglichkeiten seitens des Lesers auf deren Zusammenstellung bestehen auf Grund der Natur des Mediums (offline) von vornherein nicht.
2.1. Was
bietet Literatur auf CD-ROM speziell? [zurück zum
Inhalt]
Die wesentlichste Eigenschaft der CD-ROM ist, dass sie offline
genutzt wird, das heißt, es findet keine Mensch-Mensch-Interaktion statt, wie
es bei Literatur im Internet möglich wäre. Des weiteren ist sie unveränderlich,
da sie „Read-Only Memory“ bietet; die Möglichkeiten der Interaktion beschränken
sich also auf die Reihenfolge der Programmbausteine, sofern dies über
entsprechende Links möglich gemacht wird. Außerdem ist die CD-ROM multimedial,
aber ihre Form selbst kann vom Rezipienten nicht bestimmt werden, das heißt er
kann den Inhalt der CD-ROM nicht individuell zusammenstellen. Dies kann dazu
führen, dass Benutzer angesichts allzu überladener Präsentation den Überblick
über das eigentliche Werk verlieren oder, wenn zu wenig „Zusatzprogramm“
angeboten wird, sich um die Erwartung betrogen fühlen, dass die CD-ROM sich von
dem gedruckten Buch unterscheiden müsse.
2.2. Stellt Literatur auf CD-ROM eine eigene Kunstform dar? [zurück zum Inhalt]
Sie hat die Möglichkeiten, eine neue Kunst zu sein, da die verschiedenen Medien Text, Bild und Ton eine Verbindung eingehen und somit mehrere Kunstformen zusammenarbeiten können; dies geschieht aber selten intentional, denn kaum einer der Beteiligten, sei es Autor, Maler oder Musiker, produziert von vornherein für dieses Medium; die jeweiligen Werke erscheinen vorwiegend in der für sie traditionellen Form, also Musik vorwiegend auf reinen Tonträgern und Texte in Buch- oder Zeitungsform.
Die CD-ROM bietet die Mittel für einzigartige Präsentationen von Wissen, jedoch fehlt es aufgrund ihrer relativ kurzen Existenz an Erfahrungsgrundlagen, wie „gute“ Literatur auf CD-ROM auszusehen hat und wie eben nicht. Eine sinnvolle Ausgewogenheit der einzelnen Elemente erscheint erstrebenswert; die Medien müssen einander ergänzen, ohne dass ein einzelnes zu sehr in den Vordergrund tritt.
Wenn man Literatur auf CD-ROM als eigene Kunstform betrachtet, muss man sich auch die Frage stellen, wer denn der eigentliche Künstler ist – die Schöpfer der Beiträge oder der Programmierer? Dazu Simanowski (ebd., S.21), der sich zwar auf Internet-Literatur bezieht, dessen Aussage aber auch auf die CD-ROM anwendbar ist:
„Denn die Programmierung der Software ist ja schließlich ein wichtiger Teil des Ganzen. Und das Panel „Artistic Software“ der letzten Transmediale 01 diskutierte ja schon eifrig, ob nicht der Programmierer, und nicht der Ideengeber, der eigentliche Künstler sei (denn was ist das schon für ein Künstler, der sein Material nicht beherrscht). Da der Kunstbegriff also nur neue Missverständnisse mit sich bringt, ist man anders besser beraten.“
2.3. Welche Vorteile kann Literatur auf CD-ROM haben? [zurück zum Inhalt]
Anders als die traditionelle Literatur gibt es die Möglichkeit, durch das Zusammenspiel der einzelnen Medien andere Fiktionen zu schaffen, als es die Buchversion vermag – so können Bilder und Töne oder entsprechende Musik bestimmte Textstellen illustrieren. Auf diese Weise kann Literatur auf CD-ROM dem Leser ermöglichen, tiefer in die Materie einzusteigen, indem eine „vollkommenere Illusion“ erzeugt wird. Das bedeutet, dass die Komponenten in ihrem Zusammenspiel einen stärkeren Effekt erzielen, als es Text, Bild und Ton alleine vermögen; kombiniert sind sie interessanter und „ganzheitlicher“ als für sich allein genommen. Das Problem an dieser Stelle ist nur, einen allgemeinen Geschmack zu treffen, da jedes Lesen eine Interpretation darstellt und sich jeder Rezipient eines Textes sein eigenes Bild macht – wie kann digitale Literatur dem gerecht werden? Wie ist zu verhindern, dass dem Rezipienten quasi vorgeschrieben wird, was ihn zusätzlich zum Urtext zu interessieren hat und wie er ihn interpretieren soll (Stichwort Inszenierung)?
3.1. Die Verwechslung von Medium und Produkt [zurück zum Inhalt]
Gesine Boesken[5] zitiert in der Internet-Quelle „Lesen am Computer“ Norbert Bolz’[6]„Am Ende der Gutenberg-Galaxis“; er weise auf die Wichtigkeit der Unterscheidung zwischen dem Medium „an sich“, also Buch bzw. CD-ROM, und deren Produkt (z.B. den Hypertext) hin – etwa in Bezug auf die Frage, ob der Hypertext mehr „Wert“ als der lineare Text eines Buches besitze. Zum einen bejahe er dies, andererseits könne es bei der Nutzung von Hypertext zu Fehlorientierung und Stress kommen, was den Wert von elektronischer Literatur gegenüber dem Buch noch verringern könne.
3.2. Die befürchtete Konkurrenz [zurück zum Inhalt]
Weitverbreitet war in den frühen 90er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts die Annahme, dass die elektronischen Medien das Buch als Form der Wissenspräsentation verdrängen würden. Der Medientheoretiker Jay David Bolter[7] hielt dagegen, dass es nicht zu einer völligen Verdrängung der traditionellen Medien kommen werde, aber dass das Buch nicht länger vorherrschend für die Präsentation von Wissen sein werde; er sah für die Zukunft das „Buch als Gegenstand zur Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse.“
3.3. Buch und neues Medium – Freund oder Feind? [zurück zum Inhalt]
Die Theorien zur antizipierten Verdrängung von Buch und Lesen hatten unterschiedliche Fokussierungen: Zum einen die mediale Ebene, bei der das Medium selbst im Mittelpunkt stand, zum anderen die inhaltliche Ebene, die sich mit den Medienprodukten befasste, also hier die digitalen Texte, ihre Präsentation, Inhalte und Funktionsweisen. Man stellte Thesen der „Auflösung der traditionellen Autorschaft, der Co-Autorschaft des Lesers sowie der Nicht-Linearität des Textes“ auf, die sich auf poststrukturalistische Theorien über Autorschaft, Leser und Text bezogen. Hier herrschte allerdings eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis; welche Veränderungen sind tatsächlich auszumachen? Mit dieser Fragestellung befasste sich eine Repräsentativstudie der Stiftung Lesen[8] mit dem Titel „Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend“. Es wurde davon ausgegangen, dass das Buch Objektivität sowie logisches und eigenständiges Denken fördere, die neuen Medien hingegen eine Auflösung des linearen Denkens zu Gunsten von assoziativem Denken bewirkten und das „Globale Dorf“ mit demokratischerem Zugang zu Wissen möglich machten.
Die theoretische Befassung blieb aber lediglich auf die mediale Ebene beschränkt; die technischen Möglichkeiten lassen nicht zwingend Rückschlüsse auf das Leseverhalten oder die Möglichkeiten der Medienprodukte zu. Außerdem gibt es am Bildschirm eigene Lesehindernisse; einerseits mentale, da Gelesenes meist bereits „weggeklickt“ und somit ein Rückgriff schlecht möglich ist, andererseits physische, wie zum Beispiel flackernde Bildschirme, die zu Sehschwierigkeiten führen können und Probleme mit der Ergonomie bewirken.
Auch gab es nach Boesken die These, dass jedes Druckerzeugnis langfristig durch ein digitales Äquivalent ersetzt werden könne, zum Beispiel durch die „E-Books“ oder das „E-Paper“. Hierzu einige Fakten über die Informationsvermittlung durch das Internet: Im Jahr 2000 nutzten 40 Prozent der Deutschen einen Computer, davon waren drei Viertel regelmäßig im Netz[9]. Trotzdem wären auf dem Buchmarkt keine Rückgänge zu verzeichnen. Jedoch gab es in der Neuen Züricher Zeitung vom 24.01.2004 einen Artikel von Professor Dr. Thomas Macho[10] (Professor für Kulturgeschichte an der Universität Berlin), der sich mit Umsatzeinbrüchen auf dem Buchmarkt befasste. Diese beliefen sich insgesamt auf fünf Prozent, lagen aber teilweise sogar bei über 25 Prozent.
Macho sieht die „beste“ Nutzung der CD-ROM in einer Ergänzung der Werkausgabe, aber nicht als deren Ersatz. Sie sei optimal als ein Schlagwort- und Personenregister. Des weiteren sei sie, genau wie das Buch, ein „Medium der Lektüre, ganz im Unterschied zu Hörbüchern, die offenbar weniger gefürchtet werden als Computer und Internet“. Er bezeichnet Wissensgebiete online als ohne (Meta)Struktur, jedoch auch ohne Chaos; sie böten ein „Wissen ohne Rubriken“.
3.4. Wechselseitige Abhängigkeiten [zurück zum Inhalt]
Die Untersuchung der Stiftung Lesen (2001) zeigte, dass „Vielleser“ im Anteil zu- und die „Wenigleser“ abnehmen: Die Menschen lesen also viel, wenn sie lesen; sie lesen seltener, aber mehr.
Nun ein Vergleich für den Zeitaufwand für Computernutzung und Roman lesen: 1991 wurden Computer durchschnittlich eine Stunde pro Woche genutzt, im Jahre 2002 waren es schon 3 ½ Stunden pro Woche. Dahingegen wurden 1992 zwei Stunden und 40 Minuten pro Woche für das Lesen von Romanen verwandt, 2002 nur noch zwei Stunden und zwanzig Minuten. Allgemein geht jedoch die Zeit, die man für die Nutzung neuer Medien aufwendet, zu Lasten der Zeit, die man normalerweise für Fernsehen oder Radio aufwandte, also für andere audiovisuelle Medien.
Zwei Drittel aller Vielleser nutzen regelmäßig einen Computer, aber lediglich weniger als ein Fünftel der Wenigleser. Dieser Vergleich funktioniert auch umgekehrt: User lesen häufiger als Nicht-User, drei Viertel aller Computernutzer lesen, sie kaufen mehr Bücher, empfinden weniger Lesehindernisse und haben bessere Lesestrategien.
Wenn die neuen Medien keine Zeit mehr zum Lesen ließen, würde sich dies negativ auf die Kompetenz im Umgang mit ihnen auswirken.
Es folgen einige Kontroversen:
- der typische Bildschirmleser sei männlich mit höherer Ausbildung
- des Weiteren böten elektronische Medien mehr Freiheit und Selbstbestimmung für den Leser (s.o.)
Probleme beim Bildschirmlesen sind meist ergonomischer Natur – diese wurden bei der Untersuchung häufiger genannt als Probleme mit den Texten selbst. So wurde über unbequemes Sitzen geklagt, die Augen ermüdeten schnell, auch das fehlende Blättern wurde als störend empfunden. Außerdem besteht keine Möglichkeit der freien Ortswahl beim Lesen, wenn man nicht gerade ein Laptop sein eigen nennt. Auch wurde über die Unmöglichkeit des Anstreichens sowie Notizenmachens geklagt und das Bildschirmlesen allgemein als „stillos“ empfunden. Eine Lösung wäre hier das Ausdrucken der Texte, was aber wiederum Nachteile in punkto Kosten für Patrone und Papier mit sich bringt.
Als vorläufigen Schluss kann man sagen, dass sich die CD-ROM am besten für schnelle und effiziente Informationssuche eignet, das Buch hingegen für die intensive Lektüre.[11]
3.5. Der Tod des Autors [zurück zum Inhalt]
Die Theorie, dass Hypertext zum „Tod des Autors“ führe, entstammt dem Poststrukturalismus. Begründet wurde sie damit, dass der Autor digitaler Literatur keinen Einfluss mehr auf ihre Rezeption habe; der Text würde schließlich erst vom Leser durch die Links erstellt. Dazu Simanowski (ebd., S.15):
„Als der Hypertext populär wurde, gab es wieder Utopien zur Überwindung der Konsumentenmentalität. Hypertext, hieß es, macht den Leser zum Autor, denn er muss den Text ja erst zusammenstellen, kann ihn nicht passiv genießen wie etwa ein Buch. Dass das Lesen linearer Texte keine passive Angelegenheit ist, ließ sich schnell klarstellen, auch dass die »Koautorschaft« beim Hypertext sich sehr in vorprogrammierten Bahnen bewegt, ließ sich schnell ermitteln. Die Mediengeschichte als ein Kontinuum unerfüllter Versprechen?“
Die Auflösung der traditionellen Autorschaft ist also auch und gerade bei der CD-ROM so nicht gegeben; der Leser bestimmt den Text nicht selber, sondern legt nur die Reihenfolge der Textbausteine fest. Außerdem ergeben z.B. Romane auf CD-ROM nicht in jeder Reihenfolge Sinn. Auch über den Inhalt und den Aufbau der Links gebietet immer noch der Autor. Simanowski (ebd. S.19) drückt es folgendermaßen aus: „Der kluge Autor überlegt sich genau, in welche verschiedenen Richtungen er die Leser schicken will, und sorgt dafür, dass dort nicht einfach nur Unterholz ist, sondern gut angelegte Wege.“ Eine Relativierung versucht Anja Rau (ebd., S. 202):
„Die Theorie vom Tod des Autors nimmt nicht eine natürliche oder juristische Person aus dem Text heraus, sondern das Konzept von Autorität und einsträngig vorbestimmtem Sinn. Eine Literatur, die versucht, den Leser an die Stelle des toten Autors zu setzen [...] betreibt demnach nur Personalpolitik.“
4. Schlusswort [zurück zum Inhalt]
In Anbetracht der obigen Ausführungen muss man sagen: die
CD-ROM hat, im Gegensatz zur allgemeinen Erwartungshaltung, das Buch als
vorherrschendes Medium zur Präsentation von Wissen nicht verdrängt. Ihre
Verbreitung, ihre Nutzung ist immer noch relativ gering, trotz ihrer
technischen Möglichkeiten, verschiedene Kunstformen kombiniert anzubieten. Auch
die Emanzipation des Lesers vom Autor, die Möglichkeit, sich seinen eigenen
Text zusammenzustellen, gibt es in dieser Form noch nicht; er bleibt weiterhin
darauf beschränkt, die Reihenfolge der einzelnen Textteile festzulegen, kann
aber nicht mit Hilfe der CD-ROM vollkommen neue Texte erstellen. Demzufolge
blieb auch der erwartete Tod des Autors aus, denn ihm obliegt es immer noch,
den Text zu schreiben und die Verknüpfungen zu erstellen. Also hat noch keine
Revolution des Lesens stattgefunden, da die CD-ROM dem Buch insgesamt doch sehr
ähnlich ist; sie hat noch keine umwälzenden Neuerungen geboten. Ob sich dies
noch ändern wird, bleibt abzuwarten.
5. Literaturangaben [zurück zum Inhalt]
Roberto
Simanowski (Hrsg.): Literatur.digital. Formen und Wege einer neuen Literatur.
München: dtv 2002, S. 14.
Rainer
Kuhlen: Hypertext. Ein nicht-lineares Medium zwischen Buch und Wissensbank.
Berlin/Heidelberg: Springer 1991.
Anja Rau:
What you click is what you get?: Die Stellung von Autoren und Lesern in
interaktiver digitaler Literatur. Berlin: dissertation.de 2000, S.10
Gesine Boesken: Lesen am Computer. Mehrwert oder mehr Verwirrung? Untersuchung zur >Konkurrenz< zwischen Buch und Hypertext.
Internet URL: http://computerphilologie.uni-muenchen.de/jg02/boesken.html. Stand 24.01.2004.
Norbert
Bolz: Am Ende der Gutenberg-Galaxis. Die neuen Kommunikationsverhältnisse.
München: Fink 1993, S. 7.
Jay David Bolter: Writing Space. The Computer,
Hypertext and the History of Writing. Hillsdale: Lawrence Erlbaum Asc. 1991, S.
2.
Stiftung
Lesen: Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend. Eine Studie der
Stiftung Lesen. Hamburg: Spiegel-Verlag 2001.
Neue Zürcher Zeitung, 7. Oktober 2002:
Abschied von der Zeitmaschine - Zur gegenwärtigen Krise des Buchhandels -
einige Überlegungen im Vorfeld der Buchmesse (Dossier «54_ Frankfurter
Buchmesse», NZZ Online). Internet URL: http://www.nzz.ch/index.html.
Stand 24.01.2004
[1] Unterstrichene Begriffe werden gesondert erläutert; sie repräsentieren Hyperlinks.
[2] Simanowski 2002, S. 14.
[3] Kuhlen 1991
[4]Rau 2000, S.10
[5]vgl. Boesken: Lesen am
Computer
[6] vgl. Bolz 1993, S. 7.
[7] vgl. Bolter 1991, S. 2.
[8] Stiftung Lesen 2001.
[9] ebd.
[10] vgl. Macho 2002
[11] vgl. Macho 2002