[Holia, ~ Mond des vielen Fleisches 997]
Was scherte es ihn im Allgemeinen, wie er aussah? Eigentlich garnichts. All die schlechten Menschen würde er eines Tages fein säuberlich von der Welt entfernen, dazu musste er nicht hübsch sein. Die schlechten Menschen waren Ungeziefer, das es nicht verdient hatte, zu leben. Er würde sie alle eines Tages zerstören. Wenn er Geisterjäger war.
Nach dem Herbst kam wieder der Winter. Sie bekamen einen eiskalten, harten Winter. Es gab keinen Schnee, aber es war so kalt, dass der Boden bis diverse Zoll hinunter gefroren war. Zoras wurde am Anfang des Wintermondes fünfzehn. Wie an allen seinen Geburtstagen wurde auch sein fünfzehnter Geburtstag kein besonderer Tag. Pakuna machte ihm wie jedes Jahr seine Lieblingskuchen und schenkte ihm ein weiteres Hemd, obwohl er schon lange keins mehr kaputt gemacht hatte. Sein Vater war ihm gegenüber so distanziert wie immer, es kamen nichtmal Glückwünsche.
Abend bestand Pakuna darauf, ein Essen zu machen, damit die kleine Familie einmal im Jahr wenigstens zusammen am Tisch aß, was eigentlich nie vorkam. Entweder war Ram außer Haus, oder Pakuna wurde wie so oft in letzter Zeit von Arlon flachgelegt, oder Zoras war beim Training, irgendwer war immer nicht da.
"Tu mir den Gefallen, Ram," flüsterte Pkuna traurig ihrem Mann zu, als er in der Küchentür stand und ihr beim Vorbereiten des Abendessens zusah. "Es ist sein letzter Geburtstag vor dem Erwachsenwerden, immerhin, oder? Mit sechzehn... wird er schon ein Mann sein, Ram..." Ram Derran seufzte.
"Hör mir bloß mit dem scheiss Ritual auf, ich habe immer noch keine Frau dafür gefunden... verdammt, ein Jahr haben wir noch!" Pakuna seufzte.
"Theoretisch hast du bis zu seinem siebzehnten Geburtstag Zeit, Ram-..." meinte sie, "Es wäre aber wirklich besser, wenn es vorher durchlaufen würde." Ram Derran brummte und verschränkte die Arme.
"Ich geb mir Mühe, Pakuna!" meinte er, "Ich will nicht, dass die Geister uns noch mehr bestrafen... wir haben genug durchgemacht in unserem Leben, oder?!" Seine schwarzhaarige Frau nickte.
"Ich bete dafür... dass die Zeiten besser werden..."
Sie saßen zwar zusammen beim Essen, aber niemand von ihnen sprach. Zoras war es unangenehm, dass seine Mutter sich nur für ihn so viel Mühe gemacht hatte. Außerdem war ihm die Anwesenheit seines Vaters immer unangenehm. Er sah ihn nicht gerne an, weil er seine eigene Verabscheuung seines eigenen Vaters fürchtete. Wer konnte seinen eigenen Vater so verachten wie er es tat? Sicherlich niemand. Andererseits konnte er auch nicht glauben, dass irgendein Vater auf der Welt seinen Sohn so sehr hassen konnte wie Ram Derran es tat. Daher saß Zoras stumm am Tisch und aß Pakunas gutes Essen. Niemand konnte besser kochen als seine Mutter, fand er, und aß ihr Essen unheimlich gerne. Leider hatte er, wenn er viel trainierte, wenig Zeit zum Essen. Er beschloss, das einmal nachzuholen, um wenigstens Pakunas wunderbares Essen zu würdigen.
Noch ein Grund, keine Frau haben zu wollen, brummte er zu sich selbst, Weil keine Frau der Welt so gut kochen kann wie meine Mutter! Und es wäre eine Schande, das Essen meiner eigenen Frau zu verschmähen-... daher ist es besser, niemals zu heiraten, so.
Daneben wusste er auch nicht, was er mit einer Frau hätte anfangen sollen. Er müsste sie ernähren, für sie sorgen und womöglich noch Kinder mit ihr zeugen das war das Letzte, was er gebrauchen konnte. Seine Familie hatte schwaches Blut, er brauchte keine Kinder. Er durfte keine Kinder zeugen. Dann würde sich sein schwaches Blut weitervererben, und er würde eine Reihe von Schwächlingen in die Welt setzen, die der Welt nur schaden würden. Vielleicht würden sie außerdem all seinen Hass und seine Wut erben und die Kette der Zerstörung würde weitergehen, immer weiter, auch, wenn er selbst längst tot wäre. Am Ende wären da nur noch Hass und Schmerz.
Er legte seinen Löffel hin und sah verbittert auf den Tisch. Nein. Das konnte und durfte er nicht zulassen. Er würde niemals eine Frau nehmen und niemals Kinder zeugen. Das war der einzige Weg, den Hass zu zerschmettern wenn er die Welt von dem Ungeziefer Mensch befreien würde. Überhaupt würde dann kaum eine Frau übrigbleiben, die es würdig wäre, ihn zu berühren, geschweige denn mit ihm ein Bett zu teilen
Die Menschen sind schlecht. Die Menschen sind Insekten, Ungeziefer, das zerstört und vernichtet werden muss!...
"Zoras..." hörte er Pakunas Stimme, und er schluckte und sah auf. Seine Eltern sahen ihn beide an.
"Ja?" fragte er, aber seine Stimme kartzte ihm im Hals. Er fasste nach seinem Kopf. Pakuna blinzelte.
"Schmeckts dir nicht, Süßer?... Du siehst... so traurig aus..." Zoras erstarrte.
Traurig?
Jetzt sah man ihm auch noch an, dass er traurig war? Er war verbittert. Ganz schrecklich verbittert und wütend. Er war wütend darüber, dass die Menschen so unglaublich schlecht und böse waren, und darüber, dass er es nicht einfach verhindern konnte. Er war noch nicht stark genug, um das Ungeziefer zu vernichten...
Er sah stumm auf seinen Teller. Er war schon wieder in seine Ecke aus Schmerzen und Hass gesunken, und je länger er an die bösen Menschen dachte, desto wütender wurde er und desto stärker wurden die Schmerzen in seiner Brust. Er zuckte zusammen, als es so wehtat, dass er fast geschrien hätte. Sein Hass und seine Wut zerstörten ihn sie waren Schuld an den Schmerzen, und der Schmerz würde niemals aufhören, bis er allen Hass der Welt vernichtet hätte...
"Entschuldigt," murmelte er in sich hinein, "Tut mir leid, ich mir gehts gut, Mutter. Ich bin nur müde..." Pakuna sah Ram besorgt an. Ram Derran sah seine Frau und dann seinen Sohn an.
"Ich dreh echt nochmal am Rad bei dir," brummte er dann, aß einfach weiter und beachtete Zoras nicht weiter. "Weißt du was, Zoras??! Deine Mutter hat sich die Mühe gegeben, deinen jämmerlichen Geburtstag zu feiern, okay?! Also würdige das gefälligst, sei ihr dankbar dafür, dass sie sich so für dich Missgeburt aufopfert!!"
"Ram!!" schrie Pakuna entsetzt, und Zoras starrte ihn mit glasigen Augen an.
"Miss-...geburt...?" stammelte er, und Ram Derran warf wütend seinen Löffel an die Wand.
"Verdammt, häng jetzt nicht heulend wie ein Mädchen hier rum, iss auf und ehre Mutter Erde für das Essen, das du essen darfst, und deine Mutter dafür, dass sie das für dich gekocht hat, du Bastard!!! Du bist jetzt fünfzehn und solltest lernen, Respekt vor dem Leben und den Mächten der Schöpfung zu haben, denn das ist die Bestimmung der Schamanen!!" Zoras starrte seinen Vater an, und Pakuna senkte den Kopf.
"Das reicht, Ram," flüsterte sie, "Das reicht. Hört auf esst einfach auf, dann... gehen wir schlafen-..." Zoras erschrak, als seine Mutter sich über ihren Teller beugte und stumm weiteraß und er sah, dass sie weinte. Er stand zitternd auf und fasste nach ihrem Arm.
"Aber Mutter-...!" keuchte er, "I-ich wollte dich doch nicht traurig machen! Es tut mir leid, ich i-ich habe doch dein Essen geehrt, und ich habe Mutter Erde auch gedankt! I-ich oh nein, bitte weine nicht-..." Ram Derran sah Pakuna wortlos an.
"Pakuna..."
"Das ist es nicht!!!" heulte die Frau und stand auch auf, "Ich bin nicht deinetwegen traurig!! Es macht mich so traurig, dass ihr zwei euch so sehr hasst!!! Es zerreißt mich, dass ihr euch so... schrecklich hasst, Ram und du!!! Wie können zwei Menschen, die vom selben Fleisch sind... sich so hassen??!" Ram Derran und Zoras sahen sich an.
"Pakuna, Liebes-..." fing Ram Derran ratlos an, und als er nach ihrer Hand griff, schlug sie ihn weg und fuhr zurück.
"Ich bin verletzt, wenn ihr euch so angiftet!!" schrie sie die beiden an, "Bitte, hört damit auf!! Ich will nicht, dass meine Familie so gespalten ist!! Warum können wir nicht alle drei zusammen eine Familie sein??!!"
"L-Liebling!" keuchte Ram Derran und wurde blass, "So war das doch vorhin garnicht gemeint, verzeih-..."
"NEIN!!!" schrie die Frau außer sich, "Ich halte das nicht mehr aus!!! Ich kann das nicht mehr!! Wisst ihr eigentlich, wie sehr ihr mir wehtut, wenn ihr über einander so schlecht redet??!! Wenn ihr euch anbrüllt, wenn ihr euch nicht anseht??! Ram!! Kannst du ihn denn nicht wie deinen Sohn lieben??! Und du, Zoras, kannst du deinen Vater nicht wie einen Vater lieben??!... Wieso-... sag mir, wieso-...!" Sie brach weinend auf dem Boden zusammen, und sofort waren beide Männer zur Stelle, um sie aufzufangen.
"Verdammt, Pakuna!!" herrschte Ram Derran sie an und drückte sie an seine Brust, "Es gibt Dinge, die ändern sich, und Dinge, die ändern sich niemals! Wenn es dir besser gefällt-... hören wir in deiner Gegenwart mit dem Gezanke auf, in Ordnung? Um Himmels Willen, hör auf, zu weinen, du tust mir weh, Pakuna-..."
"Nachdem ihr mir wehgetan habt!" schluchzte Pakuna, und Ram Derran sah Zoras ratlos an.
"Holst du mal ein Taschentuch, Zoras?" Er stand gehorsam auf und holte ein Taschentuch. Er fühlte sich scheußlich, weil er Schuld daran war, dass seine geliebte Mutter unglücklich war und weinte. Er wollte nicht, dass sie weinte. Schon garnicht seinetwegen. Aber er hatte keinen blassen Schimmer, wie er es wieder gutmachen könnte.
"Es tut mir leid, Mutter," sagte er beklommen, als er seinem Vater das Taschentuch gab, und dieser putzte Pakuna damit die Nase. "Ich wollte nicht-... ich wollte das echt nicht... bitte verzeih mir..." Pakuna schluchzte und wischte sich die Augen.
"Ihr macht ich manchmal fast krank mit eurem Hass aufeinander!" jammerte sie, "Ram! Ich bin eine starke Frau! Ich habe dir immer, mein Leben lang, alles gegeben, was ich konnte! Ich habe alles für dich getan, alles für dich aufgegeben, und ich habe so viel durchgestanden und so viel ausgehalten, euch beiden zuliebe!-... Aber irgendwann... irgendwann ist meine Grenze erreicht, irgendwann breche ich einfach zusammen unter der Wut, die hier ständig herrscht! Verzeih mir, Ram... bitte-... es tut mir leid..."
"Shhht..." machte ihr Mann beruhigend, "Hör auf, zu weinen, Liebes es-... ist schon okay. Hey, lass uns das gute Essen aufessen, bevor es verkommt, es wäre eine Verschwendung! Dann lass uns ins Bett gehen, Pakuna." Pakuna sah ihm ins Gesicht, dann lächelte sie traurig.
"Ja..." hauchte sie, "Ja, bitte..." Er half ihr hoch, und die drei setzten sich wieder an den Tisch, um weiterzuessen.
Und in der Nacht lag Zoras wach in seinem Zimmer und konnte nicht schlafen. Pakunas Emotionsausbruch am Abend hatte ihn völlig verwirrt und aus der Bahn gerissen. Und es war seine Schuld, dass sie geweint hatte.
Er krallte sich verkrampft in die Wolldecke, die über ihm lag, und versuchte, sich die Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. Es funktionierte nicht. Ihm war kalt, und zitternd zog er seine Decke höher, bis über die Nasenspitze. Es war kalt im Haus, weil es draußen kalt war. In den Schlafzimmern war es nicht geheizt, wirklich warm war es nur in der Stube und in der Küche. Im Bad war es auch kalt, und es war wirklich eine Tortur, im Winter zu baden, denn sich in dem eiskalten Badezimmer nackt auszuziehen, war beinahe unerträglich. Und heißes Wasser wurde so gut wie sofort kalt, und wenn man nur ein paar Augenblicke lang drin gesessen hatte.
Zoras setzte sich auf und langte auf den Boden, wo er seine schwarze Hose aufhob, die er daraufhin anzog. Es war einfach zu kalt, um in Unterhosen zu schlafen, und normalerweise tat er eben dies. Er beschloss, dass es gesünder wäre, sich in voller Montur ins Bett zu legen, und er zog auch sein Shirt wieder an. Darauf deckte er sich wieder zu und versuchte, zu schlafen. Aber auch, wenn es im ersten Moment, den er so angezogen war, wärmer war als vorher, fror er ziemlich schnell schon wieder, und er zog die Decke mit einem leisen Husten fester um seinen schlanken Körper.
Scheisse... und der Hungermond steht noch bevor... dann wird es vermutlich noch kälter-...
Zoras blinzelte. Das wäre in der Tat nicht besonders gut.
Er schwieg und lauschte der Stille um sich herum. Im Zimmer nebenan hörte er dumpf die Geräusche, die seine Eltern immer machten, wenn sie sich liebten.
Die wärmen sich wenigstens, dachte der Junge verbittert. Er dachte kurz an Loron und die anderen Narren die doch so gerne mit Frauen schliefen und sich darüber einen Keks freuten. Wahrscheinlich würden sie jetzt auch alle irgendein Mädchen bei sich liegen haben und sich mit den Vereinigungen aufwärmen. Vielleicht war es tatsächlich die einzige Möglichkeit in so einem Winter, sich warm zu halten...
Nein. Zoras schüttelte sich, als er sowas dachte, und ihm wurde schlecht bei dem Gedanken. Er wollte sich nicht dazu herablassen, sich eine Vereinigung zu wünschen. Er brauchte das garnicht. Er wollte das auch garnicht, und er würde es sicherlich niemals im Leben machen wollen. Einmal müsste er ja, um die Geister zu besänftigen, aber für ihn wäre das das erste und letzte Mal seines Lebens.
Zoras hatte recht gehabt. Mit Beginn des Hungermondes wurde es noch viel schlimmer. Es wurde so kalt, dass im Bad das Wasser über Nacht gefror. Den Brunnen musste man ohnehin schon lange vorher aufhacken, bevor man Wasser daraus holen konnte. Sogar der See war komplett zugefroren. Die Kinder in Holia machten sich einen Spaß daraus, auf dem gefrorenen See herumzuschlittern. Das Eis war so dick, dass sogar die dicken Drillinge ohne Gefahr, einzubrechen, darauf herumspringen konnten. Loron fand es besonders komisch, den kleinen Kindern ein Bein zu stellen auf dem glatten Eis, und wenn sie dann heulend hinfielen, lachte er sich kugelig darüber.
"Zoras, Liebling," sagte Pakuna zu ihrem Sohn, als er gerade vor den verrückten Drillingen flüchtend ins Haus gehastet kam. Zoras blinzelte.
"Ja??"
"Kannst du für mich nach Koraggh gehen und ein paar Sachen einkaufen?... Hier ist alles tot, die Vorräte werden knapp. Du gehst doch sicher ohnehin trainieren..." Zoras blickte kurz zur Tür hinaus, um zu gucken, ob die Dickis ihn immer noch verfolgten sie hatten ihn auf Lorons Befehl hin mal wieder einfangen wollen, weil er nicht mit auf dem See hatte herumlaufen wollen.
"Okay, okay, gib mir Geld," verlangte er dann, "Es ist gut, hier wegzukommen." Pakuna nickte, gab ihm Geld und eine Liste, dann ging sie zu ihm herüber und zurrte den Schal um seinen Hals etwas zurecht. Sie hatte den Schal im vergangenen Mond für ihn gemacht, Zoras war ihr sehr dankbar dafür. Er nickte. "Ist schon gut, Mutter, ich werde mich schon nicht erkälten." Pakuna seufzte.
"Es ist wahnsinnig kalt geworden..." Der Junge sah zur Seite.
"Das ist wahr."
Er verließ Holia mit dem weißen Pferd nach Osten hin, die Straße entlang hin zu der Stadt Koraggh. Koraggh war im Osten Senjos eine Art Zentrum, es war an sich eine winzige Stadt, aber im Vergleich zu Holia war es riesig. Als Zoras Koraggh erreichte, musste er das Pferd durchparrieren und im Schritt gehen, um keine Menschen auf der Straße umzurempeln oder zu zertrampeln. Plötzlich hörte er eine bekannte Stimme hinter sich:
"Hey!!! Kurzhöschen, huhu!!" Er fuhr herum und erblickte zu seinem größten Erstaunen Karanas Schwester Neisa auf der anderen Straßenseite. Das blonde Mädchen winkte blöd grinsend. "Lange nicht gesehen!!" kam von ihr, und Zoras war erstaunt darüber, wie hübsch sie geworden war. Sie war schon zwölf und fast eine Frau, das sah man ihr auch richtig an. Zoras murrte.
"Hi," machte er, "Geh spielen, Neisa!! Ich bin beschäftigt!"
"Ooohh!" machte das Schamanenmädchen, lief über die Straße und blieb vor seinem Pferd stehen. Das Pferd schnaubte. Zoras auch.
"Geh mir bitte aus dem Weg, ich habe noch was vor." Neisa kicherte.
"Ich soll dich übrigens von Karana grüßen! Das hat er mir im Sommer gesagt, als er weggefahren ist, u-und-... bisher hatte ich dich ja nicht gesehen, also grüße ich dich ein halbes Jahr später mal von ihm. Er hat gesagt, wenn er wiederkommt, haut er dir eine rein!"
"Das ist aber nett von ihm!" spottete Zoras missgelaunt. "Sag ihm, wenn du ihn nächstes mal siehst, dass er sich die Grüße hätte sparen können!" Neisa seufzte.
"Du guckst immer so finster!" sagte sie traurig, "Damit vertreibst du das Glück, Kurzhöschen!"
"Pah!" machte Zoras und lenkte das Pferd an Neisa vorbei, "Was weißt du schon, du törichtes Mädchen...?"
"Warte, bitte!!" jammerte sie und lief ihm nach, "Kurzhöschen!! hab ich dir eigentlich mal was angetan, oder wieso bist du immer so hässlich zu mir??" Zoras blieb stehen.
"Du bist immerhin Karanas Schwester!" sagte er. "Und du nervst, Neisa. Geh heim. Was machst du überhaupt alleine hier in Koraggh??"
"Ich bin nicht alleine!" kicherte sie, "Simu und Tayson sind mit mir hier! Die holen nur gerade was zu Trinken! Willst du auch was? Einen heißen Kakao, oder so? Ist gut im Winter."
"Tu nicht so, als wäre ich völlig bescheuert!!" blaffte er sie an, "Dann geh lieber zu Simu und Tayson zurück, sonst vermissen sie dich, Süße!" Sie blinzelte und starrte ihn an.
"Oh Süße??" kam von ihr, und er starrte sie erschrocken an. Was sagte er da?
"Das war abwertend gemeint, du halbes Baby, bilde dir nichts darauf ein!" murrte er und drehte sich ab. Neisa lachte fröhlich.
"Du wirst ja ganz rot!!" freute sie sich und sah auf seine knallroten Ohren. "Wie süß..."
"Aaargh, lass mich in Ruhe!!!" brüllte Zoras wütend und wurde noch röter, "Geh weg, Neisa, ich-... ich-... ich muss weiter!!" Damit trieb er das Pferd an, und Neisa winkte ihm lachend nach, als er wegritt.
"Tschüß, Kurzhöschen!!! Mach's gut!" Da tickte sie jemand von hinten an, und sie drehte sich um: "Uwaahh, Simu??!"
"Wo bist du denn hingerannt, du blöde Nuss, wir haben dich überall gesucht!!" meinte der Blonde, dann sah er auf und dem weißen Pferd nach, das gerade um die Ecke verschwand. "War das nicht Zoras Derran??"
"Eben der!" strahlte Neisa, "Und er hat mich Süße genannt! Ich glaub, der ist in mich verknallt, hahaha..."
"Oh Himmel!" schrie Simu, "Wenn das Puran erfährt!!! Das gibt Ärger! Hier, dein Kakao, wir gehen jetzt."
Zoras hielt keuchend an der nächsten Straßenecke an. Dieses Mädchen konnte echt nerven. Jetzt bildete sie sich sicherlich noch sonstwas darauf ein, dass er Süße zu ihr gesagt hatte dabei hatte er das nichtmal wörtlich gemeint! Auf jeden Fall war es schonmal gut, dass Karana nicht da war wenn er das erfuhr, würde er ihn vermutlich auf der Stelle zu Schaschlik verarbeiten und dann grillen. Zoras wollte nicht als Schaschlik-Spieß enden und ging langsam wieder vorwärts. Mit Lyras hatte man nur Ärger.
Er kaufte in einem Laden für alles mögliche die Dinge, die Pakuna haben wollte, und mit einem Sack voller Dinge kletterte er wieder auf sein Pferd, um nach Hause zu reiten doch plötzlich hörte er zum zweiten Mal an jenem Tag eine bekannte Stimme hinter sich:
"Ey, das ist doch Derran, der Psycho-Heini!! EY, KURZHÖSCHEN, HALLO!!!" Zoras verdrehte die Augen und sah sich um hinter ihm stand... Grobi!
"Nanu?" machte Zoras kalt, "Du lebst noch, Fjok?" Grobi lachte laut.
"Kommt her, Leute, guckt mal, wer da ist!!!" Zoras drehte das Pferd um, als aus der Seitenstraße der Pulk von Schamanen um Grobi herum auftauchte.
"Boah!" machten die inzwischen alle mächtig gewachsenen Jungen im Chor.
"Hi, Kurzhöschen! Schicker Schal, haha!"
"Pff!" machte Zoras abwertend und wollte gehen, "Ihr... seid Ungeziefer!" Er ging mit dem Pferd davon. Die Grobiane blieben erstmal verdattert zurück, dann schleuderte Grobi einen Blitz von sich, er landete genau vor Zoras im Boden, sodass das Pferd erschrocken wieherend stieg und dann bremste. Zoras fuhr herum.
"Mann!!" rief Grobi grinsend, "Wie gehts dir, Psycho??! Hast du ordentlich zaubern gelernt??! Also, wir für unseren Teil sind jetzt ganz schön stark, nicht??!"
"Jo!" machten die anderen Jungen, und Grobi hob eine Hand.
"Wie ist es, Kurzer?? Ich würde mich gerne... für die Schmach rächen, die du uns in der Schule auferlegt hast, als du uns alle gnadenlos abgeschlachtet hast! Ich hoffe, du kannst gut zaubern, du kleiner Killer??" Zoras starrte Grobi an. Schließlich verzog sich sein Mund und aus für alle anderen unerfindlichen Gründen begann er, lauthals zu lachen.
"Eh?" machte ein Junge, "D-der lacht??!"
"Was-...??!" stammelte Grobi, als Zoras laut lachte und sich fast nicht mehr einkriegte. Dann grinste er böse und sah sie Jungen herablassend an.
"Was denn, das nennt ihr Schmach??!" fragte er, "Dass ich nicht lache! Glaubst du, ich hätte Angst vor euch, Fjok?? Ich muss doch sehr bitten!" Er wendete das Pferd wieder den Jungen zu, die ihn grimmig ansahen.
Die Menschen sind schlecht.
Zoras griff unter seinem Mantel nach einem seiner Dolche.
"Ihr wollt mich also herausfordern?" fragte er kalt, und Grobi grinste.
"Klar! Wenn du's nochmal mit uns aufnehmen kannst, du Pfeife!" Zoras grinste zufrieden und ging langsam mit dem Pferd auf die Truppe zu.
Ungeziefer... hat es nicht verdient, zu leben...! Ihr seid schlechte Menschen... ihr denkt nur an euch selbst und... fühlt euch damit großartig... dabei verpestet ihr die Welt mit eurer Arroganz!
"Geht mir aus dem Weg," befahl er eiskalt, doch die Jungen blieben, wo sie waren, als er mit dem großen Pferd näher kam. Zoras umklammerte mit der Linken seinen Dolch und hielt mit der Rechten die Zügel fest. Er starrte geradeaus, die Jungen an. Er spürte den Hass in sich aufbrodeln, als er sie ansah, diese Truppe von Unwürdigen dieses Rudel von Ungeziefer.
Die Menschen sind schlecht! Und ich... Zoras Derran werde die Welt von allem Schlechten säubern! Ich werde allen hass auf der Welt für immer zerstören!
"Bleib stehen, du Blödmann!" rief Grobi vor ihm, als das Pferd unentwegt auf die Jungen zukam. Zoras blieb nicht stehen. Er ging weiter, und leise murlend traten die Jungen zur Seite, um ihn sicherheitshlaber durchzulassen als er an ihnen vorbeikam, hob er seine linke Hand mit dem Dolch und fixierte kurz den größten der Jungen in der Truppe, der genau links neben Zoras stand.
"Ihr seid Ungeziefer und des Lebens nicht würdig!" zischte er wie in einer Trance, dann rammte er den Dolch unerwartet und aus heiterem Himmel in die Brust des Jungen. Der Jungen stockte, riss die Augen auf und stürzte mit einem lauten Schrei zu Boden, als Zoras den Dolch aus seinem Herzen zog und weiterging, als wäre nichts passiert. Blut befleckte die Straße.
"WAS??!!" schrien die anderen Jungen und eilten dem Schwerverletzten zu Hilfe, der auf dem Boden zusammenbrach und vor sich hinblutete. Doch jede Mühe war bereits umsonst, denn der Junge war schon tot. Grobi starrte Zoras entgeistert an.
"DU-... DU UNGEHEUER!!!!" brüllte er, "ER HAT IHN ERMORDET!!! ZORAS DERRAN HAT IHN ERMORDET!!!!" Die Jungen riefen laut durcheinander und starrten Zoras alle völlig atemlos an. Zoras hielt seinen blutverschmierten Dolch hoch.
"Ihr seid Ungeziefer!" wiederholte er kalt. "Ihr wolltet ja nicht auf mich hören, hm?... Was ist... Fjok? Wolltest du nicht... gegen mich kämpfen...?" Grobi ballte wütend die Fäuste.
"Du das wirst du bezahlen!!! Ich werde meinen Freund rächen, darauf kannst du Gift nehmen, du Psychopath!!! Leute??!! WIR MACHEN IHN FERTIG!!!"
"JAAA!!!" gröhlten die Jungen im Chor, und Zoras grinste finster.
Das versucht mal ich werde euch alle vernichten Ungeziefer!! Ihr werdet... dafür sterben, dass ihr so schlecht seid und die Welt verpestet habt!!
Mit der Ungeziefer-Schamanengruppe hinter sich kam Zoras westlich von Koraggh mitten auf der Wiese zum Stehen. Die Jungen trugen die Leiche ihres Freundes und verfolgten Zoras unermüdlich. Er würde um einen Kampf nicht herumkommen, dachte er, als er seinen zweiten Dolch ebenfalls zog und vom Pferd sprang. Er wollte auch garnicht um den Kampf herumkommen. Als er sich umdrehte und in die Gesichter der Jungen sah, sah er das, was er versuchte, auszulöschen Hass. Purer Hass stand in die Gesichtern der Schamanen geschrieben, und Zoras spürte seinen eigenen Hass und seine Wut auf die Menschen zurückkehren. Er zitterte vor Anspannung und umklammerte seine Waffen fester, die Jungen anstarrend.
"So, nun!!" schrie Grobi ihn an und hob die Hände, "Ich werde dich für das bestrafen, Derran!!! Ich werde dir nicht verzeihen, dass du meinen Freund umgebracht hast Mörder!!!" Zoras ließen die Worte kalt, er fragte sich einen Moment lang, wieso.
Ungeziefer! dachte er verbittert. Ungeziefer, das vernichtet werden muss!!
"Du willst immer noch kämpfen, Fjok?!" fragte er kalt, "Dann... mach dich darauf gefasst, dass es dein letzter Kampf wird!!" Grobi schnaubte und ließ einen blitzende Energiekugel zwischen seinen Händen entstehen. Zoras drehte seine Dolche blitzschnell in seinen Händen herum und ging in die defensive Position über, die er gewöhnt war, wenn ihm Gegner gegenüber standen.
"Von wegen mein letzter Kampf DEIN LETZTER KAMPF IST DAS!!! HYYAAAA!!!" Damit schmetterte Grobi seine Energiekugel von sich, und Zoras wartete, bis sie genau vor ihm war, bevor er mit einem Schrei in die Luft sprang und somit der Kugel auswich. Die Jungen erstarrten, als Zoras aus der Luft wie ein Raubvogel wieder herabstieß, die Dolche voran.
"AAAHHH, STIRB, DU MISTKERL!!!!!" brüllte er wütend, und Grobi riss schreiend die Arme hoch, als er die Dolch samt Zoras auf sich zufliegen sah, und Zoras flog über ihn hinweg, streifte mit einem Dolch Grobis Arm und landete hinter ihm auf der Erde, keuchend. Grobi schrie auf, als ein blutiger Schnitt auf seinem Arm entstand, dann fuhr er herum und riss die Arme wieder zum Zaubern hoch.
"Na warte!!! Ausweichen kannst du, war's das dann, Zoras??!! HAAHH!!!!!" Mit einem Krachen donnerte ein weiterer Energieball auf Zoras zu, und der Junge rettete sich mit einem Rad zur Seite, sprang im Nu wieder auf die Beine, wirbelte herum und warf einen Dolch mit Wucht von sich
Zack!
"Aaargh-...!!!" röchelte einer der Jungen noch, als die Klinge ihm die Kehle aufschnitt, und mit einer spritzenden Blutfontäne aus seinem Hals ging er zu Boden.
"AAAHH!!!" kreischten die anderen Jungen, als ein weiterer Freund tot am Boden lag. Zoras stand mit ausgestrecktem Arm da, und Grobi keuchte, als er die unheimlich starke, magische Aura wahrnahm, die den Schwarzhaarigen umhüllte.
"Scheisse scheisse, der ist-... ein echter Schwarzmagier, Leute-...!" Zoras hob langsam den Kopf.
"Zeit, zu sterben, ihr Amateure!" zischte er, mit noch immer ausgestrecktem Arm, und die sieben Jungen fuhren zurück, als ein mächtiger Blitz in Zoras rechter Hand erschien. "Demora!" rief Zoras knapp, und der Blitz verließ seine Hand und jagte auf die Jungen zu.
"SCHEISSE!!!!!" brüllte Grobi, und es gab ein ohrenbetäubendes Krachen, als der Blitz die sieben erreichte oder es fast geschafft hätte. Als die Erde aufhörte, zu wackeln, und Zoras aufsah, stutzte er: um die Jungen herum hatte sich ein riesiges, lila Schutzschild aus Licht gebildet, das den Blitz abgestoßen hatte. Zoras erkannte, dass einer der Jungen das Schild mit Magie gebaut hatte er musste zweifellos Telepath sein.
"Hah!" keuchte Grobi und rappelte sich im Schild auf, "Super-... alter, habt-... habt ihr das gesehen??!" Die Jungen sahen Grobi beunruhigt an.
"Wenn das seine Demora war..." sagte der Telepath, der das Schutzschild errichtet hatte, "Dann will ich nicht seine Zerstörer sehen-... ..." Zoras senkte die Augenbrauen.
"Was seid ihr für Waschlappen, hm??!" kam es barsch von ihm, "Versteckt ihr euch hinter eurer Mauer, bis ich keine Kraft mehr habe, um anzugreifen, oder wie läuft das hier auf dem Niveau?" Die Jungen starrten ihn an.
"Verdammt, Kurzhöschen!" keuchte Grobi, "D-du bist ja-... echt verdammt stark geworden!-..."
"NYA!!" brüllte Zoras wütend und schmetterte eine kleine Demora auf das Schild, sodass der Telepath erschrocken zusammenzuckte. "SPRICH MEINEN NAMEN GEFÄLLIGST MIT RESPEKT AUS, DU DES LEBENS UNWÜRDIGES INSEKT!!! LOS, SAG MEINEN NAMEN!!!"
"Z-Zoras!!!" schrie Grobi erschrocken, "Zoras, oder??!"
"LOS, ICH HÖR DICH NICHT!!!" brüllte Zoras außer sich und packte seinen Dolch, "WIE HEISSE ICH??!!"
"ZORAS DERRAN!!!!!" kreischten die Jungen im Chor und erbleichten. Zoras blieb vor dem Schutzschild stehen und sah die eingeschüchterten Jungen an. Dann fing er wieder lauthals zu lachen an.
"Ihr seid in der Tat nicht mehr als Ameisen!!" lachte er gellend, "Was hockt ihr da wie ein haufen armseliger Mücken vor meinen Füßen...??! Gebt ihr etwa schon auf und lasst mich einfach so gewinnen, ihr Insekten?? Nein... ich werde euch eure Verpestung nicht vergeben ERST, WENN IHR TOT SEID!!!" Damit riss er den Arm hoch und schmetterte einen weiteren Blitz auf das Schutzschild, und durch den plötzlichen Aufprall brach der Telepath entkrftet zusammen, das Schild verschwand. Sofort sprangen die Jungen schreiend auf, und Grobi hob die Arme.
"Jungs umzingelt ihn von allen Seiten, na los!!! KOMM HER, DU SPASTI, DER MEINE FREUNDE GETÖTET HAT!!! HAAAAHHHH!!!!!!!" Mit diesem Schrei warf Grobi einen gigantischen Feuerball aus seinen Händen auf Zoras zu, und Zoras riss die Arme gen Himmel.
Ich habe genug Zeit, um die Geister zu rufen! Ihr Geister, hört mich an! Schickt mir einen Zerstörer, und ich werde das Ungeziefer vernichten!!!
Es krachte aus dem bewölkten Himmel, und ein gleßender Blitz schoss aus den Wolken genau in Zoras Hände, und der Junge sprang mit einem Schrei hoch und schmetterte seinen Blitz Grobis Feuerball entgegen. Die Zauber krachten aufeinander und explodierten mit einem ohrenbetäubenden Knall. Grobi warf es von den Beinen, und Zoras drehte blitzschnell den Dolch in seiner Hand und landete genau vor Grobis Füßen auf der Erde.
"VORSICHT, GROBI!!" schrien die Jungen um Grobi herum und hoben defensiv die Arme, als Zoras eine Hand hob, und für einen Augenblick hielten sie alle inne. Grobi rappelte sich keuchend auf.
"Ver-...dammt-...!" stöhnte er, und als er Zoras vor sich stehen sah, kochte Wut in dem Jungen auf. "DU WIRST FÜR DIE TODE MEINER FREUNDE BüßEN, DERRAN!!!! Los, helft mir!!! Wir hauen ihn um, wartet!!"
"Okay!!!" schrien die anderen, und alle rissen zugleich die Hände hoch, zwischen Grobis Händen entstand ein neuer Feuerball, während die Hände der sechs anderen grell aufblitzten. Zoras sah sich nach allen Seiten um, er war umzingelt. Er packte grimmig seinen Dolch und schnaubte wutentbrannt, bevor er eine Hand in den Himmel streckte.
"HAAAAAHHHH!!!!"
"KATURA!!!!" kam dann von allen Seiten, und Zoras riss den Kopf herum, als sechs Katuras auf ihn zugerast kamen, und in dem Moment ließ Grobi seinen Feuerball auf ihn los. Zoras zischte und sprang hoch, um dem Feuerball auszuweichen, doch die Windzauber streiften seinen Körper von allen Seiten, zerfetzten seinen Mantel und seinen Schal, und Zoras keuchte, als einige der magischen Klingen des Windes seine Arme aufschlitzten.
"Ungeziefer darf nicht leben!!!!" brüllte der Schamane wutentbrannt, als der Feuerball an ihm vorbeirauschte, und Zoras riss seinen Dolch hoch und stürzte sich auf den nächstbesten der Jungen, mit einem Ritsch schlitzte er ihm brutal den Bauch samt dicker Jacke auf. Blut spritzte, und die anderen kreischten auf.
"Er tut es schon wieder!!"
"NA WARTE!!!!" brüllte Grobi wütend, und ehe Zoras sich versah, erwischte ihn eine Chura von der Seite, der Blitz warf ihn in die Luft und schmetterte ihn mehrere Fuß nach hinten, bis er hart auf den Boden knallte. Der aufgeschlitzte Junge lag schreiend am Boden, zwei andere kümmerten sich hektisch um die Wunde.
Zoras rappelte sich auf. Etwas blutete in seinem Mund und auch an seiner Seite. Er sah, dass sein schwarzes Shirt einen großen Riss auf der linken Seite hatte, und dadurch entdeckte er einen riesigen, blutenden Schnitt auf seiner Hüfte. Er zischte und packte seinen Dolch erneut. Ihm gegenüber standen jetzt vier der Jungen, Grobi eingeschlossen.
"Was ist??!" grinste Grobi, jetzt voll neuer Zuversicht, "Hab ich dir wehgetan, Zoras Derran??!" Zoras keuchte leicht außer Atem und hob erneut eine Hand in den Himmel.
"Ich kenne... diese Art von Schmerzen nicht, Fjok!!" rief er laut, und im selben Augenblick krachte ein gewaltiger Blitz aus dem Himmel in seine Hand.
"Zurück!!" bellte Grobi seine drei Freunde an und hob die Hände, doch bevor er eine Chance hatte, seinen Feuerball zu bilden, sprang Zoras schreiend auf ihn zu und schmetterte ihm seinen riesigen Blitz entgegen. Grobi stieß einen gellenden Schrei aus, als er getroffen und in die Luft geworfen wurde, er hatte das Gefühl, zerrissen zu werden, als sein ganzer Körper zu schmerzen begann. Dann tauchte Zoras Gesicht vor ihm auf, und Grobi stockte. War der Junge ihm etwa hinterher in die Luft gesprungen?
"Es ist aus Fjok! Jetzt stirbst du," sagte Zoras mit einem irren Lachen, bevor er an Grobi vorbeiflog, die Arme hochriss und sich dann mit aller Kraft auf ihn stürzte und ihn damit zurück auf die Erde schmetterte. Mit einem Krachen schleuderte Zoras ihm einen Blitz hinterher, und Grobi schlug mit Karacho auf dem harten, gefrorenen Erdboden auf, um ihn herum entstand ein gewaltiger Krater, den der Blitz geschaffen hatte. Zoras landete auf dem Boden und schnappte seinen Dolch. Wütend stierte er die erschrockenen Jungen an und zischte.
Ungeziefer...
"NYAAAHHHHH!!!!!!!" brüllte er dann außer sich und stürzte sich auf die kreidebleichen Schamanen vor ihm, und ehe die Jungen eine Chance hatten, sich zu wehren, warf Zoras sie schreiend mit einer einzigen Demora von den Beinen, sie wurden zu Boden geschmettert und blieben stöhnend liegen. Zoras keuchte und schnappte nach Luft, als er spürte, wie der Kampf ihn erschöpfte.
Meine Kraft lässt langsam nach-... Schitt-...
"MHAAAHHH!!!!!" schrie er dann laut und riss die Arme hoch, "Ich bin noch nicht fertig mit euch!!! Verrecken sollt ihr, na los!!! HAAAHHH!!!!!" Es donnerte heftig über dem Schlachtfeld, und der Himmel wurde schwarz, als die Wolken sich zu einem einzigen, massiven Berg aus Finsternis auftürmten. Und Zoras nahm von ihnen seine Kraft, als ein riesenhafter Blitz aus dem Wolkenberg in seine Hände einschlug und seinen gesamten Körper grell leuchten ließ wie einen Heiligen.
"Uhh-... verschwinden wir müssen verschwinden!!" schrie einer der Jungen und krabbelte stöhnend und unter Schmerzen rückwärts nicht schnell genug. Mit einem gellenden Schrei stieß Zoras den Blitz außer sich vor Wut von sich auf den Jungen zu, der gesprochen hatte. Der Blitz erwischte den Jungen, bevor er Zeit hatte, den Mund aufzureißen, um seinen letzten Schrei auszustoßen, und dann war er bereits tot, als der mächtige Blitz der Zerstörung seinen Körper zerschmetterte wie ein Glas. Es regnete für eine Zeit Blut, als der Blitz verschwand, und die jetzt fünf noch gesunden Jungen sprangen auf die Beine. Drei waren tot, einer war verletzt und lag mit aufgeschlitztem Bauch am Boden.
Grobi keuchte außer Atem.
"Du Bastard DU WIDERLICHER, ABSCHEULICHER BASTARD!!! ZORAS!!!!!" Er riss wütend die Arme hoch, und Zoras blieb, wo er war. Der Telepath von vorhin keuchte und taumelte zurück.
"F-...Fjok, er seine Aura-... seine magische Aura ist unglaublich stark!! Er er muss so gut wie unbesiegbar sein für uns, verdammt!"
"Schnorr nicht rum, der wird bezahlen, der Wichser!!!" schrie Grobi wütend.
"A-aber Fjok!!!" schrie sein Freund ihn an, "DAS IST DAS NIVEAU DER GEISTERJÄGER, DU PANSEN!!! Du hast keine Chnace gegen diese Aura!!!"
"Das werden wir ja sehen!!! HAAAHHH!!!!!" schrie Grobi auf und schmetterte erneuterweise einen riesigen Feuerball auf Zoras, und Zoras packte seinen Dolch fester. Dann fuhr er herum und sprang mit einem riesigen Satz in die Luft, während er eine Hand austreckte und auf die Jungen hinter Grobi zielte.
"DEMORA!!!!"
"Achtung!!!" brüllte Grobi, und seine vier Freunde schrien auf und wichen gerade noch der Demora aus, doch einen erwischte es am Bein. Schreiend stürzte der Junge zu Boden, sein Bein blutete und sah verbrannt aus.
"Oh nein!!!" schrie der Telepath außer sich, "ZORAS, BITTE!!! Hör auf, ich flehe dich an!!!! Verschone uns!!"
"NIEMALS!!!!!!" brüllte Zoras wütend, "Ich vergebe euch Insekten nicht!!! Ihr seid schlecht, deshalb müsst ihr sterben!!! UND ICH WERDE EUCH TÖTEN!!!! HAAAAAAHHHH!!!!!!!!" Er ließ einen riesigen Blitz in seine Hand einschlagen und schleuderte ihn wütend auf die Jungen doch plötzlich prallte der Blitz gegen einen Haufen aus Flammen, und die beiden Zauber explodierten wieder mit einem enormen Krachen. Grobi hatte den Blitz mit seinem Feuerball aufgehalten. Zoras landete keuchend und japsend auf der Erde und stierte Grobi an, während er seinen Dolch in der Hand drehte. Auch Grobi war außer Atem.
Unmöglich! dachte Zoras erzürnt, Er hat meinen Blitz einfach aufgehalten... mit seinem Popel-Zauber-...
"Nya!!" schrie er Grobi an und riss seinen Dolch hoch, "STIIIRRRRBBB!!!!!!!" Damit stürzte er sich auf den Jungen, den Dolch voran, und Grobi riss eine Hand hoch:
"Sura!!" Der Schneidezauber streifte Zoras an seiner bereits verwundeten Seite, und er spürte, wie warmes Blut über seine Hüfte rann, als er von Grobis bloßer Faust zurückgeschmettert wurde, und der andere Junge schleuderte ihm eine Sura hinterher, die Zoras inneren Oberschenkel traf und beinahe das getroffen hätte, was man bei Männern lieber nicht treffen sollte. Zoras schrie auf, als sein Oberschenkel auch zu bluten begann, und er fuhr mit einem Schrei herum und schmetterte den Dolch in die Luft er landete genau in der Brust eines der erstarrten Jungen hinter Grobi. Der Junge schrie, röchelte und stürzte dann Blut spuckend zu Boden, bevor er starb, weil die Klinge seine Lunge getroffen hatte. Grobi fuhr herum, und er sah, wie Zoras taumelte.
Er wird schwächer...
Verdammt-... dachte Zoras wütend und schüttelte seine jetzt leeren Hände. Seine Seite schmerzte unheimlich stark, und bei jedem Schritt brannte die Wunde auf seinem Oberschenkel wie Feuer. Der Schnitt war sehr tief und müsste genäht werden. Zoras kam zum Stehen und behielt seine defensive Position, die er so gerne hatte, er ballte wütend die Fäuste. Als er die verbliebenen, schockierten Jungen vor sich sah, flammte neuer Hass in ihm auf, das gab ihm neue Kraft. Vom Boden hob er blitzschnell einen vertrockneten, etwa daumendicken, langen Stock auf, bevor er mit einer Hand in den Himmel fuhr und sich auf die vier übrigen Jungen stürzte, seine Wunden ignorierend. Er war so wütend, dass er nicht merkte, wie sehr der Blutverlust ihn schwächte.
"Achtung, er kommt!!" schrie Grobi und wies seine kameraden an, zurückzugehen. "Ich nehme ihn, ich werde ihn aufhalten!!! LOS, KOMM HER, ZORAS!!!!!" Er rief seinen mächtigen Feuerball mit einem lauten Schrei, und gerade, als er ihn von sich werfen wollte, tauchte Zoras genau über ihm auf, und als Grobi schockiert nach oben sah, trat Zoras ihm mit solcher Wucht mit dem bloßen Bein an den Kopf, dass der Dicke den halt verlor und zu Boden stürzte, den Flammenball auf die Erde schmetternd.
"YIRA!!!!" schrie einer der Jungen verzweifelt, als Zoras über Grobi hinwegflog und nun auf die drei anderen zustürzte. Doch der Eiszauber verfehlte Zoras um diverse Zoll.
"So könnt ihr mich niemals besiegen, haha!!" lachte Zoras auf, "Ihr seid keine Gegner für mich!!!"
"OH NEIN, PASS AUF!!!!!" brüllte der Telepath da seinen Freunden zu, und als diese auffuhren, landete Zoras direkt vor ihnen. Der eine bekam den gewaltigen Blitz aus Zoras Hand genau ins Gesicht geschleudert und wurde mit einem letzten, grauenhaften Schrei in der Luft zerrissen. Der andere bekam den trockenen, stumpfen Stock schmerzhaft genau in die Kehle gerammt, wo der Stock steckenblieb und eine Blutfontäne aus der Halsschlagader springen ließ. Röchelnd stürzte der Junge zu Boden und tat seine letzten Atemzüge, bevor er starb.
Übrig waren jetzt der verwundete Junge, der Telepath und Grobi. Sechs Jungen hatte Zoras getötet. Und es war kein Ende in Sicht, obwohl unter Zoras Füßen, wenn er stand, eine Blutlache entstand und sich sein Kopf schwummrig anfühlte, wenn er sich schnell bewegte.
Ich werde es zu Ende bringen! Weil ihr... Insekten seid und damit... eine Lästerung des Lebens!
Zoras sammelte einen seiner Dolche wieder auf und drehte sich langsam zu dem Telepathen und Grobi um, die ihm gegenüber standen.
"Du kümmerst dich um den da hinten!" sagte Grobi zu dem Telepathen und zeigte auf den Verwundeten am Boden, der inzwischen bewusstlos war. Der Telepath gehorchte kreidebleich und verschwand zur Seite. Grobi stand Zoras gegenüber. Beide Jungen waren bereit, sich gegenseitig umzubringen. Es war klar, dass nur einer von beiden diesen Kampf überleben würde.
Beide Jungen hoben ihre Hände, während sie sich hasserfüllt anstarrten. Grobi war wütend, weil Zoras alle seine Freunde umgebracht hatte und Zoras war die ganze Zeit über schon wütend gewesen. Als die zwei sich dann mit einem lauten Schrei aufeinander stürzten, bezweifelte der Telepath am Rande, ob es noch einen hauch von Verstand in den Köpfen der beiden gab. Blind vor Wut stürmten sie aufeinander los, und Zoras riss zu allererst seinen Dolch hoch, den er Grob is den Arm rammte, gleichzeitig bekam er von Grobi eine Katura ab, der schneidend scharfe Windzauber zerschnitt sein gesamtes linkes Bein dann prallten die beiden Jungen schreiend gegeneinander und stürzten beide zu Boden.
Zoras stand zuerst wieder auf. Er war von oben bis unten blutverschmiert, die Wunden an seiner Seite und seinem inneren Oberschenkel waren durch den Kampf noch größer geworden. Grobi keuchte und rappelte sich ebenfalls wieder auf.
"Ungeziefer DU MUSST STERBEN!!!!!" brüllte Zoras wutentbrannt und riss seinen Dolch hoch, dazu seine leere, linke Hand, und mit einem Krachen entstand ein Blitz in seiner Linken. Grobi schnaubte.
"DU ZUERST, DU MÖRDER!!!!!" brüllte er, dann ließ er seinen Feuerball erscheinen. Zoras drehte den Dolch wieder blitzschnell in seiner Hand herum, schnappte seinen Blitz und sprang mit einem Schrei in die Luft. Grobi warf den Feuerball in die Luft genau auf Zoras zu, doch der Junge schmetterte dem Ball seinen gigantischen Zerstörer entgegen, und Grobi schrie auf, als sein eigener Zauber mitsamt Zoras Blitz auf ihm zugerollt kam.
"WUAAAAHHHHH!!!!!!" brüllte Grobi, bevor er sich noch rechtzeitig zur Seite rollte. Der Feuerball donnerte in die Erde und ließ sie erzittern. Grobi sprang auf die Beine, keuchte und riss die Arme hoch, als Zoras hinter ihm landete. "Na warte!!! Jetzt bist du am Arsch!!!" Damit fuhr er herum und stürzte sich frontal auf Zoras, doch der Schwarzhaarige fuhr vorher herum, streckte blitzschnell die Hand aus und
"CHURA!!" Der Abwehrzauber ließ Grobi zurückprallen und schleuderte ihn auf den Boden. Zoras drehte sich zu ihm um und ging langsam auf ihn zu, seinen Dolch umklammernd. Der Schmerz pochte in seiner Seite und seinem Oberschenkel. Er spürte, wie der Schmerz in ihm pulsierte, als würde er leben, und wie immer mehr Blut aus seinen tiefen Wunden rann.
Die Menschen sind schlecht.
"Zoras-...!!" keuchte Grobi außer Atem und kam auf die Beine, Zoras ging noch immer auf ihn zu.
Ich werde sie alle vernichten.
"Ich muss dich aufhalten!!!" schrie Grobi, "Bevor du noch mehr Menschen tötest!!" Zoras sah ihn starr an.
"Dann versuch es mal, du Amateur!!" rief er aus, packte seinen Dolch und begann erneut, ihn herumzudrehen, während er eine Hand in den Himmel hochriss und aus den grollenden, schwarzen Wolken einen weiteren, riesigen Blitz auffing, den er in der Hand behielt. Grobi schrie auf und riss die Arme ebenfalls gen Himmel es gab einen lauten Knall, als aus dem Nichts ein weiterer Feuerball zwischen seinen Händen entstand, und wütend stürzte sich Grobi mitsamt dem Zauber auf Zoras, sprang in die Luft und plötzlich war Zoras verschwunden. Grobi starrte nach vorne, aber Zoras war weg.
"Wo kämpfst du eigentlich, Fjok?" hörte er dann urplötzlich Zoras Stimme direkt hinter sich, und er erstarrte. Der Junge war genau hinter ihm in die Luft gesprungen, den Blitz in der Hand. "Ich bin hier!" Grobi blinzelte.
Scheisse!
Mit einem ohrenbetäubenden Krachen schmetterte Zoras Grobi mit seinem Blitz auf die Erde nieder, hart schlug der dickere Junge auf dem Boden auf, der Blitz krachte mit ihm in die Erde und erzeugte ein weiteres Beben. Zoras landete geschickt auf den Füßen, dann warf er den Dolch mit einem Schrei in die Luft, bevor er ihm hinterher auch in die Luft sprang und in seiner Linken einen Blitz bildete.
"DU BIST TOT, FJOK!!!!!! UNGEZIEFER WIE DU MUSS... STERBEN!!! HAAAAAAAHHHH!!!!!!!!" Damit schmetterte er seinen Blitz genau in den Dolch, den er in dem Moment wieder auffing. Der Dolch glühte grell auf und blitzte, als die Magie auf die kleine Waffe überging, und Zoras packte den Dolch, wirbelte herum und stieß mitsamt seiner magiegeladenen Waffe wie ein Adler auf seine Beute herunter die Beute lag wimmernd am Boden und starrte mit geweiteten Augen in ihr eigenes Verderben.
Dann ertönte ein extrem lautes Krachen, und der Dolch hatte Grobi erwischt. Zoras stürzte wie ein Stein auf die Erde, seinem Angriff hinterher, und er prallte hart auf den gefrorenen Boden. Grobi stieß einen zerreißenden Schrei aus, als der Dolch sich in seinen Bauch bohrte und die mächtige Magie seinen Körper von innen heraus zerfetzte und ihn in kleine Stücke riss. Blut spritzte nach allen Seiten. Dann, plötzlich, war es vorbei. Von Grobi war nichts mehr übrig außer blutige Fleischfetzen. Zoras lag am Boden, blutüberströmt, mehr tot als lebendig, als ihn seine Kräfte verließen. Der Dolch steckte im Boden und hörte auf, zu glühen, als die Magie entwich. Übrig blieben der bewusstlose Junge und der schockierte Telepath.
Menschen sind Ungeziefer. Die Menschen sind schlecht.
Zoras bekam kaum Luft. Er rollte sich stöhnend auf den Rücken und versuchte, seine blutverkrusteten Augen zu öffnen.
Sie sind es nicht würdig, zu leben. Sie müssen sterben.
Zoras spürte, dass er in einem endlosen Dunkel lag. Um ihn herum nur Schmerzen. Hass. Trauer und Wut auf die ganze Welt und auf die schlechten Menschen.
Um den Hass zu zerstören... müssen die Menschen vernichtet werden. Dann wird mein Schmerz nachlassen... und meine tiefen Wunden werden endlich zu heilen beginnen.
Durch einen Schleier aus getrocknetem Blut nahm Zoras seine Umgebung langsam wieder wahr. Er lag auf dem eiskalten Boden mitten auf der Tundra zwischen Koraggh und Holia. Um ihn herum war es still. Als er sich bewegte, spürte er einen unerträglichen Schmerz durch seinen ganzen Körper fahren, und er schrie laut auf vor Schmerzen. Er fasste nach seiner Seite und erinnerte sich an den tiefen Schnitt.
Scheisse...
Dann erinnerte er sich an das, was geschehen war. Er hatte gegen Grobis Truppe gekämpft und hatte sieben Jungen getötet. Sieben Insekten, die die Welt verpestet hatten. Und? War sein Hass weniger geworden? Zoras horchte in sich hinein und hörte das schwarze Loch von innen pochen. Es war also noch da. Und der Schmerz war so heftig wie vorher.
Als er ganz zur Besinnung gekommen war und sich einigermaßen erholt hatte, nahm er sich zusammen und kämpfte gegen die starken Schmerzen, indem er sich aufsetzte. Sofort stach der Schmerz in alle seine offenen Wunden, und Zoras versuchte, seine Umgebung auszumachen. Der Telepath und der Verletzte waren verschwunden. Ihm war egal, wo sie waren. Sie waren ihm einfach entkommen. Sein Pferd stand mit den Einkäufen aus Koraggh am Rande eines Wäldchens und fraß den Tundraboden ab, obwohl es da nichts zu Fressen gab. Zoras lag inmitten einem Feld aus Fleischbröckchen das, was von Grobi übrig war. Überall war Blut um ihn herum er selbst lag in einer einzigen, riesigen Blutlache.
Ihm war so kalt, dass er es nichtmal mehr merkte. Er fragte sich, wie lange er auf dem Boden gelegen hatte, als er sah, dass es bereits dunkel war. Im Winter wurde es früh dunkel. Zoras rappelte sich unter enormen Schmerzen auf die Beine. Er stöhnte leise, als sein rechts Bein fast versagte der Schnitt innerhalb seines Oberschenkels war wieder aufgeplatzt und blutete wieder wie verrückt. Zoras hielt sich stöhnend die Hand auf den Oberschenkel und sah sich hilfesuchend in der Landschaft um. Aber er war allein. Ganz allein.
Mühsam quälte er sich zu dem Pferd herüber und bewerkstelligte es irgendwie und unter großen Schmerzen, auf den Rücken des Tieres zu kommen. Der weiße Rücken des Tieres wurde schon von seinem roten Blut vollgespritzt, und Zoras hustete leise, als er auf dem Hals des Pferdes zusammenbrach.
"Ich muss nach Hause..." nuschelte er völlig neben sich, und das Pferd bewegte sich leicht. Der Blutverlust machte ihn müde und so schwach wie nie zuvor. Er konnte sich mit letzter Kraft zusammenreißen und die Zügel ergreifen, bevor er das Pferd mühsam herumzog und es nach Holia lenkte. Blut rann an seinem Bein hinunter, und der Schnitt brannte bei jeder Zuckung, die sein Körper durchmachte. Ihm fiel ein, dass sein Hemd kaputt war und sein Mantel und sein Schal komplett zerfetzt waren. Pakuna würde sicher böse werden, auch, wenn sie es ihm nicht ins Gesicht sagen würde. Sie hatte ihn viel zu lieb, um ihm lange böse zu sein.
In der Ferne tauchte Holia auf, und Zoras rappelte sich mühevoll auf dem Rücken des Pferdes auf, bis er aufrecht saß. Er würde nicht als halbe Leiche in Holia ankommen. Die anderen sollten ihn nicht wieder von allen Seiten anstarren wie eine lila Kuh oder sonst etwas völlig Ungewöhnliches. Vermutlich würden sie das ohnehin auch, wenn er aufrecht saß, war er dennoch von oben bis unten voller Blut. Zoras kniff vor Schmerzen die Augen zusammen und umklammerte die Zügel fester.
Lass dich jetzt nicht von den Schmerzen überwältigen, Derran-...
Er war erstaunt, als er Holia erreichte und keinen einzigen Menschen auf der Straße vorfand. Er sah sich um und sah nur noch in wenigen Häusern Licht brennen. Vermutlich war es schon ziemlich spät... Zoras brachte das Pferd so gut wie lautlos in den Stall zurück und kletterte mühsam auf die Erde. Er machte sich nicht mehr die Mühe, das blutverschmierte Fell zu säubern das könnte er auch morgen tun. Er schleppte sich zu seinem Haus und öffnete so leise wie möglich die Tür, in der Befürchtung, jemanden aufzuwecken, wenn er hereinkam. Doch dazu kam es nicht.
Es war noch jemand wach im Haus, in der Stube brannte Licht. Zoras ließ die Einkäufe aus Koraggh zu Boden gleiten und hielt sich keuchend an der Wand fest, als der Schmerz wieder in seinem ganzen Körper aufflammte und er mühsam einen Schmerzensschrei unterdrücken musste. Dann hörte er Pakunas Stimme.
"Du kommst ganz schön spät!" Zoras schluckte seinen Schmerz herunter und sah zu Boden. Sie klang vorwurfsvoll vermutlich war sie entweder wütend oder enttäuscht. Und er war mal wieder Schuld daran.
"Tut mir leid, Mutter," rang er sich durch, zu sagen, "Ich konnte nicht eher kommen." Er schloss die Augen und hielt sich verkrampft an der Wand fest. Blut tropfte von seinen Beinen auf den Boden. Nach einer Zeit hörte er ein leises Plitsch, als ein Blutstropfen in die Blutlache auf dem Boden fiel, die sich unter Zoras Füßen gebildet hatte. Er spürte, dass ihm schwindelig wurde, und er sah, wie der Flur sich zu drehen begann, sobald er die Augen öffnete. Als er keuchend auf seine blutverschmierten Finger sah, merkte er erst, wie kalt es war, da seine Fingerspitzen begannen, blau anzulaufen.
Schitt-...
Er hatte nicht gemerkt, wie kalt ihm eigentlich war, weil der Schmerz warm gewesen war, weil der Schmerz ihn fast verbrannte. Er schwitzte sogar und fragte sich, wie man im Hungermond schwitzen konnte.
Ich gehe lieber ins Bett... sagte er sich dumpf, Ich... bleibe noch etwas hier stehen, ich muss mich ausruhen dann gehe ich schlafen...
Er nahm sich minutenlang vor, die Wand loszulassen und schlafen zu gehen, aber er tat es einfach nicht.
"Zoras?" hörte er Pakunas Stimme dumpf, aber sie klang so weit entfernt, dass er dachte, er würde träumen.
Mutter... was ist...? fragte er, und er dachte, er würde es wirklich sagen er dachte es nur, während er sich noch immer an der Wand abstützte.
Geh schlafen, Derran... sagte er sich selbst, ohne es zu tun. Als er den Kopf hob, sah er verschwommen seine Mutter aus der Stube kommen.
"Zoras, bist du-...? OH MEIN HIMMEL!!!!" hörte er sie laut kreischen, und er rang nach Luft, als ihm das Atmen plötzlich unheimlich schwer fiel. Er sah wie in Trance Pakuna auf sich zurennen, im selben Moment die Schlafzimmertür auffliegen und seinen Vater in den Flur kommen, und bevor einer von beiden ihn erreichen konnte, brach er auf dem Boden zusammen, von den Schmerzen und dem starken Blutverlust überwältigt. Er hörte die aufgeregten Stimmen seiner Eltern über ihm, dann wurde es um ihn herum schwarz.
Das schwarze Loch klopfte.
Zoras spürte das Pochen in seinem Inneren ganz deutlich. Um ihn herum war es schwarz, und er fühlte sich, als wäre er in einem schwerelosen Raum aus Dunkelheit war er von der Finsternis verschlungen worden?
Bin ich tot? fragte er sich und sah sich um. Aber er sah nichts als Dunkelheit, er war sich für einen Moment lang nicht sicher, ob er tatsächlich lebte.
Wieder klopfte das Loch in ihm. Tock, tock. Zoras zog hörbar eine nicht vorhandene Luft ein wenn es keine Luft war, was atmete er dann? Er fühlte sich betäubt von Schmerzen und Dunkelheit, und als er sich bewegte, spürte er nichtmal, dass er das tat. Bewegte er sich dann wirklich? Oder war es seine Einbildung? Wo war er? Wer war er?
Blut.
Zoras drehte den Kopf in dem endlosen Dunkel um sich herum, als er den Geruch von Blut wahrnahm. Sein eigenes Blut. Und das der Jungen, die er getötet hatte.
"Menschen sind Ungeziefer! Ich werde sie alle vernichten!!"
"Damit ich meinen Hass endlich loswerde..."
Tock, tock.
Das Loch pochte in seiner Kehle, und Zoras spürte, wie eine unbeschreibliche Angst seinen Körper fest umklammerte. Dann spürte er Hände, die über seinen Körper fuhren und ihn berührten sanft, aber es war trotzdem schmerzhaft.
Lasst mich...! keuchte er außer sich und kniff die Augen zusammen, als die Hände nach seiner Seite fassten. Das schwarze Loch sog ihn in sich hinein! Die Hände angelten nach seinem Körper und seinem Geist, und schreiend versuchte Zoras, sich dagegen zu wehren, aber er war wie gelähmt und konnte sich weder bewegen noch schreien. Kein Ton kam aus seiner Kehle.
Oh nein!-... Ich bin tot ich bin tot-...!! Lasst mich!! BITTE!!!
Die Hände umfassten seinen Bauch und fuhren herunter bis zu seinen Lenden, und Zoras keuchte, ohne einen Ton hervorzubringen.
Tock, tock, machte das Loch in seinem Inneren, und Zoras spürte, wie eine Welle der Schmerzen ihn überrollte in dem Moment, als die unsichtbaren Hände ihn zwischen den Beinen berührten, dort, wo kein Mensch der Welt ihn jemals anfassen durfte.
NEIN, HÖRT AUF!!!!!!!!
Er versuchte, sich zu winden, aber er entkam den Händen nicht. Es wurden immer mehr, Hände auf seinem ganzen Körper, sie fassten seine Oberarme und hielten ihn fest, andere strichen über seine Stirn und seinen bebenden Bauch, während die Hände unten seine Beine auseinanderdrückten und seinen Oberschenkel berührten. Wie ein Blitz durchfuhr der Schmerz seinen Körper, und er schrie aus Leibeskräften, ohne seine eigene Stimme zu hören.
Nein nein!!! Lasst mich los!! Lasst mich los, lasst mich los!!! BITTEEEE!!!!!
"Zoras..." hörte er Stimmen um sich herum, als die Hände ihn weiterhin festhielten und berührten.
"Zoras, beruhige dich!..." Zoras keuchte und japste und versuchte mühevoll, zu atmen. Die Geister sprachen mit ihm...
"Sei ganz ruhig. Es wird ein bisschen wehtun, die Wunden sind sehr tief..." Zoras keuchte erneut.
Lasst mich los...
"Shhht... sei still... es wird alles gut es wird alles gut..."
Niemals...
Tock, tock.
Die Menschen sind schlecht.
Zoras hielt inne dann fuhr plötzlich eine eisige, stechende Kälte durch seinen Oberschenkel, sie kroch blitzschnell hinauf bis zu seiner Kehle und drohte, ihn einzufrieren, gleichzeitig erreichte der gewaltige Schmerz mit einem sich in Blut ergießenden Himmel seinen Höhepunkt, und Zoras stieß einen gellenden Schrei aus.
Als er die Augen aufschlug, sah er dreierlei Personen um sich herum sitzen. Er erkannte Pakuna und seinen Vater, zudem saß vor ihm eine kleinere Frau mit dunklen Haaren und riesigen, braunen Augen.
"Zoras!" hörte er Pakuna sagen, und er zuckte zusammen, als sie ihm über die verschwitzte Stirn strich. Die Hände. Er erinnerte sich an die Hände und die Dunkelheit um ihn herum, und er stöhnte leise. Sein Mund formte ein paar Worte, aber er konnte nicht sprechen. Langsam registrierte er, dass er in seinem Bett lag. Aus unerfindlichen Gründen war er nackt, aber Verbände waren um seinen Bauch und seine Beine gewickelt. Mit Entsetzen erinnerte er sich an seine Wunde am inneren Oberschenkel, und jetzt verstand er, was die Hände in seiner Intimzone gemacht hatten sie hatten zweifellos die Wunde versorgt und keinerlei böse Gedanken gehabt. Zoras sah beschämt zur Seite und zog die Beine an. Es gefiel ihm nicht, vor der fremden Frau mit den großen Augen splitternackt zu sein. Sie hätten ihm ja wenigstens seine Unterhose anlassen können...
"Du bist wieder wach..." sagte Pakuna leise, ohne aufzuhören, ihn zu streicheln. Zoras sah sie an.
"Ja..." war das erste Wort, das er wieder von sich gab.
"Deine Wunden sind versorgt und verbunden worden," meinte Pakuna, "Was... ist bloß passiert?? Wie konnte es dazu kommen?"
"Du hast sehr viel Blut verloren," sagte die großäugige Frau leise und sah ihn beinahe ängstlich an. "Du warst kurz davor-... deine Seele dem Wind zu überlassen..." Zoras starrte sie an. Er wäre fast gestorben?
"Merk dir das!" zischte Ram Derran und erhob sich, "Mach nie wieder sowas! Was auch immer du gemacht hast! Wer zum Geier hat dich dermaßen zugerichtet??!"
"Lass ihn, Ram." Die Stimme kam von der Tür zum Zimmer, und Zoras erschrak, als er niemanden geringeres als Puran Lyra in der Tür stehen sah. Was zum Geier hatte der denn hier verloren?
"Misch dich nicht in meine Angelegenheiten!!" schnauzte Ram den Herrn der Geister an, "Ich mache mit ihm, was ich will!"
"Sei Leyya lieber dankbar dafür, dass sie deinem Sohn das Leben gerettet hat!" blaffte Puran Lyra ihn empört an, "Und es ist meine Frau, die das getan hat, kapiert??!" Zoras sah die Frau vor ihm ungläubig an. Das war also Puran Lyras Frau? Karanas Mutter?
"Ich habe dich nicht um eure Hilfe gebeten!" murrte Ram Derran, und Puran Lyra starrte ihn an.
"Aber deine reizende Frau hat das getan!" zischte er, "Im Gegensatz zu dir schätze ich Pakuna sehr, und es ist eine Schande, wie du als Vater deinen Sohn behandelst! Wäre es dir allen Ernstes egal gewesen, wenn er gestorben wäre??!"
"Lasst es gut sein, Jungs," sagte Purans Frau leise und erhob sich. Dann sah sie Pakuna an. "Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand. Den Rest wird die Zeit erledigen. Er wird sich sehr lange ausruhen müssen... lass ihn am besten einfach hier daheim, und kümmere dich darum, dass er genug isst, Pakuna..." Pakuna nickte traurig.
"Ich danke euch-..." flüsterte sie und sah auch Puran Lyra an, "Es tut mir leid, dass ihr meinetwegen extra herkommen musstet-..."
"Pff," machte Puran Lyra und kicherte dann, "Ach, komm, Pakunachen! Sag nicht sowas..." Er drehte ihr den Rücken zu und sah zur Tür. "Ich weiß, dass du in dem Fall dasselbe für uns getan hättest, wenn es so gewesen wäre." Pakuna sagte nichts. "Komm, Leyya wir müssen zurück nach Lorana, sonst fliegen Chata noch Simu und Neisa um die Ohren!" Leyya Lyra ging zu ihrem Mann und lächelte.
"Gute Besserung, Zoras, hoffentlich wirst du bald wieder gesund!" Zoras starrte ihr traumatisiert nach, als sie und Puran gingen. Ram Derran verließ brummend das Zimmer und verschwand im Schlafzimmer. Pakuna blieb bei Zoras am Bett. Nach einer Weile war es ruhig. Zoras fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte. Was hatte denn Karanas Mutter mit ihm zu schaffen?
Pakuna erriet seine Gedanken ein weiteres mal.
"Sie ist eine großartige Heilerin, Zoras," sagte sie, "Und sie war die Einzige, die mir auf die Schnelle in den Sinn kam deshalb habe ich mich mit Psychokinese nach Lorana teleportiert, um sie um Hilfe zu bitten... obwohl es mitten in der Nacht war-..." Sie sah zum Fenster. Die Sonne ging auf. Zoras blickte Pakuna eine Zeit lang stumm von der Seite an. Ihre Augenringe sagten ihm, dass sie sich schreckliche Sorgen gemacht haben musste, denn sie hatte geweint.
"Mutter..." flüsterte er und streckte die Hand nach Pakunas Hand aus. Als er sie erreichte, umklammerte er sanft die Hand seiner Mutter, und Pakuna erwiederte den Griff. Es tat so gut, ihre Hand zu spüren... Zoras schloss müde die Augen, und er spürte, wie Pakuna ihm ganze drei Wolldecken überlegte, damit er nicht fror.
"Möchtest du mir erzählen, wie das passiert ist, Zoras...?" Der Junge schwieg.
"Es war nur ein Kampf," sagte er dann. "Ich habe-... nur ein wenig gekämpft, Mutter. Es tut mir leid, wenn ich dir Sorgen gemacht habe..."
"Gegen wen hast du denn gekämpft, um Himmels Willen...?? U-und warum??!" wollte seine Mutter wissen, und Zoras wartete ein bisschen, bevor er antwortete.
"Gegen meinen... eigenen Hass..." flüsterte er dann, und er spürte, wie Pakuna erstarrte. "Damit ich eines Tages... keine Schmerzen mehr habe... und nie wieder traurig oder wütend sein muss."
Er schlief schnell ein. Dabei schossen ihm tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf. Er hatte Menschen getötet. Sieben Stück. Aber er selbst wäre deshalb ebenfalls fast gestorben. Verbittert stellte er fest, dass er zu schwach für die Welt war. Immer noch war er zu schwach. Er war zu schwach, um die Welt von dem Ungeziefer zu befreien. Zu schwach, um den Hass auf der Welt für immer zu vernichten und dann... seine Schmerzen loszuwerden.
Ich muss also... noch stärker werden... dachte er, während sein Körper in den Schlaf überglitt. Viel stärker... ... stärker-... als Karana Lyra...