[Räuberhöhle, Frühlingsmond 991]

 

Der Unterschlupf der Banditen war versteckt in einem Hügel, eine Höhle, die sogar bis unter die Erde führte. Der Eingang kam Pakuna vor wie das Maul eines überdimensionalen Raubtieres, in dessen Rachen ein großes Feuer brannte – im selben Moment fühlte sie sich, als würde sie in einen Ofen geworfen werden. Sie betraten die stinkende Höhle in dem Hügel. Drinnen wurden sie von noch viel mehr Räubern empfangen, und die drei Gefangenen wurden von allen groß und mit viel Gemurmel angestarrt. Pakuna spürte tausend Hände, die ihren Körper berührten und unter ihren Mantel fuhren, aber sie registrierte das alles garnicht. Es war heiß und stickig in dem Räubernest. Das einzige, was Pakuna noch interessierte, war ihr Kind, und sie versuchte verzweifelt, Zoras in dem Gewirr von Männern zu finden. Sie sah kurz ihren Mann, der, ohnmächtig wie er war, auf einen Haufen Matten aus Bast geworfen und liegen gelassen wurde. Darauf zerrten die Männer Pakuna weiter, und sie fand Zoras nicht wieder. Sie rief verzweifelt seinen Namen, aber er antwortete nicht, die Männer mussten ihn weggeschleppt haben.

"ZORAS!!!!!" schrie die Frau verzweifelt und wehrte sich vergeblich gegen die Hände und die Fesseln, und die Männer um sie herum lachten laut, während sie die Frau über eine knorrige Leiter aus vergammeltem Holz weiter nach unten beförderten, tiefer in die stickige, heiße Höhle hinein. Pakuna fragte sich apathisch, wie Menschen sich in so einem Dreck wohlfühlen konnten. So etwas wie Fenster schienen sie auch nicht zu kennen, und Pakuna dachte verzweifelt daran, das Tageslicht jetzt vielleicht niemals wieder zu sehen. Und was würde aus Ram werden, und vor allem aus dem kleinen Zoras?

Als sie unsanft vorwärts gestoßen wurde und auf einen Haufen Felle stürzte, fand sie ihre Besinnung etwas mehr wieder. Vier der großen Männer standen direkt vor ihr. Sie fand sich, als sie sich umsah, in einem kleinen, stinkenden Raum wieder, in dem es nichts gab außer einer Wand, einem Boden und einer Decke, und dem Haufen Felle, auf dem die Frau jetzt lag. Sie sah erschrocken in die grinsenden Fratzen der Kerle über ihr.

"Ein Prachtstück, oder??" lachte der Anführer seine Kumpels an, "Und richtig gute Klamotten hat sie, seht mal!" Er zerrte an Pakunas schwarzem Mantel mit der Fellkapuze, und sie kreischte auf, als der Mantel einriss.

"LASST MICH LOS!!!!!" schrie sie, doch das Gelächter erstickte ihre Schreie.

"Kommst wohl aus ´ner reicheren Gegend, wie??" gluckste einer der Männer, "Schwarze Stoffe sind teuer..."

"Lass uns sehen, was sie sonst noch für Sachen anhat, ja??!" freute sich ein schmalerer Mann schon, der Pakuna schon die ganze Zeit gierig angegafft hatte. Und die Frau fuhr auf.

"WEHE!!!!!! Die Geister werden euch bestrafen, ihr Mistkerle!!! Wo habt ihr mein Kind hingebracht??!!" Der Anführer lachte laut, dann zog er den Schmalen am Kragen.

"Laber nicht, du weißt doch, dass unser Chef die Beute zuerst bekommt!! Wenn er mit uns teilen will, darfst du sie auch mal, sicher!" Lautes Gelächter ertönte, und Pakuna keuchte.

"E-es gibt noch einen Chef??!" wunderte sie sich und sah den vermeintlichen Anführer an, und sie bekam keine Antwort, weil in dem Moment die Haut, die als Tür diente und eher wie ein Vorhang über dem Eingang hing, zur Seite gerissen wurde und ein noch größerer und grimmigerer Kerl hereinplatzte – zweifellos der Chef.

"Chef!" bestätigten die Rufe der Räuber sogleich Pakunas Verdacht, und sie kauerte sich zitternd auf den Fellen zusammen, als der Mann auf sie zukam.

"Das ist sie also," sagte er und grinste Pakuna mit seinen fünf übrigen Zähnen an, und der Farbe der Zähne nach zu schließen würden auch die nicht mehr lange halten. "Ihr habt nicht übertrieben, sie ist wirklich ziemlich hübsch! Ich nehme sie mit zu mir. Wenn ich keine Lust mehr auf sie habe, könnt ihr sie haben!" Damit zerrte er Pakuna wieder hoch, und sie schluchzte und versuchte verzweifelt, sich gegen seinen Griff zu wehren, aber erfolglos.

"Was wird aus dem Jungen?" fragte der notgeile Schmale dann und strahlte, "Der so hübsch ist wie seine Mutter?" Alle schwiegen, und Pakuna keuchte wieder.

"Zoras!" schluchzte sie, "M-mein Kind!! Wehe, ihr tut ihm weh...!!"

"Ihr könnt ihn haben," grummelte der Chef dann, "Ich bin mit der Hübschen hier erstmal bedient...!" Die Räuber grinsten sich gierig an, und der dicke Chef zerrte Pakuna zum Eingang des Raumes. "Macht mit ihm, was ihr wollt, ich gehe hoch! Und Thok, sag Han, dass er sich um das Essen kümmern soll!!" Mit Thok war scheinbar der zuerst vermeintliche Anführer gemeint, wie Pakuna feststellte, weil eben dieser darauf nickte. Dann wurde sie von dem Chef durch die stickigen Gänge zurück zur Leiter gezerrt, während auch die anderen Männer dem Chef hinterherdackelten. Sie hatte in ihrem Leben noch nie so eine Angst gehabt. Nichtmal, als die Zuyyaner unter einem brennenden Himmel über Dokahsan hergefallen waren. Sie hatte weniger Angst vor dem, was ihr unvermeidlich bevorstand, als sie um ihr Kind Angst hatte. Was bedeutete Macht mit ihm, was ihr wollt? Alles, was sie bis dahin sicher wusste, war, dass er sicherlich leiden würde.

 

Zoras blinzelte und versuchte, nur die Decke des kleinen Raumes anzugucken, die aussah, als wäre sie aus Schlamm gemacht. Er wollte seinen Entführern nicht ins Gesicht sehen, weil sie böse waren. Er hatte sofort gewusst, dass sie böse waren, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Und als sie ihn gefesselt und hierher geschleppt hatten. Jetzt lag er auf einem provisorischen Bett aus Bastmatten, Häuten und gammeligen Fellen von Hirschen und anderem Wild. Die Entführer standen über ihm und unterhielten sich über seltsame Dinge, die er nicht verstand. Dann hatten sie ihm seine Kleider vom Leib gerissen, und er lag jetzt splitternackt auf dem Lager, ohne mit der Wimper zu zucken oder sich sonst irgendwie zu rühren. Egal, was er tat, die Männer waren viel größer und stärker als er, jeder Widerstand wäre sinnlos gewesen. Er fühlte sich komisch, so nackt herumzuliegen und von allen angestarrt zu werden – als er mit seinen Eltern allein gewesen war, war Nacktsein etwas völlig normales gewesen. Wieso starrten diese Kerle ihn so gierig an, als wäre er ein Stück Fleisch zum Essen? – Oh nein! Vielleicht wollten sie ihn ja essen!

Er drehte mit einem leisen Ausatmen den Kopf zur Seite und zog die Beine an, damit das Gefühl, ausgeliefert zu sein, wegging. Es ging nicht weg, auch Beine anziehen half nichts. Noch nie hatte er sich so hilflos gefühlt, und er gäbe viel darum, jetzt zaubern zu können.

"Scheisse!" hörte er den einen Mann grinsend sagen, "Guckt euch den hübschen Kerl an!" Lautes Lachen ertönte, und Zoras fragte sich, ob sie ihn tatsächlich so hübsch fanden, oder ob sie sich gegenseitig verarschten. Er hoffte gerade noch inständig, dass sie ihn nicht essen würden, da wurde er von einem gepackt und auf den Bauch gedreht, sodass er jetzt mit dem Gesicht auf dem stinkenden, vergammelten Fell lag.

"Wir können mit ihm machen, was wir wollen!" hörte Zoras einen Mann sagen, und er wusste, dass jetzt noch mehr Männer hereingekommen waren. "Der Chef schenkt ihn uns!"

"Eeeecht??!! Boah, ich fang an!!"

"Nichtsda, ich bin der kleine Bruder des Chefs!!" empörte sich der Mann, der soeben zur Tür hereingekommen war uns erzählt hatte, dass sie mit Zoras machen könnten, was sie wollten.

Was wollten sie denn machen? Zoras wagte nicht, sie das zu fragen, wahrscheinlich würde er es ohnehin gleich wissen. Hauptsache, sie aßen ihn nicht auf. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlte, gegessen zu werden – noch weniger konnte er sich vorstellen, was die Männer vorhatten, als er sie hinter sich hörte, wie sie gröhlten, lachten und seltsame Geräusche von sich gaben. Dann zogen sie sich auch aus, und Zoras wunderte sich. Vielleicht gingen sie ja baden – und warum war er dann nackt?

"Du zitterst ja nichtmal!" hörte er plötzlich einen Mann direkt neben seinem Ohr, "Hast du garkeine Angst??" Zoras sah ihn trotzig nicht an und tat, als verstünde er die Sprache des Mannes nicht.

"Schon ein richtiger Kerl, der vor nichts Angst hat!!" lachte ein zweiter Mann, und plötzlich spürte Zoras, wie einer der Typen ihn um die Hüften fasste und seinen Unterkörper hochzog.

"Quatscht nicht, der hat keine Angst, weil er nicht weiß, was passiert!" lachte der Kerl hinter Zoras, der ihn jetzt noch mehr hochriss, und im nächsten Moment spürte das Kind, wie der Mann ihn an sich drückte und seine Beine auseinanderschob, bis es wehtat, und Zoras keuchte.

"Aua-...!!"

"Meinst du, Thok?" wunderte sich der Typ neben Zoras‘ Kopf, "Ohhh, er ist noch Jungfrau..."

"Glaubst du ernsthaft, so’n kleines Kind hat vorher schonmal jemand gevögelt??! Der ist doch höchstens sechs..."

Ich bin acht, ihr Idioten! empörte sich Zoras in Gedanken trotzig und zog eine Schnute – in dem Moment spürte er ein Gefühl, das sein restliches Leben komplett beherrschen sollte, als plötzlich etwas großes, hartes von hinten mit einem brutalen Schmerz in ihn eindrang. Zoras schrie gellend auf vor Schmerzen, als sich über ihm ein Himmel aus Blut zu ergießen schien, und nur dumpf hörte er das Gelächter der großen Männer um sich herum. Noch nie im Leben hatte er auch nur annähernd so starke Schmerzen gespürt, und als das harte Dings immer tiefer und tiefer in seinen kleinen Körper eindrang, hatte er das Gefühl, er würde zerreißen, und er stieß einnen weiteren, lauten Schrei aus, als der Mann ihn da berührte, wo kein Mann jemals einen anderen berühren sollte – erst recht nicht einen kleinen Jungen.

"Mein Himmel, Thok, nicht so doll, der schreit ja richtig..." meinte einer der Männer erschrocken, als der Kleine ein weiteres mal vor Schmerzen laut kreischte. Thok grunzte zufrieden.

"Soll er doch!!! Jetzt weißt du, wovor du Angst haben solltest, nicht, Junge??! Keine Sorge, ich werde dich nicht töten! Wir spielen nur ein wenig!" Zoras hörte ihm fassungslos zu, während der kräftige Kerl ihn brutal von hinten nahm und immer und immer wieder gewaltsam zustieß, dass Zoras wieder und wieder das Gefühl hatte, er würde zerreißen. Mit jedem der gewaltsamen Stöße durchfuhr das Kind ein Schwall von betäubenden Schmerzen, und er schrie und wimmerte unter dem Mann, obwohl Jungs nicht heulen durften. Es war ihm in dem Moment sowas von egal...

Als sich Thok erleichtert von dem wimmernden und zitternden Jungen erhob und sich endlich aus ihm zurückzog, fiel der Junge fast ohnmächtig auf den Fellhaufen und war noch nie zuvor so erleichtert darüber gewesen, atmen zu können. Er bekam aber keine Gelegenheit zum Atmen, weil ihn prompt der nächste Mann hochriss und sein erigiertes Organ mit nicht weniger Gewalt als der Erste heftig in Zoras‘ Körper stieß. Zoras schrie auf, obwohl er wusste, dass es nichts half, und er glaubte, in einer Trance zu hängen, als sich das Spiel wiederholte und der zweite Kerl ihn von hinten durchnahm.

Es war eine Orgie, die Stunden dauerte. Als sich endlich alle der anwesenden Männer ausreichend an Zoras befriedigt hatten, war eine gute Zeit vergangen. Zoras war mehr tot als lebedig. Völlig fertig und so gut wie tot lag er auf dem Fellhaufen und konnte gerade noch atmen. Er spürte den Schmerz durchgehend immer noch, obwohl der Letzte sich vor längerer Zeit schon zurückgezogen hatte. Zoras zitterte am ganzen Körper, und jede Bewegung tat höllisch weh. Er war sicher, dass diese Rohlinge seinen Hintern dermaßen zugerichtet hatten, dass er niemals wieder lange sitzen können würde. Er spürte den Schmerz und erinnerte sich wie im Trauma wieder und wieder an das brutale Eindringen der Männer. An ihr Stöhnen und Keuchen und an die zahlreichen Stöße, die sie ihm verpasst hatten. Zoras hatte nie gedacht, dass Menschen so widerlich waren. Er hatte nie vorher Menschen getroffen – und die ersten, die er traf, verletzten ihn tiefer, als es jemals irgendetwas auf der Welt getan hatte. Nichtmal die Beschimpfungen von seinem Vater hatten ihm so wehgetan wie das hier. Wimmernd und schluchzend kauerte er sich auf den Fellen zusammen. Er hörte, wie die Männer gingen. Nur einer blieb zur Wache bei ihm im Raum. Zoras nahm nichts mehr wahr von der Welt. Sein Kopf war leer und seine Glieder tot. Um ihn herum war eine Welt, in der die Erde der Schmerz war und der Himmel das brennende, heiße Blut, und Himmel und Erde verschmolzen zu einem Einzigen zusammen. Er kauerte sich noch mehr zusammen, obwohl ihm jeder Zoll seines Körpers schmerzte, wenn er sich bewegte, und wimmernd fiel er tief in eine Schlucht aus Schmerzen und einen unruhigen Schlaf.

 

Pakuna hatte ihr Zeitgefühl jetzt gänzlich verloren. Sie wusste weder, welchen Tag sie hatten, noch, wie lange sie schon hier waren. In der Räuberhöhle gab es weder Tageszeiten noch Mondeszyklen, sie waren weggesperrt von der Außenwelt. Niemals würde sie hier jemand finden und rausholen können. Ihr Leben lang würden sie jetzt vielleicht die Sklaven und Spielzeuge dieser Barbaren sein. Der Gedanke machte Pakuna Angst, und sie erzitterte in ihrer Ecke auf der Bastmatte, auf der sie schlief, im Raum des Chefs, der sie zu jeder Zeit nach Lust und Laune durchnahm und sich ausgiebig an ihr befriedigte. Pakuna ließ alle Tortur und alle Schmach der Welt über sich ergehen. Sie ließ den widerlichen Mann gewähren, was immer er tat. Sie wusste, wenn sie sich wehren würde, würden sie Ram und Zoras vielleicht etwas Schreckliches antun. Für ihren Mann und ihren Sohn würde Pakuna alles tun, was die Flegel von ihr wollten, und wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, die beiden freizukaufen, hätte sie auch das getan, und wenn sie dafür ihr Leben lang das Sexspielzeug dieser Räuber sein müsste.

Die Frau hatte keine Ahnung, wie lange sie schon in diesem Loch saß. Es gab kein Tageslicht und keine Frischluft in der Höhle. Es war dunkel, heiß und stickig. Hatten sie noch Frühlingsmond? Oder war schon der Mond der Kälber angebrochen? Oder vielleicht schon der Kirschmond? War es draußen wärmer geworden? Oder schneite es noch? Pakuna wusste garnichts mehr.

Der Chef war nicht da. Sie war allein in dem Raum, aber sie wagte nicht, sich dem Ausgang zu nähern, aus Angst, eine Wache könnte denken, sie wolle fliehen, und könnte dann Zoras etwas antun.

Zoras. Was sie wohl mit ihm anstellten? Pakuna erinnerte sich voller Gram an die Worte des komischen Thok, des Bruders des Chefs, der sie entführt hatte – Kleine Jungen sind manchmal besser als Frauen. Sie nahmen ihn auch durch – sie taten ihm weh, dachte Pakuna aufgelöst, sie mussten ihm höllisch wehgetan haben. Hoffentlich lebte der Kleine überhaupt noch, wenn ihn die Schmerzen oder vielleicht innere Verletzungen nicht umgebracht hatten. Er war so klein, schlank und zierlich, es war ein leichtes, so einem kleinen Jungen mit einem festen Zupacken einen Knochen zu brechen. Und wenn sich so ein schwergewichtiger Mann mit voller Kraft auf den kleinen, schmalen Körper des Kindes legen würde...

"NEIN!!!!!" schrie Pakuna und fuhr auf, dann schüttelte sie den Kopf und schluchzte laut. "N-nein – das ist nicht fair!!! Mein Kind, mein Kind-...!! ZORAS!!!!!" In dem Moment kam der Chef zur Tür herein, und sofort verstummte Pakuna erschrocken. Sie wusste, dass er sie zweifellos gehört hatte.

Der Chef sah sie eine Weile an, dann ging er grinsend zu ihr herüber.

"Du vermisst dein Kind, was?" grinste er sie an, "Vermisst du den kleinen Jungen, Frau? Willst du zu ihm, Frau?" Pakuna erstarrte. Er würde sie tatsächlich zu Zoras lassen?

Das Grinsen des Mannes sagte ihr, dass sie sich getäuscht hatte.

"Dein Kind ist längst tot, Frau!!"

Pakuna starrte ihn an und wollte nicht glauben, was sie hörte. Der Satz brachte sie so aus dem Gleichgewicht, dass sich ihr sechster Sinn automatisch abschaltete und sie die blöde Lüge des Chefs nicht sah.

"Zoras ist-...??! W-...was-...??!!"

"Er war wohl... zu schwach für diese Welt, hm? Sein Körper war viel zu klein und zu schwach... einer der Männer hat ihn aus Versehen beim Spielen zerquetscht, glaube ich..." Pakuna hörte ihm nicht mehr zu.

Tot? Mein Sohn... mein Liebling... mein Schätzchen... Zoras ist tot??! Das kann nicht sein...!!

"LÜGNER!!!!!!" brüllte sie ihn wutentbrannt an, und als er sie packte, zappelte sie voller Wut und Trauer, sie trat und schlug den Mann über ihr und schrie ihn wie wild an, doch es kümmerte ihn nicht.

"Halt die Schnauze...!" knurrte er, und Pakuna schlug heftig gegen seine Arme.

"Lügern, LÜGNER, LÜGNEEEERRRR!!!!!!" schrie sie auf, doch der Mann war stärker als sie und drückte sie gewaltsam zu Boden, bevor er ihren Rock hochriss und ihre Beine mit Gewalt auseinanderdrückte.

"SCHNAUZE, HAB ICH GESAGT!!!!!" bellte er sie an, "Ich schick dich gleich zu deinem verdammten Gör, Frau, wenn du nicht die Klappe hältst!!!" Pakuna verstummte und starrte wie hypnotisiert ins Leere.

Mein Kind-...! Mein Kind ist tot-...!!

Der Chef grinste neben ihr, als er sich über sie beugte und ihre Beine weiter auseinanderdrückte.

"Aber... vorher... will ich noch etwas Spaß mit dir haben!" Damit drang er brutal in sie ein und nahm sie ein weiteres Mal durch.

 

Zoras war nicht tot. Obwohl er eine Zeit lang nicht wirklich sicher gewesen war, dass er tatsächlich lebte. Er stellte sich schlafend, aus Angst, seine Peiniger würden nochmal zurückkommen und ihre seltsame Beschäftigung wieder aufnehmen.

Er wusste nicht genau, wie oft er die Orgien und den grauenhaften Schmerz jetzt über sich ergehen lassen hatte. Inzwischen fühlte er sich dermaßen betäubt von den höllischen Schmerzen, dass er kaum noch den Unterschied spürte, ob wieder einer in ihn eindrang, oder nicht.

Er versuchte, an etwas Schönes zu denken, weil er Angst davor hatte, in einem Abgrund aus Finsternis zu versinken. Er stand bereits am Rande der riesigen, pechschwarzen Schlucht aus Finsternis, und sein Geist war sehr gewillt, hinabzuspringen, um dann niemals wieder zurückzukehren. Seine Füße sträubten sich noch, und Zoras zögerte vor dem Sprung. Etwas, das kein Zurück hatte, hatte ihm schon immer Angst gemacht. Etwas, das man nie wieder rückgängig machen konnte, wenn es einem nicht gefiel. Auch aus dieser Situation würde er nicht wieder herauskommen. Aber noch hatte er zu viel Angst vor der Finsternis, als dass er einfach hätte springen können.

Zoras dachte an schöne Dinge. Er versuchte, sich an das Tageslicht und die frische Luft zu erinnern, an das wundersame Spiel des Windes und an die Stimmen der Bäume im Wald, an die er sich so gewöhnt hatte. Er dachte an die Zeit auf dem großen Berg und an Pakunas leckere Beerenkuchen. Dann dachte er an den vergangenen Winter und das Messer, das sein Vater ihm geschenkt hatte. Und an die vielen Nächte, in denen er zwischen seinen Eltern im warmen Bett gelegen hatte und sich eng an Pakunas weichen Körper gekuschelt hatte.

Dann dachte er an die Magie, die er noch nicht beherrschte.

Nein, dachte er bei sich, Zoras, du darfst dich jetzt nicht von der Dunkelheit einhüllen lassen. Du musst doch vorher noch zaubern lernen! Was ist denn das für ein Schamane, der in der Finsternis versinkt und vielleicht seine Seele dem Wind überlässt, ohne jemals gezaubert zu haben...?

Er hörte Geräusche, und er wusste, dass ein paar der Männer zurückgekehrt waren. Er hörte sie reden und glucksen, aber er ließ seine Augen geschlossen, um sich weiterhin schlafend zu stellen.

"Pennt der?" hörte er einen der Männer verdutzt fragen, im nächsten Moment wurde er angestoßen, aber er tat so, als würde er es nicht merken.

"Pff, egal! Hey, kommt, lasst ihn uns ein bisschen anmalen!" Zoras zuckte etwas mit der Augenbraue.

Anmalen?? Das klang nicht nach einem weiteren, brutalen, schmerzvollen Eindringen in seinen Körper. Wieso wollten sie ihn anmalen?

"Er ist ja ganz blass, der Kleine... kommt, wir machen ihn ein bisschen schwarz," sagte ein anderer Mann glucksend, "Hat wer ´n Messer?"

"Alle herkommen, wer mitmachen will, muss sich beeilen!" gröhlte ein weiterer Kerl lachend aus dem Raum heraus, und Zoras schlug jetzt doch verwundert die Augen auf, als noch ein Dutzend Männer in den kleinen Raum gelaufen kam.

"Was gibt’s, Han?" fragte der, den Zoras schon als Thok kannte.

"Wir hauen dem kleinen Jungen ´ne Tätowierung rein, wollt ihr etwa alle mitmachen??"

"Hm, ´n bisschen voll hier!" meinte ein Mann direkt hinter Zoras, und aus reiner Vorsichtsmaßnahme presste das Kind skeptisch die Beine zusammen, dann wurde er plötzlich wie so oft schon an den Füßen gepackt und auf den Bauch gedreht.

Also doch wieder Schmerzen... verdammt...

Die Schmerzen waren bei weitem völlig anders als die, die er erwartet hatte. Er spürte, wie sich einer der Typen auf seine Beine setzte – scheinbar, damit Zoras nicht fliehen konnte. Als ob er bei den Schmerzen, die er noch immer in seinem Hintern spürte, dazu in der Lage gewesen wäre. Zoras erwartete schon, dass sie ihn hochzerrten und ihre harten, riesigen Organe wieder in seinen Hintern stießen, und vor lauter Schreck schrie er laut auf, als er statt dessen plötzlich fühlte, wie der Mann auf ihm ihm plötzlich mit etwas Scharfem, Spitzen in den Rücken schnitt.

"Heeey, er ist wach!" strahlte ein Mann, und Zoras wurde weiß, als sich ein hässlicher, dürrer Kerl genau vor seine Nase hockte und ihn angrinste. "Na? Mal was anderes als Ficken, nicht??!"

"Wa-was tut ihr??!!" wagte Zoras zu schreien, als der Kerl auf ihm immer weiter und weiter in alle Richtungen quer über seinen Körper schnitt. Blut rann aus den tiefen Schnitten in der Haut des Kindes, und Zoras spürte, wie zwei oder drei weitere Hände auf seinem Rücken herumfingerten und an den Wunden herumgrabschten und drückten, dass es noch mehr schmerzte. Der Junge stieß einen lauten, durchdringenden Schrei aus, als er wieder und wieder Schnitte und Herumgrabbeln spürte, und er fragte sich, was zum Geier die Typen mit seinem Rücken anstellten.

"Was malst du da eigentlich drauf, du Blödmann??!" hörte er Thok fragen, "Mann, mach was Hübsches, immerhin müssen wir's ja angucken, wenn wir ihn vögeln!!"

"Machen wir ein Muster!" schlug ein anderer Mann vor, "Ich will ganz viele Striche machen!"

"Und Punkte!!" ergänzte ein weiterer, und noch ein anderer meinte:

"Ich bin mehr für Kurven und Kringel..."

"Runter da!!" brüllte Thok, im nächsten Moment wurde der Kerl auf Zoras von dem Kind heruntergerissen, und als Zoras gerade aufatmete, weil das Geschlitze und Gegrabbel aufhörte, pflanzte sich Thok selbst auf den Jungen, und Zoras keuchte unter der plötzlichen Gewichtszunahme auf seinen Oberschenkeln.

"Nein, aufhören...!" stammelte er, als Thok fest auf seinen Rücken fasste und somit die Schmerzen verstärkte.

"Kanjar, stopf ihm mal das Maul, damit er nicht so schreit, ich mache jetzt einen ganz großen Kreis, so... – gib mir das schwarze Zeug mal her, Han!!"

"Jaaaa, ein Kreis!" jubelten drei andere Männer.

"Und was wird aus den Strichen?"

"Womit soll ich ihm das Maul stopfen, Thok??!" fragte Kanjar – der Mann, der direkt vor Zoras‘ Nase saß.

"Hau ihm deinen Schwanz in den Mund, dann bläst er dir gleich einen, so! Beeil dich, ich will anfangen!"

"Und wenn er mich beißt??!!" fragte Kanjar erschrocken, dann zerrte er heftig an Zoras‘ Ohr.

"Aaauuu!!!!" jammerte der Junge, und Kanjar grunzte.

"Wenn du mir in mein bestes Stück beißt, hau ich dir den Kopf ab, kapiert??!!"

"HÖRT AUF!!!!!" brüllte Zoras laut und versuchte, sich zu winden, aber Thok über ihm packte ihn gewaltsam an den Schultern und stieß ihn auf die Felle, auf denen er lag, und dann spürte Zoras das scharfe Messer unter seine Haut in der Mitte des Rückens fahren. Er kreischte laut auf vor Schmerzen, doch im nächsten Moment wurde sein Mund von etwas großem, Harten verstopft. Der Junge würgte und hätte sich fast übergeben, als er feststellte, dass der eklige Kanjar ihm seinen Penis in den Mund gestopft hatte. Das Kind gab jammernde, erstickte Laute von sich, als der Schmerz auf seinem Rücken immer mehr zunahm, weil Thok mit dem Messer unter seiner Haut herumwühlte.

"Ich will auch noch mal, Thok!!" beschwerte sich einer der Männer, "Wir alle wollen mitmachen!!"

"Dann schnappt euch Messer und macht mit!" grummelte Thok, "Aber erst, wenn ich fertig bin! – Achtung, Kleiner, jetzt tut's weh! Beiß Kanjar nicht, verstanden?" Zoras erstarrte, und als er spürte, wie der Mann über ihm plötzlich ein riesiges Stück Haut von seinem Rücken riss, blieb ihm vor Schmerzen fast die Luft weg. Er kam nichtmal auf den Gedanken, das Organ in seinem Mund zu beißen, als der Himmel plötzlich ein erneutes Mal mit aller Heftigkeit und ein einem Schwall aus Blut über ihm zusammenkrachte und der Schmerz ihn beinahe ohnmächtig werden ließ. Er spürte, wie seine Haut brannte und höllisch wehtat, und mit all seiner Kraft des Schreckens spuckte er Kanjar aus seinem Mund und stieß einen gellenden Schrei aus – alle Männer hielten inne. Jeder in der ganzen Höhle musste diesen Schrei gehört haben.

 

Sogar Zoras‘ Vater, und mit einem ebenfalls erschrockenen Schrei fuhr er von seiner Matte hoch, auf der er gefesselt gelegen hatte. Die drei Männer, die um ihn herumhockten, sprangen auf.

"Nanu??!" machte einer, "Was war’n das?"

"Zoras!" keuchte Ram Derran und wurde plötzlich leichenblass. "W-was machen die mit dem Kind??!! ANTWORTET!!!!" Er erntete einen heftigen Faustschlag ins Gesicht, und mit blutender Nase und einem weiteren Veilchen kippte er stöhnend zu Boden.

"Wollten sie ihn nicht tätowieren??" fragte einer der drei Typen erstaunt, "Kanjar kam hier vorhin mit Messer und Farbe vorbei..." Ram Derran erstarrte.

Tä-...tätowieren??!

 

Und sie hörten nicht auf, sie machten immer weiter, schlitzten ihn brutal auf und drückten auf den offenen Wunden herum. Sein ganzer Rücken bestand nur noch aus Blut und Schmerzen, und er spürte, wie die Männer weiter abwärts wanderten. Thok war heruntergegangen, dafür saß ein anderer halb auf seinem verunstalteten Rücken, während drei oder vier Kerle gleichzeitig weiter unten am Rücken bis hin zum Steißbein herumschnitten. Zoras war mehr tot als lebendig, und er dachte, dass nichtmal die brutalen Spiele von vorher so wehgetan hatten wie das hier.

Sie schnitten auch auf seinem Hintern und seinem hinteren, rechten Bein kreuz und quer herum, und Zoras fragte sich, ob sein Bein nachher abfallen würde vor Schmerzen. Warmes, nasses Blut rann über seinen ganzen Körper, und seine ganze Haut brannte und schmerzte, als hätten die Männer ihn angezündet. Zoras wünschte sich plötzlich mit aller Kraft zurück zur Finsternis. Er wollte sterben, er wollte, dass seine Seele mit dem Wind ging und ins Reich der Geister ging. Dann würde er da vielleicht nochmal ein richtiger Schamane werden. Er hatte das Gefühl, dass sein Geist an seiner Hülle zerrte. Seine Seele wollte fliehen, seine Seele wollte fort von hier. Er wollte sterben.

Er wusste nicht, was das sollte, was die Männer aus ihm machten. Er spürte nur das warme Blut, den unendlichen Schmerz und das Gefühl, tot zu sein.

 

Als er wieder zu sich kam und erleichtert darüber war, noch Farben erkennen zu können, wusste er nicht, wo er war. Erst recht nicht, warum. Eigentlich war er noch immer in demselben Raum. Es war still geworden. Die Männer waren fort. Zoras lag auf dem Bauch, nackt wie er war. Er atmete den Gestank der gammeligen Felle unter ihm ein. Als er den Kopf drehte, um sich an die Umgebung zu erinnern, fuhr ein stechender Schmerz durch jeden Zoll seiner Haut, und er stöhnte auf vor Schmerzen, sein Kopf kippte nach vorne auf die Felle.

Dann erinnerte er sich an die Schlitz-Orgie auf seinem Rücken. Das Blut war getrocknet. Die Wunden waren noch nicht völlig verheilt, wie Zoras spürte, auch, wenn er sich nicht umdrehen konnte. Vor allem die ganz große in der Mitte seines Rückens nicht. Er fragte sich, wie lange er bewusstlos gewesen war. Es mussten Tage vergangen sein. Er wagte nicht, sich zu rühren. Selbst bei der winzigen Bewegung, die sein Körper durchmachte, wenn Zoras auch nur ganz ruhig atmete, schmerzte sein ganzer Körper, als würde jede Bewegung ein Stechen von tausend Nadeln auslösen. Mehr als tausend. Für jeden Zoll seiner Haut eine, wenn nicht mehr, so kam es dem Jungen vor. Dabei wusste er nichtmal wirklich, wieviel tausend war, er konnte ja garnicht zählen. Doch, bis zwanzig. Das hatte Pakuna ihm beigebracht. Und er konnte sogar seinen Namen schreiben. Obwohl er von all den anderen Buchstaben, die nicht in den Worten Zoras Derran vorkamen, keine Ahnung hatte.

Drei der Männer kamen zu ihm in den Raum. Sofort stellte das Kind sich schlafend, doch er riss die Augen sofort wieder auf, als er Hände über seine Wunden fahren spürte. Die Berührung löste ein unglaublich starkes Brennen auf seiner gereizten, verwundeten und inzwischen entzündeten Haut aus, und der Kleine schrie erschrocken auf.

"Die sind fast wieder zu," sagte einer der Männer, und Zoras keuchte, als die Männer an seinen Wunden herumgrabbelten und sie ganz offensichtlich absichtlich wieder aufrissen. Der Schmerz durchfuhr ihn wie ein Dutzend Messerstiche am ganzen Körper, und erneut schrie er laut auf, bis sich wieder einer auf seine Beine pflanzte und erneut mit dem Messer anfing, die Wunden aufzuschneiden.

Es war, als erlebte er die gesamte Schlitz-Orgie erneut. Sie fuhren genau dieselben Wunden nach, rissen sie schmerzhaft auf und drückten darauf herum. Wieder spürte Zoras seinen ganzen Rücken im Blut schwimmen. Er hatte keine Kraft mehr zum Schreien, als die Männer mit ihm fertig waren und ihn wieder liegen ließen. Er hatte gerade eben noch Kraft genug zum Atmen, was ihn noch verwunderte.

Warum war er nicht längst tot? Im Geisterreich wäre es eventuell angenehmer. Er wagte nicht, sich sicher zu sein,dass es dort gut war – er wollte sich nicht darauf verlassen, dass die Geister gut zu ihm wären. Es war nicht selbstverständlich. Und immerhin war noch keiner von den Geistern zurückgekehrt, um es den lebenden Menschen zu erzählen.

Zoras biss sich so krampfhaft auf die Unterlippe, um seine Schmerzen zu verdrängen, dass sie bereits blutete. Er schmeckte das warme Blut in seinem Mund, und dann fiel ihm ein, dass er seit Ewigkeiten nichts gegessen hatte. Er spürte nichtmal seine Magenschmerzen vor Hunger, weil sein Rücken in dem Moment viel mehr schmerzte.

 

In den nächsten Tagen kamen die Männer dauernd zurück, um die Wunden wieder aufzureißen. Wieder und wieder und wieder. Immer wieder erlebte Zoras dieselben, grausamen Schmerzen, und er spürte seinen Körper garnicht mehr. Er konnte sich sogar bewegen, so betäubt war sein Körper von all der Tortur und all dem blutigen, quälenden Schmerz. Er fragte sich, wann das alles enden sollte. Und vor allem, was die Idioten damit bezweckten, seinen Körper zu verschandeln.

Die Zahl, die er jetzt dieselbe Qual hatte durchmachen müssen, überstieg inzwischen längst seine Zahlenkenntnisse von immerhin eins bis zwanzig. Mehr als zwanzig mal hatten sie ihm den Rücken und das rechte Bein wieder aufgeschlitzt. Wenn es ganz hart kam, gaben sie sich dabei nichtmal mehr die Mühe, ihn wenigstens von ihren Befriedigungsspielchen zu verschonen, und Zoras hatte am Anfang noch zählen wollen, wie oft sich jetzt eine ganze Reihe von Kerlen an ihm befriedigt und erleichtert und dabei gleichzeitig an dem Kunstwerk auf Zoras‘ Rücken herumgeschnitzt hatte. Inzwischen konnte er kaum noch denken. Die Welt hatte sich komplett abgeschaltet, und stumm und ausdruckslos ließ der Junge alles über sich ergehen.

 

Als der Chef sie hochzerrte, schrak Pakuna hoch.

"Was ist-...??" stammelte sie, als er sie fest packte. Der Chef brummte und zerrte sie zum Eingang seines Zimmers.

"Ich hab keinen Bock mehr auf dich!" gab er zu hören, "Du hast mir genug gedient – jetzt können die Männer dich haben!" Pakuna starrte ausdruckslos in die Luft. Was konnte jetzt schon noch Schlimmes passieren? Nachdem sie von diesem Monster hier wochenlang geschändet und als Frau komplett entwürdigt worden war und ihr geliebtes Kind tot war – was konnte jetzt noch schlimmer werden?

Sie kam sich vor, als stünde sie in einem endlosen Schwarz, um sie herum gab es kein Licht mehr. Sie war allein. Für immer.

 

Der Chef brachte Pakuna zu den anderen Räubern in die Haupthöhle. Dort wurde sie sofort von allen Seiten angestarrt und mit gierigen Blicken, sabbernden Mäulern und erregtem Grunzen begrüßt.

"Ihr könnt sie haben, ich hab keine Lust mehr auf sie," sagte der Chef, "Sie wird keinen Ärger mehr machen, ist ganz friedlich!" Pakuna blieb stehen und wurde sofort von allen lüsternen Kerlen umringt, angefasst und angesabbert, es kümmerte sie nicht. Dann erblickte sie ganz plötzlich ihren Mann, den die Typen, nachdem er sich einige Male mit Händen und Füßen heftig gewehrt und ein paar der Räuber grün und blau geschlagen hatte, mit Seilen und Ketten an die Wand gefesselt hatten, wo er jetzt mehr tot als lebendig herumhing. Pakuna riss die Augen auf und schüttelte die Finsternis um sie herum ab.

"RAM!!!!!" Ehe die Männer etwas tun konnten, stürzte die Frau zwischen ihnen hindurch und hin zu ihrem Mann. Ram Derran schlug die geschwollenen, lila angelaufenen Augen auf.

"Aargh-... – P-Pakuna-...!" keuchte er und hätte gerne eine hand nach ihr ausgestreckt, aber leider waren die gefesselt. "Pakuna!! Du lebst-...!!"

"Oh mein Himmel!!!" schluchzte die Frau aufgelöst, "Was haben sie mit dir gemacht...??! Du siehst ja schrecklich aus-..."

"Hey, Frau!!!!!" brüllte ein mann sie an und trat plötzlich nach ihr, "Halt die Klappe und lass die Finger von dem kleinen Rohgewalttätigen!!" Ram Derran zischte.

"WEHE, IHR TUT MEINER FRAU WAS AN!!!!" Die Kerle schnappten Pakuna, obwohl sie kreischte und zappelte, es half ihr nicht. Ram Derran zerrte wütend an seinen Ketten und Fesseln. "LASST PAKUNA LOS!!!!!"

"RAM!!!!" schrie Pakuna verzweifelt, "Oh nein, bitte nicht!!! NICHT!!!!" Sie konnte die Flut von Männern über ihr garnicht aufhalten, als einer nach dem anderen sich wild und voller Ekstase vor Rams Augen über sie hermachte. Ram Derran hörte seine Frau schluchzen und schniefen, während er fassungslos zusah, wie die widerlichen Kerle sie der Reihe nach von allen Seiten vergewaltigten. Er hatte sich noch nie hilfloser gefühlt als in dem Moment. Er konnte ihr nicht helfen, er war gefesselt an einer Wand und konnte gerade noch atmen. Wütend und verzweifelt zerrte er wieder erfolglos an den Ketten.

"HÖRT SOFORT AUF!!!!!!! PAKUNA, NEIN!!!!" schrie er außer sich, und als Pakuna keuchend zu ihm aufsah, bekam er schon einen Faustschlag in den Magen, und mit einem schmerhaften Stöhnen verlor er ein weiteres Mal das Bewusstsein.

"Schnauze, du Idiot!!" blaffte ein Räuber Ram an, "Hey, bringen wir die Frau nach unten, da ist es wärmer! Wo sind Han und Kanjar und Ikom eigentlich??!"

"Die sind schon unten und machen den Kleinen fertig..." Pakuna erstarrte.

Den Kleinen?

"Z-Zoras!!" stammelte sie, "WO IST DER KLEINE??!! WO IST MEIN KIND??!!"

"Aaaach, du bist die Mutter??" machte Thok grinsend, "Haha! So ein Spaß! Kommt, wollen wir sie zu ihm bringen?"

"Los, runter mit uns!" Die Männer gröhlten und packten Pakuna, zerrten sie hinunter über Leitern und enge, stickige Korridore bis hin zu dem Raum, in dem Zoras war. Vor dem Eingang kamen ihnen ihre drei Kameraden entgegen.

"Seid ihr schon fertig??" fragte Thok, und der dünne Kanjar grinste blöd.

"Du solltest es sehen, es ist ein richtiges Kunstwerk geworden!"

Pakuna hörte den Stimmen garnicht zu. Zoras lebte noch! Dann hatte der Chef sie angelogen!

Mein Sohn, mein Liebling! dachte sie völlig traumatisiert, Ich sehe dich wieder, mein Liebling, Zoras... du lebst...!!

"Platz da, wir haben noch seine Mutter vom Chefchen gekriegt!" grinste Thok und zeigte auf Pakuna, und Han keuchte.

"Scheisse, der Kleine ist genauso hübsch wie seine Mami!! Ich will die Mami zuerst!"

"Iiiich, hier, ich!!!" brüllte ein anderer, und Pakuna wimmerte, als alle möglichen Hände auf sie zukamen. Da zerrte Thok sie vorwärts in den Raum.

"Ruhe, ihr Banausen!" meckerte er, "Eins zur Zeit! – Da, Frau! Siehst du, der Kleine ist hübsch geworden!" Pakuna erstarrte.

Ihr kleiner Sohn lag tatsächlich vor ihr auf einem Haufen Fellen auf dem Bauch, das Gesicht zur Wand gedreht. Sie wusste mit Hilfe ihres Schamaneninstinktes, dass er ohnmächtig war. Und wie dürr er geworden war!

Dann sah sie auf den Rücken und das rechte Bein des Kindes und schlug entsetzt die Hände vor den Mund. Sein ganzer Rücken und das rechte Bein bis runter auf die Wade waren überzogen von einem Muster aus schwarzen Strichen, Punkten und Schlangenlinien, die ineinander überliefen. In der Mitte war ein riesiger Kreis, der zur Hälfte völlig schwarz ausgefüllt war. Beim genaueren Hinsehen erkannte Pakuna, dass die seltsame Tätowierung aus Wunden bestand, die wieder und wieder aufgerissen und verunreinigt worden waren, eine eigenartige, schwarze Farbe war in die offenen Wunden gemischt worden, was die sehr langsam verheilende Haut an den Wunden pechschwarz färbte.

"Was habt ihr mit ihm gemacht??!" keuchte sie. Thok neben ihr lachte.

"Das ist eine Tätowierung, Frau!! Das geht... niemals wieder ab!! Sein Leben lang wird er das mit sich rumschleppen, genau so, wie er sein Leben lang hier sein wird! Haha!!" Pakuna sank fast ohnmächtig zu Boden.

Ein Leben lang.

Ein Leben lang war ziemlich lang, wenn man bedachte. Sie hatten ihrem Kind für sein Leben lang den Rücken verunstaltet. Sie wollte in dem Moment nicht weiter wissen, was sie noch mit Zoras angestellt hatten. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wie die Widerlinge Zoras der Reihe nach von hinten durchvögelten. In dem Moment wurde sie neben ihr Kind auf die Felle gestoßen und schrie auf, als ein Mann nach ihr trat.

"Also noch eine!" sagte Thok brummend, "Die bleibt hier mit dem Lütten! Ich geh wieder hoch, wer wollte sie jetzt noch ficken von euch??"

 

Der Nebel aus Schmerzen um Zoras herum löste sich nur langsam wieder auf. Es mussten Wochen vergangen sein, als er wieder zu sich kam und seinen Körper wieder spürte. Er lag auf der linken Seite auf dem Fellhaufen, noch immer splitternackt. Als er müde die Augen aufschlug, erkannte er durch einen Schleier aus Blut und Schmerzen seine Mutter vor sich liegen. Sie blickte ihn an. Er spürte, wie sie ihm über die verschwitzte Stirn strich.

"Du hast Fieber..."

Zoras öffnete benommen den Mund, ohne mehr als ein Keuchen herauszubringen. Seine Mutter! Sie war ganz in echt da!

Langsam, um seinen völlig erschöpften und zerfetzten Körper nicht zu überlasten, hob er eine Hand und legte sie auf Pakunas Brust, um zu sehen, ob sie wirklich da war und er nicht träumte. Er träumte nicht. Er fühlte den dreckigen Stoff ihrer zerrissenen, gelben Bluse, die inzwischen eher braun war vom Dreck in der Höhle.

"Mutter..." stammelte er, und Pakuna schluchzte, sie streichelte zärtlich sein Gesicht.

"Zoras... mein Kind! Mein Liebling! Du lebst... du bist wach... oh Himmel, komm her zu mir, mein Schätzchen-... es ist unverzeihlich, was sie dir angetan haben..." Zoras schluchzte, ohne zu wissen, warum, als er sich an Pakunas Brust kuschelte wie früher. Es tat so gut, sie bei sich zu haben... es tat so unendlich gut, ihre Wärme zu spüren, ihre leise, beruhigende Stimme zu hören. Mit einem weiteren Schluchzen vergrub er das Gesicht in ihrer Schulter, während er mit den Armen vorsichtig ihren Oberkörper umarmte.

"Sind wir tot...?" fragte er wimmernd, und Pakuna streichelte seine schwarzen Haare und küsste sanft seine Stirn.

"Wir leben, Zoras," flüsterte sie, "Wir leben... hast du starke Schmerzen?" Zoras wimmerte in ihren Armen und versuchte, sich zusammenzureißen. Jungs heulten immer noch nicht! Aber am liebsten hätte er geheult. Er schluckte seine Tränen tapfer wieder herunter und zog durch die Nase hoch. Er spürte, wie seine Haut sich über seinem verletzten Rücken spannte und wie die Narben ziepten und brannten. Aber sie waren zu. Sie waren fast ganz verheilt. Demnach musste wirklich eine lange Zeit vergangen sein.

Er sehnte sich nach dem Tageslicht, nach der frischen Luft – sogar nach seinem Vater, der ihn hasste, sehnte er sich. Wie lange waren sie schon hier? Und würden sie jemals wieder hier herauskommen?

 

Zoras stellte erleichtert fest, dass die Männer ihn zur Zeit mit ihren Aktivitäten verschonten. Einmal am Tag kam sogar einer zu ihm und Pakuna, um ihnen zu Essen zu bringen.

"Weißt du, Frau," sagte der Mann namens Thok zu Pakuna, "Mit Untoten zu spielen, macht keinen Sinn. Deshalb lassen wir euch ja leben! Es macht keinen Spaß, wenn ihr unter uns wie schlaffe, tote Puppen liegt und nicht mehr fähig seid, euch zu bewegen! Da könnte man auch gleich den Tisch bumsen, also. Esst!!"

Die zwei ließen sich das nicht zweimal sagen. Pakuna gab einen Teil ihrer Ration Zoras ab – der Kleine war noch viel magerer geworden als sie, und er musste schließlich noch wachsen, er brauchte mehr zu Essen als sie. Sie hoffte, dass sie Ram auch irgendetwas gaben, ansonsten sähe es wirklich übel aus.

Das Essen war viel zu wenig und schmeckte auch nicht, aber besser als garnichts. Zoras war mit dem, was er aß, keineswegs wählerisch, wenn er solchen Hunger hatte wie jetzt, konnte man ihm fast alles vor die Nase setzen, mal abgesehen von Fäkalien und anderem, ungenießbaren Kram.

In der Tat waren seine Wunden viel besser geworden, die Schmerzen hatten stark abgenommen. Als Thok gegangen war, wendete Zoras sich zu seiner Mutter um und sah sie ernst an.

"Wir müssen fliehen," sagte er wichtig, "Und wir schaffen es auch. Hast du gehört? Sie wollen weitermachen, wenn wir wieder bei Kräften sind, also tun wir so, als wären wir noch immer halb tot. Wir müssen nur aus diesem Raum rauskommen..."

"Zoras!" zischte Pakuna erschrocken, und Zoras blinzelte.

"Was?"

"Das ist unmöglich," sagte die Frau trübselig, und Zoras zog eine Schnute. War es das wirklich? War er jetzt bescheuert geworden von all den Schmerzen, und phantasierte er herum?

 

In der Zeit, in der die Männer ihnen Ruhe gönnten, überlegte der Junge sehr viel hin und her. Wenn er doch bloß zaubern könnte! Dann hätte er die Männer längst in die Flucht gezaubert und er, Pakuna und ram Derran wären wieder frei.

Seine ziependen Narben von der pechschwarzen Tätowierung auf seinem Rücken einnerten ihn mit einem schmerzhaften Stich an die Realität. Er konnte ja nicht zaubern. Pakuna hatte recht, vielleicht würden sie niemals hier rauskommen. Er war ein kleiner, dünner Junge, mit einem verschandelten Rücken und ohne besondere Fähigkeiten. Was konnte er schon ausrichten?

Und dennoch wollte er den Gedanken nicht aufgeben. Er wurde trübsinniger über die Zeit in der dunklen Höhle. Es war ihm egal, ob er dfür die Räuber töten müsste, er würde sie gerne tot sehen. Die Bastarde, die ihn mit der Tätowierung gezeichnet hatten, die Schweine, die sich über ihn und Pakuna hergemacht hatten wie über einen Fleischklumpen im Hungermond. Er verfluchte die Männer wütend und ballte seine kleinen Hände zu Fäusten.

Sollen die Geister euch bestrafen!! Sollen die Geister eure Seelen holen und die Erde euch verschlingen! Und eure Seelen werden im Wind umherirren und nicht ins Geisterreich kommen, weil ihr Menschen des Fleisches seid! Ihr kennt keine Geister.

Er schloss die Augen. Es war dunkel um ihn herum, und er hörte die Geister, die mit ihm sprachen – der Wind sprach leise flüsternd mit ihm. Zoras musste sehr gut hinhören, um seine Stimme wahrnehmen zu können, so tief unten in der Höhle...

"Was ist das, Zoras? Wollt ihr hier bleiben, in der Höhle? Du hast die Gaben des Sehens und des Rufens, Zoras! Warum rufst du nicht die Geister, die euch helfen können?"

Zoras dachte angestrengt nach. Sein Rücken schmerzte und die Narben ziepten stärker als vorher.

Ich bin zu klein... ich kann nicht die Geister rufen... ich bin noch nichtmal ein richtiger Schamane, ich kann nichtmal zaubern!

"Zoras!" hörte er die Geister sagen, "Es gibt nicht viele Schamanen, die die Gabe des Rufens besitzen, so wie du. Die, die sie besitzen, gehören zu den Geisterjägern! Fang nicht an, deine Gaben zu verschmähen."

Geisterjäger! Zoras öffnete überrascht die Augen und war nach der langen Dunkelheit in seinem Kopf fast geblendet von dem schummrigen Licht in der Höhle. Zoras wusste sehr gut, was Geisterjäger waren. Es waren die sehr wenigen perfekten Schwarzmagier, die besten Schamanen ganz Tharrs. Es gab nichtmal zwei Hände voll Geisterjäger, hatte Ram ihm manchmal erzählt. Wer ein Geisterjäger werden wollte, musste das härteste Training der Welt durchmachen und über mächtiges, magisches Blut verfügen – wie die Lyras. Die Familie Lyra gehörte seit Ewigkeiten zu den Geisterjägern. Lyras waren die Elitefamilie schlechthin der Schamanen. Tabari Lyra war der Herr der Geister – so nannte man auf Tharr den mächtigsten Magier der Welt. Seine Frau Nalani Lyra wurde auf Tharr Schamanenkönigin genannt, weil sie direkt nach ihrem Mann die mächtigste Magierin Tharrs war.

Die Geister sagten Zoras, er besäße Gaben. Gaben der Geisterjäger. Die Gabe des Rufens war selten, das wusste er gut. Sollte das heißen – dass auch er, Zoras Derran, einmal ein Geisterjäger sein würde?

Das konnte nicht sein! Er kam aus einer schwachen Schamanenfamilie, der Name seines Vaters, Derran, war ein schwacher Name ohne Rang und mit schwachem, magischen Blut. Die Geister irrten sich vielleicht. Er konnte garnicht so mächtig sein, wie sie sagten.

Nein, halt!! Beleidige nicht die Geister, zweifle niemals an ihrer Richtigkeit!! schrie Zoras sich selbst in Gedanken zu, Sie können sich nicht irren! Geister sind unfehlbar! Aber... ich bin doch nur... ein kleiner Junge...

 

Er hatte plötzlich furchtbare Angst. Er traute sich nicht, dem Willen der Geister zu folgen und an sein Talent als Rufer zu appellieren – womit er sich, Pakuna und Ram vielleicht retten könnte. Er traute sich so eine schwierige, gefährliche Aufgabe nicht zu. Dann hatte er noch viel größere Angst davor, dass die Geister böse auf ihn waren, wenn er ihnen nicht gehorchte. Er musste ihnen und vor allem an sich selbst glauben. Es ging nicht so einfach. Wo er doch jahrelang als Nichtsnutz beschimpft worden war. Er war geschlagen und getreten, vergewaltigt und tätowiert worden, wie konnte er da noch Selbstvertrauen haben? Er hatte seinem Vater einmal beweisen wollen, dass er zu etwas nütze war. Er wollte zaubern lernen und mit Waffen umgehen können – er konnte sehr geschickt mit seinen beiden Messern umgehen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass einem solchen Anfänger, einem solchen Niemand wie ihm, der weder lesen, noch schreiben, noch zählen konnte, der einen verunstalteten Körper hatte und kein guter Schamane war, ein so wertvolles Geschenk gemacht wurde, als er geboren wurde. Zoras konnte nicht in seinen Kopf bekommen, dass die Mächte der Schöpfung ihn mit den Gaben des Sehens und des Rufens gesegnet hatten – den mächtigsten und seltensten Gaben der Welt, wie sie nur die Geisterjäger hatten.

Der Kleine verbrachte viele schlaflose Nächte und schlug sich mit der Frage herum. Sollte er den Geistern einfach so vertrauen und es gut sein lassen? Einfach so? Er traute sich einfach nicht... was war er bloß für ein Waschlappen, sein Vater hatte immer recht gehabt! Er war sogar zu feige, um sich das Leben zu retten, was war er bloß für ein Mann? Er würde niemals ein Mann sein, er würde immer ein kleiner, blöder Junge sein, jawohl.

Zoras erhob sich von dem Fellhaufen, weil die Gedanken ihn hibbelig machten und er dringend mal musste. Er erleichterte sich in der Ecke des düsteren Raumes, aber irgendwie fühlte er sich immer noch unruhig. Es war mitten in der Nacht, das wusste er rein instinktiv. Pakuna schlief auf dem Fellhaufen, und Zoras rollte sich zusammen wie ein Igel, ohne schlafen zu können. Er dachte weiter nach, was er tun sollte. Dass seine Wunden ziepten, merkte er kaum noch, sie ziepten immer. Er wusste, dass der Schmerz ihn niemals wieder loslassen würde, genau wie das Gefühl, als die Männer in ihn eingedrungen waren, er würde das alles nie vergessen, auch, wenn die Männer tot waren.

Er erhob sich erneut, weil er nicht schlafen konnte. Vielleicht würden die Geister ihn erst schlafen lassen, wenn er sich zusammengerissen und sein Selbstvertrauen gefunden hatte. Deshalb stand er wieder auf. Er schnappte eines der widerlichen Felle und riss ein gutes Stück davon ab, das er sich um die Hüften band, weil er sich bescheuert vorkam, nackt herumzulaufen. Pakuna wachte auf und sah ihren Sohn erstaunt an.

"Was hast du vor?" fragte sie leicht tadelnd, und Zoras drehte ihr den verunstalteten Rücken zu.

"Wir werden jetzt gehen. Mutter." Pakuna erstarrte.

Seine Stimme hatte sich verändert. In dem Moment kam er ihr vor wie ein Ram im Kleinformat – er war plötzlich kein kleiner Junge mehr, als er todernst mit ihr sprach und vom Fußboden eines der Knochenmesser aufhob, das die Räuber zum Tätowieren benutzt hatten. Sein eigenes Blut klebte noch an der Klinge.

Pakuna wagte keine Widerrede, sondern stand ebenfalls auf. Als sie den Raum verließen, wusste sie, was sie zu tun hatte. Vor der Tür lag ein Mann im Halbschlaf am Boden. Als er die zwei passieren sah, als wäre nichts gewesen, rappelte er sich brüllend auf:

"HIERGEBLIEBEN, GEFANGENE!!!!!!!"

"Mutter!" sagte Zoras knapp, und Pakuna fuhr herum:

"YIRA!!!!!" Mit dem Eiszauber fror sie den Mann im Nu ein, dann packte sie Zoras‘ Hand und begann, zu rennen. Sie fror jeden Kerl ein, der ihnen über den Weg lief, bis sie die Haupthöhle erreichten, in der ein Dutzend Männer schnarchte. "Ram!!" keuchte Pakuna, als sie ihren noch immer gefesselten und grün und blau geprügelten Mann an der Wand erblickte, dann ließ sie Zoras los. "Geh schnell und befrei deinen Vater, ich kümmere mich um den Rest!" Zoras tat, was seine Mutter verlangte, und mit Hilfe des Messers durchtrennte er die Fesseln und enttüdelte die Ketten. Ram Derran schlug die Augen auf und erschrak.

"Z-...Zoras??! – Pakuna?!"

"Shhht!!" zischte Zoras und stand wieder auf – in dem Moment wurden die Männer von Pakunas Eiszauber wach, und alle, die noch nicht eingefroren waren, sprangen schreiend auf.

"SIE HAUEN AB!!!!! THOK!!! CHEF!!!!"

"Oh nein!!" rief Pakuna und wurde blass, als die Männer sich schon auf die drei stürzten, doch Zoras warf geschickt das Knochenmesser von sich, es wirbelte durch die Luft und traf den vordersten der Männer in der Brust, worauf er röchelnd zusammensackte.

"Lauft!!!" rief Ram Derran, und die drei machten, dass sie davonkamen, Pakuna zerrte Ram in Eile hinter sich her, weil er dank seiner Verletzungen und Blutergüsse kaum fähig war, schnell zu rennen. Zoras lief voraus, und sie verließen die Haupthöhle – frische Luft! Draußen war es zappenduster, aber Zoras spürte den Wind um ihn herum wehen und hörte die Bäume rauschen. Es war herrlich, wieder draußen zu sein.

Dann, mehrere Fuß von der Höhle entfernt, hörte er die gröhlenden Verfolger hinter sich, und er blieb stehen.

Vertraue auf die Macht der Geister, Zoras!

"Du bist ein Rufer, du kannst es! Glaub an dich..."

Na gut! sagte Zoras zu sich, während Pakuna und Ram auch stehen blieben, Ich versuche es!

"Was machst du da, verdammt??!! LAUF!!!!" fluchte Ram empört, aber Zoras drehte sich zu der Höhle um und riss die Arme hoch in den schwarzen Himmel, warf den Kopf zurück. Er sah die Sterne leuchten, und er schloss konzentriert die Augen.

"Ihr Geister!!" rief er laut, "Helft mir!! Geister des Sturms, Geister des brennenden Himmels, ich, Zoras, rufe euch als Schamane!! Lasst die Toren den Zorn Vater Himmels spüren!!"

Pakuna erbleichte, und Ram Derran starrte seinen kleinen, schmalen Sohn an, der wie ein Fels in der Brandung stand und die Geister herbeirief. Das konnte nicht wahr sein! Das, was Zoras da tat, waren Wetterbeschwörungen – eine Gabe, die längst nicht jeder Schamane besaß.

"Er ist ein starker Junge..." stammelte Pakuna, und dass die wütenden Männer sich ihnen mehr und mehr näherten, merkte sie nicht mehr. Alles, was sie noch wahrnahm, war Zoras mit seinem Wetterrufen. Und plötzlich verdunkelte sich der Himmel noch mehr. Ram Derran sah auf die Wolken, die die Sterne verdreckten und alles letzte bisschen Licht zu Schatten werden ließen. Dann krachte ein ohrenbetäubender Donnerschlag aus dem Himmel unmittelbar über ihnen, und die Räuber fuhren erschrocken zurück.

"Seht!!" schrie Zoras ihnen zu, "Das ist Vater Himmels Strafe!! Ich bin ein Schamane! Ich bin Zoras Derran!! Und im Namen Vater Himmels und Mutter Erdes, im Namen der Mächte der Schöpfung, erhaltet ihr eure Strafe!! Ich rufe dich, Feuer des Himmels, Flamme der Zerstörung!! Komm zu mir!! Komm und hol dir die armseligen Seelen!!" Ein weiteres Krachen folgte, dann fuhr urplötzlich ein gleißend heller Blitz mit einem dritten Donnergrollen genau vor Zoras in die Erde – der Blitz traf die Räuber, den ganzen Hügel mit der erbärmlichen Höhle, und mit einem gewaltigen Krachen und Grollen ging die Umgebung in Flammen auf. Zoras stand noch immer da wie vorher, den Kopf zurückgeworfen und die Arme erhoben. Er hatte ein Gewitter gerufen, und es hatte alle Räuber getötet und ihr Nest vernichtet.

 

Der Himmel grollte, als es zu regnen begann. Pakuna sank zu Boden, blass wie eine Leiche, und Ram stand da, als hätte der Blitz ihn ebenfalls getroffen. Was er gesehen hatte, grenzte an das Unmögliche. Sein eigener Sohn – Zoras, sein nichtsnütziger Sohn! – stand da und sah aus wie ein Geisterjäger. Ram spürte dieselbe Trance von Zoras ausgehen, dieselbe Aura. Eine schwarze Aura. Zoras hatte zwei schwarze Gene, er war zweifellos ein Schwarzmagier. Ein Geisterjäger. In der majestätischen Haltung der Trance hatte er mehr Ähnlichkeit mit Puran Lyra als mit seinem eigenen Vater.

Die Aura löste sich auf, und Zoras sank wie tot zu Boden. Pakuna fing ihn gerade noch auf und drückte ihn mit einem Keuchen an ihre Brust.

"Zoras!" stammelte sie, "Du bist... ein wahrer Zauberer-...! Du hast das Wetter gerufen, mein Sohn..." Zoras blinzelte müde in ihren Armen. Plötzlich fühlte er sich erschöpft und schwach. Er schloss schläfrig die Augen wieder.

"Die Geister... haben zu mir gesprochen-..." flüsterte er tonlos, und Pakuna ließ ihn etwas lockerer, als sie merkte, wie schwer er atmete. "Ich bin... so müde..."

"Das ist die Erschöpfung," flüsterte seine Mutter leise, während sie ihn sanft streichelte. "So ein Zauber kostet viel geistige und auch körperliche Kraft... du wirst viel trainieren müssen, wenn du große Zauber können willst..."

Ram Derran trat hinter die beiden. Er sah noch immer ungläubig auf den brennenden Hügel vor ihnen, in dem das Nest der Banditen gewesen war. Es regnete noch immer, und das Feuer warf große, dichte Rauchschwaden in den schwarzen Himmel.

"Pakuna," sagte er dann, und Pakuna sah auf. Zoras war in ihren Armen vor Erschöpfung eingeschlafen. Ram Derran hob ein verkohltes Knochenmesser vom Boden auf, das einer der Räuber getragen haben musste, er musste es im Moment des Blitzschlages weggeworfen haben, so war es vom Feuer relativ verschont geblieben. "Wir suchen jetzt eine neue Unterkunft. Nimm den Jungen, dann gehen wir." Pakuna erhob sich und nahm das Kind auf den Arm.

"Hoffentlich finden wir ein Dorf, oder sowas..." stammelte sie, "Wir haben garnichts mehr! Nicht mehr als die wenigen Kleider an unseren Leibern und ein Messer." Ram Derran seufzte und sah seine Frau und sein Kind an. Zoras trug nicht mehr als das dreckige Fell, das er sich umgebunden hatte. Pakuna hatte noch einen zerfetzten Rock und ihre gelbe, jetzt braune, Bluse. Sie hatte nichtmal Schuhe. Er selbst hatte immerin noch seine Hose und seine Jacke, die die Banditen ihm freundlicherweise gelassen hatten, obwohl sie jetzt zerschunden und zerrissen war.

"Komm, Pakuna," sagte er dumpf und drehte ihr den Rücken zu, "Gehen wir."

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