[ein Wald in Senjo, Holzmond 990]
Von dem Tag an nahm der kleine Junge sich vor, alles dafür zu tun, um nie wieder ein Nichtsnutz zu sein. Irgendwo hatte sein Vater doch recht was konnte er schon? Wozu war er schon gut? Ein kleiner, dünner Junge wie er, der vom Leben und der Welt kaum Ahnung hatte. Er konnte nichtmal lesen oder schreiben. Und er glaubte kaum, in die sagenhafte Schule gehen zu können, von der seine Mutter manchmal sprach.
"Eine Schule ist ein Ort, an dem viele Kinder im selben Alter sind, um zu lernen," hatte sie ihm erklärt. "Ein Lehrer oder eine Lehrerin bringt ihnen lesen, schreiben und rechnen bei, und man ist jeden Tag vormittags dort, nachmittags geht man wieder heim."
"Ich möchte auch lesen und schreiben lernen, Mutter!" hatte der kleine Zoras gejammert, "Ich bin doch ein Nichtsnutz ohne lesen und schreiben..." Pakuna hatte ihm empört wiedersprochen, er sei kein Nichtsnutz. Kleine Jungen könnten doch nicht vom ersten Tag ihres Lebens an zu etwas nütze sein, und sie selbst wäre in seinem Alter noch viel nutzloser gewesen.
Zoras beruhigte das garnicht. Er konnte doch trotzdem nichts, und sein Vater schalt ihn einen Nichtsnutz. Ram Derran redete wenig mit seinem Sohn, für gewöhnlich gingen sich beide aus dem Weg.
Der Junge dachte daran, dass er die sagenhafte Gabe des Sehens hatte. Das hatte Pakuna gesagt, als sie das gute Land um den Berg verlassen hatten, nachdem er eingestürzt war, und sie waren weit nach Westen gewandert. Das war etwas Besonderes, die Gabe des Sehens! Er hatte einen guten Instinkt und ein wundersam ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Das war das einzige, worin er besser war als sein Vater. Er konnte noch nichtmal zaubern, aber seinen Instinkt kontrollierte er für seine inzwischen sieben Jahre unglaublich gut. Er wusste, dass Schamanen eigentlich in dem Alter anfingen, die untere Magie zu lernen, aber bisher hatte es bei ihm scheinbar nicht so wirklich geklappt. Oft, wenn er alleine war, hockte er in einer abgeschiedenen Ecke und versuchte, sich selber das Zaubern beizubringen. Er hatte es bis jetzt jedenfalls noch nicht geschafft. Aber dafür hatte er gelernt, auf seine innere Stimme zu hören ohne Ohren zu hören, und ohne Augen Dinge zu sehen. Er war oftmals selbst erstaunt über seine Fähigkeiten als Seher, wenn er seinen Eltern prompt sagen konnte, wo etwas zu Essen war, und wie sie dahin kämen. Ram Derran kam dem Talent seines Jungen mit größter Skepsis entgegen, weil der Kleine oftmals sogar vor Pakuna Dinge wusste oder sehen konnte dabei war sie doch die Telepathin.
"Das ist anormal," sagte er barsch zu Pakuna, die neben ihm auf dem Boden hockte und dabei war, einiges an Reisig vom Waldboden aufzusammeln, damit sie daraus ein Feuer machen konnte. Er stand neben seiner Frau und warf einen Blick auf den kleinen, hübschen Jungen, der mal wieder in seiner Ecke saß und eine Art Meditation durchführte. "Kein normaler Junge mit sieben Jahren kann die Dinge sehen, die er sieht! Und in meiner Blutlinie gab es niemals mächtige Magier, Pakuna! Wie kann es sein, dass mein Sohn das kann??!"
"Was ist mit meiner Blutlinie?" fragte Pakuna leise, "Ich habe ihn Zoras genannt mein Großvater hieß so, erinnerst du dich? Er war ein guter Schamane, Ram... sei doch lieber stolz auf deinen Sohn, dass er ein guter Zauberer wird!" Ram Derran brummte.
"Und wenn schon... er ist trotzdem ein Nichtsnutz!!!"
Seit mehr als zwei Jahren waren sie nun von dem eingestürzten Berg fort. Der Mond der Stürme stand schon vor der Tür, es war kalt geworden in dem dichten Wald, in dem die kleine Familie sich eingenistet hatte. Sie hatten sich angewöhnt, nie länger als sechs Monde an einem Ort zu bleiben. Manchmal wurden die Naturgeister böse, wenn man sich zu lange am selben Ort aufhielt. Das kleine Lager im Wald mitten in Senjo war ihr fünftes Lager seit Einsturz des guten Berges. Ram und Pakuna hatten aus vom Sturm heruntergekrachten, großen Ästen und mehreren, zusammengenähten Häuten von Tieren einen Wetterschutz gebaut, der fast wie ein kleines Zelt war. In dem Zelt schliefen sie nachts und lagerten ihre Sachen, und draußen war das Feuer, an dem sie ihr Essen grillten. In der Nähe war zu ihrem Glück ein kleiner Bach, aus dem sie Trinkwasser bekamen. In den beiden letzten Lagern, in denen sie gewesen waren, war kein Wasser in der Nähe gewesen da hatten Pakuna oder Ram das Wasser mit einer einfachen Alara herbeischaffen müssen. Der Wasserzauber Alara war in diesen Lagern überlebenswichtig gewesen, ebenso wie Vaira, der ihnen zum Anzünden des Feuers diente. Die kleine Familie hatte es relativ gut in dem Wald. Nicht so gut wie auf dem Berg, aber sie lebten immerhin noch. Niemand wagte es, sich zu beschweren, auch, wenn Pakuna manchmal sehnsüchtig an die gute Zeit in Dokahsan dachte. Sie hatte einmal daran gedacht, dorthin zurückzukehren, doch Ram hatte ihr das aus dem Kopf geschlagen.
"In Dokahsan ist jetzt vermutlich alles zerstört!" hatte er betreten gesagt, "Die Zuyyaner waren da! Vielleicht sind sie noch immer da und belagern Dokahsan! Wir können nie wieder zurück nach Dokahsan, Pakuna."
Pakuna tat der Gedanke leid, Dokahsan nie wieder zu sehen. In Dokahsan hätten sie ein Haus gehabt und hätten unter Menschen gelebt, die nicht so angriffslustig wie die hier in Senjo waren. Zoras hätte mit gleichaltrigen Jungen spielen und zur Schule gehen können. Statt dessen verbrachte er sein Leben alleine mit seinen Eltern im Wald von Senjo, ohne Freunde und ohne etwas Tolles zu lernen. Pakuna hoffte noch manchmal, dass sie eines Tages eine wunderschöne, neue Heimat finden würden, ein Dorf oder eine Stadt, in der Ram irgendetwas arbeiten konnte, sie könnte wieder mit anderen Frauen reden und der Kleine würde vielleicht Freunde finden. Sie war manchmal sogar so paranoid, an eine gruselige, wolkenverhängte Zukunft zu denken wenn sie weiter so im Wald lebten, würde Zoras ja nie eine Frau finden und nie eine eigene Familie haben. Es war noch viel zu früh, um bei dem kleinen Kind an eine Frau und Kinder zu denken, dachte Pakuna verunsichert. Wieso machte sie sich jetzt Gedanken um Zoras Frau? Das Kind war gerademal sieben! Aber sie sagte sich oft, dass die Zeit oft schneller verging, als man wollte. Irgendwann würde sie aufwachen mit einem sechzehnjährigen jungen Mann als Sohn, der immer noch mit seinen Eltern im Wald wohnte und nie ein Mädchen kennenlernen könnte, das seine Frau werden könnte.
Pakuna fragte sich manchmal, was aus dem Krieg geworden war. Aus den Zuyyanern, die Tharr angegriffen hatten, aus dem brennenden Himmel und der zornig zitternden Erde unter der Schlacht um Dörfer und Städte. War der Krieg vorbei? Oder war er noch immer im Gange? Oder war Tharr jetzt von den Zuyyanern erobert worden? Pakuna hatte das Gefühl, dass das Leben an ihr vorbeizog. Was war wohl aus ihren alten Freundinnen in Dokahsan geworden? Und aus Lyras, den Schamanenkönigen? Pakuna hatte die Lyras immer bewundert. Ihre eigene Familie war eine Familie aus dem Mittelstand gewesen, und sie war immerhin mehr Luxus gewöhnt gewesen als ihr Mann, weil Derran kein Name von großem Rang war. Pakuna war nicht Rams Frau geworden um des Geldes Willen weil Ram Derran garkein Geld hatte. Sie war seine Frau geworden, weil sie ihn liebte. In der Oberschicht, bei den Adligen, wurden die Leute einfach nach Geld verheiratet. So würde Puran Lyra, wenn er noch lebte, sicherlich irgendeine reiche Prinzessin heiraten und irgendeine Provinz regieren. Und alle anderen Frauen der Welt wären enttäuscht, weil alle Frauen der Welt gerne Puran Lyras Frauen wären. Pakuna sprach mit Ram nie über Puran Lyra, weil Ram Puran Lyra nie gemocht hatte. Er und der hübsche Sohn des Herrn der Geister, Tabari Lyra, waren zusammen zur Schule gegangen, drei Klassen höher als Pakuna, solange sie noch in der Schule gewesen waren. Pakuna kannte Puran Lyra nicht wirklich, aber wenn er mal mit ihr geredet hatte, war er eigentlich immer nett zu ihr gewesen, und Pakuna konnte garnicht glauben, was Ram sagte, wenn er sich empörte, dass Puran Lyra ein schrecklicher Angeber und ein eingebildeter, arroganter Schnösel sei. Pakuna hatte das nie verstanden, sie hatte ihn gemocht.
Der Winter wurde ein besonders harter und kalter Winter. Am vierten Tag nach dem Neumond des Wintermondes wurde Zoras stolze acht Jahre alt. Seine Mutter machte ihm zu seinem Geburtstag extra einen Haufen seiner Lieblingskuchen aus Fett und Waldbeeren. Weil es so kalt war, konnten sie sogar Eiszapfen vom Zeltdach abbrechen und sie aufessen. Zoras lutschte gerne an Eiszapfen herum, und wenn sie dann in seinen warmen Händen schmolzen, war im Endeffekt das ganze Zelt nass. Ram Derran tat etwas ganz erstaunliches er schenkte seinem Sohn etwas zum Geburtstag. Er war, wie er selbst sagte, so einfallslos gewesen, bloß ein zweites Knochenmesser zu machen, aber er ahnte nichtmal, wie glücklich er seinen Sohn mit dem schlichten Knochenmesser gemacht hatte. Dass sein Vater ihm etwas schenkte, war etwas sehr Besonderes und Wunderbares. Zoras freute sich so sehr, dass er es wagte, seinen Vater zu umarmen und ihn Papa zu nennen. Ram Derran war erstmal schockiert von dem Überfall des kleinen Jungen, der sich plötzlich an seinen Hals warf und ihn herzlich knuddelte. Und plötzlich war dieser Moment einer der im Endeffekt sehr wenigen Momente seines Lebens, in denen Ram Derran den kleinen Zoras kein bisschen mehr hasste und auch nicht fand, dass er ein Nichtsnutz sei. Es sollte später nicht mehr viele dieser Momente geben.
Wochenlang zehrte der rauhe Winter an der kleinen Familie. Im Hungermond wurde es so kalt, dass die drei es nichtmal wagten, aus dem Zelt zu gehen. Ram Derran ging höchstens was zu Essen suchen oder Pakuna zum Bach, der aber zugefroren war. Dann musste sie mit einem Stein das Eis aufhauen und so Wasser zum Zelt bringen. Im Zelt war es nicht besonders warm, weil sie drinnen kein Feuer machen konnten, sie hüllten sich den ganzen Tag über in ihre Mäntel und Decken, in so ziemlich alles, was sie besaßen. Wegen der schweren Umstände erlaubte Ram Derran dem kleinen Jungen sogar, zwischen ihm und Pakuna in ihrem Bettenlager zu schlafen. Alleine würde der Kleine sich zu Tode zittern vor Kälte, so wurde er nachts fürsorglich von beiden Seiten von seinen Eltern gewärmt. Er mochte es, zwischen ihnen zu liegen, es war so schön warm und kuschelig.
Auch mit Anbruch des Frühlingsmondes war es noch unglaublich kalt in Senjo. Das Wild war nicht zurückgekehrt, und Ram Derran wusste, dass es Zeit war, ein neues Lager zu suchen.
"Wir müssen weg," sagte er zu Pakuna, als er sich morgens von seinem Bettenlager erhob und seine Stiefel anzog. Wenn es im Winter so kalt war wie jetzt, schliefen sie alle in voller Kleidung, was an sich ungewöhnlich war.
Pakuna drehte vorsichtig den Kopf zu ihrem Mann um, während Zoras sich fest an ihre Brust kuschelte und friedlich schlief.
"Mitten im Winter?" flüsterte sie, um ihren schlafenden Sohn nicht aufzuwecken, "Es ist so kalt draußen..."
"Wir haben kein Essen mehr," brummte Ram Derran und fasste nach seinen Seiten, "Scheisse, und wir sind alle verdammt dürr geworden diesen Winter!" Sie sah ihn an und seufzte.
"Du bist auch noch süß, wenn du dünner bist als normal..." sagte sie mit einem schelmischen Lächeln, und Ram Derran sah sie kurz an, dann brummte er wieder.
"Das klingt, als wäre ich der Wonneproppen schlechthin," tadelte er sie und hockte sich neben sie, "Los, komm. Weck den Kleinen, dann bauen wir ab und gehen. Himmel, Pakuna, du bist auch so dürr-..." Pakuna rappelte sich auf, wobei Zoras aufwachte.
"Mmmh... müssen-... müssen wir schon aufstehen...?" fragte er verschlafen und gähnte herzhaft, bevor er sich trotzig wieder an die weichen Brüste seiner Mutter kuschelte. Das war das Tolle an Frauen, sie waren so schön weich und kuschelig vorne. Wenn er einmal groß sein sollte, würde er auch eine Frau haben wollen, die so weich und gemütlich war wie Pakuna. Pakuna streichelte zärtlich seinen Kopf.
"Shh... komm, steh auf, mein Kleiner," sagte sie, "Wir bauen das Lager heute ab, Zoras. Wir müssen weiter, dahin, wo es Essen gibt." Zoras rappelte sich auf und sah erst Pakuna an, dann Ram, der schon in der Tür stand. Die Tür war ein Stück Leder, das auf und zugeklappt wurde, ein Teil der Wand eigentlich, also genau genommen keine wirkliche Tür.
"Wir gehen?" kam von Zoras, und Ram Derran nickte.
"Oder willst du lieber verhungern??!" fragte er grob und verletzte das Kind unabsichtlich mit der scharfen Tonlage. Pakuna erhob sich jetzt ebenfalls und fing an, zu packen.
"Komm, Zoras, hilfst du mir? Bring mir bitte mal die Rückentrage, mein Kleiner." Zoras stand gehorsam auf und brachte seiner Mutter die große Rückentrage. Pakuna hatte ihm auch eine kleinere gebaut, darauf packte er dann auch seine Decken und sonstige Sachen. Seine beiden Knochenmesser steckte er behutsam an seinen Gürtel. Er hatte im Winter sehr fleißig geübt, mit den Schlachtmessern umzugehen, und er hatte gelernt, sie zu werfen und in alle Richtungen zu drehen, und sogar Ram Derran war im Stillen ziemlich beeindruckt von Zoras geschicktem Umgang mit den einfachen Messern. Wenn er sich selbst verteidigen konnte, war er auf jeden Fall nicht mehr so ein Klotz am Bein wie bisher, was Ram Derran sehr beruhigte.
"Ich bin nicht mehr klein," protestierte Zoras dann gegen das Kleiner von Pakuna, während er seine Decken und die wenigen anderen Kleider, die er hatte, auf die kleine Rückentrage schnürte. "Ich bin schon acht Jahre alt und kein kleiner Junge mehr, okay?" Ram Derran lachte zu seinem Erstaunen laut auf.
"Scheisse, ja!" sagte sein Vater ironisch, "Und bald bist du ein erwachsener Mann, du Tor...!" Zoras schmollte beleidigt und sah seinen Vater böse an.
"Das noch nicht, aber wenigstens ein großer Junge, oder??!"
"Da musst du noch sehr viel wachsen, bis man dich groß nennen wird!" meinte Ram Derran und sah seinen kleinen Sohn an der für sein Alter tatsächlich ziemlich klein und mager war. Pakuna lächelte.
"Er wird schon noch wachsen," sagte sie zuversichtlich, "Eines Tages bist du ein richtiger Prachtkerl, um den die Mädchen sich reißen, pass auf." Zoras seufzte.
"Was für Mädchen denn? Hier im Wald?" Pakuna versetzte es einen Stich, und wieder fing sie an, sehnsüchtig an Dörfer und Städte zu denken. Wären sie unter Menschen, würden sich die kleinen Mädchen auch jetzt schon um Zoras reißen, ganz bestimmt.
Das Lager war schneller abgebaut, als sie es vor einem halben Jahr aufgebaut hatten. Schon eine Stunde nach dem Aufstehen stapften sie alle drei mit ihren Rückentragen durch den Wald weiter nach Westen. Es lag Schnee. Der Schnee war seit Tagen ununterbrochen gefallen und war jetzt so hoch, dass der kleine Zoras die Füße richtig hochheben musste, um gehen zu können, und Pakuna bemühte sich, vor ihm herzugehen und mit ihrem langen Rock den Schnee wegzufegen, damit Zoras besser laufen konnte. Sie tat das nicht nur für das Kind, sondern auch für ihren Mann, den es schon wieder zu Tode nervte, dass der Kurze nicht vorwärts kam bei dem Schnee.
"Du hältst uns auf, Nichtsnutz!!" blaffte er Zoras an, "Geh gefälligst zu, wir müssen bald eine Unterkunft gefunden haben!!" In dem Moment, in dem Zoras seinen Vater grimmig anguckte, trat er auf eine glatte Stelle am Boden und rutschte auf dem gefrorenen Schnee aus, er packte sich der Länge nach vorne über auf den Boden, und Pakuna und Ram blieben stehen.
"Oh je!" sagte Pakuna, "Hast du dir sehr wehgetan?" Zoras rappelte sich mit einem leisen "Aua..." vom Boden auf und wagte nicht, zu jammern, als er den bösen Blick seines Vaters spürte, obwohl sein Knie verdammt wehtat. Aber Jungs heulten nicht, und er riss sich erfolgreich zusammen und bewahrte seinen Stolz vor seinen Eltern, als er einfach wortlos weiterstapfte. Pakuna seufzte, als sie und Ram ihm folgten.
"Wenigstens das Jammern hat aufgehört," grummelte Ram zufrieden, "Merk es dir, Zoras!! Jungs jammern nicht!! Heulen ist für Frauen und Schwächlinge, und wenn du jemals ein Mann werden willst, darfst du nicht herumheulen, nur, weil du in den Schnee fällst!"
"Ich hab garnicht geheult!!!" fuhr Zoras seinen Vater empört an, "Ich habe schon sehr lange nicht mehr geheult!!"
"Ram, lass ihn," beschwichtigte Pakuna ihren Mann, der sein Kind schon entsetzt anstarrte über diese Unverschämtheit, sich seinem Vater gegenüber so eine Klappe zu erlauben.
Plötzlich hörten sie hinter sich viele Schritte. Es waren deutlich Menschenschritte. Sofort blieben die drei Reisenden stehen, und Ram Derran drehte sich erstaunt um.
"Nanu?? Menschen, hier??!"
"Ram!!" rief Pakuna aus, die ihren sechsten Sinn Alarm schlagen spürte, "Schnell, weg! Das sind Banditen!!"
"Verdammt!!" zischte Ram bloß, als die Schritte durch das Gestrüpp näher kamen, und Pakuna packte Zoras und nahm ihn auf den Arm, und die zwei Schamanen liefen los nach Westen.
"Haltet sie auf, lasst sie nicht entkommen!!" hörten sie hinter sich Männerstimmen. Ram Derran keuchte.
"W-was wollen die denn von uns, verdammt??! WIR HABEN NICHTS, VERFLUCHT!!!"
"Der Himmel verdunkelt sich..." flüsterte Zoras leichenblass, der von seiner Mutter getragen wurde, und er spürte ein schlechtes Gefühl in sich aufsteigen, während er über Pakunas Schulter nach hinten blickte. Im Gebüsch raschelte es. Und plötzlich kam ein Dutzend Männer aus dem Gestrüpp, und ehe die drei Schamanen sich versahen, waren sie umzingelt. Pakuna kreischte.
"Hilfe!!!" Ram Derran drehte sich im Kreis und beäugte hektisch die vielen Männer. Sie waren größer und kräftiger als er und allesamt mit Keulen, Knüppeln und auch Messern bewaffnet. Gegen zwölf Männer hatte er alleine keine Chance wenn er doch bloß ein besserer Magier wäre, dann hätte er sie mit einem Zerstörer getötet...
"Ram Ram!! Was machen wir jetzt-...??!" fragte Pakuna ihren Mann verängstigt, als die Männer sie eisern anschwiegen.
"Was für ein Fang!" lachte einer der Männer dann, "Wo der Winter doch so kalt ist! Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier noch Beute finden!" Zoras erstarrte.
Beute?
Das konnte nichts Gutes heißen, dachte er, während Pakuna ihn an sich drückte.
"B-...bitte!!" jammerte sie da, "Tut uns nichts! Nehmt euch, was ihr wollt, aber tut uns bitte nichts!! Ihr macht dem Kleinen Angst..." Die Männer lachten, und Ram Derran suchte in seinem Mantel verzweifelt nach einer brauchbaren Waffe. Die Männer kamen von allen Seiten auf die kleine Familie zu, und der, der eben gesprochen hatte, sprach jetzt wieder.
"Was wir haben wollen? Ihr seid doch die perfekte Beute! Männer, schnappt sie! Wir haben etwas Schönes zum Amüsieren gefunden!!"
"A-a-amüsieren??!!" schrie Zoras, als sich die Männer auf die drei stürzten. Der Kampf war kurz, weil Ram Derran keine Waffe fand und zu blöd zum Zaubern war. Pakuna kreischte, als sie ihr Zoras aus den Armen rissen, und Zoras kreischte auch, während die drei mit dicken Seilen gefesselt und zu Boden gestoßen wurden. Die Männer lachten, und der Anführer, der gesprochen hatte, zog Pakuna rasch an den Haaren hoch, sodass sie laut schrie.
"PAKUNA!!!" brüllte Ram Derran außer sich, "Lasst sie los, ihr Bastarde!!!" Er kassierte einen heftigen Schlag ins Gesicht und verlor das Bewusstsein, und Pakuna schrie.
"Raaammm, nicht!!! IHR SCHWEINE!!!"
"Haha... seht nur, so eine wunderschöne Frau gab es hier ja ewig nicht mehr!!" lachte der Anführer und strich über Pakunas Wangen, hinunter bis zu ihren Brüsten, und sie keuchte.
"Oh nein-...!!!"
"Mmh, und große Titten hat sie, haha!!" grinste der Anführer weiter, "Du wirst eine gute Frau sein, eine gute Beschäftigung, nicht wahr??..."
"Was wird aus dem Kerl??" fragte ein anderer Mann und trat nach Ram, der am Boden lag, und Pakuna schluchzte.
"Pff, wir nehmen ihn mit... damit er nicht die Gelegenheit hat, seine Frau zu befreien... der kann für uns arbeiten, der Penner!" Die Männer lachten laut, und einer warf sich Ram Derran über die Schulter, der Anführer nahm Pakuna auf den Arm. Sie kreischte, und ein weiterer Mann fragte:
"Und was ist mit dem Jungen?" Pakuna hielt sofort inne und sah rasch zu Zoras. Der Kleine kniete gefesselt vor dem Mann, der gefragt hatte, am Boden, der Mann hielt seinen Strick wie eine Leine. Das Kind war leichenblass und starrte unentwegt ins Leere, und Pakuna schluchzte.
"Oh mein Himmel, mein Zoras...!"
"Der Junge?" überlegte der Anführer, dann musterte er Zoras genauer, zerrte ihn hoch und fuhr ihm über das blasse Gesicht, durch die schwarzen Haare und an seinen Seiten entlang, dann grinste er blöd. "Der ist bildhübsch wie ein Mädchen!!" sagte er, "Meine Fresse, guckt den euch mal an, bitte!!" Die Männer betrachteten Zoras und lachten.
"Schnuckelig, was?" grinste einer, und der Anführer lachte laut.
"Ohh, für den finden wir eine gute Verwendung!"
"Was habt ihr mit ihm vor??!!" schrie Pakuna wütend, "WEHE, IHR TUT IHM WAS AN!!!!!!" Die Männer lachten, und einer der Kerle packte Zoras und warf ihn sich über die Schulter.
"Das wird ein Spaß!! Kommt, wir gehen nach Hause!!" Der Anführer grinste Pakuna an, bevor er ihr antwortete: "Was wir mit ihm vorhaben? Vielleicht etwas spielen, keine Sorge! So hübsche Jungen gibt es selten! Weißt du, Frau kleine Jungen sind manchmal besser als Frauen! Sie werden nicht schwanger und kriegen keine Blutungen! Und wenn sie noch so klein sind wie der... sind sie auch so schön-... fest... haha-...!" Pakuna erstarrte bei den Worten. Das konnte nicht wahr sein. Dass eine Frau vergewaltigt wurde, hatte sie ja schon gehört aber ein kleiner Junge? Das war absurd! Das war das Widerlichste und Abscheulichste, was sie jemals gehört hatte. Sie kam nicht dazu, weiterzudenken, weil sich die Rasselbande in Bewegung setzte, mit den drei Magiern über den Schultern.