Die Augen der Zuyya

 

Schon seit mehreren tausend Jahren galt der Clan der Jchrrahs als einer der mächtigsten und besten auf der ganzen Zuyya. Es gab mehrere dieser uralten Clans, deren Wurzeln weit über zweitausend Jahre zurück lagen, die als Begründer der Zuyyanischen Magie und des Zuyyanischen Glaubens an den Gott Katari galten, und die ihr Vermächtnis von Generation zu Generation weitergaben, damit ihre Kinder einmal die Geschichte des Clans fortsetzen würden. Und der Jchrrah-Clan war ein Haufen der mächtigsten Magier, die die mehrere tausend Jahre alte Geschichte der kleinen Zuyya je gesehen hatte – bekannt für das Sehvermögen, das die Bluterben besaßen; bekannt für die perfekte Beherrschung der Seelenmagie und der Reikyu. Der Reikyu, dem Medium der Seelenmagier, das seinen Ursprung den Geschichten zufolge sogar selbst im Jchrrah-Clan hatte, lange vor dem Beginn der Zeitrechnung.

 

Genau 1984 Jahre nach dem Ursprung der Reikyu saß der zwei Jahre alte jüngste Sprössling des Jchrrah-Clans im Anwesen in der Stube mit einer solchen Reikyu auf dem Schoß auf dem Boden. Es war ein Mädchen, dessen schulterlange, hellblaue Haare zu einem festen Haarknoten zusammengezurrt worden waren. Einige Strähnen waren zu kurz und hingen heraus; auf dem blutroten, geschnürten Kleid des Kindes hoben sie sich farblich deutlich ab.

"Morgen schneit es," sagte das Kind unverblümt und sah seinen Vater, der in der Tür stand, dabei an. Alrik Jchrrah war ein großer Mann mit dunkelblauen Haaren, den man eigentlich nie ohne seine Pfeife im Mund zu Gesicht bekam. Auf den Hinweis seiner kleinen Tochter hin blickte er aus dem Fenster.

"Wir haben Hungermond. Da kann es schonmal sein, das es schneit, das stimmt."

"Es wird morgen eine Stunde nach Sonnenaufgang anfangen, zu schneien," sagte das Mädchen, "Und kurz, bevor der Tag endet, wird es aufhören. Es wird mehr als sechs Fuß hoch Schnee liegen." Der Vater grinste.

"Wir sollten dich beim Wetterdienst anmelden, Chenoa," erklärte er, "Und du wirst all den Dummbatzen da draußen, die von der Reikyu keine Ahnung haben, erzählen können, wie das Wetter wird. Wie hoch wird der Schnee denn übermorgen sein?" Das kleine Kind sah auf die Kugel in seinem Schoß und schien zu überlegen. Dann sah das Mädchen Chenoa wieder zu ihrem Vater auf.

"Es werden übermorgen bei Sonnenaufgang genau drei Zoll weniger sein. Es ist kalt, deswegen schmilzt der Schnee langsam."

"Scheiss Hungermond," sagte Alrik Jchrrah dazu ungehalten und räusperte sich. Jemand trat hinter ihn, worauf er sich in der Tür umdrehte, und Chenoa wandte ihre gelben Raubtieraugen der Frau in der Tür zu, ihrer Amme.

"Wenn Sir es erlaubt, bringe ich die kleine Lady jetzt zu Bett," kündigte die Amme an, "Es ist bereits spät, und es wurde mir ausdrücklich von Lady Maata aufgetragen. Auch ein hochintelligentes Mädchen wie Chenoa muss einmal schlafen gehen."

"Natürlich," sagte Sir Alrik Jchrrah, "Nimm sie mit, Aputa. Ich bin total deiner Meinung. Und der meiner Frau natürlich. Wie geht es ihr?"

"Besser. – Chenoa, magst du mit mir mitkommen?" Das Kind stand auf und nahm die Hand seiner Amme, die Reikyu verschwand.

"Gute Nacht, Vater," sagte die Kleine, als sie an ihrem Vater vorbeiging, an der Hand der Amme. Der Mann sah ihnen nach.

"Gute Nacht, ihr zwei."

 

Der Jchrrah-Clan war einer der anerkanntesten Clans der Welt. Das Anwesen von Alrik Jchrrah war ein großes Gebäude mit zwei Türmen, die tagsüber die vorüberziehenden Wolken pieksten. Es stand in der Provinz Yamxieh, der Provinz des Jchrrah-Clans. Früher einmal hatte jeder Clan eine Provinz besessen. Heute, beinahe tausend Jahre nach der Zeitrechnung, besaßen nur die großen Clans wie die Jchrrahs, die Jamalis und einige andere eine so große eigene Provinz wie Yamxieh. Leute, die nicht zum Clan gehörten, durften nur gegen einen Mietbetrag in Yamxieh leben. Der Clan selbst hatte eine Art eigene Stadt in Yamxieh, in der auch Alrik Jchrrahs Anwesen stand. Nahezu alle Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen, Nichten, Neffen, Schwestern, Brüder, Großeltern, Eltern und Urgroßeltern wohnten in der kleinen Stadt, die keinen bestimmten Namen hatte, sondern einfach nur das Zu Hause war. Die großen Clans der Zuyya wurden nicht nur vom einfachen Volk mit Respekt und Ehrfurcht angesehen, sondern auch vom alten Kaiser, der sein Zuyyanisches Imperium von Ahrgul aus leitete.

 

In einem Sommermond, in dem die Grillen in den Wiesen zirpten, als hielten sie einen Gesangswettbewerb ab, ging Chenoa mit ihrem kleinen Bruder an der Hand ihrem Vater nach nach Osten, in die Richtung, in der die Sonne aufging. Sie war inzwischen fünf und ihre Haare waren länger geworden, ein langer, geflochtener Zopf hing ihren Rücken herunter.

"Wohin gehen wir, Vater?" fragte das Mädchen nach einer Weile des Gehens durch die Wiesen außerhalb Ahrguls. Vor ihnen türmte sich ein Gebirge auf. "Tama kann nicht mehr gehen, er quengelt!"

"Nur noch ein Stückchen," meldete der Vater vor ihnen, "Wir sind gleich da, ihr zwei!" Den kleinen Bruder Tama schien das nicht zu befriedigen, und er quengelte an der Hand seiner großen Schwester weiter. Chenoa fragte sich, ob es für einen zweijährigen Jungen zu viel zu gehen sei.

"Guck dir die schönen Blumen auf der Wiese an," versuchte sie leise, ihn zu motivieren, "Siehst du den Schmetterling da? – Tama, guck doch!" Der Kleine fand den beim Gehen auf und ab wippenden Zopf seiner Schwester viel interessanter und griff nach ihren langen Haaren, um daran zu ziehen. "Aua, lass das!"

"Wipp, wipp," machte ihr kleiner Bruder interessiert. Chenoa war damit beschäftigt, den kleinen Nervbolzen von ihren Haaren zu entfernen, so ging sie immer weiter und rannte genau in ihren Vater hinein, der stehengeblieben war.

"Hoppla!" machte jener, als beide Kinder Hand in Hand zu Boden purzelten. "Hey! Was macht ihr denn da?"

"Wipp, wipp!" erklärte Tama. Sein Vater sah ihn stirnrunzelnd an und verstand nicht, was das Kind ihm sagen wollte.

"Er mag meine Haare," addierte das Mädchen. Sie stand auf und zog den Kleinen hoch, bevor sie an dem Gebirge vor sich emporsah. "Siebenundfünfzigtausenddreihundertundzwölf Fuß hoch," sagte sie nach einer Weile, "Das hier ist der Hohe Berg, nicht wahr?"

"Das hier ist der Tiefe Berg!" alberte ihr kleiner Bruder herum, "Baba, Baba, der Tiefe Berg!"

"Deine Schwester hat schon recht," erwiederte Alrik Jchrrah, "Dieser Berg heißt Hoher Berg. Ich bin mit euch hergekommen, um euch eine Geschichte über diesen Berg zu erzählen. Ihr müsst beide gut zuhören, eines Tages ist es vielleicht wichtig, das gehört zu haben."

"Was ist wichtig?" fragte Tama unschuldig, als der Vater sich ins Gras setzte und die Kinder sich neben ihn hockten.

"Aputa wird garnicht glücklich sein!" sagte Chenoa grinsend, "Unsere Kleider werden voller Erde und Gras sein, und sie muss sie waschen!"

"Das wird Aputa schon überleben," sagte ihr Vater.

"Was ist wichtig, Baba?" maulte Tama erneut. Alrik Jchrrah tätschelte seinem Sohn den Kopf, auf dem genau wie auf seinem eigenen dunkelblaue Haare wuchsen.

"Es gibt Dinge, die sind wichtig, und Dinge, die sind es nicht!" meinte er. "Du wirst verstehen, was wichtig ist, und was nicht, wenn du größer bist. Menschen verstehen, was wichtig ist, durch die Reikyu! Durch das, was die Mächte der Schöpfung zu ihnen sagen. – Deine Schwester weiß es schon."

"Erzähl uns die Geschichte vom Hohen Berg!" bat Chenoa neugierig und nahm ihren kleinen, strampelnden Bruder auf den Schoß, worauf der quietschte.

"Noa runter, Noa runter!" protestierte er, und sie hielt ihn fest.

"Nichtsda, sonst läufst du noch weg, du kleiner Rabauke."

"Pauke, ich will auch auf die Pauke schlagen."

"Rabauke, nicht Pauke!"

"Die Mächte der Schöpfung werden euch beiden immer sagen, was wichtig ist, und was nicht," begann ihr Vater da und nickte zum Berg. "Oben auf dem Berg wohnt Katari. Ihr wisst doch, wer Katari ist?"

"Katari ist der Papa der Welt," sagte Tama zufrieden.

"Katari ist unser Gott," addierte Chenoa. "Er wohnt auf diesem Berg?"

"Genau," fuhr der Mann fort. "Katari passt auf die Menschen auf, und zwar auf alle, auf der ganzen Zuyya. Er passt auf, dass ihnen nichts passiert, aber auch, dass sie nichts Schlimmes anstellen!" Er sah dabei vor allem den Kleinen eindringlich an. "Wer etwas Böses tut, wird dafür von Katari bestraft." Der Kleine zog hörbar die Luft ein.

"Was richtig Böses?"

"Etwas ganz extrem Böses."

"S-so wie-... i-i-ich-... ... h-habe Aputa einmal e-einen Bonbon geklaut!" Er fing herzergreifend an, zu weinen, "Muss ich sterben, Baba??" Chenoa verdrehte die Augen, und Alrik Jchrrah musste lachen. Er streichelte seinem kleinen Sohn über den Kopf.

"Nein, musst du nicht! Das war nur etwas ganz kleines Böses. Da hat Katari vielleicht nochmal ein Auge zugedrückt! – Aber wenn du es öfter machst, merkt er es sicher! – Tu es einfach nie wieder, Tama." Tama schluchzte erleichtert.

"Vater spricht von richtig bösen Dingen," sagte Chenoa zu ihrem Bruder. "Jemanden töten... jemandem sehr wehtun, verstehst du...?"

"Genau sowas," stimmte der Mann zu. "Wenn sehr viele Menschen auf einmal sehr böse Dinge tun, bestraft Katari auch die ganze Zuyya, versteht ihr? Es könnte sogar eines Tages passieren, dass er so wütend auf die Zuyyaner wird... dass er alle Zuyyaner vernichten möchte. Wenn das einmal passieren sollte, müssen wir wegrennen und uns verstecken!"

"Und wer zählt bis zehn?" fragte Tama.

"Garkeiner, alle müssen weglaufen," erklärte Chenoa ihm, "Wer nicht wegrennt, stirbt. Du weißt ja, wie Kataris Zorn aussehen kann!" Der Kleine erzitterte.

"Wohin rennen wir denn weg?" fragte er dann.

"Hierher, zum Hohen Berg," erklärte Alrik Jchrrah und deutete auf den Berg. "Es gibt einen einzigen Fluchtweg, wenn Katari erstmal so extrem wütend ist, wie ich gerade gesagt habe. Und zwar müssen wir dann mit einem Schiff die Zuyya für immer verlassen. Und dieses Schiff steht oben auf dem Berg." Chenoa wusste Bescheid.

"Die Tari Randora," sagte sie erstaunt. "Sie ist das einzige Schiff, das zum Fliehen gut ist?"

"Ja," sagte er, "Die Tari Randora, genau. So heißt das Schiff."

"Vater hat das Schiff selber gebaut, Tama," sagte das Mädchen zu ihrem blauhaarigen Bruder, "Stimmt's?"

"Zumindest stammen die Baupläne von uns," kam die Antwort, in der Alrik Jchrrah statt nur sich selbst gleich den ganzen Clan mitverantwortlich machte. "Mit der Tari Randora kann man viel weiter wegfliegen als mit jedem anderen Raumschiff. Wir haben sie für den Kaiser gebaut, aber sie gehört der ganzen Zuyya. Wenn Katari einmal so böse ist, dass die ganze Zuyya dafür sterben wird, müssen wir mit der Tari Randora fliehen." Tama staunte und steckte sich aufgeregt einen Finger in den Mund.

"Und wohin fliegen wir?"

"Weit, weit weg, in einen anderen Nebel. Dorthin, wo die Trias liegt. Die Trias ist die einzige Chance, die Menschen zu retten, die vor Kataris Zorn fliehen." Schweigen.

"Was ist die Trias?" fragte Chenoa langsam. "Ich weiß, dass es eine Maschine ist, die der Jamali-Clan gebaut hat... aber was genau ist sie?"

"Was du sagst, stimmt! Du kennst doch noch den alten Onkel Honuk Jamali, nicht, Chenoa?" Sie nickte. "Fünf Jahre bevor du geboren wurdest, haben wir zusammen an unseren Plänen gesessen. Er an denen der Trias und ich an denen der Tari Randora. Die Tari Randora und die Trias gehören also zusammen, wenn man so will. Die Trias ist eine einzigartige Maschine, sie ist weit weg von der Zuyya, deshalb braucht man die Tari Randora, um hinzukommen. Was genau die Trias kann, kann ich dir nicht sagen, Chenoa... aber es ist wichtig, soviel ist sicher! Eines Tages wirst du also wissen, was sie kann. Du bist immerhin diejenige, die am besten weiß, was wichtig ist, und was nicht." Chenoa sagte nichts. Sie wusste eine ganze Menge, vor allem für ihr zartes Alter, das war richtig. Sie mochte nicht, wie die Menschen in Ahrgul sie anstarrten, wenn sie einmal mit ihren Eltern oder sonstigen Clan-Mitgliedern dort war. Sie wusste, dass die Bezeichnungen Wunderkind und Hyperintelligente sie bezeichneten – an sich waren es Schmeicheleien. Aber Chenoa fand Menschen komisch. Sie war anders als die Menschen, die sie traf, und mit denen sie zusammen war.

Als Tama auf ihrem Schoß zappelte, sah sie wieder auf.

"Noa, runter!" quengelte der Kleine schon wieder, "Ich muss mal..."

"Na, komm," lachte ihr Vater und zog den Kleinen an der Hand hoch, "Wir gehen da hinten ins Gras, nicht?"

"M-hm..." Chenoa blieb sitzen und sah ihrem kleinen, unbeholfenen Bruder nach. Sie mochte ihren Bruder sehr. Er war ihr kein bisschen ähnlich und nichtmal annähernd hyperintelligent, wie man sie nannte. Er war ein ganz normaler, kleiner Junge. Etwas Spezielles in sofern, da er wie sie zum Jchrrah-Clan gehörte. Alle aus dem Clan waren etwas Besonderes. Sie und Tama würden einmal beide hervorragende Magier sein und genau wie ihr Vater einmal Ratgeber der Kaiserfamilie sein. Diese Stellung war sehr hoch im Imperium, das war fast so etwas wie Vize-Kaiser zu sein. Genau dasselbe waren auch die Jamalis, ein weiterer der letzten großen Clans, der seine Provinz im Norden von Ahrgul hatte. Chenoa kannte alle hundertzweiundzwanzig Provinzen des Landes Niranya auswendig und konnte genau sagen, welche Provinz welchem Clan gehörte oder einmal gehört hatte. Wenn sie Tama ansah, erschien er ihr so unglaublich einfach und simpel. Vielleicht mochte sie das so an ihm. Sie fühlte sich anders als die anderen Menschen, das war richtig; aber sie hatte nie behauptet, dass es schön war, so anders zu sein.

 

Chenoa konnte bereits perfekt lesen, schreiben und rechnen, obwohl sie noch nicht in die Schule ging; sie war so neugierig gewesen, dass sie so lange genervt hatte, bis ihr Vater ihr privaten Unterricht besorgt hatte. Ihr Lehrer, Mister Myall, war ein ziemlich kleiner Mann mit wenigen Haaren auf dem Kopf, er trug deswegen meistens einen großen Hut. Er sprach im Jhaha-Dialekt und rollte das R auf eine ganz merkwürdige Weise, die Chenoa nicht nachmachen konnte, was sie aber faszinierte, gerade weil sie es nicht nachmachen konnte. Er war gebürtiger Jhahaner, wohnte aber jetzt in Ahrgul, hatte er ihr erklärt, und Chenoa hatte natürlich gewusst, dass Jhaha eine Provinz weit im Süden des Landes war und sehr weit entfernt von Yamxieh. Sie mochte ihren Lehrer sehr, er wusste eine Menge und konnte die Dinge genau so erklären, dass er sie damit zufriedenstellte.

"Ich habe dir Bücher aus Ahrgul mitgebracht," meldete der kleine Lehrer an einem Tag, als der Unterricht begann, "Viele Bücher, die du noch nicht gelesen hast."

"Danke, Mister Myall," sagte das Mädchen artig und sah neugierig den Stapel Bücher an, den er mitgebracht hatte. Bücher über Physik, über Chemie, Astronomie, Geschichte, Kunst, über alles. In Ahrgul gab es sehr viele gute Bücher. "Kommen die aus der Bibliothek?" fragte das Kind ganz diplomatisch, "Wir fahren in drei Tagen nach Ahrgul zum Palast, ich kann sie dann wieder zurückbringen. Sie sind doch geliehen?"

"Ja, natürlich," sagte Mister Myall, den es schon garnicht mehr erstaunte, dass seine kleine Schülerin all diese dicken, komplizierten Bücher innerhalb von drei Tagen durchlesen konnte.

"Könnt Ihr mir nächstes mal Bücher über Magie mitbringen?" fragte sie dann, indem sie schon begann, das Physikbuch vor ihr durchzublättern. "Ich glaube, ich habe zu wenig Ahnung von Magie. Wie soll ich anständig den Jchrrah-Clan vertreten, wenn ich keine Ahnung von Magie habe?"

"Du könntest deinen Clan gewiss auch ohne Magie gut vertreten," antwortete er und holte Papier und eine Schreibfeder aus seiner Tasche, "Aber ich kann dir Bücher mitbringen. Du hast in meinen Augen viel Ahnung von Magie. Du konntest schon mit zwei Jahren die Reikyu beschwören und Dinge wissen und sehen, die dir die Mächte der Schöpfung gezeigt haben. Außer dir konnte das noch keiner, das weißt du doch."

"Ich möchte aber mehr über die Magie wissen," protestierte sie ruhig, weiterhin das Physikbuch studierend. "Über die Dinge die wichtig sind, und die, die es nicht sind."

 

Chenoa hatte meistens den Eindruck, dass man garnicht genug wissen konnte. Sie war davon überzeugt, dass es immer etwas geben würde, dass sie noch nicht wusste, selbst, wenn man alle Bücher der Welt gelesen hatte. Und wichtig war es vor allem, zu wissen, was wichtig war, und was nicht. Das herauszufinden machte sie zu ihrem Hauptlebensziel, während sie mit ihren fünf Jahren abends auf ihrem Bett saß mit dem Physikbuch auf dem Schoß. Ihr kleiner Bruder kam ins Zimmer und wollte spielen. Das einzige, was Chenoa noch lieber tat als lesen, war mit ihrem kleinen Bruder zu spielen – deswegen legte sie das Buch weg, hob den Kleinen hoch und setzte ihn zu sich auf das Bett.

"Was möchtest du denn spielen, Tama?" Tama steckte sich einen Finger in den Mund und kuschelte sich an seine Schwester.

"Tierchen verstecken!"

"Gut, hast du denn schon Tierchen mitgebracht?"

"Ja, guck." Er zeigte auf die Tür, wo vier kleine Plüschtiere am Boden lagen. Tierchen verstecken hatte Chenoa auch schon immer gerne gespielt. Einer versteckte die Plüschtiere, die bei Tama Tierchen hießen, irgendwo im Haus, und der andere musste sie suchen. "Ich will erst verstecken!" meldete der Kleine da schon und rutschte mit einem leisen Plumps vom Bett, tappte zur Tür und sammelte die Tiere auf. "Du zählst bis zehn!"

"In Ordnung. Eins..." begann sie und hielt sich die Augen zu, und ihr Bruder lief schnell davon. Sie zählte ganz langsam, damit er auch genug Zeit hatte. Tama konnte noch nicht zählen, deshalb holte Chenoa ihn, wenn sie dran war mit Verstecken, einfach ab, wenn sie fertig war. Meistens saß er dann herum und zählte laut vor sich hin:

"Fünf... drei... neunzehn... zwanzig... null... vier..."

"Kannst kommen!" kam dann Tamas Stimme von draußen, als Chenoa bei neun angelangt war, und sie erhob sich und lief von ihm gefolgt durch die Korridore. In Tamas Kinderzimmer fing sie an. Eins der Tiere stach ihr sofort ins Auge, es lag unter dem Bett. Aber um ihm den Gefallen zu tun, tat sie, als hätte sie es nicht gesehen, und suchte fieberhaft weiter. Hinter dem Vorhang sah sie das zweite Tier, auch das übersah sie absichtlich und spielte die Nachdenkliche.

"Hmm, wo könnten sie sein? Du hast aber dieses mal schwer versteckt!" Der Kleine grinste sehr mit sich zufrieden. Es machte ihn stolz, wenn seine große Schwester so lange nachdenken musste.

"Soll ich sagen, ob es warm oder kalt ist?" bot er großzügig einen Tip an, doch sie schüttelte den Kopf.

"Noch nicht! Vielleicht finde ich sie ja alleine!" Sie bequemte sich, das längst entdeckte Tier unter dem Bett jetzt offiziell zu finden. "Oh! Eins hab ich!!"

"Das war auch leicht!" tat Tama das ab, worauf das Mädchen grinste. Doch er wurde hibbelig und wollte unbedingt einen Tip geben. "Es ist nur noch eins hier drinnen! Die anderen sind nicht in diesem Zimmer."

"Oh, das ist aber nett. Dann suche ich erstmal wo anders weiter! Das zweite hier ist echt ziemlich gut versteckt!" Sie bemühte sich, so viel Zeit wie möglich vergehen zu lassen, und lief absichtlich fünf mal an dem Tier im Korridor hinter dem Blumenkübel und dem im Badezimmer zwischen den Handtüchern vorbei, bevor sie irgendwann alle gefunden hatte. Tama war sehr zufrieden damit, dass sie so lange gebraucht hatte. Dann war sie dran, und ihr kleiner Bruder setzte sich laut irgendwelche Zahlen vor sich hinmurmelnd auf sein Bett. Sie fand Verstecken immer aufregend. Vor allem, da mit Tama als Spielpartner nicht alle beliebigen Verstecke in Frage kamen. Es mussten welche sein, an die er ankam, und er war noch sehr klein. Sie mussten leicht sein, aber Chenoa wollte sie auch nicht zu leicht machen, schließlich musste ja sein Auge geschärft werden, und sogar der kleine Tama würde sich langweilen, wenn er sofort alles fände. Letzten Endes hatte Tama drei von vier Tierchen gefunden, als die Amme Aputa kam.

"Der kleine Mann muss jetzt ins Bett," meldete sie, "Kleine Lady, dürfte ich Euch bitten, mir zu erlauben, Euren kleinen Bruder ins Bett zu bringen? Es ist spät."

"Ich hab noch nicht alle gefunden!" protestierte Tama. Die Amme ließ sich nicht erweichen.

"Eure Mutter möchte, dass Ihr ins Bett geht, junger Herr!"

"Der junge Herr hat aber keine Lust," sagte der Kleine, "Ich möchte mit Schwester spielen!"

"Schwester sollte auch langsam mal schlafen gehen." Chenoa nickte.

"Ist gut, Aputa. – Wir können morgen weiterspielen, Tama. Gute Nacht."

 

Ein paar Tage später erfolgte die Reise nach Ahrgul zum Kaiser, die Chenoa ihrem Lehrer Mister Myall berichtet hatte. Der Kaiser hatte den ganzen Clan eingeladen, um einmal ein großes Treffen zu veranstalten. Lady Maata Jchrrah, Alrik Jchrrahs Frau und die Mutter von Chenoa und Tama, war nicht begeistert von der Idee, den kleinen Tama auf so ein Fest mitzunehmen.

"Er wird nur müde sein und quengeln," sagte sie, während sie hastig am Ankleideraum vorbeisauste, in dem Aputa die Kinder gerade für das Fest anzog. "Aputa, ich möchte, dass du mitkommst, und Tama zur Not irgendwo zur Ruhe legst."

"Es werden noch mehr kleine Kinder da sein," sagte Chenoa, "Der Kaiser hat gut vorgesorgt für die Kleinen. Du musst dich nicht sorgen, Mutter."

"Und die lange Fahrt!" rief Lady Maata weiter und sauste wieder am Ankleideraum vorbei, dieses mal in die andere Richtung. Chenoa seufzte nur. Ihre Mutter war immer so hysterisch! Lady Maata war noch sehr jung gewesen, als sie Chenoa bekommen hatte. Vielleicht lag es daran.

"Beruhigt Euch, Mylady," bat Aputa ihre Vorgesetzte, während sie dem kleinen Tama die seidenen Ärmel zuknöpfte. "Das wird schon gut gehen!"

"Ich muss die Bücher mitnehmen, die Mister Myall mir gebracht hat, sie kommen zurück in die Bibliothek," erklärte Chenoa und verließ, bereits fertig angezogen, den Raum. Ihre hyperaktive Mutter kam ihr entgegengeschneit:

"Chenoa, Liebes! Deine Haare! Du musst frisiert werden!"

"Ich hole zuerst die Bücher, Mutter. Ich nehme etwas für Tama zum Vorlesen für die Fahrt mit." Zum Glück hatte ihr Vater in seiner eigenen Bibliothek ein paar Märchenbücher. Chenoa selbst las längst keine Bücher mehr, die für ihren Bruder geeignet wären. Er würde von Physik und Magie nichts verstehen. Chenoa hatte alle Bücher der Bibliothek ihres Vaters bereits gelesen. Deswegen musste Mister Myall ja immer welche aus Ahrgul mitbringen, die sie noch nicht kannte.

 

Mit den Büchern von Mister Myall und dem dicken Märchenbuch stieg Chenoa, nachdem sie von Aputa perfekt frisiert worden war, in die Kutsche, die bereit stand, um den kleinen Teil des Clans mit Aputa nach Ahrgul zu fahren. Sie sah auch, wie von anderen Teilen ihrer kleinen Familienstadt aus andere Kutschen losfuhren, in denen vermutlich Chenoas Cousins, Cousinen, Onkel, Tanten und sonst noch wer saßen. Die Fahrt ging los, und der kleine Tama wollte die ganze Zeit beschäftigt werden. Chenoa las ihm aus dem Märchenbuch vor. Sie sangen alle zusammen ein paar Lieder, wo sich Tama vor allem über Aputa lustig machte, die so schief sang, dass alle anderen andauernd den richtigen Ton verloren. Er meinte es aber nicht böse, so verzieh Aputa dem Kleinen noch einmal. Irgendwann wollte Tama gerne vorne beim Kutscher auf dem Bock sitzen. Zwischendurch hatte er Hunger, Durst oder musste mal, was die Fahrt etwas aufhielt, aber abgesehen von der hysterischen Lady Maata störte sich niemand daran. Alrik Jchrrah war die ganze Zeit vollkommen entspannt und gewährte alles, was sein kleiner Sohn wollte, oder erklärte ihm in aller Ruhe, warum das eine oder andere gerade nicht ging. Sie spielten Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst, wo auch Chenoa begeistert mitmachte. Als Tama zwischendurch einmal auf der Bank schlief, löste seine Schwester ein paar der Mathematik-Rätsel, die Mister Myall für sie erstellt hatte, als kleine Nebenbeschäftigung. Sie mochte Mathematik-Rätsel. Vor allem die von Mister Myall, die immer so schön anspruchsvoll waren. Zwischendurch berechnete sie die Geschwindigkeit der Kutsche und die Anzahl der Umdrehungen der Räder pro Minute, und sie konnte auf die Minute genau die Ankunft in Ahrgul angeben.

 

Genau zu dem Zeitpunkt, den Chenoa vorausgesagt hatte, kamen sie an. Nach einem Zwischenstopp bei der Bibliothek, wo Chenoa Mister Myalls Bücher abgab, fuhren sie weiter bis zum großen, weißen Palast des Kaisers. Tama war inzwischen auch wieder wach.

"Sein Haus ist viel größer als unseres," sagte er und meinte mit sein Haus den Palast.

"Er ist ja auch der Kaiser der ganzen Zuyya," sagte Aputa zu ihm, als sie ausstiegen, und Tama wurde die Treppen hinaufgetragen. Bereits dort trafen sie andere Clan-Mitglieder und auch Mitglieder anderer, großer Clans, auch von den Jamalis konnte Chenoa welche entdecken. Seit langem sah sie den Mann namens Honuk Jamali wieder, der ein Kollege und Freund ihres Vaters war. Den Mann, der die Trias gebaut hatte.

"Alrik, schön, dich zu sehen!" begrüßte der Mann ihren Vater da auch schon. "Die ganze Familie ist ja da! – Maata, sehr angenehm."

"Ebenfalls, Sir," erwiederte Lady Maata mit einer Kopfneigung. Honuk Jamali sah auf Chenoa.

"Bei Katari," sagte er, "Dich habe ich ja auch ewig nicht gesehen! Du bist gewachsen, Chenoa." Sie nickte.

"Wenn man darüber nachdenkt, wie lange die Zuyya schon existiert, sind drei Jahre aber nicht sehr lang, Sir," erwiederte sie, "Aber immerhin ist es mehr als die Hälfte meiner bisherigen Lebensdauer." Die Erwachsenen lachten bei ihrer Antwort.

"Seht ihr?!" sagte Honuk Jamali zu einer Frau und einem Mann neben sich, vermutlich waren sie auch Jamalis, "Das meine ich! Wenn dir das ein Philosoph um die Ohren haut, sagst du garnichts, aber wenn es ein fünfjähriges Mädchen sagt?"

"Ich kenne auch keinen Philosophen, der je behauptet hat, drei Jahre wären mehr als die Hälfte seiner bisherigen Lebensdauer," sagte eine andere Frau vor ihm, worauf wieder alle lachten.

"Dann müssen wir uns aber fragen, was der Philosoph unter Leben versteht," protestierte Chenoa, "Entweder das Leben, das mit der Geburt und der Gebung eines Namens beginnt, oder er bezeichnet sein Leben erst ab dem Zeitpunkt als Leben, zu dem er angefangen hat, sich der Philosophie zu widmen, oder ab einem anderen Zeitpunkt. Manche Philosophen tun das."

"Hat dir das Mister Myall erzählt?" fragte ihr Vater sie gedämpft, und sie nickte. Ihr Vater nickte. "Der Mann hat Klasse."

 

Das Fest wurde amüsant. Chenoa unternahm nicht so viel mit gleichaltrigen Kindern, weil diese einfach völlig anders waren als sie. Sie sah Gleichaltrigen aber gerne beim Spielen zu und interpretierte im Stillen ihr Verhalten. Der einzige, mit dem sie gerne spielte, war ihr Bruder Tama. Sie hatte sich in der Bibliothek ein Buch über Magie ausgeliehen. Ein paar ihrer Onkel waren gekommen, als sie darin gelesen hatte, und sie hatte lange mit ihnen über Magie und die Fähigkeiten ihres Clans geredet. Magie war wichtig, so viel wusste sie. Als sie später einmal mehr in dem interessanten Buch las, trat ein anderer Mann zu ihr. Chenoa sah ihn eine Weile an und hörte den Wind mit ihr sprechen. Er sagte ihr, wer der Mann war.

"Ihr seid ein Cousin des Kaisers," sagte sie. "Guten Abend, Sir."

"Guten Abend," grüßte der Mann zurück und hockte sich vor sie. "Du bist das Wunderkind, nicht wahr? Das Mädchen aus dem Jchrrah-Clan, von dem alle sprechen, stimmt's?"

"Ich weiß nicht, wer alles über mich spricht."

"Oh, hier in Ahrgul zumindest eine ganze Menge," sagte der Mann. "Auch außerhalb Ahrguls eine große Menge, würde ich sagen. Du weißt sehr viel, obwohl du noch so jung bist. – Stimmt es wirklich, dass du mit den Mächten der Schöpfung sprechen kannst?" Sie sah auf in sein Gesicht.

"Ja."

"Was sagen sie dir?"

"Was wichtig ist, und was nicht."

"Ah," kam von ihrem Gegenüber. "Und was... ist wichtig?"

"Vieles," antwortete sie.

"Das Imperium?"

"Vielleicht."

"Was liest du für ein Buch?"

"Ein Buch aus der Bibliothek. Über Magie." Sie klappte das Buch zu und hielt ihm den Titel hin. Er nickte nach einer Weile.

"Oh, das ist spannend. Liest du Bücher über Astronomie?"

"Ja, auch," meinte sie, "Sie sind sehr spannend."

"Du weißt, dass die Zuyya eine Kugel ist, nicht wahr?" kam dann. Chenoa lachte.

"Schon lange. Und, dass es in der Nähe von Zuyya noch zwei Planeten gibt, Tharr und Ghia. Die Zuyya ist ein Mond der Ghia und dreht sich um sich selbst und auch um die Ghia. Tharr dreht sich auch um sich selbst und um die Ghia. Und die Ghia dreht sich um sich selbst und auch um die Sonne. – Auf Tharr heißt es, Zuyya und Ghia wären Monde von Tharr. Dabei sind Zuyya und Tharr Monde von Ghia."

"Du bist klug, ja," sagte der Mann und lachte auch. "Früher hat man hier auch geglaubt, Ghia und Tharr wären Monde der Zuyya!"

"Jetzt weiß man es besser."

"Ja. – Stimmt es, dass du die Zukunft sehen kannst?"

"Ja, manchmal."

"Warum manchmal?"

"Die Mächte der Schöpfung zeigen mir, was wichtig ist. Sie zeigen mir nicht immer die Zukunft."

"Kannst du mir sagen, was ich morgen um diese Uhrzeit tun werde?"

"Könnt Ihr es mir denn sagen?"

"Nein. Sag du es mir." Chenoa sah ihn lange Zeit an.

"Morgen um diese Uhrzeit werdet Ihr genau hier stehen und lachen." Der Mann sah sie an.

"Tatsächlich?"

"Ja." Sie sah ihn ein weiteres mal an und öffnete dann den Mund. "Warum wird morgen Blut an Euren Händen sein?"

 

In einem Sommermond, in dem die Grillen in den Wiesen zirpten, als hielten sie einen Gesangswettbewerb ab, stand Chenoa mit ihrem kleinen Bruder an der Hand vor dem Tor des Anwesens ihres Vaters und pflückte Blumen vom Wegrand. Tama war der Meinung, auch ganz normales Gras wäre eine Blume. Er wollte gerne eine Steinblume kreieren, indem er einen Grashalm um einen kleinen Kieselstein knotete und behauptete, der Stein wäre die Blüte. Aber der Stein fiel aus der Schlinge heraus wieder zu Boden, so hielt der Kleine nur einen verknoteten Grashalm in der Hand. Mit einem lauten Knall ging die Tür auf, und ihr Vater kam heraus.

"Baba, meine Steinblume ist kaputt gegangen!" kam die erste Meldung. Alrik Jchrrah war aber gerade sehr in Eile.

"Das ist traurig, mein Kleiner, aber Baba muss sich jetzt sehr beeilen. Ich muss nach Ahrgul, es ist etwas passiert."

"Was denn?" fragte Tama neugierig. Chenoa drehte den Kopf, als ihr wieder einfiel, was sie gesehen hatte, als sie den Mann angesehen hatte, der mit ihr gesprochen hatte. Den Mann mit dem Blut an den Händen.

"Jetzt ist die gleiche Uhrzeit," sagte sie. Ihr Vater sah sie nicht an, er hatte sie nicht gehört. Chenoa dachte, sie hätte ihm vielleicht schon am vergangenen Tag etwas sagen sollen. Sie hatte nämlich gesehen, dass das Blut an den Händen des Mannes wichtig war. "Es ist wichtig, oder, Vater?"

"Ja," sagte Alrik Jchrrah, "Ich fahre mit ein paar anderen Clan-Mitgliedern nach Ahrgul. Ich komme bald zurück, meine Kleinen. Pflückt einen schönen Blumenstrauß für Mama, sie wird sich freuen!" Damit sprang er auf die heranrollende Kutsche, die darauf so schnell wie möglich davonratterte. Chenoa sah auf den verwirrten Tama und seinen verknoteten Grashalm. Es war der Sommermond des Jahres 975 – der Tag, an dem der alte Kaiser von seinem zukünftigen Nachfolger ermordet worden war.

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