Abbildung 1Donau Durchbruch Kloster Weltenburg




    Donaudurchbruch

Donaudurchbruch - Kloster Weltenburg ,

drei Worte nur und schon hellt sich Lothars Gesicht auf

- bei Christiane blitzen und leuchten die Augen

- bei Jürgen sieht man förmlich die Bierkrüge , die von allen Seiten herangetragen werden.

Irgendwann fährt jeder Wanderpaddler die Donau und trifft dann auch auf das Highlight Kloster Weltenburg und den Donaudurchbruch.

In den letzten hundert Jahren sind Tausende von Paddlern die Donau abwärts gefahren, haben bei gutem oder schlechten Wetter im Kloster Rast gemacht und ein oder mehrere Biere getrunken. Alle haben begeistert erzählt und einige richtige Schriftsteller sind auch dabei gewesen und haben darüber geschrieben.

Otto Protzen paddelt nach dem ersten Weltkrieg allein vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer:

„Die älteste Kirche Bayerns, im Jahre 775 durch den Herzog Tassilo erbaut, reckt hier ihren zierlichen Zwiebelturm über die Kronen gewaltiger Eichen und Weiden, bevor der Strom zwischen die wie Mauern aus dem Wasser wachsende Felsschlucht sich presst.“

Sehr viel lyrischer geht es bei Carl Oskar Jatho zu , der vor 70 Jahren von Beuron bis Wien eine Familienfahrt machte : „Ein Kloster, liegt vom Fluss umschlungen, am Fuß der Felsenbeuge, und wirft den Schatten seiner feinen, langgezogenen Trakte auf den wunderklaren Kieselstrand, an dem wir anlanden. Und im Klosterhof sitzt an langen Tischen touristisches Kleinvolk; und vor ihnen steht und hebt sich zum Munde in großen, gesunden Krügen der Rauschtrank Altbayerns.

Und der DKV Führer schreibt 1999: gleich nach dem Kloster beginnt der Donaudurchbruch. !Motorschiffahrt! Zelten im Durchbruch verboten. Naturschutzgebiet.

Also, nichts wie hin. Für uns Grund genug eine schöne Familienfahrt in Angriff zu nehmen.

Drum herum ist die Fahrt aus sportlicher Sicht und vom Landschaftsbild her ziemlich langweilig. Wir setzen unter der Straßenbrücke nahe Vohburg ein und treiben zügig flussabwärts. Bald sammeln sich kleine Grüppchen und Päckchen werden gebildet. Die Kinder sind begeistert, auch die Alten lieben die Gemütlichkeit und bald fangen die ersten zu singen an. Da werden alte Fahrtenlieder hervorgekramt , schaurige Geschichten und Balladen ( wir lagen vor Madagaskar und Jenseits des Tales), aber auch neueres Liedgut aus den 50er Jahren. >Anneliese<, >Heimweh< und der >Kriminaltango< . Dort wo man singt , da lass dich ruhig nieder, auch die Jungen singen die alten Kamellen begeistert mit, um uns dann doch noch eins vor zu rappen.

Kurz vor dem Donaudurchbruch liegt am rechten Ufer das Benediktiner Kloster Weltenburg.

Schon vor Jahrtausenden hat der markante Bergsporn an der Donauschleife die Menschen angelockt. Die Kelten hielten ihn für so wichtig, dass sie ihn mit Wall und Graben sicherten. "Artobriga" - die hohe Burg - soll diese in ihren Anfängen mindestens bis in die Bronzezeit zurückreichende Bergbefestigung geheißen haben, von welcher der antike Geograph Claudius Ptolemäus schon um das Jahr 130 nach Christi Geburt berichtet. Die Römer bauten dann auf den Überresten der Keltenburg ein kleines Grenzkastell und dazu - nach der Überlieferung - einen der Minerva geweihten Tempel, den der heilige Rupert in eine Marienkirche umgewandelt haben soll. ( Info Stadt Kelheim)

Wir schenken uns heute die durch Cosmas Damian Asam ausgemalte Klosterkirche und suchen uns gleich einen Platz in dem übervollen Biergarten. Die Frauen und Kinder drängt es dann doch zu dem Kirchlein , denn im Moment findet eine Reiterhochzeit statt. Die Braut ist wie fast alle Bräute in strahlendes Weiß gekleidet, doch der Bräutigam trägt seine Reiteruniform. Rechts und links vom Eingang haben seine Kameraden Aufstellung genommen, sie bewerfen das junge Paar mit Reis und führen sie dann in einer vierspännigen Pferdekutsche davon.


Abbildung 1Die Bedienung bringt mir den Schweinebraten



Inzwischen hat uns auch die Bedienung gefunden. Ein altes Frauchen , in einem schwarzen Kleid und einer kleinen weißen Spitzenschürze umgebunden. Mit einem Bleistiftstummel, den sie immer wieder mit den Lippen befeuchtet, notiert sie unsere Wünsche. Bier für die Großen, Apfelsaft für die Kleinen. Neben uns sitzt eine kleine Gruppe feister Vierziger und einer tönt so laut , dass wirklich alle es hören können: " Die sieht ja aus wie eine Klofrau!"

Wir haben dann noch ein Bier getrunken und die Kinder haben sich noch ein Eis bestellt. Die Getränke für die Nachbargruppe kamen einfach nicht. Irgendwann sind sie dann böse abgezogen und haben sich an einen anderen Tisch gesetzt. Doch auch hier war der Kellner ein bisschen schusselig. Er hat die Leute einfach nicht gesehen.

Irgendwann ist jede Paddelpause zu ende. Jürgen hat seine Schäfchen um sich versammelt, die Kleinen werden in die Mitte genommen und unmittelbar nach dem Donaudurchbruch müssen wir schon wieder an einer großen Kiesbank namens Nullnull anlegen.

Wolfram Freutel 2000



 


 

Zuletzt geändert: 21.07.2003, 19:58:12

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