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Jürgen hatte mich gewarnt. Der Fluss änderte
fast im rechten Winkel seine Richtung. Eine kritische Stelle ,
die meine volle Aufmerksamkeit beanspruchte , wurden doch die
Wassermassen , bedingt durch die geologischen Verhältnisse
hin und her geschleudert. Das Wasser begann zu ziehen , schoss
auf die scharfe Kurve zu , wurde gegen das gegenüberliegende
Ufer gepresst , prallte zurück und die nachfolgenden Mengen
quetschten die Fluten erneut zusammen , bis sie nach der
Engstelle förmlich befreit in einem breiten Strömungsband
sich Luft verschafften und flussabwärts schossen.
Wenige
Meter später schwang ich locker in ein Kehrwasser rechter
Hand ein , mein Boot rutschte auf den schmalen Kiesstrand einer
kleinen Badebucht. Wenige Meter vom Fluss entfernt stieg ein
lichter Kiefernwald steil an. Sommerlich Stille umgab mich. Ich
hörte nur das Rauschen des vorbeifließenden Flusses ,
als ich mich nackt in die Sonne legte.

Ich
muss wohl sofort eingeschlafen sein. Was ich sah , als ich
erwachte , war ein feuerroter Ball. Der Ball sprang in die Luft ,
verharrte einen Augenblick ,schwang hin und her , bevor er sich
weiter erhob. Ich rieb mir die Augen, sah genauer hin und
erblickte zum erstenmal Mirja. Eine attraktive , gut gebaute
junge Frau hatte dicht neben mir ihr Badetuch ausgebreitet. Sie
war gerade dabei ihren Körper mit Sonnenmilch einzureiben.
Ihren Kopf schien ein feuerroter Helm zu schmücken. Wie ich
später genauer an ihrem raffinierten Haarschnitt sah ,
lugten doch unter dem glänzenden Rothaar , natürliche
dunkle Haarteile hervor. Sie bemerkte mein Erstaunen und lächelte
mir freundlich zu. Ich atmete tief durch und ließ mich
sacht in den warmen Sand zurück gleiten.

Bevor
sie sich ebenfalls niederlegte , entnahm sie ihrem Rucksack , den
sie an ihrem Kopfende abgelegt hatte , ein Buch. Dabei entdeckte
ich die kleine stilisierte Eule , die ihren zarten und mir so
unendlich weich erscheinenden Nacken zierte. Fasziniert schaute
ich auf die Tätowierung. Das Bild der Eule, so alt wie die
denkende Menschheit. Ein Symbol der Weisheit , des Verstandes und
der Liebe. Ich richtete mich auf um besser sehen zu können ,
und genau in diesem Augenblick rief mich eine Stimme , die ich
nur zu gut kannte. Meine Paddelkameraden hatten mich
aufgestöbert. Hier bist du also ,und wir hatten schon
befürchtet , du seiest abgesoffen.
Halbherzig kletterte ich in mein Boot , ein
letzter Blick zurück. Ein Sommertag der besonderen Art war
für mich abrupt zu Ende gegangen. Einige Schwälle
weiter drängte Jürgen sein Boot neben meines. "
Sag selber ", meinte er und schaute mir dabei unbefangen ,
offen und ehrlich ins Gesicht ," gibt es etwas Schöneres
als Paddeln? WF
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