Der Stein an der Ceze


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Der Stein an der Ceze

 

 

Der Stein an der Ceze

Viele von uns kennen das Gefühl , einen Ort oder einen Menschen wiederzuerkennen, von dem man sicher weiá, daß man ihn vorher nie gesehen hat.
Ahnungen an eine längst vergangene Zeit tauchen in uns auf, verwirren uns und hinterlassen ein Gefühl der Ewigkeit.

Für heute haben wir unseren Ceze Ausflug geplant. Start und Ziel ist die Domaine de Sabliere, ein wunderschönes Naturisten Gelände in der Provence. Wir werden nur wenige Kilometer aufwärts paddeln , und uns dann flußabwärts treiben lassen.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Schon bald erwärmt uns ,die an einem makellos blauen Himmel stehende Sonne. Nackt schieben wir die Boote ins Wasser. Nur ein Handtuch, eine Wasserflasche und die Fotoausrüstung nehmen Eva und ich mit..

Die Strömung ist gering und so bedeutet es für uns keine Anstrengung vorwärts zu kommen. Unterhalb kleinerer Schwälle müssen wir aussteigen, dann treideln wir die Boote wenige Meter. Am linken Ufer wachsen Bäume und Büsche. Diese dünnen kleinen Eichen sind überzogen mit silbrig glänzendem Moos. Kiesbänke bilden kleine Lichtungen und laden zur Rast ein.

Am rechten Ufer baut sich eine Felswand auf. Langsam wächst sie in die Höhe und schiebt sich nahe ans Wasser. Auf einem Felsvorsprung, knapp über dem Wasserspiegel hocken zwei Buben und angeln. Neugierig betrachten sie unsere Boote, ruhig fahren wir am gegenüberliegenden Ufer an ihnen vorbei.

Im Laufe der Zeit hat sich der Fluß ein Bett gegraben. Zeitweise mäandert er stark, unbeeinflußt von Menschenhand. Nur bei Hochwasser verläßt er seinen vorgegebenen Weg. Dann kommt es vor , daß die Wassermassen sich einen neuen Durchlaß und Abfluß suchen. Halbinseln werden durchschnitten, Sträucher, Äste und Bäume niedergedrückt, was im Wege steht, wird überrollt.

Doch jetzt haben wir es mit Niedrigwasser zu tun, wenig genug, um nur mit Geschrappe und Gerutsche uns unseren Weg vorwärts zu bahnen.

An einer scharfen Kehre schieben wir unsere Boote auf den Kiesstrand. Abgesehen vom Plätschern des Flusses und dem Geräusch unserer bloßen Füße im Kies, umgibt uns eine tiefe Stille. Die Sonne brennt auf uns nieder , kein Lufthauch kühlt uns.

Hinter uns begrenzt eine hohe Felswand den Fluß, die die Wärme einfängt und zu uns zurückspiegelt.

Der Kieshang steigt leicht an, und dort wo die freie Fläche endet, wo der Bewuchs mit Bäumen und Büschen beginnt, liegt ein gewaltiger Steinwürfel.....


Nackt wandern wir über den Kiesstrand. So wie ich spürt auch Eva den Hauch der Vergangenheit, der diesen Ort erfüllt.

Wie magisch angezogen nähern wir uns dem Stein. Vorsichtig erklettert Eva ihn , dann streckt sie sich lang auf dem Rücken aus.

Die Wärme der Sonne, der Duft der Pflanzen und Bäume, das Murmeln und Wispern des vorbeifließenden Wassers und das Bewußtsein des eigenen Körpers bringen sie dazu, langsam die Füße heranzuziehen, um sich dann mit Armen und Beinen hoch zu stemmen, der Sonne entgegen. Sie ahnt die Geheimnisse und Mythen der Frauen aller Zeiten.

Lang ausgestreckt liege ich im warmen Sand. Traum , Illusion und Wirklichkeit vermischen sich. Ich spüre die Schwere meines Körpers , es gelingt mir nicht meine Augen zu öffnen. Als ich nach langer Zeit endlich wieder zu mir komme, finde ich Eva schlafend auf dem Stein.



 

Erst jetzt fällt mir die Verwandtschaft des Platzes zu einer antiken Arena auf. Die steil aufragende Felswand, von der aus die gesamte Halbinsel überblickt werden kann , mit dem Opferstein in der Mitte, denn um nichts anderes handelt es sich hier.

Still und nachdenklich steigen wir in die Boote und lassen uns den Fluá hinabtreiben. Niemand von uns beiden mag sprechen., das soeben Erlebte und Gefühlte ist noch zu stark in uns.

Als wir die Domaine de Sabliere erreichen, versinkt die Sonne hinter dem Höhenzug, der uns den Tag über begleitet hat.

Abends sitzen wir zusammen mit Freunden am Lagerfeuer. Die Ereignisse des Tages klingen in uns nach. In warme Decken gehüllt , genießen wir das wärmende Feuer und durch die Dunkelheit leuchten hoch oben die Sterne, genauso wie vor Jahrtausenden. WF











Zuletzt geändert: 25.06.2003, 22:09:31



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