MARTINA ANGERER
GUDRUN BRANDL
THOMAS ANTON GOBOLD

Wien, Jänner 2005
http://www.geocities.com/lightvolcano/study/zwei.html

ROLLENFINDUNG

Inhalt:


Evolution und zwei Geschlechter: Warum gibt es Frauen und Männer?

Was ist der Sinn des Lebens? Fortpflanzung und Erhöhung der Entropie? Im Allgemeinen findet Fortpflanzung durch Verschmelzen zweier Gameten (Geschlechtszellen) statt. Bei zwei verschiedenen Geschlechtern sind das Eizellen und Samenzellen, dann spricht man von zweigeschlechtlicher Fortpflanzung (in der Literatur gibt es mehrere Notationen zu diesen Begriffen). Durch das Mischen der Erbanlagen zweier Individuen, den Eltern, entsteht eine bessere Vielfalt (im Vergleich zur eingeschlechtlichen Fortpflanzung, da steht nur ein Elter zur Verfügung

Mit der Fortpflanzung brachte, ausgehend von einem isogamen Zustand, das Entstehen von großen Gameten evolutionsbedingt einen Vorteil. Große Gameten hatten, eben wegen ihrer Größe einen höheren Nährstoffgehalt und daher einen besseren Start, als kleine Gameten. Noch im isogamen Zustand (der also keine Trennung zwischen den Geschlechtern kennt) hatten kleine Gameten aus ihrer Sicht einen Vorteil, wenn sie sich mit extra großen Gameten vereinigten. Im Rahmen der Evolution entwickelten sich also zwei divergierende Strategien, welche sich auch durchgesetzt haben!!

Als Folge davon haben wir heute einerseits große, unbewegliche, in der Herstellung aufwendige und daher seltene Eizellen. Andererseits haben wir noch arglistige, bewegliche, billig produzierbare und daher in großer Stückzahl vorhandene Samenzellen. So könnte man zwei Geschlechter definieren. Individuen, welche Eizellen produzieren bezeichnet man üblicherweise als Weibchen, die anderen heißt man Männchen. Ei- und Samenzellen besitzen die vollständige Erbinformation ihres Produzenten. Nach Richard Dawkins ist der Unterschied auch der Grund für die Ausbeute des weiblichen Geschlechts. Um die eigenen Gene erfolgreich weiter zu geben, hat, bis unmittelbar nach der Kopulation, das Männchen wesentlich weniger zu investieren gehabt, als das Weibchen.[http://www.geocities.com/lightvolcano/study/gametheory.html]

Um die Ausbeutung etwas zu reduzieren, wenden Weibchen unter anderem die Verhaltensformen "Maskieren des Eisprungs" sowie "Verlangen nach Vorleistungen durch das Männchen (Nestbau, Füttern)" an.

Ein weiterer Vorteil: Bei zweigeschlechtlicher Fortpflanzung ist die Inzucht geringer: Aus Sicht eines paarungswilligen Lebewesen kommt nur jedes zweite Individuum der selben Art in Frage. Die Suche nach einem geeigneten Partner dauert daher etwas länger, ein größeres Gebiet wird dabei durchforstet.

Ungeschlechtliche Populationen sind selten und relativ jung.

Drei oder mehr Geschlechter? Die Inzucht wäre aus obgenannten Gründen noch geringer. Die Wahrscheinlichkeit einen geeigneten Partner zu finden ist auch geringer, was sich hier stärker auswirkt. Offenbar hat sich dieses Modell kaum durchgesetzt.
[ Um dies zu beantworten, muss man meines Erachtens fragen: "Wie würde man zu drei Geschlechtern gelangen?" Zwei Dinge könnten passieren. Das eine wäre, dass ein neues Individuum aus dem Material von nur zwei Geschlechtern gebildet wird und das dritte eine Art Amme ist. Das geschieht in einem Ameisennest.", http://www.wissenschaft-online.de/page/fe_seiten?article_id=618191]

Gleich viele Männchen wie Weibchen! Bei See-Elefanten sind 4% der Männchen für 84% der Kopulationen verantwortlich. Es sei nun durch Mutation ein Gen entstanden, welches die Bildung von Töchter auf Kosten der Söhne bevorzugt. Wenn wir nun annehmen, dass sich die Anzahl der Männchen auf das im obigen Sinne nötige Maß reduziert, wären die männlichen Individuen voll ausgelastet.

Wenn ein Gen möglich ist, welches bevorzugt das Geschlecht "weiblich" festlegt, ist auch eines möglich, das bevorzugt das Geschlecht "männlich" festlegt. Ein solches Gen hätte nun eine gute Gelegenheit: Eine Mutter, die eine Tochter gebärt, kann auf einige Enkelkinder hoffen. Eltern, die einen Sohn zeugen, können viel mehr Enkelkinder erwarten. Dem Sohn stehen ja viele paarungswillige Weibchen zur Verfügung. Das Verhältnis der beiden Geschlechter würde zu 1:1 konvergieren. Dieses Verhältnis 1:1 ist daher in der Evolution stabil.

Folgerungen: Bei allen Wechselwirkungen zwischen Mädchen und Jungen in einer Schule und deren schulischer Umwelt leisten diese Millionen Jahre alten und in der Evolution sehr früh entstandenen Verhaltensformen (zum Teil genetisch bedingt) und anatomischen Gegebenheiten (sicher genetisch bedingt) einen wesentlichen Beitrag.

Ein Verhalten kann unmittelbar genetisch vorbestimmt sein. Ein Verhalten kann aber auch durch genetisch bestimmte Anatomie des eigenen Körpers (hinsichtlich des Geschlechts) stark geprägt werden. Ein geschlechtsspezifisches Verhalten kann auch durch Umweltbeeinflussungen entstehen.

Im Rahmen eines extremen Feminismus möchten die Angehörigen dieser Idee das gelebte und gefühlte Geschlecht selbst bestimmen.


Rollenbilder der Mädchen und Jungen in der Schule

Die Statistiken dokumentieren einige gut bekannte Aspekte: Demnach verfügen Mädchen über mehr Sprachfluss und eine bessere Orthographie. Die Jungen haben bessere Fähigkeiten im Sport, Rechnen und in Sachkunde. Weiters wirken sich bei den Jungen Hormone in der Pubertät unter anderem auch leistungssteigernd in der Schule aus.

In den letzten Jahren wurden weitere Dinge postuliert: Das bessere räumliche Vorstellungsvermögen der Jungen und Männer geht vom Hirn aus, die beiden Hirnhälften sind bei Männern stärker vernetzt (Sandra Witelson). Der Kern im Hypothalamus ist bei Männern doppelt so groß und enthält mehr Zellen (Dick Swaab). Testosteron aktiviert unterschiedliche Regionen im Hirn, was in der Pubertät neben der Ausreifung zum Mann auch bessere Fähigkeiten in den naturwissenschaftliche Fächern zur Folge haben soll. Im Rahmen der Pubertät lösen Bart, dunklere Stimme und die etwas stärkere Neigung zur Gewalt das Verhalten des Duckmäusers ab.


Rollenbilder der Frauen in der islamischen Welt

Üblicherweise wird der Koran hinsichtlich der Entstehung des Menschen so übersetzt und interpretiert, als sei der Mann zuerst (und dann aus ihm die Frau) entstanden. Eine andere Übersetzung lautet:
[ Nach dem Koran wurde der Mensch als Paar erschaffen. Die Schöpfungsgeschichte des Menschen wird folgendermaßen dargestellt: O ihr Menschen. Fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen (nafs) geschaffen hat, aus ihm sein Partnerwesen (zaudsch) geschaffen hat und aus beiden viele Männer und Frauen sich vermehren ließ. (4:1) Aus der koranischen Darstellung geht im Gegensatz zur Bibel nicht hervor, dass der erste Mensch ein Mann gewesen ist und erst danach seine Frau geschaffen wurde. Das Wort nafs (Wesen, Seele) ist grammatisch feminin, bezeichnet aber kein bestimmtes Geschlecht. Das Wort zaudsch, das hier mit Partnerwesen übersetzt wurde, ist grammatisch maskulin, bezeichnet aber ebenso wenig ein bestimmtes Geschlecht. Ginge man nach der Grammatik, hätte Gott also sogar erst ein weibliches und danach ein männliches Wesen erschaffen, aber das ist hier gar nicht die Frage um die es geht. Für den Koran ist es schlicht egal, ob zuerst der Mann oder die Frau da war, denn der Mensch ist von vorneherein als Paar angelegt. ..... Leider ist dieser Umstand vielen Koranübersetzern entgangen, denn sie übersetzen fast alle: „der euch aus einem einzigen Wesen erschuf, und aus ihm erschuf er seine Gattin.“ Hier ist das erste Wesen zu Adam geworden ..... Die Tatsache, dass fast alle Übersetzungen diesen Fehler machen zeigt, wie schwer es für viele Übersetzer ist, sich von dem Vorverständnis, das sie mitbringen, zu lösen: Seit der Bibel wissen wir ja, dass erst der Mann und dann die Frau geschaffen wurde. Hier wird auch die Problematik vieler Koranübersetzungen deutlich, denn jede Übersetzung ist zugleich eine Interpretation, in die der eigene Hintergrund und das jeweilige Vorverständnis mit ein fließt. ...... Was die Erziehung betrifft, gibt es im Koran eine sehr schöne Sura (Luqman), in der beschrieben wird, wie ein Vater seinem Sohn Ratschläge gibt – sich also um seine Erziehung kümmert. Das gleiche gilt auch für Töchter: „Wer eine Tochter hat und sie nicht lebendig begräbt (dies war eine Sitte unter den vorislamischen Arabern), sie nicht verletzt und ihr auch nicht seinen Sohn vorzieht, den wird Allah ins Paradies kommen lassen.“ (Ausspruch des Propheten). Die gute Erziehung der Tochter wird hier als ein Weg zum Paradies empfohlen., Frauen im Islam, http://www.al-sakina.de/inhalt/artikel/frauen_islam/frauen_islam.html]
Damit ist der Koran, wenn man annehmen darf, dass die Bibel nicht von ähnlichen Übersetzungsfehlern durchseucht ist, etwas emanzipierter als die Bibel.

Der Islam beinhaltet den Grundsatz, dass in Glaubensdingen kein Zwang angewandt werden darf. Weiters sollen nach dem Koran Männer und Frauen für die gleiche Arbeit den selben Lohn erhalten. Männern stehen zwar höhere Erbteile, aber auch mehr finanzielle Verpflichtungen zu.

Kopftuch ist im Iran und Saudi-Arabien gesetzlich vorgeschrieben, in der Türkei und Tunesien gesetzlich verboten.

Unter Muslimen gibt es einige Traditionen zu denen Gastfreundschaft oder Respekt vor älteren Menschen zählen. Leider ist auch die Vernachlässigung von Mädchen in der Erziehung traditionell bedingt. Ehrenmorde und Zwangsheirat, ebenfalls nur Tradition, widersprechen dem Islam.


Die obigen und nachstehenden Texte stellen eine Vorlage für einen kurzen Vortrag mit Diskussion im Rahmen einer Gruppenarbeit über Rollenfindung (zur Lehrveranstaltung 901167, Entwicklungspsychologie f. Studierende des Lehramts, Leiterin der Lehrveranstaltung: Dr. Uta Rothmayr ) dar.

Quellennachweis: Literatur und Netzadressen:



Koedukation – für und wider

1975 15. SchOG-Novelle: Koedukation wird an Österreichs Schulen formal eingeführt und damit legitimiert. Die Bereitstellung von gleichen Rahmenbedingungen für beide Geschlechter soll zur Angleichung bei den Chancen auf dem Arbeitsmarkt, bei der politischen Partizipation und in der Gesellschaft führen.

In den 80ern: neue Koedukationsdebatte, Stärkung und Förderung von Mädchen in naturwissenschaftlichen und sozialen Bereichen (Defizite beim Selbstvertrauen) wird verlangt. Zu Beginn der 90er werden Schul- bzw. Unterrichtskonzepte in diese Richtung entwickelt und umgesetzt.

Projekte:

2 Problembereiche ergaben sich aus diesen Projekten: „einseitiges“ Konzept der reinen Mädchenförderung, bei Konfliktsituationen flüchteten die SchülerInnen eher in traditionelles Verhalten.

1995 Unterrichtsprinzip „Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“

Leitsatz: „Geschlecht ist nicht etwas, das wir haben, schon gar nicht etwas, das wir sind. Geschlecht ist etwas, was wir tun.“ (Gitta Mühlen-Achs) Ziel: kritisches Hinterfragen von Machtstrukturen die gesellschaftlich bedingt sind.

Dazu gab es wiederum verschiedene Projekte. Unterschied war jedoch, dass diesmal der ganze Lehrkörper in die Arbeit miteinbezogen wurde > Lehrer konnten für Bubenarbeit motiviert werden. Vorteil: keine Polarisierung.

Projekt bewusste Koedukation

Frage: Was hat es nun mit dem in der Koedukation aufgehobenen Widerspruch zwischen Mädchen und Buben auf sich? Welche Problembereiche werden hier wirksam und wie können wir mit diesen Problemen in für alle Beteiligten möglichst förderlicher Art umgehen? - Stichwort Gendertraining: Mädchen-Bubentage im BG Rahlgasse.

Literatur





Sexualunterricht

Der Sexualunterricht gehört zu den Aufgaben der Schule; er wird dem Unterricht verschiedener Fächer zugeordnet. Ziel des Sexualunterrichts ist es, den Kindern und Jugendlichen das ihrem Alter und ihrer Reife angemessene Wissen zu vermitteln und sie zu verantwortlichen Handeln gegen¨¹ber sich selbst und den anderen in der Familie und Gesellschaft zu befähigen. Der Sexualunterricht darf zu keiner einseitigen Beeinflussung führen. Das Erziehungsrecht der Eltern ist zu berücksichtigen, indem diese vor allem in Elternversammlungen rechtzeitig ¨¹ber Inhalt und Form des Sexualunterrichts informiert werden und ihnen Gelegenheit zur Aussprache gegeben wird.

Sexualerziehung

Sexualerziehung ist noch heute ein Stiefkind im Fächerkanon. Statt fächerübergreifender Sexualerziehung, wie sie im damaligen Beschluss empfohlen wurde, fließt die Aufklärung nur sporadisch in den Biologie-, Sachkunde-, oder Religionsunterricht mit ein.

Andere Fächer sind an der Sexualerziehung so gut wie nicht beteiligt. Und die Fragen, die Kinder und Jugendliche wirklich beschäftigen, wie Liebe, Freundschaft und individuelle Annäherung an Sexualität spielen weiterhin kaum eine Rolle.

Ein verbindlicher Lehrplan für die Sexualerziehung fehlt. Es existieren auch für dieses Fach keine festen Stundenvorgaben, wie sie für jeden anderen Fächerbereich üblich sind.

Überforderte Lehrer

Mangelhafte Qualifizierung, kaum Fortbildungsangebote, wenig gute Arbeitsmaterialien sowie Scheu vor ungewohnten Schülerfragen oder heiklen Bemerkungen sind nur einige Gründe dafür, warum viele Lehrer das Thema ?Sexualit?t¡° in ihrem Unterricht nur bruchstückhaft oder gar nicht behandeln. Häufig wird übersehen, daßdie Sexualerziehung neben den biologischen Aspekten, wie Zeugung, Schwangerschaft und Geburt vor allem aber auch soziale Erziehung bedeutet, das miteinander ?umgehen¡°. Pädagogen fehlt für diese anspruchsvolle Aufgabe die Grundlage: an pädagogischen Hochschulen ist das Ausbildungsfach ?Sexualerziehung¡° ein Stiefkind und Fortbildungen werden nur im geringen Maße geboten.

Schwangerschaften bei Minderjährigen

Immer mehr Mädchen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren werden ungewollt schwanger. Und das, obwohl man annehmen sollte, daßheutzutage jeder alles über Sex weißund dank Talkshows, Spielfilmen, Internet und Zeitschriften. Doch die meisten Jugendlichen sind ganz und gar nicht richtig aufgeklärt. Im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte nimmt Österreich mit 12 Schwangerschaften pro 1.000 weiblichen Teenagern europaweit sogar eine Spitzenposition ein.

Kein Wunder: Laut einer Umfrage der Spezialambulanz ?First Love¡° an der Wiener Rudolfsstiftung (www.firstlove.at) erleben fast 50% aller Jugendlichen ihren ersten Geschlechtsverkehr ungeschützt. Ob Unwissen oder Unsicherheit dahinter steckt, ist schwer zu sagen. Aufklärungsunterricht in der Schule und Jugendmedien von ?Bravo¡° bis ?Mädchen¡° müssen theoretisch jede relevante Information beizeiten vermitteln. Da die Praxis dennoch nachhinkt, liegt es an den Eltern, das Thema nicht nur anzusprechen, sondern im Fall des Falles auch ganz konkrete Hilfeleistung zu geben, - sei es mit einer Terminvereinbarung beim Frauenarzt oder beim Kauf von Kondomen. Die Rechtslage ist in Österreich diesbezüglich eindeutig: Stichtag für die Verordnung von Verhütungsmitteln ist der 14. Geburtstag. Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr dürfen Verhütungsmittel an Mädchen ohne das Einverständnis der Erziehungsberechtigten abgegeben werden. Das gilt auch für die ?Pille danach¡°.

Wann haben Teenager ihre ersten sexuellen Erfahrungen?

In Österreich liegt das Durchschnittsalter der Mädchen beim ersten Geschlechtsverkehr bei 15,3 Jahren. Immerhin machen jedoch 27 Prozent ihre ersten Erfahrungen bereits mit 14 Jahren. Laut einer Umfrage der Spezialambulanz "First Love" an der Wiener Rudolfstiftung praktizieren etwa 50 Prozent der Jugendlichen ungeschützten bzw. unregelmäßig geschützten Geschlechtsverkehr.

Welche Teenager neigen zu einer ungewollten Schwangerschaft?

Mangelhafte Aufklärung und fehlende Möglichkeiten, an Verhütungsmittel zu kommen, sind nicht unbedingt die Hauptursachen für Teenager-Schwangerschaften, das soziale Umfeld spielt hier eine wichtige Rolle. Junge Mädchen aus unteren Sozialschichten werden im Vergleich häufiger schwanger als jugendliche Angehörige der Mittel- bzw. Oberschicht. In diesem Zusammenhang steht auch die Schulbildung, die einen wesentlichen Faktor darstellt. Mädchen mit niedrigerem Bildungsniveau laufen häufiger Gefahr, schwanger zu werden. Auch Scham und Angst vor dem Frauenarztbesuch bzw. die ablehnende Haltung der Eltern gegenüber dem Frauenarztbesuch tragen dazu bei, dass viele Jugendliche Geschlechtsverkehr ohne ausreichende Verhütung praktizieren.

Was sind die Konsequenzen einer Teenager-Schwangerschaft?

Zunächst ist es für die meisten jungen Mädchen ein Schock, festzustellen, dass sie schwanger sind. Dann kommen ängste und Konflikte auf. Sie müssen Entscheidungen treffen, die sie zum Teil gar nicht überblicken können. Der soziale und familiäre Druck führt manchmal zu Kurzschlusshandlungen wie z. B. Abtreibungsversuchen ohne ärztliche Betreuung bzw. Verheimlichung der Schwangerschaft. Im schlimmsten Fall kommt es nach der Geburt zur Weglegung bzw. Tötung des Kindes.

Womit sind junge schwangere Mädchen konfrontiert?

Ein Kind bedeutet für ein junges Mädchen eine enorme Lebensveränderung, ist aber sicher kein Grund, völlig zu verzweifeln!

Es gibt unterschiedliche Standpunkte, wie in einer derartigen Situation verfahren werden sollte. Das ist immer eine individuelle Entscheidung der werdenden Mutter und auch des Vaters. Grundsätzlich sollten auch die Eltern des Mädchens und des Jungen um Rat gefragt werden. Trotzdem bestimmt das schwangere Mädchen die weitere Vorgangsweise. Es kann und darf weder zu einer Abtreibung, noch zum Austragen der Schwangerschaft gezwungen werden. Wichtig ist - sobald man von der Schwangerschaft weiß- zum Arzt zu gehen und eine Beratungsstelle aufzusuchen. Manchmal erleichtern die Gespräche mit dem Arzt bzw. mit den Beratenden in der Folge auch das Geständnis vor den Eltern - falls dieses nicht schon vorher erfolgt ist.

In Russland treibt etwas mehr als die Hälfte der schwangeren Teenager ab, in den USA liegen die Zahlen niedriger (35 Prozent) und in Deutschland sind es ca. 23 Prozent.

Wie könnte eine Teenager-Schwangerschaft verhütet werden?

Als Notfall-Verhütung nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr kommt die "Pille danach" infrage. Es gibt die Möglichkeit, eine hoch dosierte Pille, also ein Kombinationspräparat einzunehmen, oder eine meist besser verträgliche reine Gestagenpille. Letztere gibt es in Österreich und Deutschland mit Rezept in der Apotheke. Es wird darüber diskutiert, dieses Präparat in Schulen zu deponieren, um Teenagern den Zugang zu erleichtern. In Frankreich hatte sich dies bereits durchgesetzt, wurde aber nach Interventionen von Abtreibungsgegnern wieder verboten.

Befürchtungen, dass ein Missbrauch mit der "Pille danach" einsetzen würde, hatten sich nicht bestätigt.

Wie kann einem schwangeren Mädchen geholfen werden?

Im besten Fall erklären sich die Eltern des Mädchens nach dem ersten Schock bereit, das Enkelkind mit zu betreuen. So kann beispielsweise die Schullaufbahn beendet und das Erlernen eines Berufes realisiert werden.

Leider gibt es auch Mädchen, die verstoßen werden, also das Elternhaus verlassen müssen. Generell - und speziell für diese jungen Mütter - gibt es die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen für Familienplanung, kirchliche Stellen etc. zu wenden, welche die entsprechenden Adressen und die Rechtslage kennen. Gemeinsam mit den Beratenden kann das Mädchen Entscheidungen darüber treffen, wie es sich seine Zukunft mit dem Kind vorstellt, ob der Schulbesuch für die Dauer der Schwangerschaft und für die erste Zeit mit dem Kind unterbrochen wird oder nicht.

Die Beratungsstellen kennen die Adressen und Vorraussetzungen z. B. für den Einzug in Wohnheime bzw. die Aufnahme in Schulen für junge Mütter. In solchen Einrichtungen wird das Kind von Sozialarbeiterinnen betreut, während die Mutter den Unterricht besucht.

Wenn die Schwangere dazu bereit ist, das Kind auszutragen, aber nicht offiziell mit dem Jugendamt über eine Adoption reden möchte, besteht für sie die Möglichkeit, das geborene Kind in einem Babynest straffrei abzugeben (z. B. im Wiener Wilhelminen-Spital). Dort wird das Kind sofort versorgt. Die Mutter hat dann Zeit innerhalb einer Frist von acht Wochen zu überlegen, ob sie das Kind behalten will oder zur Adoption freigeben möchte.

Welche Gefahren gibt es während der Schwangerschaft?

Aus gynäkologisch-geburtshilflicher Sicht sind die Schwangerschaften von jungen Mädchen mit erheblichen Risiken verbunden. Besonders Schwangere unter 15 Jahren sind gefährdet.

In diesen Fällen besteht eine Neigung zu Frühgeburtlichkeit, Unterentwicklung in der Gebärmutter und genetischen Veränderungen. Die Sterberate nach der Geburt ist erhöht Auch scheinen schwangerschaftstypische Erkrankungen, wie die Präeklampsie, bei jungen Erstgebärenden zuzunehmen. (Die Präeklampsie ist eine Schwangerschaftserkrankung, bei der die Betroffene einen zu hohen Blutdruck hat und über ihren Harn zu viel Eiweiß ausscheidet. > Krämpfe)

Aids

Pro Tag infizieren sich laut Angaben von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat ein bis zwei Personen in Österreich mit dem HI-Virus. Zwar haben die Patienten dank einer Kombinationstherapie über einen relativ langen Zeitraum eine relativ hohe Lebensqualität, doch die Krankheit ist leider noch immer unheilbar. Der wirksamste Schutz vor Aids sei es, keine wechselnden Sexualkontakte zu haben und wenn man sie doch hat, unbedingt Kondome zu verwenden.

Insgesamt sind laut Gesundheitsministerium in Österreich 6.000 Menschen mit HIV infiziert, davon sind 2.000 manifest erkrankt. 1.000 Personen weisen das Vollbild Aids auf. Seit 1983, dem Beginn der Aids-Statistik, sind in Österreich 1.357 Menschen an der Immunschwäche gestorben. Davon waren 1.110 Männer und 247 Frauen.

In den späten 80ern bis 1993 hat es hohe Steigerungsreiten bei Aids-Todesfällen gegeben. Den Höhepunkt gab es 1993 mit 174 Toten, danach sank die Rate wieder. Im Jahr 2000 starben noch 27 Menschen in Österreich an Aids, 2001 waren es 17, 2002 erlagen 13 Personen der Krankheit und 2003 starben 12. 2004 starb bis 13. Juli (soweit geht die Studie) kein einziger Aids-Toter. Zudem ist ein ziemlich klares West-Ost- Gefälle und eine Häufung der Todesfälle in Ballungsräumen zu verzeichnen.









































































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