THOMAS ANTON GOBOLD                    Wien, November 2004
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Prüfungsangst

1. Evolution und Angst
In der Evolution des Lebens setzte sich unter anderem diese Verhaltensform durch und blieb vielen komplexeren Lebensformen bis heute erhalten. In diesem Sinne ist die Angst eine lebensnotwendige Reaktion auf Gefahr und Bedrohung. Das Lebewesen kann im Rahmen der Angst die Situation einschätzen und mit Angriff oder Flucht reagieren.

2. Biochemische Vorgänge bei der Angst
Der "Symphatikus des vegetativen Nervensystems bewirkt im Nebennierenmark die Produktion von Adrenalin und Noradrenalin, sodass schließlich reichlich Sauerstoff und Glucose bereitgestellt sowie für eine intensivere Atmung und Durchblutung gesorgt wird. Die Nebennierenrinde produziert für den Blutkreislauf Cortisol und ein adrenocorticotropes Hormon (das "ACTH", ein Polypeptid bestehend aus 39 Aminosäuren). Schließlich stehen eine Reihe von Stoffen zur Verfügung, die rasch die notwendige Energie für die nötige Bewegung der Muskulatur des Körpers freisetzen. Zur gleichen Zeit wird dem Hirn Sauerstoff entzogen.

Geschieht diese Abfolge von Reaktionsmechanismen einem Schüler, der im Rahmen des Unterrichts meist eine passive Rolle einnimmt, so stehen diesem Schüler als Verhaltensform anstatt Angriff oder Flucht zumeist nur "Stillsitzen, Kühlen Kopf bewahren" zur Verfügung. Es ist leicht einzusehen, dass das unter den vorhin geschilderten Umständen recht schwierig ist. Erschwerend kommt noch der klassische Bewegungsmangel im Rahmen der Zivilisation und der Gesellschaftsstruktur in einer Großstadt dazu.

3. Definition der Angst
......eine mögliche Definition sei: " Die Prüfungsangst ist ein psychischer Belastungszustand vor und während Prüfungen und ähnlichen Kontrollsituationen. Die Prüfungsangst ist gekennzeichnet durch psychosomatische Störungen (Freisetzung von Streßhormonen, Schlafstörungen, Muskelzuckungen, Schweißausbruch u.a.) und psychische Beeinträchtigungen (z.B. Konzentrationsschwäche, Gedankenblock). Sie kann sowohl intern wie extern durch beängstigende Prüfungsbedingungen (u.a. willkürliche Themenwahl, Machtausübung des Prüfers) sowie durch neurotische Reaktionen (z.B. Paniksyndrom, Selbstkontrollverlust) verursacht sein. Als therapeutische Maßnahme ist meist eine Verhaltenstherapie indiziert. " [ http://www.john-brinckman-apotheke.de/medizin/pruefungsangst.shtml ]

4. Modelle der Vorgänge bei Prüfungsangst

Drive-Modell (IOWA-Theorie, Spence und Taylor, 1951). Bei diesem Modell wird Angst bzw. die Angstemotiom als erworbener Antrieb (engl. drive), D, sowie die Habitstärke H(die Tendenz auf einen vorgegebenen Reiz zu reagieren) betrachtet. Das Evotionspotential E sei dann das Produkt der beiden Faktoren D und H.
E=H*D
Daraus folgern wir, dass (unter geeigneten Voraussetzungen) Lern- und Problemlösungen unter Angst (also bei hohem D) rascher ablaufen, ein gewünschtes Verhalten ist bei Ängstlichen schneller konditionierbar und extinktionssicherer. Allerdings ist diese Auffassung auf schwierigere Aufgaben nicht übertragbar. Mehrere mögliche Reaktionen auf einen Reiz zerstören das Konzept.
Daraus folgern wir für den Schulbetrieb, dass bei komplexeren Aufgabenstellungen Angst leistungsmindernd wirkt.

YALE-Theorie (Habit-Interferenzmodell, Mandler, Sarason, 1952). D, H und E seien die selben Größen wie beim drive-Modell. Es gelte E=H*D. Dann können zwei durch unterschiedliche H-Ausprägungen aktivierte D-Typen zu Interferenzen führen. Bei diesem Modell werden zwei Antriebsarten unterschieden:
Aufgabenbezogene Energie (task-drive): Starke Reize, die die Aufgabenstellung hervorruft, verlangen nach einer schnellen Lösung der Aufgabe. Dieser Antrieb wird mit zunehmender Aufgabenbewältigung reduziert.
Angstreaktion (anxiety drive): Hier betrachtet man einerseits Angstreaktionen, die sich auf die Lösung beziehen und das Individuum veranlassen, rasch zu lösen, sodass, diese Angst verschwindet. Andererseits kommen noch aufgabenirrelevante Angstreaktionen (Hilflosigkeit, Minderwertigkeit...) ins Spiel, welche die Aufgabenlösung erschweren. Funktion der Angstreaktion ist es, die Angst zu reduzieren. Bei leichteren Aufgaben überwiegen auch hier die aufgabenrelevanten Angstreaktionen, die Aufgabe wird rascher bewältigt.

5. Ursachen für Prüfungsangst
Risikofaktoren: Neigung zum Perfektionismus, Fehleinschätzung der Wichtigkeit dieser Prüfung....
Entstehen von Prüfungsangst: Es genügt bereits eine einmalige traumatische Situation.
Ursachen für Prüfungsangst im eigentlichen Sinne: Angst vor Überforderung, Angst vor der Reaktion der Eltern, der Mitschüler oder des Lehrers, Angst wegen falscher Vorbereitung....
Nach erfolgter Ursache kann eine Erwartungshaltung hinzu kommen, sodass sich Prüfungsangst und Schulangst verfestigen und intensivieren.



Die obigen Texte stellen eine Vorlage für einen kurzen Vortrag mit Diskussion im Rahmen einer Gruppenarbeit über Prüfungsangst (zur Lehrveranstaltung 901162 Pädagogische Psychologie: Psychologie in Unterricht und Erziehung II, Leiterin der Lehrveranstaltung: Dr. Uta Rothmayr ) dar.

Literatur:
Schule ohne Angst ? (Richard Olechowski, eine empirische Interventionsstudie zur Verminderung der Schulangst. Unter Mitarb. von Herbert Altrichter ... . - Wien [u.a.] Jugend und Volk, 1983)
Netzsadressen:
http://www.john-brinckman-apotheke.de/medizin/pruefungsangst.shtml
http://www.ulrike-meiss.de/prfa_urs.htm#entstehung
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_782.html








































































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