Lateinisch draco, Französisch Dragon, ist eine ungeheure
grosse Schlange, die sich in abgelegenen Wüsteneyen, Bergen und
Stein=Klüfften aufzuhalten pfleget, und Menschen und Vieh
grossen Schaden zufüget. Man findet ihrer vielerley Gestalten
und Arten; denn etliche sind geflügelt, andere nicht; etliche
haben zwey, andere vier Füsse, Kopff und Schwantz aber ist
Schlangen=Art. Einige Naturkündiger halten davor, es sey eine
unordentliche Missgeburt, welche durch Vermischung allerley
Saamen von erwürgten Thieren, da ein jedes etwas von seinem
Geschlechte an einem solchen scheußlichen Thier hervor bringet,
gezeuget werde. Man glaubt auch, daß ein solcher Ort, wo sich
Drachen aufhalten, reich von Golde, Silber und anderen Ertze sey,
und dahero diese Thiere sich von denen gifftigen schwefflichten
Dünsten nähren, und so selbst gifftig werden.
[...]
Drachen=Bilder auf denen Kleidern, Haussrath, an denen Wänden
und Dächern des Hausses, gemahlet oder gesticket zu führen, ist
in China dem Kayser allein, und seinen nähesten Anverwandten
vorbehalten, allen andern aber, bey Straffe der beleidigten
Majestät verboten.
ist ein feuriges Lufft=Zeichen in der Gestalt eines Drachens,
welches wie andere dergleichen feurige Meteora erzeuget wird.
Alle diese entstehen von denen Ausdünstungen von verschiedener
Art, welche, nachdem sie leicht verbrennlich sind, sich jähling
entzünden, und einen Blitz formiren. Woferne aber nicht genug
verbrennliche Materie zu einer jählingen Deflagration vorhanden,
sondern noch andere Dünste concurriren, so die Deflagration
aufhalten, so entstehet dadurch eine langsam brennende oder
vielmehr leuchtende Materie, deren Schein wir in der Lufft
wahrnehmen. Gleichwie nun dergleichen Dämpffe eine ungefehre
Figur in der Lufft zusammen formiren, so entstehen auch
verschiedene Erscheinungen von dergleichen Meteoris, als
Stern=Schnuppen, springende Ziegen, flügende Drachen und so
ferner, als welchen man dergleichen Namen um deßwillen
beygeleget, weil sie nach der Einbildung derer Menschen die Figur
von dergleichen Sachen gehabt haben sollen. Und so ist es auch
mit dem Drachen beschaffen. Der gemeine Mann hält ihn aus
Aberglauben vor einen dienstbaren Geist derer Zauberer, der ihnen
allerhand Vorrath zutragen soll.

ist ein kenntliches Gestirne in dem Nordischen Theile des
Himmels in der Gestalt eines Drachens, dessen Kopff sich über
dem Hercule und der Leyer befindet, hernachmahls sich gegen den
Cepheum extendiret, und endlich seinen Schwantz zwischen beyde
Bären hindurch bieget.
[...]
Vom Ursprunge dieses Gestirns geben die Poeten vor, daß dieser
Drache die goldnen Aepfel derer Hesperidum bewachet, von dem
Hercule aber getödtet, und darauf von der Junone in den Himmel
versetzet worden sey. Andere hingegen dichten, daß die Riesen,
als sie mit der Minerva gestritten, ihr diesen Drachen auf den
Halss gehetzet; welchen sie aber ergriffen und an den Himmel
geschleudert. Sonst wird dieses Gestirne noch Serpens, Anguis,
Palmes emeritus, Coluber arborem conscendens, Python, Hesperidum
custos, Monstrum und von Arabern Eltanin genennet. Schickard
macht daraus den höllischen Drachen, mit welchem der Engel
Michael gestritten Apoc XII,39. Schiller in Caelo stellato die
unschuldigen Kinder, welche Herodes getödtet; und Wiegel in
Caelo Heraldico Moscowitische Wapen; wozu er aber noch den
Schwantz des kleinen Bärens genommen hat.
Lateinisch Sanguis Draconis, Offic. Matth. C.B.J.B.
Draconthema, Lacryma Draconis, Cinnabaris vegetabilis seu Indica
& Cinnabrum, Französisch Sang-Dragon, ist ein zusammen
geronnenes, trockenes, dunckel=rothes Hartz, welches an Feuer
gleich schmeltzet und sich entflammet, sich gar leicht zerreiben
lässet, auch durch das Reiben eine Blut=rothe Farbe von sich
giebt, und einen hartzichten und anhaltenden Geschmack hat: Es
kommt meistens aus West=Indien von der Insel Socotera, Madagscar
und anderer Canarien=Inseln; wiewohl in Ost=Indien dessen auch
viel zu finden ist. Es soll dieser Safft nach der gemeinsten
Meynung aus dem so genannten Drachen=Baume, Draconearbore
flüssen, welcher so genennet wird, weil in der Frucht von der
Natur die Figur eines Drachen, so wie denselbigen die Mahler
abzumahlen pflegen, mit aufgesperrtem oder offenem Rachen, einem
etwas langen Halse, der Rückgrad mit Stacheln besetzet, mit
einem langen Schwantze, und die Füsse mit Klauen wohl bewaffnet,
abgebildet seyn soll ...
[...]
Den Nutzen und Gebrauch des Drachen=Blutes anlangend, so ist
dasselbe von denen Alten sehr gebraucht und vor den rechten
Zinnober des Dioscoridis gehalten worden. Das wahre und
aufrichtige Drachen=Blut führet viel Oel und auch ein wenig Sal
essentiale, muß eine kühlende, trucknende, zusammenziehende,
zurücktreibende, Fleisch=machende und heilende Krafft haben:
dahero es zu allerhand Blut=Flüssen derer Weiber, Durchlauff,
rothe Ruhr, Blutspeyen, Nasenbluten, (auch äusserlich auf das
Haupt geleget) göldenen Ader=Fluß, mit gutem Nutzen in denen
stoffenden Pulvern zu gebrauchen ist. Aeusserlich frische Wunden
heilen und dererselben Bluten stillen, allerley um sich
fressende, flüssende Geschwüüre trucknen; auf den Nabel
gelegt, die Durchläuffe, auf den Magen aber adpliciret, das
Erbrechen heben, wie Schroeder und andere bezeugen. Weil aber
solche Eigenschafften an unserem Drachen=Blut schwerlich zu
finden sind, und also um deswegen selbiges verdächtig scheinet;
so brauchet Ettmüller an dessen Stelle das Extractum der
Tormentill=Wurtzel, welches fast einerley Farbe und Consistentz
haben soll. Doch werden zuweilen die Zahn=Pulver noch damit
gefärbet; wie denn auch die rothen Höltzlein, welche als
Zahnstocher gebrauchet, und der Compagnie aus Indien unter dem
Namen Bois de Pelile gebracht werden, in dieses Gummi
eingetuncket werden. Sonst wird das Drachen=Blut sehr zu der
Mahlerey genutzet, und deswegen in Nürnberg, allwo gar schöne
und fast unvergleichliche Künste und Farben damit getrieben
werden, jährlich eine große Mange davon verthan. Absonderlich
aber braucht man dasselbe zu der so genannten Lack=Kunst. Nicht
weniger haben es auch die Glas=Mahler nöthig, indem es dem Glass
eine schöne und Bluth=rothe Farbe giebt.
Selbigen beschreibet Adam Lonicer in seinem Kräuter=Buch p.730 also: Draconites ist ein Stein, so aus des Drachen=Haupt genommen wird, und aus Orient kömmt, da grosse Drachen sind. Seine Krafft ist mächtig, wenn man ihn aus dem noch lebenden Drachen nimmt. Darum so stellen sie dem schlaffenden Drachen nach, hauen ihm den Kopf auf, weil er noch lebet, und nehmen den Stein heraus. Was aber von diesem köstlichen, Gifft=widerstehnden Drachen=Steine, sonderlich von dem, den ein Bauer in Schweitzer=Land gefunden, als ein Drache bey ihm hingeflogen, und ein Theil Blut herabgesprützet, in welchem er diesen Stein liegend gefunden, geglaubet wird, solcher erzehlet Scheuchzer in dene Natur=Geschichten Schweitzer=Landes im II Theil, ad an. 1706, no. 29 seqq. p. 113 sequ. In Nieder=Sachsen nennet der gemeine Mann die Cornua Hammonis auch Drachen=Steine. Der alte Marfilius Ficinus hielte die Stern=Steine vor einen Drachen=Stein, weil ihm ein Landfahrer vorgeschwatzet hatte, es werde dieser Stein in Indien denen Drachen aus dem Kopffe genommen.
wird bey denen Chymisten offt für das Quecksilber genommen.
sonst auch Viva, Holländisch Pietermann, Frantzösisch Dragon de mer oder Vive, Teutsch See=Drache, Meer=Drache, Drachen=Fisch genannt. Ein Ungeheuer, so einer Schlange gleichet, sehr gross wird, und im Wasser überaus schnell daher schüsset. Es tödtet mit seinem Biss alles, was es verletzet. Wenn er mit einem Netz berücket, an das Ufer gezogen wird, suchet er sich mit seiner spitzigen Schnautze bald in den Sand einzugraben. Es giebt seiner zwey Arten, grosse und kleine; der grosse aber wird niemahls gebracht. Auf seinem Rücken ist dieser Fisch mit einem Hauffen kleiner Beine oder Gr&auuml;ten bewaffnet, welche spitzig, scharff und gifftig sind, und womit er sich denen Fischern zu widersetzen pfleget. Die Wunden, die er macht, wenn er noch lebendig ist, sind gefährlich: denn das verletzte Theil läufft davon auf, entzündet sich, fänget an zu schmertzen, und entstehet ein Fieber. Die Köche stechen sich gar offt darein, wenn sie sich nicht wohl vorsehen. Ob auch gleich das todte Thier vom Giffte reine ist, so behält dennoch nichts desto weniger der Stachel einen Theil Gifft, und der Stich verursachet beschwerliche Zufälle, fast eben solche, als wenn das Thier noch am Leben wäre. Die gefährlichste Gräte ist diejenige, welche zunächst an des Fisches Ohren sitzet. Die Mittel dagegen sind, daß man geschwinde Branntwein darauf lege, oder unter einander gestossene Zwiebeln und Saltz, damit sich die Schweiss=Löcher öffnen mögen, und das Gifft zertheilet werde. Die Leber und das Gehirn von diesem Fische selbst sollen aufgelegt den Schaden heilen. Wenn das Gehirn von diesem Fische zu Asche gebrennt worden, soll es wider allerhand Gifft sehr dienlich seyn: allein es würde vielleicht besser thun, wenn man es einnähme, nachdem es aus dem Kopffe gezogen und noch unverbrannt ist, angesehen das Feuer die flüchtigen Theilgen hinweg nimmt, die doch das meiste thun müssen.
die Römer pflegten nach Trajani Zeiten von Tuch oder Leinwand Drachen zu machen, und auf Stangen zu stecken, welche sie im Kriege an Statt derer Fahnen gebrauchten. Wenn nun der Wind sie aufbließ, so liess es von fern gar entsetzlich, zumahl weil in ieder Cohorte einer war, welches eine grosse Anzahl zusammen machte. Sie haben aber dieses von denen Assyriern, Scythen und Indianern abgesehen, und es habens ihnen nach der Zeit die Engländer und andere Nationen nachgethan. Derjenige Fähndrich, der so einen Drachen trug, hieß Draconarius.
Aus Vollmers Wörterbuch der Mythologie
ein fabelhaftes Thier, in sofern man es sich denkt, als aus Bestandtheilen verschiedener anderer Thiere zusammengesetzt; so malt man die Drachen gewöhnlich als ungeheure Schlangen mit Crocodilsrachen, zwei ungeheuren Löwen- oder auch Vogel-Füssen (Adlerklauen), mächtigen Fledermausflügeln und einem stachligen Kamm, ähnlich der Rückenflosse mancher grösserer Fische, welche zu einer förmlichen Schutzwaffe gegen Raubfische wird. entkleidet man das Unthier von diesem Schmuck der Einbildungskraft, so bleibt eine grosse Schlange, vielleicht ein Crocodil übrig, und da sind dann die Beschreibungen von der Grösse der Lindwürmer und der Drachen überhaupt nicht so übertrieben, dass die Natur sie nicht erreichen sollte. Diese Umstände in Betracht gezogen, möchte es wohl Drachen gegeben haben können, wie Vergil deren zwei beschreibt, die Laocoon und seine Söhne tödteten, und wie mehrere derselben in den alten Heldensagen vorkommen. Mythologisch merkwürdig sind besonders: der lernäische Drache, welchen Hercules tödtete, und der mehrere Köpfe hatte, von denen einer unsterblich war. Ein zweiter, auch von Hercules getödtet, war der hesperische, welcher hundert Köpfe hatte und nie schlief, wesshalb er zum Wächter der Hesperiden-Gärten bestellt war. Ein dritter war der castalische Drache, Python, der aus dem Schlamme der deukalionischen Fluth erwuchs; er bewachte das Orakel der Themis am castalischen Quell (Parnassus-Gebirge), bis Apollo ihn tödtete; ein vierter war der colchische Drache, ein Sohn des Typhon und der Echnida; er ward dem Aeetes, König von Colchis, von Mars geschenkt, damit er das goldene Vliess bewache. Medea tödtete ihn und machte es so dem Iason möglich, die gewünschte Siegesbeute zu erlangen. - Biblisch hat das Wort eine etwas veränderte Bedeutung, es ist mehr symbolisch, bezeichnet überhaupt den Inbegriff aller Abscheulichkeit, wohl auch den Teufel selbst. Der Drache zu Babel ist ein eigenes Gebild, von welchem der Prophet Daniel erzählt, doch ist schwer zu enträthseln, von welcher Art er gewesen sei.
Quellen:
VOLLMER (1874): Wörterbuch der Mythologie. 3. Aufl., LXX & 456 S., Stuttgart (Hoffmann'sche Verlagsbuchhandlung). - 7. Reprint 1990, Zentralantiquariat der DDR, Reprintverlag Leipzig; Ausgabe für Fourier Verlag, Wiesbaden.
ZEDLER, J.H. (1734): Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste. - vol. 7, col. 1374 ff., Halle und Leipzig (Joh. Heinrich Zedler). - Reprint 1961 Graz (Akad. Druck- u. Verlagsanstalt).