[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]

L-I: Re: How it is done: Taking over the Trepca mines - Plans and Propaganda



[email protected] quoted:
> How it is done -
> TAKING OVER THE TREPCA MINES: PLANS AND PROPAGANDA
> by Diana Johnstone (2-28-00)
I would like to post here an article by German journalist Max Brym. Max is
spokesperson for the Communist Platform at the PDS in Bavaria. Unfortunately
the article is in German, but I will try to report about the working-class
resistance against the lockout and the occupation by NATO troops.
Johannes

Das Labyrinth von Trepca

Von Max Brym

Trepca ist ein Industrie-Komplex, der bis 1989 23.000 Menschen besch�ftigte.
Am 8. Juli 1998 schrieb die New York Times �ber den Reichtum von Trepca:
"Der weitauseinandergezogene Trepca Bergbaukomplex ist das wertvollste St�ck
Grund und Boden auf dem Balkan und hat einen Wert von mindestens 5
Milliarden US $." Der Direktor der Mine Bjielic meinte in der New York
Times: "Das ist Serbiens Kuwait, das Herz von Kosovo." Trepca verf�gt �ber
17 Milliarden Tonnen Kohlereserven. Es ist die reichste Blei- und Zinkmine
in Europa. Die Kapazit�ten der Blei- und Zinkraffinerien sind die
drittst�rksten der Welt. Zu Trepca geh�ren 17 metallverarbeitende Betriebe.
Darunter die gr��te Batteriefabrik von Rest-Jugoslawien. Bekannt ist auch
eine Hydriergesellschaft, die qualitativ hochstehenden Schwefelwasserstoff
produziert. In Jahr 1988 wies Jugoslawien eine offizielle Inflationsrate von
1000% auf (gesch�tzt sogar 2000%). In diesem Jahr wurde Jugoslawien als das
Land mit der h�chsten offiziellen Streikdichte weltweit aufgef�hrt. Die
soziale Krise, verursacht durch die Diktate des IWF, l�ste unter dem Motto
"gegen die roten Bonzen - f�r unsere Rechte" massiven Arbeiterwiderstand
aus. Zu dieser Zeit regierte in Serbien bereits ein Politiker mit Namen
Slobodan Milosevic, der alles daran setze, den multinationalen
Arbeiterwiderstand zu berechen. Um das zu schaffen, zog er die rassistische
gro�serbische Karte. Diese wurde in Serbien medial und literarisch gesch�rt
und verbreitet. Zu nennen ist das Memorandum der serbischen Akademie der
Wissenschaften vom Herbst 1986. In ihm wird der "Genozid" an den Serben im
Kosovo behauptet. Argumentativ bezog man sich dabei nur auf die hohe
albanische Geburtenrate. Das Memorandum schlug eine �nderung der
gesamt-jugoslawischen Verfassung vor, weil in Gesamt-Jugoslawien angeblich
die Serben benachteiligt w�rden. Auch Geschichtsrevisionismus kam vor, indem
man die Komintern-Politik der 20er Jahre f�r das "Ungl�ck" der Serben
verantwortlich machte. Ab dem Jahr 1987 lief in der serbischen Presse eine
rassistische anti-albanische Kampagne mit Stichworten wie "Albaner sind
arbeitsscheu und polygam". Zudem wurde behauptet, Albaner w�rden prinzipiell
serbische Frauen vergewaltigen. Kassenschlager auf dem Literaturmarkt war
ein fast 500 Seiten starkes Buch mit dem Titel "Der Fall Martinovic". In ihm
wurde ein ganzes Volk - die Albaner - rassistisch angeprangert. Als sich der
alte albanische Titoist Fadil Hoxha (Mitglied des jugoslaw.
Staatspr�sidiums) gegen diesen Rassismus aussprach, wurde er im Herbst 1987
gest�rzt und unter F�hrung von Milosevic fanden ab diesem Zeitpunkt
Massendemonstrationen statt unter den Slogans "Fadil Hoxha an den Galgen",
"Azem Vlassi (Parteichef des BDKJ in Kosovo) raus aus Jugoslawien". St�ndig
wurde die Aufhebung der Autonomie angedroht und gefordert.

Im Jahr 1988 richtete Milosevic eine Kommission Wirtschaftsreform beim
Pr�sidium Serbiens ein. Diese Kommission hatte das Ziel, die Wirtschaft
Serbiens zu privatisieren. Alle Milosevic-Reden, die sich zuf�lligerweise
nicht mit dem Kosovo befassten, wandten sich damals an die Arbeiter. In
ihnen forderte Milosevic die Arbeiter auf, sich von der "primitiven Angst
vor Ausbeutung zu befreien". Im Fr�hjahr 1989 wurde die serbische Wirtschaft
zu 100 % zur Privatisierung freigegeben. Die westliche Wirtschaftspresse
sprach sich damals sehr lobend �ber den "Privatisierer Slobo" aus.

Zur selben Zeit wurde die Autonomie des Kosova gewaltsam aufgehoben.
Zwischen den beiden Dingen besteht ein untrennbarer Zusammenhang. Die
Arbeiter von Trepca streikten im Oktober 1988 gegen die Absetzung von Azem
Vlassi als Parteichef des Kosovo und f�r ihre nationalen Rechte und gegen
die angedrohte Privatisierung. Im Februar 1989 traten ca. 1000 Kumpels unter
der Erde in einen mehrw�chigen Hungerstreik. Die Streiks waren gepr�gt von
roten Fahnen und Tito-Bildern. Auch die albanischen Arbeiter glaubten damals
noch an Jugoslawien. Wohingegen Slobodan Milosevic im Jahr 1988 von Dobrica
Cosic (Verfasser des Momorandums der serbischen Akademie der Wissenschaften;
1968 aus dem Pr�sidium des BDKJ wegen serbischem Nationalismus
ausgeschlossen) gelobt wurde, weil er das serbische Volk vom Titoismus
"befreit" habe. Der Streik der Bergarbeiter von Trepca wurde im Februar/
M�rz 1989 gewaltsam niedergeschlagen. Offiziell gab es 29 Tote. Die n�chste
gro�e Streikwelle gab es im Fr�hjahr 1990 �berall in Kosova gegen die
endg�ltige Aufhebung der Autonomie. Auch diese Streiks wurden gewaltsam
beendet und alle albanischen Arbeiter aus Trepca entlassen. Hunderte
wanderten in die Gef�ngnisse des Regimes. Am 28. Juli 1990 beschlo� das
serbische Parlament ein spezielles Arbeitsgesetz f�r Kosovo. In ihm ist
folgendes enthalten. Ein generelles Streikverbot f�r Kosovo; die noch
verbliebenen Arbeiter in Kosovo mu�ten eine Loyalit�tserkl�rung f�r den
serbischen Staat unterschreiben; Albanisch wurde am Arbeitsplatz als
Umgangssprache verboten; die eingesetzten serbischen Direktoren in allen
Fabriken mu�ten laut Gesetz den Arbeitern die Arztbesuche genehmigen,
genehmigt wurden dabei nur serbische �rzte. Bis 1996 hat man mit diesen
Methoden 145.000 gelernte albanische Arbeiter aus den Industriebetrieben
entlassen. Bei Gesetzesverst��en hatten sie keinen Anspruch auf
Arbeitslosengeld und verloren die Werkswohnung. Ab 1996 konnte man
feststellen, es gibt in der Industrie in Kosova keine gelernten albanischen
Arbeiter mehr, sondern nur noch einige schlechtbezahlte Hilfsjobs. Industrie
und Staat wurden v�llig serbifiziert.

Privatisierung a la Slobo - das Labyrinth von Trepca

Die oben erw�hnte Privatisierung der jugoslawischen Gesamtindustrie hatte
einige Besonderheiten aufzuweisen. Zuerst wurde die sogenannte
"Arbeiterselbstverwaltung" beseitigt und die Betreibe verstaatlicht, um den
Arbeitern jegliche Einflu�m�glichkeiten zu nehmen. Dann wurden die nicht
sofort zu privatisierenden Betriebe, die inzwischen offiziell Staatseigentum
waren de facto in AGs umgewandelt, in denen die Besch�ftigten Anteile
erhielten. Es gibt heute offiziell 660.000 Anteilsscheine an den noch nicht
offiziell privatisierten Betrieben. (1994 waren nach Angaben des
alternativen Informationszentrums Mreza die H�lfte der Betriebe
privatisiert. Rest-Jugoslawien hat den h�chsten Privatisierungsgrad von
allen ehemaligen Republiken des alten Jugoslawiens). In Wahrheit sind die
Hauptanteilseigner einige Hundert Manager, die die Masse des Verm�gens in
den Staatlichen AGs in ihren H�nden konzentrieren. Diese Leute geh�ren
entweder der Sozialistischen Partei an, oder der Partei der Reichen Leute,
der sogenannten Jugoslawischen Linken. Die staatlichen AGs werden als
Ausbeutungsbasis benutzt, um Privatkapital zu akkumulieren. So besitzt der
Sohn von Slobodan Milosevic privat s�mtliche zollfreien L�den an den
Flugh�fen und Grenzen. Der ehemalige jugoslawische Vizepremier Radulovic
(Sozialist. Partei) verf�gt privat �ber die zweitgr��te Einzelhandelskette
des Landes. Da er wichtige Funktionen in der Staatsindustrie inne hatte,
bezichtigten ihn die Arbeiter des Diebstahls von 372 Millionen US-$, mit
denen er die Einzelhandelskette erwarb. Der ehemalige Vorsitzende der
jugoslawischen Linken, Todorovic, bis 1997 Direktor der staatliche �lfirmen,
galt als der reichste Mann Jugoslawiens, der privat die T&M
Handelsgesellschaft besa�. Im Oktober 1997 kam er allerdings gewaltsam ums
Leben, was in solchen Kreisen des �fteren geschieht.

Wie behandelt die jugoslawische Mafia-Bourgeoisie Trepca

Ab 1990 wurde die griechische AG Mytilinos auf dem griechischen Mark
Marktf�hrer mit Zink- und Blei, ab Mitte der 90 er Jahre auf dem gesamten
Balkan. Denn seit 1990 gab es eine Kooperation mit der Mine von Trepca. Im
Dezember 1995 investierte dieses griechische Kapital 50 Mio US-$ als
Anteilseigner an dem Komplex. Im November 1997, nachdem die jugoslawische
Regierung neuerlich 75 Firmen zur Privatisierung ausschrieb, investierte die
Mytilinos AG nach eigenen Angaben 519 Mio US-$ f�r den Handel mit
Trepca-Mineralien auf 7 Jahre. Der griechische Gro�konzern steckt stark im
Jugoslawischen Investmenthandel und verf�gt �ber 30% Anteile an der
Vecic-Bank. Zudem ist der Konzern seit 1997 Miteigent�mer an der
jugoslawischen Telekom, die zur H�lfte privatisiert wurde. Jetzt behauptet
der griechische Konzern, da� ihm Trepca geh�re. Auch der franz�sische
Konzern SCMM beansprucht f�r sich einen Anteil von 2,8% an Trepca. Gegen�ber
der UN-Verwaltung des Kosova treten jetzt mehrere Gesellschaften als
Privateigent�mer von Trepca auf: Die Mytilinos AG, SCMM, die Jugo-Bank und
ein Herr Branoslaw Milanovic (nach Angaben aus der Presse Mitglied der Soz.
Partei). Die UNO-Protektoratsverwaltung akzeptiert nat�rlich das
Privateigentum an Produktionsmitteln, nur haben die Herrschaften
Schwierigkeiten, den wirklichen Eigent�mer herauszufinden. Einig ist sich
die NATO-Besatzung und die jugoslawische Regierung, da� Trepca auf keine
Fall den Arbeitern geh�rt. Das sieht wie man dem Gewerkschafteraufruf
entnehmen kann, die Gewerkschaft Trepca als Interessenvertretung der
ehemaligen Belegschaft v�llig anders. Sie betrachten den Komplex als
Arbeitereigentum und jeden privaten Anspruch als nichtig. Jetzt sind Teile
der Belegschaft, nachdem franz�sischen Besatzungssoldaten die jahrelange
Aussperrung durch das serbische Regime �ber Monate fortsetzen, seit Mitte
Dezember 1999 in einem Teil eines Bergwerkes zugelassen worden, um die Minen
vom Absaufen zu retten. Bezahlt wird nichts, denn die "Eigent�mer" erkl�ren,
sie h�tten keine Arbeitsvertr�ge mit den Bergleuten. Folglich bezahlen sie
nichts und die UN genauso wenig.

Die Bergarbeitergewerkschaft erkl�rt: "Wir gehen aus Trepca nicht fort. Es
geh�rt uns." Diese origin�re Arbeiterposition bedarf unserer Unterst�tzung.

In wieweit die Minenarbeitergewerkschaft die Unabh�ngigkeit des Kosova
fordert, hat uns zu interessieren. Dar�ber haben sie allerdings selber zu
entscheiden. Es darf keinem "Metropolensozialisten" einfallen, ihnen die
Unterst�tzung zu versagen, weil er an seinem warmen Schreibtisch die
territoriale Integrit�t Jugoslawiens verteidigt. In ihrem Aufruf um
Solidarit�t spielt die Frage der nationalen Unabh�ngigkeit allerdings keine
Rolle. Hier geht es um die prim�ren gewerkschaftlichen Forderungen nach
einem Arbeitsplatz, nach L�hnen, nach Arbeiterdemokratie und um die Frage
"Arbeit gegen Kapital". F�r die Gewerkschaft Trepca, die neben Albanern auch
einige serbische Mitglieder hat, ist der Gegner kein Mensch anderer
Nationalit�t, sondern das Kapital. Denn der Privatkapitalismus wird von den
NATO/UNO-Besatzern ebenso hochgehalten, wie von Rest-Jugoslawien.

Quellen:

Zahlen aus: International Crisis Group: Balkans Report No 82: Trepca: Making
Sense of the Labyrinth. Washington-Pristine/Pristina 26.November 1999.

Kosova Press





     --- from list [email protected] ---


Hosted by www.Geocities.ws

1