Als Wohntürme dominierten Hochhäuser bereits im 13. und 14. Jahrhundert
die
Stadtsilhouetten Mittelitaliens (Bologna, Florenz, San Gimignano);
mittelalterliche „Hochhäuser" sind aber auch in Frankreich und
Deutschland (Regensburg) anzutreffen.
In die Höhe zu bauen, war in früheren Jahrhunderten ein
Privileg des städtischen Patriziats und des stadtansässigen
Adels.
Charakteristisch für die Städte des Jemen sind bis heute die traditionellen Lehmhochhäuser.
Hochhäuser prägen heute vor allem in Deutschland (neben der
„Hochhausstadt" Frankfurt/Main)
und Frankreich in erster Linie die Neubausiedlungen an den Rändern
der städtischen Ballungsgebiete
(als so genannte Trabantenstädte oder französisch: Banlieus),
wobei die verdichtete Bauweise solcher vor allem in den sechziger und
siebziger Jahren entstandenen
„Wohnmaschinen" zum Teil zu schwer beherrschbaren sozialen Problemen
und Ghettobildungen geführt hat.
Einen schlechten Ruf genießen auch die (zudem mit mangelhaftem
Baumaterial eilig hochgezogenen)
„Plattenbauten" der ehemaligen DDR.
Hochhäuser im modernen Sinn zeichnen sich durch ihre vertikale
Erschließung durch Fahrstühle und andere,
stockwerkübergreifende Serviceanlagen aus und erfordern aus Stabilitätsgründen
eine Stahlskelettbauweise.
Da rund um die Fundamente von Hochhäusern aus demselben Grund erhebliche
Freiflächen notwendig sind,
ist der Verdichtungseffekt dieser Bauweise tatsächlich wesentlich
geringer,
als dies auf den ersten Blick zu vermuten wäre.
Wegen ihrer optischen Dominanz stoßen Hochhäuser zumindest
in Deutschland
bei großen Teilen der Bevölkerung und vielen Städteplanern
auf eher geringe Akzeptanz.
Ein modernes Ineinandergreifen von Bautechnik und vertikaler Erschließung
zeigten als Erste das
Equitable Life Assurance Company Building in New York (1868-1870, Arthur
Delevan Gilman und Edward Kendall, 1912 zerstört)
und das Gebäude der gleichen Versicherungsgesellschaft in Chicago
(1872/73, Van Osdel).
Um die Jahrhundertwende boten bereits zahlreiche amerikanische Großstädte,
allen voran New York und Chicago, eine beeindruckende Skyline von Wolkenkratzern.
Einen ersten Höhenrekord erreichte das Singer-Building in New
York
(vollendet 1908, Ernest Flagg, mittlerweile zerstört) mit 47 Stockwerken.
Während in den USA Hochhäuser bereits zu den alltäglichen
Bauaufgaben gehörten,
blieben sie in Europa noch bis in die zwanziger Jahre utopische Projekte
der Avantgarde.
In den Kontext des Futurismus gehören die urbanen Utopien von Antonio
Sant'Elia und Mario Chiattone aus den Jahren 1913 und 1914.
Vorangetrieben wurde die Hochhausidee von Le Corbusier und Mies van
der Rohe,
eines der wenigen realisierten Hochhäuser war das Hansahochhaus
in Köln, 1924.
Beeindruckende Skylines finden sich heute paradoxerweise vor allem auch in einigen Ländern der Dritten Welt.

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Chicago School
(Schule von Chicago),
Richtung der amerikanischen Architektur,
deren Vertreter im späten 19. Jahrhundert in Chicago arbeiteten
und die
Stahlskelettkonstruktion im Hochbau entwickelten.
So entstanden nach dem Großbrand von Chicago (1871) Bauwerke,
die für die Architektur des 20. Jahrhunderts als wegweisend
galten.
1885 errichtete der Architekt und Ingenieur William Le Baron Jenney
das zehnstöckige Home Insurance Building (abgerissen 1927) in
Chicago,
wobei zum ersten Mal die Skelettbauweise zur Anwendung kam,
also Eisensäulen und Stahlbalken Decken und Wände trugen,
eine Bauweise,
die maßgeblich wurde für die sichere Konstruktion von Hochhäusern
und Wolkenkratzern.
Führende Architekten der Gruppe waren Louis Sullivan, Daniel
Burnham, William Holabird und Martin Roche,
die alle im Chicagoer Büro von Jenney arbeiteten.
Gemeinsam zeichneten Holabird und Roche verantwortlich für Stahlskelettkonstruktionen
wie das Tacoma Building (1889, abgerissen 1925).
Burnham und der talentierte John Wellborn Root gründeten ein Architekturbüro,
das so bedeutende Bürogebäude wie das Rookery (1886), das
Monadnock Building (1891) und das Reliance Building (1895) baute. Burnham
entwarf auch den ersten dreieckigen Wolkenkratzer New Yorks,
das berühmte Flatiron Building (ursprünglich Fuller Building),
das aus dem Jahr 1902 stammt.
L. H. Sullivan, der als genialster Kopf der Gruppe galt, baute
mit Dankmar Adler das Auditorium Building (1890),
eine Kombination aus Hotel, Büroturm und Theater mit perfekter
Akustik (renoviert 1968),
und das Wainwright Building (1891) in Saint Louis, das als Inbegriff
des Stiles der Schule von Chicago gilt,
was die Kombination von funktionalistischer Klarheit, Terrakotta- und
Metallelementen betrifft.
Sullivan baute das Kaufhaus Carson, Pirie und Scott
(ursprünglicher Name: Schlesinger and Meyer; 1899-1904),
dessen eigentlich schmucklose Fassade aus Glas und Stahl durch reich
verzierte Eisenplatten verkleidet wurde.
Die Prinzipien der Chicago School hinsichtlich funktionalistischer Klarheit
und organischer Ausschmückung wurden weitergeführt durch
Sullivans Schüler Frank Lloyd Wright. Second School of Chicago
wird die von L. Mies van der Rohe beeinflusste Wiederbelebung
d
er Schule von Chicago in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts
genannt.
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2002