Zeit Teil 9
Disclaimer: Siehe Teil 1


Die Rose

Die Sterne standen still, denn sie war tot. Chakotay konnte es nicht glauben. Die Voyager war im Orbit um diesen Planeten, auf dem sie ihr Leben gelassen hatte. Einfach so. Er sah seine Tochter an, die neben ihm sa�. Sie starrte wortlos aus dem Fenster, Tr�nen liefen ihre Wangen hinab. Chakotay r�ckte dichter neben sie und nahm sie in den Arm. Schluchzend sank sie in seine Umarmung.
"Warum?" schluchzte sie.
Auch seine Wangen waren feucht, aber er hatte keine Kraft mehr zu weinen. Die T�ren glitten auf und B'Elanna betrat den Raum. Auch wenn es nicht ihre Art war, ihre Gef�hle offen zu zeigen, war ihr Gesicht tr�nen�berstr�mt.
Sie setzte sich neben Cat aufs Sofa und sah Chakotay an. Sie sagte nichts, aber er stand auf und verlie� das Zimmer. Cat sah sie nicht an, sondern lehnte sich an ihre Schulter und lie� ihren Tr�nen freien Lauf.
"Warum ist das Leben so ungerecht?" fragte Cat.
"Ich wei� es nicht, Kleines."
"Kommt Dein Baby trotzdem?"
"Ja, es kommt trotzdem, auch wenn-"
Sie sprach nicht weiter, denn sie wu�te, da� sie wieder in Tr�nen ausbrechen w�rde, wenn sie es ausspr�che. Sie sah den Sternen nach, die langsam am Fenster vorbeizogen. Irgendwie f�hlte sie sich komisch.
"Was ist?"
"Ich glaube, das Baby kommt."
"Jetzt? Kann es nicht noch warten?"
"Nein, Cat, es kommt jetzt. Kommst Du mit auf die Krankenstation?"
"Nein!"
Langsam erhob sich B'Elanna und ging zur T�r.
"Sagst Du deinem Dad wenigstens Bescheid?"
Cat nickte.
Die T�r des Quartiers schlo� sich hinter ihr.
"B'Elanna an Krankenstation. Ich bin auf dem Weg zu Ihnen."
"Ist es schon so weit?" "W�rde ich sonst kommen?"
"Tut mir leid, nat�rlich nicht."
Im Turbolift angekommen lehnte sie sich an die Wand um Luft zu holen. Eigentlich war sie ja froh, die zus�tzliche Last los zu sein, aber andererseits hatte sie Angst vor dem, was kommen w�rde. Jetzt, da Kathryn tot war, hatte sie niemanden, den sie fragen konnte, oder der ihr helfen w�rde. Nat�rlich war da noch Samantha Wildman, die ihr helfen konnte, aber es war etwas anderes als Kathryn. Sie fehlte an allen Ecken und Enden! Nicht nur, da� das Schiff jetzt keinen Captain mehr hatte, es fehlte auch eine Mutter, Ehefrau und Freundin.

Die T�ren des Turbolifts �ffneten sich und B'Elanna hatte jetzt nur noch den kurzen Weg �ber den Korridor vor sich. Er schien ihr ewig lang. Die T�ren �ffneten sich vor ihr.
"Hallo Kes."
"Komm, ich helfe Dir."
B'Elanna st�tzte sich auf sie und lehnte sich dann an den Rand einer Liege.
"Und wie soll ich da hinaufkommen?"
"Doktor, k�nnen Sie uns helfen?"
Gemeinsam halfen sie B'Elanna auf die Liege.
"Krankenstation an Lieutenant Paris."
"Paris hier?"
"Ihre Frau ist gerade auf der Krankenstation. Das Baby kann jeden Moment kommen. Vielleicht m�chten Sie dabei sein?"
"Bin schon unterwegs."
Tom lie� seine Arbeit stehen und liegen und kam auf dem schnellsten Weg zu seiner Frau.
Die T�ren der Krankenstation waren noch nicht ganz offen, da war Tom auch schon neben seiner Frau.
"Wie geht es Dir?"
Sie l�chelte ihn nur an.

Zwanzig Minuten sp�ter war das Kind da.
"Die Kleine hatte es sehr eilig, das Licht der Voyager zu erblicken!", stellte B'Elanna fest, als sie das kleine B�ndel das erste Mal im Arm hielt. Tom gab beiden einen Ku� auf die Stirn.
"Paris an Chakotay. Das Baby ist da."
"Schon?"
"Ja. Soll ich es der Besatzung mitteilen?"
"Das mache ich gleich. Haben Sie etwas dagegen, wenn ich zu Ihnen auf die Krankenstation komme?"
"Nein, ich freue mich, wenn Sie kommen."
Chakotay betrat die Krankenstation und sah auf B'Elanna und das Baby. Alles weckte schmerzlich Erinnerungen in ihm, aber er versuchte, seine Gef�hle nicht offen zu zeigen.
"Wissen Sie schon wie sie hei�en soll?"
Tom sah B'Elanna an.
"Sag Du es ihm."
"Wir dachten an Sarah Kathryn."
"Ein sch�ner Name."
Eine einzelne Tr�ne rollte seine Wange hinab. Wieder einmal zeigte es ihm, wie sehr die Crew ihren Captain geliebt hatte.
"Chakotay an die Besatzung. Ich darf sie hiermit informieren, da� die Tochter von B'Elanna Torres und Tom Paris nach neun Monaten Dunkelheit das Licht der Welt erblickt hat. Ihr Name wird Sarah Kathryn Torres sein."

So sehr er sich auch f�r B'Elanna und Tom freute, er konnte den Gedanken an die bevorstehende Beerdigung nicht vergessen. Ihre Leiche lag in einem Sarg und wartete darauf, in den Weltraum geschossen zu werden. Er lief ziellos durch die G�nge, bis er vor der T�r des Aboretums stand. Die T�ren �ffneten sich und er betrat den Raum. Er wu�te nicht, was er wollte, aber als sein Blick auf Kes und ihre Arbeit fiel, war ihm pl�tzlich bewu�t, was er gesucht hatte.
Er sah Kes an und deutete mit dem Blick dann auf die Rosen. Sie nickte leise. Sie kniete neben einem Rosenbusch nieder und schnitt eine Wundersch�ne dunkelrote Rose ab. Bevor sie sie Chakotay �bergab, k��te sie sie und eine Tr�ne fiel in die Bl�te. Chakotay sah sie dankbar, mit Tr�nen in den Augen an.

Die T�r �ffnete sich vor ihm und er mu�te sich �berwinden, en Raum zu betreten. Es war ein Teil der Krankenstation, aber heute war der Raum, bis auf den Sarg und Kathryn leer. Er klammerte sich an der Rose fest, als er neben sie trat. Seine Augen waren mit Tr�nen gef�llt und er sah auf sie hinab. Wenn sie so da lag, schien es ihm fast, als w�rde sie nur schlafen. "Kathy?" fragte er leise, in der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten. Eine Tr�ne l�ste sich von seinem Auge und rollte seine Wange hinab und auf die Rosenbl�te. Auch er k�sste die Rose, dann legte er sie Kathryn in die H�nde. Er k�sste sie vorsichtig auf die Stirn, dann verlie� er den Raum wieder.

Er w�nschte, da� dieser Abend schon vor�ber w�re, aber er hatte noch nicht richtig begonnen. Die gesamte Crew war im Kasino versammelt, um von ihrem Captain Abschied zu nehmen. Chakotay stand auf. Er war sich der Blicke der gesamten Crew bewu�t, die auf ihm ruhten. Er h�rte die leisen Schluchzer, die manchmal die Ruhe unterbrachen und er sah aus dem Fenster, bevor er anfing zu sprechen. Er wu�te, da� er seine Worte sehr sorgsam w�hlen mu�te, um nicht selber in Tr�nen auszubrechen.
Er sah Cat an, die versuchte, ihre Tr�nen zu unterdr�cken und sich hilfesuchend an B'Elanna festhielt. B'Elanna hatte eine Hand um ihre Schulter gelegt, mit der anderen hielt sie ihre Tochter im Arm.
Chakotays Blick schweifte �ber die Menge. Viele vertraute Gesichter sahen ihn traurig an. Toms Gesicht war tr�nen�berstr�mt, und Kes lehnte schluchzend an Neelix, der sich verstohlen die Augen rieb. Harry Kim stand neben einem jungen Lieutenant aus der Stellarkartographie, die sich an seine Hand klammerte. Auch ihre Augen waren mit Tr�nen gef�llt.
Chakotay holte tief Luft und begann mit fester Stimme:
"Kathryn Marie Janeway,
geliebte Mutter und Ehefrau, unser Captain,
Geboren am 25. April 2331.
Seit dem 15. Januar 2371 der Captain unserer vereinten Crew
auf dem F�derationsraumschiff Voyager.

Sie war mutig, gerecht und eine liebende Mutter, nicht nur f�r unsere Tochter. Und vor allem war sie jene Person, die uns unbeirrt jeglicher Gefahren auf unserem Weg in den Alpha-Quadranten gef�hrt hat. Ich werde versuchen, ihr Amt und ihre Aufgabe fortzuf�hren, doch nie werde ich es mit solcher �berzeugung und Hingabe k�nnen. Sie war eine Wissenschaftlerin der Sternenflotte, ich war ein Maquisrebell, bis sie mich davon �berzeugt hat, da� nur beide Crews zusammen den Weg nach Hause finden k�nnen. Ihr verdanke ich einige wundersch�ne Jahre auf diesem Schiff."

Er hielt inne und sah mit Tr�nen in den Augen aus dem Fenster, ehe er weiter sprach.

"Die Erinnerung an Dich ist in unseren Herzen,
Dein Name auf unseren Lippen,
Deine Seele ist mit uns.
F�r alle Zeit.

Wir �bergeben ihre sterblichen �berreste den Sternen, die ihr Schicksal ein Leben lang bestimmt haben. M�gest Du in Frieden ruhen."

Er machte wieder eine Pause und sah , um Fassung ringend, auf den Boden.
"�ffnen sie die Luke." befahl er.

Die Luke �ffnete sich und der Sarg mit der Leiche von Kathryn Janeway trieb in die Unendlichkeit hinaus. Chakotay lie� seinen Tr�nen freien Lauf. Cat rannte zu ihm und warf sich in seine Arme. Weinend sahen die beiden zusammen mit all den anderen dem davon treibenden Sarg hinterher.

Die Stille wurde jetzt immer �fter durch lautes Schluchzen unterbrochen. Neben Harry brach der junge Lieutenant weinend zusammen.

Chakotay wu�te, da� eigentlich noch ein Essen geplant war, aber er wu�te auch, da� er sich nicht mehr so lange beherrschen konnte.
"F�r alle, die jetzt noch Zeit haben, ist ein Abschiedsessen f�r den Captain geplant. So leid es mir tut, aber ich kann leider nicht daran teilnehmen."
Er nickte den Anwesenden zu und verlie� mit seiner Tochter den Raum. Sie begaben sich in ihr Quartier.

Alles wirkte so leer und unfreundlich. Auf dem Tisch lag ein Teddy, den sie gemacht hatte, f�r das neue Baby. Gleichzeitig fielen Chakotays und Cats Blicke auf das Tier. Cat verschwand schluchzend im Bad und Chakotay lie� sich aufs Sofa fallen.
Er hatte sich den ganzen Tag beherrschen m�ssen, jetzt lie� er los. Er schien in ein tiefes schwarzes Loch zu fallen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab.
Er sp�rte eine Hand, die ihm vor dem weiteren Fall bewahrte und ihm Halt gab. Es war Cat, die ihn in die Arme nahm, w�hrend er, von Weinkr�mpfen gesch�ttelt, auf dem Sofa lag. Er hatte Angst, ins Bett zu gehen, denn dort waren sie immer zusammen gewesen, und dort roch noch immer alles nach dieser vertrauten N�he, die jetzt einer K�lte gewichen war, die er f�rchtete.
"Daddy, k�nnen wir heute zusammen auf dem Sofa schlafen?"
"Ja, Cat", sagte er mit zitternder Stimme.
"Daddy, wird sie irgendwann zur�ck kommen?"
"Nein, Liebling, Deine Mom ist f�r immer von uns gegangen."
"Aber ich habe ihr nicht auf Wiedersehen gesagt", schluchzte Cat.
"Ich habe es auch nicht gekonnt."
"Wenn ich sterbe, bin ich dann wieder bei ihr?"
"Ja, dann seid ihr wieder zusammen."
"Dann m�chte ich ganz schnell sterben!"
"Nein, Cat, sag' so etwas nicht. Dann bin ich ganz alleine."
"Kannst Du dann nicht mitkommen?"
Er sch�ttelte den Kopf.
"Wer passt denn dann auf das neue Baby auf? Sie hat noch ein langes Leben vor sich."
"Ich werde ihr von Mom erz�hlen, sie soll wissen was f�r eine tolle Mutter sie gehabt hat."
"Wie recht dieses achtj�hrige M�dchen hat!" dachte Chakotay traurig.
Nach einer sehr langen Pause, in der beide ihren Gedanken nachhingen fragte Cat leise:
"Und wer bringt mir jetzt das Rechnen bei?"




T H E    E N D

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