Sie hob eine Augenbraue, als Chakotay den Raum betrat. Er trug ein blaues Hemd und blaue Hosen und war barfuß !?
"Chakotay, wo warst Du?"
"Auf dem Holodeck."
"Alleine?"
"Nein, mit B'Elanna und Tom. Warum?" "Ich bin nur eifersüchtig." meinte sie lachend. "Tut mir leid, Kathryn, aber Du hast geschlafen, als ich gegangen bin. Ich wollte Dich nicht wecken."
"Ist schon recht. Ich hatte mich gerade vorbereitet auch aufs Holodeck zu gehen, bevor Du gekommen bist."
"Möchtest Du, daß ich noch mal mitgehe?"
"Nein, ich möchte heute mal alleine sein."
Er sah sie etwas überrascht an zuckte aber nur mit den Schultern und verließ das Wohnzimmer. War sie wirklich eifersüchtig? Das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen.
"Chakotay, ich gehe."
Er hörte, wie die Türen sich hinter ihr schlossen, dann war es ruhig. Keine Geräusche. Sogar ihre Tochter schlief. Er ging in ihr Zimmer und sah das schlafende Kind an. Sie sah aus wie ihre Mutter. Das selbe kastanienbraune Haar, das selbe Lächeln, aber sie hatte seine braunen Augen. Während er seine Tochter so beobachtete, dachte er zurück an die erste richtige Verabredung, die er mit Kathryn gehabt hatte.
Sie lag am Strand und genoß die Sonne. Sie sah ein Bild von Chakotay an, das sie in der Hand hielt, aber sie fühlte nicht mehr das gleiche wie am Anfang. Anfangs, kurz nach ihrer ersten Verabredung, hatte ihr Herz immer angefangen zu rasen, es fühlte sich an, als ob hunderte Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzten wenn sie das Bild ansah. Jetzt fühlte sie nichts mehr. Doch, sie fühlte etwas. Sie war eifersüchtig. Warum? Sie wußte es nicht.
Sie erinnerte sich an ihr erstes Date, das sie mit Chakotay gehabt hatte.
Sie waren auf dem Holodeck. Zusammen beobachteten sie den Sonnenuntergang, dann legten sie sich in den warmen Sand. Sanft strich er ihr übers Haar, dann lehnte er sich über sie und küsste sie. Der Mond ging auf, ohne von dem Liebespaar bemerkt zu werden. Ihre Hand suchte sich einen Weg in sein Hemd und streichelte seine Brust. Seine Hand ruhte in ihrem Nacken und er zog sie zu sich. Ihr Mund war nur Zentimeter von seinem entfernt. Langsam lehnte sie sich weiter vor, bis sich ihre Lippen schließlich berührten. Sie küßten sich innig und lagen dann im warmen Sand und beobachteten den weiteren Lauf des Mondes, bis beide eingeschlafen waren. Der einzige Nachteil war der gewesen, daß sie durch einen Interkomruf aus dem Schlaf gerissen wurden und ihr Date ein abruptes Ende nahm.
Sie verließ das Holodeck und wußte, daß etwas nicht stimmte. Sie eilte zu ihrem Quartier. Die Türen öffneten sich und sie sah ein ihr noch unbekanntes Bild: Ihre Tochter saß weinend auf dem Sofa . Chakotay stand vor ihr, und er sah nicht sonderlich glücklich aus.
"Was ist los?" fragte Kathryn streng.
"Mummy!" schrie Cat und rannte zu ihrer Mutter. Kathryn nahm sie in den Arm und tröstete sie, dann sah sie Chakotay an.
"Was ist passiert?"
"Frag mich nicht."
"Sie weint."
"Das sehe ich auch. Ich schätze ich habe etwas gesagt, was sie nicht gemocht hat."
"Er hat mich Idiot genannt!"
"Was hast Du gemacht? Wie konntest Du nur?"
"Ich habe nur Dummerchen gesagt."
"Das ist das gleiche", schniefte Cat.
Kathryn sah ihn nur an.
"Ist schon Recht."
Sie gab Chakotay einen Kuß auf die Wange und nahm ihre Tochter an der Hand. Sie lächelte Chakotay noch mal zu und verließ mit Cat das Quartier. Sie nahm sie an der Hand und ging mit ihr durch die Korridore.
"Mummy, wohin gehen wir?"
"Ich weiß es nicht. Wo möchtest Du denn hin?"
"Wo warst Du vorher?"
"Auf dem Holodeck."
"Gehen wir dahin?"
Kathryn nickte und betrat den nächsten Turbolift. Elaine sah ihre Mutter an und lächelte.
"Ich hab Dich lieb, Mummy!"
"Ich Dich auch, Cat!" Sie hielten einander fest im Arm, als der Turbolift abrupt stoppte. Kathryn und ihre Tochter wurden gegen die Wand geworfen. Dann beschleunigte der Turbolift wieder, als ob nichts passiert wäre.
Kathryn lag ohnmächtig auf dem Boden, ihre Tochter neben ihr.
Die Türen öffneten sich und B'Elanna betrat den Lift. Ein spitzer Schrei entfuhr ihr.
"Torres an Transporterraum. Notfalltransport. Drei in die Krankenstation beamen."
Das nächste was sichtbar wurde, war die Krankenstation. Kes und der Doktor knieten sofort neben ihnen nieder.
"Was ist passiert?"
"Ich weiß es nicht. Ich habe sie im Turbolift gefunden."
"Können Sie mir bitte helfen?" fragte der Doktor.
Zusammen trugen sie Janeway auf eines der nächstliegenden Liegen, Kes trug Elaine.
"Doc, darf ich Ihren Computer benutzen?" fragte B'Elanna.
"Natürlich. Wozu?"
"Ich möchte herausfinden, was passiert ist."
"Tun Sie alles notwendige. Ich muß mich jetzt um meine Patienten kümmern."
B'Elanna nickte und verließ den Behandlungsraum.
Verzweifelt schlug sie mit der Faust auf den Tisch. Sie konnte absolut nichts finden, was mit dem Unfall im Turbolift zusammenhing. Keine Zeichen von irgendwelchen Computerfehlfunktionen, keine unnormalen Sensoranzeigen. Alles war in Ordnung. Es sah so aus, als ob nichts passiert wäre.
Ihr blieb nichts anderes übrig als zu warten, bis Janeway wieder bei Bewußtsein war.
Chakotay betrat die Krankenstation. Er sah sich besorgt um.
"Doktor, was ist passiert?"
"Es tut mir leid, Commander, ich kann es nicht sagen. Aber Ihre Tochter und Ihre Frau sind bewußtlos, ihre Frau sogar kurz vor einem Koma."
Chakotays Gesicht wurde noch blasser als es schon war. Er nahm einen Hocker und setzte sich neben Kathryns Bett. Er nahm ihre Hand in seine und setzte er sich hin, Tränen rollten seine Wangen hinab.
Sie war jetzt schon seit zwei Tagen im Koma. Elaine war schon wieder gesund und Zuhause. Sie hatte sich den Vorfall nicht so sehr zu Herzen genommen und es störte sie auch kaum, alleine mit ihrem Vater zu wohnen.
"Warum wacht Mummy nicht auf? Ich vermisse sie so!"
"Ich vermisse sie auch, Cat." Sie umarmte ihren Vater und versuchte, ihn zu trösten. Aber das machte es nur noch schlimmer. Tränen füllten seine Augen, als er seine Tochter ansah. Sie sah absolut aus wie ihre Mutter! Und er fühlte sich schuldig. Es war nur seine Schuld, da war er sich sicher.
"Cat, kannst Du für eine Weile alleine bleiben?"
"Ja, Daddy. Darf ich auf Deinem Bett spielen?"
Er nickte und verließ den Raum.
Dort lag sie. Blaß, mit dunklen Ringen unter den Augen, ihre Wangenknochen waren sichtbar wie ein Berg auf einer flachen Ebene. Ihr Atem war kaum hörbar und ihr Herzschlag war unregelmäßig.
"Bitte komm zurück. Wir brauchen Dich!"
Er nahm ihre Hand und küsste sie. Seine andere Hand strich ihr übers Haar. Es fühlte sich nicht so an wie sonst, und ihre Haut war kalt.
"Doktor, lebt sie noch?"
"Warum?"
"Sie ist so kalt." Bei den letzten Worten zitterte seine Stimme und er flüsterte nur.
"Sie wird sich wieder erholen."
Ein leises Stöhnen ließ Chakotay aufsehen.
"Kathryn?"
Er nahm ihre Hand und drückte sie leicht.
"Kathy, kannst Du mich hören?"
Langsam öffnete sie ihre Augen, und ihre großen blauen Augen sahen direkt in seine. Plötzlich wurde das Zimmer von einem hellen Lichtblitz erhellt.
"Captain, Chakotay", begrüßte Q die zwei.
"Was machen Sie denn hier?"
"Ich wollte wissen, ob die Familie sich wieder versöhnt hat."
"Versöhnt? Wir haben uns doch gar nicht gestritten."
"Oh, tut mir leid, für mich sah das aber ganz so aus."
"Warum sind Sie denn hier?"
"Ich war es, der das mit dem Turbolift arrangiert hat. Und jetzt wollte ich mich bei Ihnen entschuldigen."
"Entschuldigung angenommen, aber bitte mischen Sie sich nicht andauernd in unsere Familienangelegenheiten ein. Wir sind erwachsene Menschen und können unsere Probleme auch alleine lösen."
"Gut, ich gehe wieder. Wenn sie mich brauchen, dann rufen Sie einfach nach mir und ich bin sofort zur Stelle."
"Danke Q, ich werde daran denken."
Q verschwand und Chakotay brummelte ein deutlich hörbares "Idiot!". Grinsend sah Kathryn ihn an.
"Er war doch äußerst hilfsbereit, oder?"
"Schon, aber irgendwie geht er mir auf die Nerven."
"Wenigstens stellt er nichts an, was dem Schiff ernsthaft Schaden zufügt."
"Vergiß nicht, daß er Dir erheblichen Schaden zugefügt hat."
"Das ist schon wieder vergessen. Wenigstens hat er sich entschuldigt."
"Ich liebe Dich, Kathy."
"So hast Du mich schon lange nicht mehr genannt."
"Doch, vor fünf Minuten, aber da warst Du noch bewußtlos."
"Ich liebe Dich trotzdem! Doc, wie lange muß ich noch hier bleiben?"
"Etwa zehn Minuten, bis ich die Untersuchungen abgeschlossen habe."
"Wartest Du auf mich?" fragte Kathryn.
"Natürlich. Was machen wir nachher?"
"Was hältst Du von einem Ausflug auf das Holodeck?"
"Gute Idee."
"Chakotay an Cat."
"Ja, Daddy?"
"Kommst Du auf die Krankenstation?"
"Was ist passiert?" fragte sie ängstlich.
"Nichts. Ich dachte nur, Du möchtest Deine Mutter umarmen."
"Bin schon unterwegs."
Chakotay nahm seine Frau in den Arm und küßte sie. Cat stürmte auf die Krankenstation.
"Mummy!" schrie sie und drückte sich an ihrem Vater vorbei. Kathryn nahm sie in den Arm und drückte sie an sich.
"Captain?", unterbrach der Doktor.
"Ja?"
"Ich darf ihnen die freudige Mitteilung machen, daß sie gesund sind und die Krankenstation verlassen dürfen."
Kathryn rutschte von der Liege hinunter und hakte sich bei Chakotay ein.
"Darf ich noch aufs Holodeck?"
Kathryn nickte und Cat rannte voraus.
"Folgen wir ihr einfach?"
Chakotay nickte.
"Etwas Abwechslung kann uns nicht schaden."
"Mummy, Daddy, ich habe ein eigenes Programm gemacht."
"Ganz alleine?"
"Nein, B'Elanna hat mir geholfen. Das ist Programm Cat 1."
Die Türen öffneten sich und gaben den Blick frei auf einen Strand. Das Programm kam von B'Elanna, aber die Ideen waren von Cat. Es war wunderschön.
"Sieht es so auf der Erde aus?"
"Ja, an manchen Stellen sieht es so aus."
Sie sah ihm in die Augen und war glücklich . Er küsste sie sanft und die Welt um sie herum versank. Sie hörten das glücklich Lachen ihrer Tochter und das Rauschen der Wellen am Strand. Alles andere war unwichtig. Sie liebten einander mehr als Worte sagen können. Sie sagten nichts und saßen nur küssend im Sand, bis es für Cat Zeit war, ins Bett zu gehen.