Zeit Teil 5
Disclaimer: Siehe Teil 1


CAT

Sie war das schönste Baby, das er sich vorstellen konnte: dunkelbraune Augen, kastanienbraune Locken. Und sie konnte ihn genauso anlächeln wie ihre Mutter. Er liebte sie über alles. Er saß auf dem Fußboden, seine Tochter lag auf seinen Beinen. In der Hand hielt er einen Teddy, mit dem er sie an der Nase kitzelte. Sie quietschte vor Vergnügen.
"Chakotay, was macht ihr gerade?"
"Wir spielen."
Kathryn sah um die Ecke. Sie lehnte sich an den Türrahmen und verschränkte die Arme vor dem Bauch. Sie beobachtete ihren Mann und ihre Tochter beim Spielen.
"Sie entwickelt sich prächtig, nicht wahr?" fragte Chakotay, als er aufsah.
Sie nickte nur.
"Du siehst müde aus", meinte er.
"Danke für das Kompliment", grinste sie, "Du bist ja auch nicht derjenige, der mitten in der Nacht aufstehen muß."
Er stand auf und legte Elaine aufs Sofa, dann nahm er Kathryn fest in die Arme. Er küsste sie auf die Stirn.
"Sag' mir, wenn ich etwas für Dich tun kann, ja?"
"Du kannst heute meine Schicht übernehmen. Vielleicht kann ich mich dann etwas ausruhen."
"Wir brauchen einen Babysitter!" beschloss Chakotay. "Ich werde Kes fragen, ob sie eine Weile auf Elaine aufpasst, damit Du Dich erholen kannst."
"Nein!" protestierte Kathryn. "Sie hat schon so viel auf der Krankenstation zu tun."
"Keine Widerrede. Ich werde sie fragen. Chakotay an Kes."
"Ja, Commander?"
"Können Sie mir einen Gefallen tun?"
"Aber natürlich Commander. Was denn?"
"Würden Sie mal wieder für eine Weile auf Elaine aufpassen?"
"Aber mit Vergnügen. Jetzt gleich?"
"Ja. Kommen Sie in unser Quartier, oder soll ich sie Ihnen bringen?"
"Wie ist es Ihnen lieber?"
Chakotay sah Kathryn an. Sie zuckte mit den Schultern.
"Kommen Sie in unser Quartier."
"Bis gleich. Kes Ende."
Chakotay sah seine Frau an. Sie war blaß und sah unausgeschlafen aus. Er sah zu Elaine, die immer noch auf dem Sofa lag. Vergnügt spielte sie mit dem Teddy, der auf ihrem Bauch lag.
Er küsste Kathryn noch einmal, bevor er das Quartier verließ, um auf die Brücke zu gehen. Vor der Tür begegnete er Kes.
"Können Sie mir noch einen Gefallen tun?"
"Was denn?"
"Bitte passen Sie auf Kathryn auf. Sie soll sich ausruhen und auf gar keinen Fall arbeiten."
"Ich werde darauf achten."
"Danke Kes."
Er betrat den Turbolift und Kes betätigte den Türöffner. Kathryn saß auf dem Sofa neben ihrer Tochter und sah auf, als Kes den Raum betrat.
"Hallo, Kes." "Hallo, Captain. Chakotay hat gesagt, ich soll auf sie aufpassen, daß sie nicht arbeiten."
"Hab' ich mir gedacht. Kann ich sie mit Elaine alleine lassen?"
Kes nickte.
"Ich lege mich etwas ins Bett. Wenn Elaine weint, dann wecken Sie mich bitte, ja?"
"Ja, Captain." sagte sie, "Nein, auf gar keinen Fall!" setzte sie in Gedanken hinzu. Sie hatte auf den ersten Blick gesehen, daß der Captain viel zu wenig Schlaf hatte und es ihr nicht sonderlich gut ging. Sie würde sie auf jeden Fall schlafen lassen.
Kathryn verließ den Raum und ging ins Schlafzimmer. Vor dem Spiegel mußte sie feststellen, daß sie wirklich nicht gut aussah. Sie hatte abgenommen, und ihr blaues Kleid war mit einem Mal viel zu groß. Sie öffnete ihre Haare und ließ sie frei über ihren Rücken fließen. Sie zog die Schuhe aus und legte sich aufs Bett. Innerhalb von Minuten war sie eingeschlafen.

"Commander, was machen Sie hier auf der Brücke?"
"Ich vertrete meine Frau, Lieutenant. Ist dagegen etwas einzuwenden?"
"Nein, Commander. Es war nur eine Frage. Geht es ihr nicht gut?"
"Nein."
Erstaunt zog Tuvok eine Augenbraue hoch und sah Commander Chakotay an.
"Statusbericht, Mr. Paris."
Ohne nur ein einziges Wort zu verlieren ging er seiner Arbeit nach, ungeachtet der Blicke, die ihm die Brückencrew zuwarf.

Kes liebte es, mit Elaine zu spielen, sie war so ein ruhiges Kind. Sie stand auf und ließ Elaine kurz alleine. Sie warf einen Blick ins Schlafzimmer, wo Janeway auf dem Bett lag und sich unruhig hin und her wälzte. Kes überlegte, ob sie sie wecken sollte, entschied sich aber dagegen. Immerhin schlief sie. Sie ging wieder zu Elaine zurück, die sie mit ihren großen braunen Augen ansah.
Sie war erst 7 Monate alt, aber man sah genau, wer ihre Eltern waren. Ein Schrei aus dem Nebenzimmer ließ sie aufspringen. Sie rannte ins Schlafzimmer.
"Captain, wachen Sie auf!"
Sie schüttelte Kathryn an den Schultern. Erschrocken sah Kathryn sie an.
"Was ist?"
"Sie haben gerade geschrien."
Nach einer kurzen Pause, in der sie aus dem Fenster sah, fing sie an zu reden.
"Ich habe einen schrecklichen Traum gehabt!"
"Wollen Sie mir davon erzählen? Es hilft, wenn man mit jemandem darüber redet."
Im Wohnzimmer fing Elaine an zu weinen. Kes stand auf und ging hinüber. Sie nahm sie auf den Arm und kehrte mit ihr auf dem Arm zurück zu Kathryn.
"Stört es sie, wenn ich sie trinken lasse?" fragte Janeway, nachdem Kes ihr Elaine in die Arme gelegt hatte. Kes zögerte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. Janeway zog ihr Oberteil aus und legte Elaine an ihre Brust. Gierig fing das Baby an zu saugen. Fasziniert sah Kes zu. Janeway sah sie an, dann fing sie flüsternd an zu erzählen.
"Ich habe geträumt, daß Chakotay und B'Elanna bei einer Außenmission ums Leben gekommen wären. Dann habe ich mich nicht mehr beherrschen können und habe die Voyager von einer Katastrophe in die nächste geführt. Am Schluß war nur noch ich da, mit einem Schiff, das nicht mehr flugfähig ist. Plötzlich stand Elaine vor mir und machte mir Vorwürfe, daß ich ihren Teddy kaputt gemacht hätte. Es ergibt alles keinen Sinn, aber es war furchtbar."
Kes sah sie mitfühlend an.
"Bitte sagen Sie nichts dazu. Ich kann mir auch so vorstellen, was es zu bedeuten hat."
"Ich schlage vor, Sie versuchen, weiter zu schlafen. Es wird Ihnen sicher gut tun, etwas auszuruhen."
"Und es stört Sie nicht, auf Elaine aufzupassen?"
"Nein, im Gegenteil, ich genieße es."
Janeway legte Kes eine Hand auf die Schulter.
"Danke, Kes."
Kes nahm Elaine auf den Arm und verließ das Zimmer. Kathryn legte sich zurück und beobachtete die Sterne, die an ihrem Fenster vorbeiflogen. Ihre Gedanken schweiften ab, nach Hause zu Marc, zu ihren Eltern, zu Phoebe und zu ihrem Hund. Sie vermißte sie immer noch sehr, aber sie hatte sich jetzt hier ein neues Leben aufgebaut, in dem für die Vergangenheit kaum noch Zeit war.


"Alles Gute zu Deinem 6. Geburtstag, Baby."
Janeway gab ihr ein Geschenk. Ungeduldig öffnete sie es.
"Was ist das?"
"Ein Buch."
"Wozu ist das gut?"
"Es wurde früher benutzt, als es noch keine PADDs gab. Es ist auf Papier geschrieben."
"Es fühlt sich komisch an."
"Es ist schon alt Ich habe es von meiner Mutter zum 10. Geburtstag bekommen."
Chakotay setzte sich neben sie.
"Ich habe auch ein Geschenk für Dich, aber es ist nichts zum Anfassen."
Gespannt sah sie ihren Vater an.
"Irgendwann in nächster Zeit, werde ich Dir deinen geistigen Führer vorstellen."
"Oh Daddy, das ist toll!"
Sie fiel ihm um den Hals.
"Vergiß nicht, dich auch bei deiner Mom zu bedanken!" flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie sprang auf und nahm ihre Mutter in den Arm.
"Danke, Mummy. Ich werde heute abend gleich anfangen, es zu lesen."

Elaine zog sich mit ihren Geschenken in eine Ecke zurück. Kathryn und Chakotay setzten sich aufs Sofa und beobachteten sie.
"Wie weit seid ihr denn mit dem Lernen?" flüsterte sie ihm zu.
"Sie ist schon sehr gut. Vor allem beim Lesen ist sie gut."
"Freut mich zu hören. Es wird Zeit, daß wir ihr das Rechnen beibringen."
"Einige einfache Dinge habe ich ihr schon gezeigt, aber Du bist da eher begabt als ich."
Lachend küsste sie ihn.
"Du alter Schmeichler!"

"Daddy, hast Du heute endlich mal Zeit?"
"Ja, Baby, heute habe ich genug Zeit. Komm."
Er nahm sie an die Hand und ging mit ihr zu einem der Holodecks.
"Chakotay an Janeway."
"Janeway hier?"
"Hast Du mal Zeit für Deine Familie?"
"Kommt ganz drauf an, was Du vorhast."
"Ich wollte Elaine ihren geistigen Führer zeigen."
"Ich komme gleich, Janeway Ende"
Auf der Brücke war im Moment nicht viel Betrieb, es war spät am Abend.
"Tuvok, sie haben die Brücke."
"Aye, Captain."
Lächelnd betrat sie den Turbolift. Sie ging in ihr Quartier und zog sich um, dann machte sie sich auf den Weg zum Holodeck. Die Türen öffneten sich vor ihr und sie lächelte. Chakotay hatte das Programm gewählt, in dem er ihr auch den Heiratsantrag gemacht hatte. Der Ort, an dem sie beide wunderschöne Wochen verbracht hatten.
"Hi, Mummy."
"Hi, Baby."
Sie gab beiden einen Kuß und ließ sich dann neben den beiden im Gras nieder.
"Erinnerst Du Dich noch an die Sache mit der Entspannung?"
"Ja, Daddy, warum?"
"Das brauchst Du jetzt."

Es dauerte nicht lang, und Elaine war in tiefer Trance.
"Elaine, sieh Dich um. Siehst Du ein Tier?"
"Ja, eine-"
"Nein, nicht sagen. Das mußt Du für dich behalten. Nähere Dich dem Tier und versuche, mit ihm zu reden."
"Reden mit einem Tier? Sie versteht mich doch gar nicht."
"Doch, es kann Dich verstehen."

Es dauerte fast fünf Minuten, bis Elaine aus der Trance erwachte.
"Warum hat sie mich nicht bei meinem richtigen Namen genannt?"
"Es hat Dich mit einem anderen Namen angeredet?"
Elaine nickte.
"Dann möchte Dein Führer vielleicht-"
"Würde es euch etwas ausmachen, wenn ihr mich Cat nennt?"
"War das der Name, den Dein Führer benutzt hat?"
Cat nickte. Chakotay sah Kathryn eine Weile an.
"Ich weiß es nicht, was es zu bedeuten hat, wenn der Führer einen anderen Namen benutzt, aber wenn Du es gerne möchtest."
Cat nickte.
"Elaine ist so ein langer Name."
"Gib uns damit etwas Zeit, ja?"
"Na klar."
"Komm, wir müssen gehen. Es ist Zeit für Dich, ins Bett zu gehen." sagte Kathryn.
"Ist es schon so spät?"
"Ja, Cat."
Lächelnd sah sie ihn an.
"Du hast Dich also schon dran gewöhnt."
"Ja, Kleines, ich hoffe, ich werde in Zukunft auch daran denken, daß Du jetzt meine kleine Cat bist."
Sie warf sich ihm an den Hals und er trug sie bis zu ihrem Quartier. Als die Türen sich öffneten, war Cat schon auf seinem Arm eingeschlafen. Behutsam nahm Kathryn sie ihm ab und trug sie in ihr Bett.
"Es war doch etwas zu anstrengend für sie, oder?"
"Nein, es ist für sie nur ungewohnt, aber das wird sie auch noch lernen. Gehen wir auch ins Bett?"
"Jetzt schon?"
"Warum nicht? Wir können auch noch etwas anderes machen, wenn Du möchtest."
"Die Idee ist nicht schlecht, aber ich habe eine bessere."
Kathryn verschwand im Bad. Kurz darauf hörte er das Plätschern von Wasser. Lächelnd zog er seine Uniform aus und ging nackt ins Bad. Kathryn saß in der Badewanne und spielte mit dem Schaum. Er stieg zu ihr hinein.
"Die Idee ist natürlich noch besser als ins Bett zu gehen!" lächelte er und bespritzte sie mit Wasser.


Fortsetzung folgt! 1
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