Zeit Teil 4
Disclaimer: Siehe Teil 1


Bis dass der Tod Euch scheidet

Die Planungen für die Hochzeit waren in vollem Gange.
"Captain, als richtige Braut brauchen Sie auch ein richtiges Brautkleid!" sagte Kes.
"Dazu haben wir nicht genügend Replikatorrationen."
"Dafür werde ich persönlich sorgen, Captain!"
"Würden Sie und B'Elanna meine Brautjungfern sein?"
"Ich kann nur für mich sprechen, aber es wäre eine große Ehre für mich." antwortete Kes geschmeichelt.
"Janeway an Torres."
"Torres hier?"
"Hätten Sie kurz Zeit für mich?"
"Natürlich, Captain."
"Können Sie in mein Quartier kommen?"
"Bin schon unterwegs."
Die Türen öffneten sich und B'Elanna betrat das Zimmer.
"Hallo B'Elanna."
"Wie kann ich Ihnen helfen?"
"Ich wollte Sie fragen, ob sie bereit wären, bei meiner Hochzeit meine Brautjungfer zu sein."
Sprachlos sah B'Elanna ihren Captain an.
"Sehr gerne Captain. Haben Sie denn schon ein Brautkleid?"
"Nein. Ich werde in meiner Uniform heiraten."
"Nein, Captain, das werden Sie nicht. B'Elanna und ich werden uns schon darum kümmern." protestierte Kes energisch.
Janeway sah sie etwas skeptisch an.
"Sind Sie sicher?"
"Absolut, Captain!"
"Aber ich habe Chakotay doch gesagt, daß ich mit Uniform heirate."
"Dann wird das eben eine Überraschung. Wir sind in einer Stunde wieder da!" sagte B'Elanna entschlossen und verließ den Raum.
Als sich die Türen hinter den beiden schlossen, ließ Janeway sich aufs Sofa fallen. Lächelnd nahm sie eines der PADDs, das auf dem Tisch lag, und begann darin zu lesen.

Der Türmelder summte und B'Elanna und Kes betraten den Raum. Beide grinsten von einem Ohr zum anderen.
"Captain, wir sind so weit. Wir haben Ihnen ein Brautkleid besorgt."
"Hoffentlich gefällt es Ihnen", fügte B'Elanna hinzu.
Janeway sah sie erwartungsvoll an. B'Elanna ging zu Janeways Replikator.
"Computer, Kleid Janeway replizieren."
Im Ausgabefach erschien ein unförmiges, weißes Paket.
"Darf ich vorführen, Captain, Ihr Hochzeitskleid."
Staunend sah Janeway das Kleid an, das B'Elanna in der Hand hielt.

"Wie haben Sie das nur gemacht?"
"Wir haben Spenden gesammelt. Wir haben alle Leute, die wir auf den Gängen, im Casino und im Maschinenraum gefunden haben befragt, was sie davon halten, wenn ihr Captain in Uniform heiratet. Und alle waren einstimmig der Meinung, daß das völliger Unsinn sei. Tja, und dann haben wir gefragt, ob sie bereit wären, eine ihrer Replikatorrationen zu spenden, damit der Captain ein Kleid bekommt. Einige haben uns mehr als eine Ration gegeben, und so hatten wir kein Problem, die nötigen Rationen zu bekommen."
Mit Tränen in den Augen sah Janeway das Kleid an.
"Möchten Sie es nicht anprobieren?"
"Würden Sie mir helfen?"
Beide nickten begeistert. Während Kes das Kleid hielt, half B'Elanna ihrem Captain aus der Uniform. Bis Kathryn schließlich das Kleid anhatte, verging eine lange Zeit. Sie stand vor dem Spiegel und war insgeheim froh, daß sie doch nicht in Uniform heiraten mußte. Dankbar nahm sie erst Kes und dann B'Elanna in den Arm. Sie strahlte über das ganze Gesicht.
"Wie lange haben wir noch Zeit bis zu der Zeremonie?"
"Drei Wochen."
"Captain, ich bitte um die Erlaubnis, die Umgebung für die Zeremonie auf dem Holodeck programmieren zu dürfen."
"Erlaubnis erteilt, Lieutenant. Aber bitte nicht zu ausgefallen, ja?"
"Keine Angst, es wird eine ganz normale Umgebung." versicherte B'Elanna.


Kes stand neben Janeway und sah sie an. Janeway trug bereits ihr Kleid und B'Elanna war gerade dabei, ihr die Haare hochzustecken. Aus dem Replikator hatte Kes einige Blumen, die sie jetzt in das hochgesteckte Haar von Kathryn steckte. "Es fehlt nur noch der Brautstrauß," sagte B'Elanna.
"Keine Sorge, Tom wird schon noch pünktlich kommen."
"Warum denn Tom?"
"Warum nicht? Er hat in der Zeremonie keine Aufgabe bekommen, also hat er sich bereit erklärt, im Aboretum nach den passenden Blumen zu schauen und einen schönen Brautstrauß daraus zu machen."
"Eine schöne Idee. Ich kann es kaum noch erwarten. Ich habe Chakotay seit drei Tagen nicht gesehen."
Kes und B'Elanna lächelten sich an. Es summte an der Tür.
"Das wird wohl Tom sein. Ich werde gehen."
B'Elanna ging zur Tür und öffnete. Tom stand vor ihr und drückte ihr den Strauß in die Hand.
"Sie haben noch eine Stunde, Lieutenant."
"Ich weiß. Sie müssen sich auch noch umziehen."
"Ich bin schon wieder weg!"
Lachend verschwand er im Turbolift. Die Türen schlossen sich wieder und B'Elanna überreichte Kathryn den Strauß.
"Jetzt haben wir noch eine Stunde Zeit, um uns fertig zu machen."
Janeway sah die beiden an.
"Sie beide sind noch nicht umgezogen!" stellte sie mit hochgezogener Augenbraue fest.
"Haben Sie etwas dagegen, wenn wir uns in Ihrem Quartier umziehen?" fragte B'Elanna.
"Nein, keineswegs. Vielleicht kann ich Ihnen ja auch etwas helfen."

"Was soll ich denn mit meinen Haaren machen?" fragte B'Elanna.
"Auch hochstecken?" fragte Janeway.
"Würden Sie mir helfen?"
"Gerne. Setzen Sie sich auf meinen Stuhl."
Kurze Zeit später sah B'Elanna von hinten fast aus wie ihr Captain.
"Es kann losgehen!" sagte Kes voller Vorfreude.
Alle drei holten noch einmal tief Luft und traten aus der Tür des Quartiers. Es war schon ziemlich spät, und die meisten waren sicher schon auf dem Holodeck und warteten auf die Braut.

B'Elanna hatte auch auf dem Holodeck wundervolle Arbeit geleistet und eine Umgebung für die Hochzeitszeremonie programmiert: Eine weitläufige Landschaft, einen großen Platz für alle Leute und Rosen. Rund um den Festplatz standen Rosenbüsche, die einen betörenden Duft verbreiteten.
Tuvok stand in seinem zeremoniellen Umhang neben Chakotay. Tuvok sollte die beiden trauen.


Chakotay sah ungeduldig über die wartende Menschenmenge. Die gesamte Crew war versammelt und wartete auf die Braut. Der Eingang erschien aus dem Nichts und Kathryn betrat mit Kes und B'Elanna das Holodeck. Ein staunendes Raunen ging durch die Menge. Ein Gang bildete sich, durch den die drei Frauen nach vorne gingen.
Kathryn klammerte sich fest an ihre Brautjungfern. Dann stand sie neben Chakotay. Er sah sie an und sein Herz fing an zu rasen. Sie sah aus wie ein Engel. Seine Hand tastete nach ihrer, und sie hielten sich die ganze Zeremonie hindurch fest. "Willst Du, Kathryn Marie Janeway, Chakotay zu Deinem rechtmäßig Angetrauten Ehemann nehmen, ihn ehren und zu ihm halten in guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod Euch scheidet, so antworte mit ja, ich will."
"Ja, ich will." antwortete sie mit zittriger Stimme.
"Und willst Du, Chakotay, Kathryn Marie zu Deiner rechtmäßigen Ehefrau nehmen, sie ehren und zu ihr halten in guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod Euch scheidet?"
"Ja, ich will." sagte er leise.
"Dann erkläre ich Sie hiermit zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen."
Chakotay nahm den Schleier und hob ihn über ihren Kopf. Ihre Augen strahlten ihn an und sie küssten sich innig.

Die Zeit verging wie im Fluge, und sie waren nun schon seit fünf Monaten verheiratet. B'Elanna und einige Techniker hatten in der Woche nach der Hochzeit die Wand zwischen den Quartieren entfernt, und somit hatten sie ein weitläufiges Quartier, in dem sie gemeinsam lebten. Ein Kinderzimmer hatten sie auch geplant. Beim letzten Landaufenthalt hatte Chakotay Holz gesammelt und hatte eines seiner Lieblingshobbys ausgeübt: Er hatte eine Wiege aus richtigem Holz gezimmert, mit einem geschnitzten Baum am Kopfende des Bettes. Kathryn wußte, daß das Baby anfangs bei ihr im Bett schlafen würde, aber sie ließ Chakotay die Freude am Bauen.

Janeway saß neben Neelix, vor ihr stand eine Tasse mit dampfender Flüssigkeit auf dem Tisch.
"Neelix, was genau ist das?"
"Ein Kaffee-Ersatz aus den Wurzeln, die ich bei unserem letzten Landaufenthalt gesammelt habe."
Mißtrauisch sah sie in die Tasse.
"Das ist ja blau!" entfuhr es ihr.
"Aber es schmeckt wie Kaffee." entgegnete Neelix beleidigt.
Vorsichtig hob sie die Tasse und setzte sie an die Lippen. Das Zeug schmeckte nicht im entferntesten wie Kaffee, eher wie Seifenwasser.
"Brücke an Janeway."
"Janeway hier."
"Captain, bitte kommen Sie auf die Brücke."
Sie sah Neelix entschuldigend an.
"Es tut mir leid, Neelix, aber ich muß sie verlassen. Fragen Sie doch Ensign Wildman, ob sie probiert."
Sie zeigte in die andere Richtung, wo Wildman über den Anzeigen eines PADDs grübelte.
"Danke, Captain, sie wird es sicher zu schätzen wissen."
Janeway nickte und verließ den Raum. Sie wußte nicht, ob sie sich das nur einbildete, aber es kam ihr vor, als ob ihr alle nachstarren würden. War es wirklich so etwas ungewöhnliches, einen schwangeren Captain zu haben? Sie mußte zugeben, daß sie mit ihrem runden Bauch schon etwas komisch aussah, wenn sie durch die Gänge der Voyager watschelte. Unwillkürlich lächelte sie.


Ein stechender Schmerz durchzuckte sie und für kurze Zeit blieb ihr die Luft weg. Sie lehnte sich an die Wand, bis es ihr wieder besser ging. Kaum war sie einige Meter gelaufen, kam der Schmerz wieder.
"Ist es schon soweit? Das können auf gar keinen Fall die Wehen sein, es ist noch zu früh!" dachte sie in panischer Angst, aber doch irgendwie erleichtert, daß alles bald vorbei sein würde, und sie endlich ihr Baby im Arm halten würde.
Sie lehnte schwer atmend an der Wand und hielt sich den Bauch. B'Elanna, die gerade vorbei lief, blieb sofort neben ihr stehen.
"Captain?"
Janeway sah sie an. Tränen standen ihr in den Augen.
"Die Wehen haben eingesetzt. Können Sie mir helfen, in die Krankenstation zu gehen?"
Torres nahm sie am Arm und langsam gingen sie den Gang hinunter. B'Elanna redete die ganze Zeit beruhigend auf Janeway ein, die sich dankbar an ihr festhielt. Eine weitere Wehe ließ Janeway in ihren Schritten innehalten.
"Captain, es ist besser, wir beamen, bis zur Krankenstation ist es ein sehr langer Weg. Torres an Krankenstation. Notfalltransport. Zwei Personen auf die Krankenstation beamen."
Sie hielt Janeways Hand und spürte das vertraute Prickeln des Beamens.
Der Doktor kam sofort und half dem Captain, sich auf eine Liege zu legen. Janeway stöhnte wieder auf.
"Kommen die Wehen schon in regelmäßigen Abständen?"
Janeway schüttelte den Kopf. B'Elanna nahm ihre Hand und redete beruhigend auf sie ein. Kes betrat die Krankenstation, und war sofort damit beschäftigt, sich um Janeway zu kümmern.
"Krankenstation an Commander Chakotay. Bitte kommen Sie auf die Krankenstation. Ihr Baby verspürt das dringende Bedürfnis, das Licht der Welt zu erblicken."
Janeway sah den Doktor prüfend an. Hatte er schon wieder eine Modifikation seines Programms durchgeführt? Chakotay kam in die Krankenstation.
"Ist es schon soweit?"
Kes schüttelte den Kopf.
"Sie müssen Geduld haben, das geht nicht so schnell."
Es dauerte ungewöhnlich lange, bis das Baby endlich auf die Welt kam. Janeway war völlig entkräftet, lächelte aber glücklich als sie den ersten Schrei des Babys hörte. Kes wickelte es in eine Decke und gab es dem Captain. "Ein wunderschönes Mädchen, Captain!"
Sie hielt zum ersten Mal ihr Baby auf dem Arm. Der Doktor, B'Elanna und Kes standen lächelnd neben der Liege und sahen der neuen Familie zu. Chakotay sah Kathryn liebevoll an. Er küßte sie liebevoll auf die Stirn.
"Wie soll sie denn heißen?"
"Ich bin mir nicht sicher."
Sie sah Chakotay an.
"Bist Du mit meiner Wahl von gestern Abend einverstanden?"
Er nickte, dann nahm er seine Tochter auf den Arm.
"Hiermit wirst Du, meine kleine Tochter, den Namen Elaine Laura Janeway erhalten."
Er küßte sie vorsichtig und gab sie wieder in Kathryns Arme.
Glücklich sah Janeway das schlafende Bündel in ihrem Arm an. Eigentlich war sie Q jetzt doch dankbar, daß er ihr das ermöglicht hatte. Der Doktor sah sie an.
"Herzlichen Glückwunsch."
"Danke."
Chakotay ging in das Büro des Doktors und betätigte einige Sensorfelder des Computers.
"Commander Chakotay an die Crew. Hiermit informiere ich sie über die Geburt von unserer Tochter Elaine Laura Janeway. Wir geben heute abend allen Crewmitgliedern die Möglichkeit unseren neuen Mitbewohner zu begrüßen. Ich hoffe, Sie heute abend um 18 Uhr im Casino begrüßen zu können. Chakotay Ende."
Glücklich sah Janeway ihn an, als er wieder neben ihrem Bett stand. Er nahm ihre Hand.
"Captain, der Doktor muß ihre Tochter noch genau untersuchen, würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich Ihre Tochter jetzt für eine Weile mitnehme?"
Kathryn schüttelte nur den Kopf und legte Elaine in die Arme von Kes. Dann richtete sie sich ganz auf und fiel Chakotay um den Hals.
"Ich liebe Dich über alles! Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Tochter!" flüsterte sie ihm ins Ohr.



Fortsetzung folgt! 1
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