"Es ist nicht unbedingt passend, daß der Captain ein Kind bekommt. Ich habe nichts dagegen, wenn Crewmitglieder Babys bekommen, aber ich hatte gehofft, davon verspart zu werden."
"Kathryn, bitte. Freust Du Dich denn kein bißchen?"
"Eigentlich schon, aber hast Du schon mal überlegt, wie sehr mir der Bauch im Weg sein wird?"
"Du kannst ja eine Zeit lang vom Dienst zurücktreten."
"Damit Du das Schiff kommandieren kannst?"
"Damit Du dich auf die Geburt vorbereiten kannst. Immerhin ist so ein Baby ja was ,was man nicht wieder reinschieben kann, wenn's einem nicht passt."
"Ich werd's mir überlegen."
"Wenn Du Dich nicht schonst, kann ich Dich natürlich auch vom Dienst suspendieren."
"Wenn Du das tust-"
"Was dann?"
"Dann bring ich Dich um!"
"Captain, ich enthebe Sie hiermit ihres Postens."
Sie sprang auf und nahm den Bilderrahmen mit Marcs Foto und schlug ihn Chakotay von hinten auf den Kopf. Dieser fiel zu Boden und blieb reglos liegen. Gesplittertes Glas lag im Zimmer verteilt.
"Jetzt habe ich den schönen Bilderrahmen kaputt gemacht!"
Schweißgebadet wachte Captain Kathryn Janeway auf. Die Bettdecke lag auf dem Boden und ihre Füsse lagen auf dem Kopfkissen.
"Captain sofort auf die Brücke, das ist ein Notfall."
"Ich komme sofort."
Sie stand auf und zog ihre Uniform an. In Gedanken war sie immer noch bei dem Traum, den sie gerade gehabt hatte. Wäre sie wirklich so brutal und würde Chakotay umbringen, wenn er sie vom Dienst entheben würde? Nie, denn es würde nie vorkommen, da sie nicht schwanger werden würde.
Wenige Minuten später kam sie auf die Brücke. Der Raum war in dunkles Licht getaucht, auf dem Schiff herrschte Roter Alarm.
"Wir haben ein Schiff mit den Langstreckensensoren erfasst. Es hält Kurs auf uns. Alle seine Waffensysteme sind aktiviert."
"Auf den Schirm."
Ein kleines, unscheinbares Schiff erschien auf dem Bildschirm.
"Wirkt doch ziemlich harmlos. Vergrössern."
Jetzt wirkte es schon nicht mehr ganz so klein.
"Es ist ungefähr doppelt so groß wie die Voyager", ließ Fähnrich Harry Kim von seiner Konsole verlauten.
Janeway ließ sich auf ihren Sessel fallen.
"Sie sehen überarbeitet aus, Captain." flüsterte Chakotay ihr zu.
"Ist kein Wunder, wenn Sie mich mitten in der Nacht aus dem Bett holen."
Sie wollte nicht zugeben, daß ihr das eigentlich ganz Recht gewesen war, denn sie hasste diese Alpträume, die sie in letzter Zeit öfter hatte. Sie hatte ein schlechtes Gewissen gegenüber Chakotay, da sie es in ihren Träumen immer auf ihn abgesehen hatte.
"Captain, das Schiff ist jetzt im Bereich der Kommunikation."
"Rufen Sie es."
"Es sendet eine Nachricht."
"Auf den Schirm."
"Nur Audio."
"Dann lassen Sie es hören."
"Fremdes Schiff, sie befinden sich in unserem Gebiet. Das ist eine Verletzung unserer Rechte. Ziehen Sie sich zurück, oder wir eröffnen das Feuer."
Erstaunt sah Janeway ihren Ersten Offizier an.
"Irgendwie kommt mir das bekannt vor."
"Was meinen Sie?"
"Die Tatsache, daß wir uns in fremdem Territorium befinden. Sollen wir weiterfliegen?"
Janeway stand auf und ging zu Fähnrich Harry Kim, der an seiner Konsole stand.
"Zeigen Sie mir eine Karte dieser Region."
Eine Karte erschien auf der Konsole.
"Welches Gebiet beanspruchen die Fremden?"
"Es ist nicht sonderlich groß. Es ist das Gebiet um einen Planeten der Klasse M. Es würde etwa drei Wochen dauern, um das Gebiet zu umfliegen."
"Captain, das sollten Sie sich ansehen!"
Janeway drehte sich zu Tuvok um.
"Was ist es, Tuvok?"
"Dieser Planet hat eine Bevölkerung von über 1.8 Milliarden Lebewesen."
"Das ist mehr als die Erde."
"Dabei ist der Planet um 32 Prozent kleiner als die Erde und hat keine Form oberirdischer Vegetation. Das ist fast wie eine Wüste. Mit dem einzigen Unterschied, daß es dort Wasser gibt."
Nachdenklich sah Janeway das Schiff auf dem Hauptbildschirm an.
"Vielleicht können wir einen Handel mit ihnen abschließen."
"Was meinen Sie, Captain?"
"Einige Samen und Pflanzen gegen freien Flug durch ihr Gebiet."
"Captain, wir sollten jegliche Konfrontationen mit anderen Spezies vermeiden, wir haben schon genügend Feinde."
"Sie könnten unsere Freunde werden."
"Glauben Sie, daß ein Volk, deren Schiffe etwa doppelt so goß sind wie unseres, einen so geringen Tausch annehmen würde?"
"Sie können sich Pflanzen von jedem Planeten in diesem System holen. Sie leben auf dem einzigen Planeten, auf dem es keine Pflanzen gibt." warf Chakotay ein.
Resigniert seufzte Janeway.
"Paris, setzen Sie einen neuen Kurs und beschleunigen Sie auf Warp 7. Ich will so schnell wie möglich dieses Gebiet umflogen haben."
Sie setzte sich auf ihren Sessel.
"Captain, ich schlage vor, sie gehen wieder in ihr Quartier zurück. Ihre eigentliche Schicht beginnt erst in sechs Stunden."
"Danke für den Vorschlag, Commander, aber ich bin auch in der Lage, länger ohne Schlaf auszukommen."
Chakotay sah sie lächelnd von der Seite an, als sie anfing zu gähnen.
"Captain, sind Sie sicher?"
"Schon gut, ich gehe ja schon wieder. Sie haben die Brücke, Commander."
Sie betrat den Turbolift und lehnte sich an die Wand. Als sie Tür sich wieder öffnete ging sie langsam den Gang entlang zu ihrem Quartier.
Sie lag auf ihrem Bett und sah die Sterne an, die an ihrem Fenster vorbeizufliegen schienen. Sie ärgerte sich, daß sie auf der Brücke angefangen hatte zu gähnen und Chakotay es auch noch gesehen hatte. Sie mußte zugeben, daß sie doch ziemlich müde war, deshalb wunderte es sie auch, daß sie nicht wieder einschlafen konnte. Sie stand auf und ging zu ihrem Replikator.
"Computer, Kaffee, nein, halt, heiße Schokolade mit Sahne."
Eine Tasse dampfender Flüssigkeit erschien im Ausgabefach. Sie nahm die Tasse und setzte sich wieder auf ihr Bett. In Gedanken versunken nippte sie an ihrem Getränk. Ein greller Lichtblitz erhellte das Zimmer und eine Person saß plötzlich auf ihrem Sofa. Mit einem leisen Schrei sprang sie auf. Die heiße Schokolade verteilte sich auf ihrem Nachthemd.
"Warum so nervös, Captain?"
"Was wollen Sie denn hier?"
"Ich wollte Ihnen einen Besuch abstatten, ist dagegen etwas einzuwenden?"
"Mitten in der Nacht?"
Q sah sie an.
"Sie haben doch nicht geschlafen. Aber Sie hatten einige schöne Gedanken. Was war denn das mit diesem Baby?"
"Seit wann können Sie Gedanken lesen? Aber es stimmt. Ich denke gerade über einen Traum nach, den ich gehabt habe."
"Würden Sie denn gerne ein Kind bekommen?"
"Ich habe schon öfters darüber nachgedacht, aber ich glaube nicht, daß es hier, so weit von der Erde, angebracht wäre, ein Kind zu bekommen. Es würde nur die grauen Korridore der Voyager sehen und könnte nicht die Schönheit der Erde sehen, nur gefilterte Luft atmen und nicht mitkriegen, wie schön es ist, an einem Frühlingsmorgen die frische Luft einzuatmen."
"So wie Sie reden, haben Sie sich schon viele Gedanken darüber gemacht, oder?"
"Ich werde auch nicht jünger."
"Natürlich nicht. Haben Sie denn den passenden Mann?"
"Das ist jetzt aber sehr unfreundlich ausgedrückt. Seitdem Chakotay und ich auf New Earth waren, haben wir ein sehr inniges Verhältnis zueinander."
"Und wie lange ist das schon her?"
"Sie meinen, seitdem wir gerettet wurden?"
"Ja, wenn sie es als Rettung bezeichnen wollen."
"Woher wissen Sie denn das?"
"Man sieht Ihnen an, wie sehr sie New Earth vermissen."
"Es ist zwei Monate her."
Q sah sie nur lächelnd an.
"Sie wollen mir doch wohl nicht mitteilen, daß ich schwanger bin, oder?"
"Aber Captain, das müssten sie selber am besten wissen."
Janeway sprang auf und nahm einen Tricorder aus dem Regal. Prüfend sah sie die Anzeigen an, als sie ihren Bauch scannte. Sie lächelte, als sie Q wieder ansah.
"Sie haben Recht, ich bin schwanger. Woher haben Sie das gewußt?"
"Man sieht es ihnen an. Sie blühen förmlich. Seien Sie ehrlich, geht es Ihnen nicht sehr gut?"
"Doch, ich muß zugeben, daß es mir hervorragend geht. Aber was ist mit den Verhütungsmitteln? Chakotay und ich, wir haben doch-"
"Captain, Captain, daß Sie immer über das wie nachdenken müssen. Seien Sie doch froh, daß es funktioniert hat. Wie Sie schon sagten, Sie werden nicht jünger."
"Aber ich möchte schon wissen, wie das sein kann."
"Sagen wir es so, ich habe ein bisschen nachgeholfen."
"Ist ja sehr freundlich von Ihnen, aber das nächste Mal überlassen Sie das bitte der Natur."
"Das nächste Mal? Sie planen einen Großfamilie?"
Janeway sah Q vorwurfsvoll an, er zuckte entschuldigend mit den Schultern.
"Na ja, ist schon in Ordnung. Auch wenn es mir schwer fällt, muß ich mich bei Ihnen bedanken."
Geschmeichelt sah Q zu Boden. Bevor er wieder verschwand hauchte er Janeway einen Kuß auf die Wange.
Janeway saß auf ihrem Sofa. Eine einzelne Träne lief ihre Wange hinab. Sie hatte es den ganzen Tag für sich behalten. Es war ihr schwer gefallen, aber sie hatte sich nicht getraut, es Chakotay zu sagen. Er war zwar der Vater, aber irgendwie hatte sie ein schlechtes Gewissen. Immerhin hatte sie sich ja am Anfang dagegen ausgesprochen, daß auf der Voyager Kinder auf die Welt kommen. Es könnte aber auch die einzige Möglichkeit für die Voyager sein, zur Erde zurückzukehren, wenn auch ohne die ursprüngliche Besatzung.
"Computer, wo befindet sich Commander Chakotay?"
"Commander Chakotay befindet sich in Holodeck 3"
"Welches Programm läuft dort?"
"Sandrines."
Erleichtert atmete sie auf: Sandrines, das hieß, daß er nicht alleine war und sie ihn nicht bei wichtigen Ritualen stören würde. Sie zog sich ihr Lieblingskleid an, jenes blaue, das sie auf New Earth so oft getragen hatte, und machte sich auf den Weg zum Holodeck.
Die Senior Offiziere hatten sich versammelt und spielten Pool. Paris sah sie als erster.
"Captain Janeway, willkommen bei Sandrines."
"Danke, Lieutenant."
"Möchten Sie mitspielen?"
"Nein, danke, ich beschränke mich heute aufs Zuschauen."
Sie setzte sich an die Bar und sah ihren Offizieren zu. Kurze Zeit später gesellte sich B'Elanna zu ihr.
"Sie sehen gut aus, Captain."
"Danke, B'Elanna. Meinen Sie , ich kann Chakotay nach dem Spiel eine Weile für mich beanspruchen?"
"Ich denke schon, er wirkte aber den ganzen Abend schon etwas abwesend. Ich denke, sie werden das Spiel auch ohne ihn beenden können. Setzen Sie sich an einen Tisch, ich werde ihn dann zu Ihnen schicken."
"Danke B'Elanna."
Sie legte ihr eine Hand auf die Schulter und stand auf. Sie wählte einen abgelegenen Tisch, wo wenig Leute in der Nähe saßen. Kurze Zeit später gesellte sich ihr Commander zu ihr.
"Guten Abend, Kathryn."
"Hallo, Chakotay."
Er setzte sich ihr gegenüber und sie nahm zögernd seine Hand in ihre.
"Ich muß Dir etwas erzählen."
Er sah sie fragend an.
"Chakotay, ich bin schwanger."
Er sagte gar nichts und sah sie nur mit großen Augen an. Nach einer Weile stand er auf, nahm sie in den Arm und küsste sie. Die Welt um sie herum schien zu versinken, und keiner der beiden achtete mehr auf die verwunderten Blicke der anderen Crewmitglieder.
Alle wußten, daß etwas besonderes passiert sein mußte, damit die beiden sich in aller Öffentlichkeit umarmten.
Als sie sich mit sanfter Gewalt aus seiner Umarmung befreit hatte, sah sie ihn nur wortlos an. Er nahm ihre Hand und gemeinsam verließen sie das Holodeck.
"Wohin gehen wir?" fragte Kathryn.
"Das wird eine Überraschung."
Er zog sie hinter sich her und blieb vor einem anderen Holodeck stehen.
"Computer, aktiviere Programm Chakotay 2."
"Was ist das für ein Programm?"
"Neugierig bist Du ja überhaupt nicht, oder?"
Fieberhaft überlegte sie, was er wohl vorhatte. Ihre Gedankengänge wurden unterbrochen, als sich die Türen zum Holodeck öffneten.
"Mach die Augen zu."
Sie schloß ihre Augen und ließ sich von Chakotay führen. Es dauerte eine ganze Weile, bis er ihr schließlich erlaubte, ihre Augen wieder zu öffnen. Unwillkürlich hielt sie den Atem an, als sie sich umsah. Es sah alles so echt aus! Sie zog ihre Schuhe aus und tanzte durch das weiche Gras.
"So wie Du aussiehst, gefällt es Dir."
"Du weißt gar nicht, wie sehr ich New Earth vermißt habe."
"Ich kann es mir denken, mir ging es genauso. Jetzt erzähl mir das mit dem Baby noch einmal."
"Ich hatte vorhin Besuch von Q. Mit ihm habe ich mich über Babys unterhalten und dann hat er gesagt, daß ich schwanger wäre."
"Hast Du es nachgeprüft?"
"Natürlich. Ich bin im dritten Monat."
"Weißt Du schon, was es wird?"
"Nein, das will ich erst wissen, wenn es da ist."
Chakotay nahm sie fest in den Arm.
"Ich bin ja so glücklich!"
"Ich auch. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie oft ich schon davon geträumt habe!"
Er sah sie an.
"So, so, die Macht der Träume!" neckte er sie.
Arm in Arm lagen sie im Gras und beobachteten den Sonnenuntergang.
"Warum hast Du dieses Programm gemacht?" fragte sie ihn leise.
"Ich habe es vermißt, und außerdem hatte ich hier etwas ganz besonderes vor."
Sie sah ihn fragend an. Er stand auf und verschwand hinter einigen Büschen.
"He, wo gehst Du hin?"
"Ich komme gleich wieder. Bleib' Du einfach nur dort, wo Du bist."
Sie versuchte in der Dämmerung zu erkennen, was Chakotay tat, konnte aber nichts erkennen. Plötzlich trat er von hinten an sie heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie zuckte zusammen und schrie leise auf.
"Hab ich Dich erschreckt?" fragte er schelmisch.
Sie sah ihn nur wortlos an, dann streckte sie ihm lachend die Zunge raus. Sie ließ sich wieder ins Gras fallen und sah in den Himmel. Chakotay beobachtete sie lange Zeit schweigend. Plötzlich fiel er vor ihr auf die Knie und hielt ihr eine kleine Schachtel entgegen.
"Kathryn, willst Du mich heiraten?"
Sie war sprachlos, dann hauchte sie ein leises "Ja!" in die laue Sommernacht. Er öffnete die Schachtel und gab den Blick frei auf einen goldenen Ring mit einem herzförmigen Stein. Er nahm ihre Hand und steckte ihr den Ring an den Finger. Sie fiel ihm um den Hals und küßte sein tränennasses Gesicht, Tränen der Freude und der Erleichterung, daß sie ihn nicht abgewiesen hatte.
"Das muß Dich doch viele Replikatorrationen gekostet haben!"
"Es hat gereicht, daß ich meine Spielschulden von Tom eingetrieben habe. Aber für Dich tu ich alles!"