worüber kann man den heute noch kolummnen schreiben? die wirklich interessanten themen wurden bis zum völligen überdruß behandelt, so daß selbst aus so manchen augennzeugenberichten ehemaliger kz-häftlinge ungerechterweise langweilige massenware wurde. je mehr haarsträubende berichte über tod, verbrechen, betrug, steuerhinterziehung, geldwäsche, untergrundorganisationen, blutrache und tiermord es gibt, desto entschärfter werden die gedanken, desto abgestumpfter das empfinden der informationkonsumierenden. das bewußtsein des menschen in der kommunikationsgesellschaft wird genährt von den taten anderer, und so wie tiere für den menschen sterben, um ausgebeutet zu werden, so sterben vielleicht menschen in somalia, damit wir unterhalten werden. sollte man sich dafür einsetzen, daß insgesamt weniger geschrieben, berichtet wird? weniger unwichtiges? weniger schon zu oft dagewesenes? es gibt menschen, die sagen, daß der aspekt, daß es unendlich viele quellen an wissen, information und hintergrundeinblicken gibt, und daß diese vielen unterschiedlichen, von subjektivität gefärbten medien dem wachen menschen helfen, eine eigene meinung aus der summe aller informationen zu bilden, ein positiver ist - doch wird man von dem überfluß jener nicht geblendet, abgelenkt, kehrt man nicht unbewußt dem eigentlichen den rücken zu, indem man sich an details aufhält? hindert die vielfalt das individuum, vorwärts zu kommen, in seiner geistigen entwicklung? weg von den kompromissen, den ungewissenheiten, dem pendeln zwischen falsch und richtig und auf zu neuen klarer strukturierten, nicht manipulierbaren wegen? fest steht, daß je mehr information auf den lesenden, sehenden, hörenden einprasselt, er zunehmend weniger über gelesenes, gesehenes, gehörtes reflektieren kann und seine selbsterworbene moral, die sich im laufe eines lebens mehr oder weniger ausprägt und deren grundmotiv rein ist, sein sollte, verkümmert durch die gewalt anderer, zurückzuführen auf immer weniger funktionierende filter, welche zerstört sind vom informationsüberfluß und unwesentlichen elementen, wie dieser artikel eines ist. kd