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VORBEMERKUNG ZU DEM BERICHT ÜBER DIE PROTESTE IN PAPUA- NEUGUINEA Die vielen Menschen, die weltweit gegen den Polizeiterror in Genua und die Erschießung von Carlo Guiliano protestieren, dürfen nicht die Augen davor schließen, dass die neoliberale Politik von Weltbank, Internationalem Währungsfonds (IWF) und WTO nicht nur überall in den Ländern des Südens breite Protestbewegungen ins Leben gerufen hat, sondern dass diese Proteste oft mit noch brutalerer Gewalt von Polizei und Armee bekämpft werden und dass auch dort zahlreiche Todesopfer zu beklagen sind. Letztes Beispiel ist die Protestbewegung in Papua Neuguinea gegen Weltbank und Internationalen Währungsfonds, die etwa zeitgleich zu Genua vor allem von Studenten initiiert worden war. Mitte Juli dieses Jahres waren bereits 5 Studenten getötet worden. Außerdem gab es zahlreiche Verletzte. Untenstehend berichten wir über diese Protestbewegung.Um die Forderungen der Studenten jedoch zu verstehen ist es notwendig zu wissen, dass diese Bewegung die Fortsetzung eines früheren Kampfes in PNG ist, wo es ebenfalls gegen die Politik der Weltbank und ihre Strukturanpassungsprogramme (SAP) ging. Die Studenten forderten im Juni 2001:
Außer der Weltbank sind es vor allem ausländische Konzerne, die auf diese "Befreiung des Landes" drängen. Schon Polanyi hat nachgewiesen, dass die Verwandlung des Gemeineigentums in eine verkäufliche Handelsware zu den wichtigsten Maßnahmen in England gehörte, um eine kapitalistische Wirtschaftspolitik zu ermöglichen. (Polyani 1978) In PNG stößt diese Politik jedoch seit 1995 auf heftigen Widerstand des ganzen Volkes. Studenten und Frauen sind die Speerspitze dieses Widerstandes. Als der damalige Premierminister, Sir Julius Chan das Volk anflehte, doch den Widerstand gegen das Gesetz zur Landregistrierung aufzugeben, sagte er: "Bettler haben keine Wahl". Diese Bemerkung des Premiers löste einen Sturm der Entrüstung im ganzen Lande aus, der sich in vielen Leserbriefen niederschlug. Hier einige Kostproben: " Ich frage Sie, warum haben wir zu betteln? Wir in Papua Neuguinea waren nie Bettler, und wir wollen auch keine werden. Viele tausend Jahre haben unsere Ahnen in diesem Land gelebt, und sie haben überlebt, ohne jemanden von außen anzubetteln. Sie haben ihr eigenes, sich selbst erhaltendes Überlebenssystem aufgebaut. Hätten sie so gelebt, wie Sie, Herr Premierminister vorschlagen,, wären Sie und ich schon längst in das Buch der untergegangenen Spezies der menschlichen Rasse eingegangen. Was unsere Ahnen uns gelehrt haben, ist vor allem, dass wir ohne exzessive Kontrolle und Manipulation von außen und von internationalen Institutionen leben können... Menschen, die eine wahre Beziehung zum Land haben, werden dies verstehen. Nimm das Land weg, und wir sind wahrhaftige Bettler in unserem eigenen Land. Das Volk, die NRO, die Studentenvereinigung, alle Leute von PNG sind jetzt aufgerufen, selbst eine eigene, hier gewachsene Alternative zu suchen. Unser Programm ist einfach das Überleben unserer Eigenart und unserer Wohlfahrt und dass uns keiner von außen diktiert." (The National,27.5.1995) Immer wieder betonten die LeserbriefschreiberInnen, dass sie nicht arm werden könnten, solange sie Kontrolle über ihr kommunales Landsystem behalten würden. Das gelte nicht nur für die 85 % der Bevölkerung, die direkt auf dem Land lebt: "Aber auch die 5% der Bevölkerung, die in der Stadt leben und selbst die 10 %, die in den rasch wachsenden Slums um die Städte leben, können jederzeit zu dem Land ihrer Ahnen zurückkehren und das Land bebauen. Wegen dieses Landsystems sind Hunger, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit unbekannt in Papua Neuguinea"
Die Leiterin einer Frauenorganisation, Frau Bata, rief die Frauen auf: "Ihr dürft nicht zulassen, dass unser kostbares Land uns durch das Land-Mobilisierungsgesetz der Regierung weggenommen wird. Wir müssen an unserem Land festhalten und es davor schützen, dass es für die Ausbeutung durch ein paar Reiche erschlossen wird. Wir müssen unser Land, so wie es ist, erhalten, ohne Registrierung, sodass jede Person, vom Reichsten bis zum Ärmsten, Zugang zum Land haben kann." (Post Courier 3.8.1995) Die Frauen unterstützen die Studenten bei ihren Demos und Streiks. Als die Regierung die Polizei in die Universität von Port Morseby, der Hauptstadt, schickte, um den Studentenwiderstand zu brechen, zogen die Frauen vor die Kaserne und riefen die Soldaten auf, die Studenten gegen die Polizei zu unterstützen. Sie forderten sie auf, endlich etwas zum Schutz des kommunalen Landes zu unternehmen, das ja auch ihr Land sei. Darauf zog eine Kompanie Soldaten zur Universität, um die Studenten zu unterstützen. Sie wurden ethusiastisch von den Studenten begrüßt. Frauen hielten Reden über die sogenannte Landreform. Eine Frau fragte einen Polizisten, der den Marsch der Frauen und Soldaten am Eingang der Uni stoppen wollte, ob sie keine Söhne und Töchter hätten, für die sie das Land bewahren müssten. Daraufhin ließen die Polizisten die Soldaten und die Frauen passieren. (The National, 19. Juli 1995) Dieser massive Widerstand gegen Weltbank/IWF, ausländische Investoren und die Regierung führte dazu, das der Premierminister Julius Chan das Gesetz zur Landregistrierung und - "mobilisierung" am 19. Juli 1995 aufhob. Später musste er zurücktreten.
Maria Mies
DIE SUBSISTENZPERSPEKTIVE, EINE KUH FÜR HILLARY, S. 159 - 163.) Wie Nicholas Faraclas, Professor für Linguistik an der Universität von Papua Neuguinea schreibt, spielen die Frauen auch in diesem Jahr eine wesentliche Rolle im Widerstand gegen die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (Faraclas,N.: Globalization and the Future of Pidgin and Creole Languages, unveröffentlichtes Papier)
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