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Gr�ndung des Social Forum T�bingen / Reutlingen Regina Schwarz, 24.03.02
Im Rahmen einer Anh�rung von T�binger und Reutlinger Initiativen zu den lokalen Folgen der neoliberalen Globalisierung wurde am Samstag, den 23.02.2002 das erste lokale Social Forum" in Deutschland gegr�ndet. Ein lokales Social Forum" stellt entsprechend dem World Social Forum, WSF, dessen Jahres-Treffen im Februar zum zweiten mal in Porto Alegre, Brasilien stattfand, eine Plattform f�r globalisierungskritische Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen dar. Auf lokaler Ebene wollen sie gemeinsam die Folgen neoliberaler Politik thematisieren und bek�mpfen, obgleich sie aus einem breiten und unterschiedlichen politischen Spektrum kommen.
In Italien haben sich seit den Protestaktionen gegen den G8-Gipfel in Genua im Juli 2001 bereits mehrere lokale Social Foren" gegr�ndet. Dadurch hat sich die politische Kraft der globalisierungskritischen Bewegung in Italien potenziert. So protestierten am vergangenen Wochenende (23.03.02) ca. 2 Millionen italienische B�rgerInnen aus einem breiten politischen Spektrum gegen die neoliberale Abschaffung des bestehenden K�ndigungsschutzes. Dabei handelte es sich um die gr��te europ�ische politische Protestaktion seit mehreren Jahrzehnten. Die Begr�nder des Social Forum T�bingen / Reutlingen stellen in ihrer Analyse die Notwendigkeit neuer Politikformen fest. Dabei betonen sie die Wichtigkeit der Verankerung einer globalisierungskritischen Bewegung auf lokaler Ebene.
Die Globalisierungskritik-Bewegung darf sich jedoch nicht auf symbolische Inszenierungen wie Genua und Seattle beschr�nken so wichtig diese sind sondern braucht eine Verankerung im politischen Tagesgesch�ft lokal arbeitender Gruppen und Einzelpersonen. Daher mu� der Protest gegen die �konomisierung des Lebens hier vor Ort deutlich werden." Im Social Forum T�bingen / Reutlingen engagieren sich so unterschiedliche Gruppen wie beispielsweise der Personalrat des Universit�tsklinikums T�bingen, der DGB-Arbeitskreis T�bingen oder der Infoladen T�bingen und die Anarcho-Syndikalisten von der FAU T�bingen, um nur einige zu nennen. Die Gr�nder dieses lokalen Social Forum haben sich �ber die Schwierigkeiten bei der Kooperation von Gruppen aus unterschiedlichen politischen Spektren besch�ftigt. In ihren Grundlagen der Zusammenarbeit im T�binger Social Forum stellen sie fest: Dazu m�ssen wir uns auf-einander-beziehen statt eine Vereinheitlichung von Positionen zu versuchen. Das Ziel soll nicht eine vorschnelle Vereinheitlichung sein, sondern wir schlagen ein Aufeinander-in Beziehung-setzen vor" - sowie einen Austausch und von-einander-lernen". Es kommt dabei darauf an, sich nicht in einen b�sen und guten, militanten und konstruktiven Protest spalten zu lassen. Schon gar nicht von denen, die milit�rische Mittel zur Grundlage ihrer Au�enpolitik gemacht haben. Wir m�ssen verstehen, da� wir daf�r die Vielheit des Protests brauchen. Wir m�ssen jenen Respekt f�reinander entwickeln, den so eine neue Form der (Nicht) organisationen n�tig hat." Eine politische Herausforderung sehen sie darin, zwei unterschiedliche Spielarten von Kritik zusammen bringen zu wollen. Da sind auf der einen Seite diejenigen, die sich die Verteidigung des fordistischen Wohlfahrtsstaates zur Aufgabe gemacht haben. Sie setzen nach wie vor auf die bisherige Sozialstaatspolitik. Auf der anderen Seite finden sich diejenigen, die keinen gro�en Sinn in der Verteidigung des Sozialstaates sehen und die Krise des Fordismus als Ausgangspunkt f�r eine umfassende Umw�lzung der gesellschaftlichen Verh�ltnisse sehen." Diese Art der Heransgehensweise, in der die Diffusit�t als Vorteil bewertet wird ist insbesondere f�r die deutsche Anti-kapitalistische Bewegung, in der das Sektierertum traditionell jegliche Kraftpotenzierung verhinderte, ein neuer ermutigender Ansatz vielf�ltiger au�erparlamentarischer Opposition. Ich w�nsche dem Social Forum T�bingen eine bereichernde Kooperation und hoffe, dass ihr Beispiel die Gr�ndung weiterer Social Foren in diesem Land inspirieren wird. |