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Globalisierung und Privatisierung in der Kommune"
Ergebnis-Bericht vom Seminar auf der attac-Sommerakedemie
vom 27.07. 31.07.02 in Marburg
von J�rgen Crummenerl
In der Abschlussdiskussion am 30.7. haben wir beschlossen:
Am 16/17.11. werden wir ein bundesweites Treffen in K�ln machen,
wo wir u.a. eine Tagung/Kongress/Gro�veranstaltung
im Januar/ Februar 2003 vorbereiten
Schwerpunkte dieses Treffens werden sein:
- Erfahrungsberichte aus den Kommunen
- die Gemeindefinanzreform
- Wasserprivatisierung
- Die GATS-Verhandlungen (Ende M�rz 2003 sollen die EU-Staaten der WTO angeben, welche
Bereiche (Wasser/ Gesundheit/ Bildung pp) sie
den Konzernen �ffnen wollen)
- Weitere Themen k�nnen und sollen vorgeschlagen werden
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Jetzt zu den wichtigsten Ergebnissen des Seminars:
18 Personen haben teilgenommen, zum Teil nur an einzelnen Tagen.
1. Tag: 27.7.
Schwerpunkte waren
- das GATS und die Kommunen (J�rgen Crummenerl)
- �berblick �ber bisherige Privatisierungen Erfahrungen, Akteure,
Alternativen (Werner R�gemer)
Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussion:
- Das GATS ist in der �ffentlichkeit kaum bekannt, auch nicht unter
Kommunalpolitikern, Aufkl�rung ist jetzt eine wichtige Aufgabe.
- Die Privatisierungen sind schon weit fortgeschritten, vorangetrieben durch gro�e
Konzerne, die zum Teil global agieren und Kommunal-Spitzen. WTO/GATS beschleunigen diesen
Prozess und geben ihm einen rechtlich verbindlichen Rahmen.
- Auch durch die EU wird Einfluss genommen auf kommunale Privatisierungspolitik, durch
Rahmenrichtlinien, europaweite Ausschreibungspflichten oder Subventionsverbote z.B. durch
Quersubventionierungen oder besonders g�nstige �rtliche Bedingungen.
- Angesichts der �ffentlichen Berichterstattung �ber die sog.
Pleite" der Kommunen (weniger Steuereinnahmen, h�here Sozialausgaben) m�ssen
wir uns verst�rkt mit der Einnahmeseite besch�ftigen, d.h. mit der Gemeindefinanzreform
und diese auch als strukturelles Problem in den Vordergrund r�cken. Dazu werden jetzt
auch Gutachten von staatlicher Seite gefertigt (Regierungskommission f�r die Reform der
Gemeindefinanzen), die wir durch Stellungnahmen begleiten m�ssen.
- Die Privatisierungen in den Kommunen sind schon wesentlich weiter als
es auch in attac bisher wahrgenommen wird.
- Es ist eine gr��ere Sensibilit�t f�r das Problem der
Privatisierung �ffentlicher Daseinsvorsorge zu beobachten, sowohl bei Kommunalpolitikern
als auch in den Medien angesichts der Erfahrungen, dass Qualit�t sinkt, Preise steigen,
Arbeitspl�tze wegrationalisiert werden. Der Boden f�r unsere Argumente hat sich
verbessert.
- Es gibt aber auch Privatisierungsmodelle", die sinnvoll
sein k�nnen, z.B. in Ostdeutschland versuchen Gemeindemitglieder �ber Genossenschaften
die nicht gewinnorientiert sind ihre Daseinsvorsorge f�r sich zu
organisieren.
- Re-Kommunalisierung bereits privatisierter Bereiche ist schwierig,
weil Gewinngarantien f�r Privatunternehmen und allgemeine Preisentwicklungen die
R�ck-Kaufpreise so in die H�he treiben, dass die Kommunen das nicht bezahlen k�nnen.
Hier ist also bei Neu-Vertr�gen auf die Vertragsgestaltung genau zu achten.
- Es wurde auf die Erfahrung hingewiesen, dass kommunale Betriebe keine
Garantie sind gegen Misswirtschaft und schlechte Organisation und dass die �ffentliche
Kontrolle verbessert werden muss.
- Schlie�lich wurden Sozialbereiche benannt, die auch von
Privatisierung betroffen sind: Gesundheit, Pflege, Jugendhilfe und Arbeitsf�rderung.
2. Tag, 28.7.
Schwerpunkt: Wasserver- und entsorgung (Michael Bender)
Wichtigste Diskussionsergebnisse:
zun�chst die Zahlen:
- Abwasserableitung: 27% als Regiebetriebe, 35 % als
Eigenbetriebe der Kommunen, 15 % Anstalten des �ffentlichen Rechts, 12 % kommunale
Zweckverb�nde, 11 % Privatisiert
- Abwasserbehandlung: 18 % Regiebetriebe, 28 % Eigenbetriebe, 15
% Anstalten des �ffentlichen Rechts, 27 % Zweckverb�nde, 12 % Privatisiert
- Im Trinkwasserbereich ist der Privatisierungsanteil noch
relativ gering
- Insgesamt sind im Wassersektor noch gro�e M�glichkeiten f�r
Privatisierungen und riesige Gewinnchancen f�r Konzerne
- Hauptakteure der Privatisierungen sind Vivendi, Suez Lyonnaise des
Eaux, RWE/Thames Water, EON
- Eine engere Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Unser Wasser"
ist dringend geboten, da sich hier der Widerstand bereits organisiert hat
- Der Verband kommunaler Unternehmen ist Mitglied bei Unser
Wasser" und ein Partner f�r gemeinsames Vorgehen.
3. Tag, 29.7.
Schwerpunkt B�gerbegehren gegen die Privatisierung der
Stadtwerke
(Peter Sch�nh�ffer)
Wichtigste Ergebnisse der Diskussion:
- B�rgerbegehren/ B�rgerentscheid, die in einzelnen
Kommunalverfassungen der L�nder vorgesehen sind, sind ein gutes Instrument, um
Privatisierungen zu stoppen. Im Rahmen des B�rgerbegehrens k�nnen Argumente verdeutlicht
und B�ndnisse mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen geschlossen werden. Es wird
ein St�ck �ffentlicher Kontrolle zur�ckgeholt und Transparenz hergestellt. Die
Konzerne, die kaufen wollen, k�nnen unter die Lupe genommen werden bez�glich ihrer
bisherigen Praxis. Die Betreiber der Privatisierung sind gezwungen, ihr Vorhaben zu
begr�nden. Gemeinsame Aktionen der Gegner bilden die M�glichkeit f�r l�ngerfristige
Zusammenarbeit. Die Medien sind gezwungen zu berichten, wenn viele B�rger sich
beteiligen.
- Die Fragen von Kommunalfinanzen, �ffentlicher Kontrolle, Interessen,
soziale Zusammenh�nge r�cken mehr in den Mittelpunkt.
- Nach dem B�rgerbegehren bestehen bessere M�glichkeiten, in sp�tere
und geplante Entwicklungen der Daseinsvorsorge einzugreifen.
- Auch wenn nur" 49 % verkauft werden, also 51 % im Eigentum
der Stadt verbleiben, wird die reale Kontrolle und Gewinnorientierung des Konzerns mit
Minderbeteiligung dominant.
4. Tag, 30.7.
Schwerpunkt Wohnungspolitik (Ralf
Harth)
Wichtigste Ergebnisse der Diskussion:
- Die Privatisierung kommunaler Wohnungen vollzieht sich seit Jahren,
unabh�ngig von GATS und oft mit regionalen Investoren.
- Mieterb�ndnisse k�nnen bei einzelnen Projekten langfristig angelegt
werden und sind eine Grundlage f�r sp�tere Vorhaben.
- Die Zerst�rung von privatem Wohnraum zugunsten von Gesch�ftszentren
ist in vielen Gro�st�dten zu beobachten, wobei sich die Global Players" in
Zentren wie Frankfurt besonders breit machen.
- Der Zusammenhalt durch eine gemeinsame Wohnsituation ist oft
Ausgangspunkt des Protestes, wird aber auch durch den Widerstand gest�rkt.
Am Ende des Seminars wurde eine intensive Diskussion als
Bilanz" der 4 Tage gef�hrt. Hier die Ergebnisse, die �ber das bisher
berichtete hinausgehen:
- Grundlegend f�r die weitere Arbeit werden �rtliche Initiativen/AGs
sein. Nur wenn viele �rtliche Initiativen Widerstand organisieren, kann die
Privatisierungswelle aufgehalten werden, und nur dann macht bundesweite Koordination einen
Sinn
- In den Kommunen muss zun�chst eine Bilanz erstellt werden,
ein Ist-Zustand", wie ist die Daseinsvorsorge (M�ll, �ffentlicher Nahverkehr,
Stadtwerke, Wasser, Wohnungen pp) bisher organisiert, was ist bereits privatisiert, welche
Pl�ne gibt es. Dazu sollten Kontakte in die kommunalen Parlamente und Verwaltungen auf-
bzw. ausgebaut werden.
- �ber unseren bundesweiten AK wird ein Informations- und
Erfahrungsaustausch organisiert, gemeinsame Vorhaben wie Veranstaltungen oder Kampagnen in
Angriff genommen. Wir wollen unsere Bem�hungen verst�rken, auf der Website von
attac-Deutschland als Anlaufstelle sichtbar zu werden
- Die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Netzwerk Unser
Wasser" pp muss ausgebaut werden
- Berichte �ber Erfolge des Widerstandes m�ssen verbreitet
werden
- Wir werden ein attac-Faltblatt herstellen mit unseren
zentralen Aussagen und Forderungen (Entwurf macht Juliana Bauhofer)
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