|
|
Davos ist die Vergangenheit Porto Alegre ist die ZukunftEinmal nicht nur reagieren, sondern agieren wollten die Organisatoren des Weltsozialforums, das am Dienstag im brasilianischen Porto Alegre zu Ende ging nicht den Treffen der M�chtigen dieser Welt hinterherreisen, wie so oft in den letzten Jahren anl�sslich diverser Gipfel, sondern die Vertreter sozialer Bewegungen und Gewerkschaften dort zusammenbringen, wo optimale Bedingungen herrschen. Gekommen waren rund 3000 Delegierte sozialer Bewegungen sowie weitere 7000 G�ste, die in zahllosen Foren und �ber 500 Arbeitsgruppen tagten. Die Themen reichten �ber �konomische Alternativmodelle, gewerkschaftliche Arbeit, Bek�mpfung von Sklaverei und Kinderarbeit bis zu Arbeitsgruppen mit Titeln wie "Imperialismus heute", "Gewerkschaften und Neoliberalismus", "Marxismus und Feminismus" und "Weltbank-Boykott". Die angesprochene politische Bandbreite ist denkbar breit. Weitgehend Einigkeit besteht in der Ablehnung der unter dem Oberbegriff "Neoliberalismus" zusammengefassten Politik des Freihandels, der Deregulierung und Privatisierung. �ber die Frage, was zu tun ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Viele soziale Bewegungen aus dem S�den und auch Wissenschaftler, wie der philippinische Soziologe Walden Bello, der in Bangkok das Institut "Focus on the Global South" leitet, fordern die Aufl�sung von Weltbank und IWF. Im Aufruf f�r Porto Alegre hie� es hingegen: "Das Weltsozialforum wurde entwickelt als Konsequenz der wachsenden internationalen Bewegung, die f�r eine gr�ssere Teilhabe der Zivilgesellschaften an den internationalen Finanzinstitutionen wie dem IWF, der Weltbank und der WTO eintritt." Stark vertreten war unter anderem Via Campesina, ein internationales B�ndnis von Kleinba�rn, der auch die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST) angeh�rt. Deren Sprecher nutzten die Gelegenheit, f�r den 7.April zu einem internationalen Aktionstag gegen Gentechnik aufzurufen. Die internationale Agrarpolitik m�sse grunds�tzlich umgestaltet und auf regionale Versorgung und interne M�rkte ausgerichtet werden. Nur so sei der Hunger zu bek�mpfen. Viele hatten reichlich Wut mitgebracht: "Die Regierungen, die sich in Davos versammeln, um ihre zuk�nftige Politik zu skizzieren, sind diejenigen, denen weder die Hand zittert noch das Herz sich r�hrt, wenn sie Hunger und Unterdr�ckung globalisieren", meint Gilberto Silvestre. Der Mexikaner koordiniert den lateinamerikanischen Zweig von Via Campesina. Auch der franz�sische Bauern- Aktivist Jos� Bov�, der zuhause durch den Abriss eines McDonalds-Imbiss zum Held der Globalisierungsgegner wurde, war gekommen. Es gehe nicht so sehr um ausgefeilte theoretische Konzepte, als vielmehr um die revolution�re Tat, �usserte er gegen�ber Nachrichtenagenturen. Beim Sturm auf die Pariser Bastille habe man auch nicht gewusst, was danach kommt.Gesagt getan: Am Freitag vergangener Woche zerst�rten die Delegierten von Via Campesina zusammen mit Mitgliedern der MST und einer b�uerlichen Frauenorganisation ein Versuchsfeld des Gentechnikmonopolisten Monsanto. Der Anbau sei in Brasilien sowieso illegal, so ein MST-Sprecher.
SoZ - Sozialistische Zeitung Nr.03 vom 31.01.2001, Seite 13, Kontakt: www.worldsocialforum.org.
|