
UNFAIRE REGELN UND DOPPELTE STANDARDS
Die Oxfam Kampagne: MAKE TRADE FAIR
EINLEITUNG
Der Handel ist eine der m�chtigsten Kr�fte, die unser Leben mit dem anderer Menschen
verbindet. Er ist eine Quelle unvorhergesehenen Reichtums. Und doch sind Millionen von
armen Menschen auf der Welt von diesem Reichtum ausgeschlossen. Der gewachsene Wohlstand
geht Hand in Hand mit Massenarmut. Die obz�ne Kluft von Ungleichheit zwischen Reich und
Arm wird immer gr��er.
Der Welthandel k�nnte ein m�chtiger Motor sein, um die Armut zu
reduzieren und �konomisches Wachstum zu f�rdern.. Aber dieses Potential geht ungenutzt
verloren. Das Problem besteht nicht darin, dass der internationale Handel als
solcher den Bed�rfnissen und Interessen der Armen entgegensteht, sondern dass die Regeln,
die diesen Handel bestimmen, zugunsten der Reichen gemacht wurden.
Wenn Afrika, Ostasien, S�dasien und Lateinamerika ihren jeweiligen Anteil an den
Weltexporten nur um 1 Prozent erh�hen w�rden, k�nnte der daraus entstehende Gewinn 128
Millionen aus der Armut befreien. Allein in Afrika k�nnte dies 70 Milliarden Dollar
schaffen - ungef�hr f�nfmal soviel wie der Kontinent jetzt als Entwicklungshilfe
erh�lt.
Die Regierungen der reichen L�nder betonen in ihrer Rethorik stets, dass die Reduzierung
der Armut eins ihrer wichtigsten Ziele sei. In ihrer Praxis jedoch werden die Armen durch
(rigged) Regeln und doppelte Standards von den Segnungen des Handels ausgeschlossen. Damit
schlie�en sie die T�r f�r einen Ausweg aus der Armut. Z. Beispiel:
Die reichen L�nder geben jeden Tag 1 Milliarde Dollar f�r Agrarsubsventionen aus. Das
Resultat sind Agrar�bersch�sse, die dann zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt geworfen
werden. So wird die Existenzgrundlage von Millionen von Kleinbauern in armen L�ndern
unterminiert.
Wenn Entwicklungsl�nder auf die M�rkte der reichen L�nder exportieren wollen, dann
treffen sie auf Zollschranken, die viermal h�her sind als die, auf die die reichen
L�nder selbst sto�en. Diese Zollschranken erzeugen Kosten von 100 Milliarden Dollar pro
Jahr -doppelt soviel, wie die armen L�nder an Entwicklungshilfe erhalten.
- W�hrend die reichen L�nder ihre M�rktee geschlossen halten, werden die armen vom
Internationalen W�hrungsfonds und der Weltbank unter Druck gesetzt, ihre eigenen M�rkte
in einem rasanten Tempo f�r den internationalen Handel zu �ffnen. Dies hat oft
katastrophale Folgen f�r die armen Gemeinschaften.
- Der internationalen Gemeinschaft ist ees nicht gelungen, das Problem der niedrigen und
unstabilen Warenpreise aufzugreifen und zu regeln. Dadurch werden Millionen von Menschen
zur Armut verdammt. Der Kaffee Preis, z.B. ist seit 1997 um 70 Prozent gefallen. Dadurch
gingen den Kaffeeexporteuren in den Entwicklungsl�ndern 8 Milliarden Dollar
Deviseneinnahmen verloren.
- M�chtige Transnationale Konzerne (TNKss) hatten und haben die Freiheit, Investitions-
und Arbeitspraktiken anzuwenden, die zu Armut und Unsicherheit f�hren. Sie sollen sich
lediglich freiwillig
- zahnlosen Verhaltensregeln unterwerfenn. In vielen L�ndern beruht der Erfolg der
Exportwirtschaft auf der Ausbeutung von Frauen und M�dchen.
- Mehrere Regeln der Welthandelsorganisaation (WTO) �ber den Handel mit Intellektuellen
Eigentumsrechten (TRIPs), Investitionen (TRIMS), und Dienstleistungen (GATS) sch�tzen die
Interessen der reichen L�nder und der m�chtigen TNKs. Dabei werden den
Entwicklungsl�ndern immense Kosten aufgeb�rdet. Diese Ungleichheit der Behandlung f�hrt
zu einer fundamentalen Infragestellung der Legitimation der WTO.
Die Reform des Welthandels ist nur ein Erfordernis, um die tiefen Ungerechtigkeiten zu
beenden, die die Globalisierung charakterisieren. Es sind auch Aktionen erforderlich, um
die Ungleichheiten in bezug auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Einkommensverteilung
und Berufschancen zu reduzieren., einschlie�lich der Ungleichheiten, die zwischen Frauen
und M�nnern existieren. Die Regeln des Welthandels sind auf jeden Fall ein
Kernfaktor des Hungerproblems. Fundamentale Reformen sind daher notwendig, um sie zu einem
Teil der L�sung dieses Problems zu machen
DIE KAMPAGNE VON OXFAM
Die Kampagne MAKE TRADE FAIR zielt auf eine Ver�nderung der Welthandelsregeln, so dass
der Handel tats�chlich einen Unterschied machen kann im Kampf gegen die globale Armut.
Die Hauptziele der Kampagne sind folgende:
Die Bedingungen, die mit den IWF- und Weltbank- Programmen verbunden
sind und die die armen L�nder zwingen, ihre M�rkte zu �ffnen, ohne R�cksicht darauf,
welche Auswirkungen dies f�r die Armen hat, m�ssen abgeschafft werden.
Der Marktzugang muss f�r die armen L�nder verbessert werden und der
Zyklus von subventionierter Landwirtschaft, �berproduktion und Export-Dumping der reichen
L�nder muss beendet werden. Au�erdem m�ssen die Regeln der WTO so ge�ndert werden,
dass Entwicklungsl�nder ihre heimische Nahrungsproduktion sch�tzen k�nnen.
Es m�ssen neue internationale Waren-Institutionen geschaffen werden,
die die Diversifikation f�rdern und ein �berangebot bestimmter Waren beenden, damit die
Preise f�r die Produzenten erh�ht werden, sodass ihnen ein vern�nftiger Lebensstandard
garantiert werden kann. Das bedeutet ,dass die Praktiken der Konzerne ge�ndert werden, so
dass sie faire Preise zahlen.
Es m�ssen neue Regeln �ber die Intellektuellen Eigentumsrechte
geschaffen werden, die sicherstellen, dass arme L�nder sich neue Technologien und
Grundmedizinen leisten k�nnen, und dass Bauern das Recht behalten, Saatgut aufzubewahren,
auszutauschen und zu verkaufen.
Regeln und Gesetze m�ssen verboten werden, die Regierungen dazu
zwingen, grundlegende Dienste der Daseinsvorsorge zu liberalisieren und zu privatisieren -
Dienste, die notwendig sind f�r die Armutsbek�mpfung.
Die Qualit�t der Investitions- und Arbeitsstandards im privaten Sektor
m�ssen verbessert werden.
Die WTO muss demokratisiert werden. Den armen L�ndern muss eine
st�rkere Stimme gegeben werden.
Die nationalen Politiken bez�glich Gesundheit, Bildung und
Regierungsverhalten m�ssen ge�ndert werden, sodass die Armen ihre eigenen F�higkeiten
entwickeln und ihre Potentiale realisieren k�nnen, sodass sie am Marktgeschehen unter
gleicheren Bedingungen partizipieren k�nnen.
Das bestehende Welthandelssystem ist nicht zu verteidigen, noch ist es
zukunftsf�hig. Keine zivilisierte Gemeinschaft kann die Extreme von gleichzeitigem
Reichtum und gleichzeitiger Armut tolerieren, die das herrschende Handelssystem erzeugt.
Gro�e Teile der Entwicklungswelt sind Enklaven von Verzweiflung geworden, die zunehmend
marginalisiert und ausgeschlossen sind von dem wachsenden Wohlstand, der durch den Handel
geschaffen wird. Geteilte Prosperit�t kann nicht auf einer solchen Grundlage aufgebaut
werden. Wie die wirtschaftlichen Kr�fte, die die Globalisierung vorantreiben, keine
Grenzen kennen, so werden auch Zorn und Wut und soziale Spannungen , die die
Ungleichverteilung von Reichtum und Chancen begleiten keine nationalen Grenzen
respektieren. Die Unstabilit�t, die diese Spannungen hervorbringen, bedroht uns alle. In
der globalisierten Welt von heute ist unser Leben mehr als je zuvor mit anderen Leben
verkn�pft, dass gilt auch f�r unseren Wohlstand. Als globale Gemeinschaft werden wir
entweder zusammen schwimmen oder untergehen.
Oxfam glaubt, dass ein Wandel m�glich ist. Das internationale Handelssystem ist keine
Naturgewalt. Es ist ein System des Autauschs, das von Regeln und Institutionen gelenkt
wird, die politische Entscheidungen reflektieren. Diese Entscheidungen k�nnen den
Interessen der Schwachen und Verletzlichen Priorit�t geben oder aber den Interessen der
Reichen und M�chtigen. Der Handel verst�rkt die weltweite Armut und Ungleichheit weil
das internationale Handelsystem so gemanaged wird, dass es zu diesem Resultat kommt.
Die internationalen Spielregeln spiegeln die Macht der herrschenden
Interessen wider- aber dies kann durch eine geschlossene �ffentliche Kampagne ge�ndert
werden, Wie die internationale Kampagne zur Schuldenstreichung der armen L�nder gezeigt
hat, k�nnen �ffentliche Aktionen erreichen, dass die Interessen der Armen auf das
internationale Programm gesetzt werden. Und es k�nnen wirkliche Erfolge f�r die
menschliche Entwicklung erzielt werden.
Zum Schluss: Wir m�ssen eine klare Wahl treffen. Wir k�nnen w�hlen,
dass unfaire Handelsregeln weiterbestehen und Armut und Elend verursachen, samt den
Konsequenzen, denen wir dann ausgesetzt sind, oder wir k�nnen diese Regeln �ndern. Wir
k�nnen der Globalisierung erlauben, weiterhin f�r die wenigen zu wirken anstatt f�r die
vielen, oder wir k�nnen ein neues inklusives Modell der Globalisierung schaffen, das auf
gemeinsamen Werten und Prinzipien sozialer Gerechtigkeit beruht. Wir haben die Wahl. Und
jetzt ist die Zeit zu w�hlen.
(�bersetzt von Maria Mies)
