Junge Welt vom 16.11.02
Lob von der Weltbank für Kuba
Gesundheits- und Bildungspolitik beispielgebend für Entwicklungsländer
Weltbank-Präsident James Wolfensohn hat Kuba großes Lob für dessen Gesundheits- und
Bildungspolitik erteilt. Nach den von der Bank jetzt veröffentlichten World Development
Indicators (WDI) schneidet der sozialistische Karibikstaat in beiden Bereichen weit besser
ab als jedes andere Entwicklungsland.
Zum Ende des fünftägigen Frühjahrstreffens von Weltbank und Internationalem
Währungsfonds (IWF) erklärte Wolfensohn vor Journalisten am Montag in Washington, Kuba
leiste gute Arbeit. Die neuen WDI-Daten zeigten, daß es der kubanischen Regierung unter
Fidel Castro gelungen sei, das Gesundheits- und Bildungssystem trotz des laufenden
US-Handlesembargos und der vor über zehn Jahren eingestellten Hilfe aus Moskau noch
weiter zu verbessern.
Kuba investiert seit den 90er Jahren etwa neun Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP)
in den Bereich Gesundheit. Mit statistisch gesehen 5,3 Ärzten je 1 000 Einwohnern hat der
Staat die höchste Ärzterate der Welt. Auch liegt die Säuglingssterblichkeit bei sechs
je 1000 Lebendgeburten - eine Rate, wie sie sonst nur Industriestaaten aufweisen können.
Kuba liegt damit weit unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt.
Der Bereich Bildung wird vom Staat mit 6,7 Prozent des Nationaleinkommens gefördert.
Daher kann auf Kuba jeder Jugendliche lesen und schreiben, denn seit 1997 geht hier
anders als in den USA jedes Kind zur Schule. Selbst in den fortgeschrittensten
lateinamerikanischen Staaten liegt die Einschulungsrate allenfalls bei 80 bis 90 Prozent.
Kuba ist neben Nordkorea das einzige Entwicklungsland, das seit 1960 keinen einzigen
Weltbankkredit erhalten hat, ja nicht einmal Mitglied der Bank ist. Dessen
Wirtschaftspolitik ist das Gegenteil des neoliberalen Kurses, den die Bank empfiehlt.