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Ist die Kriegsgeilheit größer als der Wunsch nach Wahrheit ?
Zu wenig Aufmerksamkeit wird meiner Meinung nach in diesen politisch bewegten Tagen nach dem Attentat auf das World Trade Center, das Pentagon und das US-Außenministerium auf die kritische Bewertung der vorgeführten Fakten und Beweismaterialien gelegt und zuviel auf die Auseinandersetzung über die politischen Konsequenzen, die auf die vorausgesetzten Fakten einsetzte. Gerade ein Ereignis von dieser politischen Tragweite auf die innen- und außenpolitischen Konsequenzen muss doch von den Untersuchungsbehörden der Staaten, die ihre zivilisierte" Rechtsstaatlichkeit anlässlich der Terroranschläge so betonen, mit dem Anspruch zivilisierter kriminalistischer Methodik untersucht werden, da doch die politischen Konsequenzen absolut von der Tatsache abhängen, wer diese Anschläge begangen hat.
Da ich den Eindruck gewonnen habe, dass die politisch Verantwortlichen der zivilisierten Welt" nicht als ersten Schritt feststellen wollten, wer die Anschläge begangen hat, bevor sie die politischen und militärischen Konsequenzen in Angriff nehmen, sondern genau umgekehrt vorgehen, glaube ich, dass ihnen die politischen Möglichkeiten, die sich für sie aus den Anschlägen ergeben wichtiger sind, als die wirkliche Festnahme und rechtsstaatliche Behandlung der Täter. So gibt der US-Außenminister Colin Powell offen zu, dass die Beweise", die inzwischen den NATO-Ländern und ein paar anderen vorgelegt wurden not evidence in the form of a court-case" seien (keine Beweise im sinne einer juristischen Beweisführung vor Gericht). Angesichts der von ihnen vorgeführten Trauer und wiederholter Beteuerung vor den Angehörigen der Opfer, dass es ihnen darum ging, die Täter zu fassen kommt mir die Vorgehensweise der politisch Verantwortlichen in den Regierungen heuchlerisch vor.
Ich kann nicht verstehen, warum die Verkündigung von der Medienanstalt CNN Stunden nach dem Anschlag, der für die Anschläge Verantwortliche sei ein islamischer Fundamentalist namens Osama bin Laden so widerspruchslos zur Grundlage aller weiteren politischen Diskussionen gemacht wurde. Die öffentliche Proklamation eines Schuldigen durch einen Fernsehsender anstelle einer rechtsstaatlichen Institution entspricht doch wahrhaftig nicht dem Vorgehen eines zivilisierten Rechtsstaats, insbesondere, wenn man die Folgen, die so eine Medienproklamation zur Folge haben, bedenkt. In einem zivilisierten Rechtsstaat wird damit der Tatbestand der Verleumdung und der üblen Nachrede erfüllt wobei bei der Art der Darstellung nicht nur der von der Medienanstalt verleumdete Osama bin Laden von diesem Tatbestand betroffen ist, sondern eine ganze Religionsgemeinschaft diffamiert wird.
Konsequenz der Verleumdung und üblen Nachrede dieser Religionsgemeinschaft hat ein Ansteigen von rassistischem Verhalten gegenüber Mitgliedern dieser Religionsgemeinschaft sowie auch gegenüber atheistischen Menschen mit orientalischem Aussehen zur Folge, die die Verkünder der Idee, die Attentäter seien islamistische Fundamentalisten, wohlwissend in Kauf genommen haben. Ich würde sogar so weit gehen, dass auch die zivilisierten rechtsstaatlichen Institutionen, die diese Verkündigung nicht sofort als unrechtsstaatlich widerrufen haben, die Konsequenz der rassistischen Verfolgung und den Verleumdungstatbestand billigend in Kauf genommen haben, so dass man eigentlich insgesamt keine zivilisierte rechtsstaatliche Vorgehensweise erkennen kann.
Mit der öffentlichen Darstellung der Religionszugehörigkeit eines sogar nur vermeintlichen Täters wird hier bewusst Verhetzung einer Religionsgemeinschaft betrieben. Deshalb ist es mir absolut unverständlich, warum man dann im zweiten Akt beteuert, dass man jetzt auf keinen Fall rassistisch reagieren darf. Die Darstellung der Religionszugehörigkeit eines potentiellen Täters ist doch geradezu ein Aufruf zum Rassismus.
Ich kann doch auch nicht behaupten, die christlichen Fundamentalisten haben die Ureinwohner Nordamerikas ausgerottet, weil sie wollten, dass dieser Teil der Welt christlich wird und mich dann wundern, dass dadurch das Christentum in Verruf geraten könnte. Stattdessen muss ich doch sagen, dass es sich um europäische Eroberer gehandelt hat, die ihre Wirtschaftsinteressen verfolgt haben, damit nicht die ganze Religionsgemeinschaft der Christen kriminalisiert wird (um es mal mit dem ersten mir bekannten Terrorakt, der in Nordamerika stattfand zu vergleichen).
Nach meinem Eindruck wird hier eine Medienbehauptung als Grundlage zur Verbreitung von zielgerichtetem Rassismus und Kriegspropaganda gemacht. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu untersuchen, warum die Kriegsgeilheit in diesem Fall offensichtlich größer zu sein scheint, als der Wunsch nach Wahrheit ? Da mir das im Moment zu weit führen würde, möchte ich im Folgenden die von mir wahrgenommenen Widersprüche und Fragen formulieren, die sich bei mir bei der Wahrnehmung der Ereignisse in den Medien eingestellt haben. Die mangelnde öffentliche Auseinandersetzung über diese Widersprüche und Fragen hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass die Untersuchung und die Darstellung der Fakten zugunsten von Polemik und Propaganda vernachlässigt wird.
Beispielsweise frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass mehrere Flugzeuge gleichzeitig entführt werden, von ihrem Kurs abkommen und dann eines davon unbehelligt in das Pentagon stürzen kann ? Ich gehe davon aus, dass es sich beim Pentagon um eines der am besten geschützten Gebäude der Welt handelt. Dann kann ich doch nicht annehmen, dass sich jeder kleine lebensmüde Cessna-Besitzer mit einer Ladung Sprengstoff an Bord in das Buch der Geschichte hätte eintragen lassen können ? Der Luftraum wird doch sowohl von zivilen als auch von militärischen Luftfahrtbehörden permanent mit Radarschirmen beobachtet. Wieso haben beide Institutionen dabei zugeschaut, wie mehrere Flugzeuge gleichzeitig von ihrem Kurs abkommen, also offensichtlich entführt wurden, ohne einzuschreiten ?
Warum war bereits nach einer Woche nach den Anschlägen überhaupt nicht mehr von dem parallel durchgeführten Autobombenanschlag auf das Außenministerium die Rede, obwohl die Ermittlungen dieses Anschlags sich doch offensichtlich einfacher gestalten haben müssen (Herkunft des Autos, Herkunft der Sprengmaterialien) ?
Warum stehen auf den von `Yahoo´ im Internet veröffentlichten Passagier- und Crewlisten der verunglückten Flugzeuge keine arabischen Namen (http://us.news2.yimg.com/f/42/31/7m/dailynews.yahoo.com/h/ap/20010912/us/attacks_victims_list.html) und gleichzeitig werden lauter arabische Namen als auf der Passagierliste stehende Täter in allen anderen Medien bekanntgegeben, ohne dass sie eine komplette Passagierliste veröffentlichen ?
Wie ist es möglich, daß man bereits einige Stunden nach dem Attentat eindeutig behauptet, den Verantwortlichen herausgefunden zu haben, obwohl man vorher überhaupt nichts gewusst haben will ? Das sieht doch eher danach aus, als weiß man viel, was man nicht zugeben will, und es gehört mit zum Plan, den Verdacht von vorneherein auf eine falsche Fährte zu führen. Falls es Menschen waren, die tatsächlich so raffiniert waren, diesen Anschlag an sämtlichen Geheimdiensten der Welt vorbei zu planen und auch im Nachhinein nicht erkannt werden wollen (weil sie keinen Bekennerbrief veröffentlichen), werden sie doch nicht gleichzeitig so unraffiniert sein, dass man ihnen Stunden später auf die Spur kommt. Es läge doch nahe, dass solche Täter wenn überhaupt, falsche Spuren und Beweismittel legen.
Wie ist es möglich, dass Behörden, die Stunden später die öffentliche Bekanntgabe eines sogenannten Verantwortlichen durch die Medien widerspruchslos hinnehmen und demnach akzeptieren, gleichzeitig so wenig über die Lage des Unglücksortes wissen, dass sie quasi halb Amerika zum Blutspenden auffordern, obwohl es nur wenige Schwerverletzte gibt. Da ich die Zahl der Schwerverletzten nirgendwo gefunden habe, sondern nur die Zahl der von Ärzten behandelten Verletzten mit 2000 angegeben wurde, gehe ich davon aus dass nur ein kleinerer Prozentsatz davon so schwer verletzt war, dass er eine Blutkonserve benötigte.
Genauso wenig war wohl über die Anzahl der gefundenen Leichen bekannt, als in den Medien noch zwei Tage später mehrfach verkündet worden war, dass überall in New York die Leichen- und Krankenwagen unterwegs seien.
Seltsam erscheint mir auch, dass nirgendwo die Zahl der tatsächlich aus dem World-Trade-Center evakuierten Personen auftaucht, wodurch man doch auch errechnen könnte, wie viele Personen sich möglicherweise noch im WTC aufhielten, als es einstürzte. Mit diesem Fragen will ich nicht zum Ausdruck bringen, dass die geringere Zahl der Gestorbenen nicht zu Betrauern sei, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man nicht spätestens einen Tag nach den Ereignissen eine genauere Kenntnis über die Zahl der Schwerverletzten und die Zahl der Evakuierten haben konnte und unterstelle eine bewusste Übertreibung der Zahlen um die weltweite Trauer und Solidarität und das Ausmaß der politischen Konsequenzen zu steigern.
Des weiteren fällt mir auf, dass keine bedeutende" Person des Wirtschaftslebens ums Leben gekommen ist, obwohl ich doch davon ausgehe, dass im WTC viele hochrangige Persönlichkeiten aus Industrie und Wirtschaft gearbeitet haben. Ich vermisse darüber hinaus eine Veröffentlichung einer Auflistung der nationalen Zugehörigkeiten der Toten.
Ich gehe davon aus, dass es außer mir auch anderen Menschen aufgefallen ist, dass merkwürdige Unstimmigkeiten bei der öffentlichen Darstellung der Ereignisse auftreten. Desto mehr wundere ich mich, dass es darüber keine öffentliche Diskussion gibt, die dazu beitragen würde, diese Unstimmigkeiten aufzuklären. Es drängt sich mir folglich der Schluss auf, dass eine Diskussion über diese Unstimmigkeiten unerwünscht ist, also tatsächlich die Aufklärung der Anschläge in den Vereinigten Staaten von offizieller Seite gar nicht angestrebt wird. Die Tolerierung dieses offensichtlichen Opportunismus finde ich angesichts des Ausmaßes an Verletzten und Toten und insbesondere angesichts des Ausmaßes der politischen und militärischen Konsequenzen, die ohne zugrundeliegende Beweislage bereits im vollen Umfange umgesetzt werden, und weitere Menschenleben kosten, unfassbar. Hier drängt sich mir geradezu die Idee auf, dass eine genaue Untersuchung vor einem kriegerischen Aktionismus deshalb nicht gewünscht wird, weil die Geheimdienste möglicherweise selbst beteiligt sind ?
Aus diesem Grunde wünsche ich mir die Auseinandersetzung über die Widersprüchlichkeiten und Auffälligkeiten in der Darstellung und öffentlichen Diskussion der Anschläge in den USA am 11.09.01.
Über einen Kommentar, eine Antwort auf meine Fragen und das Aufstellen weiterer Fragen würde ich mich sehr freuen.
Regina Schwarz Köln, den 3.10.01 |