Der internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben angekündigt, ihr
Jahrestreffen im September auf zwei Tage zu reduzieren. Der Grund seien die zu erwartenden
Demonstrationen von Globalisierungegnern, teilten der IWF und die Weltbank am Freitagabend
mit. Das Treffen soll am 29. und 30. September in der US-Hauptstadt Washington
stattfinden. Ursprünglich waren fünf Tage für das Treffen geplant. Die Entscheidung sei
nach Beratung mit der US-Regierung gefallen, hieß es. Washingtons Bürgermeister Anthony
Williams warnte, die Stadt werde die Sicherheit während des Treffens ohne Bundeshilfe
nicht gewährleisten können.
"Das ausdrückliche Ziel der Gewalt einiger Gruppen schmälert die Chance, mit
Menschen in guter Absicht über unsere Standpunkte zu sprechen", sagte der Sprecher
der Weltbank Merrell Tuck. Dies sei ein bedauerlicher Rückschlag. Vermutlich würden eine
Reihe von gleichzeitig geplanten Veranstaltungen gestrichen werden, darunter auch eine
Rede des argentinischen Wirtschaftsministers Domingo Cavallo zur Krise der argentinischen
Wirtschaft. Die Vorstände des IWF und der Weltbank sollen am Dienstag über die
Verkürzung des Treffens abstimmen. Washingtons Bürgermeister Anthony Williams hatte
US-Präsident George W. Bush Anfang der Woche gewarnt, dass die Stadt ohne Bundeshilfe
nicht in der Lage sei, die Sicherheit während des IWF-Treffens zu garantieren. Die Kosten
für die Sicherheitsvorkehrungen beliefen sich auf rund 50 Millionen Dollar (rund 109
Millionen Mark). Ein verkürztes Treffen würde die Kosten erheblich reduzieren, sagte ein
Sprecher des Bürgermeisters. "Die Proteste und Demonstrationen werden von einer
Heftigkeit, einem Umfang und Ausmaß sein, die wir in dieser Stadt noch nie gesehen
haben", hatte Williams in einem Brief an Bush geschrieben. Beim Treffen des IWF und
der Weltbank im April vergangenes Jahr waren bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten
und Polizei rund 600 Menschen fest genommen worden. Für September werden etwa 50.000
Menschen erwartet. Die Demonstrationen bei Gipfeltreffen haben in den vergangenen Jahren
an Ausmaß und Gewalt zugenommen. Zuletzt war beim Weltwirtschaftsgipfel in Genua im Juli
ein Demonstrant von einem Polizisten erschossen worden. Mehr als 230 Menschen wurden
verletzt und etwa 280 Personen fest genommen.
Washington (Reuters) 2001