Aufruf israelischer Friedensaktivisten nach Unterstützung aus Deutschland

Die ganze Welt hat die Eskalation der Gewalt in Israel und Palästina mitangesehen. Die israelische Friedensbewegung setzt sich mit aller Kraft dafür ein, die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen. Diese Menschen erkennen, dass die Militärpolitik der Sharon-Regierung nicht nur das palästinensische Volk zerstört, sondern auch die Menschen in Israel selbst. Laut der israelischen Friedensorganisation `Peace Now´ wird Israel erst dann sicher sein, wenn es mit seinen Nachbarn Frieden geschlossen hat.

Viele Israelis organisieren Friedensbildungs-Veranstaltungen, Proteste und direkte Aktionen. So demonstrierten beispielsweise am 12.Mai 2002 über 60.000 Menschen in Tel Aviv für das Ende der Besetzung.

Aber die Situation für die Friedensaktivisten ist sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch äußerst schwierig. Innenpolitisch werden sie von einer Hardliner- Regierung und mit einer Bevölkerung konfrontiert, die in einer hochmilitarisierten Gesellschaftskultur dazu erzogen wurde, die „Araber" als Feinde zu betrachten. Das israelische Militär und die palästinensischen Selbstmordattentäter sind dabei zur Aufrechterhaltung der gegenseitigen Feindbilder aufeinander angewiesen. Außenpolitisch stellen sich die israelischen Friedensaktivisten gegen die Interessen mächtiger internationaler Akteure, die keinesfalls das Wohl der Menschen in dieser Region im Auge haben. In dieser Situation suchen sie Unterstützung im Ausland. Deutschland hat dabei aufgrund seiner Stellung in Europa eine Schlüsselrolle. Deshalb rufen sie insbesondere die Deutschen auf, sie zu unterstützen.

Doch Deutschland schweigt. Die Angst, als Anti-Semiten bezeichnet zu werden stellt eine Falle dar, die die israelische Regierung vor innen- und außenpolitischer Kritik schützt, selbst wenn ihre Politik einer ethnischen Säuberung gleichkäme.

Die Rolle des Militärs in Israel

Um Israel zu verstehen, muss man die übermächtige Rolle des Militärs in allen gesellschaftlichen Bereichen in Israel verstehen. So gab Israel im Jahr 2000 ca. 9 Milliarden US-Dollar für das Militär aus. Schon sehr früh wird israelischen Männern beigebracht, dass ihre Aufgabe darin besteht, ihre Heimat militärisch zu verteidigen. Der Militärdienst verstärkt diesen Ethos. Hohe Positionen im Militär garantieren Anerkennung und materielle Belohnung in allen anderen Gesellschaftsbereichen. So ist es kein Zufall, dass Sharon General in der IDF (Israel Defense Force) war.

Aufruf an die Friedensbewegung in Deutschland

Wenn man die Existenz des Staates Israel gefährdet sieht, so kommt die größte Gefahr aus Israel selbst - die wahnsinnige Politik, die augenblicklich betrieben wird, kann nur noch zu mehr Gewalt und Selbstzerstörung führen. Diese Sorge bringt `Peace Now´ mit seiner Forderung: „Raus aus den Territorien – zurück zu uns selbst!" zum Ausdruck. Wenn die Deutschen eine besondere Verantwortung für Israel tragen, dann können sie dies im Moment am besten mit ihrer Unterstützung der israelischen Friedensbewegung zeigen. Sie haben dazu auch eine besondere Verantwortung für die Palästinenser, die seit der Ankunft der verfolgten Juden aus Europa aus ihrem Land vertrieben wurden. Im weitesten Sinne unterstützt Deutschland die Besetzung der palästinensischen Gebiete indem sie Israel militärisch ausrüsten und in Europa politisch unterstützen. Der größte Anteil deutscher Waffenexporte wird an Israel geliefert.

Deutsche Friedensaktivisten können ihre Solidarität mit den Menschen in dieser Region zum Ausdruck bringen, indem sie ihre eigene Regierung auffordern, die Forderungen der israelischen Friedensaktivisten zu unterstützen:

Rückzug aus den besetzten Gebieten

Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit der palästinensischen Führung

Beendigung der Siedlungen auf palästinensischen Gebieten

 

Kritik an der israelischen Regierungspolitik ist nicht anti-semitisch

Es steht außer Frage, dass jeglichem Anti-Semitismus, genau wie jedem anderen Nazi-Rassismus, wie beispielsweise der Diskriminierung von Roma und Sinti, Widerstand geleistet werden muss. Aber Kritik an der israelischen Regierung mit Anti-Semitismus zu verwechseln ist absurd, denn an der Politik der Sharon-Regierung ist nichts „Jüdisches". In diesem Sinne ist eine Unterstützung der israelischen Regierung auch nicht pro-jüdisch. Wer profitiert von diesem Krieg? Doch nicht die jüdischen Menschen in Israel, die der Wut eines gedemütigten und unterdrückten Volkes ausgesetzt werden.

Kritik an der israelischen Regierung dient den Palästinensern und den Juden.

Die Erinnerung an die Shoah, wird nun bewusst dazu benutzt, jegliche Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen. Wir von der internationalen Friedensbewegung dürfen uns nicht von derartigen Manipulationen blenden lassen. Wir weigern uns, die Shoah als Entschuldigung für weitere Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten zu akzeptieren. Dies stellt ein Sakrileg gegenüber den Opfern der Shoah dar. Für alle Staaten, ob islamisch, christlich, säkular oder kommunistisch müssen die gleichen Menschenrechtsforderungen gelten.

Gemeinsam die wahren Profiteure dieser Kriege bekämpfen

Vor dem Hintergrund dieses und anderer Kriege ist es wichtig zu verstehen, wie religiös-ethnische Diskurse manipuliert werden um Menschen gegeneinander aufzubringen und bestimmten Agendas zu dienen.

Nach dem Ende des kalten Krieges sucht man nach einer neuen Legitimation für Hass und Krieg zwischen den Menschen. Wir sollen nun einer Logik der „Zivilisierten gegen die Unzivilisierten", der „Moslems gegen die Christen", und der „Moslems gegen die Juden" folgen.

Unsere Herausforderung besteht darin, diese Manipulationen zu durchschauen und statt dessen die wirklichen Interessen und Profiteure dieser Kriege zu

identifizieren und in die öffentliche Diskussion zu bringen:

Die Rüstungsindustrie, die transnationalen Konzerne, die zynischen Politiker – alle diejenigen, die mit diesen Kriege ihre eigenen lokalen oder globalen Interessen verfolgen, zum Beispiel die neoliberale Globalisierung.

  

Mehr Informationen über israelische und palästinensische Friedensaktivitäten:

www.gush-shalom.org (zusätzliche Links auf dieser Seite)

http://hagalil.com/GuShalom (auf deutsch)

V.i.S.d.P.: Keren Assaf, New Profile, Israel

Mary Foster, Homes not Bombs, Canada

Regina Schwarz, Kölner Netzwerk gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik, Deutschland

 

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