DEN PATRIARCHALISCH-KAPITALISTISCHEN EISBERG ABSCHMELZEN NEUE SUBSISTENZ_LEBENSWELTEN AUFBAUEN

Teil II

Maria Mies

Eisberge sind nicht wie andere Gebirge. Sie „wachsen", indem der Frost von der Spitze aus auch die Unter-Wasser-Schichten erreicht und zunehmend vereist. Das ist nicht anders beim kapitalistisch-patriarchalischen Eisberg. Was wir zur Zeit weltweit erleben, ist ein solcher Prozess der sozialen Vereisung, auch der Prinzipien und Beziehungen, die bisher noch daf�r gesorgt haben, dass die Menschen selbst im Dienst der kapitalistischen Akkumulation noch einen Rest von Menschlichkeit erfuhren: in Familie, Nachbarschaft, Freundschaften, durch das Solidar- und Gemeinswesenprinzip.Diese Prinzipien, sogar das Sozialstaatsprinzip werden durch die neoliberale Globalisierung und die Verwandlung aller Dinge und Beziehungen in Geld-und Warenbeziehungen „vereist". Am deutlichsten ist dieser Prozess zu beobachten in der Politik, alle Menschen zu Aktienbesitzern zu machen. Damit h�ngt ihr „Leben" buchst�blich vom Wachstum des Eisbergs ab.

Eisberge k�nnen nicht „revolutioniert" werden. Wenn man versucht, die untersten Schichten nach oben zu kehren und die obersten nach unten, bilden sich stets wieder neue Eisberge. Vielleicht einer der Gr�nde, warum die bisherigen Revolutionen immer wieder zu einer neuen Ausbeutungs- und Herrschaftsordnung zur�ckgekehrt sind.

Dabei sind Eisberge ganz unstabile Gebilde: Sie brechen auseinander. Sie stossen aneinander.

Sie verschmelzen miteinander. In der Eisbergwirtschaft ist es genau so. Man spricht dann von Krisen, Fusionen,Bankrott, Firmenzusammenbr�chen, Rezession, B�rsencrashs u.dgl.

Bei solchen Krisen wird aber nicht nur Kapital vernichtet, sondern die Menschen, deren Leben – angeblich-vom Wachstum des Eisbergs abh�ngt, erfahren den pl�tzlichen Verlust ihrer Existenzbasis: ihrer Altersversorgung, ihres Arbeitsplatzes, ihrer Zukunftsperspektiven.Angst und Hoffnungslosigkeit treten an die Stelle von Lebenszuversicht.

Wie wir wissen, ereignen sich solche Zusammenbr�che nicht nur in den „unterentwickelten L�ndern", sondern zunehmend in den kapitalistischen Industriel�ndern, USA, Europa, Japan. Die „H�ter" der Eisberg�konomie verk�nden dann, diese Zusammenbr�che seien die normalen Konjunkturkrisen der Wirtschaft. Im n�chsten Halbjahr, im n�chsten Jahr werde die Wirtschaft wieder wachsen. Dann g�be es wieder neue Arbeitspl�tze und mehr Reichtum. Die Eisberglogik: Dass das Leben aus dem Geld erw�chse, dass aus dem Geld immer mehr Geld entstehen m�sse –kurz, dass Profitstreben und die fortgesetzte Akkumulation von Geld die Triebfeder allen Wirtschaftens sei, diese Logik stellen sie nicht in Frage Das Fatale ist, dass. diese Logik nicht nur die K�pfe der Profiteure an der Spitze des Eisbergs besetzt h�lt. Sie beherrscht auch – weithin – die K�pfe der Verlierer in den unteren Schichten, auch in der Unter-Wasser-�konomie.Obwohl viele sehen und verstehen, dass die Versprechungen der Eisberg�konomen und –politiker nicht zutreffen. Der Grund ist,dass sie sich keine Alternative zum herrschenden Wirtschaftssystem vorstellen k�nnen. Das trifft besonders nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems zu. Korten/Perlas/Siva nennen diesen Bewusstseinszustand eine Trance, die vom „Imperium" (Empire) ausgeht und verhindert, das die Menschen sich wieder ihre eigene �konomie, ihre Kultur,ihre Politik aneignen. (Korten/Perlas/Siva in dieser Nummer S. )

Wie k�nnen wir uns also von der Eisberglogik, aus der Eisbergwirtschaft befreien?

Unsere Antwort: Wir m�ssen den kapitalistisch-patriarchalen Eisberg abschmelzen, indem wir gleichzeitig NEUE Subsistenz-Lebenswelten aufbauen

Wie?

Durch soziale Klimaerw�rmung. Oder durch Aufwachen aus der Trance des Empire

Sch�n gesagt, aber wie soll das gehen?

Zun�chst einmal dadurch, dass wir die L�gen der Global Players entlarven und nachweisen, dass nicht sie es sind, die das �berleben der Menschen sichern, sondern immer noch die Kleinbauern und Kleinproduzenten in lokalen Subsistenz�konomien. „Die Mehrheit der Menschen auf der Erde produzieren immer noch ihre Nahrung auf unabh�ngigen Bauernh�fen" schreiben Korten et al. Daran hat auch die globale Pr�senz der Multis nichts ge�ndert.

Ausserdem sehen wir, dass nach den Zusammenbr�chen der neoliberalen Wirtschaft –Beispiel Argentinien – die Menschen wieder zu einer Art selbstorganisierten Subsistenz�konomie zur�ckkehren. Es bleibt ihnen nichts anderes �brig, wenn sie �berleben wollen.

Das gleiche gilt f�r die Menschen in der kapitalistischen Wirtschaft der Ex-Sowjetunion.

Auch Cuba hat eine Art Subsistenz�konomie aufgebaut.

Doch der Verweis auf solche Beispiele wird oft gekontert mit dem Hinweis, Subsistenz�konomie sei richtig und oft auch notwendig als Krisenmanagement, das k�nne aber nicht als eine wirkliche „Umkkehr", als Alternative angesehen werden.

Dieses Argument ist richtig.In der Tat m�ssen wir fragen, wie es zu dem notwendigen Wandel des Bewusstseins und des Handelns kommen kann, der die Subsistenzperspektive generell als attraktivere Alternative zur Eisberg�konomie (Korten et al nennen sie die Selbstmord�konomie) versteht.

Im folgenden versuche ich meine Antwort auf diese Frage zu geben:

 

KEINE SUBSISTENZ OHNE DISSIDENZ

Das bedeutet, dass nur diejenigen nach Alternativen zum herrschenden System suchen, die schon erkannt haben, dass dieses System die Versprechungen, die es gemacht hat, nicht h�lt, nicht halten kann, dass nicht nur einige zu den Verlierern dieser Wirtschaft geh�ren, sondern im Endeffekt die Mehrzahl der Menschen auf diesem Planeten und schliesslich der Planet selbst. Damit hat dieses System seine Legitimation verloren.

Der ersten Schritt zu einer Alternative ist also die Dissidenz zu diesem System. Dissidenz ist mehr als blosse Kritik. Die kann durchaus systemkonform sein. Eine DissidentIn jedoch, setzt sich von dem System ab, schaut es gewissermassen von aussen an und f�ngt an, seine weltanschaulichen Grundlagen, seine Prinzipien, seine Verh�ltnisse und Institutionen insgesamt in Frage zu stellen. Oder, um mit Walden Bello zu reden: Ein Dissident bestreitet dem System seine Legitimation. Das Aufwachen aus der kollektiven Trance begint mit der Dissidenz.

Die internationale Protestbewegung gegen die neoliberale, kapitalistische Globalisierung hat diesen Prozess der De-Legitimierung in sehr schnellem Tempo und an vielen Orten der Erde vorangetrieben. Das ist das, was ich „Globalisierung von unten" nenne.

Dissidenz und De-Legitimierung haben jedoch nur eine Chance „anzukommen", wenn sie getragen sind von einer anderen Perspektive,einer anderen Vision des „guten Lebens", einer anderen Zielsetzung der Wirtschaft, anderen Prinzipien und Beziehungen. Meine Freundinnen und ich nennen diese andere Perspektive die SUBSISTENZPERSPEKTIVE (Bennholdt-Thomsen/Mies/v.Werlhof 1983, Bennholdt-Thomsen/Mies 1997)

Die Subsistenzperspektive f�ngt mit einem anderen Blick auf die Wirtschaft an. Wir sind der Meinung, dass wir jetzt und �berall schon anfangen m�ssen und k�nnen, eine andere Wirtschaft aufzubauen. Die Ver�nderung der Politik ist dann der zweite Schritt, nicht der erste.

 

DIE SUBSISTENZPERSPEKTIVE ALS ZUKUNFTSPERSPEKTIVE

Wir haben seinerzeit (1983) den Subsistenzbegriff nicht nur eingef�hrt, um eine Erkl�rung f�r die Ausbeutung unbezahlter Arbeit, vor allem der Frauenarbeit, in der Industriegesellschaft zu finden, sondern auch, um einen Ausweg aus der Utopie der warenproduzierenden und warenkonsumierenden Gesellschaft zu finden, die auf Naturzerst�rung und Frauenausbeutung aufbaut. Wir sahen schon damals, dass die Realit�t des Wissenschaftlichen Sozialismus ebenfalls auf der Ausbeutung der Natur,der Frauen und anderer Kolonien beruht.(Mies 1988)

 

Ein anderes Ziel von Wirtschaft

Mit dem Begriff „Subsistenzperspektive" wollten wir ein anderes Modell vonWirtschaft umschreiben, eines Modells, das das „Gute Leben"nicht mehr als Geld- und Warenreichtum im Supermarkt definiert , und das zur Erreichung dieses Zieles f�r einige den ganzen Planeten pl�ndern, Natur,Frauen und fremde V�lker kolonisieren muss. Die Erkenntnisse im �kologiebereich haben uns gezeigt, dass dieses Modell des „guten Lebens" nicht nur nicht f�r alle Menschen auf diesem Globus zu realisieren ist, sondern auch, dass es nicht einmal die befriedigt hat, die bisher seine Nutzniesser waren/sind. Die Subsistenzperspektive hingegen kann uns und die Natur in uns und um uns von der selbstm�rderischenWachstumslogik des Industriesystems befreien.

Dass ausgerechnet die Subsistenzperspektive uns Hoffnung f�r einen Ausweg aus diesem System geben soll, st�sst nat�rlich immer noch auf grosse Skepsis. Denn durch die Unterordnung der Subsistenzarbeit unter die Wachstums- und Mehrwertlogik ist die Subsistenzproduktion weltweit entwertet worden. Sie ist ihrer kulturellen, spirituellen, moralischen Grundlagen beraubt worden – wie die Natur – und erscheint nun nur mehr als Last und M�hsal, R�ckst�ndigkeit, Steinzeit, kurz als etwas, das dem „Fortschritt" weichen muss. Dieser „Fortschritt" aber beruht –angeblich – auf der Hegemonie der Lohnarbeit. Sie ist die einzige Arbeit, die Geld bringt f�r den Warenkauf. Sie soll uns von unserer Abh�ngigkeit von der Natur befreien.

Dabei ist uns inzwischen das Bewusstsein verloren gegangen, dass wir Menschern nicht nur Teil der Natur SIND, sondern auch, dass wirin Kooperation mit der Natur in uns und um uns unser Leben erzeugen k�nnen, sowie alles, was zu einem „guten Leben" notwendig ist. Notwendig ist aber vor allem eine Umkehr des Blicks, eine andere Perspektive, die nicht mehr Waren- und Geldreichtum ins Zentrum allen Wirtschaftens stellt, sondern „ein gutes Leben"f�r alle auf dem Planeten, f�r Tiere,Pflanzen und alle Wesen.

Ein „gutes Leben"braucht aber vor allem „gute Beziehungen", zu uns selbst, zwischen M�nnern und Frauen, innerhalb unserer Gemeinschaften, zwischen uns Menschen und der Natur, zwischen den verschiedenen V�lkern.

Wenn wir fragen, wie denn die Mehrzahl der Menschen in der Unter-Wasser�konomie des Eisbergs �berhaupt �berleben, so werden wir feststellen, dass viele das nur durch Subsistenzbezihungen k�nnen.

Diese ganze Unter-Wasser�konomie kann sehr wohl ohne die Spitze des Eisbergs �berleben, nicht aber die Spitze des Eisbergs ohne die Subsistenz.

 

Andere Prinzipien

Wenn wir es mit der Dissidenz und der Subsistenz ernst meinen, m�ssen wir die Grundprinzipien in Frage stelle, die die Eisberglogik tragen und durch andere ersetzen.

Das bedeutet eine Absage an kapitalistische und patriarchale Grundprinzipien und das Inkraftsetzen neuer Subsistenzprinzipien z.B.

-statt permanentem Wirtschaftswachstum – Aufbau einer die Grenzen respektierenden Wirtschaft.

Diese „Grenzen" sind nicht nur �kologischer, sondern auch �konomischer und sozialerNatur. Auch unsere Bed�rfnisse sind begrenzt. Mit Max-Neef unterscheide ich zwischen Bed�rfnissen und Bed�rfnis-Befriedigern. Die kapitalistische Wirtschaft bindet die Befriedigung fast aller unserer Bed�rfnisse an die Produktion und den Konsum von Waren als Befriedigern. Dies bedeutet, dass ich nicht Wasser trinke, wenn ich durstig bin, sondern Cocacola oder Bier. Was unbegrenzt ist, ist die Herstellung und der Verkauf solcher Befriediger. (vgl.Mies 1988)

-statt individuellem Egoismus als wichtigster Triebkraft der �konomie – Gegenseitigkeit Gemeinwohlorientierung, Solidarit�t.

Gerade der globale, neoliberale Kapitalismus f�hrt durch seinen brutalen Marktfundamentalismus zur Zersetzung aller Verh�ltnisse und Institutionen, die bisher noch aufrechterhalten wurden, um die Einzelnen und die Zukurzgekommenen vor den inhumanen Auswirkungen der blossen Akkumulationslogik zu sch�tzen. Globale Institutionen wie WTO und GATS werden auch die Reste der Sozialstaats- und Gemeinwohlorientierung hinwegfegen.

-Statt universaler Konkurrenz – Kooperation

Das neoliberale Konkurrenz-Dogma ist zur beherrschenden Doktrin alles Wirtschaftens geworden. Es strukturiert die Lehre in Schulen und Unviversit�ten, das Verhalten der Einzelnen, ihre Zeit�konomie,ihre Zukunftsplanung, ihre Beziehungen zu anderen, aber auch die Wirtschaftsentscheidungen von Gemeinden, L�ndern, Wirtschaftsbl�cken. Ein auf diesem Prinzip basierendes Gemeinwesen, kann im Endeffekt seine �berlegenheit nur durch Kriege demonstrieren.

Kooperation in der �konomie,hingegen, ist resourcensparend, spart Arbeitszeit, schafft andere Beziehungen zwischen den Menschen, die keinen Warencharakter haben,ist auf die Befriedigung wirklicher Bed�rfnisse ausgerichtet.

- Statt Trennung von �konomie und Moral – Wieder-Einf�hrung einer neuen „Moral Economy".

Die Trennung von Moral und �konomie geschah zeitgleich mit der Durchsetzung der National�konomie, die quasi als Naturwissenschaft im 18. Jahrhundert etabliert wurde. Wie die naturwissenschaftlichen Gesetze sollte die �konomie wertfrei sein, nur ihren eigenen, naturwissenschaftlichen Dogmen von Angebot und Nachfrage gehorchen. Die sittlichen Werte, die das gesellschaftliche Zusammenleben humanisieren und zivilisieren sollten, sollten durch Institutionen ausserhalb der �konomie garantiert werden: Kirche, Familie, Staat.

Der Neoliberalismus unterminiert nicht nur diese „sittlichen" Instanzen, sondern zerst�rt die Werte, f�r die sie bisher standen.

Wenn wir dies nicht als „Naturgesetz" hinnehmen wollen, m�ssen wir eine Wirtschaft aufbauen, wo diese „humanen" Werte nicht erst NACH dem �konomischen Prozess zu ihrem Recht kommen, sondern bei jedem Schritt dieses Prozesses selbst, bei der Produktion genau so wie beim Konsum.Eine neue „Moral Economy" ist nicht moralistisch.Sie bedeutet vielmehr die Wiedereinbettung der �konomie in die Gesellschaft. (Polyani 1957) Eine „Moral Economy" basiert auf der Erkenntnis der notwendigen Grundlagen f�r das �berleben eines Gemeinswesens. (Mies 1994)

Statt der Verwandlung aller Dinge und Beziehungen in WAREN- Befreiung der Lebens-oder der Subsistenzproduktion aus dem kolonialen Regime der Eisberg�konomie.

Aber was bedeutet nun SUBSISTENZPRODUKTION?


DEFINITION

Subsistenzproduktion –oder Lebensproduktion umfasst alle Arbeit, die bei der Herstellung und Erhaltung des unmittelbaren Lebens verausgabt wird und auch diesen Zweck hat. Damit steht der Begriff der Subsistenzproduktion im Gegensatz zur Waren- und Mehrwertproduktion. Bei der Subsistenzproduktion ist das Ziel „Leben". Bei der verallgemeinerten Warenproduktion ist das Ziel „Geld", das immer mehr „Geld" „gebiert"( Marx) oder die Akkumulation von Kapital. Leben f�llt bei dieser kapitalistischen Produktion gewissermassen nur als Nebeneffekt an. Es ist typisch f�r das moderne Industriesystem, das alles, was es m�glichst kostenlos ausbeuten will, zur Naturresource, oder zum „freien Gut" erkl�rt wird. Dazu geh�rt die Hausarbeit der Frauen genau so wie die Arbeit der Kleinbauern, die Arbeit in den Kolonien, aber auch die Produktion der gesamten Natur (s.Teil I).(vgl.Mies 1997)

Diese Definition bedeutet nicht, das nun keinerlei Waren mehr f�r Geld hergestellt und getauscht werden, sie bedeutet aber, dass die Warenproduktion der Lebensproduktion untergeordnet bleibt, dass die Wachstumslogik und die Kapitalakkumulation unterbrochen wird. Die Produktion des Lebens hat in einer solchen Gesellschaft einen h�heren Wert als die blosse Geldmacherei – die Chrematistik. Diese blosse Geldmacherei war in der alten �konomie �berall verachtet. In der neuen sollte sie es wieder sein. Allerdings auf einer anderen, nichtfeudalen, nicht-patriarchalen Grundlage.

Statt Unterordnung der Produktion unter der Handel (f�r den Export) – Unterordnung des Handels unter die Produktion f�r lokale,regionale Bed�rfnisse.

In einer Subsistenzgesellschaft werden lokale Resourcen,lokales Know-How, lokale Arbeitskraft zun�chst f�r die lokale Bed�rfnisbefriedigung eingesetzt,d.h. f�r alle Menschen und anderen Wesen in dieser Gegend. Erst was �ber den lokalen Verbrauch hinaus produziert wird, wird exportiert. So kann verhindert werden, dass Kleinbauern und Kleinproduzenten verhungern, w�hrend sie Luxusprodukte (Blumen,Shrimps,Sportkleidung) f�r die Superreichen in den superreichen L�ndern herstellen

Statt Globalisieren – Lokalisieren (vgl. Shiva 2001, Hines 2000, Korten et al.2002,

M�ller 1997, 2001)

Eine Subsistenzperspektive kann zun�chst nur in kleineren, �berschaubaren,lokalen Wirtschaftsr�umen entstehen und aufrechterhalten werden. Nur dort lassen sich die bisher genannten Prinzipien durchsetzen und �berpr�fen. Vor allem ist es in solchen lokalen �konomien m�glich, dass ProduzentInnen und KonsumentInnen direkt feststellen k�nnen, ob die Produktion, der Handel, der Transport usw. gerecht sind, welche Konsequenzen sie f�r die Umwelt haben, ob die �kologische Vielfalt erhalten oder zerst�rt wird, wie die Arbeitsverh�ltnisse gestaltet sind, ob die L�hne und die Preise in einem gerechten Verh�ltnis zu einnander stehen, wie das Verh�ltnis zwischen M�nnern und Frauen ist.

Demokratische Grund-Prinzipien wie : Selbstorganisation, Selbstverwaltung, Selbstbestimmung, Self-Reliance sind nur in lokalen �konomien durchzusetzen und aufrechtzuerhalten. Vor allem bleiben demokratische Prinzipien dort nicht auf die politische Sph�re begrenzt, auf Stellvertreterpolitik. Sie k�nnen endlich auch in der �konomie durchgesetzt werden. Dies ist m.E. dann auch die beste Methode, ein Zur�ckfallen solcher lokaler Wirtschaften in vormoderne, feudal-patriarchale Verh�ltnisse zu verhindern.

In einer globalisierten �konomie jedoch wird selbst die repr�sentative Demokratie zu einer Farce.Feudale und patriarchale Verh�ltnisse, ja sogar Sklavenarbeit werden wieder eingef�hrt,

weil es nur mehr einen Wert in der Gesellschaft gibt: Profit um jeden Preis.

 

Andere Priorit�ten

Eine solche Umstrukturierung der Wirtschaft verlangt auch andere Priorit�ten,z.B.

Landwirtschaft vor Industrie: Da die Nahrung immer noch aus der Erde kommt und lokal und regional erzeugt werden soll, kann Landwirtschaft nicht dem Industrie-Modell heutiger Pr�gung folgen.Dieses ist auf die Bedienung des Weltmarktes ausgerichtet. Die Kleinbauern m�ssen gest�rkt werden. Sehr viel mehr Menschen als heute k�nnen Arbeit in der Landwirtschaft finden.

Produzenten-Konsumenten-Vereinigungen k�nnen Kleinproduzenten ein regelm�ssiges Einkommen und den Konsumenten gesunde Nahrung und andere Produkte sichern. Sie k�nnen vor allem wieder so etwas wie Verantwortung f�r die Erde bei beiden-Produzenten und Verbrauchern- herstellen.

Norberg-Hodge et al.schlagen weitere Schritte vor:

-Weg von der kapital- und energieintensiven Wirtschaft und hin zu praktischer, �konomischer Dezentralisation,

-Abschaffung von Agrarsubventionen, die das Agrobusiness ermutigen und die Kleinbauern liquidieren, die f�r lokale M�rkte produzieren.

-F�rderung der Umstellung auf �kologischen Landbau.

-F�rderung der Forschung �ber alte, nachhaltige Anbaumethoden, sowohl in L�ndern des S�dens wie des Nordens.

-Einbeziehen der Bauern selbst in diese Forschung (Norberg-Hodge/Goering/Page 2001)

Vieles von dem Obigen findet sich auch in den Erkl�rungenvon VIA CAMPESINA, der weltweiten Koordination von Oppositionellen Kleinbauern. Diese Organisation hat m.E. klarer als irgendeine andere Organisation der globalen Zivilgesellschaft formuliert, dass Nahrungsproduktion, Wasser, Bildung und Gesundheit, die biologische Vielfalt und der Genpool der Lebewesen nicht Objekte des neoliberalen,globalen Freihandels sein d�rfen.Dass die WTO sich aus diesen Bereichen herausziehen m�sse. Dass die Nahrungssouver�nit�t in der Hand von Kleinbauern bleiben m�sse. (vgl.Mies 2001)

-All dies setzt neue Stadt-Land-Beziehungen voraus. Die Stadt kann nicht mehr l�nger als der einzige Ort des Lebens, der Kultur, der Freiheit gelten. Wir brauchen sowohl das Land in der Stadt wie die Stadt auf dem Lande. (vgl. Bennholdt-Thomsen /Mies 1997, Meyer-Renschhausen 2002)

 

-Andere Arbeitsteilungen und Beziehungen

Vor allem ist eine andere Bewertung von Arbeit notwendig, eine Bewertung, die nicht vom Geldeinkommen abh�ngig ist. Eine solche neue Bewertung von Arbeit wird sich in der Wirtschaft aber nicht durchsetzen, wenn wir an den alten kolonialen und hierarchischen Arbeitsteilungen und Beziehungen festhalten. Dies sind vor allem:

- die Arbeitsteilung und Beziehung zwischen M�nnern und Frauen,

die Arbeitsteilung zwischen Kopf- und Handarbeitern,

die Arbeitsteilung zwischen Landwirtschaft und Industrie

Die alten Subsistenzgesellschaften waren nach patriarchalischen und feudalen Prinzipien organisiert. In Indien gab es das Kastensystem. Klassenherrschaft wurde meist durch solche Institutionen und Ideologien wie patriarchale Religionen aufrechterhalten.

Wenn wir von Subsistenz reden haben manche die Bef�rchtung, dass dies die R�ckkehr zu solchen vormodernen Herrschaftformen bedeuten k�nnte.

Das beste Gegenmittel gegen solche Bef�rchtungen ist ein bewusster Kampf von M�nnern und Frauen gegen patriarchale Verh�ltnisse. Dieser kann beginnen mit einer Umstrukturierung der hierarchischen, geschlechtlichen Arbeitsteilung.

In einer Subsistenzgesellschaft m�ssten nicht nur die Frauen die Arbeit machen, die M�nner machen, sondern auch die M�nner m�ssten die gesellschaftlich notwendige, unbezahlte Haus-und Subsistenzarbeit, im Haus, in der Umwelt und in der Gemeinschaft machen.

Erst wenn die H�fte der Menscheit diese Arbeit nicht mehr als Last, unw�rdig und minderwertig ansieht, wird sich etwas an dem Geschlechterverh�ltnis �ndern. Das ist etwas anderes als die derzeitige Politik des Gender-Mainstreaming, das Frauen und M�nnern lediglich „Gleichstellung" in bezug auf Jobs,Politik und Bildung verspricht, aber das patriarchale Geschlechterverh�ltnis im globalen Kapitalismus als solches nicht in Frage stellt.Blosse Gleichstellung reicht nicht. Vergessen wir nicht: Das Geschlechterverh�ltnis ist ein koloniales. Weiterhin m�ssten M�nner in einer Subsistenzgesellschaft aufh�ren,ihre Identit�t haupts�chlich aus dem Kriegermodell zu beziehen – die tiefste Ursache f�r die Gewalt in unseren Gesellschaften. In einer solchen Gesellschaft h�tten sie kaum Lust und Zeit f�r Kriegsspiele.

Die H�herbewertung von Kopfarbeit gegen�ber Handarbeit hat in einer Subsistenzgesellschaft keinen Platz mehr.

Eine Aufhebung der bisherigen Beziehung zwischen Landwirtschaft und Industrie w�rde nicht nur die Landwirtschaft im obigen Sinne ver�ndern, sondern auch die Industrie, und das heisst auch Wissenschaft und Technologie.Genau so wie die landwirtschaftliche Produktion m�sste sich auch die Industrieproduktion an den lokalen Bed�rfnissen und der lokalen �kologie ausrichten, und nicht mehr an den h�chsten Gewinnaussichten auf dem globalen Markt. Dies w�rde sofort das Forschungsinteresse auf andere Probleme richten.

Die Aufhebung der kolonialen, hierarchischen Arbeitsteilungen bedeutet keinesfall ein Ende von Arbeitsteilung und Spezialisierung insgesamt. Im Gegenteil, wenn diese Arbeitsteilungen befreit sind von der Akkumulationslogik, k�nnen alle Beteiligten erst ihre Talente voll entfalten.

Dies ist auch das beste Mittel zur Erhaltung der Vielfalt und zur Verhinderung jeglicher Art von Monokultur, sowohl der biologischen wie der kulturellen.

Eine Umstrukturierung der lokalen �konomien im Norden wie im S�den im Sinne einer antikapitalistischen-antipatriarchalen Subsistenzperspektive m�sste notwendigerweise zu einer Ver�nderung der globalen Strukturen f�hren. Mehr-oder-weniger auf Self Reliance ausgerichtete �koregionen, in denen der Import aus anderen �hnlichen Regionen nur eine erg�nzende Funktion hat, nicht aber die Grundversorgung sichert, werden zu einer Schrumpfung des Welthandels f�hren,sie werden die Resourcenverschwendung, den Transport, den Verpackungsm�ll, den Einsatz von Chemie in Landwirtschaft und Industrie drastisch reduzieren. Monokulturen aller Art werden sich nicht mehr lohnen.Genau so wenig wie eine blosse Exportorientierung einer Wirtschaft. Deutschland z.B. wird aufh�ren m�ssen, sich bloss als „Industriestandort" zu verstehen. Was vom Welthandel dann noch �brig bleibt, muss nach den Prinzipien des fairen Handels organisiert sein. Das bedeutet, dass es sogenannte Billiglohnl�nder nicht mehr geben wird.

Eine in dieser Art umstrukturierte Wirtschaft macht dann auch eine andere Politik, eine andere Form von Demokratie erforderlich. Vandana Shiva nennt diese neue Demokratie, „Earth Democracy" oder „Jeev Panchayat" – die Demokratie des Lebens. In dieser Demokratie geh�ren nicht nur die Menschen zum „Volk", sondern alle Lebewesen.(vgl.Shiva in Mies 2001)

 

LITERATUR

Bennholdt-Thomsen, Veronika, Maria Mies, Claudia v. Welhof (1983/1992) Frauen, die letzte Kolonie, Zur Hausfrauisierung der Arbeit Rotpunktverlag, Z�rich

Bennholdt-Thomsen,Veronika, Maria Mies (1997) Die Subsistenzperspektive: Eine Kuh f�r Hillary, Frauenoffensive, M�nchen

Bennholdt-Thomsen, Veronika, Nicholas Faraclas, Claudia v.Werlhof (2001)

There is An Alternative: Subsistence And Worldwide Resistence to Corporate Globalization

Zed Boos, London, Spinifex Melbourne, St Martin’s Press USA. (Erscheint demn�chst auf Deutsch)

Hines,Colin (2000) LOCALIZATION A Global Manifesto, Earthscan, London

Korten, David C./ Nicanor Perlas/Vandana Shiva (2002) Global Civil Society: The Path Ahead, Discussion Paper, November 20, Draft. (Wird in dem Buch des IFG „Alternatives to Economic Globalisation" erscheinen)

Mies, Maria (1988) Patriarchat und Kapital.Frauen in der Internationalen Arbeitsteilung, Rotpunktverlag, Z�rich

Mies, Maria (1994) Brauchen wir eine neue „Moral Economy"? In: Politische �kologie, Sonderheft 6, „Vorsorgendes Wirtschaften" M�nchen

Mies, Maria (2001) Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne

EVA/Rotbuch Hamburg

Meyer-Renschhausen, Elisabeth (2002) Die G�rten der Frauen.Zur sozialen Bedeutung von KleinstlaNDWIRTSCHAFT IN Stadt und Land weltweit, Centaurus Verlag, Herbolzheim

M�ller,Christa (1998)Von der lokalen �konomie zum globalisierten Dorf.B�uerliche �berlebensstrategien zwischen Weltmarktintegration und Regionalisierung, Campus, Frankfurt New York

M�ller,Christa (2002) Die internationalen G�rten von G�ttingen

Norberg-Hodge, Helena,Peter Goering, John Page(2001)

From the Ground up.Rethinking Industrial Agriculture, Zed Books, London

Polyani,Karl (1957) „ The Economy as Instituted Process" in ders. Et al. Trade andMarket in the Early Empires, New York

Polyani Karl (1978) The Great Transformation.Politische und �konomische Urspr�nge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Suhrkamp,Frankfurt

Shiva,Vandana (2000) Plenarvortrag an der Universit�t von Melbourne am 10.11.2000. Aufgezeichnet und versandt von Diverse Women for Diversity http:www.abc.net. au/specials/shiva/shiva.htm

 

 

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