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EDITORIAL

Eine andere Welt ist m�glich!

Es ist etwas in Bewegung geraten, was sp�testens seit den Protesten gegen die 3. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle 1999 nicht mehr aufzuhalten ist. Die Globalisierung von unten. Der gemeinsame weltweite Kampf gegen die menschenverachtende neoliberale Politik der transnationalen Konzerne und der meisten Regierungen dieser Welt. Ein Treffen der Global Players – sei es WTO, IWF, Weltbank, WEF, G7/G8 oder andere – ist ohne Pr�sens der Globalisierungsgegner nicht mehr denkbar.

Die Sympathie und das Verst�ndnis f�r die Proteste w�chst zunehmend in der Bev�lkerung. So war anl�sslich des Treffens des World Economic Forums (WEF) im Januar dieses Jahres in Davos, wo wiederum Tausende gegen den globalen Welthandel und der damit verbundenen Ungleichheit, Armut und Umweltzerst�rung protestierten, in einer Schweizer Zeitschrift zu lesen: „Die Mehrheit der Schweizer unterst�tzt die Demonstranten in Davos – solange sie intelligent, kreativ und vor allem friedlich gegen die M�chtigen antreten." Des weiteren war zu lesen: „Die Schweizer sind �berraschend offen f�r die Anliegen der Demonstranten in Davos. Und vor allem �ltere glauben, die Globalisierung verschlechtere ihr Leben:"

Anl��lich des 3. Amerika-Gipfels vom 20.04.-22.04.01 in Quebec/Kanada, wo sich die amerikanischen Staatschefs getroffen haben, um die gr��te Freihandelszone der Welt von Alaska bis Feuerland die „Free Trade Area of the Americas"(FTAA ) voranzutreiben, hatten sich mehr als 2000 Vertreter von Gewerkschaften, Frauenorganisationen, kirchlichen Gruppen, Bauern- und Landlosenbewegungen sowie Umweltschutzverb�nde zu einem Alternativgipfel, dem „People’s Summit" versammelt. Es wurde eine Deklaration verabschiedet, in der der FTAA eine klare Absage erteilt wird. Die geplante amerikanische Freihandelszone wurde als „Charta von Investorenrechten" verurteilt, mit der wirtschaftliche Interessen �ber Menschenrechte und Demokratie gestellt werden. Demonstriert hatten ca. 30.000 GlobalisierungsgegenerInnen

Vom 20. bis 22.07.2001 findet in Genua der j�hrliche Weltwirtschaftsgipfel der reichen G7- L�nder statt. Auch hierzu werden zehntausende von Globalisierungsgegnern erwartet.

Die Anti-Globalisierungsbewegung ist jedoch keineswegs – wie so oft in den Medien dargestellt – eine reine Protestbewegung, sondern es wird �berall �ber Alternativen und Perspektiven nachgedacht. Oft sind wir nach Informationsveranstaltungen unseres Netzwerkes von FreundInnen, G�sten und potentiellen MitstreiterInnen gefragt worden:

Was k�nnen wir tun, welche Alternative gibt es denn zur Globalisierung?

Wir beginnen daher in dem vorliegenden Infobrief Nr. 5 mit der Darstellung verschiedener Perspektiven und Alternativen zur neoliberalen Politik:

„Davos ist Vergangenheit, Porto Alegre ist Zukunft," hei�t es in dem Bericht von Wolfgang Pomrehn �ber das 1. Treffen des Weltsozialforums im brasilianischen Porto Alegre, das als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos organisiert wurde. Dort diskutierten ca. 10.000 GlobalisierungsgegnerInnen �ber Alternativen zur neoliberalen Politik. Das Spektrum war heterogen. Jedoch waren sich alle einig: Eine andere Welt ist m�glich!

In einem „Pl�doyer f�r eine humane Wirtschaftspolitik" zeigt Ren� Passet, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats von Attac, Perspektiven f�r eine andere Welt auf. Spannend wird bei der Betrachtung der verschiedenen Alternativans�tze auch die Frage nach dem „Wie" sein: Wie sollen die Alternativen durchgesetzt werden? Was ist zu tun, wenn notwendige radikale Reformen an wirtschaftlichen und polititischen Machtverh�ltnissen scheitern? Es wird die Frage zwischen Reform und Umbruch sein.

Ignacio Ramonet stellt in seinem Artikel: Warum Porto Alegre? u.a. das Demokratiemodell der Stadt Porto Alegre vor. Dort entscheiden die B�rgerInnen selbst, wie ihre Steuern verwendet werden. Eine andere Welt ist m�glich!

Maria Mies analysiert in ihrem Artikel „Rinderwahn oder Wirtschaftswahn" die Zusammenh�nge zwischen Seuchen wie BSE und MKS und einem Wirtschaftssystem, das einzig und allein den Wert des „Profits um jeden Preis" kennt. Sie stellt die Frage: „Wer ist denn hier wahnsinnig?" Die Antwort bleibt sie nicht schuldig. M�glichkeiten einer echten Agrarwende werden ebenfalls aufgezeigt.

„Wer regiert Europa?" ist unser Teil II zur Lobbypolitik der europ�ischen Konzerne, diesmal dargestellt anhand des Beispiels UNICE, zusammengefasst und �bersetzt von D�rthe Liesegang.

J�rgen Crummenerl hat in seinem ersten Teil zur EU-Osterweiterung „Jetzt geht’s nach Osten" eine grunds�tzliche Einsch�tzung mit historisch/politischem R�ckblick zum beabsichtigten Raubzug gen Osten erarbeitet und analysiert des weiteren die wirtschaftlichen Zusammenh�nge und die wahren Interessen der Akteure.

In den weiteren Teilen, die in den n�chsten Infobriefen erscheinen werden, wird es um die besondere Rolle Deutschlands, den Entwicklungen in einzelnen mittel- und osteurop�ischen L�ndern sowie um die Besch�ftigung mit Widerstands- und Protestbewegungen gehen.

Der Internationale Aufruf: „Stoppt den Angriff des Gats!" sowie der Artikel von Barbara Kleine: „H�nde weg von unserem Wasser! Keine Streichung des � 103 GWB!" sind Aufforderungen zum Widerstand zum einen gegen die akuten Liberalisierungsangriffe der WTO auf den gesamten Dienstleistungsbereich, incl. �ffentlicher Dienste (hierzu geh�ren z.B. Umwelt, Kultur, nat�rliche Ressourcen, Trinkwasser , Gesundheitswesen, Bildung, Soziale Sicherheit etc.) zum anderen gegen den Angriff der Bundesdeutschen Regierung auf unser Wasser – die deutsche Trinkwasserversorgung soll liberalisiert und privatisiert werden - auf Kosten von Menschheit und Natur.

George Monbiot berichtet �ber eine aufkommende, brodelnde -�berall sp�rbare – Protestbewegung in England, die nicht mehr aufzuhalten ist. Protest liegt in der Luft: Bringt ihn auf die Stra�en!

In Indien ist er schon da! Eine landesweite Kampagne gegen die Globalisierung hat im M�rz dieses Jahres begonnen. Der Beitrag: Indien: Nationale Kampagne gegen die Globalisierung – zusammengefasst und �bersetzt von Maria Mies – legt zum einen die negativen und erschreckenden Folgen der seit 10 Jahren betriebenen neoliberalen Politik in Indien offen, zum anderen ist er ein Aufruf zum Widerstand nicht nur gegen einzelne Folgen der Globalisierung, sondern zum koordinierten Widerstand gegen den gesamten neoliberalen Globalisierungsprozess.

Anti-Davos oder Porto Alegre? Proteste und Widerstand oder Erarbeitung von Perspektiven?

Dies war eine h�ufige Frage auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre. Wir sind der Meinung:

Beides ist wichtig!

 

K�ln, den 29.04.01

Barbara Kleine
Maria Mies

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