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DIE BRÜSSEL-ERKLÄRUNG

VON SEATTLE NACH BRÜSSEL

Wir, die Mitglieder der 'Zivilgesellschaft' aus vielen europäischen Ländern, stimmen der Entscheidung des NGO-Treffens in Brüssel im Mai 2000 zu, den Widerstand gegen die von den Konzernen gesteuerte Globalisierung fortzusetzen, so wie er sich in den vorausgegangenen Protesten, z.B. in Seattle manifestiert hat. Wir sind davon überzeugt, dass es entscheidend ist, den jetzigen Moment als Chance zu nutzen, um den Kurs zu ändern und ein alternatives, humanes, demokratisch legitimiertes und ökologisch nachhaltiges Handelssystem zu schaffen, das allen Menschen zum Vorteil gereicht.

Wir stimmen vorbehaltlos der 'Boston-Erklärung' - "WTO: Shrink or Sink!" (abgedruckt in diesem Infobrief, d.d.R.) zu, und wir werden uns dafür einsetzen, dass die dort formulierten Forderungen eine zentrale Rolle in der europäischen Handelspolitik spielen werden.

Wir sind zutiefst besorgt und wir fordern eine Umkehrung folgender Tatbestände, nämlich dass:

* die Europäische Union eine zunehmend neoliberale Agenda verfolgt, indem sie eine umfassende neue WTO-Verhandlungsrunde vorantreibt, allen Vorbehalten der Mehrheit der WTO-Mitgliedsstaaten zum Trotz;

* sowohl unter Leon Brittan als auch unter Pascal Lamy (dem derzeitigen Handelskommissar d. Ü ) die Europäische Kommission an vorderster Front stand und steht, diesen Prozess auf internationaler Ebene voranzutreiben;

* dies eine Agenda ist, die von den Transnationalen Konzernen vorangetrieben und geformt wird und zwar durch Lobbygruppen wie den Europäischen Arbeitgeberverband UNICE und den 'Transatlantic Business Dialogue' (TABD). Dieser Prozess wird erleichtert durch das Fehlen von Transparenz und Demokratie innerhalb der europäischen Institutionen;

* die Europäische Kommission versucht, die 'Zivilgesellschaft' zu vereinnahmen in Form von sogenannten "Dialogen". Diese von der EU- Kommission kontrollierten "Dialoge" dienen allein dazu, bessere Bedingungen für eine neue Verhandlungsrunde auszuloten, und haben nichts mit einer breiten und öffentlichen Auseinandersetzung zu tun.

* diese Handelspolitik intransparent ist, keiner Rechenschaft unterliegt, außerhalb demokratischer Kontrolle von EU-Bürokraten entwickelt wurde und sich als schädlich für grundlegende Menschenrechte und die Natur erwiesen hat;

* der öffentlich nicht zugängliche Ausschuss 133 inzwischen die Zentralinstanz für die Ausarbeitung der Europäischen Handelspolitik ausmacht:

* die Europäische Kommission im Rahmen der 'Intergovernmental Conference' (ICG) (gemeinsame Regierungskonferenz) versucht, ihr bisheriges Verhand-lungsmandat auszuweiten auf die Bereiche Dienstleistungen, geistige Eigentumsrechte und Investitionen.

Angesichts dieser Situation betrachten wir die EU-Institutionen nicht als Partner sondern als Zielscheibe (für Kritik und Widerstand d. Ü). Wir werden uns auf allen erdenklichen Ebenen bemühen, eine Umkehr dieses neoliberalen Kurses zu erreichen, in Richtung auf ein alternatives Wirtschaftssystem, welches die Grundrechte von Mensch und Natur schützt.

Brüssel, 7. Juni 2000

Übersetzt von: Andreas Rockstein

Folgende Organisationen haben bis zum 07.06.2000 unterschrieben:
ATTAC (France), Association Transnationale (France),L'Ocelle (France),Le cri (France),
Institut pour la Rélocalisation de l'Economie (France), Observatoire de la Mondialisation (France), Droits devant! (France), CPE (Coordination Paysanne Europeenne/European Farmers Coordination), A SEED – Europe, Bayan International-Europe, CIDAC (Portugal),
Stop Millennium Round Campaign (Italy), Rete di Lilliput (Italy), Corporate Europe, Observatory (the Netherlands), Towards a Different Europe (the Netherlands),
Transnational Institute (the Netherlands), Informationsgruppe Lateinamerika (Austria),
PLAGE, Salzburg (Austria),Center for encounters and Active Non-Violence, Bad Ischl (Austria), Salzburg Forum against MAI/WTO (Austria), CADTM/The Committee for the Cancellation of the Third World Debt (Belgium), Collectif Stratégies Alimentaires (Belgium),
Medical Aid for the Third World (Belgium), AIB-LAI /Anti-Imperialist League(Belgium)
Magasins du monde-OXFAM (Belgium), CNCD (Belgium), NCOS (Belgium), Fair Trade Centre (Belgium), Oxfam-Solidarity (Belgium), Oxfam-Wereldwinkels (Belgium),SOS WTO (Denmark), Jord- og Betonarbejdernes fagforening -Kbh. (Denmark), Rebel (Denmark),
Oekotrans (Denmark), Spidsroden (Denmark), International Boernesolidaritet (Denmark),
Internationalt Forum (Denmark), Enhedslisten/Red Green Alliance (Denmark), Tinku-Danmark (Denmark), Mellemamerika Komitéen (Denmark), Roed Ungdom (Denmark, Friends of the Earth-Finland, Friends of the Earth-England, Wales and Northern Ireland, Cirencester Friends of the Earth (UK), Swindon Friends of the Earth (UK),Watford Friends of the Earth (UK),
World Voices (UK),People & Planet (UK),World Development Movement (UK),Friends of the Earth – Slovakia ,Aktionszentrum 3.Welt (Hamburg-Germany), The Network Against Corporate Rule and Neoliberal Policy (Germany), Weltladen-Dachverband e.V. (German World Shop Association), Framtiden i Våra Händer (Sweden), Miljöforbundet/ Friends of the Earth Sweden (Sweden), Norges Naturvernforbund/Friends of the Earth Norway (Norway),
Working Group Against MAI and Globalisation (Turkey);
Individual signatures:
Erik Todts (Oxfam-Solidarity, Belgium), Jean-Pierre Viseur (Membre de la Chambre des Représentants de Belgique), Christophe Vande Ghinste (Belgium), Daisy Dumont (Belgium);

Diese Brüssel-Erklärung soll bei den verschiedenen europäischen Anlässen in diesem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie wurde schon beim Treffen von UNICE, dem Verband der europäischen Unternehmer, vom 9.-11.06.2000 in Brüssel der Presse vorgestellt. Die Koordination ruft uns alle auf, möglichst viele Unterschriften für diese Erklärung zu sammeln und bis zum Dezember vorzulegen. Im Dezember 2000 ist die nächste Regierungskonferenz der EU-Staatschefs in Nizza, auf der die "Reformen" der EU-Institutionen beschlossen werden sollen. Wie beim MAI und der Millennium Runde in der WTO weiß die Öffentlichkeit auch jetzt kaum, was diese "Reformen" im Endeffekt bedeuten.


WAS KÖNNEN WIR TUN?

Möglichst viele Unterschriften sammeln.

Die Boston-Erklärung und die Brüssel-Erklärung durch Veranstaltungen bekannt
machen, der Presse übergeben, mit vielen Leuten diskutieren,

Die Unterschriften werden gesammelt von: Vincent ESPAGNE von "Observatoire de la Mondialisation", Paris, e-mail: [email protected]

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