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Berlin, 17. November 2000

Hallo Ihr vom Netzwerk,
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Im September war ich in Prag – es war einfach gro�artig, wie so viele Menschen aus so vielen Nationen die Konferenz zum Abbruch gebracht haben.

Dennoch sehe ich diese Bewegung zwiesp�ltig. Sie kommt mir sehr elit�r vor. So waren in Prag schon sehr viel weniger Gewerkschaften an den Demonstrationen beteiligt, als in Seattle, au�erdem wurde sich w�hrend der gesamten Vorbereitung kaum um die Einbeziehung der Prager Bev�lkerung gek�mmert. Diese Bewegung lebt jedoch durch die Massen und nicht von der Reiselust einiger Studenten und Intellektueller. Diesen Demonstrationen, wie sie jetzt stattfinden, k�nnen die Geldinstitutionen noch ausweichen. Auch sind es nicht Weltbank, WTO und IWF gegen die dieser Kampf gef�hrt wird, sondern die Multis und Konzerne, wenn Weltbank, WTO und IWF verschwinden, dann gr�nden die Multis etwas Neues.

Machtlos zeigte sich jedoch der Multi Aguas de Tunari in Bolivien, der von der verzweifelten Bev�lkerung aus dem Land geworfen wurde. Das ist ein ebenso gro�er Sieg �ber die Multis wie der Abbruch der Konferenz in Prag.

Da� die bolivianische Bev�lkerung die Industrienationen zur Verzweiflung bringt, zeigt sich an den gro�en Summen an Geldern, die in diesen Staat flie�en. Die „Pazifizierung der Bev�lkerung soll zum Einen �ber Programme der Entwicklungszusammenarbeit geschehen, aber auch �ber milit�rische Unterst�tzung, besonders durch die USA, der bolivianischen Armee. Vordergr�ndig wird der Kampf gegen Drogen genannt. Das Kokaanbaugebiet in Bolivien, in dem Kinder und Enkel jener leben, die 1952 die bolivianische Revolution anf�hrten, wird zur hoch militarisierten Zone. In dieser Region hatte auch der Aufstand gegen die Privatisierung des Wassers seinen Ursprung. In den Tagen des Aufstandes entstand ein Koordinierungskomitee, die Coordinadora. In der Coordinadora organisieren sich Bauern, Kokaproduzenten, Studenten, Lehrer, Gewerkschaften von der Basis und unter deren direkter Kontrolle. Ans�tze zu weiteren „Coordinadoras" soll es bereits in anderen Regionen geben. Seit dem Wasseraufstand im April diese Jahres ist das Land nicht zur Ruhe gekommen, w�hren wir in Prag auf den Stra�en waren, l�hmten bolivianische Bauern und Kokaproduzenten, Lehrer und Studenten 17 Tage lang das Land. Ihre Forderungen richteten sich gr��ten Teils gegen die der bolivianischen Regierung vom IWF diktierten Politik – �berarbeitung des Wassergesetzes und des Gesetzes zur Bodenreform, gegen die Gr�ndung von Milit�rbasen im Kokaanbaugebiet und Stopp der Kokavernichtung...

Au�erdem wurde f�r eine Erh�hung der Lehrergeh�lter gek�mpft. Diesen Forderungen, bis auf die nach dem Stopp der Kokavernichtung, wurde vom bolivianischen Staat mit R�ckendeckung von den USA nachgegeben. Seither sind die Kokaproduzenten der Willk�r de bolivianischen Milit�rs ausgesetzt, es kommt zu Verhaftungen und Mi�handlungen der Bev�lkerung unter dem Vorwand, vier w�hrend der Unruhen verschwundene Milit�rs und Polizisten zu suchen. Immer wieder dringen bewaffnete Milit�rs in die Region ein und unterdr�cken jede Form der eigenst�ndigen Organisation der �rmsten des Landes.

Dennoch waren die letzten Monate des Kampfes ein Erfolg f�r ihre Bewegungen. Die Bev�lkerung hat erfahren, da� sie der Unterdr�ckung durch ausl�ndische Regierungen, Multis und IWF nicht machtlos ausgeliefert ist und eigene St�rke besitzt. Die Bewegung steht jedoch bewaffneten Gruppen gegen�ber, denen die W�hrung der Interessen der Besitzenden wichtiger ist, als das Leben einiger armer Campesinos. Die positiven Erfahrungen der Bewegung k�nnen durch solch repressive Ma�nahmen zunichte gemacht werden.

Internationale Kontrolle, wie sie in Chiapas funktioniert, oder einfach Solidarit�t und moralische Unterst�tzung sind f�r die Sicherheit der Menschen und f�r das Bewu�tsein der Bewegung ein wesentlicher Beitrag, den wir auch von Europa aus leisten k�nnen. Eine erfolgreiche Bewegung gegen die Multis in Bolivien w�rde auf andere Statten Lateinamerikas und des S�dens strahlen und schlie�lich den im IWF organisierten Multis die Existenzgrundlage nehmen.

Veranstaltungen, wie in Prag, sind wichtig, um das Thema IWF auch hier in Europa f�r ein breites Publikum �ffentlich zu machen und es f�r die Aktivit�ten dieser Finanzinstitutionen zu sensibilisieren und der Bev�lkerung bewu�t zu machen, da� wir ihnen nicht ohnm�chtig ausgeliefert sind. Aber es bleibt eine Bewegung der weltweiten Elite, diese Elite kann jedoch den Kampf von Basisbewegungen unterst�tzen.

Auch wenn Ihr mein Steckenpferd Bolivien nur am Rande erw�hnt habt – im Dezember werde ich wieder dorthin fahren, und wenn Ihr noch mehr Infos �ber die derzeitige Bewegung in Bolivien haben wollt, es gibt noch eine ganz gute Website, die ein US – Amerikaner macht (www.democracyctr.org) ...

Von Heike G�rzig

                                                                               
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