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Von Melbourne nach Prag: Der Kampf f�r eine deglobalisierte Welt Walden Bello (Text einer Rede, gehalten auf Einladung in Melbourne, Australien bei
Demonstrationen gegen das Weltwirtschaftsforum (Davos) vom 6. - 10. September 2000). Wir nehmen, in den n�chsten Tagen hier in Melbourne und dann zwei Wochen sp�ter in Prag, an einem historischen Unternehmen teil: dem Bem�hen, eine kritische Masse zu erzeugen, um die konzerngesteuerte Globalisierung in eine andere Richtung zu lenken. �ber Jahre hindurch hat man uns erz�hlt, dass Globalisierung den Wohlstand mehre, dass dies ein Prozess sei, der f�r m�glichst viele m�glichst viel G�ter bedeute, dass b�rgerliches Wohlverhalten darin bestehe, das anonyme Gesetz des Marktes zu akzeptieren und gutes Regieren darin, die Regierung aus dem Marktgeschehen herauszuhalten und es der reinsten Inkarnation der Marktfreiheit, den transnationalen Konzernen (TNCs) zu �berlassen, den effizientesten Mix von Kapital, Boden, Technologie und Arbeit hervorzubringen. Der ungehemmte Fluss von G�tern und Kapital in einer Welt ohne Grenzen, so sagte man, schaffe die beste aller m�glichen Welten. Beobachter wiesen jedoch darauf hin, dass man den Vorgaben des Propheten aus dem 18. Jahrhunderts, Adam Smith, erst dann �bereinstimmt, wenn man in dieser besten aller m�glichen Welten auch einen ungehemmten Fluss der Arbeitskr�fte zul��t. Sie wurden schlechthin ignoriert. Derartige Ungereimtheiten konnten bisher �bergangen werden, da seit �ber zwei Jahrzehnten der Neoliberalismus, oder, in anderer gro�spuriger Bezeichnung, der Washington Konsens", als Verk�nder dieser Doktrin die Szene beherrscht Wie einer ihrer wichtigsten Mitstreiter unl�ngst wehm�tig bemerkte, schien der Washington Konsens eine nahezu universelle Unterst�tzung zu finden und eine allgemein f�hrende Ideologie mit undiskutierter intellektueller Zustimmung f�r die Weltwirtschaft erreicht zu haben - ein Novum in der neueren Geschichte ". Klarstellungen zur Globalisierung I: Der finanzielle Zusammenbruch Asiens. Unter starkem Druck des IMF und des US-Schatzamtes institutionalisierten Anfang der 90er Jahre unsere Regierungen in Ost-Asien den ungehinderten Verkehr von spekulativem Kapital, ganz in �bereinstimmung mit dem Washington Konsens. Das Ergebnis: Die 100 Milliarden Dollar, die zwischen 1993 und 1997 hereinstr�mten, flossen im Sommer, w�hrend der gro�en Panik, in der K�rze eines Augenblicks pl�tzlich wieder ab, brachten den Kollaps unserer Wirtschaften mit sich und verwickelten diese in eine Spirale von Rezession und massiver Arbeitslosigkeit, von denen sich die meisten noch nicht erholt haben. Seit 1997 ist finanzielle Instabilit�t bzw. die konstante Erosion unserer W�hrungen unter IMF-aufoktroyierten monet�ren Bedingungen zu einer Lebensweise geworden, die den Wert unseres Geldes von Tag zu Tag, von Laune, Gutd�nken und wechselnden Pr�ferenzen ausl�ndischer Investoren und Geldspekulanten, abh�ngig macht. Klarstellungen zur Globalisierung II: Der Misserfolg struktureller Anpassung. Die finanzielle Krise Asiens hat den IMF in eine �u�erst unkomfortable Lage versetzt, die zu einer weitgehenden Neubewertung seiner Rolle gef�hrt hat, als in den 80er und fr�hen 90er Jahren in �ber 70 L�ndern der Dritten Welt Programme der strukturellen Anpassung durchgesetzt worden sind. Nach mehr als 15 Jahren gibt es kaum Beispiele erfolgreicher Anpassungsprogramme. Ganz im Gegenteil, strukturelle Anpassung f�hrte zu institutionalisierter Stagnation in Afrika und Lateinamerika, wobei gleichzeitig absolute Armut und Einkommensdisparit�ten kr�ftig anstiegen. Strukturelle Anpassungen, und die damit auferlegten Politiken der freien Marktwirtschaft in den fr�hen 80er Jahren, waren die wesentlichen Faktoren, die den starken Anstieg der globalen Ungleichheit ausl�sten. Eine im Namen der UNCTAD verfasste Studie in 24 L�ndern zeigt auf, dass sich der Einkommensanteil der reichsten 20% der Weltbev�lkerung zwischen 1965 und 1990 von 69% auf 83% erh�ht hat. Politiken der Anpassung sind die Hauptausl�ser der rapiden Konzentration des globalen Einkommens in den letzen Jahren gewesen - ein Prozess, der dazu gef�hrt hat, dass Bill Gates mit 90 Milliarden Dollar, Warren Buffet mit 36 Milliarden Dollar und Microsoft-Mitbegr�nder Paul Allen mit 30 Milliarden Dollar insgesamt ein h�heres Einkommen realisierten als jene 600 Millionen Menschen, die in den 48 am wenigsten entwickelten L�ndern der Welt lebten, von denen ein gro�er Teil Anpassungsprogrammen unterworfen worden ist. Strukturelle Anpassung ist also eine zentrale Ursache daf�r gewesen, dass der Kampagne gegen die Armut keinerlei Erfolg beschieden gewesen ist. Die Zahl der Menschen, die weltweit in Armut leben, d.h. mit weniger als einem Dollar pro Tag, ist von 1.1 Milliarden 1985 auf 1.2 Milliarden 1998 gestiegen, und man rechnet f�r dieses Jahr mit 1.3 Milliarden. Nach einer neuen Studie der Weltbank ist die absolute Zahl der Menschen, die in Armut leben, in den 90er Jahren in Ost-Europa, S�d-Asien, Lateinamerika, in der Karibik und im subsaharischen Afrika gestiegen - alles L�nder, die unter den Zwang von Anpassungsprogrammen gerieten. Angesichts dieses Fiaskos fand es James Wolfensohn von der Weltbank angemessen, die Institution von ihrer Identifizierung mit der strukturellen Anpassung durch Public-Relations-Ma�nahmen wie SAPRI (Structural Adjustement Programm Review Initiative")zu befreien, wo es hei�t, dass nunmehr die Programme gemeinsam mit NGOs durchgef�hrt werden sollen. Doch weigerte sich der IMF unter dem dogmatischen Michel Camdessus, die Zeichen an der Wand zur Kenntnis zu nehmen. Vielmehr war er bestrebt, die Politiken der Anpassung, durch die Einrichtung der Extended Structural Adjustement Facility" (ESAF) auf Dauer in den Wirtschaftstrukturen zu verankern. Denn angesichts der wachsenden �ffentlichen Aufmerksamkeit, als Folge der verheerenden Ost-Asien Politik des Fonds, konnte er nicht l�nger in Abrede stellen, dass die Anpassung in Afrika, Lateinamerika und S�dasien ein massiver Misserfolg war. W�hrend des Treffens Weltbank-IMF im September 1999 gestand der Fonds seinen Misserfolg auch ein, indem er ESAF in Poverty Reduction and Growth Facility" umbenannte. Doch gab es in Anbetracht der Ergebnisse keine M�glichkeit f�r den Fonds, die Resultate seiner Politik zu besch�nigen. Als die G-7 vorschlug, eine IMF-Zertifizierung als Vorbedingung f�r die Kandidatur bei der inzwischen verblichenen HIPC-Initiative einzuf�hren, hat die Abgeordnete Maxine Walters im US-Repr�sentantenhaus wohl im Sinne vieler liberaler Kollegen gesprochen, wenn sie anmerkte: Ist es �berhaupt n�tig, den IMF einzuschalten? Denn, wie wir mit Schmerzen zu Kenntnis nehmen mussten, f�hrt das Vorgehen des IMF dazu, dass Kinder verhungern". So sehr war dem Fonds die Legitimit�t abhanden gekommen, da� der US-Schatzsekret�r Larry Summers, der in einer fr�heren Inkarnation als Chef-�konom der Weltbank einer der Oberk�che der strukturellen Anpassung war, vor dem US-Kongress erkl�rte, dass der IMF-zentrierte Prozess" makro�konomischer Politik ersetzt werden sollte durch einen neuen, offeneren und inklusiveren Prozess, der auch vielf�ltige internationale Organisationen beteiligen und sowohl nationalen Politikern als auch Gruppen der Zivilgesellschaft eine zentralere Rolle einr�umen m��te". Klarstellungen zur Globalisierung III: Das Debakel in Seattle Freiheit, so sagt Hegel, ist die Anerkennung des Notwendigen. Freiheit liegt, so erz�hlen uns die Verfechter des Neoliberalismus wie z.B. der Hegelianer Francis Fukuyama, in der Anerkennung der Irreversibilit�t der Globalisierung des freien Marktes. Gott sei Dank daf�r, dass die 50.000 Menschen, die Ende September 1999 nach Seattle gekommen sind, diesen Freiheitsbegriff im Sinne Hegel-Fukuyamas als Unterwerfung unter dasjenige und �bernahme dessen, was der Welthandelsorganisation (WTO) unausweichliche Notwendigkeit zu sein schien, nicht abkauften. Mitte der 90er Jahre wurde die WTO dem globalen Publikum als der Angelpunkt eines multilateralen Systems �konomischer Steuerung verkauft, das die f�r ein globales Wachstums des Handels erforderlichen Regeln bereitstellen und f�r die Ausbreitung der damit verbundenen wohlt�tigen Wirkungen sorgen sollte. Nach kaum f�nf Jahren sind die Implikationen und Konsequenzen der Gr�ndung der WTO f�r viele Leute so klar hervorgetreten wie ein bei Tageslicht begangener Diebstahl. Was ist dabei klar geworden? - Durch die Unterzeichnung des Agreement on Trade-Related Investment Measures" (TRIMs) hatten sie Entwicklungsl�nder, wie sie entdecken mussten, gleichzeitig den Verzicht darauf unterschrieben, ihre Handelspolitik als Mittel der Industrialisierung einzusetzen. - Durch die Unterzeichnung des Agreement on Trade-Related Intellectual Property Rights" (TRIPs) hatten diese L�nder, wie sie erkennen mussten, transnationalen High-Tech Firmen wie Microsoft und Intel das Recht einger�umt, Innovationen in wissensintensiven Industrien zu monopolisieren und Firmen der Biotechnologie wie Novartis und Monsanto das Startsignal zur Privatisierung der Fr�chte des �onen-langen kreativen Zusammenspiels zwischen menschlichen Gemeinschaften und der Natur, wie Samen, Pflanzen und tierisches Leben. - Durch die Unterzeichnung des Agreement on Agriculture" (AOA) hatten die Entwicklungsl�nder gleichzeitig zugestimmt, ihre M�rkte zu �ffnen und damit den Superm�chten der Landwirtschaft die M�glichkeit gegeben, ihr System der subventionierten Agrarproduktion zu konsolidieren, was zu einem massiven Dumping gerade auf diesen M�rkten f�hrte, ein Prozess, der seinerseits dann die kleinb�uerliche Landwirtschaft zerst�ren sollte. - Durch die Errichtung der WTO hatten die L�nder und Regierungen, so mu�ten sie zur Kenntnis nehmen, ein legales System eingerichtet, das den Vorrang des freien Marktes �ber jedes andere Gut stellte: �ber Umwelt, Recht, Gerechtigkeit und Gemeinschaft. Sie begriffen endlich die Bedeutung der fr�heren Warnungen des Verbraucheranwaltes Ralph Nader, die WTO sei ein System des Handel �ber alles". - Bei ihrem Beitritt zur WTO hatten die Entwicklungsl�nder zur Kenntnis zu nehmen, dass sie sich letztlich nicht einer demokratischen Organisation angeschlossen haben, sondern einer Organisation, deren Entscheidungen nicht in formalen Plenarversammlungen, sondern in undurchsichtigen Hinterstuben-Sitzungen gef�llt werden, bei der auf Mehrheitswahl verzichtet wird zugunsten eines als Konsens" bezeichneten Prozesses - der in Wirklichkeit ein Vorgang war, in dem einige wenige gro�e Handelsm�chte ihren Konsens der Mehrheit der Mitgliedsl�nder aufzwangen. Die Veranstaltung in Seattle brachte Protestierende unterschiedlichster Art aus aller Welt zusammen, die sich mit recht verschiedenen Themen befassten. Einige ihrer Positionen hinsichtlich bestimmter Kernthemen wie beispielsweise der Eingliederung der Arbeitsnormen in die Zust�ndigkeit der WTO waren zweifellos bisweilen widerspr�chlich. Doch die meisten von ihnen, sei es auf der Stra�e, sei es bei Sitzungen, waren sich in einem Punkt einig: ihrem Widerstand gegen die Expansion eines Systems, das eine TNC-gelenkte Globalisierung auf Kosten von Gerechtigkeit, Gemeinschaft, nationaler Souver�nit�t, kultureller Verschiedenheit und �kologischer Tragbarkeit vorantrieb. Seattle ist ein Debakel gewesen, erzeugt durch kollektive Selbs�bersch�tzung, was weitgehend Paul Kennedys Begriff von einer imperialen �berspannung" (imperial overstretch) entspricht, von der man sagt, sie sei der zentrale Faktor bei der Entmythologisierung gro�er Imperien. Der Kollaps der Veranstaltung unter dem Druck dieser vielf�ltigen Oppositionsquellen hat die Richtigkeit von Ralph Naders voraussehender Bemerkung von vor bereits vier Jahren, nur unterstrichen, dass n�mlich der Abschluss globaler Handelsvereinbarungen wie die WTO als die gr��te Dummheit in der Geschichte moderner globaler Organisationsformen" anzusehen ist. W�hrend fr�her, als die Konzerne im mehr oder weniger privaten Halbschatten" agierten, es schwierig war, eine wirksame Opposition herauszubilden, so liegt nun, wie er betonte, der globale strategische Organisationsplan gedruckt vor ...und gibt uns eine M�glichkeit". Die Wahrheit ist zwar zeitlos, doch im menschlichen Leben macht es einen Unterschied, ob sie zur Macht wird oder nicht. In Seattle kam die Wahrheit zu der Macht des Volkes hinzu und ist zur Tatsache geworden. Pl�tzlich wurden Fakten, die zuvor ignoriert oder verniedlicht wurden, sogar von den selbsternannten M�chten anerkannt, deren schamloses Selbstvertrauen ersch�ttert worden war. Zum Beispiel wurde die Tatsache, dass die oberste Institution der Globalisierung letztlich grundlegend undemokratisch ist, auch von den Vertretern ihrer hartn�ckigsten Verteidiger anerkannt: den Vereinigten Staaten Amerikas und dem Vereinigten K�nigreich (U.K.) H�ren Sie die US-Handelsdelegierte Charlene Barshefsky nach dem Aufstand der Vertreter der Entwicklungsl�nder, der dazu beitrug, die Veranstaltung zu Fall zu bringen: Der Vorgang war ein ziemlich einmaliger", gab sie zu. An allen bisherigen Zusammenk�nften hatten 20 bis 30 Kernl�nder teilgenommenen. Und das bedeutete, dass 100 L�nder, 100, niemals anwesend gewesen sind. Dies f�hrte zu dem au�erordentlich schlechten Gef�hl, dass sie vom Prozess ausgeschlossen waren und dass ihnen nun die Ergebnisse von jenen 25 oder 30 privilegierten L�ndern, die im Saal waren, diktiert werden". H�ren Sie Stephen Byers, den UK Staatssekret�r f�r Handel und Industrie, nach dem Schock von Seattle: Die WTO wird nicht in der Lage sein, so wie bisher weiterzumachen. Es mu� einen fundamentalen und radikalen Wandel geben, um den Bed�rfnissen und Erwartungen aller ihrer 134 Mitglieder entsprechen zu k�nnen." Klarstellungen zur Globalisierung IV: Meltzer torpediert die Bank Die Finanzkrise in Asien war Ausl�ser der Legitimit�tskrise des IMF. Der Kollaps der Veranstaltung von Seattle hatte den Stillstand der WTO zur Folge. Dennoch, unter dem Kommando des vom Australier zum Amerikaner mutierten Jim Wolfensohn schien die Weltbank vom massiven Schaden, der bei den Schwester- Institutionen entstanden war, verschont zu bleiben. Doch der Torpedo in der Form der bekannten Meltzer Kommission hat im Februar dieses Jahres getroffen. Gegr�ndet im Jahre 1998 als eine der Bedingungen des US-Kongress f�r die Zustimmung zu einer Erh�hung ihrer Anteile beim IMF stand diese Kommission, als Zweiparteien-K�rper vor der Aufgabe, den Bericht der Bank und des Fonds zu begutachten und gleichzeitig Empfehlungen f�r die Reform dieser beiden Institutionen abzugeben. Nach einem ausf�hrlichen Studium der Dokumente und der Befragung von Experten aller Art zog die Kommission den vernichtenden Schlu�, dass dadurch der gr�sste Teil der Ressourcen in die besser gestellten Entwicklungsl�nder geflossen ist, w�hrend mit einer erstaunlichen Misserfolgsquote von 6570% ihrer Projekte in den �rmsten L�ndern, die Weltbank irrelevant war f�r die Erreichung der von ihr selbst proklamierten Ziele n�mlich der Verringerung der globalen Armut. Was sollte also mit der Bank geschehen? Die Kommission verlangte, dass die meisten der Darlehnsaktivit�ten der Bank regionalen Entwicklungsbanken �bertragen werden sollten. F�r Leser des Reports brauchte es in der Tat nicht viel, um zu begreifen, dass er, wie eines der Kommissionsmitglieder zugegeben hat, im wesentlichen die Abschaffung des IMF und der Weltbank verlangt", ein Ziel, das eine betr�chtlich breite Unterst�tzung ..in unserem Kongress gefunden hatte". Sehr zum Kummer Wolfensohns setzten sich nur wenige f�r die Bank ein, und noch unter Schock stehend hielt die Agentur ihr Fr�hjahrstreffen mit dem IMF in einer Washington, DC, ab, das von ungef�hr 40.000 Demonstranten beendet wurde. Vom Geist der Demoralisierung, der die Bank erfasste, zeugt auch die Botschaft Wolfensohns vor der Konferenz an die Angestellten der Bank, dass die n�chste Woche f�r die meisten von uns eine Pr�fung sein wird". Dass im April 2000 das Treffen der Bretton Woods Zwillinge nur unter schwerem Polizeischutz stattfinden konnte, unter Anwendung von T�uschungsman�vern wodurch die Linien der Demonstranten durchbrochen werden sollten, um furchtsame Abgeordnete zu den Bunkern in Pennsylvania bringen zu k�nnen, sprach B�nde �ber die fragw�rdig gewordene Legitimit�t der beiden Institutionen. Der Davos-Prozess I: Die Re-Legitimierung der Globalisierung Warum komme ich immer wieder auf die Legitimierung zur�ck? Weil, wie der gro�e italienische Denker Antonio Gramsci sagt: f�r den Fall, dass die Legitimit�t abhanden kommt, und sie nicht wiedergewonnen wird, es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Struktur in sich zusammenf�llt, ungeachtet des soliden Anscheins". Dies sp�rten auch viele der wichtigsten Advokaten der Globalisierung im Sog der gemeinsamen Krise von Welthandelsorganisation (WTO) und der Bretton Woods Zwillinge. Sie waren sich im Klaren dar�ber, da� die Strategie des Vetos, deren sich diese drei Institutionen bedient hatten, in Zukunft nicht mehr funktionieren w�rde, und dass die aggressiven Versuche des Feuerlegens im Dienste der Globalisierung, wie sie Martin Wolf von den Financial Times vertrat, indem er die NGOs der Ignoranz bezichtigte und sie als Un-Zivilgesellschaft bezeichnete, ziemlich kontraproduktiv sein w�rde. F�r die Objektiveren unter den Kr�ften der Pro-Globalisierung war das N�chstliegende die Anerkennung der Tatsachen. Tatsache Nr. 1 war, nach dem einflussreichen Frei-H�ndler C. Fred Bergsten, Vorstand des Washingtoner Institutes f�r Internationale Wirtschaft, da� "die Kr�fte der Anti-Globalisierung sich nun im Aufwind befinden". Und Tatsache Nr. 2, wesentlich f�r eine Antwort an diese Kr�fte, hat eine ehrliche Anerkennung und das Eingest�ndnis zu sein, dass es Kosten und Verlierer gibt", und da� Globalisierung zu einer Zunahme von sozialen- und Einkommens- Disparit�ten innerhalb der einzelnen L�nder f�hrt" und einige L�nder und Gruppen hinter sich zur�ckl�sst". Hier erweist sich der Davos-Prozess - ein Teil davon ist die gegenw�rtige �bung des World Economic Forum (WEF) - als zentral f�r das Projekt der Re-Legitimierung der Globalisierung. Davos, hoch in den Schweizer Alpen, ist nicht das Zentrum einer globalen kapitalistischen Verschw�rung zur Aufteilung der Welt. Davos ist vielmehr der Ort, wo sich die globale Elite unter der Schirmherrschaft des WEF trifft, um einen groben Konsens dar�ber zu schmieden, wie die Herausforderungen des Systems zu entsch�rfen sind und wie ihnen ideologisch zu begegnen ist. Beim Zusammentreffen kurz nach dem, was manche als das Erdbeben von Seattle ansehen, hat die Mannschaft von Davos Ende Januar die politisch korrekte Linie festgelegt. Wiederholt wie ein Mantra von Pers�nlichkeiten wie Bill Clinton, Tony Blair, Bill Gates, Nike-Chef Phil Knight und WEF-Guru Klaus Schwab, war der Chorgesang: Globalisierung ist die Welle der Zukunft. Doch Globalisierung l�sst die Mehrheit hinter sich zur�ck. Deren Stimme kam in Seattle zur Geltung. Es ist nun die Zeit gekommen, die Fr�chte der Globalisierung und des freien Marktes auch den Vielen zu bringen". Der britische Premierminister Tony Blair war es, der am besten die Vision und die Rhetorik einer mitf�hlenden Globalisierung" artikulierte. Blair formulierte: Gleichzeitig mit der Ausweitung globaler M�rkte und Technologien sehen wir eine neue Suche nach Gemeinschaft, lokal, national und global, gleichsam als Antwort auf Wandel und Unsicherheit, aber auch als Reflex des Guten in unserer Natur und der dauerhaften Werte. Damit stellen sich auch neue politische Aufgaben, deren Grundlage die gegenseitige Verantwortlichkeit ist, sowohl innerhalb der einzelnen Nationen als auch im Bezug auf die ganze Welt". Und weiter: Wir haben in diesem Jahrhundert die Chance, eine offene Welt zu vollenden, eine offene Wirtschaft, und zwar eine offene Wirtschaft mit nie da gewesenen M�glichkeiten f�r Menschen und Handel. Doch werden wir nur dann unser Ziel erreichen, wenn diese offene Gesellschaft und Wirtschaft getragen ist von einem starken Ethos gegenseitiger Verantwortlichkeit - durch soziale Integration innerhalb der Nationen und durch gemeinsame internationale Verpflichtung zur Hilfe f�r jene, die betroffen sind von V�lkermord, Schulden und Umweltproblemen" Ich nenne das einen Dritten Weg", erkl�rte Blair leidenschaftlich. Er stellt eine neue Alternative dar f�r die Politik von Zentrum und Zentrum-links, aber in neuen Begriffen, im Dienste der Schaffung von Wohlstand, im Kampf gegen Sonderinteressen und unter Anwendung der Marktmechanismen; doch immer ehrlich bei der Klarstellung der Werte - soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Zusammenarbeit ...von Europa bis Nordamerika, von Brasilien bis Neuseeland, zwei gro�e Ufer progressiven Denkens kommen zusammen. Das liberale Anliegen individuellen Freiseins in der Marktwirtschaft, und das sozialdemokratische Anliegen sozialer Gerechtigkeit durch das Einwirken der Regierung werden vereint". Nun hat das britische Publikum eines endlich begriffen, dass n�mlich bei Herrn Blair zwischen Rhetorik und realem Verhalten eine abgrundtiefe Kluft besteht. Was hat denn seine Globalisierung mit Gewissen" bzw. sein Dritter Weg" oder eine mitf�hlende Globalisierung" zu bieten? Um das herauszufinden, muss man sich von Blair zu Bergsten wenden, der, dies sei zu seiner Ehre gesagt, auf die hochtrabende Rhetorik verzichtet und zugibt, dass das gegenw�rtige Programm tats�chlich ein System von vor�bergehenden Sicherheitsnetzen ist ...zur Unterst�tzung bei der Anpassung an den Wandel" und dazu da, den Leuten die M�glichkeit zu geben, die mit dem Ph�nomen (der Globalisierung) verbundenen Vorteile zu sehen und zu ergreifen statt sich dagegen zu stellen". Kurz gesagt, statt sich vom Globalisierung-Express �berrollen zu lassen, werden die Leute aufgefordert, ruhig und friedlich sich einzuf�gen und sich auf st�ndigen und unberechenbaren Wandel einzustellen, der von den Transnationalen Unternehmen (TNCs) bei ihrer Suche nach Profit ausgeheckt wird. Der Davos-Prozess II: Kooptation der Vereinigten Nationen. Von gleicher Wichtigkeit wie die Rhetorik ist bei der Davoser Antwort das Bem�hen, Mitl�ufer zu gewinnen. Dies sollte erreicht werden durch Dialog, Konsultation und die Bildung von Partnerschaften" zwischen Transnationalen Unternehmen, Regierungen, den Vereinten Nationen und Organisationen der zivilen Gesellschaft. Die Vereinten Nationen waren ein Bonbon. Diskussionen mit dem Generalsekret�r Kofi Annan f�hrten zum Globalen Vertrag", der zum Mittelpunkt der Milleniumsfeiern der Vereinten Nationen geworden ist. Unterzeichnet von 44 TNCs, wurde dieser Vertrag von Annan wegen der vorausgesetzten Verpflichtung der Unterzeichner, das Menschenrecht, die Arbeits- und die Umweltrechte zu respektieren und positive Beispiele daf�r zu liefern, als ein gr��erer Schritt vorw�rts gefeiert. F�r viele NGOs hat sich hingegen der Globale Vertrag als einer der gr��ten UN-Fehlleistungen erwiesen, und dies aus folgenden Gr�nden: - Trotz der Bestimmung, da� Vertrags-Mitgliedschaft jenen Unternehmen verweigert wird, die in Verletzungen von Menschenrechten verwickelt sind, enth�lt die Liste der Gr�ndungsmitglieder auch jene Kollektive, die in der �belsten Art und Weise den Menschenrechten, den Umweltrechten und den Arbeitsrechten zuwiderhandeln: Nike, Rio Tinto, Shell, Novartis und BP Amoco. - Der Vertrag wird diesen Konzernen einen grossartigen Public-Relations Schauplarz bescheren, wo sehr im Gegensatz zur Realit�t, ein sauberes Image verbreitet werden kann, da die �bereinstimmung mit dem Vertrag der Selbstbeurteilung �berlassen ist, und f�r Verletzungen der Prinzipien keinerlei Sanktionen vorgesehen sind. - Die Konzerne sind erm�chtigt, das Logo der Vereinten Nationen als Zeichen kollektiver Verantwortlichkeit zu verwenden. Damit eignen sie sich das Image der UNO als einer internationalen Beh�rde an, nicht nur f�r kurzfristigenen Profit, sondern auch f�r langfristige Gesch�ftsziele eines guten Markenzeichens ". Der Davos-Prozess III: Management der zivilen Gesellschaft Die Organisationen der zivilen Gesellschaft sind nicht so naiv wie Annan und die UNO. Daher schlug man zu ihrer Neutralisierung detailliertere Ma�nahmen vor. Als ersten Schritt die Bestimmung ihres hierarchischen Stellenwertes indem man �ffentlich einige als vern�nftige NGOs" definiert, die an einer seri�sen Debatte �ber die Probleme der Globalisierung interessiert sind" und andere als unvern�nftige NGOs", die keine Diskussion wollen". Was jene betrifft, die als vern�nftig" zu bezichnen w�ren, so k�nnte man, was man eine Strategie der Entwaffnung durch Dialog" nennen kann, verfolgen, mit der Absicht, sie als eine Arbeits-Partnerschaft" f�r Reformen zu integrieren... Als Modell daf�r diente der NGO-Ausschuss bei der Weltbank" und andere Weltbank-NGO-Verbindungen, die Wolfensohn und seine Statthalter Mitte der 90er Jahre aufgebaut hatten. M�gen die NGOs, die sich darauf eingelassen haben, dabei von bester Absicht erf�llt gewesen sein, so war sich Wolfensohn jedenfalls bewusst, dass schon allein deren Mitgliedschaft als solche ein Beitrag zur Legitimierung der Bank sein w�rde, und dass im Laufe der Zeit diese NGOs ein Interesse an der Aufrechterhaltung formeller Beziehungen zu der Bank entwickeln w�rden. So gelang es Wolfensohn nicht nur, Washingtons, DC, NGO Gemeinschaft zu spalten, sondern er vermochte auch das Potential einiger NGOs - viele waren sich dessen nicht bewusst - in den Dienst des Bem�hens zu stellen, das Image seiner Bank mit ernsthafter Reformbereitschaft und Verpflichtung auf den Kampf gegen die Armut zu verkn�pfen, bevor die Meltzer Kommission allerdings die Hohlheit dieser Anspr�che bloslegen konnte. Wolfensohns Neutralisierung eines erheblichen Teils der Washingtoner, DC, NGO Gemeinschaft Mitte der 90er Jahre sollte der zivilen Gesellschaft eine Warnung vor der Beschaffenheit der Kr�fte sein, denen sie gegen�bersteht. Der Eisatz ist gross, und von der Art, wie die zivile Gesellschaft in diesem historischen Moment auf die aggressiven Verf�hrungsversuche reagiert, wird abh�ngen, welche Form das Globalisierungsprojekt in der Zukunft haben wird. Die Entwicklungen im Kampf der Kr�fte f�r oder gegen die Globalisierung ist so rasant, dass Strategien, die vor Seattle, als die multilateralen Institutionen noch solider waren und mehr Legitimierung aufzuweisen hatten, realistisch und angemessen gewesen sein m�gen, sich nun aber, da sie in einer tiefen Legitimit�tskrise stecken, als zaghaft und unangemessen, ja sogar als kontraproduktiv erweisen k�nnten.. Gestatten Sie mir einige Details: - Werden die NGOs einem stagnierenden WTO-Prozess neues Leben einhauchen, indem sie sich f�r die Einbeziehung von Arbeits- und Umweltklauseln in die WTO-Vereinbarungen einsetzen anstatt Macht und Autorit�t dieses Instruments f�r Gruppenherrschaft zu begrenzen und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um z.B. weitere Welthandelsrunden zu unterbinden? - Werden sie den Bretton Woods Institutionen den Rettungring zuwerfen, indem sie an den Konsultationen Zivile Gesellschaft / Weltbank-IMF" teilnehmen, die ein so zentrales Element im Comprehensive Development Framework" (Umfassender Entwicklungsrahmen) sein sollen, und in denen Wolfensohn und die F�hrung des IMF den Schl�ssel zur Re-Legitimierung der Bretton Woods Zwillinge sehen? - Werden sie es zulassen, sich in den Davos-Prozess des vern�nftigen Dialogs" und der freien Konsultation" hineinziehen zu lassen, in welchem die eine Seite Dialog und Konsultation vor allem als ersten Schritt zur Entwaffnung der anderen Seite betrachtet? Reform oder Entmachtung? Unsere Taktik wird nicht nur vom Kr�fteverh�ltnis bestimmt, sondern sie h�ngt auch grunds�tzlich ab von unserer Antwort auf die Frage: Sollen wir anstreben, die wichtigsten Institutionen einer TNC-gesteuerten Globalisierung zu transformieren, oder sollen wir sie zu entmachten suchen? Institutionen sollten erhalten und reformiert werden, insofern sie funktionieren, wenn auch schlecht. Man kann ihnen nichtsdestoweniger eine neue Orientierung geben im Interesse von Gesellschaft und Umwelt. Doch sollte man sie abschaffen, wenn sie grunds�tzlich unbrauchbar geworden sind. Kann man wirklich davon ausgehen, dass sich der IMF im Sinne globaler finanzieller Stabilit�t reformieren l�sst, die Weltbank zur Verringerung der Armut beitr�gt und die WTO, fairen Handel erm�glicht? Sind sie letztlich nicht Gefangene von Denkmustern und Strukturen, die zu Ergebnissen f�hren, die mit ihren Zielen v�llig im Widerspruch stehen? Kann man ernsthaft annehmen, diese Institutionen lie�en sich dahingehend umgestalten, dass sie die vielf�ltigen Probleme, zu denen der Prozess einer TNC-abh�ngigen Globalisierung gef�hrt hat, auch l�sen k�nnten? Vielleicht k�nnen wir die gegenw�rtige Situation am besten einsch�tzen durch eine Anleihe bei Thomas Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen". Wissenschaftliche Modellvorstellungen, so Kuhn, geraten in die Krise, wenn sie widerspr�chliche Daten, als Ergebnisse von Beobachtungen weder erkl�ren noch damit sinnvoll umgehen k�nnen. Die wissenschaftliche Gemeinschaft divergiert in einer solchen Situation in ihrer Antwort. Manche versuchen, das herrschende Paradigma zu retten, indem sie fortw�hrend kleine �nderungen anbringen, die lediglich das unvermeidbare Ende hinausz�gern. Einige Mutige suchen sich deutlich davon zu distanzieren zugunsten von einfacheren, eleganteren und n�tzlicheren Vorstellungen so wie auch die Begr�nder der fr�hen modernen Wissenschaft einfach das alte, zum Verst�ndnis des Kosmos hoffnungslos komplexe ptolom�ische Weltbild (die Sonne und andere Himmelsk�rper drehen sich um die Erde) zugunsten des einfacheren kopernikanischen- (die Erde dreht sich um die Sonne) aufgegeben haben. Wie wissenschaftliche Paradigmen in der Krise, so k�nnen auch die herrschenden Institutionen der Globalisierung nicht mehr mit den vielf�ltigen Problemen umgehen, die sich aus der TNC-gesteuerten Globalisierung ergeben haben. Statt zu versuchen, die multilateralen Institutionen zu reformieren, w�re es nicht viel realistischer und Kosten-effizienter", um einen h�sslichen neoliberalen Begriff zu verwenden, ihnen die Macht zu nehmen wenn nicht gar sie v�llig aufzul�sen und ganz neue Institutionen zu begr�nden, die nicht mit dem Ballast der Illegitimit�t, des institutionellen Versagens und antiquierter Denkmuster behaftet sind, wie dies beim IMF, der Weltbank und der WTO der Fall ist? Ich bin sehr der Ansicht, dass zur Entmachtung des Konzerns heute nicht die Reform der multilateralen Agenturen im Zentrum unserer Bem�hungen zu stehen hat, sondern der Wille, die Legitimit�tskrise des ganzen Systems zu vertiefen. Gramsci hat einmal die B�rokratie beschrieben als lediglich �u�eren Sch�tzengraben, hinter dem ein m�chtiges System von Festungen und W�llen liegt". Wir d�rfen nicht l�nger nur in Begriffen der Neutralisierung der multilateralen Agenturen denken, die nur die �u�ere H�lle des Systems darstellen, sondern es geht um die Entmachtung der transnationalen Konzerne, die Schutzw�lle und Festungen, die den Kern des globalen Wirtschaftssystems bilden. Ich spreche also von einer Entmachtung nicht nur der WTO, des IMF und der Weltbank, sondern der transnationalen Korporationen selbst. Und ich spreche auch nicht von einem Prozess des Re-Regulierens" der transnationalen Konzerne, sondern von deren allf�lliger Entmachtung und Liquidierung als fundamentaler Bedrohung von Mensch, Gesellschaft, Umwelt, und von allem, was uns am Herzen liegt. Ist ein solcher Standpunkt unvertretbar? Doch nur wenn wir davon ausgehen, dass die erschreckende Verantwortungslosigkeit und Geheimnistuerei, mit der die Monsantos und Novartis uns die Biotechnologie aufgezwungen haben, irgendetwas mit allgemein g�ltigen Normen zu tun h�tten. Nur wenn wir auch die systematische Verw�stung des Ogonilandes in Nigeria als Ausnahme von der Regel bei Shell betrachten, die Verschw�rung der Sieben Schwestern", um die Entwicklung erneuerbarer Energie zu verhindern und uns weiterhin als Sklaven einer Petroleum Zivilisation zu halten, Rio Tinto und die Praktiken der Bergbauriesen, Fl�sse und ganze menschliche Gemeinschaften zu vergiften, und Mitsubishis 20 Jahre lang verheimlichten, unl�ngst aufgedeckte tausendfache Verletzungen der Produktsicherheit, um R�ckrufe zu vermeiden, die Einschnitte in die Profite bedeutet h�tten. Nur wenn wir glauben, es sei mit einer akzeptablen Gesch�ftspraxis und -ethik vereinbar, Grenzpf�hle zu entfernen, Leute zu entlassen und seit langem bestehende Gemeinschaften zu zerst�ren, um damit einen Prozess - billigere Arbeitskr�fte rund um den Erdball - voranzutreiben, an dem die meisten TNCs heute beteiligt sind. Nein, dies sind keine Abweichungen. Dies ist der Normalfall des Verhaltens der Konzerne. Und ihre Verbrechen gegen Mensch und Umwelt sind genauso wie die Maffia, ein way of life" geworden, weil, wie der britische Philosoph John Gray darlegt: globale Marktkonkurrenz und technologische Innovation uns in ihrem Zusammenspiel eine anarchische Weltwirtschaft beschert haben". F�r eine solche Welt der Anarchie, der Not und der durch globales laissez-faire" bedingten Konflikte sind, wie Gray weiter ausf�hrt, Thomas Hobbes und Thomas Malthus bessere Leitfiguren als Adam Smith oder Friedrich von Hayek mit ihrer utopischen Vision einer Menschheit, vereint in der "pr�stabilierten Harmonie" des Wettbewerbs. Smiths Welt von friedlich konkurrierenden Unternehmen ist im Zeitalter der TNCs degeneriert zu Hobbes Krieg aller gegen alle". Gray sagt ebenfalls, dass der globale Kapitalismus in seiner jetzigen Organisationsform in h�chstem Ma�e ungeeignet ist, den Risiken geopolitischer Konflikte zu begegnen, die in einer Welt sich versch�rfender Knappheiten an der Tagesordnung sind. Doch ein regulierendes Netzwerk zur Koexistenz und Kooperation zwischen den verschiedenen �konomien der Welt ist auf keiner historischen oder politischen Tagesordnung zu finden". Neuere Ereignisse unterstreichen diesen Aspekt. Wenn die Eisdecke �ber dem Nordpol in einem nie da gewesenen Ausma� schmilzt und die Ozonschicht �ber dem S�dpol sich um 30 Prozent verringert hat, was nur der Dynamik der uners�ttlichen Gier dieser Zivilisation der Konzerne nach Wachstum un Profit zuzuschreiben ist, dann ist die Kooperation unter den Menschen und Gesellschaften notwendiger denn je. Wir m�ssen uns Besseres einfallen lassen, als Produktion und Handel solchen Instanzen anzuvertrauen, die grunds�tzlich und systematischdarauf hinarbeiten, Solidarit�t zu untergraben, und Kooperation zu verhindern, sich jeder Regelung widersetzen, es sei denn zur Profitsteigerung und der Begr�ndung von Monopolen - und dies alles im Namen des Marktes und der Effizienz. Man sagt, dass Nationalstaaten im Zeitalter der Globalisierung veraltete Formen der Sozialordnung geworden sind. Ich stimme dem nicht zu. Der Konzern ist es, der obsolet geworden ist. Der Konzern ist es, der wie eine Fessel die Bem�hungen der Menschheit um neue und notwendige soziale Vereinbarungen hindert, die allerwesentlichsten menschlichen Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie umzusetzen und ein neues Gleichgewicht zwischen unserer Spezies und dem Rest des Planeten herzustellen. Einschr�nkung, Entmachtung oder Aufl�sung der transnationalen Konzerne sollte ganz vorn auf der Liste unserer Agenda als strategisches Ziel stehen. Und wenn wir dies so formulieren, so setzen wir in keiner Weise die TNCs mit privaten Unternehmen gleich, denn es gibt gute und schlechte Verwirklichungen des privaten Unternehmertums. Wir m�ssen uns darum bem�hen, den schlechten wie der Maffia und den TNCs ihre Macht zu entziehen und sie zu eliminieren.
Der Kampf um die Zukunft I: Entglobalisierung Man sagt oft, wir m�ssen nicht nur wissen, wogegen wir sind, sondern auch wof�r. Ich stimme dem zu - doch ist es wichtig, genau zu wissen, mit was wir Schlu� machen wollen, sodass wir dieses was" nicht am Ende ungewollt noch einflussreicher machen als zuvor, wie etwa die WTO, welche durch die Sozial- und Umweltklauseln gest�rkt, wiederaufgelebt ist. Lassen Sie mich also zum Ende kommen, indem ich Ihnen meine Idee einer Alternative vorstelle. Es handelt sich dabei allerdings um eine Idee, die f�r einen Dritte Welt- Kontext formuliert worden ist, oder genauer, f�r die Verh�ltnisse S�dost-Asiens. Lassen Sie mich diesen alternativen Weg in die Zukunft als Deglobalisierung" bezeichnen. Was aber hei�t Deglobalisierung? Ich spreche dabei in keiner Weise von einer Abwendung von der internationalen Wirtschaft. Ich spreche damit �ber eine Neuorientierung unserer Wirtschaften von einer Produktion f�r den Export zu einer Produktion f�r den lokalen Markt; �ber die Notwendigkeit, dass der Gro�teil der f�r die Entwicklung erforderlichen finanziellen Ressourcen eher von innen kommen mu� als von ausl�ndischer Investition und von ausl�ndischen Finanzm�rkten und den damit verbundenen Abh�ngigkeiten; auch �ber die Realisierung der lange hintangestellten Ma�nahmen zu einer neuen Einkommens- und Landverteilung, womit ein vitaler Binnenmarkt geschaffen w�rde, welcher der Anker der Wirtschaft sein muss. Ich spreche auch �ber eine ausdr�ckliche Relativierung des Wachstums zugunsten einer gr��tm�glichen Gerechtigkeit, wodurch das Umwelt-Ungleichgewicht radikal reduziert w�rde; dar�ber, wirtschaftsrechtliche Entscheidungen nicht dem Markt zu �berlassen, sondern demokratisch zur Wahl zu stellen; auch �ber die Schaffung eines neuen Produktions- und Handelssystems, das assoziative Gemeinschaften, private und staatliche Unternehmen einbezieht, jedoch TNCs ausschlie�t; �ber die Aufwertung des Prinzips der Subsidiarit�t im wirtschaftlichen Leben, durch F�rderung der Produktion von G�tern auf gemeinschaftlicher und nationaler Ebene, wenn sich dies bei vertretbaren Kosten zur Erhaltung der Gemeinschaft realisieren l�sst. Wir sprechen dar�ber hinaus von einer Strategie, die ganz bewusst die Logik des Marktes und die Orientierung an Kosteneffizienz den Werten der sozialen Sicherheit, Rechtsgleichheit und sozialen Solidarit�t unterordnet. Es ist also, kurz gesagt, von einer Wiedereingliederung der Wirtschaft in die (Rechts)-Gesellschaft die Rede, weniger von einer Gesellschaft, die von der Wirtschaft getrieben wird.
Der Kampf um die Zukunft II: Eine plurale Welt Entglobalisierung oder die Wiedereinsetzung lokaler und nationaler Belange in ihre Rechte ist nur m�glich, wenn sie in ein alternatives System globaler Wirtschaftsteuerung eingebettet ist. Welches sind die Konturen einer solchen Weltwirtschaftsordnung? Die Antwort darauf findet sich in unserer Kritik des Bretton Woods samt WTO-Systems als eines monolithischen Systems universeller Regeln, die von in hohem Ausma� zentralisierten Institutionen im Interesse der Konzerne, vor allem der US-Konzerne, vorgegeben werden. Der Versuch, dieses System durch ein anderes zentralistisches globales System zu ersetzen, mag ein solches auch auf v�llig anderen Pr�missen beruhen, l�uft darauf hinaus, die selbe Falle f�r Dinosaurier neu aufzustellen, die dann so verschiedene Organisationen wie IBM, IMF und den Sowjetstaat zusammenwirft, als Zeichen der Intoleranz und der Unf�higkeit, aus der Verschiedenheit Nutzen zu ziehen. Heute bedarf es nicht einer anderen zentralen globalen Institution, sondern der Dekonzentration und Dezentralisierung von institutioneller Macht und der Schaffung eines pluralistischen Systems von Institutionen und Organisationen, die im Geiste gro�z�giger und flexibler Vereinbarungen und Abstimmungen miteinander im Austausch stehen. Es ist also keineswegs von etwas v�llig Neuem die Rede. Denn es war unter einem eher pluralistischen System globaler wirtschaftlicher Steuerung, als hegemoniale Macht noch weit davon entfernt war, in einer Gruppe von allumfassenden und m�chtigen multilateralen Organisationen und Institutionen verk�rpert zu sein, dass es einer Anzahl von lateinamerikanischen und asiatischen L�ndern in der Zeit zwischen 1950 bis 1970 gelungen war, einen bescheidenen Schritt in der industriellen Entwicklung zu machen. In einem solchen pluralistischen System, unter dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT), welches flexibel, und dessen Macht begrenzt war und welches auf den speziellen Status der Entwicklungsl�nder mehr R�cksicht genommen hat, konnten die ost- und s�dostasiatischen L�nder dank einer aktiven staatlichen Handels- und Industriepolitik, die sich von den Verzerrungen des - von der WTO so sehr gepriesenen - freienMarktes deutlich unterschied, zu neuen Industriel�ndern aufsteigen Es versteht sich von selbst, dass die wirtschaftlichen Beziehungen vor dem Versuch in den fr�hen 80er Jahren, ein globales System eines freien Marktes zu institutionalisieren, nicht ideal gewesen sind, und auch nicht die Wirtschaften der Dritten Welt Doch diese Bedingungen und Strukturen unterstreichen die Tatsache, dass die Alternative zu einer wirtschaftlichen Pax Romana auf der Grundlage des Weltbank-IMF-WTO Systems nicht der Hobbessche Naturzustand ist. Die Realit�t internationaler Beziehungen in einer Welt, die gekennzeichnet ist durch eine Vielzahl internationaler und regionaler Institutionen, die sich gegenseitig �berpr�fen, ist weit entfernt von dem propagandistischen Zerrbild einer unsauberen" und rohen" Welt. Die Gefahr einseitiger Handlungen von seiten der Starken ist in einem solchen System nat�rlich immer vorhanden, doch schrecken auch die M�chtigsten aus Furcht, einerseits vor den Konsequenzen f�r ihre Legitimierung, andererseits vor entsprechenden gegnerischen Koalitionsbildungen, davor zur�ck. Oder mit anderen Worten: was die Entwicklungsl�nder und die internationale zivile Gesellschaft verlangen sollten, das ist nicht die Reform der TNC-abh�ngigen WTO und der Bretton Woods Institutionen, sondern, durch eine Kombination passiver und aktiver Ma�nahmen, eine radikale Beschr�nkung ihrer Macht, wodurch sie zu einer von vielen Gruppen von Akteuren werden w�rden, die mit anderen internationalen Organisationen, Vertr�gen und regionalen Gruppierungen koexistieren und durch sie kontrolliert werden. Zu diesen w�rden so unterschiedliche Akteure und Institutionen geh�ren wie z.B. UNCTAD, multilaterale Umweltvereinbarungen, die internationale Arbeitsorganisation, die Europ�ische Union und sich entwickelnde Handelsbl�cke wie Mercosur in Lateinamerika, SAARC in S�dasien, SADCC in S�dafrika und eine wiederbelebte ASEAN in S�d-Ost-Asien. Mehr Platz, mehr Flexibilit�t, mehr Kompromisse - dies sollten die Ziele auf s�dlichen Tagesordnungen sein und die Bestrebungen der zivilen Gesellschaft, ein neues System globaler wirtschaftlicher Steuerung zu errichten. In solch einer dynamischen, weniger strukturierten, pluralistischen Welt, mit vielf�ltigen Checks and Balances" k�nnen die Gemeinschaften und Nationen des S�dens - und des Nordens - Entwicklungsr�ume auf der Grundlage ihrer eigenen Werte und Rhythmen gestalten und Strategien ihrer Wahl verfolgen. Lassen Sie mich ein letztes Mal John Gray zitieren. Es ist legitim und in der Tat unabdingbar", sagt er, dass wir nach einer Form der Verwurzelung suchen, die Schutz bietet vor der �bermacht von Technologien und Marktprozessen, welche auf Grund ihrer globalen Reichweite, und v�llig losgel�st von jeder Gemeinschaft und Kultur, unvermeidlich weltweit zur Zerst�rung der menschlichen Wohnst�tten und ihrer nicht-menschlichen Umgebungen f�hren m�ssen" Die Rolle internationaler Vereinbarungen in einer Welt, in der die Tolerierung von Unterschieden ein zentrales Prinzip der Wirtschaftsordnung darstellt, best�nde darin, lokaler und nationaler Kultur Ausdruck zu geben und Schutz zu bieten dadurch, da� sie ihre unterschiedlichen Lebensweisen ber�cksichtigt und beh�tet". Setzen wir dem arroganten globalistischen Vorhaben, aus der Welt eine synthetische Einheit individueller Atome ohne Kultur und Gemeinschaft zu machen, ein Ende. Verk�nden wir stattdessen einen Internationalismus, der auf der Verschiedenheit menschlicher Gemeinschaften aufbaut und die Vielfalt des Lebens toleriert, respektiert und f�rdert.
Notes 1. C. Fred Bergsten, "The Backlash against Globalization," Speech delivered
at the 2000 Meeting of the Trilateral Commission, Tokyo, April 2000. Downloaded from
Internet.
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