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Das makabre Gesicht der Globalisierung September 2001Azra Talat Sayeed, Head of the Department of Women�s Studies (Leiterin der Abteilung f�r Frauenstudien, Universit�t Karachi) University of Karachi, Pakistan
Unsere Welt hat eines der schlimmsten Beispiele menschlicher Rache erfahren. Durch die Omnipr�senz der Medien wurde diese Erfahrung des Schreckens, der Tr�nen und der Wut - wie auch schon bei dem Golfkrieg - von Millionen Menschen geteilt. Aber dieses Vorkommnis, wenn es denn so genannt werden kann, hat uns einige Themen sehr deutlich ins Bewu�tsein gebracht. Zum Beispiel, dass unsere Welt inzwischen tats�chlich viel enger zusammenh�ngt. Ein Schock in einer Region wirkt sich in anderen Regionen aus. Aber stimmt das wirklich? Der Schmerz und das Elend von Millionen Menschen hat niemals diese Art von Gef�hlsdarstellungen ausgel�st, die man nach der Katastrophe des 11. September wahrnehmen konnte. Wir wissen, dass Menschen auf der Welt mit vielen Formen der Gewalt leben, mit der Hungersnot, der Massenarmut und Bombardements. Ruanda, Irak und Kosovo sind nur wenige Beispiele. Wir, die wir in einer Welt au�erhalb des Kokons des �berflusses leben, (die Autorin lebt in Pakistan; Anmerkung der �bers.) sind uns sehr wohl �ber die vielen existierenden Formen des Terrors bewusst. Aber in den vergangenen Tagen scheinen die Medien stillschweigend vorauszusetzen, dass es sich hier um das erste makabre Ereignis handelt, dass die Welt jemals gesehen hat und zuvor keine Grausamkeiten zu beobachten gewesen w�ren. Aufgrund dieser Vorf�hrung von Schmerz und Trauer in den Medien k�nnte man annehmen, dass die Intensit�t des Schmerzes sich messen lie�e anhand der jeweiligen politischen Machtstellung des betroffenen Ortes auf der Welt. Sonst h�tten die vielen Verw�stungen, die die Habe-Nichtse in dieser Welt erlebt haben, dieselbe Art von Schmerzeleid-Darstellungen im Fernsehen ausgel�st. Es wurde dabei v�llig klar, dass es zwischen den Nationen Klassenunterschiede gibt : Die 40 Milliarden US-Dollar, die vom US-Kongress f�r die New Yorker Katastrophe bewilligt wurden, sprechen f�r sich. Die kompletten Schulden Pakistans machen nur einen Bruchteil dieser gewaltigen Summe aus. Die Bev�lkerung dieses Landes umfasst 140 Millionen, wobei die H�lfte davon unter der Armutsgrenze lebt. Sie leben mit der Hungersqual, mit Seuchen und den vielen dem�tigenden Folgeerscheinungen der Armut, welche durch die brutale Hand der freien Marktkr�fte entstanden sind. Die amerikanischen Fluggesellschaften haben eine wirtschaftliche Rezession erlebt, aber die US-Regierung hat ihnen 15 Milliarden US-Dollar als �berbr�ckungsgeld zur Verf�gung gestellt und rechtfertigte dies mit den Anschl�gen. Warum wurden den Marktkr�ften in diesem Fall nicht die freie Herrschaft gelassen den Markt zu stabilisieren? Die Gurus der freien Marktwirtschaftsideologie predigen doch ununterbrochen, dass der St�rkste �berleben wird und alle anderen zu Recht untergehen sollen. Aber nat�rlich werden diese Regeln nur angewendet, wenn sie der kapitalistischen Welt passen. Pakistan hat z.B. eine D�rre erlebt, die seinen Landwirtschaftssektor stark betroffen und eine lebensbedrohliche Hungersnot ausgel�st hat. Dies hat kein Mitleid bei der Weltbank oder beim IWF hervorgerufen. Ihr Firmendiktat lautet: Kurzfristige Schmerzen bringen langfristige Profite". Pakistan musste seine Preissubventionen aufheben und allgemeine Steuern auf landwirtschaftliche Importe erheben. Nach den Anschl�gen in New York und Washington erh�ht sich die Gefahr eines Vergeltungskriegs. Doch in einer Welt, die so ungleich aufgeteilt ist wird brutale Gewalt nur zu noch tieferen Spaltungen f�hren. Jetzt finden viele Anti-Kriegskampagnen und Proteste statt und man kann nur hoffen, dass der gesunde Menschenverstand obsiegen wird. Wie Chomsky feststellte, haben wir nun die Chance uns neu zu entscheiden, wenn wir das nicht tun, steht uns noch viel Schlimmeres bevor.
Quelle: RESISTANCE, Publication of ROOTS for Equity, Karachi, Pakistan �bersetzung aus dem Englischen : Regina Schwarz |