.
.
.
Auf dieser Seite veröffentlicht das ITC Kurzgeschichten namhafter Autoren. Wenn auch Sie einen Namen besitzen, schicken Sie dem ITC Ihre Kreationen.
Der Luftikus (von J.B.)
Karl war ein Mann, dem nichts zu hart sein konnte. An diesem Tag hatte er sich vorgenommen an einer Ballonfahrt teilzunehmen. Wenn er sich mindestens 200 Meter über der Erde wähnte, wollte er an einem Bungee-Seil herunterspringen und gleichzeitig versuchen, einige Terroristen aus dem freien Fall heraus so zu hypnotisieren, daß Sie sich gegenseitig für Korallen halten und diese somit zumindest für die nächsten 100 Jahre keinen größeren Schaden anrichten könnten. Das Problem was sich ihm stellte war die Sache mit dem Augenkontakt. Ganz zu schweigen davon, daß er bis zu diesem Tag noch nie jemanden hypnotisiert hatte, der nicht vorher schon einen erheblichen Dachschaden gehabt hatte. Wie sollte er vorgehen? Versucht er sich ein Fernglas zu kaufen, wird wahrscheinlich nur er hypnotisiert. Zwingt er die Terroristen (Ihre Namen sind übrigends Horst und Karl-Horst) zu einem gemeinsamen Ballon- und Bungee-Flug, könnten sie für eine Hypnose nicht entspannt genug sein. Letztendlich hatte er wieder eine seiner genialen Ideen: Er wird die neue Multimediale Technik nutzen.
Er war wunderschön der Gunther
aber leider viel zu munter
hatte er zuviel gegessen
wurde er besessen
und holte sich öfter einen Hering aus dem Kühlschrank
Wieder mal so ein Tag. Langweilig. Etwas Spaß gehabt. Wo steckte der Sinn in dieser Sache? Im Geld verdienen? Erfahrungen sammeln? Ist der Tod das Ziel oder der Feind? Wahrscheinlich einfach nur unvermeidbar - sonst nichts. Und jetzt? Fernsehen? Ist doch nur Passivität. Bequemlichkeit. Alles was bequem ist, macht träge. Oder? Mhm. Wenn man schon nichts anzufangen weiß, sollte man zumindest schauen, daß das eigene Kapital vergrößert wird, bis man weiß, was man will. Meistens kann man das Kapital dann dafür gut gebrauchen. Der Countdown läuft. Vielleicht noch 40 Jahre, wenn alles glatt geht. 30 davon könnten ok sein. Und jetzt? Wie vergrößert man das Kapital? Auf langfristige Trends achten? Oder antizyklisch investieren, ohne zu wissen, ob es sich um einen Zyklus handelt? Wir schreiben das Jahr 1997. Es ist der 27. Januar. Fest steht, daß die Europäischen Währungen vereint werden. Die Leute mit Kapital und ohne Grips werden das große Flattern kriegen, wenn Ihnen die Medien die Ohren von der Währungsunion vollschwallern. Um so näher die Währungsunion rückt desto stärker steigt der Dollar. Also Dollar kaufen und 2 Jahre halten. Der Computerindustrie prophezeit man Wachstumsraten von 10 hoch 8 Prozent in den nächsten 30 Jahren! Also Computer-Aktien kaufen! Am besten Amerikanische - die werden ohnehin in US-Dollar gehandelt. Zwei jahre die Aktien halten. Dann absichern durch einen Optionsschein und auf einen fallenden Dollar spekulieren. Bei zwischenzeitlicher Konsolidierung nicht in Panik verfallen. Einfach liegenlassen. Microsoft und Intel: Hoffnungslos unterbewertet, obwohl jeder das Gegenteil behauptet. Die Menschen wissen eben nicht, welches Potential in Computern steckt.
Markus Kessel
Marienbongard 22
52062 Aachen
Tel. (tagsüber): 0241/806284
König & Partnerz.H. Frau König Lütticher Str. 517 52074
Aachen 26.03.98
Übernahme der Wohnung Marienbongard 22
Sehr geehrte Frau König,
anbei die Kautionsanlageformulare" und die Kopie des
Personalausweises. Es freut mich auch, daß sie meine Mängelauflistung
an den Wohnungseigentümer weitergeleitet haben. Bedenken Sie
aber auch, daß ich mit Herrn König (dieser welcher die Wohnung
live" gesehen hatte - Vorname entfallen, gab aber mehr
als einen) vereinbart hatte (es sei denn, es war ein Mißverständnis),
auch eine neue Innenraumtür zu erhalten. Allerdings haben wir
nun ein kleines Problem, welches sich aus Ihrer Sicht in diesem
Moment, wo sie diesen Brief lesen, in Wohlgefallen auflöst: Ich
bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich die Wohnrauminnentür
(nicht zu verwechseln mit der Wohnungstür - geschweige denn mit
der Haustür, welche sie auch in Ihrem letzten Schreiben erwähnten)
überhaupt noch benötige. Das kennen Sie ja sicher: Manchmal weiß
man nicht, was man will.
Mit freundlichen Grüßen
M. Kessel