Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 9 Autor: Neko, Seya, Silberchen E-Mail: sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** So, wie Mephisto auf die Streicheleien reagierte, schien er alles andere als abgeneigt zu sein. Andreas blieb erst einmal stur und nutzte das Schweigen, um zu sortieren. Irgendetwas ging hier mächtig schief. Oder er sah Gespenster. Schwindel bemächtigte sich wieder seiner, zu einem, wie er fand, völlig unpassenden Zeitpunkt. Wieso hatte er diese verdammten Medikamente geschluckt? Immer wieder musste er seine Augen auf und zu machen, damit er etwas sah. Dann verschob sich leicht das Bild vor seinen Augen. Mit einem Ächzen legte er sich zurück und hoffte, dass sich seine Matratze nicht so schnell drehte, wie es sich anfühlte. Mephisto reagierte sofort und legte sich mit seiner ganzen Länge an ihn und schnurrte eine Nuance leiser, aber auch dunkler. Besorgt sah Jonas auf den gerade in die Kissen gesunkenen. "Kann ich irgendwas für dich tun?", fragte er leise, er vermutete, dass der andere wieder Kopfschmerzen hatte, da schmerzte ihn sicher jedes laute Geräusch. Und es musste ihm erheblich schlechter gehen, sonst hätte er Mephisto sicher gleich aus seinem Bett verjagt. Oder sollte er seine Meinung über den Kater so schnell geändert haben? "Nur Schwindel", murmelte Andreas gequält. "Wie auf einem Schiff oder so ähnlich. Bin noch auf keinem gewesen." Die grünen Augen öffneten sich und sahen statt in die von Jonas in ganz ähnlich grünen eines schwarzen Katers. Fast besorgt beschnupperte der den Menschen an seiner Seite. Andreas fühlte sich nicht in der Lage, den Brocken etwas zur Seite zu schieben. Seine Hand fühlte sich nicht so an, als ob er sie zu einer koordinierten Bewegung heben könnte. "Vielleicht hätte ich den Kaffee weglassen sollen?", mutmaßte Jonas' Patient und atmete etwas tiefer durch, in der Hoffnung, dass das Gefühl nachließ. Vorsichtig nahm Jonas den Kater hoch und positionierte ihn in Andreas' Armbeuge. "Du bist ihm sicher zu schwer, kuschel dich lieber hier ein," versuchte er dem Tier klar zu machen, warum er seine vorherige Position nicht wieder einnehmen sollte. Und scheinbar verstand Mephisto, er rollte sich dicht an Andreas' Körper zusammen und schnurrte sanft. Irgendwo hatte Jonas einmal gelesen, dass das Schnurren Tiere wie Menschen beruhigte, und das tat Andreas im Moment sicher gut. "So, das wär's!" Nico kam aus dem Flur zurück und strich seinen Pulli glatt. "Wir können ja nachher überlegen, wohin wir das Zeug räumen sollen... falls du einverstanden bist, Andreas." Stirnrunzelnd betrachtete Nico dessen etwas blass gewordenes Gesicht. "Vielleicht solltest du noch 'ne Runde schlafen oder so?", schlug er vorsichtig vor und warf dabei einen Seitenblick auf Jonas. Jonas nickte nur. Er wusste nicht, was Nico von ihm wollte, aber dass Andreas Ruhe brauchte, war klar - hoffentlich auch dem Betroffenen selber. "Wir werden uns ein wenig leise unterhalten und dich sicher nicht stören. Du solltest wirklich noch ein bisschen schlafen, dann werden die Medikamente auch ihre Wirkung aufgeben." Er strich noch einmal dem schnurrenden Kater über den Kopf, dann stand er auf und begann leise, den Frühstückstisch abzudecken. Andreas schloss ergeben die Augen und ignorierte den wissenden Blick der Katze auf sich. Aber das fiel ihm nicht schwer. Seine ganzen Sinne liefen Amok, so dass er dafür keine Energie mehr übrig hatte. "Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte Nico Jonas leise, um Andreas nicht zu stören, "oder habe ich für heute schon genug Chaos angerichtet?" Sein Blick glitt zu dem friedlichen schnurrenden Kater in Andreas' Arm. "Hm, du kannst abtrocknen. Das Geschirr gehört hier hinein, und das Besteck dort," zeigte er auf die verschlossenen Schränke. Und dort hatte Andreas Kleingeld liegen, dort hinten in dem Glas auf dem Kühlschrank lagen die Ersatzschlüssel, und im Schreibtisch, in der oberen Schublade, würde Jonas sicher das Haushaltsgeld finden. Es war erschreckend, wie gut er sich nach so kurzer Zeit in der Wohnung auskannte, und wie genau er Andreas einschätzen konnte. Nachdenklich blickte er zu dem Schlafenden, der den schwarzen Kater wie einen Teddybär im Arm hielt. Wieso war der so vertrauensselig, auch nachdem Jonas von sich erzählt hatte? Nicht, dass er einen Grund dafür gehabt hätte, aber Jonas hätte sich selbst noch nicht mal so weit getraut. Nico griff sich ein Handtuch und tat wie geheißen. Dabei entging ihm Jonas' etwas seltsamer Gesichtsausdruck nicht, der für einen Augenblick fast gequält wirkte. Machte er sich etwa immer noch Vorwürfe? "Hey, alles okay?", fragte Nico leise. "Ja, schon okay," erwiderte der. Er würde bestimmt nicht auch noch Nico seine Lebensgeschichte beichten, der würde sicher nicht so gelassen reagieren wie Andreas, der zudem wohl noch ziemlich unter "Drogen" gestanden hatte. Aber irgendwie hatte Jonas das Gefühl, dass zumindest der ihm vertraute. Warum auch immer... Er wusch schnell die letzten Tassen ab, dann setzten sie sich wieder an den Tisch. Fragend sah Jonas Nico an. "Erzähl mal was von dir," forderte er ihn auf. Angriff war die beste Verteidigung, vielleicht konnte er so vermeiden, dass Nico ihn ausfragte. "Oje, ich fürchte, da gibt es nicht viel interessantes", erwiderte Nico mit einem schiefen Lächeln, "na, aber mal überlegen... ich gehe in die 11. Klasse vom Gymnasium und hasse die Fächer Mathe und Geschichte ganz besonders. In meiner Freizeit lese und schreibe ich viel oder treibe Sport... hauptsächlich Volleyball und Rollerbladen... hm, und ich hätte gerne ein Haustier, aber da hat mein Herr Vater was dagegen. Ach ja, und ich bin ein verwöhntes Einzelkind, aber das merkt man vermutlich auch so." Dieser Bemerkung folgte ein schelmisches Lächeln. "Ich lerne gerade für meine Abschlussprüfung, Groß- und Außenhandelskaufmann," erzählte Jonas. "Rechnungswesen regt mich auf, aber ansonsten wird das schon gut gehen. Viele Hobbys hab ich nicht, aber dafür arbeite ich auch den ganzen Tag. Ich lese auch viel... Hast du den Herrn der Ringe gelesen?" Irgendwie musste Jonas doch das Gespräch von sich ablenken! Allerdings bemerkte Nico gleich, dass Jonas offensichtlich nicht viel von sich erzählen wollte. Aber das machte nichts, mit der Zeit würde sich sicher einiges herausstellen. Also antwortete Nico ganz unbefangen: "Sicher doch. Ich habe es zum ersten Mal gelesen, als ich ungefähr 12 war, und mich dabei Hals über Kopf in Legolas verliebt..." "In...?" Jonas starrte Nico an, der Junge... Mann... ihm gegenüber... hatte sich in Legolas verliebt? In einen Mann? Er schluckte, doch sagen konnte er zunächst nichts. Dann war Nico... schwul? Und erzählte es auch noch so nebenbei? Wieder kam ihm die kurze Unterhaltung mit Andreas in den Sinn, die spontane Frage, ob er denn selber schwul sei. Und die Situation, die diese Frage provoziert hatte - das Aufwachen am Morgen und die Folgen davon. Jonas merkte, wie er rot wurde, und ihm noch immer kein Wort über die Lippen kam. Nico musste sich zurückhalten, um nicht loszulachen; Jonas' Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Er befürchtete aber, den armen Jungen zu sehr geschockt zu haben, also setzte er hinzu: "Aber ich schätze mal, in dem Alter ist man immer sehr leicht zu beeindrucken. Kaum ein halbes Jahr später war stattdessen Madonna meine Heldin..." "Madonna? Ich stand ja eher auf Christina Applegate, Kelly Bundy. Auch, wenn sie so doof war - jedenfalls in der Serie." Froh, sich wieder auf sichererem Pflaster zu bewegen, lächelte Jonas und wagte sogar noch etwas mehr zu erzählen. "Ich hab mir damals die Wände mit ihren Postern zutapeziert," lächelte er. Andreas gab keinen Mucks von sich. Nur leicht öffnete er seine Augen und beobachtete die beiden. Wie auf einen Eiertanz, die beiden, kommentierte er bei sich. Und wann wollt ihr euch küssen? Andreas wunderte sich für einen Augenblick, warum er bei der Vorstellung ruhig blieb, wenn sich zwei Kerle in seiner Wohnung befummelten, aber wirklich nur für einen Augenblick. Denn dann schob sich Mephisto näher an sein Ohr und schnurrte wie ein Ottomotor im Leerlauf. "Komische Sachen macht man, wenn man jung ist, was?", grinste Nico, "hört sich das an, ich klinge wie ein Opa, dabei bin ich hier der Jüngste in der Runde..." Auch Jonas grinste jetzt, obwohl seine Jugenderinnerungen nicht so lustig waren. "Ich weiß noch, wie wir mit Freunden mal Salzstangen geraucht haben. War ganz schön eklig! Aber wir kamen uns ziemlich cool vor. Aber eins hat es gebracht - ich hab nie was anderes als Salzstangen geraucht!" "Gute Einstellung", stimmte Nico zu, "ich fand Zigaretten und anderes Zeugs auch immer eklig. Ich weiß noch, wie eine von den blöden Weibern, die rauchen, um möglichst cool zu sein, mich auf der letzten Klassenfahrt geküsst hat - einfach widerlich. Seitdem spiele ich auch kein Flaschendrehen mehr..." Mit dieser Erfahrung konnte Jonas nicht mithalten, aber sicher war es ähnlich unangenehm, Anja küssen zu müssen. "Auf meiner letzten Klassenfahrt waren irgendwie alle ständig betrunken. War nicht sonderlich schön. Aber andere Möglichkeiten gab's kaum, wir waren in irgendeinem kleinen Kaff im Schwarzwald," erzählte er. Andreas krallte sich den Kater und drückte ihn weiter von sich. Er bekam doch überhaupt nichts mehr mit. Erzählten die zwei sich wirklich über ihre Klassenfahrten? Wenn das so weiter ging, dann fühlte er sich ernstlich alt in dieser Gesellschaft. "Ich weiß auch nicht, wer sich immer diese uninteressanten Ziele ausdenkt", seufzte Nico übertrieben theatralisch, "aber ich bin froh, dass noch Wochenende ist; Montag geht das Chaos wieder los... na, egal." Er lehnte sich im Stuhl zurück. "Vielleicht sollten wir das Thema wechseln?", schlug er mit einem schiefen Grinsen vor und dachte an die immer noch nicht fertigen Hausaufgaben, die seiner harrten... Einen Moment überlegte Jonas, ihm fiel nichts Vernünftiges ein, worüber er sich mit Nico unterhalten konnte. Irgendwie schienen sie in verschiedene Welten zu leben, und so saßen sie wieder in einer recht unangenehmen Stille. Diese unangenehme Stille gefiel Nico gar nicht. Und dabei hatte er es doch gerade erst geschafft, dass Jonas etwas auftaute... Sein Blick schweifte zu Andreas hinüber, der noch immer vergeblich versuchte, Mephisto klarzumachen, dass er etwas gegen Schnurrbarthaare in seiner eigenen Nase hatte. "Irgendwie ein süßes Bild, oder?", flüsterte er zu Jonas und deutete dabei auf die beiden dunkelhaarigen Herren im Bett. "Ja," grinste Jonas zurück, sagte aber nicht mehr dazu, denn es war nicht gerade höflich, über andere zu reden - besonders in deren Anwesenheit. Aber Nico hatte Recht, dafür, dass Andreas sich so gegen den Kater gewehrt hatte, ging er erstaunlich vertraut und liebevoll mit dem Tier um. Schnell wandte Jonas den Blick ab, er wollte den anderen nicht anstarren. Doch ein vernünftiges Thema für die Unterhaltung fiel ihm nicht ein. "Wenn ihr euch schon über mich unterhaltet", murrte Andreas und fauchte leise den Kater an, "dann könnt ihr mir vielleicht auch helfen. Nur ich dachte, dass ich störe. Ihr habt euch so ... angeregt unterhalten." Jonas merkte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg. Hatte Andreas etwa jedes Wort verstanden? Das war ihm sehr unangenehm! "Ähm... was können wir denn für dich machen?", fragte er etwas verschüchtert. Hoffentlich wurde er nicht so wie der Kater angefaucht! "Cat-Sitting!", machte Andreas den Vorschlag. Dann fügte er erklärend hinzu: "Vorhin war er bei euch beiden ruhig, aber mich will er anscheinend auffressen." "Ach Unsinn, er mag dich!", erwiderte Nico lachend, aber da Andreas allzu missmutig dreinschaute, nahm er ihm das Tier kurzerhand ab. Mephisto blinzelte ein bisschen, schien sich aber nicht weiter von dem Ortswechsel beeindrucken zu lassen. Andreas dankte ihm mit einem Seufzen und legte sich etwas bequemer hin. Da hatte er ja jetzt was am Hals: Einen schmusebedürftigen Kater als Untermieter und zwei turtelnde Kater als Aufpasser. Aber so wie er das einschätzte, merkten die nicht das geringste. Seine Erfahrung in der Bar machte sich jedoch verstärkt bemerkbar und die Körpersprache kombiniert mit den Worten und dem Eiertanz, den die beiden aufführten, war eindeutig. Es konnte eine einmalige Sache sein oder etwas ernsthaftes werden. Aber für diese Beurteilung war es noch zu früh. Andreas zog sich die Decke höher und schloss die Augen. Warum war er so schnell müde? Wenn das weiter so lief, würde er doch noch einen Arzt aufsuchen müssen. "Ich glaub, jetzt schläft er doch," flüsterte Jonas und blickte zu Andreas herüber. "Und Mephisto wohl auch." Der Kater hatte sich auf Nicos Schoß zusammengerollt und hielt die Augen geschlossen. "Das würde ich auch gerne können, einfach so auf der Stelle einschlafen, ohne lange wach zu liegen und mir Gedanken zu machen." "Hindert dich jetzt jemand daran?", fragte Nico leise und lächelte, während er den im Schlaf schnurrenden Kater streichelte. Jonas sah Nico an, das konnte der doch nicht ernst meinen! "Ja, ich. Ich kann das einfach nicht. Gestern Abend, da bin ich über den Büchern eingeschlafen, aber das war eine große Ausnahme - und recht unbequem." Ups, das hatte er doch gar nicht erzählen wollen. Der nächste Schritt war dann doch die Frage, wo er den Rest der Nacht verbracht hatte - und die Frage nach dem Aufwachen. Darauf konnte er verzichten - aber hatte Nico nicht vorhin so frei erzählt, er hätte sich in Legolas verguckt? Jonas kam inzwischen ganz durcheinander, er wusste schon, warum er sich sonst von Menschen fernhielt! "Dann such dir für dein nächstes Nickerchen lieber einen bequemeren Platz aus", riet Nico und verkniff sich die freche Bemerkung, dass auf seinem Schoß ja leider kein Platz mehr war. Das hätte Jonas vermutlich doch etwas überfordert. Nico fragte sich allerdings auch langsam selber, was er hier eigentlich tat. Ja, er flirtete. Mit einem Mann. Aber irgendwie... machte es unheimlichen Spaß! Zumal Jonas wirklich nett war, wenn auch irgendwie schüchtern. Und Andreas... seine sarkastische Art war herrlich erfrischend, überhaupt nicht gekünstelt. Ja, Nico gestand, dass er sich in der Gesellschaft dieser beiden jungen Männer, die er doch noch nicht mal drei Tage kannte, unheimlich wohl fühlte. Auch Jonas fühlte sich mit diesen beiden Männern ausgesprochen wohl, auch wenn er nicht sagen konnte, warum. "Nee danke, so müde bin ich noch nicht. Ich glaub, dann werd ich wieder zu Hause schlafen, mein Bett ist recht bequem." Auch wenn die Matratze billig war und die Sprungfedern drückten. Aber das würde er Nico als letztes auf die Nase binden. Zuhause... Nico spürte, wenn er ehrlich war, heute kein besonderes Verlangen,nach Hause zu gehen. Aber irgendwann musste er natürlich. Fast beneidete er Jonas ein bisschen, dass dieser hier blieb... Dessen Blick fiel auf den schlafenden Andreas neben ihnen. "Obwohl - ich weiß nicht, wenn es ihm heute Abend nicht besser geht, werd ich wohl nächste Nacht auch noch hier bleiben. Ich mag ihn so nicht alleine lassen, wenn die Ärzte ihn eigentlich noch im Krankenhaus behalten wollten." Nico nickte leicht. "Du hast recht. Wenn ich dir irgendwie helfen kann?" "Du kannst mir Gesellschaft leisten," lächelte Jonas. Nico war nett, und er war ausgesprochen gerne mit ihm zusammen. Wenn er heute noch bleiben konnte, würde der Tag sicher nicht langweilig werden. Doch dafür würde er das Lernen verschieben müssen, was ihm aber kein Grund gewesen wäre, Nico wegzuschicken. Gestern hatte er genug getan, beschloss er. Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf Nicos Gesicht aus. "Sehr gerne!" Er hatte schon Angst gehabt, dass er irgendwie lästig fallen könnte, aber wenn Jonas ihn so direkt einlud, da zu bleiben... "Danke", murmelte Jonas. "Gestern hab ich für meine Prüfung gelernt, aber dazu hab ich heute irgendwie keine Lust. Außerdem hab ich mehr gemacht, als ich geplant hatte, deswegen kann ich heute mal ein paar Stunden die Bücher beiseite schieben. Und Andreas ist zwar unheimlich nett, aber wenn er schläft, ist es doch ziemlich langweilig. Er redet noch nicht mal im Schlaf," lächelte er. Ja, gab es das denn? Jonas machte einen Witz? Nico war angenehm überrascht. "Oh, erinnere mich bloß nicht ans Lernen", erwiderte er mit einem schiefen Lächeln und kraulte Mephisto hinter den Ohren, "erzähl mir doch lieber noch ein bisschen von dir - wenn du magst." Von sich selbst erzählen? Dann würde Nico ihn entweder hier rausschleifen, oder selber abhauen, aus Angst um seine Brieftasche. Aber vielleicht konnte er ihn mit nebensächlichen und langweiligen Erzählungen dazu bringen, selbst etwas zu erzählen. Er stützte die Ellenbogen auf den Tisch auf und erklärte, "da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich geh morgens zur Arbeit, abends komm ich wieder nach Hause, koch was zu essen, sehe noch fern oder lese und gehe wieder ins Bett. Und am Wochenende sieht es nicht viel anders aus. Naja, außer, dass dann Putzen und so angesagt ist..." "Hey, das war mein Text, das mit dem langweiligen Leben", widersprach Nico, "los komm, da gibt es doch sicher noch mehr, hm? Du wohnst also allein? Seit wann denn?" "Seit ich mit der Ausbildung angefangen hab," erklärte Jonas, "das Geld reicht zwar nicht für große Sprünge, und die Wohnung ist winzig, aber meine eigene." Eigentlich war es ihm noch immer nicht recht, Nico das alles auf die Nase zu binden. Der verstand das alles doch sicher gar nicht, so, wie er aufgewachsen sein musste. "Hey, ich finde das klasse, so auf eigenen Füßen zu stehen", erwiderte dieser. "ich werde auch so schnell wie möglich von Zuhause ausziehen, wenn ich erst 18 bin, auch wenn ich erst mal das Geld dafür brauche. Mein alter Herr wird mir sicher nichts dazu geben..." Jonas hätte es wissen müssen, Nico verstand es nicht. "Überleg dir das noch mal. Eine Wohnung ist teuer, und es gibt ne Menge Dinge, an die man gar nicht denkt. Weißt du, was eine Waschmaschine kostet?" "Äh..." Nico kratzte sich hinterm Ohr. "Nein, nicht wirklich. Aber hey, wenn es so teuer ist, wie schaffst du es dann?", wollte er neugierig wissen. "Naja, billig einkaufen, die Bücherei spart Geld - Bücher sind ziemlich teuer geworden - und wenn kein Geld mehr da ist, gibt drei Tage Milchreis und Spaghetti Napoli." "Das klingt aber nicht so furchtbar", lächelte Nico und spielte mit Mephistos Pfoten, der im Schlaf die Krallen eingezogen hatte. "Dafür hat man seine Freiheit." "Naja, hin und wieder finde ich etwas Freiheit zwischen Arbeiten, Abtrocknen und Bügeln," lächelte Jonas, "das klaut einem nämlich ziemlich viel Zeit." Jonas rutschte auf dem Stuhl näher an Nico heran und reichte mit dem Arm zu der schlafenden Katze auf dessen Schoß. Nico, der in seinem Leben noch kein Bügeleisen in der Hand gehabt hatte, sich die Arbeit aber lebhaft vorstellen konnte, nickte nur. Auch er rückte ein wenig näher zu Jonas, damit dieser besser an Mephisto heranreichte. Erst überlegte er, ob der dem anderen Jungen den Kater geben sollte, doch schlafende Tiger sollte man vielleicht besser nicht wecken... Lächelnd streichelte Jonas Mephisto über den dicken, runden Schädel. "Naja, wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, dann kann ich mir sicher auch eine größere Wohnung leisten. Wenn ich denn einen Job finde." "Ganz sicher!" Nico lächelte Jonas zuversichtlich an und wanderte mit seinen Fingern in Richtung der Hand des anderen. In den Augenwinkeln sah dieser die sich ihm nähernde Hand. Lächelnd streichelte er langsam ebenfalls in die Richtung von Nicos Hand, bis er sie mit den Fingerspitzen beinahe fragend berührte. "Naja, meine Firma übernimmt mich nicht, und so einfach ist das im Moment auch nicht. Deswegen muss ich ja ne gute Prüfung machen", ging er jedoch nicht weiter auf das ein, was gerade auf dem Fell der Katze geschah. "Wenn du so fleißig bist, ist das ganz sicher nicht so schwierig", sagte Nico und fuhr mit der Fingerspitze über Jonas' Fingerknöchel. Ein leichtes Ziehen entstand in Jonas' Magen, als er die sanfte Berührung an seinen Fingern spürte, und sein Herz fing an zu klopfen. Was passierte hier? "Ich bin da nicht so zuversichtlich, ich kenn genug Leute, die nach ihrer Ausbildung nichts bekommen haben," erklärte er - und musste sich zusammenreißen, nicht genießerisch die Augen zu schließen. "Hey, pessimistisch kann man immer noch werden. Glaub erst mal an dich", entgegnete Nico und beobachtete mit nicht unerheblicher Genugtuung, wie Jonas' Gesichtsausdruck ein wenig weicher wurde. "Optimisten werden enttäuscht, Pessimisten nur positiv überrascht," erklärte Jonas, doch das Lächeln auf seinem Gesicht zeigte, dass er es nicht ernst meinte. Ganz vorsichtig bewegte er seine Hand streichelnd auf Mephistos Fell, er wollte Nico auf keinen Fall dazu bringen, seine angenehmen Fingerspitzen wegzunehmen. "Das Risiko gehe ich allemal ein", antwortete Nico und lächelte zurück, während seine Finger weiter über Jonas' Haut wanderten. Spürte er da etwa eine leichte Gänsehaut? Am Ende fing der andere noch ebenso an zu schnurren, wie der Kater, schoss es Nico durch den Kopf, und er unterdrückte ein Kichern, was ihm jedoch nicht ganz gelang. Auch Jonas musste ein Kichern unterdrücken, jedoch nicht, weil er Nicos Gedanken teilte, sondern weil die Fingerspitzen auf seinem Handrücken ein wenig kitzelten und weil es einfach nur schön war, so liebkost zu werden. "Vielleicht kannst du mich nachher noch etwas abfragen, dann hab ich für heute genug gemacht. Die Lagerkennziffern kann ich mir einfach nicht merken," bat er. "Sicher doch!" Nico beschloss noch ein wenig mutiger zu werden und wanderte mit den Fingern unter Jonas' Hand. "Danke," lächelte dieser. Als er den neuen Versuch Nicos erkannte, zog er seine Hand ein wenig zurück, um Nicos zu umfassen. Das Kribbeln in seinem Bauch wurde stärker, und sein Lächeln wurde zu einem breiten, zufriedenen Grinsen. Nico war sich ziemlich sicher, dass er ein ähnlich dümmliches Grinsen im Gesicht hatte. Meine Güte, sie benahmen sich ja hier wie.... ja, wie was? Der erste Gedanke, der sich einschlich, war "Frischverliebte". Aber diesen Gedanken schob Nico ganz schnell beiseite, erstens ging das nicht so schnell und zweitens waren sie beide Männer und drittens überhaupt! Die konfusen Gedanken in Nicos Gehirn Lügen strafend strichen seine Finger über die Innenseite von Jonas' Hand. Jonas konnte sich gerade so zurückhalten, genießerisch die Augen zu schließen, und auch das zufriedene Schnurren konnte er unterdrücken. Nicht unterdrücken konnte er jedoch ein leises Seufzen. Nico war diese Reaktion nicht entgangen, und sein Lächeln wurde einladender. Mal sehen, ob Jonas nicht auch mal ein bisschen Mut beweisen konnte.... Ein wenig von diesem Mut bewies Jonas wirklich, indem er sich ein bisschen zur Seite lehnte, bis seine Schulter Nicos berührte. Es war ungewohnt, und unheimlich schön, so dicht neben einem anderen Menschen zu sitzen, und dessen Körperwärme zu spüren. Auch Nico genoss die Nähe zu dem anderen jungen Mann. Sonst hielt er nicht sonderlich viel von körperlichem Kontakt, aber das hier war etwas ganz anderes. Und da war etwas in Jonas' hellblauen Augen, dass ihn immer mehr anzog... Noch immer lagen ihre Hände auf dem schwarzen, weichen Fell Mephistos, und noch immer strichen ihre Finger sowohl über den Kater, als auch über die Haut des anderen. Noch etwas mutiger werdend lehnte sich Jonas weiter zu Nico und blickte ihm in die dunkelblauen Augen. Schon seit einige Zeit hatten sie nichts mehr gesagt, aber die Stille um sie war nicht unangenehm, vielmehr genoss Jonas die Ruhe, die sich auf sie gelegt hatte. Auch Nico rückte näher an Jonas heran. Er wusste nicht wirklich, was sie hier eigentlich im Begriff waren zu tun, aber es war auch ganz gleich. Fasziniert blickte Jonas in die Augen des anderen, die ihn ebenfalls genau beobachteten. Was passierte hier? Vage realisierte Nico, dass ihre beiden Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Kurzerhand schloss er die Augen. Mutig legte Jonas seine andere Hand auf Nicos Schulter und zog ihn noch ein wenig näher, er konnte sich selbst nicht erklären, woher er die plötzliche Courage genommen hatte. Auch er schloss die Augen, als ein leises Geräusch die beiden aus ihrer Trance riss. Andreas murmelte etwas im Schlaf und drehte sich dann auf die andere Seite. Wie ertappt fuhren Jonas und Nico auseinander. "Ähm," räusperte sich Jonas und blickte unsicher auf die Katze. Auch ihre Hände waren bei diesem Schreck auseinandergefahren, und beide lagen ein Stück voneinander entfernt auf dem weichen Fell der Katze. "Ähm," räusperte er sich noch einmal. Nico dämmerte es ganz allmählich, was hier beinahe passiert wäre, und er wurde rot bis über beide Ohren. Verflixt, sie hatten doch nur ein bisschen harmlos geflirtet, wieso war es dann fast zu einem... Kuss gekommen? Zum einen war Jonas erleichtert, dass sie bei was auch immer unterbrochen worden waren, doch andererseits war er zugleich enttäuscht, dass sie nicht weitergegangen waren. Hätte er eben wirklich fast einen Jungen geküsst? Schweigend starrte Nico auf den schnurrenden Kater, der noch immer auf seinem Schoß lag und von dem emotionalen Aufruhr rein gar nichts mitbekommen hatte. Was sollte er jetzt nur sagen? Das selbe Problem kreiste in Jonas' Kopf. Nach einem Moment des jetzt wirklich unangenehmen Schweigens traute sich Jonas, für einen Moment hoch zu schauen. "Ähm," räusperte er sich noch einmal, und sah dann wieder etwas verstört auf die Katze. Wie als Antwort hob Mephisto seinen Kopf und blinzelte Jonas mit seinen grünen Augen an, die zu sagen schienen: "Wie kann man nur so dusselig sein?" Noch einmal sah Jonas zögernd in Nicos Augen, und er erblickte dort die selbe Unsicherheit, die er selber spürte. Warum, wusste er selber nicht zu erklären, aber aus irgendeinem Grund ließ ihn das lächeln. Nico sah dies und schaffte es, ebenso verlegen zurück zu lächeln. Irgendwie war die ganze Sache schon eigentlich urkomisch... Noch einmal räusperte sich Jonas und stand dann unsicher auf. "Magst du noch was zu trinken haben? Eistee vielleicht?" versuchte er ihrer beider Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Dankbar dafür, die unangenehme Stille unterbrochen haben, erwiderte Nico: "Äh, ja, gerne." Glücklich, etwas zu tun zu haben, holte Jonas Gläser aus der Vitrine und den Eistee aus dem Kühlschrank, und setzte sich dann nach kurzem Zögern wieder zu Nico an den Tisch. Nico hatte sich derweil weiterhin damit beschäftigt, den Kater zu kraulen und schon befürchtet, dass Jonas ihn nun meiden würde. Aber als dem nicht so war, war er erleichtert. "Danke", meinte er, als Jonas ein Glas vor ihm abstellte. Ohne den Kater von seinem Schoß zu werfen, schaffte er es, sich Eistee einzugießen, und nahm dann einen Schluck. Er sagte das erste, was ihm in den Sinn kam, damit nicht wieder diese unbehagliche Stille entstand. "Wenn's dir nichts ausmacht, dass ich frage: Warum lebst du nicht mehr bei deinen Eltern? Hast du noch Geschwister?" Jonas schluckte den Kloß hinunter, der sich sofort in seinem Hals bildete. Falsche Frage, kam ihn in den Sinn, und er hatte nicht vor, darauf zu antworten. "Ich leb halt nicht mehr bei ihnen," brachte er erheblich zu zickig hervor, doch er konnte nichts daran ändern. Nico zuckte zusammen. Ok, die Frage war wohl nicht so klug gewesen. "Tut mir leid, ich wollte nicht aufdringlich sein", antwortete er leise, "ich... ich wollte einfach nur ein bisschen mehr über dich wissen. Vergiss es einfach." "Nein, sorry," riss Jonas sich zusammen. "Ich hätte dich nicht so anfauchen dürfen. Ich werd halt nicht gerne danach gefragt." Nico lächelte ein wenig schief. "Ne, verstehe ich schon. Und wenn du echt nicht drüber reden willst..." In diesem Moment hatte er sich entschieden, Nico zumindest einen groben Überriss dessen zu geben, was bisher sein Leben gewesen war. "Ich weiß nicht, ob ich Geschwister habe," fing er an. Diese Antwort war nicht besonders schwer gewesen. "Ich war knapp fünf, als ich von meinen Eltern weggeholt wurde. Deswegen hab ich keine Ahnung, ob ich noch Geschwister hab. Danach hab ich in einigen Heimen lebt, bis ich die Schule beendet hatte und eine Ausbildung anfangen konnte. Und seitdem wohn ich in meiner eigenen Wohnung und versuch einigermaßen zurande zu kommen." "Oh." Nico starrte Jonas überrascht an. Und da hatte er in seinem naiven Hirn wieder einmal gedacht, jeder lebte in so exklusiven Verhältnissen wie er; dass er und sein Vater sich ab und an stritten, zählte ja nicht. Kein Wunder, dass Jonas nicht gerne darüber sprach... Mit dieser Reaktion hatte Jonas gerechnet, ein Oh, und ein schlechtes Gewissen, dass es Nico besser ging als ihm. Ein wenig säuerlich rückte er von Nico ab, sein Mitleid wollte er nicht. Warum hatte Jonas sich nur breitschlagen lassen, Nico von sich zu erzählen? Es war so angenehm hier gewesen, bevor er den Mund aufgemacht hatte, er konnte sich sonst doch immer so still zurückhalten, warum hatte er dieses Mal davon erzählt? Dieser bemerkte Jonas' Unwohlsein natürlich sofort. Ganz sicher erwartete Jonas von einem verwöhnten Kind wie ihm nicht, dass er das verstand, sondern höchstens, dass er Mitleid hatte. Dabei war Nico nur einfach ehrlich überrascht gewesen. "Bist... bist du nicht manchmal einsam?", fragte Nico schlicht. "Einsam?" Nico schien doch nicht so oberflächlich zu sein, wie er angenommen hatte. Mit dieser Frage hatte Jonas nicht gerechnet. "Ja," antwortete er überrascht, "gerade abends und am Wochenende." ***