Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 23 Autor: Neko, Seya, Silberchen E-Mail: sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-16 Warnung: yaoi Inhalt: Nachdem Andreas sich in der Disco den Kopf verletzt hat, hat er mit Jonas und Nico zwei Aufpasser, die sich selbst und ihn immer wieder in Verlegenheit bringen. Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Mit zitternden Fingern wählte Jonas die Nummer, die er nach den fünf Tagen schon auswendig gelernt hatte. Es tutete ein Mal, zwei Mal, dann meldete sich eine bekannte Stimme. "Graumann", hörte er Andreas rufen. "Hier... hier ist Jonas," brachte er mit leiser Stimme heraus. Mehr sagte er zunächst nicht, mit angehaltenem Atem wartete er auf eine Reaktion am anderen Ende der Leitung. Und die war Schweigen, so dass er befürchtete, dass Andreas schon aufgelegt hätte. "Jonas?", hörte er dann jedoch seinen Namen. "Bist du das?" "Ja... " Andreas runzelte die Stirn "Wenn du es wirklich bist, dann sag auch was. Oder darfst du nicht sprechen", rief er. Er schwankte nach so langer Wartezeit zwischen Euphorie und Wut. Nur, dass Jonas dafür nichts konnte. "Doch... ich... der Haftrichter hat die Haft aufgehoben." Andreas hatte diese Worte kaum verstehen können, so leise waren sie gewesen. "Was hast du gesagt?", fragte er ihn. Etwas lauter kam jetzt aus dem Hörer: "Der Haftrichter hat die Haft ausgesetzt." Andreas wusste nicht, was er sagen sollte. Jonas Aussage verwirrte ihn, während sein Herz höher schlug. "Und wann ist sie ausgesetzt?", fragte er. "Jetzt. Der Richter meint, ich kann es nicht gewesen sein, deswegen bin ich jetzt nicht mehr inhaftiert." Dieser Satz klang so, als hätte ein Richter oder Anwalt ihn formuliert, anscheinend hatte Jonas ihn schlicht wiederholt. "Ich kann wieder nach Hause. Das wollte ich dir nur gesagt haben." "Und wann?" "Ich muß noch ein paar Sachen unterschreiben, dann kann ich hier weg." Jonas schien ein wenig sicherer zu werden, seine Stimme klang deutlicher, wenn auch noch nicht viel lauter. "Ich denke, in einer halben Stunde." Andreas nickte, obwohl ihn Jonas bestimmt nicht sehen konnte."Gut, ich beeile mich und rufe Nico an. Wir sind da und holen dich ab", rief er, als ob Jonas schwer hören würde. "Danke," murmelte Jonas, dann schien es Andreas, als sei dem anderen der Hörer aus der Hand gefallen. Die Verbindung war unterbrochen. Eine halbe Stunde später sah Jonas seinen Anwalt unsicher an. "Ich kann jetzt wirklich gehen?" Der nickte lediglich und wandte sich dann wieder an den Beamten neben sich. "Ich habe hier noch einiges zu tun. Soll ich Sie nach Hause mitnehmen, oder kommen Sie so zurück in die Stadt?" "Ich... ich werde abgeholt." Der Satz klang unsicher, so unsicher, wie Jonas sich noch immer fühlte. "Danke... für alles." Er schüttelte dem Mann noch einmal die Hände, dann nahm er seine Tasche und den Rucksack und ging aus dem Raum. Nur noch zwei Türen trennten ihn von der Freiheit, dachte er ein wenig kitschig, als er mit einem Beamten über die Flure ging. Schon waren sie auf dem Gefängnishof, und der Beamte schüttelte ihm zum Abschied die Hand. "Alles Gute - und auf Nimmerwiedersehen," lächelte er. Jonas erwiderte den Gruß, dann sah er zu der Schranke, die ihn jetzt noch von der Außenwelt trennte. Er sah durch die des äußeren Tors und sah seine beiden Freunde, die dort standen und tatsächlich auf ihn warteten. Schnell ging er an der Schranke vorbei und lief beinahe zu den beiden herüber. Doch dann blieb er unsicher stehen. Doch ehe Jonas sich versah, hatte Nico ihn schon stürmisch umarmt. "O Mann, Jonas, gut dich zu sehen!", erklärte dieser mit dem breitesten Lächeln, das Jonas je an ihm gesehen hatte. Andreas entwand ihm das Bündel Mensch und hob ihn auch mal kräftig hoch. "Er ist leichter geworden", stellte er fest. "Wir müssen was essen gehen. Ich habe nichts im Haus." Jonas lehnte sich an den Körper an, der ihn da gerade in den Armen hielt, und ein leichtes Lächeln fand den Weg auf seine Lippen. Er war wirklch wieder draußen, dieser Alptraum hatte ein Ende gefunden. "Laßt uns gehen," murmelte er, regte sich aber nicht weiter. Doch Nico ließ sich Jonas nicht so schnell entreißen; kurzerhand ärmelte er diesen unter und zog ihn in Richtung Straße. "Wo sollen wir was essen?", fragte er Jonas, "worauf hast du Hunger?" "Hunger?" Die Frage kam überraschend. "Ich hab kaum Hunger. Ich hab die ganze Zeit nichts essen können," murmelte er. "Dann wird es Zeit", brummte Andreas missmutig und sah den besitzergreifenden Arm von Nico bei Jonas. Der Blick entging Nico nicht. Lachend streckte er eine Hand nach Andreas aus. "Gut, daß wenigstens noch jemand meiner Meinung ist!" "Eßt ihr ruhig... vielleicht bekomm ich ein wenig Appetit, wenn ich euch zusehe." Mit der freien Hand griff Jonas nach seiner Tasche und dem Rucksack, dann sah er Andreas auffordernd an. "Gehen wir?" "Ja" Sie stolperten mehr schlecht als recht in Richtung Bushaltestelle, denn noch immer schafften sie es nicht, sich loszulassen. Doch letzendlich hatten sie die hundert Meter zu dem kleinen Wartehäuschen geschafft und setzten sich auf die Bank. Erfahrungsgemäß würde es noch etwas dauern, bis der nächste Bus kam. Zum Glück kam der Bus doch etwas früher, und die drei jungen Männer machten sich schweigend auf den Weg - zurück zu Andreas Wohnung. Als der Bus schließlich stoppte, stubste Nico Jonas an. "Hey, wir müssen aussteigen", erinnerte er und nahm vorsorglich Jonas' Rucksack. Der Junge schien noch nicht ganz wieder da zu sein. Ein wenig erschrocken sah Jonas auf. Er war tatsächlich in Gedanken weit weg gewesen, auch wenn er selbst nicht sagen konnte, wo. Doch nach einem Moment rutschte er von seinem Sitz und folgte wortlos seinem Freund. Die drei jungen Männer schlenderten die Straße zu Andreas' Wohnung hinunter, doch dann fiel Nico etwas "verflixt, wir wollten doch etwas essen! Sollen wir dann eben wieder Pizza ordern?", fragte er. "Ich habe eine Karte oben von einem Bringdienst. Lassen wir uns was bringen", meinte Andreas. "Und bis dahin hast du ja hoffentlich auch Hunger", meinte Nico mit einem Lächeln zu Jonas. "Ich weiß nicht." Müde fuhr Jonas sich durch die Haare. "Ich werd mich neben euch setzen und zusehen." "Und dabei bekommst du ganz sicher Hunger!" Nico ließ sich nicht beirren. "Außerdem ist es unsere Pflicht, dich wieder etwas aufzupäppeln, nicht, Andreas?" "Mal sehen..." Ganz überzeugt war Jonas nicht, doch jetzt konnte Nico ihn nicht mehr weiter versuchen zu überzeugen, denn sie waren an der Hausnummer 4 angelangt, und Andreas schloß die Tür auf. Nun nahm Nico auch endlich seine Sonnenbrile ab. Inzwischen war das Veilchen verblasst, aber bei genauem Hinsehen konnte man noch immer Spuren in seinem Gesicht erkennen. Er hoffte nur, dass Jonas dies nicht bemerken würde. Doch auch, wenn Jonas so müde und fertig war, entging ihm das nicht. "Was hast du denn gemacht?" fragte er entsetzt und strich Nico sanft über den grün-gelblichen Fleck am Auge. Dieser zuckte kaum merklich zusammen und warf dann einen warnenden Blick zu Andreas hinüber. "Ach, das? ich hab am Montag beim Basketballtrainig den Ball etwas unglücklich abbekommen", erklärte er Jonas. "Fieser Wurf," murmelte er, und Nico war nicht sicher, ob Jonas ihn durchschaut hatte. Doch er sagte nichts weiter, sondern ging die Treppe zu Andreas' Wohnung hinauf. Vor der Tür blieb er stehen, bis Andreas aufschloß. Der ging vor und hatte von dem kleinen Zwischenfall nichts mitbekommen. "Kommt rein!", rief er. Jonas ging durch in das Zimmer, in dem er so angenehme und gemütliche Stunden verbracht hatte. Doch jetzt blieb er unschlüssig in der Mitte des Zimmers stehen und sah Andreas an. "Was ist?" "Nichts," murmelte er und blickte betreten zu Boden. Er stellte seinen Rucksack neben die Tasche, die Nico schon an den Schreibtisch gelehnt hatte. Nico sah ihn kritisch an. Jonas war definitv kein so guter Lügner wie er selber. "Setz dich erstmal. Wie wärs mit nem Tee?" "Ja, Tee... danke." Jonas sah sich im Raum um und entschied sich dann dafür, sich auf einen der Stühle am Tisch zu setzen, auch wenn das weiche Bett viel verlockender schien. "Ich denke, er sollte erst mal richtig auschlafen", meinte Andreas und wirkte dabei so, als habe er Jonas' Gedanken direkt gelesen. "Wir bestellen was und du ruhst dich aus. Der Tee ist dann auch fertig, okay?" Jonas nickte und ging dann unsicher auf die breite Matratze zu. Er zog seine Schuhe und die Jeans aus und setzte sich auf die Decke. Andreas kam auf ihn zu und brachte ihn mit Schwung in die horizontale Lage. "Du bist hier. Nirgendwo anders. Du wirst jetzt schlafen, dich ausruhen, dann etwas essen und dann erzählst du alles, was mit dir passiert ist", erklärte er bestimmt. Jonas war wirklich erschöpft, und als er das weiche Bett unter sich fühlte, merkte er es auch wirklich, wie geschafft er war. Zudem lag dieser warme Körper halb auf ihm, halb neben ihm. Nur halb bewußt klammerte er sich förmlich an Andreas und vergrub sich an seiner Brust. Nico lächelte. Offensichtlich hatte Jonas begriffen, dass er in Sicherheit war. Er setzte sich neben die beiden aufs Bett. Grüne Augen musterten ihn. Andreas nickte ihm zu und bedeutete ihm aufzustehen. "Er ist eingeschlafen. Lass uns dafür sorgen, dass er sich wieder entspannt. Am besten mit Pizza im Bett und heißem Kakao. Habe mal gehört, dass Schokolade hilft." Er zwinkerte. Nico grinste. "Aber definitiv!" Doch er beugte sich noch einmal zu Jonas hinunter und strich ihm ein paar Haarsträhnen zärtlich aus dem Gesicht. "Für irgendwas müssen Freunde ja gut sein..." Bei dieser Berührung bewegte sich Jonas leicht im Schlaf, wachte aber nicht auf. Doch nun konnte Nico sein Gesicht sehen. Im Schlaf wirkte Jonas zartes Gesicht noch viel verletzlicher und unschuldiger als ohnehin schon. Nico spürte neben der Welle von Zärtlichkeit, die ihn bei diesem Anblick überrollte, gleichzeitig einen Kloß im Hals. Wenn er Jonas den ganzen Ärger doch nur hätte ersparen können, irgendwie.... "Los komm, lass uns das Dornröschen versorgen, damit es nachher seine Sorgen vergisst." Nico riss sich aus seiner Faszination und grinste Andreas an. "Zu Befehl" Andreas kramte die Karte hervor und glättete das doch arg mitgenommene Papier. "Ich nehme die 54", meinte er und reichte sie Nico. "Such dir was aus und dann müssen wir für Jonas wählen. In derZeit setze ich Milch auf." "Tut das. Und was sollen wir für Jonas bestellen?", fragte Nico zurück, während er die Karte studierte. "Keine Ahnung. Was zum Lutschen, würde ich sagen. Lasagne oder so. Pizza ist auch nicht schlecht." "Hm, was hat Jonas denn letztens gegessen", überlegte Nico, dann fiel es ihm wieder ein. "Ich bestelle schon mal, ja?" Nico griff zum Telefon, wählte den Pizzadienst an und gab ihr Essen in Auftrag. Andreas achte derweil auf die Milch und hinderte sie daran überzukochen. Er summte leise als er das Kakaopulver dazu streute. Immer wieder rührte er um. Nico sah ihm dabei abwechselnd zu und beobachtete Jonas, wie der sich tiefer in die Decken grub. "Er wird schon wieder. Nur weiß ich nicht, wie oft er das schon hinter sich hat", meinte Andreas, als er den Topf vom Herd stellte und den Kakao etwas abkühlen ließ. "Ich möchte es mir garnicht vorstellen", murmelte Nico und zog die Decken noch etwas enger um Jonas. "Dagegen sind unsere Probleme echt Peanuts." Andreas hob nur eine Augenbraue und setzte sich neben ihm. "Ob er geschlafen hat?", fragte er dann. "So wir er aussieht, nicht viel", wisperte Nico zurück. "ich wünschte, wir hätten ihm irgendwie hlefen können." "Und wie hättest du das machen sollen?" "Ich weiß nicht. Aber ich hasse es einfach, nichts tun zu können." Andreas vermied es Nico darauf hinzuweisen, dass er in seinem eigenen Leben sehr viele Dinge hatte, für die er nichts tat, außer abwarten. Beide saßen sie stumm an Jonas' Bett und bewachten seinen Schlaf. Erst als es klingelte, schienen auch sie zu erwachen. Und auch Jonas schreckte auf. Nervös und beinahe mit Panik in den Augen sah er sich um, schien aber nichts um sich zu erkennen. Andreas hielt seine Hände fest und führte sie zu seinen Lippen. "Wie wäre es mit einem Lächeln?", schlug er vor. Es dauerte nur einen Moment, dann zog so etwas wie Erkenntnis über Jonas' Gesicht, und ein - wenn auch zaghaftes - Lächeln folgte. "So ist es besser. Ich hole jetzt unser Essen und Nico bringt dich in die Senkrechte", schlug er vor. Letzterer pellte Jonas ein wenig aus dem Deckenwust, so dass er aufrecht sitzen konnte. "Gehts etwas besser?", fragte er. Jonas rieb sich die Augen. "Ja, etwas... und du hattest recht, ich hab jetzt doch etwas Hunger." Er rutschte etwas hoch, um sich an der Wand anzulehnen, dann zog er die Decke wieder über die Beine und hoch bis unter die Achseln. "Na bitte. Wir haben dir gleich was mitbestellt", erklärte Nico lächelnd, dann sah er Jonas' geradezu ängstlich anmutende Haltung. "Brauchst du noch eine Umarmung?", fragte er also ganz unverblümt. Jonas fühlte sich bei dieser Frage etwas überrumpelt, dennoch nickte er vorsichtig und lehnte sich dann an Nico an. Dieser schloss ihn fest in die Arme und strich ihm über die Haare. Jonas verkroch sich scheinbar bei Nico und konnte nicht genug Körperkontakt und Wärme bekommen. Er kuschelte sich dichter und dichter an ihn und schien alles um ihn herum zu vergessen. "Kaum läßt man euch für 5 Minuten allein und ich weiß nicht mehr, was ich mit dem Essen machen soll", meinte Andreas, als er vollgepackt wieder in die Küche kam. "Sorry, Andreas" Nico schaute etwas zerknirscht, dass er dem anderen nicht geholfen hatte. Ihm antwortete jedoch nur Lachen. Behend stellte er alles ab und holte Teller und Besteck hervor. "Du hast auch noch Salat bestellt. Ist der für alle?" "Yup. ich dachte, wir könnten etwas Vitamine vertragen", erklärte Nico und hielt Jonas weiterhin fest. Solange dieser nicht von alleine losließ, hatte er diese Absicht auch ganz sicher nicht. "Dann macht mal ein wenig Platz, ansonsten weiß ich nicht, wohin mit dem ganzen Zeug." Andreas balancierte die Beute, die er dem Boten abgeluchst hatte und tippte kurz mit seinem Fuß gegen Nicos Allerwertesten. Dieser rückte halb grinsend, halb grummelnd, um Andreas Platz zu machen, und nahm dabei mehr oder weniger Jonas auf den Schoß. Dieser bekam diesen Positionswechsel nur nebenbei mit, denn noch immer vergrub er sein Gesicht an der beruhigenden Brust Nicos. Vor ihnen wurden Teller, Tassen, Besteck und eine Kanne aufgebaut. Andreas ruckelte noch ein wenig, so dass alles erreichbar war und lehnte sich dann zurück. "Wir können essen." Jetzt erst erwachte Jonas aus seiner Starre und blickte auf die Speisen, die Andreas aufgetragen hatte. Nun merkte er wirklich, dass er Hunger hatte, und er griff nach einem der Teller, auf den er sich eine der Pizzastücken legte. "Super, du bist ein Schatz, Andreas!", Nico schmatzte diesem kurzerhand einen Kuss auf die Nasenspitze und schnappte sich ebenfalls ein Stück Pizza. Jonas lehnte sich wieder an Nico an. Es war wirklich, als wäre er erst gestern abend hier weggegangen und hätte nicht in der Zwischenzeit fünf Tage im Gefängnis zugebracht. Nico sah erleichtert, dass Jonas ordentlich futterte. Der erste Schrecken schien also langsam überwunden zu sein. Andreas goß er Kakao ein, da er sah, dass Nico mit Jonas wohl auf eine Weile alle Hände voll zu tun hatte. Dann griff er sich einen eigenen Teller. Das Essen verlief schweigend. Die drei jungen Männer hatten einfach zuviel Hunger, um es mit Gesprächen zu unterbrechen. Doch schließlch waren alle - auch Jonas - ausreichend satt. Als sich alle ein wenig anschauten, als ob sie noch etwas vertragen könnten, hatte Andreas einen Lichtblitz der besonderen Sorte. Er grinste leicht und fragte, indem er auf harmlos tat: "Ich nehme an, niemand von euch mag Eis?" "Ich hasse Eis, deswegen muss ich es auch immer sofort vernichten!", meldete sich Nico frech zu Wort. "Eis? Gerne..." Jonas war inzwischen wieder ruhiger geworden, langsam kam er auch innerlich in der Freiheit und bei seinen Freunden an. "Also der eine mag, der andere hasst. Okay, ihr räumt weg und ich suche mal raus, was sich noch an Geheimnissen in meinem Gefrierfach befindet." Etwas widerwillig löste sich Jonas aus der Umarmung und richtete sich auf. Nico schob Jonas sacht von seinem Schoß. "Bleib du mal schön sitzen, ich mach das schon", erklärte er, stand auf und machte sich daran, die Überreste Ihres Mahls beiseite zu räumen. Andreas wartete keine MInute später mit einer großen Packung Vanilleeis auf und drei großen Löffeln. "Ich hoffe, dass geht so",meinte er dazu und sah Nico an, der sich wieder zu Jonas kuschelte. "Klar doch, gib her", erwiderte Nico und grinste, "und wo du schon dabei bist, gibt dich selber herüber!" Mit einem Lachen warf der Barkeeper sich auf die Matratze und reichte kopfüber die begehrte Beute. Nico nahm sie samt Löffeln in Empfang, doch anstatt Jonas eines Löffel zu geben, hielt er diesesm gleich einen löffelvoll Eis vor die Nase. Jonas leckte das cremig weiche Eis ab, erst dann griff er nach dem Löffel, um sich selbst Nachschub zu nehmen. Ein, zwei mal nahm er sich, dann begann er zu grinsen und fütterte Andreas mit der nächsten Fuhre. Nico zog einen Flunsch. "Und was ist mit mir?" Unsicher sah er Nico an. War das ernst gemeint? Vorsichtshalber fülle er wieder etwas Eis auf seinen Löffel und hielt ihn Nico hin. Dieser machte auch brav den Mund auf und leckte das Eis vorsichtig vom Löffel. Aufmerksam wurden sie dabei von zwei Paar katzengrünen Augen beobachtet. Nico schielte zu Andreas hinüber, lachte schelmisch und meinte dann zu Jonas: "Gib ihm auch noch mal was ab!" Wie aufgefordert lehnte sich Jonas herüber und hielt Andreas den Löffel mit viel Eis hin. Etwas irritiert ließ dieser sich dann aber auch füttern. Es dauerte nicht lange und er mauzte leise, wenn er noch mehr haben wollte, was Mephisto überhaupt nicht gefiel, wollte er doch selbst etwas abhaben. "Armes Katerchen!", lachte Nico und beugte sich vor, um den Kater vom Boden aufzuheben, "aber Eis ist nichts für dich!" Jonas blickte kurz zu Nico, wie der das schwarze Tier auf die Arme nahm, und sah dann wieder in die Eisdose, die schon erheblich leerer war. Doch etwas zog seinen Blick auf sich, und er sah noch einmal zu Nico. Und jetzt wußte er auch, was anders war. Ein grünlich-gelber, erschreckend großer Fleck zierte den Rücken seines Freundes. Er schien so alt zu sein wie das Veilchen, das sein Gesicht zierte. Vorsichtig strich er mit den Fingerspitzen über die verfärbte Stelle. "Und das war auch ein Basketball?" fragte er, wohl wissend, das dem nicht so war. "Äh, ja, sowas ähnliches", murmelte Nico und fühlte sich plötzlich ziemlich ertappt. Verflixt, er hatte doch ein längeres T-Shirt anziehn wollen! "Du solltest es ihm sagen", brummte Andreas und nahm ihm die Katze ab. "Lügen sollten wir erst gar nicht anfangen. Das tut niemandem gut." Jonas Stimme wurde sanft und einfühlsam. "Du, ich hab sowas schon öfter gesehen. Du kannst dir vorstellen, warum Kinder in Heime kommen." Nico sah Jonas entschuldigend an. "Tut mir leid, ich wollte dir nichts vorenthalten. Es ist nur so, dass ich dir nicht noch mehr Sorgen machen wollte, du hast genug mit dir selbst zu tun. Und... es ist wirklich nichts." Jonas schüttelte den Kopf. "Ich habe Schlimmeres gesehen, aber nichts sieht anders aus," stellte er ernst fest. "Dein Vater?" Er rutschte wieder etwas näher an Nico heran und strich ihm ganz sanft über den Rücken. Selbst, wenn die Verletzungen frisch gewesen wären, hätten sie so nicht noch mehr geschmerzt. Nico gab es endgültig auf; wie auch Andreas ließ Jonas sich nichts vormachen. Also nickte er. "Willst du was dagegen machen?" "Wie ich auch Andreas schon sagte, es hat keinen Sinn. Ich werde in einem Monat 18, dann ziehe ich aus." Jonas schien ähnlich wenig überzeugt wie Andreas. "Wenn du meinst... aber es kann nur noch schlimmer werden." "Glaube ich nicht", entgegnete Nico und strich über Mephistos Fell , der es sich auf Andreas' Schoß bequem gemacht hatte. "Er läßt sich nicht überzeugen. Er sollte hier bleiben, bis er 18 wird. Sein Vater kann es als Abschiedsgeschenk seiner Kindheit ansehen, wenn er ihn pünktlich zum Geburtstag krankenhausreif schlägt." "Andreas!" Nico blickte seinen Freund mit gerunzelter Stirn an. Das hätte er doch auch für sich behalten können.... "Ich sage nur, was wahr ist, Nico. Ich mache mir um euch beide verdammte Sorgen. Während der eine geradezu in Starre verfällt, zieht der andere Ignoranz vor. Das ist beides keine gute Strategie." "Kann sein, aber wir sind ja schließlich auch nur Menschen", murmelte Nico und strich sich durch die Haare. Auch Jonas fühlte sich angesprochen. Andreas richtete sich auf und sah ihn an. "Ja, ich habe nichts anderes behauptet." "Nur ich bin genauso Mensch und ich kann nicht einfach zusehen,wie ihr beide euch unglücklich macht. Wenn mir einer gesagt hätte, dass mir ein oder in diesem Fall zwei Menschen einmal soviel bedeuten würden, hätte ich ihm nicht geglaubt. Bitte..." Nicos Blick wurde weich, und er legte einen Arm um Andreas. "Es ist unwahrscheinlich lieb, dass du dir Sorgen machst, aber zumindest ich werde klar kommen, ganz sicher." "Ich kenn deinen Vater nicht," meldete sich Jonas zu Wort, "aber ich weiß, dass sowas oft schlimmer und eigentlich nie besser wird. Selbst wenn du ihm aus dem Weg gehst. Warum nimmst du das Angebot nicht an und bleibst hier - oder bei mir? Bei mir ist es zwar enger, aber ein breites Sofa zum Schlafen hab ich auch." "Euer Angebot ist wirklich lieb, aber wie gesagt, ich komme den Monat noch klar. Danch nehme ich euer Angebot allerdings gerne an." "Wenns zu schlimm wird, dann komm vorher vorbei," sah Jonas ihn eindringlich an. "Wir wollen dich nicht im Krankenhaus besuchen müssen." "Keine Sorge, das passiert sicher nicht", beruhigte Nico ihn und lächelte, "aber wenn wir nicht aufpassen, ist das Eis gleich weggeschmolzen. Und das wäre schade..." ***