Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 22 Autor: Neko, Seya, Silberchen E-Mail: sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-16 Warnung: yaoi Inhalt: Nachdem Andreas sich in der Disco den Kopf verletzt hat, hat er mit Jonas und Nico zwei Aufpasser, die sich selbst und ihn immer wieder in Verlegenheit bringen. Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Stumpf starrte Jonas die Decke über sich an. Er wußte nicht, wie lange er schon hier auf dem Bett lag, wie viel Zeit vergangen war, seit die beiden Polizisten ihn aus seiner Wohnung geholt hatten, wie lange er in dieser kleinen Zelle hockte und wartete - worauf auch immer. In einer Zelle konnte man anscheinend nichts anderes machen als zu warten. Wieder und wieder überkamen ihm die Ereignisse der letzten Stunden. Das Verhör auf der Polizeistation, in dem ihm vorgeworfen wurde, er habe Einbrüche verübt, die Einbrüche, von denen schon im Fernsehen berichtet wurde. Fragen über Fragen, wo Jonas gewesen sei, was er wann getan hätte, und nie hatte Jonas ein Alibi. Das einzige, das er hätte bieten können, war das Wochenende mit Andreas und Nico - und ausgerechnet in dieser Zeit waren keine Einbrüche verübt worden. Dann kam die Frage nach einem Anwalt - woher sollte Jonas einen Anwalt bekommen? Schließlich hatte er auf seinen Pflichtverteidiger gewartet, einen Mann in mittleren Jahren, der Jonas ebenfalls für schuldig hielt, jedenfalls ließ er das durchblicken. Stundenlang, so schien es Jonas, hatte er mit dem Anwalt, Herrn Platzeck, und den diversen Staatsbeamten gesprochen, war vernommen worden, und immer mehr merkte er, dass ihm keine Chance blieb, sich rauszureden - rauszureden aus etwas, was er nicht einmal getan hatte. Nur, weil er damals mit Kevin solch einen Mist gebaut hatte, war er jetzt sofort wieder der Hauptverdächtige, schien es ihm. Der Staatsanwalt war der selbe wie damals, wer weiß, ob er nicht den Einfall hatte, dass Jonas es gewesen sein könnte. Und nur, weil er damals mitgemacht hatte, saß er jetzt in der kleinen kahlen Zelle, anstatt bei Andreas im Zimmer. *** "Ich glaube, ich hab's gefunden!", brüllte Nico Andreas über die halbe Straße zu und sah dann noch einmal auf die Namensschilder an der betreffenden Tür einens unscheinbaren Hauses in der Adenaueralle. Ja, Jonas Schneider, definitiv. "Nico!", zischte ihn Andreas an, kam aber dann das kurze Stück gelaufen. "Ich bin nicht am Nordpol und ich bin nicht schwerhörig", beschwerte er sich, beugte sich aber gleichzeitig runter, um das Beutestück seines Freundes zu betrachten. "Stimmt, Schneider, wie "Tapfer"." Nico rollte die Augen ob Andreas' Kommentar und drückte dann auf den Klingelknopf. "Nichts", brummte der Barkeeper nach einer ganzen Weile. " Da stimmt was nicht", setzte er gleich hinzu. Nico hatte recht mit Jonas' Charaktereinschätzung: Er würde nicht einfach fortbleiben. Vor ihnen wurde die Tür aufgerissen. "Was klingeln Sie hier Sturm?!? Kann man nicht einmal seine Ruhe haben in diesem Haus?!?" Eine ältere Frau, sie trug eine Kittelschürze und hielt passenderweise einen Besen in der Hand, kam heraus. Nico war froh, dass er wieder seine Sonnenbrille trug, sonst hätte die alte Schachtel ihn sicher für einen Kriminellen gehalten. "Entschuldigen Sie, aber wir suchen Jonas Schneider. Wissen Sie zufällig, wo wir ihn erreichen können?", fragte er freundlich. "Schneider? Der? Der wurde heute von der Polizei abgeholt. Netter Junge eigentlich, aber die Jugend heutzutage ist einfach verdorben. Habt Ihr auch was damit zu tun?" Nico bemühte sich sichtlich, nicht zu geschockt auszusehen, es gelang ihm aber nicht recht. "Polizei? Nein, wir sind Freunde von ihm und haben uns Sorgen gemacht... Sagen Sie, wissen Sie genaueres?" "Genaueres? Nein. Aber was wollt ihr von ihm? Er hat keine Freunde, das würde ich wissen!" Andreas sah die Frau nur mit großen Augen an. "Wir sind seine Freunde, das können Sie glauben", erklärte er leise, aber bestimmt. "Na, schöne Freunde seid ihr mir... Jedenfalls ist er von der Polizei abgeholt worden. Und nun verschwindet, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!" Mit dem Besen wedelte sie vor sich her, und verdrängte Nico und Andreas so von der Tür. Nico stemmte die Arme in die Hüften. "Ich fasse es nicht!" Doch die Nachbarin hatte das vermutlich gar nicht mehr gehört, denn schon schlug die Tür wieder hinter ihr zu. Nico nahm sich die Sonnenbrille ab und strich sich über die Augen. "Toll, ganz toll. Und was nun?" Fragend sah er Andreas an. "ich meine, was um alles in der Welt will die Polizei von Jonas??" Dieser überlegte, dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. "Die Nachrichten gestern", erinnerte er. "Nachrichten?", Nico überlegte, dann sah er Andreas erschrocken an, "du meinst doch nicht..." "Doch, ich denke, damit könnte es etwas zu tun haben. Er war so aufgeregt dabei und... Naja, es könnte natürlich auch weit hergeholt sein und er ist bei seinen Eltern, oder hatte einen Termin, und konnte uns nicht Bescheid sagen." "Hm, dann hätte er uns sicher bescheid gesagt", widersprach Nico, "und warum sollte seine charmante Nachbarin uns Schauermärchen erzählen?" Der Barkeeper begann langsam auf und ab zu laufen und grübelte. "Weiß nicht", murmelte er, "um vielleicht schlecht über ihn zu reden. Aber Tanten wie die sind meist in diesen Punkten äußerst wahrheitsliebend." Nico setzte seine Sonnenbrille wieder auf. "Weißt du was, so kommen wir nicht weiter. Wir sollten einfach zur Polizei gehen und fragen. Und wenn wir schon dabei sind, können wir bestätigen, dass Jonas das ganze Wochenende mit uns zusammen war." Andreas war von dem Vorschlag alles andere als begeistert. "Wenn du meinst, wir erreichen was, in dem wir ihnen was sagen... Ich würde jedoch einfach mal fragen, wo er ist." "Damit können wir ja anfangen", stimmte Nico zu, dann griff er nach Andreas Hand und zog ihn Richtung Bushaltestelle. "Los, komm!" Nico ließ keine Widerworte zu. Er zog vielmehr seinen Freund mit sich, der sich dann kaum 10 Minuten später vor dem Polizeirevier wiederfand. Andreas sah sich um. Es war recht ruhig. "Gut", murmelte er und jetzt war er es, der in den Angriff überging. Hier musste er durch. Ein Blick auf Andreas' Gesicht verriet Nico, dass er diesem besser das Reden überlassen sollte. "Guten Abend, was kann ich für Sie tun?" Eine junge Polizistin stand von ihrem Schreibtisch auf und trat an den Tresen. "Wir suchen einen Freund. Wie es scheint, ist er festgenommen worden. Können Sie uns helfen?", fragte der auch sofort. Sie lächelte die beiden an. "Solche Angaben darf ich Ihnen leider nicht machen," sagte sie in geschäftlichem Ton. "Und wenn wir einen Suchanzeige aufgeben wollen?", schaltete Nico sich nun ein. Die Polizistin, ihrem Namensschild nach Frau Schrader, grinste. "Dann bräuchte ich ihre Personalien, zumindest von einem von ihnen. Kommen Sie doch bitte hier herum," deutete sie auf eine Klappe am Ende der Tür, "dann können wir alles aufnehmen." Andreas und Nico folgten ihr. Eine halbe Stunde später waren sie zwar ziemlich am Ende, doch sie hatten ihre gewünschte Information: Jonas Schneider war am heutigen Tage um 19:25 von den Beamten Bergmann und Rust wegen Verdacht des Einbruchdiebstahls festgenommen worden. Anderas und Nico waren schockiert. Wie konnte das sein? "Gibt es irgendeine Möglichkeit für uns, mit Jonas zu sprechen?", fragte Nico schließlich. Die junge Frau schüttelte den Kopf. "Nein, leider nicht. Herr Schneider ist in Untersuchungshaft, aus Sicherheitsgründen ist sein Kontakt nach draußen auf seinen Anwalt beschränkt." Nico ballte die Faust. "Aber irgendwas müssen wir doch tun können..." murmelte er. "Es ist ihm aber möglich, Post zu empfangen. Die wird vom Anstaltsleiter kontrolliert. Sie können ihm also schreiben." Hoffnungsvoll zog Nico einen Block aus der Tasche. "Könnten sie bitte dafür sorgen, dass Jonas unsere Nachricht schnell bekommt?" "Wir sind hier kein Postamt. Aber wenn es so dringend ist... Ich hab hier noch einen Umschlag, schreibt, dann gebe ich ihn meinem Kollegen morgen mit." "Was wollen wir denn genau schreiben?", fragte Andreas. "Hm, irgendwas, das ihn beruhigt, würde ich sagen. Damit er weiß, dass wir an ihn denken. Ich hasse es zwar echt ihm nicht helfen zu können, aber wenn er wenigstens weiß, dass jemand an ihn denkt..." Nico reib sich die Stirn. Andreas unterdrückte den Zwang, ihm auf die Nase zu küssen. Hier direkt unter den Augen von einem halben Dutzend Polizisten kam das nicht so gut. Was für Probleme, wenn einem die Hormone auf einen Kerl einpendeln, stellte er mit genügend Selbstmitleid fest. "Okay, dann versuche ich es mal." Nico reichte ihm wortlos Block und Stift. "Lieber Jonas..." Andreas legte die Zunge an seine Lippe und versuchte die passenden Worte zu finden. Nach einer Weile hatte er endlich so etwas wie einen Brief zustande gebracht. "Wie findest du es? Geht es?", fragte er Nico und zeigte ihm sein Werk. Dieser las den Text, runzelte die Stirn, lächelte dann und schreib noch einen kleinen Gruß darunter. "Kann man so lassen", erwiderte er und sah die Polizistin dann fragend an. "Könnten wir also bitte einen Umschlag haben?" Die hatte sie die ganze Zeit beobachtet, sagte jedoch nichts, sondern lächelte sie nun freundlich an. Ob sie etwas ahnte? Sie reichten ihnen einen und sagte: "Sie brauchen ihn nicht zu verschließen. Er wird noch gelesen, bevor er zum Adressaten kommt." "So lange er ihn bekommt..." Nico faltete den Brief und steckte ihn in den Umschlag. dann reichte er ihn der Polizistin zurück. "Und... danke." *** Zitternd zog Jonas die Decke höher, doch alle Wärme half nicht, das wusste er. Noch vor wenigen Stunden war er glücklich gewesen, endlich Freunde gefunden zu haben... und jetzt hatte er sie sicher wieder verloren. Und dabei konnte er zumindest dieses Mal nichts dazu, er hatte sich nichts zuschulden kommen lassen seit den Einbrüchen vor einigen Jahren, er war noch nicht einmal schwarz gefahren mit dem Bus! Es hatte sich anders angefühlt, als er damals mit Kevin gefaßt worden war. Er hatte die ganze Zeit gewusst, dass es illegal gewesen war, in Häuser einzubrechen, und dass sie dann erwischt und bestraft worden waren, das war nur gerecht gewesen. Doch dieses Mal? Er hatte nichts getan, und wurde schlechter behandelt als damals. Nachdem die Beamten ihre Personalien aufgenommen hatten, waren sie zurück ins Heim gebracht worden. Und jetzt saß er hier in der kleinen Einzelzelle, in Untersuchungshaft, alleine und einsamer als er bisher je gewesen war. Er konnte sich noch nicht einmal einreden, morgen wieder seine Kollegen zu sehen, denn die einzigen, die er sehen würde, waren die Vollzugsbeamten und die Mitgefangenen - und seinen Anwalt. Wie gerne würde er jetzt einen von Andreas' trockenen Sprüchen hören, oder Nicos Lachen sehen! Doch sicher würde er das nicht noch einmal erleben können. Dass sie Jonas seine Jugendsünden nicht übel nahmen, grenzte schon an ein Wunder, doch er konnte nicht darauf hoffen, dass sie weiterhin etwas mit ihm zu tun haben wollten. Jonas drehte sich auf den Bauch und vergrub das Gesicht im Kissen. Wenn er es ihnen doch bloß erklären könnte, und wenn sie ihm dann auch noch glauben würden... Doch das wäre zu schön um wahr zu sein. Wieder drehte er sich um, schlafen konnte er noch immer nicht, und starrte auf den schmalen Lichtschein, der unter der Zellentür hindurchschien. Wie spät es wohl war? Mit etwas Phantasie konnte er schon die Morgendämmerung erkennen, und noch immer konnte er nicht einschlafen. ***