Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 18 Autor: Neko, Seya, Silberchen E-Mail: sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-16 Warnung: yaoi Inhalt: Nachdem Andreas sich in der Disco den Kopf verletzt hat, hat er mit Jonas und Nico zwei Aufpasser, die sich selbst und ihn immer wieder in Verlegenheit bringen. Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Die drei blieben eine Weile so sitzen, doch schließlich meldete sich der Hunger bei Nico. "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber sollten wir nicht langsam mal wieder was futtern?", fragte er in die Runde. Andreas blinzelte und überlegte. Sein Magen hatte ihm vor den vielen Eröffnungen schon lange den Notstand angemeldet. "Also ich habe nichts dageben", meinte er und stemmte sich leicht nach oben. Spielerisch tippte er Jonas an. "Und was ist mit dir?" Etwas irritiert sah Jonas auf. Es war so angenehm an Andreas' Seite gewesen, und es sträubte sich etwas in ihm, diesen warmen Mann jetzt zu verlassen. "Ich weiß nicht," antwortete er. An sich hatte er schon Hunger, doch er wollte nicht aufstehen müssen, um zu kochen. Ein wenig schüttelte er den Kopf und lehnte sich wieder näher an Andreas an. "Eigentlich nicht." "Kann ich mir nicht vorstellen", hakte Nico ein und musterte Jonas' zierliche Gestalt kritisch. "Ich auch nicht. Eigentlich müsstest du doch ständig Hunger haben, Jonas." Andreas war froh über die Schützenhilfe. "Naja," gab Jonas zu, "vielleicht habt ihr recht. Aber ich mag hier nicht aufstehen, es ist so schön hier mit euch." Die letzten Worte hatte er immer leiser gesprochen, und er hoffte, dass sie nicht verstanden worden waren. Doch dem war nicht so. "Tja, der Mensch kann aber nicht nur von Luft und Liebe leben", gab Nico eine Schulweisheit zum besten und zwinkerte Jonas zu. "Außerdem laufen wir dir nicht weg." Andreas zog das Bündel, dass Jonas darstellte zu sich und sah Jonas in die erstaunten Augen. "Hast du Angst, dass du keine Wärme mehr bekommst, wenn du dich erhebst?" Wie hatte Andreas ihn so durchblicken können? Jonas merkte wieder einmal, wie er errötete, und blickte schuldbewusst nach unten. Spontan zog Nico ihn wieder in eine Umarmung, in die sich Jonas beinahe erleichtert einkuschelte. "Ich verspreche dir, dass dir nicht wieder kalt wird", murmelte Nico in Jonas' Haar und schwor sich innerlich, dieses Versprechen auch einzuhalten. "Na, siehst du." Andreas lächelte und wuschelte Jonas, brachte neckend die Haare durcheinander. "Danke," schaffte Jonas zu flüstern. Mehr traute er sich nicht zu sagen, aus Angst, dass ihm die Stimme versagen würde. Er fühlte einen dicken Kloß in seinem Hals, und wenn er jetzt aufblicken würde, dann würden ihm die Tränen herunterlaufen. "Hey, nicht weinen!", munterte Andreas leise auf. Nico kraulte weiter durch beruhigend durch Jonas' Haare. Wenn der andere meinte, sich mal ausweinen zu müssen, würde er ihn ganz sicher nicht hindern. Und in dieser Situation konnte Jonas auch nicht anders, als seinen Tränen freien Lauf zu lassen. Einen wirklich Grund hatte er eigentlich nicht dazu, vielleicht war es einfach die erste Gelegenheit dazu. Und so lehnte er sich weiter an Andreas an, ließ sich von Nico den Nacken und den Rücken streicheln und weinte. Die beiden anderen ließen ihn und schwiegen. Wie lange er weinte, wann schließlich seine Tränen versiegten, das konnte Jonas später nicht sagen. Und auch, nachdem er wieder ruhiger wurde, blieb er an Andreas angelehnt und sah nicht auf. Zum einen war es ihm peinlich, einfach so geweint zu haben, zum anderen mochte er sich noch immer nicht von diesem warmen Körper lösen. Nur ungern durchbrach Nico das Schweigen, doch sein Magen knurrte so lautstark, dass es schon unagenehm war. "Ich glaube, wir kriegen mit Kochen nichts auf die Reihe", murmelte er, dann kam ihm eine Idee, "wie wärs mit Pizza? Wir lassen uns was bringen, ja? Dann musst du nicht mal aufstehen, Jonas." "Pizza klingt gut," murmelte Jonas, löste sich aber noch immer nicht von der Wärme unter sich. Er fühlte jedoch, wie Nico sich erhob und vom Bett kletterte und mit einem Stück Papier, wohl dem Prospekt des Pizzadienstes zurückkam. "Hier, sucht aus, was ihr möchtet", Nico hielt das Prospekt Andreas unter die Nase. Der schaute kurz drauf. "Ich hätte gern die Pizza Tonno mit Extra-Tomaten." Nun endlich löste sich auch Jonas von Andreas und sah auf den bunten Prospekt. "Ich nehm," überlegte er, "ich glaube, ich möchte eine Funghi mit Schinken." "Ok, Bestellung notiert!" Nico zog Andreas das Prospekt wieder aus der Hand, kramte sein Handy hervor und rief beim Pizzaservice an. Nachdem er das gewünschte in Auftrag gegeben hatte - und noch eine Pizza Hawaii für sich - ließ er sich wieder neben die beiden anderen jungen Männer fallen. Beinahe erleichtert registrierte Jonas den warmen Körper neben sich und zog Nico mit einer Hand noch ein wenig näher. Die anderen beiden mußten ihn wirklich für nicht normal halten, doch - gab es etwas Angenehmeres als zwischen zwei Freunden zu liegen, sie beide zu spüren, und ihnen vertrauen zu können? Vertrauen... das war auch der Grund, warum er vorhin hatte weinen können. Noch nie hatte er einem Menschen so vertraut, dass er ihm sein Inneres zeigen konnte. "Wieder besser?", hörte er Andreas fragen. Er schien die Adresse zu sein, denn Nico war es nicht, der sein Herz auf diese Weise so offengelegt hatte. "Ja," nickte er und sah Andreas offen an. "Danke." Dann drehte er sich zu Nico um und lächelte ihn zurückhaltend an. "Dir auch. Euch beiden. Ich..." Jonas wußte nicht, wie er diesen Dank ausdrücken sollte, den Dank dafür, dass diese beiden Männer einfach für ihn dagewesen waren. So beugte er sich kurz vor und küßte Nico auf die Wange, und noch bevor ihn die Vernunft aufhalten konne, hatten seine Lippen auch Andreas' Wange berührt. Andreas blinzelte. "Dir geht es noch nicht gut. Aber danke für den Dank, auch wenn ich nicht weiß, wofür." Nico war auch ein wenig verblüfft, doch dann lächelte er und wuschelte durch Jonas' Haare. "Gern geschehen. Weißt du..." Doch weiter kam er nicht, denn ein aufdringliches Klingeln an der Haustür ließ alle drei zusammenfahren. Nico stand auf. "Ist sicher der Pizzamann", meinte er, und noch ehe einer der beiden anderen reagieren konnte, war er aufgestanden und zur Tür gegangen. Während Nico dem Pizzaboten die heißen Kartons abnahm und sie bezahlte, grübelte Jonas über die vorherige Aussage nach. Warum sollte es ihm noch nicht gutgehen? "Doch, es ist alles in Ordnung," bekräftigte er noch einmal. "Und danke dafür, dass ihr für mich da wart. Und dass ihr nicht gelacht habt." "Oh, wenn dann der Kuss eine normale Reaktion deinerseits war, dann ist wirklich alles in Ordnung", neckte Andreas. Er sah auf, als Nico hereinkam. "Riecht lecker", erklärte er und sein Magen erzählte die gleiche Geschichte, nur mehr auf einer geräuschvolleren Ebene. Jonas wurde wieder einmal rot. "Ich glaube, du hast doch recht," murmelte er, doch er konnte sich nicht von Andreas lösen. Nico stellte die Pizzaschachteln auf dem Tisch ab und machte sich dann auf die Suche nach Messern und Gabeln. "Ich glaube, die Pizzen sind zu groß für Teller, die futtern wir besser aus dem Karton", meinte er. "Okay, da ich aber eine Krabbe hier habe, könntest du Besteck und Kartons hierherbringen?", fragte Andreas. "Sehr wohl, der Herr!, grinste Nico und überreichte Andreas seine Pizza samt Besteck. "Jonas, wenn du was essen willst, müsstest du Andreas mal kurz loslassen", meinte er dann, und fügte mit einem Zwinkern hinzu: "Es sei denn, du willst gefüttert werden!" "Ich bin eine Krabbe?" fragte Jonas etwas unsicher, löste sich dann aber doch von Andreas, um seine Pizza in Empfang zu nehmen. Es dauerte eine Weile, bis sie alle akzeptable Sitzpositionen gefunden hatten, wobei Jonas unauffällig darauf geachtet hatte, beide Freunde berühren zu können. Es hätte ihm etwas gefehlt, wäre das nicht möglich gewesen. Schließlich saßen sie schweigend und essend zusammen auf dem Bett, die Decken und Kissen waren zerknautscht zwischen, auf und unter ihnen, und Jonas hatte es geschafft, sich irgendwie an beide Freunde anlehnen zu können. "Miau?" Ein fragendes Schnurren erklang plötzlich von irgendwo her aus der Fußgegend, und im nächsten Moment hopste Mephisto Jonas auf den Schoß und fast in dessen Pizza. Erschrocken zuckte dieser zusammen, dann erst erkannte er die schwarze Katze. Er legte das Messer beiseite und strich dem großen Tier über den Kopf. "Na komm, hier ist noch Platz," schob er den Kater in seinen Schoß. Nun war es nicht so einfach, die Pizzaschachtel zu halten, doch irgendwie schaffte Jonas auch das. Immer wieder langte er zwischen seine Füße, um das eingerollte Fellbündel zu kraulen, und als er schließlich seine Schachtel geleert hatte, legte er sie beiseite und widmete seine Aufmerksamkeit ganz dem schwarzen Tier. "Katzen", murmelte Andreas nur. "Magst du deinen neuen Mitbewohner denn immer noch nicht?", wollte Nico wissen und futterte sein letztes Stück Pizza. "Doch, irgendwie schon", kam es nicht sehr überzeugend. "Ich mag ihn," stellte Jonas noch einmal fest. Inzwischen lehnte er mit dem Rücken an Andreas' Seite und hielt den Kater in seinen Armen. Er trug einen zufriedenen Gesichtsausdruck, während er mit halb geschlossenen Augen das Tier kraulte. "Okay, dann darfst du ihn auch kraulen", meinter dieser mit einem scheelen Blick, der aus genauso grünen Augen erwidert wurde. Auch Nico streichelte den Kater zwischen den Ohren, und einmal mehr berührten sich dabei Jonas' und seine Fingerspitzen. Doch diesmal war es kein schüchterner Annäherungsversuch mehr, sondern eine offene Zuwendung, die Jonas unsicher erwiderte. Eben hatte er noch in seinen Armen gelegen, doch diese Annäherungsversuche waren irgendwie etwas anderes. Sie waren... intimer, jedenfalls empfand Jonas sie so. Dennoch zog er seine Hand nicht weg, sondern ließ Nico sie sanft streicheln. Dieser nutzte Jonas' Zutrauen ungeniert aus und zog wie zufällig mit dem Finger feine Kreise über Jonas' Hand. Den ersten Kringel ignorierte Jonas noch, doch dann konnte er es nicht mehr übersehen. Ein Kribbeln zog sich von seinem Handrücken über den Arm bis in den Magen, und vorsichtig lächelte er Nico an. Dieser lächelte auf seine typische Art zurück und wanderte mit dem Finger zu Jonas' Handgelenk, schlüpfte unter den Ärmelaufschlag. "Interessantes Spiel", kommentierte Andreas trocken, erinnerte auf seine unnachahmliche Weise daran, dass sie nicht unbeobachtet waren. Und damit fand er sich auch schon wieder am falschen Ende von Nicos schelmischen Blick wieder. "Ist es nicht langweilig, nur zuzugucken?", fragte er und klimperte übertrieben mit den Wimpern. Andreas starrte Nico an wie ein Auto, dann schüttelte er den Kopf. "Ne, lass mal. Ihr macht das schon." "Na, wenn du meinst..." Prompt zog Nico Andreas zu sich, griff nach dessen Hand und zog sie sanft aber bestimmt zu Mephistos weichem Fell hinüber. Ein lauter Protestschrei kam von dem Barkeeper, der auch von milden Schrecken erzählte. "Was soll das?" Nico grinste. "Gleiches Recht für alle." "Ich verzichte." Andreas wand sich. "Spielverderber!" Nico streckte Andreas die Zunge heraus, grinste aber immer noch. "Das ist die Katze und die könnt ihr allein streicheln." Plötzlich wurde er rot, als er begriff, was er damit nicht ausgeschlossen hatte. Nico begriff sofort. "Na und? Es ging hier nicht um die Katze!" "Ja, ja", wiegelte Andreas unwirsch ab. Jonas sagte zu diesem Gespräch nichts, irgendwie war es ihm unangenehm, Andreas so da reinzuziehen - andererseits wollte er Andreas auch nicht außen vor lassen. So lehnte er sich lediglich etwas weiter nach hinten an ihn an. Nico hatte Andreas' Hand noch nicht losgelassen. "Ich sehe schon, hier braucht jemand dringender Streicheleinheiten als Mephisto..." Mit diesen Worten lehnte er sich zu Andreas hinüber, und als dieser nicht zurückzuckte, küsste er ihn ganz, ganz vorsichtig auf die Lippen. 'Ich tue dir nichts, ich möchte nur, dass du dich wohl fühlst', schien diese warme, zurückhaltende Berührung zu sagen. Doch ihn schauten nur zwei tiefgrüne, verwirrt blickende Augen an. "Spinnst du?", fragte ihn Andreas leise, so dass er kaum zu hören war. Nico lächelte nur. "ich dachte, wir hätten bereits geklärt, dass wir alle spinnen, oder nicht?", fragte er unschuldig zurück. Dann gab er Andreas erneut einen Kuss und erstickte damt jeglichen weiteren Protest. Nico fing die abwehrenden Hände, die ihn zurückstoßen wollte und erwiderte deren Druck. Andreas wollte nur zu gerne heftiger reagieren,doch sein Körper weigerte sich. Es war ein lang vermisstes Gefühl, dass jemand ihn küsste. Vor allen Dingen so süß und weich. Er hatte anscheinend wirklich schon lange kein Mädchen mehr gehabt, wenn alles in ihm den Gehorsam verweigerte. Nur langsam entspannte er sich, gab die alarmierte Haltung auf, spürte die Schwere von Jonas an seiner Seite und die Hitze von Nicos Lippen und dessen Händen. Jonas drehte sich neugierig zu den beiden um, und eines der so seltenen Lächeln erschien auf seinen Lippen. Er kuschelte sich noch ein wenig näher an Andreas und strich über das weiche Fell des Katers auf seinem Schoß. Doch schon bald verlor er seine Stütze im Rücken, als Andreas nach hinten überfiel und Nico sich ungeniert an seine Seite legte. Noch immer berührten sich ihre Lippen, und Jonas fühlte das angenehme Ziehen im Magen, als er sie beobachtete. Es war schön, seinen Freunden zuzusehen, und er fühlte sich keineswegs ausgeschlossen. Er hatte immer gemeint, in solchen Fällen würden Menschen eifersüchtig, doch anscheinend war er wirklich nicht normal. Er freute sich für Nico, dass er Andreas endlich so küssen durfte, und er wußte, dass er dazu gehörte. Warum sollte er dann eifersüchtig sein? Einen leisen Seufzer konnte er von Andreas hören. Er schien es zugenießen. Die Augen waren geschlossen, die Wangen färbten sich langsam rötlicher. Und noch immer lag Nico neben ihm, inzwischen beinahe auf ihm, und strich ihm über den Nacken und durch die Haare. Jonas wusste, wie schön sich das bei Nicos weichen Händen anfühlte. Nico hatte inzwischen fast alles um sich herum vergessen; das einzige, was noch zählte, war die Wärme von Andreas' Körper, dessen Hingabe nach wer weiß wie vielen vergeblichen Versuchen. Er hatte also doch recht gehabt, Andreas war auf seine Art nur genauso schüchtern wie Jonas gewesen... Jonas! Nico schaffte es, ein Augen halb zu öffnen und zu dem anderen jungen Mann hinüber zu schielen. Doch dessen fast verzückt zu nennender Gesichtsausdruck wirkte keinesfalls so, als würde er sich benachteiligt fühlen. Fast beiläufig ließ Nico eine Hand unter Andreas' Pullover wandern. Ihr dunkelhaariger Beobachter hielt die Luft an, als Nicos Hand tatsächlich unter dem Stoff verschwand und Andreas über die sicher warme Haut streichelte. Mephisto lag noch immer auf seinem Schoß, und Jonas streichelte ihn gedankenverloren, während er gebannt auf die beiden Männer neben sich im Bett sah. Der schnurrende Kater lag direkt in seinem Schritt, und unbewußt ließ Jonas eine Hand unter ihn gleiten. Das Kribbeln war von seinem Magen inzwischen weiter nach unten gerutscht, und seine Hand berührte eine schon reichlich große Beule in seiner Hose. In diesem Moment blickte Nico erneut auf; es war zwar wirklich, wirklich schwer, sich von Andreas loszureißen, aber er hatte irgendwie das dumpfe Gefühl, dass das hier zu schnell zu weit ging. Und Andreas war immer noch nicht wieder komplett auf der Höhe... Nico warf erneut einen Blick zu Jonas hinüber, ließ Andreas aber noch nicht los. Dann grinste er; sich bewusst werden, dass er vermutlich ebenfalls ziemlich rot im Gesicht war. "Kannst ruhig näher kommen", flüsterte er Jonas zu und streckte eine Hand aus. Andreas war durch diese Aufforderung etwas irritiert, schaute zu Nico hoch, der ihn einfach weiterstreichelte. Dann sah er, dass es Jonas war, mit dem er sprach. Was taten sie hier eigentlich, schoss es ihm durch den Kopf. Jonas seinerseits war ebenfalls etwas verwirrt und sah Nico an. Meinte der es so, wie er es eben gesagt hatte? Und wenn ja, sollte er darauf eingehen? Doch die Hand, die ihm entgegengestreckt wurde, war sehr einladend. Und an der Szene, die er eben noch als Beobachter bewundert hatte, teilhaben zu können, das war ein Angebot, das er unmöglich ausschlagen konnte. Er griff die Hand und ließ sich zu Nico ziehen, dann fand er seinen Platz neben Andreas. Der warme Körper zog ihn wieder wie magisch an, und schon hatte er sich an Andreas' Seite gekuschelt, hielt aber noch immer Nico' Hand. Dieser lächelte ihn fast ein wenig verschwörerisch an, beugte sich vor und rieb seine Nase über Jonas'. Jonas wiederholte die Geste, dann sah er zu Andreas hinunter. Langsam, um ihn nicht zu verschrecken, nährte sich seine Hand Andreas' Brust und strich über den Pullover. Er fühlte Andreas' Wärme an seinem ganzen Körper, und er fühlte, wie die Wärme immer tiefer ging, Stellen erreichte, die seit Jahren ausgekühlt waren. Andreas konnte seit Minuten wieder ernsthaft überlegen, was er hier tat und das, was jetzt Nico machte, versetzte ihn in mittlere Panik. Er war gerade dabei, es mit einem Mann zu treiben... ... oder noch schlimmer, mit ZWEI Männern. Jonas und Nico hatten beide einen nicht wirklich vertrauenerweckenden Glanz in den Augen, und Nicos Hand war immer noch irgendwo unter Andreas' Pullover und wanderte weiter... Und zu allem Überfluss beugte sich Jonas jetzt zu ihm hinunter. So aus der Nähe betrachtet sah er nicht mehr so sicher aus, doch er schien all seinen Mut zusammenzunehmen, und schließlich berührten sich ihre Lippen. Ganz anders als Nicos schmeckten sie, anders, aber nicht schlechter. Andreas glaubte sich in einem Traum. Einen der ausgefallensten, die ihm je in den Sinn kamen. Wenn er tatsächlich von einem Dreier mit Jonas und Nico träumte, dann stand es schlimm um ihn. Trotzdem erwiderte er Jonas' zaghafteren Kuss, der zu fragen schien, ob er überhaupt durfte, was er ohne zu fragen sowieso schon tat. Wieder schoss es Andreas durch den Kopf: Verrückt!!! Es wurde wirklich Zeit, dass er dem Treiben Einhalt gebot, ansonsten konnte alles passieren. Doch er stoppte Jonas nicht, der ihn nun sanft und vorsichtig küßte, ganz so, wie er es mehr oder weniger gerade erst von Nico gelernt hatte. Andreas fühlte die Hand seines Küssers in seinem Nacken, und zugleich strich eine weitere Hand über seinen Bauch. Doch da blieb sie leider nicht, sondern wanderte weiter. Sanfte Finger malten Kreise, neckten und kitzelten fast, während Nico so unschuldig guckte, als ob er damit überhaupt nichts zu tun hatte. Andreas stöhnte und im selben Moment hätte er nur zu gerne auf seine Zunge gebissen. Doch Jonas nahm die Gelegenheit wahr und haschte durch die geöffneten Lippen nach ihr. Andreas wurde heiß. Das hier ging eindeutig zu weit. Panisch wollte er sich gegen Jonas wehren, dabei auch Nico von sich stoßen, doch er kam nicht dazu. Nico strich ihm über seine Hand, die er gegen diesen gestemmt hatte und hielt die auf, die er gegen Jonas einsetzen wollte. Und wenn Andreas die Augen offen gehabt hätte, hätter er Nicos geradezu diabolisches Grinsen sehen können, bevor dieser die Fingerspitzen der eingefangenen Hände küsste. Diese Berührung schien durch seinen ganzen Körper zu gehen. Ein Kitzeln und Ziehen, dass die Haut sich kräuselte, durch die angespannten Muskeln jagte und Andreas den Atem nahm. Doch diese schuldete er auch Jonas' Gründlichkeit, der langsam eine Kunstfertigkeit entwickelte, was das Küssen anbelangte. Doch die letzten Geheimnisse schien Jonas noch für sich behalten zu wollen, denn allmählich wurde der Kuss weniger fordernd, sanfter, beinahe ein wenig träge. Die Finger, die ihn eben noch erregend gestreichelt hatten, legten sich weich auf seinen Bauch, und Jonas rutschte ein wenig näher. Auch Nico entging Jonas' nahtloser Übergang von... Vorspiel zum Kuscheln nicht. Ja, das war vielleicht besser so; man sollte Andreas noch nicht überfordern. Kurzentschlossen gab Nico Andreas' Hände frei und kuschelte sich neben ihn . Fast faszniert betrachtete er sich diesen. Vollkommen außer Atem, hocherregt lag er zwischen ihnen beiden. Ein Unterschied zu der völligen Zurückhaltung. Andreas schlug die Augen auf und sah sich einmal nach links und dann nach rechts um. Nicos Blick sagte ihm, dass es vorerst vorüber war und er gerade handfesteren Tatsachen entkommen war. War sich Nico eigentlich sicher darüber, dass er nicht schwul war? Oder Jonas? ... und er, fügte er etwas kleinlauter hinzu, denn dieses kleine Zwischenspiel hatte deutliche Spuren hinterlassen, wie er feststellen musste. Auch Jonas überlegte in diesem Moment, was dieses kleine Intermezzo für ihn bedeutete. War er jetzt doch schwul? Andreas hatte so etwas ja schon vermutet, hatte er am Ende recht? Und was bedeutet es für Jonas? Wenn er so nette Freunde wie Nico und Andreas hatte, dann war es kein Problem, beschloß er und legte sich näher an Andreas. Ihn zu küssen und zu streicheln war schön gewesen, aber hier mit ihm - und mit Nico zu liegen, war auch nicht schlecht. Er hauchte einen Kuß auf Andreas' Wange und kuschlte sich an seine Seite. Im Gegensatz zu seinen beiden Freunden machte Nico sich keine Gedanken. Ob schwul oder bi oder sonst irgendetwas... das interessierte ihn nicht mehr. Wichtig war nur, dass er hier war, mit Jonas und Andreas, und dass er beide sehr, sehr gern hatte. Andreas sah wieder die zwei Männer an seiner Seite an. Sie sahen jetzt so aus, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten. "Ich..., ihr..", stotterte er. "Was ist?", fragte Jonas sanft und strich mit der Hand beruhigend über Andreas' Bauch. Dieser empfand das aber nicht im mindesten so. Andreas schluckte. "War es das jetzt?", fragte er. "Du klingst ja fast enttäuscht", ließ Nico sich vernehmen. "Äh, nein!", widersprach Andreas hastig. "Ich glaube, ich sollte mal kurz wohin." Zittrig wollte sich der grünäugige Mann erheben, hatte jedoch erhebliche Schwierigkeiten, nicht mit Jonas und Nico ins Gehege zu geraten. Doch diese ließen ihn sogar bereitwillig gehen und kuschelten sich dann wieder aneinander. Mit weichen Knien stolperte Andreas ins Bad, schmiss fast die Tür hinter sich zu und rutschte am Türblatt wieder hinunter. Was war geschehen? Müde fuhr er sich durch die schwarzen Haare. Es war alles so verwirrend, so widersprüchlich. Nicos Art hatte ihn schlicht überrumpelt. War der nun schwul oder nicht? Andreas schüttelte den Kopf und versuchte die kreisenden Gedanken zu stoppen. Wieder fragte er sich, was nur passiert war. Er hatte sich ankrabbeln lassen, küssen, streicheln und wenn Nico und Jonas nicht aufgehört hätten, wäre er unter ihren Händen gekommen. Andreas biss sich auf die Faust. Das war nicht wahr! War er tatsächlich schwul? Er schüttelte wieder den Kopf. Nein, ganz bestimmt nicht. Dann war er aber bi... Ein wenig irritiert hatte Jonas Andreas nachgesehen. Was war los? Flüchtete er gerade, oder musste er schlicht auf die Toilette? "Ich fürchte, das war ein bisschen viel auf einmal für ihn", murmelte Nico und kraulte einmal mehr durch Jonas' Haare. Jonas kuschelte sich in Nicos Armbeuge. Wenn er ehrlich war, war es auch für ihn etwas viel. Er schloss die Augen und sog den beruhigen Duft ein, der von Nico ausging. Die weichen Finger an seinem Hinterkopf taten ihr übriges, um ihn zu beruhigen. Jonas legte jetzt auch einen Arm um seinen Freund. Ob dieser wohl auch gerade nachdachte, was eben passiert war? Jonas hatte den Eindruck, dass es auch für Nico alles andere als normal war, was eben passiert war. Doch Nico schwieg, und Jonas erfuhr nicht, woran er dachte. Ein paar Minuten verstrichen, ohne dass Andreas zurückkam. Schließlich sah Nico Jonas fragend an. Der verstand gleich, was sein Freund von ihm wollte. "Was meinst du," fragte er leise, "sollen wir mal hingehen?" Er wollte sich nicht von Nico trennen, wollte nicht aufstehen und das warme Bett verlassen. Doch er erinnerte sich nur zu gut daran, wie er vor nicht allzu langer Zeit selbst in diesem Bad gesessen hatte, und wie Nico und Andreas ihn da rausgeholt hatten. Widerwillig löste er sich von Nico und setzte sich auf. "Ich guck mal," bot er an und stand auf. Zunächst mutig, dann aber von Schritt zu Schritt unsicherer ging er in Richtung Bad. Glücklicherweise war es nicht weit, sonst hätte ihn seine Courage am Ende ganz verlassen. Doch so klopfte er schließlich an die Tür zum Bad. "Andreas?" fragte er. "Ja?", fragte er für seinen Geschmack aber zu zaghaft. Doch mehr bekam er nicht über die Lippen. "Lässt... lässt du mich rein?" Jonas fühlte sich mindestens ebenso unsicher, wie Andreas eben geklungen hatte, doch er hatte sich vorgenommen, das hier durchzuziehen. Es rumpelte etwas hinter der Tür und hörte sich so an, als ob sich Andreas vom Boden erhob. Mit einem leisen Klick öffnete sich die Tür. Seine Unsicherheit unterdrückend trat Jonas ein, schloß die Tür wieder hinter sich und lehnte sich mit dem Rücken an die Tür. Den ersten Schritt hatte er geschafft. Andreas sah ihn unsicher an und machte den Eindruck, dass er sich sehr viel lieber woanders befinden würde. "Komm zurück ins Bett," forderte Jonas ihn dann auch auf. "Wir werden dich auch nicht... anfassen, wenn du das nicht willst. Aber du gehörst ins Bett." Bittend sah Jonas ihn an. "So ist es nicht, aber..." Andreas machte einen betretenen Eindruck. "Es ist irgendwie, wie soll ich es sagen..." Andreas setzte sich auf den Klodeckel und sah zu Jonas auf. "Es ist nicht einfach", meinte er dann nur. Jonas verstand schon, was Andreas meinte. Was sollte er darauf antworten? "Weißt du.." fing er an, doch dann kamen die Worte wie von alleine. "Dir hat es doch gefallen, oder?" Jonas stieß sich von der Wand ab und setzte sich auf den kleinen Vorleger vor der Toilette. Er sah zu Andreas auf. "Willst du so etwas ablehnen, nur weil es nicht normal ist, weil es den gesellschaftlichen Normen nicht entspricht? Ich weiß, ich hab gut reden, ich bin eh nicht normal und entspreche keinen Normen... aber willst du deswegen auf etwas verzichten, was dir gefällt, wobei du dich wohl fühlst?" "Normen?", Andreas sah Jonas verwirrt an. "Nein, an Normen habe ich nicht gedacht. Eher, dass ich anscheinend etwas nicht kenne, von dem ich geglaubt habe, dass es mich nichts angeht." Genau das war es... Er hatte nie so darüber gedacht. Nie daran gedacht, dass es ihn selbst betreffen würde. "Und ist es so schlimm, wenns dich jetzt doch was angeht?" fragte Jonas und biß sich dann auf die Zunge. Sicher war er jetzt zu weit gegangen. "Ich weiß nicht." Der Schwarzhaarige breitete dramatisch seine Arme aus. "Kann ja auch sein, dass ich einfach noch und immer wieder völlig meschugge bin von den Medikamenten. Es ist nur, wenn ihr nicht aufgehört hättet, dann weiß ich nicht, was passiert wäre." Jonas konnte sich schon vorstellen, was dann passiert wäre. Jetzt erst wurde ihm klar, was genau er da gemacht hatte. Doch eigentlich war es nicht unangenehm gewesen. Er blickte etwas verschämt nach unten, doch dann sah er Andreas wieder an. "Und wenn es nun nicht an den Medikamenten liegt?" Hoffentlich war er nicht zu weit gegangen! Doch er hatte das Gefühl, dass Andreas ihm diese Frage nicht übelnehmen würde. Er behielt recht, Andreas grinste. "Dann bin ich wohl verloren für die schöne Frauenwelt", flachste er. "Naja, zumindest würde sie mich dann teilen müssen." Jonas lächelte unsicher. Andreas erwiderte es. "Danke", flüsterte er. "Ich denke, wir sollten wieder rausgehen. Ich habe schon zu lange das Klo besetzt und wer weiß, wie lang die Schlange geworden ist." Wieder einmal wurde Jonas rot und sah zu Boden, während er aufstand. Er öffnete die Tür und ging vor in Richtung von Andreas' Zimmer - und seinem Bett. Nico, der geduldig gewartet hatte, blickte Jonas und Andreas nun fragend an. Jonas lächelte etwas unsicher, dann nickte er auf die unausgesprochene Frage, ob alles in Ordnung sei. Er schloss die Tür hinter Andreas und setzte sich neben ihm auf die Matratze. "Alle Klarheiten beseitigt?", konnte Nico sich mit einem Blick auf Andreas die Frage nicht verkneifen. Doch weder Spott noch Neckerei lagen in seinem Tonfall. Dann klopfte er demonstrativ auf das Bett neben sich. Andreas zögerte, doch dann ließ er sich fallen. Ein scheeler Blick wurde Nico jedoch trotzdem noch zugeworfen. Doch dieser quittierte ihn nur mit einem Lächeln. Auch Jonas ließ sich wieder auf die Matratze sinken. Aus irgendeinem Grund suchte seine Hand nach Nico und fand schließlich die weichen Finger des anderen. "Wir haben geredet, ja." Nico schloss seine Hand um Jonas und zwinkerte diesem dann zu. "Ok, das heißt, um der Statistik willen müsste ich mich auch noch mal im Badezimmer verkriechen, oder? Jetzt oder lieber später?", flachste er und warf Andreas einen fast entschuldigenden Blick zu. "Also, das Bad ist frei", meinte Andreas ähnlich unschuldig. Nico lehnte sich zurück und lächelte zufrieden. "Ne, ich verschiebe das. Ist zu nett hier mit euch..." "Wie du meinst." Andreas grinste in sich hinein. ***