Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 17 Autor: Neko, Seya, Silberchen E-Mail: sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** "Ach ja, die Medikamente", erinnerte sich Andreas schwach. Eigentlich hatte er sie vergessen wollen. Trotzdem richtete er sich gehorsam auf, um das Glas und die Tabletten abzunehmen. Er seufzte stumm und stürzte dann beides schnell hinter. Dankbar gab er das leere Glas Nico zurück und rollte sich dann auch gleich wieder zusammen. "Eine Stunde", murmelte er und war daraufhin fast sofort eingeschlafen. Nico betrachtete Andreas' Gesicht noch eine Weile; wenn er schlief, sah der junge Mann ganz anders aus, viel jünger und... verletzlicher. Dann drehte er sich zu Jonas um und blickte diesen fragend an. "Lassen wir ihn schlafen," flüsterte der und rutschte wieder neben Nico. Nico nickte. Andreas hatte etwas Ruhe bitter nötig. Kurzentschlossen legte Nico Jonas wieder einen Arm um die Schultern. Für einen winzigen Moment stockte Jonas, dann entspannte er sich wieder und lehnte sich an Nico an. Wie hatte er so lange leben können, ohne einen Menschen zum Anlehnen gehabt zu haben? Einen Freund, der ihn noch nicht einmal verstieß, nachdem er wusste, wer Jonas war? "Danke," flüsterte er noch einmal, doch ihm war klar, dass dieses kleine Wort nicht das ausdrücken konnte, was er fühlte - eine unendliche Erleichterung, nicht mehr alleine auf der Welt zu sein. "Hey, kein Problem", wisperte Nico ebenso leise zurück. Es war wirklich schön, Jonas so im Arm zu halten... Vorsichtig hob er eine Hand und strich damit ganz sanft durch Jonas' Haare. Jonas lehnte sich noch etwas näher an Nico an. Er konnte es noch immer kaum glauben, wie schön es war, von einem anderen Menschen gehalten zu werden, und schon gar nicht, dass ein anderer Mensch dazu bereit war. Er fühlte die weichen Hände über seinen Pulli streicheln, und irgendwann traute er sich auch, diese Geste nachzuahmen. Und er war überrascht, wie schön es war, wie angenehm, Nico zu umarmen und zu halten. Nico war zuerst ein wenig überrascht, dass Jonas seine vorsichtigen Versuche erwiderte - er hatte fest damit gerechnet, dass der so schüchterne junge Mann zurückzucken würde. Aber nichts dergleichen. So federleicht und scheu fühlte Nico Jonas' Berührung, dass er unwillkürlich an ein verschrecktes Tierchen denken musste, das sich nun endlich traute, seine Pfötchen tastend auszustrecken. Nico konnte nicht sagen warum, aber irgendwie kam es ihm so vor, als hätte er gerade an etwas sehr Seltenem, Außergewöhnlichen teil. Hätte Jonas die Gedanken seines Freundes gehört, so hätte er ihm zustimmen müssen. Es war in der Tat etwas Außergewöhnliches - nicht nur, dass Jonas bisher selten jemanden gehabt hatte, der ihn umarmt hätte, auch hätte er sich dabei niemals so wohlfühlen können wie bei Nico. Was war das? Nico hingegen fragte sich schon lange nicht mehr, warum es sich in seinem Inneren so warm anfühlte. Warum er so etwas nie zuvor wirklich gefühlt hatte, weder bei Mädchen, noch bei anderen Jungs. Nur in Jonas' und Andreas' Gegenwart. Machte ihn das jetzt wirklich zu einem Schwulen? Oder eher zu einem Jonas- beziehungsweise Andreasphilen? Dieser Gedanke war so albern, dass er beinahe gekichert hätte; außerdem waren Jonas' Hände seinen Rippen gefährlich nahe gekommen. Doch davon ahnte Jonas gar nichts, als er wieder und wieder über den Rücken seines Freundes strich. War es das, was seine Eltern ihm verweigert hatten? Diese Wärme, diese Geborgenheit, die er bis jetzt nie erlebt hatte? Nun musste Nico wirklich kichern. Auf Jonas' konsternierten Blick hin flüsterte er ihm ins Ohr: "Sorry, ich bin nur schrecklich kitzelig!" Das klang aber nicht so, als würde er Jonas damit affordern, aufzuhören. Doch dieser zögerte dennoch einen Moment und sah Nico dann fragend an. "Darf ich?", murmelte er unsicher, doch dann wanderten seine Finger wieder in Nicos Seiten, wo sie nicht mehr so zart, sondern eher... fies-kitzelig über seinen Körper fuhren. Nico hätte beinahe laut aufgequietscht, wenn er nicht im letzten Moment die Hand vor den Mund gehalten hätte; er wollte Andreas um keinen Preis wecken. Doch Jonas' Gesichtsausdruck war jede Tortur wert. Auch Jonas mußte ein herzliches Auflachen unterdrücken, um den Schlafenden nicht zu stören. Doch Nico zu kitzeln war eine tolle Sache, und solange dieser ihn nicht davon abhielt, würde er nur zu gerne damit weitermachen. Doch schon bald lag Nico keuchend unter ihm und winkte ab. Vor unterdrücktem Lachen ebenso außer Atem, ließ Jonas sich einfach neben ihn fallen und legte seinen Kopf auf die Brust seines Freundes. Langsam kam Nico wieder zu Atem; wer hätte gedacht, dass Jonas, lieb und unschuldig, wie er war, solch eine sadistische Ader barg? Grinsend legte Nico ihm erneut einen Arm um die Schultern und zog ihn noch ein wenig dichter an sich. Ein paar weiche Haarsträhnen streichelten Nicos Wange. Es war wirklich sehr, sehr angenehm, so zu liegen, den Atem seines Freundes zu fühlen, seine Wärme und diese Geborgenheit. Wenn das doch bloß nie zuende gehen würde! Jonas merkte, wie ihm tatsächlich die Augen zufallen wollten, und sanft legte er einen Arm um seinen Freund. "Schön," murmelte er. Aber Nico hörte ihn nicht mehr. Kaum merklich war sein Bewusstsein ins Land der Träume abgeglitten. Müde schlug Jonas die Augen auf und blickte sich um. Im ersten Moment war ihm nicht klar, warum er hier lag, wer neben ihm lag, und wo vor allem er hier war. Doch der warme Körper neben ihm machte ihm schnell klar, was hier los war. Müde sah er Nico an, der an ihn gekuschelt tief und fest schlief, dann sah er sich um und erblickte Andreas, der seinerseits sein Kissen umarmt hatte und ebenfalls schlief. Im Schlaf schienen sie ein wenig in Richtung Fußende gerutscht zu sein, so dass Andreas nun fast neben Jonas lag. Jonas konnte später nicht sagen, was ihn dazu gebracht hatte, doch er streckte nun einen Arm aus und schob sich ein wenig näher an Andreas heran, ohne jedoch den Kontakt zu Nico zu verlieren. Dieser schien nur darauf gewartet zu haben und schob sich näher an die Quelle, die ihm Wärme versprach. Ihm war heiß, gleichzeitig fror er ein wenig. Leise seufzte er. Kaum bekam Jonas das Seufzen mit, und auch, das sich der Freund ihm näherte, registrierte er kaum. Dennoch stahl sich ein weiches Lächeln auf seine Lippen, und wenn einer seiner Freunde das gesehen hätten, wäre ihnen klar gewesen, wie glücklich sich Jonas gerade fühlte. ~+~ Mit einem leisen Gähnen erwachte Nico. Erst blinzelte er ein wenig orientierungslos herum - es war schon dämmrig im Zimmer geworden - dann musste er grinsen. Neben ihm lag Jonas, und neben Jonas... Überraschung, Andreas. Aneinandergekuschelt und tief und fest schlafend. Es war ein unglaublich süßes Bild. Doch lange hielt das Bild nicht an, denn schon bald bewegte sich Jonas. Zwar kuschelte er sich zunächst noch etwas näher an Andreas an, doch wachte er dabei auf und öffnete die Augen. Verschlafen sah er sich um und blickte Nico direkt an. Dieser grinste ihn an. "Morgen", flüsterte er. "Was?" keuchte Jonas erschrocken auf, "ist es schon Morgen? Ich meine, heute? Ich meine..." So ganz wach war er anscheinend noch nicht, denn sonst wäre ihm Andreas' Wecker aufgefallen, der brav 17:29 anzeigte. Nico musste einen Lachanfall unterdrücken, als er Jonas' entsetztes Gesicht sah. Dann stupste er ihm mit dem Finger leicht auf die Nase. "Scherz", grinste er und zeigte zur Uhr. Spontan streckte Jonas dem anderen, munteren die Zunge heraus, hätte sie sich im nächsten Moment jedoch am liebsten wieder abgebissen. Wie hatte er so etwas nur wagen können?!? Doch das breite Grinsen auf dem Gesicht seines Gegenüber wurde nicht böse oder sauer, sondern eher noch etwas breiter - sollte er einmal etwas Richtiges getan haben? Es war unglaublich, wie sich Jonas' Gesichtsausdruck verändert hatte; der schüchternen Jungen war einem verschmitzten jungen Mann gewichen, der mit seinen zerzausten Haaren und den vom Schlaf roten Wangen irgendwie... sexy aussah. Und diese kleine rosa Zunge schien geradezu eine Einladung zu sein... Ehe Nico noch recht begriff, was er tat, hatte er sich zu Jonas hinüber gebeugt und ihn geküsst. Nur einen winzigen Moment dauerte die Berührung, und doch hinterließ sie einen aufgeregten Schmetterlingsschwarm in Jonas' Magen. Wie konnten Berührungen so unterschiedliche Gefühlte auslösen? Umarmt werden, geküßt werden, aneinandergekuschelt liegen... Doch weiter überlegte er nicht, denn wie von selbst hatte sein Körper sich nach vorne gelehnt, und wieder berührten seine Lippen die Nicos. Nico glaubte im ersten Moment, er träumte, doch dann begriff er, dass er hellwach war - und Jonas ihn tatsächlich zurückküsste! Kein Panikanfall, kein Wutausbruch, nichts.... nur die weiche, unendlich zärtliche Berührung. Und Jonas genoss diese Berührung, mehr, als er sonst irgendetwas in seinem Leben genossen hatte. Ohne es zu wollen, hatte er seine Hand gehoben und Nico sanft in den Nacken gelegt. Als sich ihre Lippen für einen kurzen Augenblick voneinander lösten, sah Jonas seinen Freund doch ein klein wenig unsicher an. Doch Nico schenkte ihm ein unbesorgtes Lächeln und strich sanft ein paar Haarsträhnen aus Jonas' Stirn, bevor er ihn erneut küsste, diesmal ein wenig intensiver. Jonas fühlte eine vorwitzige Zunge an seine Lippen stoßen und so, als hätte er in seinem Leben nichts anderes getan, öffnete sich leicht sein Mund und ließ den Besucher hinein. Mit einer Hand kraulte er sanft Nicos Nacken, die andere lag inzwsichen auf der Schulter des anderen. Jonas hatte das unbestimmte Gefühl, sich festhalten zu müssen, um nicht abzuheben. Andreas seufzte leise im Halbschlaf. Etwas schien zu passieren, es war leise und doch schien es alles um ihn herum miteinzubeziehen. Er drehte sich auf den Rücken und schlug mit einem tiefen Atemzug die Augen auf. Was er sah, passte nicht in sein Konzept von dem, was er hätte sehen müssen. Doch langsam schlich sich ein unauslöschlich scheinendes Lächeln auf sein Gesicht. "Na, endlich", wisperte er. Auch Nico zog Jonas näher an sich und strich durch die weichen, kurzen Haare am Nacken. Wie war er nur auf die Idee gekommen, er hätte jemals jemanden wirklich geküsst? Schale Erinnerungen an diverse Mädchen verblassten zu Nichts angesichts dieser wunderschönen, zarten und doch immer inniger werdenden Berührung. Jonas schien sich dem Kuss vollkommen hinzugeben, nichts zurückzuhalten, als hinge sein Leben davon ab; Nico war auf unerklärliche Weise bis ins Innerste gerührt von dieser Ehrlichkeit. War das etwa, was man... ? Doch Nicos wirrer Gedankenstrom verlief sich im Nichts. Unbewusst rückte Jonas noch ein wenig näher an seinen Freund und schob eine Hand hinter dessen Rücken. Wie wundervoll fühlte sich dieser Körper in seinen Armen an, wie schön war es, seine Lippen so intensiv und liebevoll zu fühlen, wie geborgen konnte er sich in diesem Bett bei diesem Menschen fühlen! Andreas räusperte sich leise. "Darf ich auch? Sieht gut aus!" DerKommentar war nun unüberhörbar. Nico hielt Jonas fest, der offensichtlich gerade drauf und dran war, zu türmen, und strich ihm beruhigend übers Haar. Dann grinste über dessen Schulter Andreas an und erwiderte: "Bitte hinten anstellen. Aber es ist genug für alle da." Jetzt wurde Andreas rot. Etwas verlegen lachte er. "Nein, macht mal weiter. Ich kann warten." Die weiche Hand in seinem Nacken hatte Jonas wirklich etwas beruhigt, und nun sah er sich ebenfalls zu Andreas um. Tatsächlich, Andreas' Wangen hatten sich verfärbt. Diese Reaktion ließ Jonas lächeln, ging es also nicht nur ihm so, dass ihm ständig Sachen peinlich waren. Aber Nicos Spruch war ja auch peinlich! Er kuschelte sich ein wenig an seinen Freund an und blickte abwartend auf Andreas. Würde er Nico jetzt tatsächlich ebenfalls küssen wollen? Ein paar Sekunden peinlichen Schweigens verstrichen, dann lächelte Nico verschmitzt und irgendwie - zweideutig. "Macht das mal unter euch aus", erklärte er und strich weiterhin durch Jonas' Haare, während er Andreas nicht aus den Augen ließ. "Was meinst du?", stellte sich Andreas dümmer, um ganz sicher zu gehen, jetzt richtig verstanden zu haben. "Na, wie ich sagte, einigt ihr euch, es ist genug für alle da", wiederholte Nico und lehnte sich zurück, Jonas jedoch nicht ganz loslassend. "Wer ist euch und was ist genug da?", murmelte Jonas. "Euch sind Andreas und du", erwiderte er, grinste und beschloss, seine Worte etwas anderes zu interpretieren, "und es ist genug Knuddelbedürfnis da! Andreas?" Dann drückte Nico Jonas fest an sich. "ich habe doch recht, oder?" "Äh, ja." Andreas wurde genauso rot wie Jonas. "Vielleicht sollte ich woanders hingehen", murmelte er verwirrt. Auf diese Aufforderung konnte Jonas nur in einer Art und Weise reagieren - er kuschelte sich enger an Nico und schmiegte sein Gesicht an dessen Schulter. Er fühlte sich einfach wundervoll, gehalten, geborgen. Und diesen Menschen hatte er eben geküßt, und es war Wahnsinn gewesen. "Äh, ja." Andreas sah Jonas an, der sich mehr und mehr wohler zu fühlen schien. "Vielleicht sollte ich wirklich woanders hingehen", murmelte der Barkeeper verwirrt," wiederholte Andreas. "Nein, du bleibst hier." Nicos normalerweise so gelassene Stimme klang erstaunlicherweise so, als dulde er keinen Unsinn mehr. "Was ich eben sagte, war ernst gemeint, Andreas. Und wenn du jetzt schon wieder wegrennst, ist keinem gedient, klar?" Ein wenig verwirrt sah Jonas auf. Was meinte Nico, was würde passieren, wenn Andreas wegging? Oder vielmehr, was würde passieren, wenn er blieb? Vorsichtig drehte er sich in Nicos Armen und sah Andreas interessiert an. "Wie? Was meinst du?" Der so Gescholtene sah einfach nur von Nico zu Jonas, als erhoffte er sich von ihm eine Antwort. Nico seufzte ungeduldig. "Du hast mich schon verstanden, Andreas: ich sagte, ich will nicht, dass du gehst. Ich will, dass du hier bleibst. Mit allem, was daraus folgt." Mit allem, was daraus folgte? Was meinte Nico damit? Was sollte daraus... Was folgte daraus, wenn Andreas blieb? Er und Nico hatten sich gerade... "Aber ihr habt euch verliebt. Da störe ich nur", unterbrach Andreas diesen Gedanken. Sie hatten sich verliebt? Jonas sah irritiert auf. Hatte Andreas damit recht? Nico und er hatten sich geküsst, und er fühlte sich einfach wohl in der Nähe des anderen. Doch ebenso fühlte er sich mit Andreas wohl... war das Liebe? "Komm bitte her," forderte er Andreas unsicher und kaum hörbar auf. Er wollte einfach nicht, dass dieser sich ausgeschlossen fühlte, dafür mochte er auch Andreas viel zu gerne. Der schaute ihn an, als hätte er eine unmöglich Forderung gestellt. Wie sollte er das machen? Er konnte sich doch nicht einfach dazwischen drängen. "Nein, kein Problem. Ihr müsst kein schlechtes Gewissen wegen mir haben", wehrte Andreas ab, auch wenn es ihm schwer fiel. Wieso sollten sie ein schlechtes Gewissen haben? Weil sie Andreas ausschlossen? "Ich sag das nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen habe," murmelte Jonas unsicher und sah Andreas an. "Ich... es würde etwas fehlen, wenn du nicht hier wärst." "Aber ich bin..", Andreas sah jetzt wieder zu Nico. "Aber ihr seid eindeutig verliebt und ich bin nur das dritte Rad am Wagen." "Bist du nicht," platzte es aus Jonas heraus, der gleich darauf wieder einmal rot wurde. Aber er hatte es ernst gemeint... Jeder andere würde sie stören, doch Andreas nicht... Andreas... "Du gehört doch dazu!" Seid wann gehörte er dazu? Und zu was eigentlich? Zu einer Liebesbeziehung? Andreas war sich ganz sicher, dass das Gehirn der zwei erheblichen Liebesschaden genommen hatte. Er lächelte und wirkte damit ein wenig nachsichtig. Seine Verwirrung über diese Eröffnung überspielte er damit perfekt. "Nein, lasst mal. Ihr seid euch wirklich genug. Das werdet ihr schon merken. Ich werde mich mal dann ums Essen kümmern und ihr könnt noch ein wenig küssen üben, oder wie immer ihr euer Schnäbeln nennen wollt." "Bleib hier," bat Jonas erneut und sah Andreas offen an. "Ich weiß nicht, was hier passiert... aber..." Hilfesuchend sah er sich zu Nico um, dessen Wärme und Nähe er schon jetzt vermisste. Doch der schien ihm nicht helfen zu können. "Ich fühlte mich einfach wohl hier, mit Nico - und mit dir. Ich möchte einfach nicht, dass du gehst. Ich weiß nicht, ob das Liebe ist... aber ich mag Nico - und dich mag ich auch..." Jonas wusste nicht, was er sonst noch sagen wollte, doch er merkte, dass Andreas fehlen würde, wenn er jetzt aufstände. Er fehlte schon, indem er abseits der beiden anderen saß. Jonas sah jetzt die Verwirrung, die Andreas noch vor einer Sekunde verborgen halten wollte. "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Ich meine, ich..." Andreas fuhr sich durch die schwarzen Haare. Irgendetwas lief hier gewaltig schief und er wusste nicht genau was. Gut, hier gestand ihm ein Mann, nun Jonas war noch in mancher Hinsicht mehr ein Junge, weniger ein Mann, seine Gefühle für ihn. Wie Andreas schon festgestellt hatte, befremdete es ihn nicht sonderlich, dass die zwei sich jetzt in seinem Bett küssten. Doch er sollte auch noch der dritte im Bund sein? "Aber das geht doch nicht", rief er mit gebrochen heiserer Stimme, weil für einen Moment die Luft einen falschen Weg nahm. "Warum nicht?", warf nun auch Nico ein und blickte Andreas an, "ich meine, was ist so schlimm daran, wenn man sich mag, hm?" "Ja, warum soll das nicht gehen?" Jonas sah Andreas beinahe verständnislos an. Sicher, es war ungewöhnlich, aber bis jetzt war doch alles in seinem Leben ungewöhnlich gewesen. Und hier... "Ich fühle mich gut bei euch..." Ja, das stimmte, er fühlte sich wohl, und wie lange war es her, dass er keine Angst, kaum Bedenken hatte, wenn er mit anderen Menschen zusammen war? "Du gehörst dazu," versuchte er es noch einmal, Andreas dazu zu bewegen, näher an sie zu rücken. Er wollte Andreas nicht ausschließen, und irgendwie... "wenn du weggehst, fehlt was." "Ihr seid verrückt", bescheinigte Andreas ohne mit der Wimper zu zucken, aber mit offenem Erstaunen. "Kann sein", erwiderte Nico und lächelte. Kurzerhand stand er auf, um sich zwischen Jonas und Andreas zu setzen; letzterem ließ er keine Zeit, von ihm wegzurücken. "Aber es ist ein schönes Gefühl ...", murmelte er und beugte sich zu Andreas vor, bereit, jederzeit zurückzuweichen. Ob er erstaunt sein sollte, wusste er nicht, denn Andreas rückte seinerseits nicht zurück. Nur sein Adamsapfel hüpfte. "Heißt das jetzt, ich soll dich küssen?", wisperte er tonlos. Nicos Augen blitzten verschmitzt. "Brauchst du eine schriftliche Einladung? Oder willst du nicht? Dann wäre ich aber sehr beleidigt..." Jetzt wurde Andreas eindeutig heiß und kalt. Okay, er war in letzter Zeit sehr oft allein gewesen. Die anderen beiden anscheinend auch. Hieß das jetzt, sie schlossen sich zu einer schwulen Community zusammen? Andreas war sich sicher, dass er in einem Traum gelandet war. Nico und Jonas sahen ihn auffordernd und ... liebevoll... an? Andreas fühlte sich schwach. Das hier überforderte ihn eindeutig. "Hey, das ist ein Scherz, oder?", kickste er verzweifelt, "das ist nicht normal, oder? Es ist schön und ich mag euch. Sogar sehr. Aber..." Es ist doch nur ein Kuss und dann ist Ruhe, schienen Nicos Augen zu sagen, während sich in den von Jonas Enttäuschung breit machte. Andreas fasste sich ein Herz. Fast fixierte er Nicos Lippen. Okay, nur küssen... Fast glitt Andreas auf den Lippen von Nico aus. Hastig und fast erschrocken trennte er sich wieder von Nico. "Entschuldige." Eilig wollte er sich erheben, doch die Koordination seiner Gliedmaßen funktionierte nicht wirklich, so das er wieder zurückkullerte. Was war das jetzt? Ein Kuss? Oder doch nicht? Doch Nico überlegte nicht weiter, sondern zog Andreas zu sich, der irgendwie direkt neben ihm geladet war. Vorsichtig strich er dem anderen über den Rücken und lächelte ihn an. Andreas schien es nicht wohl in seiner Haut, das merkte selbst Jonas, doch er wollte ihm keine Chance geben, das hier abzubrechen. Er hatte das Gefühl, dass sie alle drei es bedauern würden. Langsam und beruhigend strich Jonas' Hand über den breiten Rücken, und irgendwann fing er leise an zu sprechen. "Ich... ich finde es schön hier. Mit Euch. Ich habe mich noch nie wo wohl gefühlt wie mit euch. Ich... ich fände es schön..." doch das, was er sich wünschte, das traute er sich nun doch nicht auszusprechen. Hoffentlich interpretierten die beiden anderen den letzten Satz nicht so, wie er gemeint war. Andreas unterdrückte einen Schauer, aber nicht aufgrund von Ekel. Es war anders. Seltsam, vertraut und beruhigend. "Was meinst du?", fragte er atemlos und richtete sich ein wenig mehr auf, um wieder eine bequemere Haltung einzunehmen. Jetzt war die Wand hinter ihm und seiner Seite saßen Jonas und Nico, die wirklich darauf zu beharren schienen, ihn in ihrer Mitte haben zu wollen. Letzterer rückte auch wieder ein wenig näher an Andreas heran. Dann blickte er Jonas an. "Es wäre schön, wenn es immer so wäre, nicht?", beendete er dessen Satz und lächelte. "Ja," flüsterte Jonas, "das wäre schön..." Für einen Moment flackerte ein Bild vor seinen Augen auf, Er selbst mit diesen beiden Männern, nicht mehr alleine sein, zwei Freunde zu haben... Doch er verbot sich diesen Gedanken, es wäre zu schön um wahr zu sein. Doch man sollte den Augenblick nutzen, beschloß er und kuschelte sich ein wenig an Nico an. Noch immer verwirrt, fing dieser ihn auf und hielt ihn fest. "Ihr seid verrückt", bescheinigte er ihnen ungefragt, aber ein schiefes Grinsen relativierte alles und schien damit auch ihn einzuschließen. "Du wiederholst dich", erwiderte Nico und lehnte sich an Andreas an, "und dabei bist du genauso verrückt, gib es zu!" Unbewusst kuschelte sich Jonas an Andreas an. "Sind wir verrückt? Weil wir uns mögen?" stellte Jonas die Frage, die ihn jetzt beschäftigte. "Verrückt sind andere - wir... wir sind nur gerne zusammen, das ist nicht verrückt." Er reichte mit einer Hand zu Andreas' Wange und strich sanft darüber. "Oder... vielleicht sind wir doch verrückt, aber dann bin ichs gerne." "Nein, ich bin verrückt, weil ich euch nicht Vernunft einprügle oder mich zumindest aus dem Staub mache." Probehalber strich Andreas Jonas durchs Haar. "Und du hast eindeutig eine Macke. Aber du bist lieb und niemand, der Angst haben sollte." Andreas schien es wieder gut zu gehen, da er zu seiner direkten Art zurückkehrte. Er sah Nico an, der abzuwarten schien, was nun genau passierte. "Unser Andreas, charmant wie immer", kommentierte Nico grinsend und piekste Andreas spielerisch in die Seite, "und was bin ich?" "Genauso verrückt", war die trockene Antwort. "Tja, aber es braucht einen Verrückten, um andere Verrückte zu erkennen", konterte Nico und piekste Andreas noch einmal. Der hielt sich die Seite. "Ach ja?", meinte er nur und funkelte aus grünen Augen eine Offerte. Nico rückte näher an ihn heran und legte einen Arm um Andreas. "Ja, ganz sicher! Und davon abgesehen..", er grinste schelmisch, "küsst man dann auch besser..." Die gerade wiedergewonnene Sicherheit von Andreas blätterte einfach wieder ab. "Ich..", stotterte er. Sofort zog Nico sich wieder ein wenig zurück und tat beleidigt. "Du magst mich nicht..", maulte er und zog dabei einen Schmollmund wie ein kleines Kind, doch der Schalk in seinen Augen blieb. "Quatsch!", platzte es aus Andreas heraus. Nico blickte ihn mit großen Augen an. "Wirklich?" "Ich..." Fast bemitleidenswert sah der etwas Ältere aus, wie er sich sichtlich wand, um mit der Situation zurechtzukommen. "Ich mag dich, aber..." "Aber was?" Nicos große dunkelblaue Augen ließen Andreas nicht los. "Das hier, ich kann das nicht." "Ich glaube eher, dass du schon mittendrin bist", erwiderte Nico leise, "und nur Angst hast, es zuzugeben. Aber das macht nichts." Ganz, ganz vorsichtig hauchte er einen Kuss auf Andreas' Stirn. Jonas war inzwischen ein wenig von Andreas abgerutscht und sah auf die Bettdecke, die zu ihren Füßen zusammengeknautscht war. Das kleine Wörtchen "verrückt" schwirrte ihm noch im Kopf herum. War er wirklich so verrückt? Woran hatte Andreas das festgemacht? War er wirklich anderes als andere? Andreas hatte schon Recht, er war anders. Er hatte keine Freunde, keine Familie, und sicher verhielt er sich auch anders als normale Menschen. Es grenzte wahrscheinlich schon an ein Wunder, dass er hier nicht schon längst rausgeworfen worden war. Ohne wirklich mitzubekommen, was neben ihm geschah, zog er die Beine an und schlang die Arme um die Knie. Nachdenklich blickte er auf seine Füße. Wieso war sein Leben nicht normal gelaufen, und wieso konnte er nicht normal wie alle anderen sein? "Jonas?" Nicos scharfen Augen war der Zustand des anderen jungen Mannes auf dem Bett natürlich nicht entgangen. In einer eleganten Bewegung wand er sich über Andreas, um wieder zwischen den beiden zu sitzen, und legte seinen Arm um Jonas. Den verwirrten, dann aber besorgten Blick des jungen Barkeepers ignorierte er. Andreas beugte sich dann jedoch an Nico vorbei zu Jonas. "Was ist?", fragte auch er. Unsicher sah Jonas auf - und in zwei besorgte Augenpaare. "Ich... ich glaube, ich bin wirklich nicht normal," brachte er kaum hörbar heraus. "Andreas, du hast recht, ich bin wirklich verrückt. Aber... was soll ich machen?" Mühsam unterdrückte er jegliche Gefühlsregung und blickte wieder nach unten auf die Decke. Nico zog Jonas näher an sich. "Was ist schon normal?", flüsterte er, "wenn es bedeutet, wie alle anderen zu sein, dann ist das kein besonders erstrebenswerter Zustand. Ich habe es auch versucht, glaub mir." Ein ziemlich un-Nico-haftes Seufzen folgte dieser Aussage. "Aber es nützt nichts. Entweder ist man wie alle anderen, oder man ist es nicht. Und dann ist man etwas Besonderes." Etwas Besonderes? Eigentlich hatte Nico recht, überlegte Jonas und lehnte sich an diesen verführerisch warmen Körper an. Vielleicht war es wirklich nicht erstrebenswert, normal zu sein. Und etwas Besonderes zu sein, das klang... schön. "Danke," flüsterte er und legte seinen Arm um Nico. Dabei fühlte er mit den Fingerspitzen einen weiteren warmen Körper, Andreas. Er faßte ihn am Arm, um ihn ebenfalls näherzuziehen. Zu seiner eigenen Verwunderung ließ dieser sich ziehen. Es war ein seltsames Gefühl, aber irgendwie trostspendend, so dass Andreas zwar den Wunsch, aber nicht den Willen hatte, sich zu bewegen. Der ganze Disput hatte ihm mehr Kraft gekostet, als er sich zugestehen wollte. So schloss er mit einem Seufzen die Augen und drängte sich noch ein wenig näher. Vorsichtig schob Nico sich so, dass er Jonas und Andreas beide in den Arm nehmen konnte. Es war ein seltsames Gefühl; er fühlte sich für die beiden in einer Weise verantwortlich, die er nie gekannt hatte. Am liebsten hätte er sie so festgehalten und nie wieder losgelassen, damit ihnen niemand etwas tun konnte. Ein wenig wandte er sich Andreas zu, da dieser sich bewegte. Einen Moment später schlug dieser wieder die Augen auf. "Du kannst ziemlich überzeugend sein", murmelte er, aber nicht wirklich böse. Jonas kuschelte sich eng an die beiden Körper, vergrub sein Gesicht an Nicos Schulter, und einem Impuls folgend küsste er sanft seinen Hals. "Danke," flüsterte er noch einmal und strich mit einer Hand leicht über Nicos Arm. Der andere war irgendwo zwischen Nico und Andreas vergraben. Und wie Nico hatte er den Wunsch, dass dieser Moment nie vergehen würde. Dieser hingegen musste einen leichten Schauer unterdrücken, als er Jonas' weiche Lippen an seinem Hals fühlte. Das war ja nicht zu fassen, wie verändert sich Jonas auf einmal benahm! Und was Andreas betraf... Dieser bekam ein erneutes Lächeln geschenkt. "Hey, für irgendwas muss ich ja gut sein", erwiderte er schlicht. Bei diesen Worten sah Jonas auf. "Du.. du bist..." irgendwie schienen ihm nicht die richtigen Worte zu kommen, doch er wollte Nico irgendwie sagen, was er ihm bedeutete. "Du bist lieb," versuchte er es dann und strich noch einmal mit der Hand über Nicos Arm. Dieser einfache Satz rührte Nico zutiefst. "Danke", flüsterte er und griff nach Jonas' Hand. Andreas schüttelte sacht den Kopf. Soviele Gefühle wie er in den letzten Tagen zu sehen bekommen hatten, trieben ihn wirklich zu den Grenzen seiner Belastbarkeit. Trotzdem wurde sein Lächeln beständiger. "Verrückter Haufen", murmelte er mit einem Seufzen. Ein kurzer vernichtender Blick, dann folgte ein Grinsen. "Kein weiterer Kommentar und nichts ohne meinen Anwalt", flachste Andreas. Nico schwieg nun, aber sein zufriedenes Grinsen sagte alles. Jonas lächelte unsicher. Waren sie sich jetzt einig? Und wenn ja, worüber? Doch er beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken, sondern die momentane Situation einfach zu genießen. Der warme Körper neben ihm gab Sicherheit, die er so nicht kannte, "Ich... ich mag euch beide... sehr," flüsterte er scheu, doch das Lächeln auf seinen Lippen blieb, und er konnte gar nichts anderes tun als sich an ihn weiter anzukuscheln. ***