Die japanische Geisha Im Gegensatz zu heute traten Mädchen früher nicht freiwillig in die Teehäuser ein, um Geishas zu werden, sondern wurden meist von ihren mittellosen Eltern an Menschenhändler verkauft. Sie waren somit von Kind an Leibeigene. Die Zwangsschulden für Unterricht, Instrumente und Garderobe konnte eine Geisha nur begleichen, indem ein vermögender Mann, ein sogenannter Danna, sie freikaufte. Auch heute ist eine Liebesbeziehung zu einer Geisha ähnlich aufwendig. Der Herr muss nicht nur eventuelle Schulden abbezahlen, sondern auch dür Lebensunterhalt und Ausstattung aufkommen. Deshalb ist das Halten einer Geisha-Zweitfrau heutzutage Hobby und Statussymbol für Politiker, Industrielle und Yakuza-Bosse. Es gibt heute noch einige tausende Geishas in Japan, davon ungefähr 300 in Kyoto, dessen Stadtviertel Gion und Pontocho ihre eigentliche Heimat sind. Viele der Geishas sind nun gewerkschaftlich organisiert. Da es nur noch so wenige von ihnen gibt, ist es selbst in Kyoto eine Sensation, einer der Damen in voller Montur über den Weg zu laufen. Das Wort "Geisha" bedeutet übersetzt etwa "mit den Künsten (gei) vertraute Person (sha)". Ihre eigentliche Aufgabe ist es, das Eis zwischen den Gästen zu brechen und für ein kultiviertes und ästhetisches Ambiente zu sorgen. Dabei widmet sie sich ganz dem Wohlbefinden des Gastes: Das halbvolle Glas wird sofort aufgefüllt, der Herr wird beim Essen mit Gesang und Konversation unterhalten. Sie selbst aber isst nichts. Eine Geisha kann tanzen, singen, klassische Instrumente spielen und beherrscht die Teezeremonie und das traditionelle Blumenstecken (Ikebana). Dabei geht es gerade bei den letzten beiden Ritualen nur darum, in allen Bewegungen und Vorgängen Ruhe, Ästhetik und Würde zum Ausdruck zu bringen. So kann das Bereiten einer Schale Tee schonmal bis zu einer dreiviertel Stunde dauern. Der Vorgang ist als eine Art innere Reinigung zu verstehen. Fast jeder Handgriff hat eine Symbolik, bis hin zur Stellung der Finger, und die Utensilien wie Teebesen und Schale sind künstlerische Meisterwerke edler Schlichtheit, die alle ihren festen Platz und eine bestimmte Reihenfolge in ihrem Gebrauch haben. Das Ziel des Ikebana, der Kunst des Blumenarrangierens, ist es, Blumen, Zweige und Blätter zur Geltung zu bringen und dabei zu geistiger Konzentration, Ruhe und Harmonie zu finden. Nicht die Fülle der Pflanzen sondern die Schönheit jedes einzelnen Elements sind dabei von Bedeutung. Das Schönheitsideal der Geisha unterscheidet sich wesentlich vom westlichen. Alles, was bei uns als weibliche Form gilt, ist im japanischen Gewand, dem Kimono, belanglos. Der Busen wird weggeschnürt und auch die Taille verschwindet hinter dem breiten Kimono-Gürtel, dem Obi. Der Ober-Kimono wird monatlich gewechselt, wobei das Motiv immer abgestimmt auf die Jahreszeit ist. Das schwarze Haar wird kunstvoll um den Kopf geschlungen und hochgesteckt, das Gesicht weiß und der Mund rot geschminkt. Ausländer (gaijin) dürfte es vielleicht auch wundern, wenn die Geisha beim traditionellen Tanz dem Publikum den Rücken zuwendet, denn der Nacken gilt in Japan als erotisches Signal. Um eine Ausbildung zur Geisha kann man sich nicht direkt beim Teehaus (Ochaya) bewerben. Man muss empfohlen oder durch eine Gewerkschaft vermittelt werden. Außerdem muss man zuerst eine schwere Prüfung bestehen. Wer mehr als dreimal pro Halbjahr durchfällt, darf sie nicht mehr wiederholen und kann keine Geisha werden. Während der Lehrjahre wohnt die Schülerin im Geisha-Haus (Okiya), einer Mischung aus Internat und rein weiblicher Großfamilie. Im ersten Jahr, mit etwa 15 Jahren, arbeitet sie praktisch wie ein Dienstmädchen (Shikomi). Die Zeit mit wenig Schlaf, täglichem Unterricht und stundenlangen Übungen im Knien gilt als Bewährungsprobe. Hat sie diese bestanden, erhält sie für vier Wochen den Status der Minarai. Zum ersten Mal wird das weiße Make-up aufgetragen und ein edlerer Kimono angezogen. Die Ernennung zur Maiko, zur Nachwuchsgeisha, begeht man durch eine Zeremonie aus der Tradition der Samurai-Hochzeit (Sansan-kudo). Die angehende Geisha erhält ihren künftigen Künstlernamen, der auch immer auf ihre Schule verweist, und eine "ältere Schwester". Das ist eine möglichst renommierte Geisha, die die Maiko in die Teehäuser einführt und dafür sorgt, dass sie die richtigen Leute kennenlernt. Nur wenige der erfahrensten Maikos werden später zur Geisha ernannt. Der Terminplaner einer Maiko ist so voll wie der eines Managers. Sie hat zwei Tage im Monat frei und ansonsten einen 16-Stunden-Tag. Der besteht aus Schulungen und Training für Ikebana, Teezeremonie, Gesang, Tanz und das Spielen diverser Musikinstrumente sowie Auftritten und Dienst im Teehaus. Hier wird klar, dass sich das Leben der Geishas vollkommen von dem ihrer Altersgenossen unterscheidet. Andere 17-Jährige hören Rockmusik und setzen ohne Handy keinen Schritt vor die Haustür. Die Maiko dagegen spielt zum Beispiel Shamisen, eine dreisaitige Laute, die mit Katzenleder bezogen ist, und sich für nicht-asiatische Ohren anhört, als würde besagtes Tier an der Vorstellung lautstark mitwirken. Sie tanzt nicht mit der Masse Jugendlicher in Discos sondern traditionelle japanische Tänze in einem kleinen Teehaus in einem der alten Geisha-Viertel. In diese historischen Teehäuser jedoch kommt kein Fremder so leicht hinein, schon allein dadurch, dass sie von außen nicht gekennzeichnet sind. Außerdem bestreitet die Chefin (Okasan), meist selbst eine ehemalige Geisha, alle Ausgaben und rechnet mit den Gästen monatlich oder zweimal im Jahr ab. Wegen diesem Vertrauensverhältnis kommen neue Gäste nur in Begleitung und Absicherung durch einen Stammgast hinein. Ausländer haben eigentlich keine Chance in solch ein Teehaus zu kommen. Auch in klassisch-japanischen Restaurants finden Geisha-Parties statt, die allerdings an die 500 € kosten. Als Tourist in Kyoto kann man eine Geisha-Vorstellung bei einem der zahlreichen Feste, zum Beispiel dem Gion-Festival im Juni, oder im Theater Gion Corner erleben. Prostituierte sind Geishas nie gewesen. In Verruf kam das Gewerbe erst nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg. Die amerikanischen GIs hatten Verlangen nach einem "Geisha-girl", so wurde der Begriff bald nur noch in dieser Weise verstanden. Quellen: ADAC-reisemagazin: Japan ISBN 3-89905-020-7 Marco Polo: Japan ISBN 3-8297-0042-3 http://www.geocities.com/Eureka/Concourse/4927/Japan_Allgemein/Geisha.htm http://www.tee-net.de/teezerem.htm