Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 7 Autor: K-chan, Seya, Silberchen E-Mail: kchan_yaoi@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Andreas schlug die Augen auf. Die Sicht vor seinen Augen war verschwommen, so dass er sie erst einmal heftig reiben musste. Schweratmend und völlig klamm geschwitzt lag er einfach nur da, und versuchte herauszufinden, warum es ihm so heiß war. Etwas verblüfft bemerkte er jemanden neben sich, dessen Gestalt er nicht kannte. Auch der Geruch war ihm unbekannt. Dann spürte er etwas gegen seinen Oberschenkel drücken, das ihm jedoch seltsam vertraut war. Etwas ungläubig sah Andreas zur Seite und sah in Jonas' entspanntes Gesicht. Sein Aufpasser hatte sich an ihn gedrängt, einen Arm über seine Brust gelegt und schlief den Schlaf der Gerechten, während dessen morgendliche Erregung Andreas bei Jonas einen seltsamen und recht ungewöhnlichen Traum vermuten ließ. Eine Bewegung ließ den Schlafenden in jenem Moment langsam aus seinem Traum erwachen. Eben noch lag er... ja, wo hatte er eigentlich gelegen? Wie so oft nach erregenden Träumen war der Inhalt sofort vergessen, und nur die Erektion erinnerte daran, was es gewesen sein musste. Doch was hatte ihn da eben aufgeweckt? Verschlafen drehte Jonas sich um, die Erektion vergaß er dabei vorerst. Er sah in dunkelgrüne Augen. Ein keuchender Schrei entfuhr seiner Kehle, und schneller, als er selber merkte, saß er auf dem Boden neben der Matratze, auf der Andreas noch lag und ihn angrinste. Hatte der etwa etwas davon mitbekommen?!? Doch das Grinsen verschwand genauso schnell, wie es auf Andreas' Zügen entstanden war. Er, Andreas, hatte also keinen Traum gehabt. Aber Jonas schien aus seinem auf offensichtlich unsanfte Weise aufgewacht zu sein. "Tut mir leid", entschuldigte Andreas sich, auch wenn er nicht wusste, warum er das Gefühl hatte, dazu verpflichtet zu sein. "Ich hoffe, du hast dir jetzt nichts getan." "Ähm", brachte Jonas lediglich heraus und wurde dabei knallrot. Das durfte doch nicht wahr sein, dass er hier *so* aufwachte und sich *so* aufführte! "Ich glaub... ich..." Er folgte den Blicken seines Bettnachbarn in seinen Schoß und versuchte ebenfalls zu grinsen, was ihm gründlich misslang. "Ich sollte wohl kalt duschen", beschloss er kurzerhand und stand auf. Duschen? Andreas sah dem flüchtenden Jonas sehnsüchtig hinterher. Wie gern würde er jetzt auch duschen. Aber sein Gast bedurfte anscheinend einer sehr viel dringenderen Abkühlung, während sein verschwitzter Körper noch warten konnte. Seiner Meinung nach musste er wie ein Stinktier müffeln. Andreas wagte aber nicht, diese Vermutung durch bewusstes Riechen zu bestätigen. Vorsichtig rollte er sich auf die Seite und erhob sich. Er fühlte sich groggy; wahrscheinlich lag das an den Tabletten. Andreas vertrug solche Medikamente einfach nicht. Körperlich und geistig etwas abgekühlt kehrte Jonas etwas später zurück in das Zimmer, in dem sie geschlafen hatten. Da er kein Handtuch mitgenommen hatte, hatte er sein T-Shirt genutzt, um sich grob abzutrocknen, und kam jetzt mit nacktem Oberkörper und Shorts ans Fenster, um die schlechte Luft loszuwerden. Dann kramte er schnell in seinem Rucksack, um sich vernünftig anzuziehen. Dass ihm dabei der Karton mit dem Werkzeug herausfiel und auch noch aufging, war absolut nicht geplant, leise fluchend versuchte er, alles wieder halbwegs ordentlich einzupacken. Andreas fühlte sich immer noch daneben, folgte aber dieser abrupten und hektischen Treiben aufmerksam. Der Grund blieb ihm aber rätselhaft. Andreas fühlte sich so langsam besser, und na ja, neben einem anderen Mann mit einer Erektion aufzuwachen, war zwar nicht angenehm, aber davon ging die Welt nicht unter. Plötzlich zuckte er unter dem lauten Knall zusammen, der aus Richtung Schrank kam, und sah zu Jonas hoch, der ihn ertappt anschaute. "Du bist ziemlich gut ausgestattet", kommentierte Andreas das Werkzeug leise, weil dass der Grund für den ruhestörenden Lärm gewesen war. Er räusperte sich leise. Innerlich hoffte er, dass Jonas seinen Satz auch wirklich auf das Werkzeug münzte und nicht das kleine Ereignis eben im Bett. Jedoch: Wieder lief Jonas knallrot. Wie war denn das wieder gemeint, fragte er sich und folgte damit Andreas Vermutung und Befürchtung. Doch nicht etwa!? Er merkte glücklicherweise, dass Andreas auf sein Werkzeug sah, und nicht... dahin, wo er den ganzen Morgen nicht hätte hingucken sollen. Doch die Frage war so nicht viel unangenehmer. Was sollte Jonas darauf antworten? Die Wahrheit? Und riskieren, hier gleich achtkant rausgeworfen zu werden? Aber anlügen konnte er Andreas doch auch nicht! "Nun...", stammelte er, "Ich hab das früher mal benutzt, in letzter Zeit lag es eigentlich nur im Schrank. Eigentlich wollte ich es gar nicht mehr verwenden, aber das gestern... Na ja, der Zweck heiligt die Mittel, sagt man so schön." Verwirrt sah Andreas in Jonas Augen. "Ich verstehe nicht?", fragte er leise nach, "Was meinst du mit früher benutzt? Warst du Schlosser?" "Schlosser?", sah Jonas ihn erstaunt an und wusste nicht so recht, was er erwidern sollte. Er hatte schon viel zu viel erzählt, warum hatte er nicht schweigen können wie sonst auch? Aber sonst waren ihm die Menschen nicht so wichtig gewesen wie Andreas, meldete sich eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf. "Nun, so ähnlich... das, was ich da an deiner Tür gemacht hab, das hab ich früher öfter gemacht", deutete er an. "Schlüsseldienst?" Andreas lächelte. "Wirklich praktisch, wenn man so etwas kann. Wenn einem selbst die Tür zufällt, dann braucht man nicht gleich 50 Euro oder mehr berappen. Warum hast du gewechselt? Mochtest du den Job nicht?" "Schlüsseldienst?" Trotz des ernsten Themas und der sicher schon in wenigen Minuten beendeten 'Freundschaft' musste Jonas lächeln. "So kann man es auch nennen. Doch die Leute hatten mich nie angerufen." Langsam packte er bei diesen Worten seinen Rucksack und ging dann zur Tür. In der Garderobe hing seine Jacke, die würde er gleich anziehen und für immer von hier gehen. Schade, denn Andreas war nett gewesen... "Ich war eher bei ihnen, wenn sie nicht zu Hause waren. Und hinterher hatten sie einige Sachen weniger...", erklärte er leise, während er in den Flur ging. "Ich geh dann wohl besser." Andreas blinzelte verwirrt. Hatte er das jetzt richtig verstanden? "Hey, wo willst du hin?", rief er laut. Hastig versuchte er sich zu erheben und fiel wieder zurück. "Wieso haust du ab und was meinst du... Mist, verdammt!", fluchte er laut auf. Keuchend blieb er liegen und sah zur Tür, durch die Jonas verschwunden war und für ihn in seinem Zustand ein kaum zu erreichendes Ziel darstellte. "Willst du damit sagen, dass du ein Einbrecher bist?" Jonas zog sich gerade die Jacke über, als er die erstaunt, und nicht verärgert und abwertend klingende Stimme des anderen hörte. 'Bist Einbrecher' - das musste er noch richtig stellen, darauf legte er Wert. Er blickte zurück und sah zu Andreas, der eindeutig ein wenig unglücklich wirkte. "Ich *war* Einbrecher, Schlösserknacker, wie auch immer du das nennen magst. Ich bin es nicht mehr - die Richterin hat mir ausreichend ins Gewissen geredet, vielen Dank! Und du kannst gerne nachschauen - es fehlt dir nichts, außer etwas Duschgel, ich hatte meins zu Hause vergessen, entschuldige." "Scheiß auf das Duschgel", gab Andreas trocken von sich und sah verblüfft zu Jonas auf. "So richtig, mit allem Drum und Dran? Hätte ich nicht geglaubt. Und jetzt bist du ehrlich." Andreas lachte leise. "Da habe ich ja echt Glück gehabt. Ohne dich würde ich immer noch vor der Tür sitzen oder ich wäre noch mal zum Club gefahren. Doch Geld habe ich auch keines mehr. Wäre echt schwierig geworden. Danke." Wie jetzt? Jonas war verwirrt. Andreas schmiss ihn nicht raus? Dankte ihm auch noch? Irgendwie kam da nicht mehr mit, Andreas schien ihn noch immer nicht zu hassen. Dabei hatte er schon damit gerechnet, als er von seiner Schuld am Unfall erzählt hatte. Er brachte einen Ton heraus, und stand wie angewurzelt in der Tür. Andreas sah ihn besorgt an. "Habe ich etwas falsches gesagt?", fragte er sichtlich unsicher. "Ähm..." Viel mehr bekam Jonas noch immer nicht raus und räusperte sich. "Nein das nicht. Aber ich hatte etwas anderes erwartet. Ich meine, wer wirft einen Einbrecher nicht aus der Wohnung? Auch, wenn er nichts hat mitgehen lassen? Und dann fragst du, ob du etwas falsch gemacht hast?" Müde, geschafft, und vollends verwirrt merkte Jonas, wie ihm die Knie weich wurden, und er ging schnell die wenigen Schritte in Richtung Bett, hoffte, dass der andere sich den Rausschmiss nicht noch einmal überlegte. Andreas stemmte sich nach oben, so dass er wieder saß und machte Jonas so Platz. "Ja, schon. Aber wenn du etwas klauen wolltest, dann hattest und hast du immer noch die Gelegenheit und wenn du in meine Wohnung gekommen bist, und ich immer noch nicht abschließen kann, kommst du auch jetzt wieder rein... Im Gegensatz zu mir." Der schwarzhaarige Mann lächelte, dann grinste er mit sichtlichem Schalk. "Außerdem gibt es hier kaum Großartiges. Studentenbuden sind selten wirklich ergiebig." Jonas hielt sich am Rahmen fest. Lächelte der Student und Barkeeper ihn wirklich an? Und machte er einen Scherz darüber, anstatt ihn rauszuschmeißen? "Ich versteh dich nicht", erklärte Jonas endlich freimütig, "ich meine, ich bin schuld, dass du im Krankenhaus warst und es dir noch immer nicht gut geht, dazu bin ich nicht gerade das, was man unbedingt als Freund haben will. Und du schmeißt mich nicht raus, sondern entschuldigst dich noch." Andreas schüttelte ein wenig ungeduldig den Kopf. Er setzte sich etwas langsamer auf und zog die Beine unter. "Du hast also den Nagel in den Thresen gehauen und dafür gesorgt, dass ich mich daran stoße! Nett!" Andreas presste die Lippen aufeinander, um nicht laut zu lachen. "Dieses verdammte Ding wird eigentlich für die Abtrockenhandtücher benutzt. Aber du glaubst gar nicht, wie oft wir schon daran hängen geblieben sind. Der Chef wollte irgendwann mal wieder die richtigen Haken dran machen. Doch bei den Plänen ist es geblieben. Diese Klebehaken halten nicht lange und die richtigen sind eine Investition, die er bisher gescheut hat." Unbestimmt zuckte er mit der Schulter. "Du siehst, da ist nichts, wofür du dich verantwortlich fühlen müsstest. Und was deine Vergangenheit anbelangt: Wenn ich dich rausschmeiße, dann muss ich zusehen, wie ich allein zum Kühlschrank oder ins Bad komme. Doch dazu müsste ich bis morgen warten, denn irgendwie kriege ich das nicht hin." Ein schiefes Lächeln bildete sich bei den Worten bei Jonas. "Außerdem glaube ich nicht, dass du lügst. Wenn du sagst, dass du nicht mehr stiehlst, dann glaube ich dir das. Ich bilde mir ein, eine gute Menschenkenntnis zu besitzen. Leichtgläubig bin ich nicht. Das kannst du mir glauben!" Noch immer etwas in sich zusammengesunken sah Jonas ihn an. Andreas schien es wirklich ernst zu meinen - oder lag das noch immer an den Medikamenten? Doch Andreas sah ihn weiterhin ernst an, dass er versucht war, ihm zu glauben. Nun, auf jeden Fall hatte er recht, dass er nicht alleine gelassen werden sollte, und im Notfall könnte Andreas seine Tasche ja durchsuchen, wenn er wieder ging. Jetzt erst erinnerte er sich an den eigentlichen Grund seiner Anwesenheit. "Entschuldige, dass ich erst jetzt frage - wie geht es dir eigentlich? Hast du noch Kopfschmerzen? Oder willst du vorsichtig versuchen aufzustehen?" Andreas besann sich auf seinen Zustand und checkte kurz seine Empfindungen ab. "Also mir geht es so gesehen gut. Nur irgendwie ein leichter Druck im Kopf und Koordinationsschwierigkeiten. Aber das liegt an den Tabletten. Ich vertrage eigentlich keine Medikamente. Bis auf meinen Hausarzt nimmt da aber kaum jemand Rücksicht." Kurz zupfte er an seinem T-Shirt. "Ansonsten wäre ich über einen Ausflug zu meinem Schrank glücklich, um mir etwas frisches anzuziehen. Noch eine Nacht darin und ich kann meine Klamotten in die Ecke stellen." Wollte Andreas kein weiteres Wort über Jonas' Vergangenheit verlieren, fragte sich Jonas bei dem Monolog ungläubig. Diesen Gedanken schob er schnell beiseite. "Ja, frische Klamotten tun da oft Wunder. Wobei", kam er zum Bett und schnüffelte kurz an dem T-Shirt seines Schützling, der ihn anblinzelte, "hab ich da schon Schlimmeres erlebt." Grinsend erhob er sich. "Was hältst du von einem Ausflug ins Badezimmer? Aufs Klo und ein wenig Waschen?", schlug er vor, als er sich daran erinnerte, wie man sich nach solchen Nächten oft fühlt. Und was für positive Auswirkungen auf das Befinden schon einfaches Zähneputzen haben konnte. Auffordernd hielt er Andreas die Hand hin. Erleichtert und sichtlich froh ging sein Schützling auf den Vorschlag ein und ließ sich auf die Beine helfen. "Nur ein wenig Begleitservice", kommentierte er, "Den Rest dürfte ich dann auch allein schaffen." So wackelig, wie Andreas auf den Beinen stand, würde es vermutlich mehr als purer Begleitservice sein, den er jetzt leisten würde, vermutet Jonas jedoch für sich. Langsam und mit bedächtigen Schritten gingen sie durch den kurzen Flur ins Bad. Auf dem Weg dorthin entledigte sich Jonas lächelnd seiner Jacke... Andreas wusste von ihm, von seiner Vergangenheit, und wollte ihn dennoch nicht rausschmeißen. Im Bad angekommen ließ er Andreas sich auf den Klodeckel setzen und sah ihn prüfend an. "Meinst du, dass du jetzt alleine zurecht kommst?" "Kein Problem", antwortete der und lächelte. "So schnell falle ich nicht um." Nachdenklich wuschelte sich Andreas durch die Haare. "Vielleicht kannst du mal nachschauen, was ich noch so an Vorräten im Kühlschrank und den Schränken habe. Ich glaube, dass reicht nicht für zwei. Wenn wir Glück haben, dann geht es bis Montag und dann kann ich wieder auf meinen zwei Beinen stehen. Dann ist eine Einkaufstour angesagt." Die Mundwinkel wanderten weiter nach oben und entblößten die Zähne. Jonas nickte und stimmte ihm zu. "Okay, ich mach das und ruf aber, wenn was ist," riet Jonas noch, bevor er die Badtür hinter sich schloss. Gestern hatte er sich nicht getraut, in die Schränke zu sehen und war heute dementsprechend hungrig. Er fand einige Packungen Nudeln, die wohl auf Vorrat für den Notfall hier lagen, wie auch die Packungen mit der Fertigsaucen. Viel anderes konnte er auch nach einigem Suchen nicht finden, sie würden das Wochenende von Nudeln leben müssen. Ansonsten neigte sich alles bedenklich dem Ende zu. Oder Jonas würde noch mal schnell einkaufen gehen müssen. Auf dem Weg war ihm ein kleines Einkaufszentrum aufgefallen, in dem er sicher das Nötigste bekommen würde. Aber erst, wenn Andreas aus dem Bad wieder ins Bett verfrachtet war. Das Subjekt seiner Überwachung machte sich in der Zeit daran, sich zu waschen und sich zu erleichtern. Leise fluchte Andreas vor sich hin, verfluchte die Pharmaindustrie, dass sie kein Medikament auf den Markt bringen konnte, bei dem es ihm nicht schlecht ging und er verfluchte die Ärzte, die ihm immer wieder diese Sachen verschrieben. Andreas war sich ganz sicher, dass es ihm schon sehr viel besser gehen würde, hätte er die Tabletten nicht geschluckt. Jetzt war es zu spät. Sein Blick blieb während der zeitaufwendigen Prozedur der Reinigung immer wieder an seiner Stirn hängen. Dort zierte ein Verband seine Stirn, wo sich zweifellos darunter die Naht verbarg. Wegen diesem Ding konnte er nicht unter die Dusche. Leise seufzte er. Am Montag würde er zum Hausarzt gehen, damit er ihm diesen Verband wechselte oder ihn durch etwas einfacheres ersetzte. Nachdem er fertig war, ging er langsam zur Tür und bekämpfte seinen Schwindel. Das Geräusch einer knackenden Tür ließ Jonas aufhorchen, und schon stand er im Flur, um Andreas in Empfang zu nehmen. Vorsichtig stütze er ihn und ließ ihn dann sanft auf die Matratze sinken. "Was hältst du davon, wenn ich schnell mal einkaufen gehe?", fragte er ihn, "Ein paar Brötchen, und vielleicht etwas fürs Mittag? Es würde zwar noch reichen, aber immer nur Nudeln, das muss ja nun nicht sein. Und du bleibst so lange im Bett liegen!" "So schlimm sehe ich aus?", fragte Andreas, er lachte leise. "Okay, also Geld findest du noch in der Tasse im Schrank. Es ist zwar nicht viel, müsste aber reichen. Kauf, was notwendig ist. Aber im Bett werde ich nicht bleiben können. Denn wenn du klingelst, muss ich dir die Tür öffnen." Schalk blitzte in den grünen Augen als Andreas Jonas zu zwinkerte. "Oder ich binde dir einen Faden an die Klinke, dann kriegst du die auch vom Bett aus auf", schlug Jonas jedoch vor und lächelte. Dass er die Tür auch anderes aufbekommen würde, verschwieg er vorsorglich - er wollte den Andreas nicht daran erinnern. Wer wusste schon, ob er das nach einigen Überlegungen noch immer so einfach hinnehmen würde. "Geld brauch ich nicht, das zahl ich schon schön selber", beschloss er und machte deutlich, dass er keinen Widerspruch duldete, "immerhin esse ich ja auch mit. Und bleib hier liegen, bis ich klingle, wenn du umkippst, kann ich dir nicht aufhelfen." Schnell zog er sich seine Jacke wieder über und kramte im Rucksack nach seinem Portemonnaie, dann nickte er Andreas zu, der sich noch zum Protest sortierte, und verschwand nach draußen. Glücklicherweise erinnerte er sich noch recht gut daran, wo der kleine Supermarkt lag, und nur wenig später stand er mit Obst und Gemüse, Säften und Milch, Eiern, Fleisch und Käse und einigen Süßigkeiten wieder draußen. Schnell hatte er überschlagen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass er die Woche noch halbwegs überstehen würde, auch wenn er jetzt etwas über seine Verhältnisse eingekauft hatte. Andreas wartete derweil einfach, bis Jonas wiederkam, denn etwas anderes blieb ihm kaum übrig. Irgendwo bezweifelte er, dass Jonas sich das mit seinem mageren Ausbildungsgehalt leisten konnte, ihn und sich auszuhalten. Er lebte mit dem BaföG und dem, was er in der Bar verdiente ganz gut, wenn auch alles andere als übermäßig, nachdem er sich entschlossen hatte, allein statt in einer WG zu wohnen. Nach und nach ließ er den Morgen noch einmal Revue passieren. Es war wirklich so, wie er zu Jonas gesagt hatte, dass er ihm vertraute. Meist tat er das nicht so schnell und dieses Gefühl, es zu können, vermochte er bei besten Willen nicht allein auf seinen Unfall und die Medikamente zurückzuführen. "Obwohl", murmelte er leise vor sich hin, "Wer weiß, was ich mir alles gestoßen habe." Mit etwas Unbehagen erinnerte er sich mehr daran, wie ihm diese Augen einen Stich versetzt hatten. Sie taten es noch immer, und auch die Berührungen waren angenehmer als sie es sein durften. Vielleicht hatte bei ihm das Denken doch ausgesetzt. Aber am liebsten hätte er sich wieder an Jonas gekuschelt... Ein Hustenreiz setzte sich in seiner Kehle fest. Bitte, was hatte er da gerade gedacht? Kuscheln? Mit Jonas? Kalt überlief es ihn. Wenn er es recht bedachte, hatte er noch nie so bei einem Menschen reagiert. Meist war er zynisch und seine Worte trieften vor Sarkasmus. Doch bei Jonas war er regelrecht handzahm. Warum stellte er das erst jetzt fest? Anscheinend stand es doch schlimmer um ihn als er gedacht hatte. Völlig verwirrte starrte Andreas zur Decke hinauf. Das kam davon, knurrte er innerlich, wenn man von BaföG über die Arbeit und andere Dinge nachdachte. Auch Jonas ließ auf dem Rückweg die vergangenen Tage Revue passieren. Er hätte nie erwartet, dass Andreas ihm den Unfall nicht übel nehmen würde. Und dann hatte der ihn noch nicht mal rausgeschmissen, als er von Jonas' Vergangenheit gehört hatte. Er hatte ihm sogar angeboten, sein Portemonnaie mitzunehmen! Gestern Abend war Andreas noch wirklich sehr angeschlagen gewesen, dass er Jonas in sein Bett eingeladen hatte. Aber was war in ihn selbst gefahren, dass er so einfach angenommen hatte? Unweigerlich wanderten seine Gedanken weiter zum Morgen. Und zum Aufwachen, und wie er sich da aufgeführt hatte. Er hatte sich wirklich bei Andreas *angekuschelt*, und das war auch wirklich angenehm gewesen. Doch musst musste es ein *Mann* sein?!? Und dann noch *das* Ergebnis! Er schämte sich ja jetzt noch in Grund und Boden, wenn er daran dachte, wie sein Körper sich da aufgeführt hatte! Mit vollgepackten Händen und Armen stand Jonas schließlich vor der Haustür der Nummer 4 und versuchte, die Klingel zu treffen, ohne alle Nachbarn aufzuschrecken. Schließlich musste er die Orangensaftflasche und die Milch abstellen, um ungehindert auf den kleinen Knopf drücken zu können. Andreas Kopf schnellte nach oben. Bedauernd verzog er das Gesicht. Irgendwann musste der Schwindel auch wieder aufhören. Langsam erhob er sich und tastete sich dann vorwärts. Geradeaus, dann links und dann wieder geradeaus. Erleichtert stand er vor seiner Haustür. Dann wollen wir mal den Strauchdieb reinlassen, erklang es wieder gewohnt sarkastisch in seinen Gedanken. Erschrocken hielt Andreas die Hand über der Klingel. Jetzt brauchte er das auch nicht mehr, entschied er. Die ganze Zeit war er ruhig gewesen, jetzt konnte er es auch bleiben, so lange Jonas bei ihm war. Endlich drückte er den Knopf und ließ den Wartenden herein. Vollgepackt erreichte Jonas die Wohnung im fünften Stock und stand einem erschreckend blassen Andreas gegenüber. "Los, ab ins Bett", befahl er beinahe, dann drängte er an ihm vorbei, um die Einkäufe auf der Arbeitsfläche der Küchenzeile abzulegen. Schnell kam er Andreas entgegen und half ihm wieder einmal, ins Bett zu kommen. Kurzerhand setzte er sich neben ihn, denn nach den übermäßig vielen Treppen des Altbaus, noch dazu so bepackt, musste er erst einmal wieder zu Atem kommen, bevor er sich daran machen konnte, das Essen zu bereiten. Müde hatte sich sein Schützling einfach nur zusammengerollt und die Augen geschlossen. Für Andreas war es erst einmal genug. Zum Glück waren auch die weniger netten Gedanken wieder verschwunden, so dass dieser erleichtert aufseufzte. Er wollte Jonas nicht durch unbedachte Worte wehtun, dachte er noch, als er unmerklich in Halbschlaf fiel. Ruhig machte sich Jonas daran, das Frühstück vorzubereiten. Er setzte Kaffee auf und kochte Frühstückseier, dann suchte er Teller und Tassen aus dem Geschirrschrank und deckte den Tisch. Eigentlich würden noch ein paar Blumen fehlen, grinste er, solch einen Frühstückstisch kannte er eigentlich nur aus der Werbung. Mit wem sollte er sonst morgens schon gemeinsam essen?!? Den duftenden Kaffee stellte er auf den Tisch, die Eier schreckte er ab und suchte noch nach Salz, dann hockte er sich neben Andreas, der noch immer schlief. "Hey, magst du frühstücken?", fragte er leise und strich ihm über die Schulter. Noch halb schlafend, gab Andreas seine Zustimmung, rollte sich auf den Rücken und rieb sich verschlafen die Augen. "Schon fertig?", fragte er mit rauer, unbenutzt wirkender Stimme. "Riecht fantastisch." "Ich hoffe, es schmeckt auch," lächelte Jonas. Dann streckte er seine Hand auf, um ihm aufzuhelfen. "Zieh dir am besten was über, dann können wir anfangen zu essen. Willst du danach wieder ins Bett? Ich muss auf jeden Fall noch lernen heute, und morgen auch, sonst wird mir das zu eng.""Anziehen ist gut, essen ist gut und schlafen hört sich fantastisch an", fasste Andreas seine Bedürfnisse zusammen. "Irgendwie bin ich nur noch müde, als ob ich nicht die ganze Nacht geschlafen hätte. Ich denke nicht, dass ich dir groß zur Last fallen werde. Wenn du fertig mit lernen bist und du selbst schlafen willst, schieb mich einfach beiseite." Er lächelte blinzelnd und sah dann zum gedeckten Tisch. Jonas hatte schon zwei der vier Stühle beiseite geschoben, so dass er sich einfach nur noch fallen zu lassen brauchte. Das tat er auch und sah sich mit einem genießenden Einatmen des Duftes um. Jonas musterte ihn kritisch. "Meinst du nicht, dass du etwas vergessen hast? Im Schrank", antwortete Andreas verwundert hinsichtlich des Problems der Kleiderfrage. Er wirkte ein wenig verwuschelt. Er tappte selbst zum Schrank, da er überhört hatte, dass Jonas zum Schrank gehen wollte. Den skeptischen Blick bemerkte er nicht. Mit Knien weich wie Pudding und einem Kopf der aus dem selben Material gemacht worden zu sein schien, kam er dort an. Er fühlte sich noch reichlich unsicher und schwummrig. Trotzdem, was am besten anziehen? Nachdenklich öffnete er die Tür. Seine Wahl fiel auf eine Trainingshose und ein T-Shirt. Einfach und geschmackvoll, kommentierte der seit kurzem ungebetene Teil seiner Persönlichkeit. Leise seufzte er und zog das T-Shirt über, dann kämpfte er sich halb schwankend in die Hose. Erschrocken stürzte Jonas auf ihn zu. "Hey, du solltest dich hinsetzen und mich das machen lassen", erklärte er, nachdem er Andreas' Oberarm zu fassen bekommen hatte. Er ließ ihn nicht wieder los, bis Andreas sicher auf dem Stuhl am Frühstückstisch saß. Hatte er ihn wirklich nur gehalten, damit er nicht umkippte? Oder auch aus dem Wunsch, seine Nähe zu spüren? Wie lange war es her, dass er jemanden überhaupt berührt hatte - und das auch wollte? Anja zählte nicht, ihre Umarmungen und Berührungen waren alles andere als erwünscht, er konnte sich auch nicht erklären, warum. Er schenkte ihnen beiden Kaffee ein und bot Andreas Brötchen an. Soviel Fürsorge war dieser nicht gewohnt, aber reflexartig griff er nach den Backwaren und bedankte sich artig. "Machst dir wahnsinnig viel Mühe", nuschelte er, "Danke." Verlegen legte er seinen Kopf schief. "Na ja, ich hab da ja noch immer was gutzumachen...", murmelte Jonas ähnlich deutlich wie der andere eben. Um den Blicken des anderen zu entgehen widmete er sich ausgiebig seinem Kaffee, erst streute er viel zu viel Zucker hinein, und dann plörrte er auch noch mit der Milch. Knallrot im Gesicht stand er auf und holte einen Wischlappen aus der Spüle, "Ich werd die Schmadderei hier mal wegwischen", erklärte er leise. Andreas war sich nicht sicher. Aber Jonas schien ziemlich nervös zu sein. Ob es sinnvoll war, ihn darauf anzusprechen. Nachdenklich kaute er auf seinem Brötchen und bemerkte, dass es sinnvoller war, wenn er es noch mit Butter und Marmelade bestrich. Während Jonas noch die Milchspritzer wegwischte, machte er das und biss dann um so genussvoller hinein. "Ähm", räusperte er sich nach einer Weile, in der Jonas immer noch seinen Kaffee anstarrte und unentschlossen mit seinem Messer herumspielte, "Stimmt etwas nicht?" "Äh..?" Zu einer intelligenteren Antwort konnte Jonas sein Hirn im Moment nicht bewegen, wusste er doch selber nicht, was in ihn gefahren war. Erst nach einigem Überlegten brachte er einen anständigen, wenn auch nicht ganz wahrheitsgetreuen Satz zustande: "Nee, is alles in Ordnung." Im selben Moment fiel ihm sein Brötchen mit dem Honig voran auf die Hose. Die gesunde Gesichtsfarbe von Jonas gewann einen eindeutig dunkleren Ton. "Also ich weiß nicht", murmelte Andreas kauend und schluckte dann. "Irgendwie scheinst du etwas abbekommen zu haben, denn deine Koordinationsfähigkeit und deine Konzentration ist ja noch schlimmer dran als meine. Alles in Ordnung? Hast du Fieber?" "Nee, schon in Ordnung... glaub ich..." Jonas war selbst nicht ganz klar, was mit ihm los war. Vorsichtig löste er das Brötchen von seinem Oberschenkel und wischte mit dem Lappen, den er eben schon benutzt hatte, den klebrigen Honig ab. Warum war er nur so nervös? Lag es nur an der ungewohnten Anwesenheit eines anderen Menschen beim Frühstück? Wann hatte er das letzte mal so gemütlich mit einem anderen gegessen? Er konnte sich nicht daran erinnern. Aber das konnte doch nicht alles sein? Warum war er dann so unkonzentriert und nervös? Unsicher blickte er auf und sah direkt in die grünen Augen seines Gegenübers - und schon rutschte ihm das Wischtuch aus der Hand. Irritiert hob Andreas eine Augenbraue. Na, so blöd war er dann doch nicht. Die Reaktion war allein seinem Anblick geschuldet. Ohne weiter nachzudenken, rief er: "Sag mal, bist du schwul?" Sofort bereute er das, was er gesagt hatte. Erschrocken schloss er seinen Mund, während seine Augen weit aufgerissen war. Verflucht... "Ich, äh...", stotterte er, "Das war jetzt nicht so gemeint." "Schwul?", keuchte Jonas, mehr brachte er in diesem Moment nicht raus. Wieso sollte er schwul sein? "Du spinnst wohl!", begehrte er auf. Er hatte doch noch nie etwas mit einem Mann gehabt. Aber auch nicht mit einer Frau, überlegte er weiter. Anja war nicht die, mit der er etwas anfangen würde - aber sicher gab es noch andere, und auch eine Richtige für ihn. Jedenfalls war er bis jetzt davon ausgegangen. Doch wenn er ehrlich war - diese grünen Augen, und der ganze Typ ihm gegenüber war nicht unsympathisch, eigentlich war er am ehesten der Mensch, mit dem er sich etwas vorstellen konnte. Doch das lag sicher daran, dass er der erste Mensch war, mit dem er seit Jahren näheren Kontakt hatte. Ernst sah er Andreas an. "Ich weiß es nicht", erklärte er leise, "ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht." "Schon gut", winkte Andreas ab, "Geht mich nichts an. Das ist mir nur so rausgerutscht, weil du mich so angesehen hast. Kein Problem." Schnell biss er in seine Brötchen und fixierte seine Kaffeetasse, aus der dann doch einen Schluck nahm. Sehr viel kleinlauter, murmelte er dann: "War nicht so gemeint." Auch wenn Andreas jetzt abwinkte, hatte er in Jonas einen Gedanken losgetreten, der sich wie eine Lawine durch seinen Geist bewegte. Sollte Andreas mit dieser Annahme Recht gehabt haben? Nun, zumindest würde er keine Eltern damit enttäuschen, versuchte er die heitere Seite dieser Möglichkeit zu sehen. Leise begann er zu lächeln, wenn er sich überlegte, wie manche Eltern auf diese Äußerung reagieren würden. Auch wenn er selbst im Prinzip keine gehabt hatte, so hatte er doch einige kennen gelernt. Er bestrich sein Brötchen erneut mit Honig und brachte es dann auch unfallfrei zum Mund. Er bemerkte kaum, wie Andreas unter dem Pony zu ihm schaute und versuchte, einen Blick auf ihn zu erhaschen. Das Lächeln brachte den Schwarzhaarigen aus dem Konzept. Hastig schaute er nach unten. Verlegen biss Andreas wieder in sein Brötchen und versuchte sich auf das Essen zu konzentrieren. Doch als er schluckte, atmete er aus Versehen ein. Erschrocken hielt er die Luft an, dann hustete er unkontrolliert. Erschrocken blickte Jonas auf. Irgendwie war da heute der Wurm drin, stellte er fest. Nun, wenigstens war er nicht der einzige, der sich hier so anstellte. Er zögerte, doch als Andreas nicht aufhörte zu husten, stand er auf, um ihm hilfreich auf den Rücken zu klopfen. Nach einer qualvollen Minuten und am Rande der Panik beruhigte sich Andreas. Als er wieder genug Luft hatte, sah er auf und lächelte. Leicht verkrampften sich dabei seine Züge. "Danke", flüsterte er rau, da sich seine Kehle wund anfühlte. "Anscheinend sind wir beide heute nicht sonderlich geschickt", sprach er Jonas' Gedanken aus. "Ja", lächelte Jonas, "doch du hast mehr Grund dazu. Ich hab keinen auf den Kopf bekommen und steh auch nicht noch unter Drogen." Nach einem letzten prüfenden Blick ging er zur Kochnische und holte Andreas ein Glas kalten Wassers, das würde den Hustenreiz hoffentlich beruhigen. Dann setzte er sich wieder an seine Seite des Tisches und versuchte, sich auf das Frühstück zu konzentrieren. Doch noch immer spukte dieser Gedanke in seinem Hirn herum, den Andreas da vorhin ausgesprochen hatte. "Wie kommst du darauf, dass ich schwul sein könnte?", fragte er ihn das, was ihn beschäftigte. Schnell schluckte Andreas das Wasser herunter, bevor er es als feinen Sprühnebel über den Tisch und dann in Jonas Gesicht verteilte. "Ich weiß nicht, es ist mir einfach so rausgerutscht." Andreas überlegte, dann zuckte er mit den Schultern. "Kann sein, wegen vorhin und deinen Blicken." Er grinste mit deutlichem Schalk in den Augen. "Aber war nicht so gemeint, entschuldige." "Wegen vorhin? Ach ja, das hatte ich schon erfolgreich verdrängt..." Wäre es möglich gewesen, so wäre Jonas jetzt noch roter geworden. Doch er mühte sich um ein Grinsen, das zwar reichlich schief, aber hoffentlich erkennbar war. "Was kann ich dafür, dass dein Bett so schmal ist", traute er sich zu erwidern. Doch warum hatte er Andreas so angesehen? Seine Augen waren wirklich faszinierend, doch ihm das zu sagen war schon mehr als eine plumpe Anmache. Andreas lachte. "So schmal ist es nun auch wieder nicht. Aber lassen wir es gut sein. Manchmal ist meine Zunge schneller als mein Verstand und es ist heute das erste Mal, dass ich das bereue." Jonas grübelte über Andreas' Worte nach und über die Ereignisse des Morgens. Hatte das alles etwas zu bedeuten? Wirklich zum Essen kam er nicht, statt dessen blieben seine Blicke immer wieder an den Augen des anderen hängen. Bis er sich mit Gewalt losriss, Andreas sollte das nun echt nicht mitbekommen. Doch dem entging das nicht. Nach einer Weile konnte er kaum noch anders. Er schien wirklich für die offensichtliche Ablenkung verantwortlich zu sein. "Einen Penny für deine Gedanken", riss er Jonas aus seiner Grübelei. "Wah..?", stieß Jonas erschrocken aus, er war zu tief in seine Gedanken versunken gewesen - und es auch nicht gewohnt, mit jemanden zusammen zu sein, der Aufmerksamkeit von ihm verlangte. Sein einziger Begleiter war in den letzen Jahren sein Hamster Jerry gewesen, der allerdings im Herbst verstorben war. "Entschuldige", murmelte er dann betreten, "hatte gar nicht mehr an dich gedacht." Das war eine reine Lüge gewesen - und doch nicht. Er hatte zwar über Andreas nachgegrübelt, aber nicht mehr auf dessen Anwesenheit geachtet. Andreas lachte leise. "Eigentlich müsste ich jetzt beleidigt sein." Jonas schluckte. Hoffentlich war Andreas nicht wirklich beleidigt, dass er ihm seiner Ansicht nach nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Aber was hätte er sonst sagen sollen? Vorsichtig sah er auf und blickte wieder in diese grünen Augen, die ihn schon die ganze Zeit verfolgten. "Tut mir leid", murmelte er. "Du scheinst dich recht häufig zu entschuldigen.", kramte der Schwarzhaarige in seinen Erinnerungen. "Ist nicht nötig. Ich wollte dich nur aus deinen Gedanken wecken. Was immer dich beschäftigt, ich hoffe es ist nichts allzu schwerwiegendes. Aber egal was es ist, besser wäre, du würdest essen. Nicht dass du aus Schwäche vom Stuhl fällst." Ein aufmunterndes Zwinkern wurde Jonas zuteil und damit auch das Wissen, dass Andreas alles andere als beleidigt war. Nervös strich sich Jonas durch die Haare, und verschmierte dabei einen Rest Honig im Pony. Hoffentlich hatte Andreas das nicht gemerkt, flehte er im Stillen. Er blamierte sich hier wirklich am laufenden Band! Als würde er nie mit zivilisierten Menschen zusammentreffen. Vorsichtig sah er zu Andreas, während er seine zweite Brötchenhälfte mit Butter beschmierte, um darauf - er war ja lernfähig - eine Scheibe Käse zu legen. Vorsichtig langte Andreas über den Tisch, als Jonas in sein Brötchen biss, und streifte den Honig von der Strähne. "Du musst von den Medikamenten genascht haben", bemerkte er ungewohnt sanft und leckte sich die Süßigkeit vom Finger. Jonas' Röte, die gerade wieder am Abnehmen war, verstärkte sich wieder. Doch das freundliche Lächeln in Andreas' Gesicht ließ ihn ein wenig ruhiger werden. Andreas schien ihm seine Tollpatschigkeit wirklich nicht übel zu nehmen, worüber er sehr froh war. "Die Medikamente? Nee, Smarties und ähnliches mochte ich noch nie, da werd ich mich bestimmt nicht an deinem Vorrat vergreifen. Noch dazu, wo die so langweilig grau sind!", traute er sich zu sagen. Andreas lächelte unsicher. Ihn machte die Atmosphäre, die sie beide um sich spannten, langsam nervös. Wenn er ein Mädchen vor sich gehabt hätte, dann wusste er eine Bezeichnung für das, was sie hier gerade taten. Aber er hatte einen Jungen vor sich. Eindeutig männlich und dummerweise hatte er auch noch ausgesprochen, was sein Instinkt ihm ungefiltert eingegeben hatte. Jetzt war es zu spät, und ihm gingen langsam die Worte aus. Sein eigenes Verhalten war ihm, Andreas, zusätzlich noch ein Rätsel. Irgendetwas ging hier mächtig schief. "Keine Smarties?", fragte er, um das Gespräch am Gang zu halten, schnell genug, bevor sich peinliches Schweigen einstellen konnte. ***