Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 4 Autor: K-chan, Seya, Silberchen E-Mail: kchan_yaoi@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Müde rieb sich Jonas die Augen. Sein Wecker hatte gerade geklingelt, es war sechs Uhr. Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, länger als drei Stunden konnte es nicht gewesen sein. Wie sollte er nur diesen Tag überstehen - und dann noch das, was ihm sicher am Nachmittag im Krankenhaus erwarten würde? Zunächst duschte er kalt, um wenigstens halbwegs wach zu werden, und lief dann nach seinem üblichen, mageren Frühstück zu Fuß zur Arbeit. Sein Fahrrad hatte er intelligenterweise an der Disco gelassen - er wäre besser zu Fuß dort hingegangen, das hätte ihm einiges erspart. Er quälte sich durch seine übliche Arbeit, die Meckereien seiner Kolleginnen und der Ausbilderin bekam er kaum mit. Sollten sie sich über seine Arbeit aufregen, lange würde er sowieso nicht mehr hier sein. Und auch die fiesen Kommentare, dass schon wieder er den Freitags-Telefondienst abbekommen hatte, interessierten ihn kaum. Aber als er dann um 15:15 auf die Uhr sah, konnte er trotz der zwei Liter Kaffee nicht sagen, wie er diesen Tag überstanden hatte. Zumindest hatte er, nachdem seine Kolleginnen gegangen waren, einen Stadtplan herausgekramt, und mit Hilfe seiner bruchstückhaften Erinnerung herausgefunden, dass Andreas im Mathildenstift liegen musste. Schließlich, als er das Telefon auf den Anrufbeantworter umstellen konnte - es hatte sowieso seit zwei Stunden kaum geklingelt - atmete er erleichtert auf. Anstatt wie gewohnt in den Supermarkt und danach nach Hause zu eilen, lief er heute in Richtung des Gewerbegebietes, um dort sein Fahrrad abzuholen. Er hatte Glück, angeschlossen und noch immer mit gefüllten Reifen stand es da und wartete auf seinen Besitzer. Ohne auch nur über seine üblichen Besorgungen nachzudenken, fuhr er auf direktem Wege zum Mathildenstift - und etwa eine Dreiviertelstunde später kam er da an und lief direkt zur Unfallstation. Ein kleiner Gedanke schlich sich in seinem Kopf ein: Würde er Nico vielleicht doch wiedersehen? Zögernd blieb er vor der Andreas' Zimmertür stehen. *** "Wir sind wohl noch nicht ganz wach, wie?" Nico schreckte hoch. Zum Glück war er nur einer von Vielen, die den Tag lieber im Bett verbracht hätten, als sich hier - ohnehin vergeudete - Standpauken von einem 60-Jährigen anzuhören. So ging das schon seit fünf Stunden. Zwar bei verschiedenen Lehrern, über verschiedene Themen. Doch irgendwie hörte sich das Geschwafel bei allen gleich an. Die Minuten zogen sich nur so dahin, gerade in der letzten Stunde. Und Geschichte war nun auch nicht gerade Nicos Lieblingsfach. Herr Krüger konnte seine Verkündung, die Schüler könnten jetzt gehen, gar nicht zu Ende bringen, da war der Schwarzhaarige auch schon aus dem Raum gestürmt. Im Krankenhaus angekommen erinnerte er sich noch sehr genau, in welchem Zimmer Andreas gelegen hatte. Die Frage war nur, ob er noch da sein würde. Als Nico in den Gang in Station 3 einbog, war ihm zumindest schon mal klar, dass er nicht umsonst her gekommen war. Denn dort stand eine ihm nicht unbekannte Person. Ein Lächeln machte sich wie von selbst auf seinem Gesicht breit. "Jonas!" Der sah sich überrascht um. Tatsächlich, an der Glastür zum Fahrstuhl stand Nico. Erfreut lächelte Jonas ihn an. "Hallo Nico," grüßte er freundlich. Er hatte trotz der bemerkenswerten Verabschiedung am Vorabend nicht zu hoffen gewagt, ihn hier wiederzutreffen. Er wartete einen Moment, bis der andere vor ihm stand, dann strecke er seine Hand zur Begrüßung aus. Das breite Grinsen konnte er noch immer nicht aus seinem Gesicht wischen. Mit einem "Hallo!" ergriff Nico die angebotene Hand und drückte sie leicht. Dann deutete er mit einem Nicken auf die Tür. "Warst du schon drin?" Fragend sah er sein Gegenüber an. "Nein," antwortete der, "ich bin auch gerade erst gekommen." Das fröhliche Grinsen hatte Jonas einige seiner Bedenken genommen. Immerhin hatte er gestern den beiden anderen nicht nur den Abend verdorben, sondern einen von ihnen auch noch ins Krankenhaus gebracht. Aber das Donnerwetter des anderen, Andreas, würde er in wenigen Augenblicken erleben - und er hatte er ja auch verdient. Er berührte den Türgriff und klopfte an. Da niemand reagierte, öffnete er das grüne Ungetüm und trat zögernd ein. Nervös sah er, wie Andreas sich vorsichtig über die Stirn rieb und es dabei peinlichst vermied den Verband zu berühren. Noch eine Stunde in diesem Irrenhaus, knurrte Andreas insgeheim, und er würde verrückt werden. Mit leicht schmerzverzerrter Miene schaute er auf und fand sich für Augenblicke in einem Paar weitaufgerissener, himmelblauer Augen wieder. Erschrocken verkniff sich Andreas einen Schrei, denn so unangenehm war der Anblick nun auch wieder nicht. Mit rauer Kehle versuchte er eine Begrüßung, die sich in etwa wie 'Hey' anhörte. Mindestens ebenso erschrocken, wie er aussah, fühlte sich Jonas. Andreas sah nicht gut aus, ziemlich blass, und der weiße Verband, an dem Jonas Schuld hatte... Er hätte nicht hier herkommen sollen, das war ein Fehler! Jonas wollte sich gerade umdrehen und wieder gehen, als das Gekrächze aus Richtung des Bettes zu ihm hindurchdrang. Er konnte nicht anders als die Begrüßung mit einem schwachen "Hi" zu erwidern. Ein leichtes Lächeln quälte sich auf seine Lippen, während er den anderen genauer musterte. Schwarze, zerzauste Haare umrandeten ein helles Gesicht, und grüne, irgendwie dunkel wirkende Augen sahen ihn an. Eigentlich sah der Andreas gar nicht so schlecht aus... für einen Mann... Andreas sah verwirrt zu den beiden. Irgendetwas schien nicht zu stimmen und er hatte das unbestimmte Gefühl, dass es etwas mit ihm zu tun hatte. Wie waren eigentlich ihre Namen noch mal? Ein leises Stöhnen entschlüpfte seinen Lippen. Wieso hatte er das vergessen? Die Irritation war Andreas deutlich anzusehen, fand Jonas. Hatte er vergessen, was am Vorabend passiert war? Zu verdenken wäre es ihm wirklich nicht. "Ich... ich bin Jonas", stellte er sich vorsichtshalber noch einmal vor. "Ich bin daran Schuld, dass du jetzt hier liegst!" "Ah" Andreas fand sich nicht sehr intelligent. Aber jetzt fiel ihm ein, was passiert war. "Nico und Jonas, richtig! Man sagte mir, dass ich mich während meiner Arbeit verletzt hätte und ihr mir geholfen habt. Vielen Dank dafür. Wollt ihr die lange oder die kurze Version? Mir ist die kurze lieber. Eine Woche Bettruhe und keine Anstrengungen. Wenn ich jemanden hätte, der wenigstens heute noch auf mich aufpassen würde, dann könnte ich hier raus.", sprudelte es aus Andreas raus. "Verdammt..." Wieder verzog er irgendwie leidend sein Gesicht. "So wie ich das sehe, bleibe ich bis morgen hier. Ich krieg hier einen Rappel. Mein Kopf dröhnt und die Tabletten machen mich meschugge. Es ist mir echt unangenehm, ihr habt mir ja schon geholfen. Aber könntet ihr sagen, dass ihr auf mich aufpasst? Müsst ihr ja nicht. Aber so komme ich hier wenigstens früher raus. Ihr könnt ja vielleicht sagen, dass wir in einer WG oder so wohnen." Irgendwie kam Jonas das alles irreal vor. Andreas war nicht wütend, nicht mal sauer auf ihn? Na ja, das würde sicher noch kommen. Aber bis dahin konnte er sich ja nützlich machen und ihm diesen Gefallen tun. "Klar, wir wohnen in einer WG." versuchte er sich mit einem Grinsen. Eine WG hatte er sich schon öfter gewünscht, da wäre er nicht am Wochenende alleine, und der Lebensunterhalt wäre auch günstiger. Und natürlich würde er heute bei Andreas bleiben. Abgesehen davon, dass er sowieso nichts vor hatte, außer für seine Prüfung zu lernen, hätte er auch jeden anderen Termin abgesagt. Schließlich schuldete er Andreas das. "Und ich bleibe auch da und pass auf dich auf - wenn dir das nicht lästig ist..." Für einen Augenblick hatte Andreas das Gefühl, wie ein Honigkuchenpferd auszusehen. Sein Blick ging von Jonas zu Nico und wieder zurück, die irgendwie in einen unheimlich grinsenden Zustand gefallen waren. Das musste an den Tabletten liegen, vermutete der schwarzhaarige Barkeeper. Dann erwiderte er das Grinsen und verzog dann wieder das Gesicht. "Ein Königreich für eine Kopfschmerztablette, die auch hilft.", murmelte er dramatisch. "Die wirst du sicher nicht zu Hause haben", vermutete Jonas, "aber vielleicht gibt dir die Schwester eine mit. Und ansonsten hilft schlafen. Und wir passen auf, dass du nicht aus dem Bett fällst, okay?" Der Braunhaarige hatte noch immer ein ziemlich dämliches Grinsen im Gesicht, das er nicht wegwischen konnte. Irgendwie freute er sich darauf, für Andreas zu sorgen. Sein Wochenende hatte einen Sinn bekommen. "Okay, dann holt mich hier raus!", murmelte Andreas. Hatte er das richtig gehört? Dieser Jonas wollte wirklich auf ihn aufpassen? Es musste wirklich etwas mit den Tabletten zu tun haben. Etwas anderes schloss sich einfach aus. Sie kannten sich überhaupt nicht. Also gab es keinen Grund für diese Zusage! Noch immer etwas verwirrt, aber mit dem Ergebnis dennoch zufrieden, suchte Andreas seine Beine zusammen und ließ sie aus dem Bett baumeln. "Ich will keine Minute hier länger bleiben müssen!", erklärte er bestimmt. Jonas zuckte zusammen. Er wollte tatsächlich einfach so aufstehen! Das war ja schon am Vorabend schief gegangen, wenn Jonas seine Erinnerungsfetzen richtig zusammengekramt hatte. "Halt," rief er auch gleich und eilte an die Längsseite des Bettes, "Wenn ich auf dich aufpassen soll, dann solltest du wenigstens heile aus dem Bett kommen!" Wie kam man eigentlich aus einem Krankenhaus heraus? Andreas musste ja irgendwie entlassen werden. "Nico, geh du doch mal zur Schwester, damit die das mit der Entlassung regeln kann", bat er den anderen Jungen. Dann wandte er sich wieder an Andreas. Der schien das noch immer nicht wahrzunehmen, wer genau ihm da gegenüber saß. Eigentlich war es ein günstiger Zeitpunkt, ihm den ganzen Vorgang vom letzte Abend zu erklären, aber es war zu angenehm, nicht darüber nachzudenken und die Probleme einfach zu verschieben. "So, und du steht am besten ganz langsam auf, damit dein Kreislauf das auch mitmacht", erklärte er und bot ihm seinen Arm an. Andreas legte kurz die Stirn in Falten, folgte jedoch gehorsam den Anweisungen. Schön warm, taumelte ein kaum wahrnehmbarer Gedanke durch sein Hirn und ließ ihn instinktiv fester zugreifen. Jonas merkte, wie sich der andere spürbar an ihn lehnte. Sein Körper war erstaunlich kühl für jemanden, der so lange im Bett gelegen hatte - aber vielleicht war sein Kreislauf wirklich nicht ganz stabil. Die Ärzte hatten recht, er sollte auf keinen Fall alleingelassen werden. "Nicht so schnell", mahnte er ihn, nicht, dass er hier zusammenklappen würde - *wieder* zusammenklappen würde, wenn er das richtig in Erinnerung hatte. Als Andreas sicher am Bett stand und sich im Notfall daran festhalten konnte, sah Jonas ihn genauer an. Außer Shorts und einem T-Shirt trug er nichts am Leib. Jonas ließ ihn wieder los, um sich im Zimmer umzusehen. "Hast du eine Ahnung, wo die deine Klamotten versteckt haben? So wirst du bestimmt nicht nach Hause laufen wollen!" Verständnislos sah der Schwarzhaarige an sich herab. Stimmt, Klamotten gehörten zur Grundausstattung... "Ähm, ich würde es im Schrank versuchen, wenn ich suchen müsste." Suchend schaute Andreas sich um. "Das da könnte einer sein.", deutete er auf einenunscheinbaren Wandschrank in der Ecke des Zimmers. "Bleib hier stehen, ja? Ich will dich nicht vom Boden aufsammeln müssen", bat Jonas, als er sich auf die Suche nach der Kleidung machte. Der Wandschrank war ein guter Tipp gewesen, Jonas fand die zusammengerollte Jeans ebenso wie das Hemd, das der andere am Vorabend getragen hatte. Die Jeans war halbwegs sauber geblieben, aber das Hemd konnte er vergessen - es war vollkommen mit eingetrocknetem Blut verschmiert. "Du willst doch sicher nicht im T-Shirt rumlaufen... es ist ziemlich frisch draußen", grinste er. Wenn Andreas nichts anderes dabei hatte als das, dann würden sie ein Problem haben. SO konnte er zumindest nicht auf die Straße gehen. Der schwarzhaarige Mann überlegte kurz. Jonas entrollte das T-Shirt, so dass das Problem offensichtlich wurde. "Es ist kalt draußen, nicht?" Andreas glaubte seine Gedanken und Erinnerungen zusammen. So richtig gelang ihm das nicht, nur das vage Gefühl blieb, dass das nicht zum auf die Straße gehen ausreichte. Jonas nickte. Es war offensichtlich, dass der andere noch nicht wieder zurechnungsfähig war. Wie sollten sie den Angeschlagenen jetzt nach Hause bringen? Er ging wieder um das Bett herum und reichte Andreas die Jeans. Kurzentschlossen zog er dann seine Jacke aus und legte sie aufs Bett. "Ich hoffe, du wohnst nicht zu weit von hier weg", lächelte er. Andreas schaute ihn verständnislos an. "Wenn du mir sagst, in welchem Krankenhaus wir sind, kann ich dir darauf vielleicht eine Antwort geben." "Mathildenstift," antwortete Jonas knapp. Andreas überlegte. Dann antwortete er: "Laufen würde ich das nicht. Etwa drei Kilometer von hier. Ich muss in die Wilhelmstraße." Drei Kilometer? Das war zwar mit dem Fahrrad kein Problem, wohl aber für Andreas in seinem Zustand. Wie sollten sie dahin kommen? Zu allem Überfluss hatte Jonas sein Fahrrad hier stehen... Na ja, er hatte es heute schon einmal zu Fuß abgeholt, da würde ein zweites Mal morgen kein Problem werden. Aber das Problem des Transportes hatte sich damit noch nicht gelöst. "Ich könnte mal rausgehen und gucken, wie der Bus fährt", schlug Jonas zögernd vor. In diesem Moment kam Nico wieder ins Zimmer und stockte. "Wie jetzt? Also, bei Andreas' Verfassung würde ich doch lieber ein Taxi nehmen!" Kurz sah er Jonas an, sprach dann aber weiter, bevor der etwas einwenden konnte. "Jonas kümmert sich um dich, dann werd ich dir die Heimfahrt bezahlen. Damit ich wenigstens zu irgendetwas nütze bin." Den letzten Satz hatte er fast geflüstert. Gleich darauf schüttelte er aber den Kopf und sah die Beiden abwartend an. Andreas nickte. Bus war eine gute Idee. Zwinkernd bedachte er Nico, der sich etwas hilflos im Hintergrund hielt und sie beide beobachtete. Der Schwerkraft gehorchend, ließ er sich wieder auf das Bett fallen und griff nach seiner Hose. Von dem Gedanken beseelt, keine Minute länger hier bleiben zu müssen, waren ihm die kleinen Ausfallerscheinungen egal, auch wenn sie ihm gehörig auf die Nerven gingen. "Nico, ich hab da hinten auf dem Gang eine Telefonzelle gesehen, kannst du uns eins rufen?", bat Jonas den schwarzhaarigen Jungen. "Wenn du wiederkommst, dann sind wir hier auch fertig." "Ein Taxi?" Andreas schaut verständnislos - irgendwie hatte er hier etwas nicht mitbekommen. Was war mit dem Bus? "Wie willst du sonst nach Hause kommen? Willst du mit dem Bus fahren", sah Jonas ihn ungläubig an. Hilflos zuckte Andreas mit der Schulter. "Keine Ahnung. Taxi ist mit Sicherheit besser." Wahrscheinlich hatten sie recht. Am liebsten wollte er gar nicht sehen, wir er gerade auf sie wirkte. Als erstes galt es die Tabletten abzusetzen. "Okay, dann ruf ich euch eins.", meinte Nico und verschwand auf den Flur. Jonas hielt noch immer das verschmierte T-Shirt in der Hand, rollte es jetzt aber wieder zusammen. "Am besten, du behältst das hier an", deutete er auf das weiße Stoffstück, das Andreas gerade trug, "bei dem hier kannst du froh sein, wenn es nicht gleich als Putzlappen endet." "Ich denke nicht, dass meine Jacke letzte Nacht mitgekommen ist", überlegte der Barkeeper für sich. "Ich hab jedenfalls keine gesehen.", nahm ihm Jonas die Hoffnung, dass es doch anders war, "Nimm die hier, ich hab einen dicken Pullover an, das reicht." Nun, zumindest *musste* das reichen, bei diesen Temperaturen würde er ohne Jacke sicher frieren. Der schwarzhaarige Barkeeper nickte nur. Mit verbissener Miene kämpfte er sich in seine Hose, als der Jonas nichts mehr sagte. Zufrieden stellte er fest, dass ihm dabei sogar Erfolg beschieden war. Vorsichtig, dass Andreas seinen Kopf nicht zu sehr bewegen musste, half Jonas ihm dann in die Jacke. "Alles klar, in 15 Minuten kommt ein Taxi.", meldete Nico sich zurück. "Ich glaube, eine Viertelstunde ist eine gute Zeit, um nach unten zu gehen, was meint ihr?", fragte er die beiden anderen. "Geht das mit dem Auschecken klar?", erinnerte Andreas an die lästigen Formalitäten Nico seufzte. Zerknirscht meinte er: "Die Schwester schien mir nicht sehr überzeugt. Du müsstest nochmal selbst hin." "Na los", trieb Jonas die anderen beiden aufgesetzt munter an, "dann sollten wir uns beeilen." Er stellte sich vor dem Schwarzhaarigen auf und bot ihm seine Hand an, um ihm wieder beim Aufstehen zu helfen. "Okay!", kam es bestimmt, "Auf zur Schwester." Willig nahm Andreas das Angebot an und ließ sich auf die Beine ziehen Vorsichtig und wirklich nicht zu schnell führte Jonas den ihn zur Tür. "Du hast nichts hier, was du vergessen könntest, oder? Portemonnaie? Brille? Irgendwas an Schmuck?" Andreas überlegte. "Keine Ahnung. Ich denke, aber nicht. Es dürfte sich noch alles im Spind in der Bar befinden." "OK, dann lasst uns gehen.", schob er den Schwarzhaarigen aus dem Zimmer heraus. Nico folgte den Beiden stumm und schloss die Tür hinter ihnen. Die ersten Schritte auf dem Gang waren sehr mühsam, mehrfach befürchtete Jonas, dass Andreas über seine eigenen Füße stolpern oder einfach so zusammenklappen würde. "Wo wollen Sie hin?", wurden sie von einer resolute Stimme aufgehalten. Jonas sah auf. Eine Krankenschwester Marke "alte Jungfer" hatte sich vor ihnen aufgebaut. "Oh, gut, dass wir Sie treffen", fand Jonas zu seinem eigenen Erstaunen schnell die Sprache wieder. "Herr Graumann wollte seine Entlassung regeln. Zu Hause wird er sich doch sicher besser erholen." Freundlich lächelnd sah er die Schwester an und hoffte auf die Wirkung seiner leuchtendblauen Augen. Nur unmerklich wanderte die Augenbraue der sehr einschüchtern wirkenden Frau nach oben. "Soweit ich weiß", begann sie, "Erlaubt der Zustand von Herrn Graumann eine weitere Versorgung zu Hause und von seinem Hausarzt. Für drei Tage hat er noch im Bett zu bleiben. Da er hier keine Angehörigen hat, wurde davon abgesehen, ihn schon jetzt zu entlassen. Wer also sind Sie?" Standhaft lächelte Jonas weiter, als er versuchte, glaubhaft auf die Frage zu antworten: "Angehörige wohnen zwar nicht hier in der Stadt, aber er hat zwei Mitbewohner in seiner WG. Wir werden für ihn sorgen - und wenn noch etwas sein sollte, werden wir uns in jedem Fall wieder an Sie wenden." So, wie die Schwester ihn ansah, könnte dieser Überzeugungsversuch geklappt haben. "Mhm, sie sind also seine Mitbewohner! Gut, wenn Herr Dr. Schmidt nichts dagegen hat, können Sie ihn mit nach Hause nehmen. Er muss noch einige Papiere unterschreiben. Ich hole den Arzt." Damit drehte sie sich um und ließ die drei für einen kurzen Moment allein. Zufrieden lächelte Jonas, das hatte also geklappt. Wenn dieser Dr. Schmidt ihnen das auch abnahm, stand einer Heimkehr und sicherlich ruhigeren Erholung Andreas' nichts mehr im Wege. Noch immer stützte er den Schwarzhaarigen, und langsam wurde der schwerer. Schnell sah er sich auf dem Flur um und entdeckte neben dem Schwesternzimmer eine kleine Bank. "Komm, da kannst du dich hinsetzen.", murmelte er und führte Andreas zu der unbequem aussehenden Sitzgelegenheit. Nur einen Moment lang mussten sie warten, da kam ein älterer Herr im weißen Kittel auf sie zu. "Herr Graumann?" Fragend sah Andreas auf. "Ja?" Er hoffte, dass seine Stimme fest genug klang, und ein weiteres Nachbohren hinsichtlich seines Allgemeinzustandes unterblieb. "Wie ich sehe, wollen Sie unbedingt nach Haus.", sah der Doktor ihn durchdringend an. Er schien keine Reaktion von Andreas zu erwarten, sondern sprach nur weiter: "Und wenn ich Schwester Margarethe richtig verstanden habe, werden Ihre Mitbewohner in den nächsten Tagen ein wenig für Sie sorgen?" Ebenso prüfend wie eben Andreas sah er jetzt Jonas und Nico an. "Sie wollen für ihren Freund hier sorgen? Dann viel Erfolg dabei. Wenn noch irgendwelche Probleme auftauchen sollten...", begann er jetzt, eine Reihe von möglichen Komplikationen und den entsprechenden Verhaltensregeln aufzuzählen, die Jonas aufmerksam verfolgte. Schließlich hielt der Arzt Andreas ein Klemmbrett mit einem Formular hin, das der Dunkelhaarige unterschreiben sollte. Anschließend erhielt er einen Briefumschlag ("Der Arztbericht") und ein Rezept für irgendwelche Schmerzmittel und einige Tabletten "für heute Abend." Die Schwester und Dr. Schmidt verabschiedeten sich, und schon standen die drei wieder allein auf dem Gang im Krankenhaus. Andreas schaute verblüfft von seinen zwei neuen "Mitbewohner" hin zu dem entschwindendem Mann in Weiß. Das hatte er sich wirklich sehr viel schwieriger vorgestellt. "Heißt das, dass wir jetzt gehen können?", flüsterte er ungläubig. Er hoffte, dass er leise genug sprach, dass ihn keiner außer Nico und Jonas verstand. "Offensichtlich ja," wunderte sich auch Jonas. Dann sah er den Dunkelhaarigen besorgt an: "Meinst du, du schaffst es bis unten? Oder willst du noch einen Moment hier sitzen bleiben?" Noch einmal schaute Andreas sich um, dann sah er zu Jonas auf. "Nur raus hier, bevor die es sich anders überlegen!" "OK, dann komm!", forderte Jonas ihn auf, hielt dem Anderen auffordernd die Hand hin, um ihn vorsichtig auf die Beine zu ziehen. Den Gang entlang bis zum Fahrstuhl ging er links, Nico rechts, und Andreas in der Mitte. Und nachdem sie im Erdgeschoss ausgestiegen waren, merkte Jonas schon, wie viel sicherer Andreas auf den Beinen wurde. Erstaunlich schnell waren sie schon aus der Tür heraus, und standen auf dem Parkplatz. Jonas hatte das Gefühl, dass sie alle drei gleichermaßen aufatmeten.