Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 2/? Autor: K-chan, Seya, Silberchen E-Mail: kchan_yaoi@yahoo.de sheseya@yahoo.desilberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *********************************************************************** "Sein Name ist Andreas Graumann, 22 Jahre alt. Sein Zustand ist stabil. Er ..." Nico und Jonas schauten sich verwirrt um. Sie waren im Krankenhaus angekommen und Informationen über den Barkeeper wurden in harten schnellen Worten weiter gegeben und irgendetwas von ,kleiner OP' gesagt. Und schon wurde der Verletzte weggebracht. Nico stand immer noch neben dem blassen Jungen, bereit ihn aufzufangen, falls er doch noch umkippen sollte. "Äh... gehen wir erst mal zur Aufnahme, ja?" Er versuchte ein aufmunterndes Lächeln, das ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Aufnahme? So schlecht ging es ihm nun doch nicht, auch wenn sein Magen ihn ständig vom Gegenteil überzeugen wollte. Jonas wollte schon laut protestieren, entschied sich aber dagegen und versuchte erst mal einen Ort ausfindig zu machen, der ihm ein wenig die jetzt dringend benötigte Ruhe verschaffte. "Lass.... lass uns erst mal hinsetzen," bat er Nico mit leiser Stimme und steuerte auf zwei Plastiksessel zu, die für die Wartenden auf dem Gang standen. Ganz allmählich sickerte das Geschehene in sein Bewusstsein ein. Er hatte in der Disco etwas getrunken und übermütig das Glas zurückrutschen lassen. Darum lag dieser Andreas jetzt hier im OP... Und Jonas war Schuld daran. Langsam sackte er in sich zusammen. Er war Schuld, er war... Und langsam und leise kamen diese Worte auch aus ihm herausgetröpfelt: "Ich bin Schuld, ich bin Schuld..." Fast hätte Nico nicht verstanden, was der Junge da vor sich hinmurmelte, doch dann begriff er. Er drehte dessen Kopf zu sich, so dass er ihn anschauen musste, und redete auf ihn ein: "Mach dir keine Vorwürfe! Ich hab es gesehen, das alles war ein Unfall! Du kannst überhaupt nichts dafür!" "Ich bin schuld, ich bin schuld", betete Jonas weiter vor sich hin. "Wenn ich das Glas vernünftig hingestellt hätte, wäre das alles nicht passiert. Und dieser Andreas wäre jetzt nicht im OP. Es ist alles meine Schuld..." Zitternd hob Jonas seine Hände vor das Gesicht und sackte noch mehr in sich zusammen. "Was ist, wenn da irgendwas zurückbleibt? Was, wenn er nicht wieder aufwacht?" Nico war geschockt. Wie konnte er so was nur denken? "Er wird wieder aufwachen. Hörst du? So schlimm ist die Verletzung sicher nicht. Morgen geht's ihm bestimmt schon wieder besser. Und jetzt hör bitte auf, das hätte schließlich jedem passieren können. Du hast ihm doch sogar noch geholfen!" "Und wenn er nicht..." Jonas kauerte sich in seinem Sitz noch weiter zusammen, er wollte nichts mehr hören und sehen. Er hatte einen anderen Menschen schwer verletzt, durch eine kleine Unachtsamkeit in Lebensgefahr gebracht. Und der Junge neben ihm wusste das ebenso gut wie er selbst! Verzweifelt seufzte Nico. Es hatte anscheinend gar keinen Sinn, ihm die Schuldgefühle ausreden zu wollen. So saßen die beiden eine Weile einfach da; Jonas immer noch zusammen gesunken, Nico nervös auf seiner Unterlippe kauend. Natürlich war auch er besorgt um Andreas, die Wunde hatte immerhin stark geblutet. Aber im Moment wusste er einfach nicht, was er mit dem anderen Jungen machen sollte. Der ließ nicht mit sich reden, aber alleine lassen wollte Nico ihn auch nicht. Schnelle Schritte näherten sich den beiden. Eine junge Frau kam den Gang entlang und bleib schließlich vor den beiden Jungen stehen. Jonas blickte erst auf, als er ihre Stimme hörte: "Seid ihr mit Herrn Graumann gekommen?" Ihr Blick fiel auf Jonas. "Dir scheint's ja nicht so gut zu gehen... Kommt mal mit, hier auf dem Gang zu warten, ist nicht so toll." Mit diesen Worten führte sie die beiden Jungen in ein etwas abgelegenes Zimmer und ließ Jonas sich auf eine Liege Platz nehmen. "So, leg auch noch die Beine hoch, das wird dir gut tun", forderte sie ihn auf. Sie ging zu einem Waschbecken an der hinteren Wand und füllte einen farblosen Plastikbecher mit kaltem Wasser. Den reichte sie diesem dem braunhaarigen Jungen, der langsam von dem kühlen Nass trank. Allmählich wurde er tatsächlich ruhiger; er lehnte sich zurück und atmete tief durch. Nico hatte alles stillschweigend mit angesehen, doch nun hielt er es nicht mehr aus. "Wie geht es Herrn Graumann denn?", platzte es buchstäblich aus ihm heraus. Jonas drehte sich zur Seite, das wollte er auch mitkriegen. Obwohl er nur Wasser bekommen hatte und erst wenige Minuten lag, fühlte er sich schon ein wenige besser. "Herrn Graumann geht es den Umständen entsprechend gut. Er wurde geröntgt, dabei wurden keine schwereren Verletzungen festgestellt. Die Wunde wurde vernäht, und er wurde auf Station verlegt. Ihr könnt gleich zu ihm, aber zunächst solltest du", sah sie zu Jonas, "dich ein wenig erholen. Herr Graumann liegt im übrigen auf Station 3; fragt da nach ihm." Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer und lies Jonas mit dem Anderen alleine. Nico atmete erleichtert auf. "Siehst du? Es geht ihm gut." Er lächelte den Jungen an. Dann fiel ihm noch etwas ein. "Ach ja... Wie heißt du eigentlich?" Verwundert sah Jonas auf. Stimmt, jetzt, wo der andere es erwähnte, fiel es ihm auch auf. "Jonas", sagte er, während er sich vorsichtig aufsetzte. "Ich bin Nico. Geht es dir denn jetzt besser?" "Besser? Ein bisschen vielleicht...", erklärte Jonas leise. "Lass uns mal hochgehen, ich...", ich muss mich entschuldigen, hätte er sagen wollen, aber irgendwie schien es ihm unangebracht, diesem fremden Typen so etwas anzuvertrauen. Also sprach er nicht weiter, sondern setzte sich langsam auf und ließ die Beine von der Liege baumeln. Ein wenig schwindelig war ihm noch, er sah hilfesuchend zu Nico herüber. Der verstand sofort und stützte Jonas, während er von der Liege rutschte. Sie gingen die Gänge entlang, den Schildern folgend, bis sie zur Station 3 kamen. Man ließ sie auch gleich zu diesem Andreas. Betreten standen beide in der Tür und versuchten Andreas Zustand zu erfassen. Die Wirkung der Vollnarkose hielt noch an. Wäre nicht der Verband um seinen Kopf, hätte man meinen können, er würde nur schlafen. *** Andreas hingegen wünschte, er würde wirklich schlafen. Ein entnervendes Piepen und leises Rascheln erklang in seiner Nähe und er spürte die Anwesenheit von Menschen. Trägheit floss in seinen Gedanken und irgendetwas machte sie so zähflüssig wie Honig. Ein seltsamer Geschmack lag auf seiner Zunge und Durst quälte ihn. Bevor er jedoch endgültig die Oberfläche erreichen konnte, tastete die Dunkelheit wieder nach ihm und alle Wahrnehmungen verschwanden. *** Nico betrachtete Andreas aufmerksam, dann schaute er Jonas an, der den Eindruck machte, so schnell wie möglich von hier verschwinden zu wollen. Ziemlich verunsichert betrat dieser zusammen mit Nico das Zimmer des Frischoperierten. Er hatte sich nie an Krankenhäuser gewöhnen können, und glücklicherweise hatte er sich auch nie allzu lange in diesen Einrichtungen aufhalten müssen. Nico hielt noch immer seinen Arm, und bei dem Anblick des blassen Gesichtes unter dem Verband, das er nun erblickte, war er auch froh darüber. Jetzt betrachtete er die Züge des Barkeepers vor sich genauer. Dunkle Haare umrahmten das Gesicht und den weißen Verband. Braune Augen stellte sich Jonas vor, könnte dieser Andreas haben, sicher war er sich da nicht, er hatte ihn in der Disco nicht so genau betrachtet. War das wirklich erst eine Stunde her? Nico schaute sich im Zimmer um und entdeckte den gesuchten Plastikstuhl nur einen Schritt von sich entfernt. Er schob ihn neben das Bett und deutete Jonas, sich zu setzen. Dankbar ließ der sich auf den Stuhl sinken. Orange war der Stuhl, der einzige Farbklecks in dem weiß-grauen Zimmer. Langsam ließ der Junge seinen Blick erneut über den Bewusstlosen streichen. Hoffentlich hatte er nichts Bleibendes abbekommen, das könnte Jonas sich nie verzeihen. Mehrere Schläuche hingen über dem Bett herab, und ein piepender Apparat war mit Kabeln an Andreas' Körper befestigt. Eine Uhr an der Wand zeigte 2:43. Suchend blickte Jonas zu seinem Begleiter, der sich neben ihn gestellt hatte. Doch der sah nur mit leeren Augen zu dem Barkeeper hinüber. Die ganze Situation kam ihm irgendwie surreal vor, als wäre das alles nur ein Traum gewesen. Nach dem Unfall war alles so schnell gegangen und trotzdem hatte Nico die Geschehnisse um sich herum wie in Zeitlupe wahrgenommen. Er schüttelte leicht den Kopf, um die aufkommenden Bilder zu verscheuchen. Erst jetzt merkte er, wie müde er eigentlich war. Und, dass Jonas ihn ansah! Zu gern hätte er dem Braunhaarigen ein aufmunterndes Lächeln gezeigt, aber er hatte nicht mehr die Kraft dazu. Allmählich fielen Jonas die Augen zu. Es war ein aufregender Abend gewesen, und um kurz vor drei lag er sonst immer schon in seinem Bett und schlief tief und fest. Nico neben ihm sah ähnlich müde aus. Kurz überlegte Jonas, dann rutschte er auf dem unbequemen Plastikstuhl ein Stück zur Seite. "Komm, du bist doch auch müde. Setz dich neben mich," flüsterte er. Andreas würde auch Lärm nicht aufwecken, war er sich sicher, aber dennoch war er leise, um die angenehme Ruhe um sich nicht zu zerstören. Nach kurzem Zögern ließ Nico sich auf den angebotenen Platz sinken. Wann der Verletzte wohl aufwachen würde? Wieder gähnte Jonas und lehnte sich an die unbequeme Rückenlehne des Stuhles an. Mühsam hielt er seine Augen offen, er durfte nicht einschlafen, wenn er schon hier auf das Erwachen des Barkeepers wartete. Aber warum blieb der andere Junge bei ihm. Warum ging Nico nicht nach Hause? Immerhin hatte er nicht viel mit dem Vorfall zu tun... "Willst du nicht nach Hause gehen? Du bist ja nicht schuld an seinem Zustand, reicht doch, wenn einer von uns sich hier die Nacht um die Ohren schlägt," schlug er vor. *** Andreas nahm erneut die Geräusche der Apparaturen wahr. Irgendwie war alles, was er fühlte nur eine unendliche Schwere. Dennoch hatte er das dringende Bedürfnis, seine Augen zu öffnen und herauszufinden, wo er sich befand. Irgendwie beschlich ihn das Gefühl, dass er nicht mehr in der Bar war. Irgend etwas war passiert. Aber was? Andreas wollte den Kopf schütteln, doch auch dieser schien zehnmal schwerer als er eigentlich sein durfte. Nur mit Mühe gelang es ihm, seine Lider zu öffnen, doch alles, was er sah, war ein diffuses Halbdunkel, welches von einer Lichtquelle hinter ihm erleuchtet wurde. Alle Konturen waren unscharf und auch erneutes Blinzeln verhalf zu keiner klareren Sicht. *** Das leichte Flattern der Augenlider des Bewusstlosen ließ Jonas aufblicken. Er stupste Nico in die Rippen und beugte sich zum Bett. "Hey," flüsterte er, "Andreas..." Vorsichtig nahm er die blasse Hand, die auf der Bettdecke lag und drückte sie. Falls der Barkeeper ihn nicht hören konnte, merkte er so wenigstens, dass er nicht alleine war. Nico lehnte sich etwas vor und sah gebannt zu, wie Andreas darum kämpfte aufzuwachen. Still wünschte er sich, dass dieser endlich die Augen aufschlagen würde. Würde er sie überhaupt wieder erkennen? Demjenigen, dem diese schweren Gedanken galten, war übel. Nichts schien zu stimmen. Ein schwarzes Loch war anstelle seines Magens und verbreitete eine seltsame Leere in Andreas Körpermitte. Der Kopf hatte hingegen irgendjemand mit Watte eingewickelt, da alles um ihn herum seltsam weich und gefiltert wirkte. Nur langsam verschwanden die schwarzen Punkte aus seiner Wahrnehmung, die nach und nach durch farbige Schlieren ausgetauscht wurden. Wieder blinzelte er sich den Weg zu einer besseren Sicht frei. Dann gewann seine Umgebung endlich an Konturen und Aussagekraft, auch wenn es ihm Mühe bereitete, alles um ihn herum mit Namen zu benennen. Nach einer für ihn fast unendlich langen Zeit stellte er zu seinem Erstaunen fest, dass er sehr genau beobachtet wurde. Seine Besucher sahen genauso schlecht aus, wie er sich fühlte. Irgendwie übernächtigt. Andreas hatte das Gefühl, die zwei schon einmal gesehen zu haben. Doch seine Erinnerungen ließen ihn im Stich. Trocken schluckte er und versuchte sich in der Frage, wo er sich befände. Doch außer einem Krächzen kam nichts aus seinem Mund. Um Andreas zu beruhigen, strich Jonas leicht über seinen Handrücken. Mit seiner Verletzung sollte er sich sicher nicht zu sehr bewegen, geschweige denn sich aufsetzen. "Psst," machte er. Das Krächzen des Anderen hörte sich alles andere als gesund an. Dann flüsterte er: "Nicht reden! Es ist alles in Ordnung. Du hast dir den Kopf angehauen und bist im Krankenhaus. Die haben dich genäht und zur Beobachtung hierher verlegt." Wieder erklang das sich schmerzhaft anhörende Krächzen aus dem Bett. "Hast du Durst?" fragte Jonas leise, ohne eine verständliche Antwort zu erwarten. "Ich hole dir was zu trinken." Vorsichtig legte er die schlaffe Hand zurück auf die Bettdecke, strich noch einmal darüber und stand auf. Andreas sah ihm hinterher. Am Waschbecken entdeckte Jonas ein Glas, das er mit kühlem Wasser füllte. Mit wenigen Schritten erreichte er wieder das Bett, in dem der Schwarzhaarige lag und mühsam die Augen offen hielt. Er stellte sich an das Kopfende und schob seine Hand vorsichtig unter den Andreas' Kopf; hob ihn ganz leicht an und setzte das Glas an seine Lippen. Das Wasser war eine Wohltat. Auch bemerkte Andreas erst jetzt, dass er regelrecht am verdursten war. Er wusste zwar noch immer nicht, wo er war und wer ihm da half. Das war aber auch in diesem Moment unwichtig. Gierig schluckte er und hoffte mit jedem Schluck auf mehr. Mit Bedauern stellte er fest, dass sich das Glas zu schnell dem Ende neigte. Der Junge über ihm schien besorgt, ob seiner großen Züge. Als das Glas leer war, schaute dieser Andreas fragend an. Doch er schüttelte leicht den Kopf. Es war vorerst genug. Unsicher probierte er noch einmal die Beschaffenheit seiner Stimmbänder und war über die fremde Stimme erschrocken. Die leise und krächzende Stimme hatte Jonas erst kaum verstanden, aber er konnte sich denken, wonach der andere ihn gefragt hatte. Er stellte das erstaunlich schnell geleerte Glas auf den kleinen Nachtschrank ab und wandte sich wieder Andreas zu. "Du bist im Krankenhaus, ich weiß nicht genau, in welchem." Er suchte auf der Bettdecke nach der Hand des Anderen, während er weitersprach: "Ich bin Jonas, und das da," wies er auf den Schwarzhaarigen, der immer noch schlapp auf dem Stuhl saß und nun hochsah, "ist Nico. Die Ärzte wollen dich nur heute Nacht hier behalten, zur Beobachtung. Wie fühlst du dich?" Andreas schaute von dem, der sich als Jonas vorgestellt hatte, zu dem Schwarzhaarigen und dann wieder zurück. Irgendwie kamen ihm die beiden bekannt vor. Noch einmal schaute er zu Nico, dem es anscheinend überhaupt nicht gut ging und musterte ihn. Noch immer am Überlegen, wer die beiden denn sein könnten, räusperte er sich: "Ganz gut. Was ist passiert und warum seid ihr hier? ... und wer seid ihr überhaupt?" "Wir... wir waren an der Bar, als du dich angestoßen hast. Wir haben dich hier hergebracht," erklärte Jonas. Dann stockte er. "Ich... ich bin schuld daran, dass du dich verletzt hast. Ich... ich... Entschuldige", brachte er noch hervor, bevor seine Beine aus Erschöpfung und Erleichterung nachgaben, dass der andere, Andreas, aufgewacht war und er offensichtlich keinen größeren Schaden genommen hatte. Andreas riss erschrocken die Augen auf. Ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, schleuderte er die störende Decke von sich und stürzte auf den braunhaarigen Jungen zu. Ehe Jonas den Boden berührte, hatte er ihn aufgefangen und schaute in das blasse Gesicht. Erst jetzt ging ihm wirklich auf, warum er eigentlich in dem Bett gelegen hatte. Denn seine Beine zitterten in diesem unpassenden Augenblick. Mit einem inneren Stöhnen gab Andreas nach und glitt mit dem Jungen in seinem Arm zu Boden. Sanft bettete er ihn in seinem Schoss und schloss schweratmend die Augen. Nur für einen Moment war Jonas schwarz vor den Augen geworden, dann klärte sich sein Blick wieder. Er lag auf dem Boden, und blickte hoch zu... Andreas? Wie kam der hier auf die Erde neben dem Bett? Einen Moment lang ließ er die Situation noch einmal an sich vorüberziehen, bis er den möglichen Verlauf seines Zu-Boden-Stürzens begriffen hatte. Hatte ihn dieser Andreas, der eben erst aus seiner Bewusstlosigkeit aufgewacht war, wirklich aufgefangen? Vorsichtig setzte sich Jonas auf, und sah Andreas an. Nico war auch aufgesprungen, aber der Barkeeper hatte schneller reagiert. Nun stand er unschlüssig neben den Beiden. Andreas schien zwar erschöpft, aber nicht allzu schwer angeschlagen zu sein. Die Anspannung verließ Nico wieder und machte einer ungeheuren Müdigkeit Platz. Er wollte eigentlich nur noch ins Bett. So wie die andern zwei aussahen, wäre es wohl das Beste für alle, sich eine Weile aufs Ohr zu legen. Er wollte ihnen das auch gerade mitteilen, doch es sah so aus, als wollte Jonas noch etwas sagen. Vorsichtig, beinahe ängstlich sah der Junge den Barkeeper an. Schon wieder hatte er dem Anderen geschadet durch seine Blödheit, durch seine Unfähigkeit. Konnte er nicht einmal etwas richtig machen?!? "Ent... entschuldige...", murmelte er. Eigentlich hätte er sich das auch sparen können, nachdem Jonas an dieser Verletzung schuld war, und der andere jetzt wieder wegen ihm zusammengebrochen war. Er rutschte zur Seite, Richtung Wand, setzte sich auf und zog die Beine an. Die Arme um die Knie schlingend senkte er seinen Kopf. Wieder hatte er alles falsch gemacht! Der dunkelhaarige Barkeeper rieb sich die Schläfen und tastete dabei über den Verband. Irgendwie verstand er überhaupt nichts. Er hatte sich gestoßen und der andere war Schuld daran? Oder war es der andere Junge, der irgendwie erschöpft mit blassen Gesichtszügen über ihm hang und sie zwei mit müden Augen musterte? Andreas vermied es den Kopf zu schütteln. Etwas warnte ihn davor. Was immer passiert war, es war ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt Ordnung in das Chaos zu bringen. Weder er noch die anderen Zwei schienen dafür in der entsprechend notwendigen Verfassung zu sein. Schlafen! Schlaf war wirklich eine gute Idee. Doch wie ins Bett? Der Braunhaarige war nicht sonderlich schwer gewesen. Dennoch hatte es ihn von den Füßen gefegt. Heute war für ihn einfach alles zuviel, einschließlich seines eigenen Gewichts. "Hey", räusperte Andreas sich und zupfte an dem Jungen, der sich leicht zusammengerollt, neben ihn gesetzt hatte. "Jonas, richtig? Was immer du getan hast, können wir das auf morgen verschieben? Ich bin für eine Mütze voll Schlaf. Und morgen, wenn mein Schädel nicht mehr so brummt, können wir immer noch reden." Andreas schaute zu dem Schwarzhaarigen auf, der sich als Nico vorgestellt hatte, und nickte ihm zu. "Hilf mal deinem Freund auf! Nicht das der noch weiter in sich zusammenschrumpft." Ganz entfernt hörte Jonas die Stimme des Anderen, leise und ruhig. Er musste doch wütend sein, ihn hassen! Nach dem, was Jonas ihm in der kurzen Zeit, die sie sich "kannten", angetan hat! Aber vermutlich stand dieser Andreas noch unter Schock, und Jonas würde erst morgen das verdiente Donnerwetter abbekommen. Ihm wurde kalt, nicht nur von außen, von der Nachtluft, die durch das offene Fenster hereinzog, sondern auch von innen. Wieder hatte er sich selbst bewiesen, dass er alles falsch machte. Seufzend kniete sich Nico vor Jonas und legte eine Hand auf seine Schulter. Erst jetzt bemerkte er, dass der Junge vor ihm leicht zitterte. Warum ging der überhaupt in diese Abwehrhaltung? Er hatte doch gar nichts getan! "Jonas?", sprach der Schwarzhaarige ihn vorsichtig an. "Komm, wir sollten lieber nach Hause fahren. Wir können ja morgen wiederkommen, okay?" Auffordernd reichte er ihm die Hand. Jonas spürte die warme Hand. Was sollte das? Sie hassten ihn doch beide, Andreas, weil er an dessen Unfall Schuld war, und dieser Nico, weil er ihm den Abend in der Disco verdorben hatte. Wollten sie ihn wirklich noch einmal aufbauen, damit sie ihn hinterher umso heftiger zusammenfalten konnten? Vorsichtig sah Jonas auf. In dem Gesicht vor ihm sah er nur Mitgefühl und Sorge, keinerlei Wut oder Hass. Konnte der andere seine Gefühle so gut verbergen? Oder war ihm noch nicht bewusst, dass er, Jonas, an dieser Situation Schuld war? Andreas fror leicht, aber es interessierte ihn nicht sonderlich. Wichtiger war, dass Jonas sich endlich aufraffte. Der Barkeeper war unendlich froh, als der andere Junge reagierte und auf den Braunhaarigen einredete. Mit einer Geste, die er selbst nicht einordnen konnte, strich er ein paar Strähnen aus dem blassen Gesicht von Jonas. "Er hat Recht", wisperte er. "Ihr solltet gehen." Die leise, ruhige Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht, und irgendwie hatte Andreas Recht. Wenn Jonas schon den Hass der beiden auf sich gezogen hatte, konnte er genauso gut auf den morgigen Tag warten, um sich fertig machen zu lassen. Eine weiche Hand fuhr über Jonas' Stirn. Ganz kurz schloss er die Augen, um dieses Gefühl der Freundlichkeit, Nähe und Geborgenheit zu genießen, bis der Moment schon vorbei war, und die Finger sich wieder entfernten. Schon nach wenigen Sekunden war der Zauber der Situation verflogen. Erschöpft setzte er sich auf und sah in die besorgten Augen Andreas' und Nicos`. Die beiden hatte noch immer nicht begriffen, was da passiert war! Wer diese Situation verursacht hatte. Jonas griff auf die Matratze und zog sich vorsichtig daran hoch. Und ließ sich dann schnell auf dem Bett nieder - ihm war noch immer schwindlig. "Hey, alles in Ordnung?", kam es besorgt von Nico. Der Braunhaarige sah einfach nicht gesund aus, so wie er da schlapp auf der Bettkante hockte. Gleichzeitig bemerkte Nico, dass Andreas keine Anstalten machte aufzustehen. Während er Jonas über den Arm strich wandte er sich halb dem Barkeeper zu. "Soll ich dir hoch helfen?" "Ich glaube nicht, dass ich solch schwierige Sachen heute noch allein hinbekomme. Aber so wie es aussieht, bin ich in dieser Hinsicht nicht allein." Schalkhaft zwinkerte Andreas in der Hoffnung, dass er nicht so schlimm aussah, wie er sich in den besorgten Gesichtszügen des Anderen wiederspiegelte. "Wäre nett, wenn du mir helfen könntest." Langsam klärte sich Jonas' Blick wieder, und er sah, wie Nico dem Anderen aufhalf. Und wie ihn beide besorgt anblickten. Langsam, um nicht wieder umzukippen und so die beiden zu belasten, rutschte er zur Seite, damit sich Andreas ebenfalls auf die Bettkante setzen konnte. Die letzte Bewegung war wohl wieder zu schnell gewesen, den erneut sah er bunte Punkte vor seinen Augen tanzen. Mit beiden Händen griff er an die Bettkante, um nicht abzurutschen. Erschrocken keuchte Andreas auf, als er sah wie Jonas urplötzlich alle Farbe aus dem Gesicht wich und vor seinen Augen buchstäblich in sich zusammensank. Jetzt hatte Jonas die Augen geschlossen und atmete tief durch. Langsam verschwand der Schwindel, und er wagte es, wieder aufzusehen. Noch immer hatten sich seine Hände im Laken vergraben, das Gefühl gab ihm auf irrationale Art und Weise Sicherheit, obwohl er wusste, dass der dünne Stoff einen Sturz im Ernstfall nicht abfangen könnte. Ohne Vorwarnung öffnete sich die Tür zum Krankenzimmer. Vorsichtig drehte Jonas sich um; seinen Schwindel wollte er durch eine ruckartige Bewegung nicht noch fördern. Eine ziemlich übermüdet aussehende Nachtschwester stand im Türrahmen und blickte auf die drei Jungs. "Was ist denn hier los?", fragte sie, ihre Stimme klang nicht so energisch, wie sie es sicher eigentlich geplant hatte. Dennoch schritt sie schnell auf das Bett zu, platzierte Jonas kurzerhand in einem der quietschorangenen Stühle und half Andreas, sich wieder in sein Bett zu legen. Ein dicker, roter Fleck war jetzt in seiner linken Armbeuge zu sehen, der Krankenhauskittel, den er noch trug, war blutverschmiert. Seufzend begutachtete die Schwester den Arm und beschloss kurzerhand, "Die Kanüle können wir eigentlich auch entfernen, wenn Sie morgen sowieso entlassen werden sollen." Sie holte ein Pflaster und einen Tupfer aus dem Nachttischschränkchen neben dem Bett, und mit einem kurzen Ruck war die lange Nadel aus dem blassen Arm herausgezogen. Die Schwester presste kurz den Tupfer auf die Wunde, dann verklebte sie sie mit dem Pflaster. Als sie die Reste dieser kurzen Verarztung entsorgt hatte, sah sie Jonas und Nico an. "Und ihr beide solltet nach Hause gehen. Herr Graumann braucht Ruhe - ihr könnt morgen ab neun Uhr wiederkommen, dann ist Besuchszeit." Das war dann wohl das endgültige Stichwort. Zweifelnd sah Nico zu Jonas. "Können wir los? Oder willst du lieber noch einen Moment sitzen bleiben?" Die Schwester schien schon ungeduldig zu werden, doch bevor sie etwas sagen konnte, wandte sich der Schwarzhaarige schon an sie. "Wir sind ja gleich weg. Könnten sie uns vielleicht ein Taxi rufen?" Ein Taxi?!? Wie sollte sich Jonas das leisten können? "Können wir nicht zu Fuß gehen? Ich glaube, die frische Luft würde mir gut tun." Etwas verschämt blickte er auf den Boden. Hoffentlich war die Ausrede nicht zu durchsichtig. Aber ein Taxi, von welchem Krankenhaus auch immer zu ihm nach Hause, würde mehr kosten, als er in der nächsten Woche ausgeben konnte. Nudeln mit Tomatensauce und Milchreis würde das heißen, davon hatte er anfangs schon einmal leben müssen, als er sich verkalkuliert hatte. Vorsichtig stand er auf und hoffte, dass der Schwindel nicht zu stark werden würde. Und dass er nicht wieder umkippte. Sicher war es verantwortungslos, in seinem Zustand nach Hause ,gehen' zu wollen, aber was blieb ihm anderes übrig? "Zu Fuß?" Jonas erntete einen skeptischen Blick. Der Junge schien eigentlich eher wacklig auf den Beinen zu sein. Nico traute sich den wer-weiß-wie-langen Spaziergang ja nicht mal selbst so ganz zu. Und sollte der andere auf der Straße zusammenbrechen, könnte er ihm ganz bestimmt nicht allein helfen. "Bist du sicher? Ich weiß gar nicht, ob wir von hieraus den Weg finden. Ein Taxi ist doch viel schneller und sicherer. ", argumentierte er müde. Sicher? Nein, sicher war Jonas sich nur, dass er das Geld nicht aufbringen konnte. Und das konnte er Nico nun wirklich nicht auf die Nase binden. Er versuchte, sich so sicher wie möglich aufzusetzen und dann auch aufzustehen. Glücklicherweise blieben die kleinen Punkte und schwarzen Stellen vor seinen Augen aus, und nach wenigen Schritten in Richtung Tür fühlte er sich auch schon etwas sicherer auf den Beinen. Er blickte sich noch einmal zu Andreas um, der tief in die Kissen gesunken im Bett lag, wünschte ihm leise eine gute Nacht und gute Besserung, und trat dann auf den Krankenhausflur hinaus. Dieser schaute den beiden hinterher und war nicht unbedingt der Meinung, dass das mit dem Laufen eine gute Idee war. Doch der Tag forderte unnachgiebig seinen Tribut. Er rieb sich die schmerzende Stelle, wo die Schwester die Kanüle rausgezogen hatte. Mit einem stummen Seufzer schloss er die Augen und hörte nur noch das leise Klick des Schlosses, als die Tür geschlossen wurde. *** Vielen Dank fürs Lesen! Fortsetzung folgt... ... und natürlich wollen wir Feedback ^^